Das Kirchenvolk hofft auf Ermutigung durch glaubensstarke Persönlichkeiten

Von Dr. Hubert Gindert

Die Christen sind vom Evangelium her aufgefordert, für die Wahrheit einzustehen und auch dafür zu kämpfen. 0000009699_3

Die katholische Kirche in Deutschland steht in einer Krise. „Die Kirchen sind leer, die Ansichten der Getauften zu Ehe, Familie, Sexualmoral und Glück unterscheiden sich kaum noch von denen der Nichtchristen“. (George Weigel, vgl. Kathnet vom 22.5.15)

FOTO: Prof. H. Gindert spricht beim Kongreß “Freude am Glauben”

In dieser Situation sehnen sich die Gläubigen nach Hoffnungsträgern, die sich nicht mit der Krise abfinden, nach Hirten, die mit Bekennermut vorangehen und die Hoffnungslosigkeit, Niedergeschlagenheit, Lähmung und Verzagtheit in Hoffnung, Mut, neues Selbstbewusstsein und Aufbruchsstimmung umwandeln. Manchmal kann die Kirche etwas von der „Welt“ lernen.

Ein Beispiel:

Am 18. Juni 1940 richtete General de Gaulle einen Appell an die Franzosen. Das war ein historisches Ereignis mit weitreichenden Folgen. Frankreich hatte den Kampf gegen Deutschland eingestellt. Das ganze Land stand unter einer Schockwirkung.

Der gebrochene Widerstandswille hatte eine Vorgeschichte. Die historische Erfahrung, dass ein Land bereit sein muss, seine Freiheit gegen aggressive Nachbarn zu verteidigen und das auch deutlich zu machen, war vergessen worden. Trotz der von Hitler befohlenen Aufrüstung waren die Verantwortlichen in Frankreich nicht bereit, die Armee zu modernisieren.

De Gaulle hatte vier Denkschriften verfasst, um auf die Dringlichkeit dieser Aufgabe hinzuweisen. Nachdem Hitler Österreich dem Reich einverleibt hatte und die Tschechoslowakische Republik zwang, seine erpresserischen Forderungen zu akzeptieren, nahm Frankreich diesen Vorgang hin, obwohl es vertraglich zum Beistand verpflichtet war. 0022

Als dann Hitler einen Korridor von Polen forderte, um einen Landzugang zu Danzig herzustellen, bestand erneut Kriegsgefahr. Von französischen Gazetten wurde das Geschehen mit der Überschrift „Mourir pour Danzig?“ (Sterben für Danzig?) kommentiert.

Wegen des gelähmten Widerstandswillen und der unzureichenden Bewaffnung waren die französischen Streitkräfte dem deutschen militärischen Ansturm nicht gewachsen; sie kapitulierten. Da wandte sich De Gaulle von London aus an die Franzosen:

„Die Regierung hat den Kampf gegen die Deutschen eingestellt. Aber ist damit das letzte Wort gesagt? Muss deswegen die Hoffnung verschwinden? Ist deswegen die Niederlage endgültig? Nein! Glaubt mir, der in Kenntnis der Ursachen spricht, Frankreich ist deswegen nicht verloren. Denn Frankreich ist nicht allein! Es hat ein gewaltiges Imperium hinter sich. Es kann mit Großbritannien, das den Kampf fortsetzt und die Meere beherrscht, einen Block bilden. Frankreich kann wie Großbritannien die gewaltige Industriemacht der USA nutzen. Dieser Kampf ist nicht auf unser unglückliches Land begrenzt. Es ist ein Weltkrieg. Die Flamme des Widerstandes darf nicht erlöschen!“

General Jaques Massu beschreibt die Situation. Er war damals als junger Kolonialoffizier in Afrika. Zusammen mit anderen Offizieren hatte er im fernen Tschad mit Entrüstung und tiefer Niedergeschlagenheit von der Niederlage erfahren. Als sie den Appell De Gaulles hörten, stellten sie sich ihm sofort begeistert zur Verfügung, um den Kampf von Afrika aus fortzusetzen. bildma1

Das liest sich alles sehr „säkular“ und hat scheinbar nichts mit der religiösen Krisensituation in Deutschland zu tun. Aber der Aufruf De Gaulles ist ein Beispiel dafür, wie Menschen wieder aufgerichtet werden.

