Am Nasenring der Kirchenveränderer

Von Prof. Dr. Hubert Gindert

Das Landeskomitee der Katholiken in Bayern – also der Zusammenschluss der Diözesanräte – behandelte am 13./14. November die „Erfahrungen von Frauen in der Kirche“.

Das Impulsreferat hielt die Ordensschwester Sara Thiel. Ihre Ordensgemeinschaft gehört zu den „Niederbronner Erlöserschwestern“. Ihr Thema beim Landeskomitee der Katholiken war „Verletzungsgeschichten von Frauen in der Kirche“.

BILD: Prof. Gindert leitet den Dachverband „Forum Deutscher Katholiken“

Am Ende steht ein eindeutiges Votum: Das Landeskomitee der Katholiken in Bayern „fordert die volle Gleichberechtigung von Frauen“.

Man kann die Position der Kirche zur Frage der geweihten Ämter für Frauen von verschiedenen Seiten aufzurollen versuchen, auch von der emotionalen Seite.

Der CDU-Politiker Kurt Biedenkopf sprach 1973 mit Blick auf die 68er Kulturrevolution von einer „Revolution neuer Art: Es ist die Revolution der Gesellschaft durch Sprache… Sie besetzt Begriffe und damit die Information der freien Gesellschaft“. – Was den 68ern weithin gelungen ist, wird heute innerkirchlich versucht.

Die Ordensschwester Sara Thiel predigt, wie sie selber sagt,

„regelmäßig auch an Hochfesten, im Gottesdienst, ‚aber immer unter dem Damoklesschwert, dass es offiziell nicht erlaubt ist‘“.

Diese Nonne kennt also die römische „Instruktion zu einigen Fragen über die Mitarbeit der Laien am Dienst der Priester“ vom 15. August 1997. Dort heißt es:

„Daher muss die Homilie während der Eucharistiefeier dem geistlichen Amtsträger, Priester oder Diakon, vorbehalten sein. Ausgeschlossen sind Laien, auch wenn sie in irgendwelchen Gemeinschaften oder Vereinigungen Aufgaben als Pastoralassistenten oder Katecheten erfüllen… Deshalb ist nicht einmal der Diözesanbischof bevollmächtigt, von der Norm des Canons zu dispensieren.“ (Artikel 3, S. 21)

„Bei der Frauenfrage gehe es“ – nach Sr. Thiel – „nicht um Pragmatismus, sondern um eine theologische Grundsatzentscheidung, nämlich die, dass Frauen wie Männer Gottes Ebenbild seien.“

Was Johannes Paul II. am 22. Mai 1994 erneut in Erinnerung gerufen hat, nämlich: „Damit also jeder Zweifel bzgl. der bedeutenden Angelegenheit, die die göttliche Verfassung selbst betrifft, beseitigt wird, erkläre ich Kraft meines Amtes, die Brüder zu stärken, dass die Kirche keinerlei Vollmacht hat, Frauen die Priesterweihe zu spenden, und dass sich alle Gläubigen der Kirche endgültig an diese Entscheidung zu halten haben,“ interessiert offensichtlich diese Ordensfrau nicht.

Sr. Thiel hat die üblichen drei Ordensgelübde versprochen, dazu gehört auch der Gehorsam. Wie glaubwürdig ist sie? Sara Thiel vertritt die Niederbronner Schwestern in der Initiative „Ordensfrauen für Menschenwürde.“ Diese setzt sich für die Zulassung von Frauen zu allen kirchlichen Ämtern und Funktionen ein (Kirchenzeitung für das Bistum Eichstätt, Nr. 47, 22.11.2020, S. 11).

Die von Sara Thiel genannten Verletzungen lassen sich übrigens auch für Männer finden und belegen. Tatsächlich geht es bei der Frauenfrage nicht um Verletzungen, sondern um eine Machtfrage. Wird die Strategie geschickt wie bei diesem Treffen des Landeskomitees eingefädelt, z.B. mit dem Vorwurf der Verletzung oder Ungleichbehandlung von Frauen, lassen sich Gremien und Einzelpersonen am Nasenring vorführen.

Können von solchen Gremien wirksame Initiativen zur Neuevangelisierung erwartet werden?


