Katholikentagswerbung: Geht es um den Frieden Christi oder den Kampf des Adlers?

Von Hanna Jüngling

Man hat sich an vieles gewöhnt oder besser gesagt: Man wundert sich inzwischen über einiges nicht mehr. Die neueste negative Überraschung ist die Einladung zum 101.Deutschen Katholikentag 2018 in Münster unter dem Leitwort „Suche Frieden“.

Eine Website gibt Auskünfte über Motto und Ambitionen und ruft zur Mitarbeit auf: https://www.katholikentag.de/

Ich stöbere darin und mein Befremden wächst und wächst:

Altbackene Peace-Worker-Parolen

Die Erklärung des Leitwortes durch den Bochumer Neutestamentler Thomas Söding befremdet aufgrund ihrer Oberflächlichkeit und Banalität. Allerdings wundere ich mich darüber auch nicht, denn seiner Ansicht nach ist die Mission der Kirche, die sie erkennen müsse, eine „Friedenszone zu schaffen“:

„Man stelle sich vor, an einem Schwarzen Brett in einem Institut der Universität Münster ist ein Zettel angepinnt, auf dem steht „Suche Frieden“  – neben anderen Zetteln mit „Suche WG“ oder „Suche Job während der Semesterferien“.

Wer könnte diesen Zettel „Suche Frieden“ geschrieben haben?“ Ein Student, der nach 14 Semestern auch die letzte Chance für einen Studienabschluss vertan hat und deshalb verzweifelt auf verlorene Jahre seines Lebens zurückschaut? Eine aus Syrien geflüchtete Frau, die im Bürgerkrieg nicht nur ihren Ehemann und alles Hab und Gut, sondern auch jede Hoffnung auf eine Zukunft für sich und ihre Kinder verloren hat? Oder eine Frau aus meiner Nachbarschaft, die nicht die Kraft findet, aus einer zerrütteten Ehe auszubrechen?

Ein aus dem Kongo stammender junger Mann, der die Traumata seiner Erlebnisse als Kindersoldat nicht überwinden kann? Vielleicht eine alte Frau, die seit Jahren im Streit mit ihren Kindern lebt? Oder jemand, der jeden Glauben an Gott und an das Gute in dieser Welt verloren hat?.“

Abgesehen davon, dass die wirklich Traumatisierten, die hier immerhin auch genannt werden, ganz gewiss keine solch albernen Zettel anpinnen würden, denn das ist etwas für Stuhlkreispädagogik, sind die meisten genannten „Schicksale“ keine Problematik fehlenden Friedens.

Man kann im weitesten Sinnen sagen, dass all diese Beispiele einer „Heilung“ bedürfen. Und wenn man sie als „Friedensproblem“ auffassen will, wäre das Friedenskonzept zu klären, das zugrunde liegen soll. Aber außer Spesen ist auch hier nichts gewesen. Man fischt gern im Trüben.

Banaler und ärgerlicher Kreativ-Moralismus

Zum Einschlafen war er von Anfang an, dieser friedensbewegte Kreativ-Moralismus, der mein Leben seit mindestens 1970 begleitet und an der Eskalation weltweiten Unfriedens buchstäblich nichts ändern konnte und vermutlich auch nicht ernsthaft wollte.

Heute aber ist solches Gelaber nur noch ein fahrlässiges Ärgernis. Was nützt der Welt die Beschwörung eines Origami-Friedens im Patchwork-Design mit „Diversity“-Phrasen, der tausend Papiertauben fliegen lässt und später doch wieder seine eisernen Adler verkauft? Oder wenigstens ebenso viele Gründe ersinnt, die ganz konkrete Politik der Eliten dann doch nicht fahrlässig zu finden, die so viele Menschenleben verschleudert, so viel „Manpower“, wie man inzwischen zynisch sagt, zu tabuisieren?  

Und was soll überhaupt dieses flickwerkige Diversity-Gedöhns, wenn man doch andererseits so tut, als hätten alle nur ein und dasselbe im Sinn? Die real existierende „Diversity“ der Menschen und Völker ist nicht nur das Ergebnis friedlicher Entfaltungen im Blut-und-Boden-Idyll, das diesem Denken verdeckt zugrunde liegt, sondern harter Auseinandersetzungen, geistiger Zerwürfnisse und scharfer Ausgrenzungen.

Söding erwähnt die Jahre 1618 (Westfälischer Frieden) und 1918 (Ende des 1. Weltkrieges), aber er fasst diese Themen nur mit abgespreiztem kleinem Finger an: 

„Jeder Mensch sehne sich nach Frieden. Seit Jahrtausenden und in vielen Kulturen sei die denkbar kürzeste Formel für einen Willkommensgruß der Friedensgruß: „Pax – Shalom – Salam. In der Bibel begegnet einem keine Formulierung so oft wie „Der Friede sei mit Dir“ oder „Der Friede sei mit Euch“, so Söding.“

Warum muss ich da nur an den unsäglichen Friedensgruß im Novus Ordo (reformierter Meßritus) denken, diesem missalen „Lasst hundert Blumen blühen“-Klamauk, der dennoch nicht dazu führen kann, dass man sich vor der Kirchentür wenige Minuten später noch kennt.

Sendung der Christen bedeutet m e h r  als Friedenswünsche

Einst wurde man mit dem „Ite missa est“ als Apostel und Apostelin des Priestertums aller Gläubigen gesendet, aber die Hierarchie unterdrückte diese Sendung so oft, machte aus klaren Worten eine Farce und ein triumphales Zeichen ihres Herrschaftsanspruches, der sich die kontrollierte Aufzucht vieler Zofen und Tagelöhner als Zeichen seiner Macht leisten kann.

Zu Recht wollte man die verengten und entgleisten kirchlichen Verhältnisse wieder zurechtrücken. Ist es gelungen? Man wird nicht mehr gesendet, sondern es heißt „Gehet hin in Frieden“. Und das war’s dann auch.