Auch die religiöse Auseinandersetzung, in der wir stehen, ist ein Kampf, wenn auch ein geistlicher – und es gibt Parallelen: Auch die lehramtstreuen und romverbundenen Katholiken Deutschland sind nicht allein. Sie sind nicht isoliert, sondern Teil der weltumspannenden Universalkirche.

Es gibt eine Minderheit der deutschen Bischöfe, die sich nicht dem Druck der veröffentlichten Meinung und der im ZdK vertretenen katholischen Organisationen beugen. Es gibt Bischofskonferenzen in Europa, so in Polen, der Slowakei, Italien, Spanien, in Afrika, Asien und Lateinamerika, die dem Zeitgeist widerstehen.

Die Ursachen für die religiös-kirchliche Situation in der deutschen Ortskirche sind bekannt. Sie wurden aber nicht abgestellt.

Die Stimmen der deutschen Ortsbischöfe, die aussprechen, was der Glaube der katholischen Kirche ist, werden von den Gläubigen begeistert aufgenommen. Die neuen Medien helfen, dass es neben den offiziellen Kanälen auch andere Möglichkeiten der Information für die Gläubigen gibt. Hinzu kommen Ressourcen, die im säkularen Bereich nicht zur Verfügung stehen. Das sind die tausende von Katholiken, die heute mit ihrem Leben Zeugnis für den Glauben geben.

Es ist aber vor allem die Zusage des HERRN, dass der Hl. Geist über die Wahrheit wacht und dass die Mächte der Unterwelt die Kirche nicht überwältigen können.

Unser Autor Prof. Dr. Hubert Gindert leitet den Dachverband “Forum deutscher Katholiken” und die kath. Monatszeitschrift DER FELS.

 


München: Kardinal Reinhard Marx strebt weiter nach einer liberalen Zeitgeistkirche

Mathias von Gersdorff0653a-bildungsplan-demo-1-2-1448b12b252812529

Auf ihrer Internetseite hat die „Deutsche Bischofskonferenz“ die wichtigsten Auszüge aus der Pfingstpredigt von Reinhard Kardinal Marx, Erzbischof von München-Freising, veröffentlicht.

Als programmatische Aussage stellte Kardinal Marx seine Vision von Kirche vor. Er will eine Willkommenskultur für alle: „...die zugezogenen Norddeutschen und die Bayern, die Mittelschicht und die Hartz-IV-Empfänger, die Arbeitslosen und die Direktoren der Banken, die Grünen und die Schwarzen, die Homosexuellen und die Heterosexuellen, die Geschiedenen und die Ehejubilare, die Flüchtlinge und die Gebirgsschützen“.

Marx´ Forderung: Jeder Mensch soll den Anderen die Frohe Botschaft verkünden: „Nicht die Unterschiede zählen, sondern das, was uns verbindet“.

Dass alle Menschen berufen sind, an das Evangelium zu glauben, ist Allgemeinplatz. Wie soll man also Marx´ Worte verstehen? IMG_20140601_122952

Kardinal Marx hat ausdrücklich eine Reihe Reizwörter verwendet: Grüne und Schwarze (also CSU/CDU-Mitglieder), Homosexuelle und Heterosexuelle, Geschiedene.

Er hätte sich auch anders ausdrücken können: Parteimitglieder und Parteilose, Männer und Frauen, Verheiratete und Ledige. Eine solche Wortwahl hätte auch eher der katholischen Gedankenwelt entsprochen. Wenn Marx „Homosexuelle und Heterosexuelle“ nennt, so meint er die jüngst in Mode gekommene Unterscheidung von Menschen nach ihrer „sexuellen Orientierung“.

Diesen umstrittenen Begriff gibt es aber nicht in der christlichen Anthropologie. Es gibt Männer und Frauen und es gibt Männer und Frauen mit homosexuellen Neigungen.

Auch Geschiedene gibt es im strengen Sinne des Wortes nicht, denn nach katholischer Auffassung ist die Ehe unauflöslich. Man bleibt also verheiratet bis zum Tod. Es gibt nur zivilrechtlich Geschiedene, doch die Zivilehe hat für die katholische Kirche keine wirkliche Bedeutung.

Wie ist die Aussage von Kardinal Marx also zu werten?  Radio Vatikan

Entscheidend ist seine Forderung: „Nicht die Unterschiede zählen, sondern das, was uns verbindet“. Was bedeutet das konkret im heutigen gesellschaftlichen Kontext?