Die Gegner der Kirche sitzen in ihr selber!

Von Prof. Dr. Hubert Gindert

Christian Weisner, der Sprecher der „Kirchenvolksbegehrer“ mit dem bescheidenen Namen „Wir sind Kirche“, konnte in der Kirchenzeitung der Erzdiözese München (15.11.2020, Nr. 46, S. 29) auf einer ganzen Seite seine „Reformbewegung“ darstellen.

Der Anlass war das sogenannte „Kirchenvolksbegehren“ vor 25 Jahren. Das Interview trägt den Titel „Eine Kirche der Gleichen“.

BILD: Prof. Gindert leitet den Dachverband „Forum deutscher Katholiken“

Weisner bedauert darin, dass sie „nicht in den Synodalen Weg einbezogen sind. Es gibt aber gute indirekte Kontakte, vor allem zum Zentralkomitee der deutschen Katholiken… Die Synode kann auch für die Weltkirche ein Angebot sein, dass hier in Deutschland… neue Wege gefunden werden können“.

Auf die Frage des Interviewers, wie Weiser die „Querschläge… die Instruktion im Sommer und die Äußerungen der Glaubenskongregation zum Abendmahl“ einschätze, meint er: „Ich würde mir von Papst Franziskus ein noch deutlicheres Ja zum Synodalen Weg wünschen… und es wäre sehr ungut, wenn einzelne Bischöfe oder Kardinäle über Rom versuchen würden, den Synodalen Weg zu stören“.

Gefragt nach seinen „Hoffnungen und Wünschen für die nächsten 25 Jahre“ gibt Weisener von sich:

„Es geht uns letztendlich, um das, was der biblischen Botschaft von einer Kirche der gleichen und der verschiedenen Charismen entspricht. Darum, die Ständeunterschiede, die Kluft innerhalb der Kirche zwischen Klerikern, Priestern, Bischöfen, Diakonen und dem allgemeinen Kirchenvolk zu überwinden. Wenn man auf die Kirchengeschichte schaut, sieht man, dass die Tradition der klerikalen, zentralen, absolutistischen Kirche eine sehr junge Tradition ist, die eigentlich erst im 19. Jahrhundert in der Zeit des ersten Vatikanischen Konzils erfunden und installiert worden ist…

Wichtig ist doch: Wie können Gemeinden überleben und gemeinsam Gottesdienst feiern? Und da darf es nicht mehr diese große Rolle spielen, ob Mann, ob Frau, ob verheiratet oder nicht verheiratet – wie es ja auch am Anfang nicht diese große Rolle gespielt hat“.

Ob die Münchner Kirchenzeitung auch einem Kirchenrechtler die Gelegenheit gibt, diese Aussagen von Christian Weisner zurückzuweisen, wäre eine interessante Frage. In jedem Fall ist seit 25 Jahren klar, welche Kirche die Initiative „Wir sind Kirche“ will.

Als das sogenannte „Kirchenvolksbegehren“ 1995 die damals schon existierende religiöse Unwissenheit der Leute ausnützte und die Bischöfe ihre Gläubigen ins Messer laufen ließen, statt in einem gemeinsamen Hirtenbrief vor der Rattenfängerei zu warnen – jeder wusste, dass das „Kirchenvolksbegehren“ kommen würde – da stand „Wir sind Kirche“ auf dem Zenit ihrer Bedeutung.

Daraus erklärt sich auch, dass „Publik Forum“ in einem 40-seitigen Dossier (26. Januar 1996) sehr offenherzig ihre Ziele und ihre Strategie beschrieben hat.

Im Dossier heißt es z.B.: “So wird der Gehorsam gegenüber Rom zum eigentlichen Problem für einen Dialog zwischen einem demokratisch, freiheitlich gesinnten Kirchenvolk und einer hierarchischen, diktatorisch strukturierten Kirchenführung. Der Wert dieses Kadavergehorsams muss vom Kirchenvolk öffentlich infrage gestellt werden.“

Dass die Kirchenzeitung der Erzdiözese München dem Sprecher „Wir sind Kirche“ anlässlich von 25 Jahren „Kirchenvolksbegehren“ eine volle Seite zur Vorstellung einräumt, kann nicht durch naive Unwissenheit erklärt werden. Es ist die fehlende Loyalität, die sich durch ähnliche kirchliche Gazetten und Medien durchzieht. Wir sind wieder einmal bei Joseph Ratzinger mit seiner Feststellung, die Gegner der Kirche sitzen vor allem in der Kirche selbst.


