Die kirchliche Amazonas-Synode zwischen Befreiungstheologie und Öko-Sozialismus

Mathias von Gersdorff

Dass die Amazonas-Synode ein progressistisches Festival werden würde, ahnte man bereits. Stichwort „Abschaffung des Zölibats aus pseudo-pastoralen Gründen“.

Doch es fehlte noch an konkreten Hinweisen, um dies zu dokumentieren. Diese werden nun allmählich geliefert.

Die Jesuiten-Universität Georgetown in Washington, bekannt für ihre extravaganten theologischen Experimente, veranstaltet eine Konferenz zur Vorbereitung der Amazonas-Synode. 

Die „Katholische Nachrichtenagentur“ (KNA) berichtet dazu: „Das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat sprach sich für klare Ziele aus. „Der umfassende Schutz der ausgegrenzten Armen und der geschundenen Schöpfung haben absolute Priorität“, erklärte Hauptgeschäftsführer Michael Heinz.“

Konkret bedeutet das: Angeblich pastorale Ziele werden verpackt in einem Programm zum Schutz einer „ausgegrenzten sozialen Schicht“ und zum Schutz einer angeblich „geschundenen Schöpfung“.

Dem europäischen Leser mag diese Verknüpfung fremd vorkommen. In reformkatholischen Kreisen Lateinamerikas ist diese Verbindung aber durchaus üblich. 

Hier geht es um eine Fortentwicklung der klassischen Befreiungstheologie (Übernahme der Methode des Klassenkampfes für kommunistische Ziele unter dem Deckmantel der katholischen Religion) hin zu einer Verschmelzung mit dem neuheidnischen und sozialistischen Ökologismus.

Insbesondere in Lateinamerika gingen diese beiden Strömungen in den letzten 30 Jahren (zumal nach der Verurteilung der Befreiungstheologie im Jahr 1984 durch Kardinal Ratzinger) eine Allianz ein: Nicht nur das sog. Proletariat demnach in der Marktwirtschaft ausgebeutet, sondern auch die Umwelt.

Die Befreiungstheologie versteckte sich nach der Verurteilung durch die Glaubenskongregation im Gewand des Umweltschutzes. Das alte Ziel behielt sie aber stets im Auge, also die Errichtung einer katholisch getarnten, sozialistischen Gesellschaft. 

Eine Überwindung dieser „Ausbeutung“ gelingt nach dem Verständnis der Progressisten durch die Aufhebung des Privateigentums und die Einführung eines marxistischen Systems. Eine solche Gesellschaft wird die Menschen zu ihrem primitiven „Urzustand“ führen, in der sie zwar bar jeglicher Zivilisation, aber im Einklang mit der Natur leben. Im Grunde eine Art Naturreligion mit katholischem Anstrich.

Dass hier marxistische politische Ziele unter kirchlichem Gewand angestrebt werden, ist offensichtlich. 

Die marxistische Revolution kann aber noch viel universeller ausgerufen werden. Wieso soll sie nur für die Amazonas-Anrainer gelten?

KNA schreibt nämlich: „Die Rechte der indigenen Völker werden regelmäßig mit Füßen getreten, wenn am Amazonas für unsere Autos Erdöl gefördert, für unsere Kraftwerke Kohle abgebaut, oder für unseren Fleischhunger Rinder gemästet werden“, ergänzte Thomas Wieland, der für Adveniat an der Konferenz in Washington teilnimmt.“

Hier werden klassisch sozialistisch-populistische Assoziationen hergestellt, nämlich das Bild des Südens, welches vom reichen Norden ausgebeutet wird. Ein typisches Klischee der 1960er und 1970er Jahre.

Die Wahrheit ist eine ganz andere: Dank marktwirtschaftlicher Reformen (die man von Ländern des „Nordens“ kopiert hat) und Investitionen des „verhassten Nordens“ haben die lateinamerikanischen Staaten die wirtschaftliche und technologische Anpassung an die Industrieländer gefunden. Dies geschah durch den wirtschaftlichen Anschluss an kapitalistische Länder wie die USA, Deutschland und Japan. 

Solange die Länder Lateinamerikas sich in der Peripherie kommunistischer Diktaturen wie die Sowjetunion oder Kuba aufhielten, waren sie unterentwickelt und erreichten minimale Wachstumsraten. Das gilt vor allem für die Anrainer-Staaten des Amazonas. 

Erst durch marktwirtschaftliche Reformen in den 1980er und 1990er Jahren konnten massenhaft arme Menschen in den Mittelstand aufsteigen. Dies erwähnen die Progressisten in Europa niemals, denn sie wollen das (Zerr-)Bild eines unterentwickelten und armen Lateinamerikas pflegen. 

In Berkeley wird auch Kardinal Reinhard Marx sprechen. KNA schreibt über ihn: „Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, hat die politische Bedeutung der Amazonas-Synode im Herbst unterstrichen.“

Damit ist sozusagen die „Katze aus dem Sack“. Es geht vor allem um Politik und zwar um sozialistische Politik. Es geht nicht um die Bekehrung der Völker zur katholischen Kirche oder um die Verbreitung des katholischen Glaubens im Amazonas-Gebiet. 

Nein, in der Amazonas-Synode geht um die Schaffung eines neuen sozialistischen, ökologistischen und antieuropäischen Paradigmas: Eine primitive Kirche in der Wildnis als Modell für die Universalkirche. Und eine Abkehr des benediktinischen Ideals von Kirche, das dieVerbreitung des katholischen Glaubens stets mit der Förderung des zivilisatorischen Fortschritts der Menschheit verknüpfte.