Grüne: Diese Partei ist zwar nicht die einzige, aber doch jene, welche sich am intensivsten für die Durchsetzung der Gender-ideologie in den Schulen und in der Gesellschaft generell einsetzt. Die Gender-Ideologie, dies haben Päpste und diverse Bischofskonferenzen in Hirtenbriefe ausführlich erläutert, ist ein Angriff auf das Herz des christlichen Menschenbildes.

Homosexuelle: Wie die Päpste Johannes Paul II. und Benedikt XVI. ausführlich erklärt haben, wird unter dem Schlagwort „Rechte für Homosexuelle“ die sogenannte „Homo-Ehe“ oder die „gleichgeschlechtliche Partnerschaft“ gefordert und so die katholische Lehre über Ehe und Familie frontal angegriffen. Die sog. „Homosexuellen-Agenda“ dient also der Relativierung wichtiger und verbindlicher katholischer Lehraussagen.

Geschiedene (eigentlich geschiedene Wiederverheiratete): Die Lage der geschieden Wiederverheirateten dient zurzeit als Vorwand, die katholische Lehre über die Familie, vor allem die Unauflöslichkeit der Ehe, zu schleifen. Mit der Abschaffung der Unauflöslichkeit würde die katholische Lehre über die Ehe und auch die Sexualmoral in sich zusammenfallen. Deshalb werden oft die Zulassung von geschiedenen Wiederverheirateten zur Kommunion, die Erlaubnis von künstlichen Verhütungsmitteln und die Akzeptanz außerehelichen Geschlechtsverkehrs zusammen gefordert. Dieser ist einer der schärfsten Angriffe zurzeit aus dem innerkirchlichen Bereich.

Fazit: Kardinal Marx fordert im Grunde eine Kirche, die sich gegen die schärfsten Angriffe auf sie gegenwärtig nicht verteidigt. Seine Aussagen sind geeignet, antikirchlichen Strömungen Tür und Tor zu öffnen.

Das wäre in etwa, als wenn Bischöfe in den 1970er Jahren in Vietnam, Kambodscha oder Angola gesagt hätten, man solle nicht das Trennende bezüglich der Kommunisten beachten, sondern das, was verbindet.

Unser Autor Mathias von Gersdorff leitet die Frankfurter Aktion “Kinder in Gefahr” und veröffentlicht aktuelle Kommentare hier: http://mathias-von-gersdorff.blogspot.de/
Fotos: M.v.G., Cordula Mohr, Radio Vatikan

Schmiedet Kardinal Marx eine modernistische Lobby für die kommende Familiensynode?

Mathias von Gersdorff

Wie die französische Zeitung „Le Figaro“ am 23. Mai 2015 in der gedruckten Ausgabe berichtet, werden sich die wichtigsten Köpfe des Linkskatholizismus Deutschlands, Frankreichs und der Schweiz in einer „praktisch geheimen“ Sitzung am Pfingstmontag treffen.

Thema: Wie soll man die geschiedenen Wiederverheirateten und die Homosexuellen “auffangen”?

Lediglich 50 streng ausgesuchte Personen werden sich zu einer Tagung in der Jesuiten-Universität „Gregoriana“ treffen, berichtet „Le Figaro“.

Die Referenten stammen alle aus dem modernistischen Spektrum und setzen sich für eine Schleifung der katholischen Lehre über die Ehe ein:

Die Theologin Eva-Maria Faber veröffentlichte dieses Jahr eine Studie, in der sie die Unauflöslichkeit der Ehe abstreitet. Eberhard Schockenhoff plädiert im Buch „Die Kirche und die wiederverheirateten Geschiedenen“ für eine Zulassung der Betreffenden zur Kommunion. Außerdem ist er ein prominenter Kritiker von „Humanae Vitae“. Der französische Professor für Theologe Alain Thomasset vertritt die Meinung, das Lehramt sei lediglich ein Referenzpunkt für den Einzelnen  – entscheidend sei am Ende bloß das Gewissen.

Das Schlussreferat wird Kardinal Reinhard Marx halten, die (inzwischen ziemlich lädierte) Gallionsfigur des liberalen Katholizismus.

