Joseph von Eichendorff: „Frühlingsnacht“

Frühlingsnacht

Übern Garten durch die Lüfte
hört‘ ich Wandervögel ziehn,
Das bedeutet Frühlingsdüfte,
unten fängt’s schon an zu blühn.

Jauchzen möcht ich, möchte weinen,
ist mir’s doch, als könnt’s nicht sein!
Alte Wunder wieder scheinen
mit dem Mondesglanz herein.

Und der Mond, die Sterne sagen’s,
und in Träumen rauscht’s der Hain,
und die Nachtigallen schlagen’s:
sie ist deine, sie ist dein!

Joseph von Eichendorff


„Frühlingsankunft“ von Theodor Storm

Frühlingsankunft

„Was rauscht und brauset vor der Tür?
Was singt so süße Melodien?
Herein, wer draußen ist! Herein!“
„Ich bin’s! Der Frühling ist dafür!
Ich warte nur auf Sonnenschein,
da komm‘ ich gleich zu dir herein.

Und sieh, die Sonne taucht empor;
und wie sie freundlich scheint und lacht,
da schmilzt das letzte Eis der Nacht.
Und hastig auf mit Tür und Tor!
„Herein in meine Arme schnell,
willkomm‘, du blühender Gesell!“

Da muß die Lerch‘ im hellen Schein
den ersten Gruß entbieten,
da stürmt der Frühling hinterdrein
mit hunderttausend Blüten.

Theodor Storm


SELIGES LAND: Herbstgedicht von Hölderlin

Seliges Land! Kein Hügel in dir
Wächst ohne den Weinstock,
Nieder ins schwellende Gras
Regnet im Herbste das Obst.
Fröhlich baden im Strome
Den Fuß die glühende Berge,
Kränze von Zweigen und Moos
Kühlen ihr sonniges Haupt.
Und, wie die Kinder hinauf
Zur Schulter des herrlichen Ahnherrn,
Steigen im dunklen Gebirg
Vesten und Hütten hinauf.
Friedsam geht aus dem Walde
Der Hirsch ans freundliche Tageslicht;
Hoch in heiterer Luft
Siehet der Falke sich um.
Aber unten im Tal,
Wo die Blume sich nährt von der Quelle,
Streckt das Dörfchen vergnügt
Über die Wiese sich aus.

Friedrich Hölderlin


Heinrich Heine: Der Himmel, das Meer und der Heiland der Welt

Hoch am Himmel stand die Sonne,
Von weißen Wolken umwogt,
Das Meer war still,
Und sinnend lag ich am Steuer des Schiffes,
Träumerisch sinnend, – und halb im Wachen
Und halb im Schlummer, schaute ich Christus,
Den Heiland der Welt.
Im wallend weißen Gewande
Wandelt er riesengroß
Über Land und Meer;
Es ragte sein Haupt in den Himmel,
Die Hände streckte er segnend
Über Land und Meer;
Und als ein Herz in der Brust
Trug er die Sonne,
Die rote, flammende Sonne,
Und das rote, flammende Sonnenherz
Goß seine Gnadenstrahlen
Und sein holdes, liebseliges Licht,
Erleuchtend und wärmend,
Über Land und Meer.

Heinrich Heine

Fortsetzung des Gedichts von Heine hier: https://www.staff.uni-mainz.de/pommeren/Gedichte/BdL/Nordsee-12.html

Foto: Dr. Bernd F. Pelz


STARTEN wir mit GOTT in das neue JAHR

1613


Nun prangt das Feld mit goldnen Garben…

Im Herbst
Nun prangt das Feld mit goldnen Garben,
Der Fruchtbaum hat sich tief gebückt
Und mit des Jahres dunklern Farben
Die Flur noch einmal sich geschmückt.

Doch schauern kalt die Abendwinde,
Die Tonne ward so krank und blaß;
Und leise zittert von der Linde
Das welke Laub ins welke Gras.

Ich ahne schon des Winters Tosen
Und gäbe gern, so karg ich bin,
Für eine Handvoll Frühlingsrosen
Des Herbstes ganzen Reichtum hin.

 Friedrich Wilhelm Weber


Der Wonnemonat MAI ist MARIA geweiht

Neues Madonnen-Poster des ECCLESIA-Plakatdienstes aus dem KOMM-MIT-Jugendverlag in Münster:

1573