Katholische Ordensfrau als beste Lehrerin für Naturwissenschaften ausgezeichnet

Die Ordensfrau Christine Brück bzw. Schwester Christamaria aus Vallendar ist von der EWE-Stiftung als beste deutsche Lehrerin für Naturwissenschaften mit dem Klaus-von-Klitzing-Preis 2020 geehrt worden. Die Auszeichnung ist mit 15.000
Euro dotiert ist und bezieht sich im Titel auf den Physik-Nobelpreisträger Klaus von Klitzing.

Die EWE-Stiftung würdigt gemeinsam mit der Universität Oldenburg
mit diesem Preis hervorragende Leistungen und Einsatz in den MINT-
Fächern
(Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik).

Die 44-jährige Nonne, die sich gegen 48 Bewerber durchsetzte, unterrichtet an der Schönstätter Marienschule – einer reinen Mädchenschule – in Vallendar katholische Religion, Mathematik und Informatik.

Gewürdigt werden mit der Auszeichnung ihre Informativ-Erfolge in der Realschule mit Gymnasium, ihre Praxiskontakte in die Wirtschaft und ihr Einsatz auch außerhalb des Unterrichts sowie ihre Arbeitsgemeinschaft Robotik, eine mobile Einsatzgruppe bei digitalen Pannen in der Schule.



INSA: Mehrheit sieht Terroranschläge als Angriff auf Europas christliche Identität

56 Prozent der Deutschen sind der Meinung, dass die islamistischen Anschläge in Frankreich und Österreich auf Europas christliche Identität zielen.

Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Umfrage des Erfurter Meinungsforschungsinstituts „INSA “, die im Auftrag der „Tagespost“ durchgeführt wurde.

16 Prozent sind gegenteiliger Ansicht; 18 Prozent  wissen nicht, wie sie dazu stehen.

Von den katholischen Befragten sind 61 Prozent der Meinung, die Anschläge nehmen Europas christliche Identität ins Visier. 13 Prozent sind gegenteiliger Ansicht, 17 Prozent der Katholiken wissen nicht, wie sie dazu stehen.

Größte Zustimmung von allen Konfessionsgruppen kommt mit 69 Prozent von den protestantischen Befragten. Nur zehn Prozent von ihnen sehen die Anschläge nicht als Angriffe auf Europas christliche Identität. Freikirchliche wie Konfessionslose stimmen ebenso mehrheitlich zu (50 und 57 Prozent).

Muslime sind jedoch nur zu acht Prozent dieser Meinung und sehen mit 51 Prozent mehrheitlich keine Anschläge auf Europas christliche Identität.

Während AfD-Wähler zu 78 Prozent die Ansicht teilen, dass die islamistischen Anschläge in Frankreich und Österreich auf Europas christliche Identität zielen, sind auch 71 Prozent der Union-Wähler und 66 Prozent der FDP-Wähler dieser Meinung. Mehrheitlich kommt auch von Wählern der SPD Zustimmung (57 Prozent). Linke- und Grünen-Wähler stimmen jeweils mit 49 bzw. 46 Prozent zu.

Quelle: Pressemeldung der DT: www.die-tagespost.de


Weihnachtsmarke 2020 zeigt Kirchenfenster

Die diesjährige Wohlfahrtsbriefmarke zu Weihnachten zeigt einen Ausschnitt aus dem großen Portalfenster der katholischen Pfarrkirche St. Katharina in Bad Soden am Taunus.

Es besteht aus rund 13000 einzelnen Glasstücken, die in 59 Feldern zu einem farbenprächtigen Bild zusammengefügt sind. Das Krippenmotiv ist das erste im inneren – dem neutestamentlichen – Bilderzyklus.