Solche Treffen sind nicht ganz unüblich. Außergewöhnlich ist aber die Diskretion in der Organisation. Schon allein aus Gründen der Kollegialität werden die „Brüder im Bischofsamt“ über solche Tagungen informiert. Dieses Mal geschah das nicht, was insbesondere die französische Seite erstaunte, hatten sie sich doch erst Ende April in Lourdes zu einer Vollversammlung getroffen.

Zudem wurde die Tagung weder in den Internetseiten der Bischofskonferenzen noch in der Internetseite der “Gregoriana” aufgeführt. Kaum ein Prälat der Kurie wurde eingeladen.

„Le Figaro“ kommentiert, hier würde eine „Pressure Goup“, eine Art liberale Lobby für die nächste Familiensynode, gebildet.

Unser Autor Mathias von Gersdorff leitet die Frankfurter “Aktion Kinder in Gefahr”  – seine aktuellen Stellungnahmen erscheinen regelmäßig hier: http://mathias-von-gersdorff.blogspot.de/

“Kölner Kirchenzeitung” übt deutliche Kritik am ZdK-Papier zu Ehe und Familie

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Siegbert Klein schrieb in der „Kölner Kirchenzeitungeinen bemerkenswerten Artikel, der die jüngste Stellungnahme des ZdK (Zentralkomitee der deutschen Katholiken) kritisiert. Das Zentralkomitee gebärdet sich als Stimme des „Volkes Gottes“.

Dazu schreibt der erwähnte Autor:

43 Prozent der 226 Mitglieder werden aus den Reihen katholischer Verbände und Organisationen gewählt. Je drei Delegierte entsendet jeder Diözesanrat eines Bistums ins ZdK, egal ob das Bistum wie Görlitz nur 28.500 Katholiken oder wie Köln 2,1 Millionen Katholiken zählt. Das sind 84 Männer und Frauen (37 Prozent).

Ihre Legitimation haben sie durch die Pfarrgemeinderatswahlen erhalten. Die Wahlbeteiligung betrug bei der letzten Wahl im Erzbistum Köln 4,6 Prozent. Zusammen wählen diese 181 Mitglieder weitere 45 Einzelpersönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft. Diese machen 20 Prozent der Mitglieder aus. Die Fakten sprechen für sich.“

Schon aus diesem Grund ist nicht nachvollziehbar, wieso die „Deutsche Bischofskonferenz“ dem ZdK eine Rolle als „Stimme des deutschen Katholizismus“ zuweist.  

Siegbert Klein verdeutlicht zudem, dass das ZdK päpstliche Stellungnahmen verbiegt, um damit eigene Ansichten zu rechtfertigen:

Wer genau liest, stellt schnell fest, dass das ZdK einen gewaltigen Nebel mit wohlfeilen und den Ohren schmeichelnden Formulierungen erzeugt, um zu verschleiern, dass man anscheinend eine andere Kirche will. Es geht dem ZdK nicht darum, den Glauben weiterzugeben oder gar aus dem Glauben zu leben, um damit Politik und Gesellschaft zu gestalten. Geschickt wird auch die Lehre der Kirche gegen das Lehramt des Papstes ausgespielt:

„Wir stellen eine Spannung und vielfach eine große Kluft zwischen Aussagen des päpstlichen Lehramtes zu Ehe und Familie und der von pluralen Familienformen geprägten heutigen Lebenswelt der Gläubigen fest.“  –  Mit anderen Worten: Die Lehre der Kirche wird als die des Papstes umgedeutet. Da ein Mensch fehlbar ist, hat man jetzt einen Hebel, die Lehre als falsch zu bezeichnen.Warum geht das ZdK derart vor? Kleins Antwort ist knapp und bündig:Die Mitglieder des Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) haben mit [der deutschen] Lebenswirklichkeit keine Probleme. Einstimmig forderten sie jetzt auf ihrer Vollversammlung in Würzburg in einer Erklärung zu Ehe und Familie eine „Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften (und) neuer Partnerschaften Geschiedener“.

Im Klartext: Dem ZdK ist die katholische Lehre über Ehe und Familie egal. Die Mitglieder des Laiengremiums vertreten im Grunde keine katholischen, sondern weltliche Interessen.

Der einzige Grund, wieso das ZdK im deutschen Katholizismus noch eine Rolle spielt: Weil auch manche Bischöfe die komplette Verweltlichung der katholischen Kirche in Deutschland verwirklicht sehen wollen.