Unser Autor Mathias von Gersdorff aus Frankfurt leitet die Aktion „Kinder in Gefahr“ und schreibt seine aktuellen Beiträge u.a. hier: http://mathias-von-gersdorff.blogspot.com/


Prof. Söding in Münster: „Vater im Himmel: Führe uns nicht in Versuchung“

Von Felizitas Küble

Das Vaterunser wurde im Vorjahr heftig und langanhaltend diskutiert, nicht nur in kirchlichen Kreisen, auch in weltlichen Medien und in der weiten Öffentlichkeit.

Es ging dabei vor allem um die vorletzte Vaterunser-Bitte: „Führe uns nicht in Versuchung.“ – Sogar Papst Franziskus regte eine Änderung des Wortlauts bzw. eine Neu-Übersetzung an, wobei ihm zahlreiche Theologen widersprachen und auch die deutschen Bischöfe nicht folgten.

Auch der katholische Theologe Dr. Thomas Söding hält an der wörtlichen Übersetzung aus dem griechischen Urtext fest. Der Neutestamentler hielt gestern Abend (20. März) eine Betrachtung im St.-Paulus-Dom von Münster zur Auslegung dieser „umstrittenen“ Bitte aus dem Gebet des HERRN.

Der Professor – er lehrt an der Ruhr-Universität in Bochum – sprach im Rahmen der „Geistlichen Themenabende“ zur Fastenzeit. Die Bischofskathedrale war fast vollbesetzt, Dompfarrer Hans-Bernd Köppen begrüßte die vielen Gäste unter dem Leitwort „Das Vaterunser als Quelle der Erneuerung“.

Södings Frau Christine las eingangs aus dem Matthäus-Evangelium jene Abschnitte vor, in welchem das Vaterunser von Christus verkündet wird.

Aus Mt 6,1-16 geht hervor, daß Christus die Lauterkeit der guten und frommen Werke wichtig ist: Nicht aus Eigennutz, nicht im Hinblick auf Lohn, Erfolg, Ansehen, Macht und Beliebtheit sollen wir fasten, beten und handeln, sondern aus Liebe zum Vater im Himmel und zum Nächsten.

BILD: Der Paulus-Dom gestern Abend nach der Vortrags-Andacht mit Prof. Söding

Es geht also darum, die eigene „Gerechtigkeit“ nicht zur Schau zu stellen. In genau diesem Zusammenhang lehrte Christus seine Jünger das Vaterunser.

Dr. Söding verdeutlichte, daß es das Problem der Versuchung überhaupt nur deshalb geben kann, weil Gott der HERR ist und wir seine Geschöpfe – und weil wir als Menschen anfällig sind – nicht nur für einzelne Sünden, sondern für den „Abgrund der Freiheit“, den existentiellen Mißbrauch dieser Freiheit.

Negative Eindrücke von außen können nur deshalb überhaupt eine Macht über uns ausüben, eine „Versuchung“ darstellen, weil diese Anfechtungen eine „Resonanz“ in unserem Inneren finden können. Ohne Versuchbarkeit kein Problem der Versuchung!

Der Theologe erinnerte an das Wort des HERRN, wonach derjenige sein Leben gewinnt, der es „verliert“ – darunter sei nicht allein das Martyrium zu verstehen, sondern grundsätzlich unsere Hingabebereitschaft, unser Einsatz für das Gute und unsere Übereignung an den Schöpfer.

Zugleich warne uns die Bitte „Führe uns nicht in Versuchung“ davor, uns selber aus eigensüchtigen Beweggründen ein eigenes, ein falsches Gottesbild zu basteln oder den Glauben zur Unterdrückung  bzw. Beherrschung anderer Menschen zu vereinnahmen. Dieser Gedankengang führt uns zum 2. Gebot: Du sollst den Namen Gottes nicht mißbrauchen!

Die Bitten des Vaterunsers sind zugleich auch Fürbitten für andere, denn wir beten es komplett in der Gemeinschaftsform: „uns/unser“.

Dr. Söding betonte, gerade der Wortlaut „Führe uns nicht in Versuchung“ verdeutliche, daß die Bibel nicht oberflächlich sei, daß sie kein „glattes“ Bild von Gott vermittle, sondern tiefgründig und existentiell auch die uns unverständlich erscheinenden Dimensionen Gottes zur Sprache bringe, etwa die für den Menschen so schmerzliche Frage nach seiner „Gerechtigkeit“, nach dem Sinn von Leid und Verzweiflung.

Dies wird auch in den Klagerufen des Alten Testamentes deutlich, vor allem aber in der Abrahams-Geschichte von der Opferung Isaaks und im Buch Hiob. Doch diese schmerzlichen Abgründe eröffnen zugleich den Horizont auf die Verheißungen Gottes, sie verdeutlichen, daß der Höchste auch im Tal der Tränen gegenwärtig und dem Menschen nahe ist.

Christus selbst wurde vom „Geist Gottes“ in die Wüste geführt, so heißt es im NT, „um dort versucht zu werden“, wobei natürlich nicht der himmlische Vater, sondern Satan der Versucher war.  Dies Ereignis markiert, daß unser Erlöser voll und ganz Mensch geworden ist, wie wir alle mit schweren Anfechtungen konfrontiert, die er aber sündenfrei überwunden hat.