Mit dem Symbol von Licht und Finsternis wird die Botschaft des Christfestes zusammen­gefasst: „Das Licht scheint in die Finsternis.“

„Mit Licht gemalt“ – so sagt man auch von Kirchenfenstern; sie unterscheiden sich von jeder anderen Malerei dadurch, dass sie allein durch das hindurchscheinende Licht ihre Wirkung entfalten.

So verdeutlichen sie schon dadurch den Inhalt der Weihnachtsbotschaft. Erst recht geschieht das, wenn sie die Geburt Christi darstellen.

Diese Briefmarke ist ab dem heutigen 2. November erhältlich.

Weitere Infos hier: https://www.wohlfahrtsmarken.de/wohlfahrtsmarken/aktuelle-marken/weihnachtsmarke-2020/


Frankreich: Priester in Lyon angeschossen

​Ein bislang Unbekannter hat in Lyon einen Priester mit einer Faustfeuerwaffe lebensgefährlich in den Bauch geschossen. Der griechisch-orthodoxe Geistliche sei am Samstag-Nachmitag um ca. 16 Uhr damit beschäftigt gewesen, seine Kirche zu schließen.

Wie die französische Presseagentur AFP mitteilte, sei der Täter geflüchtet. Schwer bewaffnete Einsatzkräfte sind vor Ort, der Tatort wurde abgeriegelt. „Meiden Sie das Gebiet und befolgen Sie die Anweisungen der Behörden“, schrieb das französische Innenministerium auf Twitter.

Das Verbrechen an dem 52-jährigen Priester ereignete sich nur wenige Tage nach dem Attentat in Nizza, bei dem ein islamischer Terrorist aus Tunesien in einer Kirche drei Menschen mit einem Messer ermordet hatte.

Der französische Regierungschef Jean Castex rief die höchste Terror-Warnstufe für das Land aus. Staatschef Macron kündigte an, die zum Schutz von Kirchen und Schulen abgestellten Soldaten von 3000 auf 7000 zu erhöhen.


Bischöfe in Frankreich: „Das Krebsgeschwür des Terrorismus stoppen“

Einige Stunden nach dem islamistischen Attentat, bei dem am 29. Oktober in der Basilika Notre-Dame in Nizza drei Menschen ermordet wurden, äußerte die französische Bischofskonferenz in einer Erklärung ihr tiefes Bedauern und bekräftigte, dass „die Katholiken sich trotz des Schmerzes weigern, sich von der Angst überwältigen zu lassen“.

Weiter heißt es: „Unsere Gedanken und Gebete gelten den Opfern, den Verwundeten, ihren Familien und Angehörigen. Diese Menschen wurden angegriffen und getötet, weil sie sich in der Basilika aufhielten. Sie waren Symbol für etwas, das bekämpft werden soll.“

Die katholischen Oberhirten erinnern in diesem Zusammenhang die Ermordung von Pater Hamel, der am 26. Juli 2016 von zwei Islamisten am Altar seiner Kirche in Saint-Étienne du Rouvray ermordet wurde.

Sodann erklären sie weiter:
„Dieser Terrorismus zielt darauf ab, Angst in unserer gesamten Gesellschaft zu erzeugen. Es ist dringend erforderlich, dieses Krebsgeschwür zu stoppen, genauso wie es notwendig ist, sich um die unverzichtbare Geschwisterlichkeit zu bemühen, die uns alle angesichts dieser Bedrohungen vereint“.

Quelle: Fidesdienst


55. Jahrestag der Erklärung „Nostra aetate“

Pressemitteilung des israelischen Außenministeriums:

Wir feiern den 55. Jahrestag der Erklärung „Nostra Aetate“, die vom Zweiten Vatikanischen Konzil am 28. Oktober 1965 verabschiedet wurde.  

Dieses historische Dokument stellte eine tiefgreifende Veränderung in der Haltung der katholischen Kirche gegenüber Juden dar und legte den Grundstein für die Versöhnung und Zusammenarbeit zwischen der katholischen Kirche und dem jüdischen Volk.   

Dieser bedeutende theologische Wendepunkt ebnete 1994 den Weg für einen politischen Wandel und die Aufnahme vollständiger diplomatischer Beziehungen zwischen dem Staat Israel und dem Heiligen Stuhl.   

55 Jahre nach „Nostra Aetate“ ist der jüdisch-katholische Dialog offen, ehrlich und warmherzig. Jüdische und katholische Delegationen treffen sich regelmäßig, und unser gegenseitiges Verständnis, unsere Brüderlichkeit und unsere Bindungen sind enger und stärker geworden. Die drei päpstlichen Besuche in Israel waren eine weitere Bestätigung dieser Tatsache.   

Während wir heute das Wiederaufleben des Antisemitismus in der ganzen Welt erleben, schätzen wir die starke und eindeutige Verurteilung dieses Übels durch drei Päpste als Sünde gegen Gott und den Menschen sowie die Bedeutung und Notwendigkeit der Verbreitung der Botschaft von Nostra Aetate in der ganzen Welt.

Quelle: https://embassies.gov.il/berlin/NewsAndEvents/Pages/55–Jahrestag-der-Erklaerung-Nostra-Aetate.aspx?utm_source=InforuMail&utm_medium=email&utm_campaign=Newsletter+29.10.2020


Faszination Halloween verdrängt Allerheiligen: Kürbis statt Kirche, Geister statt Gott

Von Peter Helmes

Nun stehen wir wieder kurz vor der Gespensternacht, vor Halloween. Und niemand scheint mehr zu wissen, wo die Wurzeln dieses Tages liegen. Aber auch wenn in diesem Jahr Corona einen großen Strich durch allzu offene Feiern macht, the Rummel goes on.

Ein kurzer Rückblick:

Eigentlich sollte es eine „stille Zeit sein“, die jetzt am Wochenende vor uns liegt. Wie der Name schon sagt, wird am 1. November „Allerheiligen“ der Heiligen  gedacht. Man denkt nicht nur an die (offiziell) Heiliggesprochenen, sondern auch an die Menschen, von deren Heiligkeit nur Gott weiß.

Allerheiligen gehört übrigens zu den Höhepunkten im katholischen Kirchenjahr – ebenso wie Weihnachten oder die Karwoche bis Ostersonntag, was wohl fast niemand mehr weiß.

Einen Tag nach Allerheiligen, am 2. November, findet der Allerseelen-Tag statt. An Allerseelen gedenkt man aller Verstorbenen und ihren Seelen.

Wie aus Allerheiligen und Allerseelen Halloween wurde

Nach einem altem katholischem Volksglauben, der besonders in Irland verbreitet ist, sollen am Abend vor Allerheiligen die Seelen der Verstorbenen ins Fegefeuer aufsteigen. Dort sollen sie für kurze Zeit verweilen, bis sie geläutert sind und in den Himmel aufsteigen können. Man spricht auch von „All Hallows‘ Eve“ – oder eben heute in der modernen Form von Halloween.

Diese traditionelle Vorstellung haben irische Auswanderer mit nach Amerika genommen – genauso wie die Tradition, daß Kinder an Allerseelen von Tür zu Tür gingen und um süße Kuchen oder Kekse gebeten haben.

Und damit sind wir beim heutigen „Halloween“.

Allerdings hat sich Halloween mit zahlreichen Partys und Verkleidungswettbewerben zu einem sehr kommerziellen und säkularen Rummel entwickelt – in diesem Jahr durch Corona wohl mit etwas „gebremsten Schaum“. Aber allein im letzten Jahr (2019) hat Halloween dem Einzelhandel 320 Mio. € Umsatz gebracht, und auch in diesem Jahr winken schreckverbreitende Masken und Umhänge aus nahezu jedem Schaufenster der Geschäfte!

Jedenfalls ist klar: Mit den ursprünglichen Wurzeln hat dieses „Fest“ heute nicht mehr viel gemeinsam.

An „Geister“ glaubten die Menschen zu allen Zeiten, auch heute. Sie werden „beschworen“ und ihnen werden Feste gefeiert. Das gilt für die „guten Geister“. Die bösen Geister werden „ausgetrieben“. Und manches „geistert“ herum, bei dem man nicht weiß, ob gut oder böse. Kurz, die Geister, die wir riefen, werden wir nicht los. Ist das alles „geistfrei“, sinnfrei oder gottlos? Das mag jeder für sich selbst beantworten. Ich bin kein Pastor.