Unser Autor Mathias von Gersdorff leitet die Frankfurter “Aktion Kinder in Gefahr”  – seine aktuellen Stellungnahmen erscheinen regelmäßig hier: http://mathias-von-gersdorff.blogspot.de/

Christi Missionsbefehl gilt allen Christen: zur Neuordnung des kirchlichen Arbeitsrechts

Von Prof. Dr. Hubert Gindert

Jesus Christus sagte bei seiner Himmelfahrt: „Geht hin in alle Welt und verkündet allen die frohe Botschaft!“ (Mkmedia-374284-2 16,15) 

In alle Welt? Ja, in alle Milieus! Auch in Kitas, Schulen, Beratungs- und Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser. Jesus Christus sagte nicht, verkündet das Evangelium arbeitsteilig. Es gibt zwar unterschiedliche Formen der Glaubensverkündigung, aber Jesu Auftrag gilt allen Christen.

Ein Krankenpfleger hat heute aufgrund seiner Präsenz und Zuwendung an Patienten oft mehr Möglichkeiten zum wirksamen Glaubenszeugnis als ein Priester.

Und an einer Schule spricht nicht nur der Religionslehrer über die Lehre der Kirche. Auch ein Biologielehrer, der beispielsweise Sexualkunde gibt, kann dabei die Sicht der Kirche über die Sexualität oder eine neuheidnische Auffassung darlegen.

Als die Apostel in Jerusalem caritative Dienste einrichteten, setzten sie nicht irgendwelche Leute, sondern glaubensstarke Männer als Diakone ein. Einer von ihnen, nämlich Stephanus, wurde zum ersten Märtyrer der Kirche.

Die Kirche beschäftigt heute mehr als 700.000 hauptamtliche Mitarbeiter, davon 590.000 in den Beratungsstellen, Pflegeeinrichtungen, Kindergärten oder kirchlichen Krankenhäusern.christus

Es geht in diesen Institutionen in kirchlicher Trägerschaft nicht primär darum, dass sie fachlich ebenso gut oder besser sind als die konkurrierenden kommunalen oder staatlichen Einrichtungen, sondern, ob darin ein unterscheidend christlicher Geist spürbar wird, z.B. ob im Kinderhort gebetet oder im Krankenhaus die Zuwendung des barmherzigen Samariters erfahrbar ist.

Wie kann mit dem Dienst am Menschen ein Glaubenszeugnis vermittelt werden? Wenn jemand den Glauben der Kirche teilt und auch praktiziert!

Das beschreibt das heutige Problem kirchlicher Einrichtungen: Die Kirche findet nicht mehr die Menschen, die den Glauben der Kirche und ihre Moralverpflichtungen akzeptieren. Das Hauptproblem stellen wiederverheiratete Geschiedene und homosexuelle Angestellte, die in eingetragenen Lebenspartnerschaften leben, dar. 

Damit standen die Bischöfe der deutschen Ortskirche in ihrer Entscheidung vom 27.4.2015 vor einem Scheideweg: nämlich, kirchliche Einrichtungen dem Geist der Zeit anzupassen oder bei ihrem eigentlichen Auftrag zu bleiben.

Es ist die Problematik, die Papst Benedikt XVI. am 25. September 2011 in seiner bekannten Freiburger Rede, mit der ihm eigenen Präzision, beschrieben hat: 

„Um ihrem eigentlichen Auftrag zu genügen, muss die Kirche immer wieder die Anstrengung unternehmen, sich von1_0_668126 dieser ihrer Verweltlichung zu lösen und wieder offen auf Gott hin zu werden…d.h. natürlich nicht, sich aus der Welt zurückzuziehen, sondern das Gegenteil.

Eine vom Weltlichen entlastete Kirche vermag gerade auch im sozial-caritativen Bereich den Menschen, den leidenden wie ihren Helfern die besondere Lebenskraft des christlichen Glaubens zu vermitteln. Der Liebesdienst ist für die Kirche nicht eine Art Wohlfahrtsaktivität, die man auch anderen überlassen könnte, sondern es gehört zu ihrem Wesen, ist unverzichtbarer Wesensausdruck ihrer selbst.“

Die deutschen Bischöfe haben sich zu gut zwei Drittel dafür entschieden, ihre kirchlichen Einrichtungen an den Wünschen der veröffentlichten Meinung und der katholischen Organisationen im ZDK auszurichten.