Lieber hat Jesus in der Wüste weiter gehungert, statt Steine in Brot zu verwandeln, was ihm als Sohn Gottes ein Leichtes gewesen wäre. Aber ER verzichte auf den Einsatz seiner Wunderkraft zur Erleichterung des eigenen Lebens. Nur so konnte ER das Menschsein in allen Zügen – auch den schmerzlichen – durchleben und uns so ein lebensnahes Vorbild geben, wie auch der Hebräerbrief betont: Christus wurde wie alle Menschen versucht, doch ER sündigte nicht.

Professor Söding erläuterte weiter, bereits das aufrichtige Aussprechen der Bitte „Führe uns nicht in Versuchung“ entfalte seine innere Wirksamkeit, habe eine helfende und befreiende Wirkung. 

Im Garten Gethsemane habe Christus die schläfrigen Apostel noch vor seinem Leiden eindringlich aufgefordert: „Wachet und betet, damit ihr nicht in Versuchung fallet.“ (Mt 26,41)

Das Vaterunser ist ein Gebet des Vertrauens: Wir wenden uns an Gott, weil wir zuversichtlich glauben, daß sein Reich zu uns kommt, daß sein Wille geschieht, daß ER vom Bösen befreit und Schuld vergibt.

Wir tragen ihm als Geschöpfe unser Flehen vor, weil wir um unsere Schwachheit wissen und seine beschützende Kraft nötig haben.

HIER unser Artikel aus dem Jahr 2016 über die jüdischen Wurzeln des Vaterunser-Gebets: https://charismatismus.wordpress.com/2016/11/09/die-juedischen-wurzeln-des-vaterunser-gebets/

 


Die deutsche Ortskirche nach der Frühjahrs-vollversammlung der Bischofskonferenz

Von Prof. Dr. Hubert Gindert

Die Arbeit an den Konsequenzen der sexuellen Missbrauchsfällen wird weitergeführt. Das war zu erwarten.

In der abschließenden Pressekonferenz sprach der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) Kardinal Marx von einer „Zäsur in der Kirche“ und fügte hinzu: „So kann es nicht weitergehen“. In diesem Punkt stimmen die lehramtstreuen Katholiken und diejenigen, die eine „andere Kirche“ wollen, überein.

Wenn die Augsburger Allgemeine Zeitung (AZ) vom 15.3.2019 im Haupttitel schreibt: „So kann es nicht weitergehen“ und der Untertitel lautet: „Die katholischen Bischöfe wollen gemeinsam mit den Gläubigen auch neuen Umgang mit Macht, Zölibat und Sexualmoral diskutieren“, werden Katholiken, die zur Lehre der Kirche stehen, hellhörig.

Hier lesen sie erneut die lange bekannten Forderungen aus jener Zeit, als die sexuellen Missbrauchsfälle noch gar kein Thema waren. Die zentrale Bedeutung der Homosexualität  –  80% der Missbrauchsfälle hatten homosexuellen Charakter  –  wurde in den Pressemitteilungen vom 14.3.2019 nicht erwähnt.

Die Regie sorgte offensichtlich angesichts „völlig divergenter Gruppen“ (Thomas Schüller) in der Bischofskonferenz dafür, dass ein „Kompromiss auf Minimalniveau“ erreicht wurde. „Man habe sich darauf geeinigt, Kernfragen nicht nur untereinander, sondern auf breiter kirchlicher Basis mit dem Ziel konkreter Beschlüsse zu beraten“ (AZ, 15.3.2019).

In den Pressemitteilungen der DBK vom 14.3.19 werden drei Fragekreise für die Weiterbehandlung genannt:

  1. Umgang mit Macht in der Kirche
  2. Zukunft der priesterlichen Lebensform
  3. Weiterentwicklung der kirchlichen Sexualmoral

Sodann heißt es: „Die Themen Zölibat und Zugang von Frauen in kirchlichen Ämtern dürfen in der Diskussion nicht ausgespart werden“ …“eine konstruktive Aneignung human-wissenschaftlicher Einsichten ist noch nicht gelungen … die Kirche braucht ein synodales Voranschreiten.

Papst Franziskus macht dazu Mut. Und wir fangen nicht am Nullpunkt an. Die Würzburger Synode (1972 bis 1975) und auch der Gesprächsprozess der vergangenen Jahre haben den Boden bereitet, auch für viele Herausforderungen von heute. Einstimmig haben wir beschlossen, einen verbindlichen Weg in Deutschland zu gehen… und zwar gemeinsam mit dem ZdK“.

Das Forum „Macht, Partizipation, Gewaltenteilung“ wird von Bischof Karl-Heinz Wiesemann (Speyer) verantwortet. Das Forum „Sexualmoral“ von Bischof Franz-Josef Bode (Osnabrück), das Forum „Priesterliche Lebensform“ von Bischof Felix Genn (Münster)“.

Dazu eine Anmerkung: Die Beschlüsse der Würzburger Synode wurden von Rom nicht anerkannt.

Der „Gesprächsprozess der vergangenen Jahre“ war ein Schuss in den Ofen. Für die Reform der Kirche war er unnütz. Die Bischofskonferenz hat Zeit gewonnen.

Die Kirche steht wieder einmal am „Scheideweg“. Die DBK versucht aus Angst vor der Realität in einer faktisch bereits gespaltenen Ortskirche zu verhindern, dass die Wirklichkeit auch formal Gestalt annimmt.

Eine echte Reform wird von der Deutschen Bischofskonferenz nicht ausgehen.