Doch halt! Wir sprechen zwar vom „Geist Gottes“, ersetzen aber immer mehr religiöse Feste durch kommerzielle „Events“, die den kirchlichen Feiern den Rang ablaufen.

Die Kirche müsse „neue kreative Ideen finden“, forderte z. B. die Regionalbischöfin der evangelisch-lutherischen Kirche in Bayern, Susanne Breit-Keßler, im Deutschlandfunk (30.10.2014). Und Ex-Bischöfin Käßmann jammert in ihrer Kolumne in der „Bild am Sonntag“ (26.10.2014), der Reformationstag werde immer mehr von Halloween überlagert.

Aber von der „Frohbotschaft des Herrn“ spricht niemand von ihnen mehr.

Da hatten die Kirchen wohl gedacht, mit eimerweise Weihwasser dem mittelalterlichen Spuk den Garaus gemacht zu haben, doch nun ziehen wir die Gespenster via Halloween wieder aus der Kiste. Albern – der Spuk wie auch die Reaktion der Kirchen!

Kinder und Jugendliche würden immer aufdringlicher, legte die bayerische Bischöfin nach. „Man wird quasi wie von Straßenräubern überfallen.“ Sie selbst lasse sich „ungern von der Industrie verladen“ und feiere auch nicht Valentins- und Muttertag.

So einfach ist das – jedenfalls nach dem Tunnelblick der Frau Bischof. Daß „der Kommerz“ lediglich den Gesetzen des Marktes folgt – nämlich Angebot und Nachfrage – scheint der frommen Frau kein Gedanke wert zu sein. Stattdessen meint sie: „Neue kreative Ideen entwickeln (…) und den Kindern vielleicht auch so ein paar Kekse zu schenken“. Ein Fest mit Spuk wie im Mittelalter sei rückwärtsgewandt.

Kein attraktives Angebot

Ja, verehrte Frau Landesbischöfin, wo hakt´s denn? Wenn die Kirche kein attraktives Angebot macht – oder ihr Angebot nicht erklären kann – schafft der Markt eine neue Nachfrage. Und die heißt seit einigen Jahren „Halloween“.

Eine zunehmend säkulare Gesellschaft schafft sich ihre Feiertage selbst, vor allem mit der Betonung auf Spaß, alles muß irgendwie lustig sein, Spaß machen, fröhlich sein. (…) Die Kirche müsse den existenziellen Bezug der religiösen Feste klarer machen. Dann kämen mehr Menschen in die Kirche“, meint die fromme Frau Bischöfin.

Was erleben denn die Menschen, wenn sie „in die Kirchen kommen“? Wo ist da noch von einem gelebten Geist Gottes die Rede? Regiert da nicht eher der Zeitgeist? Da wird nicht mehr gepredigt, wie schön Gottes Schöpfung ist. Da ist nicht mehr von Glück und Freude die Rede, schon gar nicht von Frohsinn. Da ist nicht von Liebe (auch zu sich selbst) die Rede, sondern von Selbsthaß – bei Protestanten fast zum Kult erhoben.

Da wird nicht gepredigt, da wird indoktriniert, da wird der Genderwahn zur Kultfigur, der Zeitgeist zum besseren Gott. „Die Welt ist schlecht und der Kapitalismus ist schuld daran.“

Keine Welt des Staunens

Diese „neue christliche Botschaft“ zieht sich durch die evangelische genauso wie durch die katholische Kirche. Der Feminismus hat sein neues Reich gefunden, ein sehr irdisches.

Wenn Papst Franz die Armut geradewegs zu einer Tugend überhöht, braucht er sich nicht zu wundern, daß kritische Menschen dies nicht als Bereicherung ihres Lebenssinnes empfinden. Sollen wir uns nicht mehr freuen (dürfen)?

Es werden keine Geschichten aus der Bibel vorgetragen, keine Gleichnisse mehr erzählt und erklärtwenn, dann sucht man nur jene Bibelstellen, die das politisch Unkorrekte, das Schlechte schlechthin an den Mann und an die Frau bringen können.

Das jedoch bindet keine Gläubigen, das fasziniert keine Kinder. Kinder suchen eine Welt des Staunens, des Lernens, des sich langsam Öffnens.

Für die christlichen Kirchen ist der Halloween-Spuk kein Spaß. Sie fürchten um ihre beiden Feiertage, den evangelischen Reformationstag und das katholische Hochfest Allerheiligen. Sind das Feste der Trauer oder der Freude?

Wir aber erleben heute allüberall den erhobenen Zeigefinger. Überall droht Ungemach, drohen Katastrophen aller Art. Ist die Eine nicht eingetreten, steht die Nächste schon bereit.

Die Apokalypse ist nur noch eine Frage der Zeit, verkünden sie – bei Corona gerade erst wieder mit „Wonne“ inszeniert. Wie soll da Freude aufkommen?

Wo ist der Anreiz dafür, in die Kirche zu gehen? Ist es nicht viel lustiger, in bunten Klamotten allerlei Schabernack zu treiben? Dank geschickter Marketingstrategien hat sich der vor allem in den USA populäre Brauch innerhalb weniger Jahre auch hierzulande etabliert. Kostüme, Masken und jede Menge Deko, ein gigantisches Geschäft für viele Branchen! Und auch die Kürbisbauern verdienen kräftig mit.

Der Reformationstag und andere christliche Feiertage sind ganz einfach zu kopflastig und zu indoktrinierend für die Menschen. Freudige Emotionen werden damit nicht geweckt.

Vielleicht haben Sie über die kommenden Tage etwas Zeit, innezuhalten und ein wenig nachzusinnen, ob uns nicht der Sinn nach (Lebens-)Freude abhandengekommen ist.

Unser Autor Peter Helmes ist Schriftsteller und politischer Publizist; er betreibt den liberal-konservativen Blog CONSERVO: https://conservo.wordpress.com


Homosex: Kölner Domradio auf Abwegen

Von Ursula Zöller

Der Chefredakteur des Kölner Domradios, Ingo Brüggenjürgen, hat sich in einem Kommentar über die Papstaussagen zur Homosexualität geoutet. Nicht als Homosexuellen, denn er hat (vorsichtshalber?) seine Kinder erwähnt, sondern als jemand, der offenbar nichts von dem hält, was die Kirche zur Homosexualität lehrt.

Er lobt den Papst für Äußerungen, die nun kursieren, und spricht ihm Mut zu. Ob Franziskus sich darüber freut?

Allerdings vermischt Herr Brüggenjürgen Dinge, die er als Chefredakteur eines katholischen Mediums unterscheiden können müsste. Er macht aus der unbestritten richtigen Aussage des Katholischen Katechismus, dass homosexuelle Menschen „nicht in irgendeiner Form ungerecht zurückgesetzt“ werden dürfen, die Unterstellung, dass praktizierte Homosexualität folgerichtig in Ordnung wäre.

Er müsste doch die alte kirchliche Lehre kennen, dass man den Sünder lieben muss, die Sünde aber nicht lieben darf. Und dieser selbe Katechismus, den er für seine Meinung zitiert, sagt eben auch, homosexuelle Handlungen „sind in keinem Fall zu billigen.“

„Die Kirchenwelt wird ein wenig regenbogenbunter – und das ist gut so“, findet der Journalist und fährt dann in geradezu lästerlicher Art fort: „Man denkt Familie nicht mehr länger nur als `Heilige Familie´ mit Vater, Mutter, Kind.“

Und es wird noch schlimmer: Herr Brüggenjürgen spricht von seiner Familie, dass für die Großeltern Homosexualität noch widernatürlich war, dass aber seine Generation längst begriffen habe, „ dass Homosexualität keine Sünde sein kann – und für meine Kinder ist Homosexualität Gott sei Dank `so normal wie Kaugummi kauen´“.

Gott für diese Ansicht heranzuziehen scheint mir – wie der ganze Kommentar – ziemlich abwegig. Und wenn schon vom Kaugummi kauen die Rede ist: Ich finde, sein Kommentar ist so unangebracht wie Kaugummi unter dem Schuh.

Erstveröffentlichung des Beitrags unserer Autorin hier: https://frauenundkirche.wordpress.com/2020/10/26/von-homosexualitat-und-kaugummi-kauen/