Diese Entscheidung wird zurecht als eine „deutliche Zäsur für die katholische Kirche in Deutschland“ bezeichnet. Der Präsident des ZdK sprach von einem substantiellen Paradigmenwechsel in der Anwendung kirchlichen Rechts“ (Tagespost 7.5.15).

Niemand hat die Mehrheit der Bischöfe zu ihrem Beschluss gezwungen. Das Bundesverfassungsgericht hat in seiner Entscheidung vom 20.11.2014 die kirchlichen Rechte in Bezug auf die Einforderung der bisherigen Loyalitätsverpflichtungen bestätigt. ???????

Die Festlegung der Kriterien und die nähere Bestimmung hat danach nicht der Staat vorzunehmen. Das liegt in der Verantwortung der Kirche als Arbeitgeber / Die Kirche konnte nach dem BVG-Urteil weiterhin von ihren Mitarbeitern verlangen, dass sie den kirchlichen Glauben teilen und die Moralvorstellungen der Kirche auch persönlich einhalten.

Weiterhin sollen „allerdings strengere Anforderungen für pastoral-katechetische und bischöflich besonders beauftragte Mitarbeiter“ gelten (kathnet 5.5.2015). Es gibt aber keinen „Automatismus“.

Wer wird die deutsche Ortskirche wieder zu ihrem eigentlichen Auftrag zurückführen? Rom? Eigene Einsicht? Bischöfe, die die deutsche Ortskirche als „Filiale Roms“ sehen, wohl kaum.

Vielleicht das, was Papst Benedikt XVI. in seiner o.a. Rede angedeutet hat: „Die Geschichte kommt der Kirche in gewisser Weise durch die verschiedenen Epochen der Säkularisierung zu Hilfe, die zu ihrer Läuterung und inneren Reform wesentlich beigetragen haben“.

Papst Benedikt XVI. mag hier auch an die Säkularisation von 1803 gedacht haben. Auch katholische Historiker konzedieren, dass die deutsche Ortskirche nicht mehr die Kraft zur Selbstreform besaß, weil Bischöfe teilweise mehr Reichsfürsten als Hirten ihrer Gläubigen waren. Das Eingreifen von außen war notwendig geworden.

Unser Autor Prof. Dr. Hubert Gindert ist Vorsitzender des “Forum Deutscher Katholiken” und Herausgeber der Monatszeitschrift DER FELS


Katholikenprotest: Empörung über maßlose Forderungen des ZdK-Papiers hält an

Mathias von Gersdorff Dieser Blog zeigt, zu welchem Irrsinn Grüne, Gender-Ideologen, Linkskatholiken usw. fähig sind.

Das jüngste ZdK-Papier hat offenbar das Fass zum Überlaufen gebracht. Die maßlosen Forderungen nach Segnungen für nicht-eheliche und homosexuelle Partnerschaften, nach Akzeptanz außerehelicher Sexualität, nach einer moralischen Neubewertung von künstlichen Verhütungsmittel usw. trieben viele Katholiken auf die Barrikaden. 

Im Internet kannte die Empörung über die arroganten ZdK-Funktionäre keine Grenzen. Die Blogosphäre kochte vor Wut.

Am Montag (11. Mai) protestierte der Bischof von Passau, Stephan Oster, gegen das ZdK-Papier. Oster bekam heftigen Widerspruch vom ZdK. Doch damit gaben sie der Protestwelle noch mehr Treibstoff hinzu.

Am 13. Mai 2015 versuchte Bischof Overbeck von Essen, die Gemüter zu besänftigen und erklärte, Segnungen von homosexuellen und sonstigen nicht-ehelichen Partnerschaften seien unmöglich. Zudem sagte er, man solle von der Familiensynode im Herbst 2015 „keine Wunder erwarten“. IMG_20140601_122952

Am Donnerstag begann die Synode des Bistums Trier zu tagen. Auch dort standen homosexuelle Partnerschaften und Familie auf der Tagesordnung. In Twitter wurde über Kardinal Burke und Bischof Oster gewitzelt.

Am 15. Mai lancierte Kardinal Marx (siehe Foto) seine Rüge gegen das ZdK: “Forderungen theologisch nicht akzeptabel“.

Am 16. Mai solidarisieren sich fünf Bischöfe mit Bischof Oster: Konrad Zdarsa (Augsburg); Gregor Hanke (Eichstätt), Wolfgang Ipolt (Görlitz), Rudolf Voderholzer (Regensburg) und Friedhelm Hoffmann (Würzburg):

„Deinen Ausführungen zur Lehre über das christliche Menschenbild hinsichtlich seiner Bedeutung für das Frausein und Mannsein, vor allem in seiner Bedeutung für die christliche Ehe, schließen wir uns voll und ganz an, gründen sie doch in der Lehre Jesu in der Schrift und in der Tradition der Kirche.“ 

Am Ende der Synode des Bistums Trier spricht sich Bischof Ackermann gegen Segnungen und Akzeptanz homosexueller und sonstiger Partnerschaften aus.  bischof

Der neue Erzbischof von Freiburg, Stephan Burger, erklärt am 15. Mai 2015 in einem Gespräch mit der Badischen Zeitung, Bistümer dürften keine Sonderwege gehen und die Familiensynode im Oktober 2015 hätte einen rein beratenden Charakter. Die endgültigen Entscheidungen liegen beim Papst.

Diese Stellungnahmen steht in scharfem Kontrast mit der Ankündigung von Kardinal Marx, einen eigenen Pastoralen Weg zu wählen („Wir sind keine Filiale von Rom“).

Nach dieser Woche zeigt sich die deutsche Delegation für die Familiensynode im Oktober 2015 noch isolierter, als sie es im Weltepiskopat ohnehin schon war. Nun kann sie nicht einmal behaupten, dass ein relevanter Teil des deutschen Episkopats hinter ihr steht.

Die deutsche Delegation ist im Grunde völlig delegitimiert. Aus heutiger Sicht ist nicht zu erblicken, wie sie irgendeinen Einfluss entfalten kann.

Sie könnte das Themenspektrum ganz eng auf die Problematik der wiederverheirateten Geschiedenen zu reduzieren versuchen.

Doch das ist schwierig: Zu viele im Weltepiskopat haben gemerkt, dass diese Frage ein Trojanisches Pferd der sexuellen Revolution in die Familiensynode war. Gerade deshalb wurde der Widerstand gegen Marx & Co. so heftig. Die Maßlosigkeit des ZdKs war geradezu die Bestätigung dieses Manövers. Es bleibt spannend.

Unser Autor Mathias von Gersdorff leitet die Frankfurter Aktion “Kinder in Gefahr” und die katholische Webseite “Kultur und Medien online”

Brauchen wir eine modernistische Kirche?

Von Peter Helmespeter-helmes-227x300

Wundert sich noch jemand, daß der Einfluß der katholischen Kirche in unserem Land immer mehr schwindet?  – Viele Protestanten, die wahrlich am Hungertuch des Glaubens nagen, reiben sich die Hände: Die Stärke der Protestanten in der Politik könnte nicht zuletzt in der Schwäche der Katholiken liegen. 

Katholische Politiker tun sich jedenfalls schwer damit, ihren Glauben zum Thema zu machen und sich in der Kirche zu engagieren. Der Katholizismus habe es – vor allem in den Pontifikaten von Johannes Paul II. und Benedikt XVI. – versäumt, sich zu modernisieren, sagt der Katholik und ehem. CDU-Generalsekretär Heiner Geißler. 

Für viele Menschen sei die Haltung der katholischen Kirche kaum hinnehmbar, der Protestantismus sei einfach moderner. Jeder intelligente Katholik sei deshalb “im Innern ein Protestant”, behauptet Geißler.

Viele Katholiken litten an ihrer Kirche, sagt auch Barbara Hendricks. Doch die Umweltministerin, die mit einer Lebenspartnerin zusammenlebt, weiß auch, wie man damit umgehen kann: „Wir rheinischen Katholiken machen uns unseren Katholizismus ohnehin selbst”, sagt sie. DSC_0568

Mit einer explizit katholischen CDU, das weiß Merkel, ist heute kein Staat mehr zu machen, geschweige denn eine Wahl zu gewinnen. Die CDU weg von den alten „katholischen” Positionen hin zu den modernen „protestantischen” Positionen zu bewegen, hat sich ausgezahlt.

Auch für linksliberal gesinnte Protestanten ist es heute kein Problem mehr, CDU zu wählen. Für den politischen Katholizismus ist hingegen Besserung nicht in Sicht.

Wie auch? Der tiefere Grund für die Entwicklung der Gesellschaft und besonders der katholischen Kirche in den letzten Jahrzehnten liegt auf der Hand – und er ist hausgemacht, weil schon seit langem alles aus dem Ruder läuft. Das vielleicht Schlimmste an dieser Entwicklung ist, daß die Vertreter der Kirche Christi mehrheitlich dabei mitmachen.

Die traditionsorientierte Webseite „Civitas“ schreibt in einem tiefsinnigen Artikel bzw. „philosophischen Kommentar” vom 7. November 2014 u. a.: P1020947

 „Männer der Kirche, scholastische Philosophen und ebensolche Theologen sowie die, die in scholastischer Philosophie und Theologie gebildet waren, konnten früher klar, präzise, ohne Umschweife und Zweideutigkeiten formulieren. Sie wußten, wie man für oder gegen eine Position argumentiert.

Wer den  –  entschuldigen Sie den Ausdruck  –  Schwachsinn von Kardinal Kasper und seinen Gefolgsleuten heute liest und dies mit der Scholastik vergleicht, kann nicht glauben, daß es sich um ein und dieselbe Kirche handelt.

Künstlich werden Gegensätze zwischen Barmherzigkeit und Dogma, zwischen Pastoral und Glaubenslehre konstruiert, und die Freiheit des Einzelnen, seine Autonomie, gilt als das höchste Gut des Menschen, als das, was den Menschen erst zum Menschen macht. (…)

Tief reingefallen ist auch die Kirche beim Stichwort „Liberalismus“; denn wer wöllte heute nicht „liberal“ sein. „Liberal“ gleich „offen“ – sind wir doch alle, gell! Wir wollen doch keine vermufften konservativen Bremser sein. Daß „Liberalismus” bedeutet, sich dem Zeitgeist unterzuordnen – Schwamm drüber! 131223-stern-von-bethlehem_b87bfae72c

Der Liberalismus beherrscht heute die gesamte westliche Welt, er bestimmt das Denken in allen Bereichen von Politik, Gesellschaft, Kultur und Staat und leider – Gott sei es geklagt – auch in der Kirche. (…) Der Liberalismus ist eine geistige Grundhaltung, die ihren Ursprung in der Philosophie hat. (…) Er geht zurück auf Philosophen wie Hobbes, Locke, in Deutschland Kant oder in neuerer Zeit Rawls. (…)

Die „Freiheit“ die der Liberalismus erstrebt bzw. verteidigt, ist die Freiheit von allen Bindungen, seien diese politisch, gesellschaftlich, kulturell, moralisch, religiös oder was auch immer.

Das Individuum allein und sein Wille ist der letzte Grund von all dem. Es darf nichts geben, was dem Individuum vorhergeht, kein moralisches, sittliches Gesetz, keine vorgegebene gesellschaftliche Ordnung, keine Wesenheit der Familie, der Ehe oder was auch immer. (…)

Heute wird der Wille über den Verstand gestellt – statt umgekehrt. Der Wille soll sich den Verstand unterordnen und diesen als Mittel verwenden, um seine Ziele zu erreichen. Hier liegt auch der tiefere Grund, dass sich Liberalismus, Kommunismus und nationaler Sozialismus nicht in ihren Fundamenten unterscheiden: Alle stellen den Willen ins Zentrum.

„Ich will“ lautet der neue politische Imperativ. Da stört der Verstand nur.

Die aristotelisch-thomistische Philosophie hat demgegenüber immer daran festgehalten, daß der Wille dem Verstand untergeordnet ist, daß der Verstand die Wesenheiten und die Ordnung der Natur, der Gesellschaft, der Moral und des Staates objektiv zu erfassen vermag und nach dieser Ordnung und Gesetzmäßigkeit handeln soll. Wir müssen wieder zu dieser wahren Philosophie zurückkehren.”

Unser Autor Peter Helmes hat zahlreiche politische Publikationen veröffentlicht und war Bundesgeschäftsführer der JU (Jungen Union, CDU-Jugend); er betreibt die freiheitlich-konservative Webseite https://conservo.wordpress.com/


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