Unser Autor Prof. Gindert leitet den Dachverband „Forum Deutscher Katholiken“ und ist Herausgeber der Monatszeitschrift DER FELS.


Neuseeland: Kirche entsetzt über Massenmord

Der em. kath. Bischof von Christchurch, John Basil Meeking, äußert sein Entsetzen nach den Anschlägen auf zwei Moscheen in der neuseeländischen Stadt Christchurch, in der 600.000 Menschen leben, darunter 70.000 Katholiken:

„Es ist eine schreckliche Tat, die wir mit Nachdruck verurteilen. Mit so etwas hätten wir in unserer ruhige Gemeinde in Christchurch nie gerechnet.

Wir stehen unter Schock wie die ganze Nation und wir bekunden unsere Solidarität mit den betroffenen Familien und den Muslimen. Wir vertrauen Gott die Toten und das Leid an, das durch das Massaker an Unschuldigen verursacht wurde.“

Vier bewaffnete Männer, angeführt vom 28-jährigen Australier Brenton Tarrant, verübten die Anschläge. Bei den Attentaten gab es mindestens 49 Tote. Die neuseeländische Premierministerin Jacinta Arden erklärte: „Dies ist einer der dunkelsten Tage in der Geschichte Neuseelands.“

Der Vorsitzende der Neuseeländischen Bischofskonferenz, Patrick James Auckland, gab in einer Botschaft an alle kath. Gemeinden der Nation bekannt, dass bei den Gottesdiensten am kommenden Sonntag, dem 17. März, für die Opfer gebetet werden soll.

Quelle: Fidesdienst


Mehrheit der Kirchenmitglieder ignoriert die Fastenzeit – Fast jeder dritte Moslem fastet mit

Das Erfurter INSA-Institut wollte in einer repräsentativen Umfrage wissen, inwiefern die Befragten die Fastenzeit nutzen, um zumindest eine Zeit lang auf irgendetwas zu verzichten. 21 Prozent tun dies, 68 Prozent nicht. Frauen fasten etwas häufiger als Männer (23 zu 19 %).

Die Fastenzeit hat einen religiösen Hintergrund. Von den christlichen Befragten sind es die römisch-katholischen, welche am häufigsten  fasten (32 %). Die evangelisch-landeskirchlichen Befragten tun dies zu 21 Prozent, die freikirchlichen zu 27 Prozent.

Auch 31 Prozent der islamischen Befragten werden in der aktuellen Fastenzeit fasten. Befragte mit sonstiger Religion bzw. Konfession fasten zu 17 Prozent und auch 14 Prozent der konfessionslosen Befragten wollen fasten.

HIER geht es zum erwähnten INSA-Institut: www.insa-consulere.de


Die Kirche und der Missbrauch-Skandal

Von Prof. Dr Hubert Gindert

Die geistliche Auseinandersetzung zwischen Gott und dem Widersacher kommt besonders im Kampf gegen die Kirche Jesu Christi zum Ausdruck.

Der weltweite Skandal der sexuellen Missbrauchsfälle an Kindern und Jugendlichen hat sich auch in der Kirche eingenistet. Priester, Ordensleute und sogar Bischöfe sind daran beteiligt.

Das bringt den Kirchengegnern einen Vorwand und die Möglichkeit, der Kirche die Glaubwürdigkeit abzusprechen und sie so zu schwächen. Der Medien-Tsunami gegen das „Feindbild“ Kirche ist beispiellos.

BILD: Prof. Gindert leitet den Dachverband „Forum Deutscher Katholiken“

Peter Seewald drückt das so aus:

„Aus allen Kanälen, aus allen Rohren von allen Kanzeln wird geschrien, angeklagt, gespuckt… Wie glaubwürdig ist es, wenn die bekannten Kirchenfresser in den einschlägigen Medien dem Missbrauch in der Kirche seit Jahren mit unzähligen Seiten einen Platz einräumen, als sei die katholische Kirche eine einzige Verbrecherorganisation? Hat sich irgendeine andere Institution – der Staat, die Sportvereine, die Vereinten Nationen etc. – in einem ähnlichen Ausmaß des Missbrauchs wegen angenommen wie die katholische Kirche?“ (kath.net, 27.2.2019)

Der Regensburger Bischof Voderholzer äußert:

„Verlorenes Vertrauen wieder zu erlangen, wird nur gelingen, wenn wir bei aller gebotenen Demut und den notwendigen Selbstbezichtigungen nicht vergessen, darauf hinzuweisen, dass die katholische Kirche die erste und bislang noch immer einzige Institution der Zivilgesellschaft in Deutschland ist, die sich diesem großen gesellschaftlichen Problem in ihren eigenen Reihen schonungslos stellt… Völlig kontraproduktiv ist das durchsichtige Verhalten, den Missbrauch zu instrumentalisieren, um lange schon verfolgte kirchenpolitische Ziele jetzt durchzudrücken.“ 

Seewald demaskiert die Heuchelei und fragt nach der Glaubwürdigkeit der maßlos die Kirche angreifenden Medien, die sich vor den Skandalen der Pornographie, denen Kinder ungeschützt ausgeliefert sind, wegducken, ebenso wie vor der Forderung des Juso-Vorsitzenden, Abtreibung bis zur Geburt freizugeben, vor dem sexuellen Missbrauch in Familien, Sportvereinen und vor den Kinder-Schänder-Ringen  – und er folgert:

“Wer jedes Maß, jeden Sachverstand, jede Differenzierung vermissen lässt, dem geht es um eigene Ziele“. (kath.net, 27.2.2019)

Diese sind nicht eine reuige, umkehrwillige Kirche, sondern eine „andere“ Kirche. Die Agenda, um das „System aufzubrechen“, liegt seit langem vor: Kirchliche Hierarchie, Priesterbild, Abschaffung des Zölibats, Änderung der kirchlichen Sexualmoral, Neubewertung der Homosexualität, Frauenpriestertum…

Diese Forderungen kommen aus dem Inneren der Kirche, von Theologen, Priestern, aus den katholischen Laienverbänden (ZdK, BDKJ, katholische Frauenverbände). Speerspitze der Kirchenveränderer sind die Kirchenvolksbegehrer um Christian Weisner mit dem bescheidenen Namen „Wir sind Kirche“. Wer ihre Ziele nachlesen will, kann das im vierzigseitigen Dossier im „Publik-Forum“ (Nr. 2, 26. Januar 1996). Dort sind diese Ziele sehr offenherzig beschrieben. 

Die Mediendampfwalze zeigt Wirkung: Das Vertrauen in die katholische Kirche geht massiv zurück. Die Austrittszahlen schnellen hoch.

Wie kann Glaubwürdigkeit zurückgewonnen werden? Die Beseitigung der Konsequenzen der sexuellen Missbrauchsfälle ist zweifellos wichtig. Sie darf aber nicht die Fragen, wie konnte es dazu kommen?, überlagern. Denn daraus sind die Rückschlüsse zu ziehen, welche inneren Reformen anzupacken sind.

Manche Bischöfe reagieren panikartig, wie Silvesterpredigten zeigten. Ich greife die von Bischof Overbeck aus Essen auf. Overbeck fordert eine „offene Debatte zu sämtlichen Grundsatzfragen der Kirche und konkrete Handlungsoptionen zur Veränderung der Kirche im Bistum Essen“. Zu diesen „Grundsatzfragen“ zählt er „Priesterbild, Weihe-Amt, Hierarchie, Zölibat und Sexualmoral“ (Pressestelle Bistum Essen).

Aber auch in dieser Situation gibt es Hirten, die den Weg in die Zukunft weisen, ohne sich vor der Verantwortung für die sexuellen Missbrauchsfälle zu drücken, z.B. Bischof Rudolf Voderholzer (siehe Foto).  Er sagt:

„Erneuerung der Kirche ist nicht von einer Anpassung an Zeitgeist diktierte Vorstellung oder durch Verbilligung der biblischen Botschaft zu erwarten. Die Geschichte zeigt, dass wahre Erneuerung immer aus einem tieferen Gehorsam gegenüber der Botschaft des Evangeliums… aus einer verstärkten Bemühung um Katechese und Verkündigung, sowie aus einer radikalen Christusnachfolge erwachsen sind“. 

Bischof Gregor Maria Hanke äußerte sich beim Neujahrempfang des Diözesanrates ähnlich: „Mehr Zeugenschaft und Nachfolge Jesu, weniger Institution und Verfasstheit sind nötig. Die notwendige geistliche Erneuerung der Kirche ist nicht zu erreichen, „wenn wir an Kirche und Glaube herumschrauben, als ginge es um ein Parteiprogramm, das es mehrheitsfähig zu machen gilt“. Die Kirchengeschichte zeige, dass durch die „Homöopathisierung des Anspruchs des Evangeliums“ kein geistliches Wachstum entsteht.

Es ist klar, dass Bischöfe mit einer solchen katholischen Statur für Kirchenveränderer ein Dorn im Auge sind, weil sie den Weg zu einer „anderen Kirche“ blockieren.

Eine wichtige Station für die weitere Vorgehensweise für die sexuellen Missbrauchsfälle war die viertägige Bischofssynode im Februar 2019 in Rom. Schon im Vorfeld wurde versucht, Einfluss auf die Agenda der Synode zu nehmen.

So wandten sich „prominente deutsche Katholiken“ in einem offenen Brief an Kardinal Marx. Sie verlangten darin „mutige“ Reformen. Diese „prominenten“ neun Katholiken waren die Jesuitenpatres Ansgar Wucherpfennig und Klaus Mertes; der Frankfurter Stadtdekan Johannes zu Eltz; Gaby Hagmann, Direktorin der Caritas Frankfurt; Bettina Jarasch, Vorstandsmitglied der  Grünen; Claudia Lücking-Michel, Vizepräsidentin des ZdK; Dagmar Mensink, ZdK-Sprecherin und Jörg Splett, Religionsphilosoph und Anthropologe mit seiner Frau Ingrid.

Das Gipfeltreffen in Rom sollte nicht Beschlüsse fassen, aber offene Fragen in konkreter Weise aufgreifen. Papst Franziskus forderte die Bischöfe dazu ausdrücklich auf: „Das heutige Gottesvolk schaut auf uns und erwartet von uns nicht nur einfache Verurteilungen, sondern konkrete und wirksame Maßnahmen. Wir müssen konkret werden“. – Das geschah nicht.