Frieden ist einfach ein gutes Wort. Aber ein euphorischer Kirchentagskommentar sollte berücksichtigen, dass hier eine Begriffsklärung nötig wäre. Und dass der Zusammenhang zwischen „Frieden“ und „apostolischer Sendung“ einmal geklärt gehörte nach den jahrhundertelangen klerikalen Verwirrungen politischer Art.

„Friede“ ist für den Muslim schon prinzipiell etwas anderes als für den Juden oder Christen, und die Christen heute wissen in aller Regel nicht mehr, was der christliche Friedensbegriff überhaupt meint.

Islamischer „Friede“ ist nur im „Haus des Friedens“, im „Daressalam“, schlicht in der bereits islamisierten Weltregion. Frieden bedeutet hier: Unterwerfung unter den Islam. Jede Weltregion, die nicht islamisiert ist, ist „Haus des Krieges“, das „Daralharb“. Was ist demgegenüber die „Pax christiana“?

Politzungen-Gerede ist öde und destruktiv

Wir sollten also unsere Begriffe schärfen und nicht nur bei Kerzenschein und Fairtrade-Tee von „Friedenssehnsucht“ lallen. Solche Politzungenrede ist überflüssig und destruktiv. Ihr Moralismus stinkt zum Himmel.

Im Blick auf zwei Schriftstellen aus dem AT und NT, die vom Frieden reden, fällt Söding offenbar nur ein, dass wir daraus lernen, dass Frieden „keine Illusion“ ist. Man könne außer dem Ideal  —  nur wie sieht das eigentlich aus?  —  auch konkrete Fragen beantworten:

„Welche Kriege müssen beendet sein? Welche Friedenspläne können geschmiedet werden? Wer ist auf der Suche nach Frieden?“

Nun kennt unser Glaube kein „Friedensideal“. Auch ist „Friede“ in unserem Glauben an sich kein „Gut“ oder „Geschenk“, das man „hat“, sondern wir haben einen HERRN, der der Friede Gottes selbst ist. Aus diesem HERRN, der unser Friede ist, fließt Friedfertigkeit in die Seelen, die ihn durch die Taufe aufnehmen.

Der Hl. Geist wirkt in Gläubigen den übernatürlichen Frieden, „den die Welt nicht gibt“, wie Jesus sagte. Dass die falschen Propheten dieser Welt am liebsten von „Frieden“ reden, berichtet uns eindrucksvoll das Buch Jeremia im AT, das mit der Verschleppung der Israeliten endet. Und wie kann man danach fragen, „wer auf der Suche nach Frieden ist“, wenn man weiter oben noch proklamiert hat, dass doch „jeder“ den Frieden ersehnt?!

Oder etwa die Frage „Welche Kriege müssen beendet werden?“ Das ist hoffentlich nur ein unbewusster Zynismus. Dem Autor ist gar nicht klar, wie unsinnig und friedlos alleine diese Frage schon klingt: Denn die Antwort ist selbstverständlich klar: Alle Kriege müssen beendet werden! Alle! Oder wollen wir gute und schlechte Kriege unterscheiden? Richtig gefragt wäre: Welche Kriege haben eine realistische Chance auf baldige Beendigung, und was können wir dafür tun?

Friedenskitsch löst keine wirklichen Konflikte

Der wache Zeitgenosse weiß jedoch, wie unberechenbar postmoderne Kriege geworden sind. Wir kennen Jahrzehnte von Friedensverhandlungen hier und da, und viele davon haben dennoch nicht zum Frieden geführt. Der Friedensnobelpreis wurde so oft an Personen vergeben, unter denen Kriege noch mehr eskalierten. Das letzte Beispiel ist Präsident Obama.

Und warum dies so ist, kann nicht im Kirchentags-Hauruck beantwortet werden. Ein Plaudertreffen zum Friedenskitsch sollte angesichts der Verheerungen unserer Tage unterlassen werden, wenn wir nicht einmal mehr sicher wissen, was dem konkreten Frieden wirklich dient. Haben wir nicht erlebt, dass fast alle Konzepte ins Leere liefen oder das Gegenteil dessen erreichten, was sicher wohlwollend dabei beabsichtigt war?

Wir brauchen keine soundsovielste Neuauflage bürgerlicher Peace-Maker-Spielchen!

Es ist symptomatisch für den Text Södings, dass er über die persönliche Friedlosigkeit des einzelnen mit Gott, die ein Seinszustand ist, den man durch „Action“ und Gelaber nicht auflösen kann, als Auslöser von Unfrieden und Hass kein Wort verliert. „Frieden“ versteht er als Gegenteil von „Krieg“. Unfrieden mit Gott sieht er tatsächlich vordringlich als das Empfinden, Gott stehe in einem kriegerischen Verhältnis zu einem selbst!

Die bußfertige Erkenntnis, dass wir als Einzelne und als Menschheit es sind, die Gott den Krieg erklärt haben, wendet er in ein unspezifisch-kollektives Gottspielenwollen hinsichtlich der Natur und Umwelt. Die innere Läuterung des Einzelnen als einziger und wesentlicher Quell des Frieden unter den Menschen findet bei ihm keinerlei Erwähnung.

Zum Frieden gehört die Umkehr des Menschen

Die „Friedenssuche“ ist in einer solchen Diktion nicht mit Buße und Umkehr verbunden, sondern ein gefühltes, materiell einklagbares „Gut“ geworden, das man aber nicht mehr als persönlichen, christlichen Seinszustand auffasst. Das einzige, was traditionell anmutet, ist sein verstohlen kurzer Satz „Nach Ps 34 und 1 Petr 3 wächst der innere Friede dort, wo Gott die Ehre gegeben wird.“ Hier wäre es erst interessant geworden! Aber ab hier schweigt der Autor.

Noch erschütternder aber ist, dass Söding nichts mehr davon weiß, dass Frieden von Gott vor allem anderen erbeten werden muss. Er spricht von „Geschenk“, aber er erklärt nicht, warum und inwiefern das ein Geschenk ist. Es hätte nur eine Antwort gegeben: Das Geschenk unseres restaurierten Friedens ist das Opfer auf Golgotha — es wäre angemessen gewesen, jetzt in der Fastenzeit daran zu erinnern. Ohne den geopferten und auferstandenen Christus und ohne die persönliche Annahme seines Todes gibt es keinen Frieden!

Das Wort „Gebet“ ist ihm eine kurze Randbemerkung wert. Und das, was am meisten bestürzt, ist, dass der Name Jesu nicht einmal fällt.

Dass wir Christen eigentlich auf das zweite Kommen Jesu warten und bekennen, dass dieses Äon aus sich heraus keinen Frieden erreichen wird — davon meint man heute auch in der Kirche nicht mehr reden zu müssen, wenn man es denn überhaupt noch vor Augen hat.

Drei Plakate: Der Adler hat die Taube gefressen

Entsprechend öde, düster und ideologisch sind die drei Katholikentags-Plakate, die gleich auf der ersten Seite vom ZdK-Präsidenten Thomas Sternberg als ein großer Wurf, als „Hingucker“ gepriesen werden. Es werden Folgeplakate angekündigt, die ebenso „widerspenstig“ wirken wollen.

Das erste Plakat zeigt eine farbige Frau, die sich gewaltfrei übermächtig und finster anrückenden Polizeieinheiten entgegenstellt. Die weißen Männer treten hier wie eine Inlandsarmee in Schwarz und im Stahlhelm-Outfit auf. Ich habe mich sofort gefragt, ob dieses Plakat nicht volksverhetzend ist.

Die Polizei wird als Aggressor dargestellt, der gegen wehrlose Frauen, im weiteren Sinne „Leute“ auftritt, und eine Rassismus-Assoziation wird in dieser Montage durchaus aufgebaut. Rassistisch ist es insofern, als der weiße Mann assoziativ so dargestellt wird, als trete er in Mannschaften gegen wehrlose einzelne schwarze Frauen auf.

Angesichts wachsender Opferzahlen auch unter der Polizei, angesichts des tapferen und wirklich tollen Polizei-Einsatzes heuer in der Silvesternacht in Köln, und angesichts der 2000 „farbigen“ männlichen Aggressoren, die auch diesmal wieder anrücken wollten, um weiße Frauen zu berauben und sexuell zu nötigen, überfällt mich Brechreiz, wenn ich ein solches Plakat sehe.

Rechtsstaatliche Polizei wird unfair an den Pranger gestellt

Diese plakative Schwarzweißmalerei, die der Polizei, die ein Verfassungsorgan ist, in den Rücken fällt, können wir in der angespannten Lage innerer Unsicherheit nicht auch noch gebrauchen! An dieser Stelle sei des gestern von einem islamischen Täter erstochenen Polizisten in London gedacht. Von den zahlreichen Angriffen auf Polizisten vor allem durch linksradikale „Antifaschisten“ und rechtsradikale Schlägertrupps in unserem schönen Land will ich erst gar nicht weiter reden…

Das nächste Plakat zeigt uns zwei Personen im „Hair“-Outfit, die sich nach einer misslungenen Anti-Pipeline-Demo heulend in die Arme fallen. Meine Flower-Power-Kindheit hört offenbar nie auf. Wie alt bin ich jetzt?

Sind das wirklich die „Friedensprobleme“ der Welt, ob irgendwo eine Pipeline gebaut wird? Man mag den konkreten Bau von Pipelines aus triftigen Gründen ablehnen, aber ein Plakat mit dieser Aussage scheint nicht nur pauschal, sondern auch hetzerisch.

Die Assoziation zum Thema „Frieden“ führt zur Stammtisch-Behauptung, „die USA“ würden all ihre Kriege ja nur „wegen dem Öl“ führen. Irgendwie hätte man ein paar Umwelttränen ins Foto montieren sollen und noch ein supersytlisches Mega-Windrad. Das hätte wenigstens Pepp gehabt. Aber so fielen mir immer nur diese Plattenbauten in Prager Vorstädten ein, deren billig-friedliche Hässlichkeit mich als Jugendliche so angeödet hat…

Adler in Angriffspose weckt negative Erinnerungen

Rechtsradikale Assoziationen löst dagegen das letzte Plakat aus: ein (deutscher) Adler greift eine spacige Drohne an. War den Machern dieses „Hinguckers“ wirklich nicht klar, auf welches Niveau sie sich damit begeben?

Dieser Adler in Angriffspose lässt sofort an SA-Embleme denken. Er stürzt sich auf die Drohne, die man nach den vorigen Plakaten assoziativ ebenfalls den Amerikanern zuordnet. Man hört als Leitwort den alten Spruch 1939 „Ab heute wird zurückgeschossen“ im Hinterkopf, triumphale Musik, das penetrante und eisenharte Klatschen des Flügelschlags, der scharfe Blick des Raubvogels und das hektische Übersurren der Drohne und ihren nachfolgenden trudelnden Absturz.

Es ist eine echte Glanzleistung, aus der guten alten Friedenstaube nun einen angreifenden Adler zu machen. Peng! Und wieder was für den Weltfrieden getan…

Wer ist hier was? Was ist hier wer? Im schummrig-psychologischen „Telos“ dieser Serie sind die Friedlichen schwarz, kollektivistisch, Frauen und im Geiste des Adlers. Das Totemtier als Symbol der Treue und Wahrheitsliebe vermixt mit teutonischen Kraft-durch-Adler-Phantasien…

Farblich alles Grau in Grau. Erinnert an die Öde faschistischer und sozialistischer Protzbauten in Rom, Berlin, Peking und Moskau, an Alexanderplätze in aller Welt und Friedensaufmärsche unibraunblaugrau gekleideter „Brüder“ unter roten Fahnen mit und ohne weitere Symbole drauf. Eine sozialfaschistische Idealwelt tritt hier gegen eine nur-faschistische Heillosigkeit an. So wirkt es, tut mir Leid, und ich habe keinerlei Idee, was das eigentlich mit dem christlichen Glauben zu tun haben soll.

Plakatmotive sind um Jahrzehnte zurückgeblieben

Aber wenn wir schon rein weltlich-politisch denken wollen (warum auch nicht), dann möchte ich mal wissen, ob die Katholikentagsplaner nicht doch samt der Kirche „aus der Zeit gefallen sind“.

Bischof Genn von Münster (siehe Foto) behauptet allen Ernstes, die Kirche beweise mit einem solchen Erscheinungsbild, dass sie „nicht aus der Zeit gefallen“ sei, und Söding konnte natürlich die altbackene Leerformel von „den Zeichen der Zeit“, die man hier „erkenne“, nicht unterlassen.

Vielleicht sollte man diesen Leuten mal ein paar Zeitungsabos oder ein Tablet mit Internetzugang schenken, damit sie sich wieder „aggiornieren“. Sind die alle in den Seventies steckengeblieben?

Die tatsächlichen politischen Probleme scheinen sie einfach noch nicht mitbekommen zu haben, so etwas wie weltweite, sehr starke  Christenverfolgungen, wachsende „failed states“, globalen islamischen Terror und keine deutliche Abgrenzung der Islamgelehrten davon, verheerende Kriegsbilanzen der USA, zuletzt durch Hillary Clinton, eine unberechenbare Macht-Politik Putins, den Vorabend zu einem Ermächtigungsgesetz in der Türkei, in der jetzt schon 40.000 Menschen als angebliche Regimegegner gefangen gehalten werden ohne rechtlich relevanten Grund, darunter auch deutsche Staatsbürger, Friedlosigkeit durch die türkische Regierung auf unseren Straßen, randalierende Linksradikale, überdurchschnittlich hohe Kriminalitätszahlen unter viel zu vielen unkontrollierbaren „Flüchtlingen“ und hysterische Rechtsradikale, dies alles aber nach einer verheerend planlosen Migrationskrise durch die Regierung Merkel, die auch die EU an Abgrund gewirtschaftet hat und ein Amerika, das sich distanziert und aus der militärischen Beschützermacht zurückziehen will…

Fazit: Diese Werbung für den Katholikentag 2018 ist  —  geistig und geistlich gesehen  —  nicht katholisch, sondern für mein Empfinden eine Nostalgie-Veranstaltung im Geiste der linken Bewegungen in den Sixties und Seventies mit deutlich aggressiven, rassistischen und hetzerischen Untertönen. Anachronistisch also und postfaktisch sowieso!

Weitere tiefschürfende Artikel unserer Autorin, der Musikerin und Künstlerin Hanna Jüngling, finden Sie auf ihrem Blog: http://zeitschnur.blogspot.de/


Zeitgeistig-politische Plakatwerbung für den Katholikentag 2018 in Münster

Von Felizitas Küble

Im nächsten Jahr findet der 101. Katholikentag in Münster statt. Bischof Dr. Felix Genn (siehe Foto) und ZdK-Generalsekretär Dr. Thomas Sternberg haben bereits die Werbeplakate für dieses Großereignis öffentlich vorgestellt. Die Poster sollen an alle 11.000 katholischen Pfarreien geschickt werden.

Wie man sich denken kann, wenn das reformkatholische ZdK mit der geistesverwandten Bistumsleitung Münster zugange ist, war es offenbar das erstrangige Anliegen, diese Reklame möglichst dem heutigen Mainstream anzugleichen und politisch ganz und gar „korrekt“ – also angepaßt – zu sein.

Und so kam es, wie es kommen „mußte“: Die in Münster vom Oberhirten präsentierten Plakate surfen samt und sonders auf der Zeitgeistwelle.

Hier kann man sie besichtigen: https://www.katholikentag.de/service/nachrichten/2017/hoffnungsvoll_und_widerspenstig_fuer_den_frieden.html

Schon die am meisten in der Öffentlichkeit kommentierte Werbung zeigt, wo es langgeht: Die amerikanische Polizei wird als Buhmann, als bedrohliche Macht dargestellt – und ihr „widersteht“ ein junge schwarze Frau. So ist die medientaugliche Schwarz-Weiß-Welt wieder voll im Lot.

Da schlägt das Herz höher, wenn die in Deutschland ohnehin weitverbreiteten Urteile und Vorurteile gegenüber den USA und speziell deren Polizei auf diese Weise bestätigt werden.

Bischof Genn: „Die Kirche ist nicht aus der Zeit gefallen“…

Auf der Katholikentags-Seite heißt es passenderweise:

„Die Werbelinie sei ein „Hingucker“,  findet denn auch der Bischof des gastgebenden Bistums Münster, Felix Genn“. Er fährt fort, die Plakatserie zeige: „Die Kirche sei nicht weltfremd und „aus der Zeit gefallen“, sondern sie steht mitten in dieser Welt. Gerade auch Menschen, die mit Kirche und Katholikentag wenig zu tun haben, sollten von diesem Erscheinungsbild angesprochen werden.“

Dies dürfte nicht schwerfallen, vor allem linke Medien dürften ihre helle Freude daran haben. Das gilt auch für die weiteren „Hingucker“, zB. das Poster mit zwei umweltbewegten Leuten, die sich innig umarmen etc.

Natürlich gibt es kein einziges Plakat, das sich etwa kritisch mit dem politischen Islam oder der kommunistischen Unterdrückung von Christen (zB. in Nordkorea, Rot-China, Kuba, Laos) befaßt oder diese auch nur andeutungsweise thematisiert, von der millionenfachen Abtreibung ganz zu schweigen  – stattdessen rollt die Zeitgeistwelle, US-Polizisten sind am Pranger, das linke Weltbild in Ordnung, alles paletti mit der rotgrünen „Friedensbotschaft“.

Ausführlicher Artikel zu diesem Thema HIER: https://charismatismus.wordpress.com/2017/03/23/katholikentagswerbung-geht-es-um-den-frieden-christi-oder-den-kampf-des-adlers/

Fotos: Cordula Mohr, Dr. Bernd F. Pelz


„Freunde der St-Hewigs-Kathedrale“ gegen Umbaubeschluß des Berliner Erzbischofs

Die Freunde der St. Hedwigs-Kathedrale, zahlreiche Gemeindemitglieder und Fachleute für Geschichte, Architektur und Denkmalschutz haben seit mehr als zwei Jahren vergeblich gegen die Absicht der Berliner Erzbischöfe Woelki und Koch protestiert, den denkmalgeschützten Innenraum der Berliner Kathedrale abzureißen und durch einen Neubau zu ersetzen.

Das erzbischöfliche Ordinariat hat es nicht einmal für nötig befunden, die Argumente der Kritiker, darunter die Stellungnahmen des Berliner Landesdenkmalrates, der Akademie der Künste, die Einwände der (allerdings hier formell nicht zuständigen) Denkmalfachbehörde und den von fast einhundert Wissenschaftlern aus dem In- und Ausland unterzeichneten Offenen Brief der Fachwelt vom 21. März 2016 ernsthaft zu diskutieren.

Es geht in diesem Streit nicht um Architekturkritik an einem preisgekrönten Wettbewerbsentwurf oder um das unterschiedliche Schönheitsempfinden von Bauherrn, Nutzern und Experten, sondern um die Frage, ob ohne dringliche Not ein herausragendes Gesamtkunstwerk der Nachkriegsmoderne, das aus der Kooperation namhafter westdeutscher und ostdeutscher Künstler erwuchs, ein bedeutsames Zeugnis der deutsch-deutschen (Kirchen-)Geschichte aus der Epoche der Teilung und des Kalten Krieges und ein einzigartiges architektonisches Symbol zeitgemäßer Theologie, das die liturgischen Reformen des II. Vatikanischen Konzils vorwegnahm und modernes Märtyrertum im Kampf gegen Diktatur und Totalitarismus anschaulich vergegenwärtigt, auf Beschluss der derzeitigen Amtsträger in seiner zentralen Konzeption eines Doppelraumes zerstört werden darf, auf Kosten der Kirchenkassen, der Steuerzahler (durch bereits eingestellte 12 Millionen € Bundes-Zuschüsse) und Spender.

  • Das Argument der Bauherren, dass der Neubau aus liturgischen Gründen unausweichlich sei, ist durch namhafte Liturgiewissenschaftler und durch ein halbes Jahrhundert erfolgreicher Kirchenpraxis widerlegt (wobei kleinere Mängel hinsichtlich der Nutzungsabläufe ohne weiteres reduzierbar sind).
  • Die Freunde der St. Hedwigs-Kathedraleund ihre Unterstützer treten weiterhin für eine technische und materielle Sanierung ein, die die komplexe Bedeutung der Kirche als eines der wichtigsten Berliner Baudenkmäler, ihre einmalige Konzeption, ihre Bausubstanz, künstlerische und theologische Identität sowie ihre ästhetische Erscheinung bewahrtund für einen Bruchteil der Umbaukosten durchzuführen wäre.
  • Die Freunde der St. Hedwigs-Kathedrale kündigen ihren politischen Widerstand gegen die angekündigte Bezuschussung der Denkmalzerstörung aus öffentlichen Mitteln an.
  • Die Freunde der St. Hedwigs-Kathedrale verstehen ihre Kritik an der erzbischöflichen Baupolitik als ehrlichen Versuch, Schaden von der Institution der Katholischen Kirche in Zeiten außerordentlicher religiöser und gesellschaftlicher Herausforderungen abzuwenden.

Wir regen an, die einzusparenden Neubaukosten für den Wiederaufbau der erdbebengeschädigten Kirchen in Italien zu spenden !

Werner J. Kohl,  Dipl.-Ing. Architekt, ViSdP für die Initiative „Freunde der St. Hedwigs-Kathedrale“

Für Erhalt und zukunftsorientierte Sanierung mit behutsamer Weiterentwicklung.

Quelle (Text/Foto) und weitere Infos: http://www.freunde-hedwigskathedrale.de


Evangelist Parzany beklagt Glaubensverlust bei evangelischen Kirchenvertretern

Die Bibel wird innerhalb der evangelischen Kirchen und Theologie immer stärker hinterfragt. Das kritisiert der Leiter und Gründer des Netzwerks „Bibel und Bekenntnis“, der bekannte Pro-Christ-Evangelist, Autor und Pfarrer Ulrich Parzany aus Kassel.

Die Folge sei, dass viele kirchliche Mitarbeiter das Apostolische Glaubensbekenntnis nicht mehr für wahr hielten, sagte er in einem Vortrag am 11. März in der Landeskirchlichen Gemeinschaft Würzburg.

Darin nannte er die Bibel eine Urkunde der Selbstoffenbarung Gottes. Es sei eine der wichtigsten Entscheidungen, ob man ihr glauben wolle oder nicht. Er kritisierte, dass die Heilige Schrift vielfach mit Märchen oder den Schriften anderer Religionen auf dieselbe Stufe gestellt werde.

Er riet den 90 Besuchern davon ab, aus Protest gegen diese Fehlentwicklungen aus der Kirche auszutreten. Die Kirche lebe nicht von den Kirchensteuern derer, die sonntags die Gottesdienste besuchen, sondern von der Masse derer, die zwar Mitgliedsbeiträge zahlen, aber kein Interesse am Evangelium hätten.

Deshalb sähen die Verantwortlichen in den Kirchen keinen Grund, bei Kirchenaustritten von Gläubigen etwas zu ändern. Wichtig sei es vielmehr, Gott zu vertrauen, die Bibel zu lesen sowie ihre Botschaft zu leben.

Quelle und vollständige Meldung hier: http://www.idea.de/glaube/detail/parzany-die-bibel-wird-in-der-kirche-immer-staerker-hinterfragt-100229.html


Bistum Essen: Was dem „Zukunftsforum“ zum Thema Schuld und Beichte einfällt

Von Felizitas Küble

Im Bistum Essen – bekanntlich umfaßt es das dicht bevölkerte Ruhrgebiet  – wurde von Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck ein „Zukunftsforum“ einberufen, wozu mehrere Veranstaltungen gehörten und auch für das nächste Jahr weiter geplant sind.  
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Die bisherigen Ergebnisse dieses „Dialogprozesses“ wurden in einer offiziellen kirchlichen Broschüre zusammengefaßt: https://zukunftsbild.bistum-essen.de/fileadmin/medien/bistumsfest/Bistum_Essen_Zukunftsforum_2015_klein.pdf
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Wie heutzutage nicht anders zu erwarten, findet der Leser neben sinnvollen Vorschlägen eine Reihe fraglicher oder problematischer Ideen. Das Sakrament der Buße  –  also die Beichte  –  wird dort im Grunde gleich „entsorgt“.
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Auf S. 86 heißt es unter der Rubrik „Rituale zu Schuld, Vergebung und Versöhnung“ kurzerhand:
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„Dennoch werden wir als Kirche hier kaum noch wahrgenommen, weil unsere überkommenen Rituale (Beichte, Bußgottesdienste …) selbst unter geübten Katholiken nur noch wenige Menschen ansprechen.“
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Die „Projektidee“  lautet also: „Im Bistum werden Rituale, Symbole, liturgische Feiern entwickelt, die sich mit den Fragen von Schuld, Vergebung und Versöhnung befassen….Eine Arbeitsgruppe entwickelt neue Angebote, die Menschen helfen, Schuld und Scheitern anzunehmen und zu verarbeiten – und diesen Prozess auch in eine liturgische Feier münden zu lassen.“
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Merke: Nicht einmal die bisherige kirchliche Bußandacht (die ohnehin im Falle schwerer Sünden keine Einzelbeiche ersetzt, sondern darauf vorbereiten soll) findet Gnade in den Augen dieses „Zukunftsforums“.
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Was freilich an die Stelle von Beichte und Bußandacht treten soll, bleibt letztlich offen. Schuld wird nicht mehr im Bekenntnis bereut und von Christus durch den Priester vergeben, sondern „angenommen und verarbeitet“ – was immer das heißen mag.
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Wie wäre es mit dem Gang zur Couch des Psychologen?  – Aber für diesen „heißen“ Tip benötigt kein Mensch eine katholische Dokumentation!

Großartiger evangelischer Verlagsleiter Friedrich Hänssler wird heute 90 Jahre alt

Friedrich Hänssler, der jahrzehntelange Geschäftsführer des evangelikalen Hänssler-Verlages, wird heute 90 Jahre alt. Wir gratulieren dem Verlagsleiter herzlich zu seinem Wiegenfest und wünschen ihm weiterhin gute Gesundheit und Gottes reichen Segen! 395790000

Zugleich danken wir ihm für die schon seit den 70er Jahren bestehende, positive Zusammenarbeit zwischen seinem Verlag und unserem Christoferuswerk sowie KOMM-MIT-Verlag in Münster.

Mitte der 80er Jahre haben wir den theologisch konservativen evangelischen Verleger bei dem von uns mitorganisierten „Christlichen Forum“ (einer Tagung in Fulda) auch persönlich kennen- und schätzengelernt. Hänssler ist seit 62 Jahren verheiratet und Vater von sechs Kindern.

BILD: Biographie Hänsslers: UNTER GOTTES FÜHRUNG (Infos dazu: HIER)

Als unser katholischer KOMM-MIT-Verlag im Jahre 1994 monatelang von ultralinker Seite geradezu absurd mit der „braunen Keule“ attackiert wurde, hat sich Friedrich Hänssler  –  ebenso wie andere große evangelikale Werke, zB. die Nachrichtenagentur IDEA  – sofort und uneingeschränkt mit uns solidarisiert. Das hat uns in jener schweren Zeit sehr getröstet und ermutigt, wie man sich vorstellen kann.

1950 trat Friedrich Hänssler in den Verlag ein, den sein Vater bereits 1919 gegründet hatte, neun Jahre später übernahm er die Leitung des Unternehmens, das sich damals vor allem mit der Herausgabe kirchenmusikalischer Werke befaßte. In dieser Zeit erschien die Liederbuch-Reihe „Jesu Name“, wobei allein der erste Band mehr als eine Million Auflage erreichte. Danach gab es bei Hänssler noch die bekannten Liederbücher „Feiern & Loben“ oder „Feiert Jesus!“.

„Gott ist mir immer eine Ewigkeit voraus“

Anfang der 70er Jahre startete er mit der TELOS-Reihe seine Sachbücherserie. Dabei schleuste er auf eigene Kosten viele seiner Verlagswerk hinter den Eisernen Vorhang, also in den Ostblock zu verfolgten Untergrundgemeinden. jesus in der synagoge von nazareth

Auf ihn geht es auch zurück, daß in Deutschland die christlichen Gebetsfrühstückstreffen für Bundestagsabgeordnete und Mitglieder mehrere Landesparlamente entstanden, wie es dies in den USA schon länger gab und gibt. Friedrich Hänssler erhielt viele Auszeichnungen,z.B. das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse und den israelischen Titel „Freund der Stadt Jerusalem“.

Im Jahre 2002 führten mehrere Pechsträhnen zu großen Problemen, wobei gerade das schnelle Wachstum des Verlags den Ausschlag gab:

Der neue Firmensitz in Holzgerlingen wurde teurer als geplant, während zugleich eine computergesteuerte Kommissionier-Anlage nicht richtig funktionierte und es zu langen Versandverzögerungen kam. Zeitgleich ging in den USA ein großer Musik-Kunde in den Konkurs.

Hänsslers Unternehmen wurde dann von der Stiftung Christliche Medien (SCM) übernommen. Obwohl sein Verlag nicht mehr in der bisherigen Form existieren konnte, resignierte der evangelikale Christ keineswegs: „Ich sagte mir damals: Im Wissen um das, was für mich und die Verkündigungsaufgabe des Verlags gut ist, ist Gott mir immer eine Ewigkeit voraus.“

Möge dieser geradlinige und einsatzfrohe Mann des Glaubens noch viele Jahre für Gott und sein Reich wirken können!


Interview mit dem Philosophen Dr. Robert Rolle über Thomas von Aquin

Der heilige Thomas von Aquin gilt als großer Kirchenlehrer. Wer war dieser Mann, was insbesondere kennzeichnet seine wissenschaftliche Methodik?

Dr. Robert Rolle (siehe Foto): rolle-robert-2Thomas ist sicherlich die zentrale Figur der mittelalterlichen Theologie und Philosophie. Sehr abstrakt könnte man sagen, im Werk des hl. Thomas haben sich für einen kurzen Moment diverse Gegensätze zu einer großen Synthese vereint, die sowohl vor Thomas wie auch nach ihm wieder in unterschiedliche und oft gegenläufige Richtungen liefen.

In seinem Hauptwerk, der „Summe der Theologie“, gelingt ihm die Synthese einerseits von widerstreitenden philosophischen Denkrichtungen, vor allem aber von Glaube und Vernunft. Zu Thomas‘ Zeit galten diese beiden Pole oft als unvereinbare Gegensätze.

Thomas verbindet den Offenbarungsglauben der Heiligen Schrift mit den Lehren des Aristoteles. Aristoteles galt damals als die uneingeschränkte Autorität in philosophischen Fragen – wir würden heute im weitesten Sinn von wissenschaftlichen Fragen sprechen. Dieses Spannungsfeld zwischen Offenbarungsglauben und wissenschaftlicher Erkenntnis beschäftigt uns ja auch heute noch vielfältig.

Zu Thomas‘ Methode lässt sich sagen: Man bezeichnet das Mittelalter auch als Scholastik – wobei der Begriff „Scholastik“ nun aber eine Methode der theologisch-philosophischen Auseinandersetzung mit einem Thema oder einer bestehenden Lehrmeinung bezeichnet. Bei der scholastischen Methode gliedert sich eine Abhandlung in einzelne Artikel oder Fragen (Questiones), wobei der  Autor zunächst die These nennt, Argumente dafür und dagegen aufführt und darauf jeweils eigene Antworten formuliert. Und Thomas gilt als der unbestrittene Meister dieser Methode.

Ein Merkmal der thomistischen Werke, welches für sich selbst spricht: Wenn Thomas theologische oder philosophische Argumente seiner „Gegner“ erörtert, so führt er gerade nicht deren schwächste Argumente an, um sie zu widerlegen – wie dies damals üblich war und uns auch heute noch nicht fremd ist. Nein, Thomas wählt als Ausgangspunkt der Diskussion stets die stärksten Argumente seines Widersachers, welche er dann erörtert.

Nach über 800 Jahren wird Thomas immer noch verehrt. Speziell seine Morallehre hat die christliche Lehre stark geprägt – was sind die Grundzüge der thomistischen Ethik, was unterscheidet seine Sicht von anderen?

Dr. Robert Rolle: Von Moral, Sitte oder Tugend ist heute wenig zu lesen und zu hören. Fast scheint es, als meiden Autoren diese Begriffe. Zu intim und anmaßend erscheint der Gebrauch. Wir rechnen das, was hier angesprochen sein soll, der Privatsphäre zu. Und wir erwarten, dass hier in erster Linie von  Verbotenem zu reden ist, von Pflicht, von Verzicht, von Verfehlungen und deren Konsequenzen.

Thomas aber spricht zu uns vom Menschen wie er sein kann und soll. Es geht gar nicht so sehr darum, was nicht erlaubt ist. Die Verwirklichung der Tugenden macht den Menschen nach Thomas erst zum Menschen. Und Thomas insistiert darauf, dass darin die eigentliche Natur des Menschen liege: durch ein tugendhaftes Leben erfüllt der Mensch sein Potential hin in Richtung auf seine wirkliche Natur – die Gottebenbildlichkeit.  christus

Thomas stellt den drei theologischen Tugenden Glaube, Liebe und Hoffnung die Kardinaltugenden Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Mäßigung zur Seite. Diese sieben Tugenden in ihrer Gänze bilden die Eckpfeiler des christlichen Menschenbildes.

Von Aristoteles übernimmt Thomas dabei die Auffassung, dass sich tugendhaftes Verhalten als ausgewogene Mitte zwischen zwei Extremen findet. In der Sphäre der Mäßigung wie der Gerechtigkeit beispielsweise ist weder der Geizige tugendhaft zu nennen noch der Verschwender. Tugendhaft wäre ein freigiebiges Verhalten zu nennen – allerdings nur, insofern die Freigiebigkeit mit Klugheit geschieht.

Die Klugheit oder Vernunft nimmt in der Lehre des Thomas eine ganz hervorragende Stellung im Kanon der Kardinaltugenden ein: ohne die Klugheit gibt es nach Thomas kein tugendhaftes Verhalten. Tugend muss sich immer mit der Klugheit verbinden. Der Gerechte wie der Tapfere sind nur in dem Maße gerecht und tapfer, als ihr Handeln mit der Klugheit einhergeht. Ansonsten bleibt es sinnleer.

Und dies gilt freilich ebenso für die Tugend des Maßhaltens, welche ja teilweise als die christliche Tugend schlechthin hochstilisiert wird. Das entspricht aber weder ihrer Stellung innerhalb der Tugendlehre des heiligen Lehrers, noch trifft es den Kern der Sache, sofern nicht die wesensnotwendige Hinordnung einer jeden Tugend auf die Vernunft unterstrichen wird. Wer fastet, wer seine Unbeherrschtheit zügelt, wer keusch lebt und dies nur um der Entbehrung willen tut, der verfehlt nach Thomas die Tugend.  Heiliger

Die Tugend des Maßhaltens wird ja oft falschverstanden als „strenger Verzicht“. Es geht aber gar nicht darum, den Verzicht zu einem Maximum zu treiben, sondern es soll das vernünftige Maß gefunden werden. Ganz ausdrücklich sagt Thomas, das Wesen der Tugend bestehe nicht so sehr im Schweren als im Guten – und das heißt für Thomas: im Vernunftgemäßen.  

Die Vernunft entfernt den Menschen also nicht von seiner Natur, sondern führt die Natur des Menschen erst zu ihrer Vollendung. Dass der Tugendhafte dabei auf mancherlei verzichtet, ergibt sich hier als Konsequenz aus vernünftiger Überlegung.

Dabei wird Thomas in seinen Ausführungen niemals moralisierend, seine Sittenlehre gerät nie zur Ideologie: Immer steht der konkrete Mensch im Hier und Jetzt im Mittelpunkt. Für Thomas spielt eine große Rolle, unter welchen Umstände ein Mensch konkret handelt.

Thomas kennt den Menschen sehr gut: Den konkreten, mit all seinen Alltagssorgen, eingebunden in widrige Umstände, den von falschen Idealen Fehlgeleiteten. Mitunter lesen sich die Ausführungen des großen Heiligen eher wie ein freundschaftlicher Ratgeber, ganz im Gegensatz zu den weitverbreiteten mittelalterlichen Lasterkatalogen. Einer von Thomas Ehrentiteln ist der „doctor humanitatis“, der Lehrer der Menschlichkeit.

Was heißt es denn heute „thomistisch“ zu denken – wie lässt sich die Ethik des Thomas auf Alltagsthemen der unserer Zeit anwenden?

Dr. Robert Rolle: Zunächst muss man feststellen, dass sich die Morallehre des heiligen Thomas nicht 1:1 auf unsere heutige Zeit aufsetzen lässt. Die großen Prinzipien gelten weiterhin – ohne Frage. Dennoch müssen wir uns bewusst sein, dass Thomas ein Mensch des 13. Jahrhunderts war.

Er hatte Restriktionen zu achten, die uns heute eher fremd sind. Andererseits sehen wir uns heute mit Problemen konfrontiert, die Thomas so noch nicht kannte. Denken Sie an die Globalisierung der Arbeits-, Güter- und Finanzmärkte, an Umweltverschmutzung, an die atomare Gefährdung  und vieles andere mehr.  ???????

Sicherlich wäre Thomas irritiert darüber, dass sich das Reden vom Menschen heute in eine Vielzahl von Einzeldisziplinen ausdifferenziert hat, die sich aber in keiner Gesamtschau mehr vereinen lassen. Man spricht heute nicht mehr vom ganzen Menschen, von seinen wesensbildenden Tugenden, von seiner Bestimmung. Sofern heute doch noch von Ethik und Moral die Rede ist, so differenziert sie sich aus bis zur Unkenntlichkeit: wir haben für jeden Lebensbereich ein isoliertes Menschenbild und die hierfür adäquate Ethik: eine Wirtschaftsethik, eine Umweltethik, eine Ethik der Politik, eine Ethik des Sports, eine Wissenschaftsethik, eine Medizinethik usw.

Freilich stoßen wir bei solcher fraktalen Sichtweise an keine „natürliche“ Grenze. So differenziert sich die Wirtschaftsethik dann aus in eine Unternehmensethik, eine Arbeitsethik, eine Konsumentenethik, eine Finanzmarktethik usw.

Vom Menschen „an sich“ zu sprechen in seiner ganzen Wesens- und Lebenswirklichkeit passt in solches Denken dann freilich nicht mehr hinein.

Solches Denken kommt freilich nicht ohne den Menschen aus – aber er ist hier reduziert auf eine „Arbeitshypothese“. Auch das Reden von Ethik und Moral besitzt heute den Status einer wissenschaftlichen Disziplin und orientiert sich als solche an dem neuzeitlich (natur-) wissenschaftlichen Erkenntnisideal, nämlich nur die vermeintlich relevanten Phänomene in den Blick zu nehmen und gegen das Übrige abzugrenzen.jesus

In den Wirtschaftswissenschaften sprechen wir heute vom Menschen als einem Eigennutz-Maximierer. Die Maximierung des eigenen Nutzens gilt dabei sowohl individuell wie auch gesamtwirtschaftlich als wünschenswert, ja tugendhaft.  Dahinter steht die Annahme, sofern jeder seinen eigenen Nutzen maximiert, so wird die Gesellschaft hiervon in höchstem Maße profitierten. Dieses Denken geht zurück auf Bernard Mandeville und Adam Smith.

Anders Thomas von Aquin: Ganz selbstverständlich behandelt er die Thematik des guten Wirtschaftens im Kontext der Tugend der Gerechtigkeit. Die Gerechtigkeit im Tausch erfolgt für Thomas im Raum des sozialen Miteinanders und ist bei kluger Ausgestaltung beider/aller Tauschpartner der Garant für den sozialen Frieden.

Und da wir am Beginn der Fastenzeit stehen und die Tugend des Maßhaltens in dieser Zeit eine besondere Rolle spielt, sei noch ein letzter Gedanke des „heiligen Lehrers“ angesprochen, welcher in seiner Tugendlehre eine wichtige Rolle spielt und der so aktuell und lehrreich ist wie vor rund 800 Jahren, als er ausgesprochen wurde:

Dass sich die Tugendhaftigkeit einer Tat in erster Linie am Guten bemisst, das bewirkt wird – und nicht daran, wie groß die Entbehrungen sind, die einer auf sich nimmt. „Das Wesen der Tugend“, sagt Thomas, „liegt mehr im Guten als im Schweren. Die Größe einer Tugend ist daher mehr zu bemessen nach dem Begriff des Guten als nach dem des Schweren“.

Das Interview führte Jakob Schötz von der Bischöflichen Pressestelle in Regensburg

Dr. Robert Rolle hat Betriebswirtschaftslehre in Augsburg studiert, anschließend Philosophie und Geschichte der Naturwissenschaften in Regensburg.  Er promovierte an der Uni Regensburg  zu einem wirtschaftsphilosophischen Thema bei Prof. Dr. Rolf Schönberger. Rolle lebt in Regensburg und leitet heute die Akademie Handel e.V., eine Institution der Beruflichen Bildung.

Für jene, die sich näher mit Thomas von Aquin beschäftigen wollen, gibt Dr. Robert Rolle folgende Literaturtips:

Pieper, Josef: „Das Viergespann: Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit, Maß“, Kösel Verlag, München
Guardini, Romano: „Tugenden – Meditationen über Gestalten sittlichen Lebens“, Werkbundverlag, Würzburg
Chesterson, Gilbert: „Thomas von Aquin“, F.H. Kerle Verlag, Heidelberg