Guido Horst benennt solche offene Fragen: „Das kirchliche Strafrecht, die Aufsicht über Nachlässige oder sogar vertuschende Bischöfe, die Beteiligung von Laien beim Kinderschutz, die Arbeitsabläufe zwischen Rom und den Ortskirchen, die Auswahl der Kandidaten für das Priestertum und für das Bischofsamt“. (Tagespost, 28.2.2019)

Horst bemängelt besonders, dass nicht die Ursachen, die zu den Missbrauchsfällen geführt haben, aufgegriffen wurden. Die Kardinäle Brandmüller und Burke hatten sich gerade deswegen an die Präsidenten der Bischofskonferenzen gewandt und dabei diese Ursachen deutlich gemacht, nämlich die homosexuellen Netzwerke, „die sich … im Innern der Kirche ausgebreitet haben. Ein Phänomen, das in jener Atmosphäre von Materialismus, Hedonismus und Relativismus wurzelt, in der die Existenz eines absoluten, ohne Ausnahme verpflichtenden Sittengesetzes offen in Frage gestellt“ wird…

Verantwortlich für den sexuellen Missbrauch seien „nicht Klerikalismus und Machtmissbrauch“, sondern „Abkehr von der Wahrheit des Evangeliums. Der sogar öffentlich erhobene Widerspruch in Wort und Tat gegen das natürliche und göttliche Sittengesetz ist in Wahrheit die Wurzel des Übels“. (kath.net. 20.2.2029)

Guido Horst bemängelt auch eine fehlende Bereitschaft der obersten Kirchenführung, „zunächst im eigenen Haus mit den Aufräumarbeiten zu beginnen“ (Tagespost, 28.2.2019) und spricht dabei Bischof Gustavo Oscar Zanchitta an, der des sexuellen Missbrauchs beschuldigt, sich in den Vatikan flüchtete und dort eine neue Beschäftigung fand.

Aus den von Papst Franziskus ausgeteilten 21 „Punkten der Reflexion“ wurde kein wirkliches „Maßnahmenpaket“. Der Papst hielt am Ende der Synode eine Rede über allgemeine Prinzipien. Die Bischöfe wurden mit der Ankündigung eines „Vademecums“ entlassen, das den Ortskirchen helfen soll, ihre Pflichten und Aufgaben umzusetzen. Des Weiteren sollen „Task forces“ eingerichtet werden, um die Bischöfe zu beraten.

Haben die Kardinäle Brandmüller und Burke die wahren Ursachen des sexuellen Missbrauchs aufgedeckt und Horst die fehlenden konkreten Maßnehmen in sachlicher Weise bemängelt, so breitete sich in profanen Medien ein angestauter Ärger aus, der fast an Wut erinnert.

Warum? Die bekannten „Reformvorschläge“ spielten in der Bischofssynode keine Rolle. Papst Franziskus hatte in seiner Abschlussrede den sexuellen Missbrauch in einen weltweiten gesellschaftlichen Zusammenhang – der von den Medien tabuisiert wird – gestellt, die Gewalt in Familien kritisiert und das Wirken Satans mit den Missbrauchsfällen in Verbindung gebracht.

Die Augsburger Allgemeine Zeitung titelte nach der Synode „Der Papst ist nicht bereit, die Kirche zu erneuern“ (Obertitel) und „Der Anti-Missbrauchsgipfel im Vatikan ist ein Schlag ins Gesicht der Opfer. Den Worten folgen keine Taten. Verantwortlich ist Papst Franziskus höchst persönlich“ (Untertitel).

Wenn diese Journalisten die Opfer sexuellen Missbrauchs so wichtig sind, fragt man, warum die gleichen Journalisten nicht Tag und Nacht über die 99% der Missbrauchsfälle, die außerhalb der Kirche geschehen, lauthals schreien?

Der Ärger über den Papst ist deutlich aus den Berichten über die römische Bischofssynode herauszuhören, hat doch der Vorwurf des Papstes „gegen ideologische Polemiken“ und „journalistisches Kalkül“ Journalisten direkt getroffen. Sie sind verärgert und enttäuscht über Franziskus, den sie, so lange sie glaubten, ihn für ihre Ziele einspannen zu können, als „Reformer“ hochstilisiert hatten.

Die Schlussfolgerung der AZ vom 25.2.2019 lautet: „Die katholische Kirche (hat) keine Kraft sich zu erneuern“. Das ist ein Vorwurf, der für die Zukunft der Kirche existenziell ist.

In der heutigen Verwirrung werden manche Katholiken an die „Endzeit“ und an Sätze viele falsche Propheten werden auftreten und viele verführen (Mt 24,11) sowie an den vorhergesagten „Massenabfall“ (Mk 13, 21-23) denken. Gläubige werden sich aber auch an der Zusage Christi aufrichten… „und die Pforten der Unterwelt werden sie nicht überwältigen“ (Mt 16,18).

Denn aus der Geschichte wissen sie, dass die Kirche schon mehrfach tiefe Krisen durchlitten und sich davon wieder befreit hat. Zwei Beispiele: Als der heilige Bonifatius im achten Jahrhundert in Deutschland sein Reformwerk begann, fand er in weiten Teilen eine verschlampte und verkommene Kirche vor, mit trunksüchtigen Bischöfen, die im Konkubinat lebten und lieber auf die Jagd gingen, als einen Gottesdienst zu halten. Die Unwissenheit vieler Priester war unbeschreiblich.

Als der über 80-.jährige Bonifatius zu seiner letzten Missionsreise nach Friesland aufbrach, wo er bei Dokkum erschlagen wurde, hinterließ er eine wohlgeordnete und wieder aufblühende Kirche.

Ein weiteres Beispiel der Erneuerung nach dem tiefen Einbruch der „Reformation“ im 16. Jahrhundert, bot die Kirche nach den Reformen des Konzils von Trient. Diese selbstreformierte Kirche leuchtete auch kulturell im glaubensfrohen Barock.

Weil die Homosexualität bei den Missbrauchsfällen eine besondere Rolle spielt, erinnert der Kirchenhistoriker Kardinal Brandmüller an eine ähnliche Situation im 11. Jahrhundert, als der heilige Petrus Damianus sich an Papst Leo (1049 – 54) wandte und ein „wirksames Einschreiten gegen die weitverbreitete Homosexualität innerhalb des Klerus“ mit den Worten forderte:

„Das Krebsübel der Homosexualität nistet sich im Gefüge der Kirche ein. Wie eine wilde, rasende Bestie wütet sie im Schafstall Christi mit solcher Kühnheit und Freiheit, dass das Seelenheil vieler unter dem Joch der Knechtschaft von Laien sicherer ist, als nach dem Freiwilligen Eintritt in den Dienst Gottes unter dem ehernen Gesetz der Tyrannis Satans“, das im Klerus herrschte. (vgl. Kath.net 21.2.2019) Auch diese Krise wurde überwunden.

Wenn Kardinal Müller heute feststellt: „In dieser kirchengeschichtlich einmaligen Krise mangelt es der Kirche in den einst christliche Ländern an glaubensstarken Bischöfen, heiligen Priestern und geistesmächtigen Gelehrten“ (G. Kubys Buch „Missbraucht“, S. 8), so ist dieser Mangel deutlich spürbar.

Die „glaubensstarken“ Bischöfe sind eine Minderheit unter den Diözesanbischöfen. Jeder kennt sie, weil sie sich zu den Problemen deutlich artikulieren. Das ist auch notwendig, weil sich selbst lehramtstreue Katholiken heute fragen, ob sie selber noch richtig ticken. Sie wollen sich selbst vergewissern.

Das können sie. Kein Katholik ist ohne den sicheren Kompass, den uns Johannes Paul II. im Katechismus von 1992 (KKK) gegeben hat. Er enthält das gesamte Glaubensgut der Kirche. Jugendliche haben daneben den Youcat, Kinder den Kidscat, sozial engagierte den Docat mit der Sozialbotschaft der Kirche.

Kardinal Müller hat „angesichts sich ausbreitender Verwirrung in der Lehre des Glaubens“, nachdem sich „viele Bischöfe, Priester und Ordensleute und Laien“ an ihn „um ein öffentliches Zeugnis für die Wahrheit“ gewandt haben, das „Glaubensmanifest“ verfasst. Ihm ist das Motto vorangestellt „Euer Herz lasse sich nicht verwirren!“ (Joh 14,1).

Dieses Glaubensmanifest ragt wie ein Leuchtturm für alle Fragenden und Verunsicherten auf.


Bischof Genn bezeichnet die Kirche amtlich als „Laden“ – Erneut kein Wort von der Beichte

Von Felizitas Küble

Am 1. Fastensonntag wird stets  –  statt der üblichen Predigt  –  in den hl. Messen das Bischofswort an die Diözesanen verlesen. Am heutigen 10. März 2019 wurde im Bistum Münster der neue Fastenhirtenbrief von Bischof Dr. Felix Genn (siehe Foto) verkündet: https://www.youtube.com/watch?v=FSmopoUR9Mk

Dabei entwertete der Oberhirte die katholische Kirche erneut respektlos als „Laden“ – wie bereits vor einigen Wochen geschehen.

Allerdings äußerte er dies damals „nur“ gegenüber dem WDR, als er in einem Interview erklärte, er könne verstehen, wenn Leute sagen: „Jetzt ist Schluss mit diesem Laden!“

Diese unangebrachte Flapsigkeit habe ich Anfang Februar bereits kritisiert und die Frage gestellt, ob sich der Bischof wohl konsequenterweise als „Ladenhüter“ ansieht, wenn er seine Kirche als „Laden“ bezeichnet: https://charismatismus.wordpress.com/2019/02/06/muenster-ist-bischof-genn-ein-ladenhueter/

Vor einigen Jahren traf ich in Münsters Innenstadt einen  – inzwischen verstorbenen  –  Weihbischof, den ich persönlich kannte, als er zu Fuß und ich mit dem Rad unterwegs war.

Ich stieg herunter und begrüßte ihn  – und er mich, worauf er fragte: „Na, wie gehts denn Ihrem Laden?“ – Gemeint war mein KOMM-MIT-Verlag und ich war etwas perplex über diese Redeweise, doch da es sich nur um eine beiläufige Unterhaltung handelte, dachte ich mir, der Weihbischof wollte sich etwas kumpelhaft geben und verübelte ihm den burschikosen Ausdruck nicht.

Nun ging es damals aber erstens „nur“ um meinen Verlag, zweitens war es ein Gespräch am Rande, drittens war ich trotzdem etwas erstaunt über die Wortwahl. 

Um wieviel mehr darf man sich wundern, wenn ein Bischof die Kirche Christi öffentlich als „Laden“ tituliert und damit deutlich abwertet.

Noch viel sprachloser fühlt man sich, wenn der hohe Amtsträger diesen Ausdruck offiziell in seinem Fastenhirtenbrief verwendet und alle heutigen Meßbesucher in seinem Bistum damit behelligt. Auf dem Kirchplatz erlebte ich selber, wie etliche Gläubige kritisch darüber diskutierten.

Ebenso wurde von Kirchgängern beanstandet, daß Bischof Genn kein einziges Wort pro Bußsakrament verlautbaren ließ – und das in einem Hirtenwort zur „österlichen Bußzeit“.

Im Vorjahr erwähnte er die Beichte wenigstens noch beiläufig. Aber ansonsten ist diesbezüglich Totschweigen angesagt, wie dieser Artikel von 2013 aufzeigt, in dem ich mich damals auch darüber beschwerte: https://charismatismus.wordpress.com/2013/02/17/munster-bischof-genns-fastenhirtenbrief-enthalt-keinen-hinweis-auf-die-beichte/

Statt also die Chance zu nutzen und seinem Kirchenvolk den Sinn der Beichte zu erklären, lobt und preist der Bischof in drei Absätzen ausführlich den Katholikentag, der vorigen Mai in Münster stattfand – nicht gerade ein sonderlich aktuelles Thema.

Aber dieses  – so Dr. Genn –  „schöne und ergreifende Ereignis in unserer Bischofsstadt“, das „wahrhaftig ein großes Fest des Glaubens“ gewesen sei, dient optimal der bischöflichen Eigenwerbung und Selbstdarstellung.

Danach befaßt sich der Oberhirte in fast epischer Breite, aber eher kryptischer Art mit der Frage der Interkommunion (Eucharistie für Protestanten), ohne daß der Gläubige erfährt, ob der Herr Bischof nun eindeutig dafür oder dagegen ist. Den zahlreichen Andeutungen zufolge (z.B. „nicht auf das Trennende zu schauen“) positioniert er sich wohl eher dafür, aber festlegen will sich Dr. Genn offenbar lieber nicht.

Sodann geht weiter um das Katholikentags-Motto „Suche Frieden“, das in dem Hirtenbrief seitenlang ausgebreitet wird. Dabei spricht der Bischof von jenen Gläubigen, „die durch große Verwundungen nicht in der Lage sind, zu verzeihen“; diese könnten durch die Eucharistie „einen Weg finden, der ihnen weiterhilft“, denn dabei könnten wir erfahren, „dass Gott selbst in seinem Sohn Jesus Christus mit uns Menschen Beziehung stiftet und Gemeinschaft aufbaut – und Er tut es trotz unserer Spaltung und unserer Zerrissenheit.“

Spätestens hier hätte der Bischof darauf hinweisen können, daß Christus die Gemeinschaft mit uns Sündern – gerade auch in einer Situation des Nicht-verzeihen-könnens – durch das Bußsakrament stiftet, daß ER hier „unsere Zerrissenheit“ heilt, indem ER Vergebung und neues Heil schenkt.

(Erzbischof Becker von Paderborn hat in seinem jetzigen Fastenhirtenbrief das Thema Beichte sogar in den Mittelpunkt gerückt: http://document.kathtube.com/47580.pdf)

Schließlich kommt der Münsteraner Ordinarius auf die Missbrauchs-Skandale zu sprechen und äußert seine Betroffenheit hierzu  –  teils auch darüber, „in Mithaftung gezogen zu werden für Taten, die ich nicht verursacht habe“. Gewiß, aber die positive „Mithaftung“ – etwa durch den angeblich so erfolgreichen Katholikentag – läßt sich der Bischof  gerne gefallen.

Der Hirtenbrief kommt auch auf „den Ärger und die Wut vieler“ zu sprechen, die wegen der Missbrauchsvorfälle „die Kirche verlassen“ hätten. Er könne es „sehr gut verstehen“, wenn Menschen sich „zu diesem Schritt entscheiden“.

Wieso kann ein führender Amtsträger einen derartigen Kirchenaustritt „sehr gut“ verstehen?

Sind wir nun in unserer Kirche um Christi willen – oder um uns an einer (sicherlich grundsätzlich wünschenswerten) moralischen Großartigkeit von Klerikern zu ergötzen – und falls das nicht klappt, entsetzt das Weite zu suchen?!

In diesem Missbrauchs-Zusammenhang äußert Dr. Genn sich dann über die Kirche als „Laden“:

„Natürlich tröstet mich dabei auch immer der Gedanke, dass derjenige, der am ehesten Grund hätte, aus dem „Laden der Kirche“ auszusteigen, der Herr selber ist….Aber Er bleibt treu und Er trägt auch dieses Versagen mit.“

Sodann kommt der Bischof erneut darauf zu sprechen, daß wir in einer Kirche, die sich als „zerrissen und gespalten“ darstelle, „von innen her geheilt werden“ könnten, wenn wir am Leiden Christi teilnähmen, der uns durch das Kreuz den Frieden schenke.

Auch hier wäre ein Hinweis auf die Beichte und ihre „heilende“ sakramentale Kraft höchst naheliegend gewesen.

Die eucharistischen Anmerkungen des Münsteraner Oberhirten wirken ebenfalls etwas einseitig, so wenn er z. B. schreibt: „Jesus begegnet uns in der Eucharistie als verwundeter Erlöser… Er begegnet uns in unserer Trauer, in unseren Wunden, weil Er der Verwundete ist.“

Die Kirche lehrt aber, daß Jesus in den Gestalten von Brot und Wein so real zugegen ist, wie ER im Himmel lebt und für immer als Gottmensch existiert – und somit als der Gekreuzigte und verklärte AUFERSTANDENE, als der siegreiche Christkönig und Pantokrator (Allherrscher, Weltenrichter).

Eine eindimensionale Hervorhebung des HERRN als „Verwundeter“ erscheint hier theologisch wenig sinnvoll.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt