Oberschwaben: Bergatreuter Festmesse bei traditioneller Wallfahrt zu „Maria vom Blut“

Von Alexander Hepp

Das Wallfahrtsfest zu Maria Heimsuchung konnte bei bester Witterung am Dienstag, dem 2. Juli, in der oberschwäbischen Pfarrgemeinde Bergatreute mit 333-jähriger Tradition begangen werden:

An diesem besonderen Tag können sich öffentliche Einrichtungen sowie Schule und Kindergarten einer festtäglichen Verschnaufpause erfreuen. Schon früh um sechs Uhr erklingt das Tagwachspiel der örtlichen Musikkapelle. Spätestens dann wissen die Bewohner, dass im Ort der höchste Feiertag neben den kirchlichen Hochfesten des Jahreskreises anbricht.

Hunderte Besucher und Pilger drängen sich in die barocke Kirche und verfolgen die Festmesse, die auch auf den Kirchplatz übertragenen wird.

Das in der Wallfahrtskirche verehrte Gnadenbild „Maria vom Blut“ kam 1686 aus der böhmischen Stadt Klattau nach Bergatreute und findet seither große Verehrung bis weit über die Grenzen des Landkreises hinaus.

Dekan Peter Müller aus Bad Saulgau, dessen elterliche Wurzeln im Bergatreuter Ortsteil Engenreute liegen, hat sich als Festprediger auf die altehrwürdige und mit rotem Samt geschmückte Schmuzer-Kanzel gewagt:

Im Pluralis Majestatis erinnerte er an die jüngst an die Diözesen und Dekanate verteilten Worte von Papst Franziskus, der zur Neuevangelisierung in den Gemeinden auffordert.

Der Geistliche nahm die zwölf Sterne Marias als Eckpunkte der Neuevangelisierung und wandte sich besonders an die jüngere Generation: Man möge sich nicht vom großen Strom leiten lassen, sondern sich zu seinem Glauben uneingeschränkt bekennen; der Christ solle sich trotz Kirchenkrise und Meinungsmache der Liebe Gottes anvertrauen und darin seine Heimat finden.

Ein gut gelebter Glaube zeichne sich durch Ecken und Kanten und auch durch eine recht verstandene Offenheit aus; eine Offenheit, die aber nicht in alle Richtungen gehen solle.

Den Älteren legte der Prediger die heilbringende Botschaft ans Herz, lieber einmal am Tag die Bibel zur Hand zu nehmen und darin zu lesen, als nur in der morgendlichen Presse die Todesanzeigen zu studieren:

Das helfe, eine andere Sicht auf das Leben zu gewinnen, den eigenen Gottesglauben zu reflektieren und vor allem den Schlüssel zur Himmelstür, zum ewigen Leben zu finden.

In seiner fast halbstündigen spritzigen Predigt wurde es nicht langatmig; vielmehr wurden die Gläubigen von seiner Verkündigung gefesselt und im festen Vertrauen auf die Gottesmutter gestärkt.

Die Festmesse wurde vom Kirchenchor Bergatreute mitgestaltet, so daß sich die Wallfahrer an der von Joseph Haydn komponierten Johannismesse erfreuen konnten.

Seit Mitte der 1970er Jahre wird die Prozession mit dem Bergatreuter Gnadenbild gefeiert. Das vom Hochaltar genommene Bild wird auf einer Sänfte unter einem Baldachin getragen.

Eine lange Schlange von Pilgern zieht zu Gesängen der Lauretanischen Litanei zusammen mit Priestern, Diakonen und Ordensschwestern sowie den Erstkommunionkindern und Vereinen durch den Ort hinaus in die Flur.

Ein festlich geschmückter Altar und liebevoll gestalteter Blumenteppich bilden die Kulisse für eine kurze Andacht. Der sakramentale Segen wurde von Dekan Peter Müller abschließend allen Gläubigen in der Wallfahrtskirche gespendet.

Das Gotteshaus ist geschmückt mit schönsten Blumen  –  gleich dem vom Prediger erwähnten Sternenkranz Marias. Schließlich verleiht die liturgische Schönheit dem Fest den Glanz und das Gepräge der Heimsuchung Marias bei ihrer Verwandten Elisabeth.

Fotos: Franz-Anton Blank


Das „Heil des römischen Volkes“ und die Geschichte eines besonderen Marienbildes

Von Ursula Zöller

Die Madonna „Salus Populi Romani“ in der Basilika Santa Maria Maggiore ist die bedeutendste Marienikone Roms und ihre Geschichte ist faszinierend.

Nach der Anerkennung des Christentums durch das Mailänder Edikt im Jahr 313 wurde aus „Heil des Volkes“ eine Anrufung Mariens. Die Ikone, die bald diesen Namen trug, zählt zu den Lukasbildern.

Eine berührende Legende berichtet, dass Maria nach der Kreuzigung ihres Sohnes ein paar Habseligkeiten mit zu Johannes nahm, darunter auch einen Tisch, den Jesus in der Werkstatt seines Vaters gearbeitet habe. Als Lukas gebeten wurde, ein Bild Mariens zu zeichnen, habe er es auf die Platte dieses Tisches gemalt und dabei Maria zugehört, die ihm von der Kindheit ihres Sohnes  erzählte.

Von St. Maria Maggiore berichtet das römische Brevier: Nach dem Konzil von Ephesus im Jahr 431, auf dem die Mutter Jesu zur Mutter Gottes ausgerufen wurde, errichtete Papst Sixtus III. in Rom auf dem Esquilin eine Basilika, die ihr geweiht war. Sie wurde später St. Maria Maggiore genannt und ist die älteste Marienkirche im Westen.

Das römische Pontifikale berichtet allerdings, dass sie unter Papst Liberius (352 – 366 n. Chr.) gebaut und durch Sixtus III. restauriert und erweitert wurde. „Papst Liberius wählte eine verehrtes Bild aus, das in der päpstlichen Kapelle hing. Es wurde angeblich durch die Hl. Helena nach Rom gebracht.“

Auch wenn die gegenwärtige römische Ikone wohl aus dem 13. oder 15. Jahrhundert stammt, gilt sie als Lukasbild und wegen vieler frommer Überlieferungen als wundertätig. Eine von ihnen bezieht sich auch auf den Engel auf der Engelsburg nahe des Vatikans: 

Eine schlimme Seuche hatte in Rom viele Familien dahingerafft. Papst Gregor der Große fleht 593 den Himmel um ein Ende dieses Schreckens an und lässt das Bild der Madonna in einer feierlichen Prozession durch die Stadt tragen. Beim Hadrians-Mausoleum hört man plötzlich einen Chor jenes Lied singen, das wir heute noch an Ostern singen: regina coeli, laetare, alleluja; Quia quem meruisti portare, alleluja; Resurrexit sicut dixit, alleluja.

Gregor fügt ora pro nobis Deum, alleluja an und über dem Mausoleum sieht man einen Engel, St. Michael wohl, der sein Schwert in die Scheide steckt. Die Seuche hat ein Ende.

Sicher ist, dass es bereits im achten Jahrhundert Kopien der Ikone gab und dass sie – damals noch vom Lateran aus – an Maria Himmelfahrt in einer Prozession nach St. Maria Maggiore getragen wurde.

Viele Päpste sind ganz besondere Verehrer dieses Madonnenbildes. Papst Pius V. betete 1571 vor ihm um den Sieg in der Schlacht von Lepanto, Gregor XVI. flehte dort um das Ende einer Cholera-Epidemie, Eugenio Pacelli feierte vor ihm seine Primizmesse und Papst Paul VI. bat die Madonna um Hilfe in der Zeit und erneuten Eifer für die Mission der Kirche.

Papst Franziskus bringt ihr immer wieder Blumen, Johannes Paul II. hat sie den Jugendlichen auf ihre Pilgerreisen zum Weltjugendtag mitgegeben.

Ignatius von Loyola, der heilige Gründer der Jesuiten, feierte an Weihnachten 1538 seine erste Heilige Messe vor diesem Bild. Sein zweiter Nachfolger als General der neuen Ordensgemeinschaft, der Heilige Franz von Borgia, bat den Papst um die Erlaubnis, diese Darstellung für die Jesuiten-Niederlassungen kopieren lassen zu dürfen. So kommt die Madonna Salus Populi auch nach Ingolstadt.

Sie ist nicht ganz identisch mit dem römischen Bild, aber wie diese hält sie in der Hand eine Mappa, ein zeremonielles Tuch, das als kaiserliches Symbol gilt und sie als Regina coeli kennzeichnet. Sie wird Teil der Bemühungen der Jesuiten um eine Neuevangelisation in Bayern und in ganz Deutschland.

Pater Jakob Rem, der zur zweiten Generation der Jesuiten zählt, sieht das Marienbild – damals noch wegen des Schneewunders auf dem Esquilin auch Maria Schnee genannt – in Rom. Gemeinsam mit Petrus Canisius, dem zweiten Apostel Deutschlands und ersten deutschen Jesuiten, wird er nach Dillingen geschickt.

Als Jakob Rem an die aufstrebende Universität in Ingolstadt versetzt wird, findet er dort das von ihm so verehrte Bild vor. Immer wieder fragt er sich, wie Maria, die er so liebt, wohl am liebsten genannt werden möchte. Wunderbare Mutter – das so scheint ihm nach vielen Gebeten – müsste dieser Name sein.

Während der Vorbeter am 6. April 1604 in der Lauretanischen Litanei „Mutter so wunderbar“ singt, wird der kniende  Pater zum Staunen seiner Mitbeter ein wenig emporgehoben. Er bittet den Sänger, diese Anrufung noch einmal und ein drittes Mal zu singen. Es ist der Anfang der vor allem in der Schönstattbewegung heute noch großen Verehrung Mariens als „Mater ter admirabilis“, als „Dreimal wunderbare Mutter“.

Ingolstadt wird im Zeitalter der Reformation und Gegenreform Zentrum der Neuevangelisierung Deutschlands. Auch darum darf man die Madonna im Münster „Zur Schönen Unserer Lieben Frau“ wohl wunderbar nennen.

An ihrer Hand wollen wir den Weg mit ihrem Sohn gehen.

Unsere Autorin Ursula Zöller ist katholische Publizistin und Verlagsleiterin in Aschaffenburg


Bergatreute in Oberschwaben: 333 Jahre Wallfahrtsort „Maria vom Blut“ am 2. Juli 2019

Von Alexander Hepp

Seit 1686 und somit in diesem Jahr zum 333. Mal begeht die Pfarrgemeinde Bergatreute die Wallfahrt am Fest der Heimsuchung Marias als besonderen Feiertag am kommenden Dienstag, dem 2. Juli 2019.

Ehrengast an diesem Tag ist der Festprediger Dekan Peter Müller aus Bad Saulgau.

Das in der barocken Wallfahrtskirche verehrte Gnadenbild (siehe Foto) kam 1686 aus der böhmischen Stadt Klattau in den oberschwäbischen Ort und findet seither große Verehrung bis weit über die Grenzen des Landkreises hinaus.

Das Bild wurde im 15. Jahrhundert im oberitalienischen Re populär, als es durch einen Frevler geschändet und tags darauf mehrfach Blut geschwitzt hat. Ein gleiches Wunder hat sich an dem Abbild in der böhmischen Stadt 1685 wiederholt.

Durch verwandtschaftliche Beziehung des Bergatreuter Pfarrers Mietinger nach Klattau gelangte schon ein Jahr später eine Bildkopie ins Schwäbische. Seither kommen viele Pilger, besonders am 2. Juli nach Bergatreute.

Den Charakter eines eigenen Feiertages erhielt das Fest schon im frühen 18. Jahrhundert: So sind in Bergatreute an diesem besonderen Tag, ähnlich wie am Blutfreitag in Weingarten, sämtliche öffentliche Einrichtungen und Geschäfte geschlossen.

Die Häuser und Straßen werden besonders geschmückt und herausgeputzt, weil als besonderer Höhepunkt das im Hochaltar der Kirche verehrte Gnadenbild abgenommen und in einer Prozession durch den Ort und die Fluren getragen wird.

Ablauf des Festes am 2. Juli:

Um 9 Uhr beginnt das feierliche Hochamt in der Wallfahrtskirche Bergatreute (siehe 2. Foto). Der Kirchenchor Bergatreute wird die Missa Brevis von Joseph Haydn (Johannismesse) vortragen. Solistin Christine Geray wird das Panis angelicus zusammen mit Streichern und Orgel aufführen.

Festprediger Dekan Peter Müller wird traditionell von der Schmuzer Kanzel (die bis 1761 in der Basilika Weingarten war) predigen. Die hl. Messe wird über Lautsprecher auch auf den Kirchvorplatz übertragen, wo ebenso Sitzgelegenheit geboten ist.

Anschließend findet gegen 11 Uhr die feierliche Prozession statt, bei welcher das Gnadenbild auf einer Sänfte mitgetragen wird.

Am Stationsaltar beim Pfaffenberg ist eine kurze Andacht, ehe die Prozession zur Kirche zurückkehrt.

Nach dem feierlichen Te Deum („Großer Gott, wir loben Dich“) findet im Anschluss im und um das Pfarrgemeindehaus Bergatreute ein Gemeindefest statt, bei dem sich die Pilger mit Mittagessen sowie Kaffee und Kuchen stärken können.

Nachmittags wird ab 12.30 Uhr das Wallfahrtsmuseum im Chörle der Pfarrkirche geöffnet sein. Es ist wohl das kleinste Museum im Landkreis und birgt dennoch zahlreiche Kunstwerke, die an die reiche Vergangenheit und Blüte der Wallfahrt in Bergatreute erinnern.

Der Festtag endet um 17.25 Uhr in der Wallfahrtskirche mit dem gemeinsamen Rosenkranzgebet und anschließender feierlicher Vesper. Nach dem sakramentalen Schlusssegen wird das Salve Regina („Sei gegrüßt, o Königin“) den Feiertag beschließen.

Unser Autor Alexander Hepp aus Wolfegg hat ein wissenschaftlich fundiertes Werk über die traditionsreiche Wallfahrt zur „Maria vom Blut“ verfaßt. – Näheres dazu in unserer Besprechung:  https://charismatismus.wordpress.com/2013/03/21/die-europaweite-wallfahrt-zum-gnadenbild-maria-vom-blut/

Fotos: Dr. Bernd F. Pelz, Archiv

 


Johannes der Täufer und der hl. Joseph

Von Felizitas Küble

Am 24. Juni feiert die Kirche alljährlich das Fest der Geburt von Johannes dem Täufer. Normalerweise wird bei den Heiligen sonst der Todestag zum Gedenktag erhoben, denn er ist ja der Geburtstag für den Himmel.

Doch es gibt drei Ausnahmen, bei denen die Kirche ausdrücklich den Geburtstag feiert:

Bei Jesus Christus (25. Dezember), bei Maria (Fest Maria Geburt: 8. September) und beim hl. Johannes, dem Wegbereiter des HERRN.

Bevor unser Erlöser sein öffentliches Wirken begann und die zwölf Apostel um sich scharte, waren zwei Männer für ihn besonders wichtig: Der hl. Josef als sein Nährvater – und sein Verwandter Johannes, der spätere Bußprediger.

Dessen Vater Zacharias war ein Priester des Alten Bundes, Elisabeth seine Ehefrau – und zugleich die Kusine Mariens.

Die Madonna besuchte nach der Verkündigung des Engels ihre betagte Base Elisabeth, um ihr bei der Schwangerschaft beizustehen und zugleich ihre eigene Glückseligkeit mitzuteilen, die Mutter des Messias zu sein.

Elisabeth begrüßte Maria als Gottesmutter, indem sie sprach: „Wie wird mir die Gnade zuteil, daß die Mutter meines HERRN zu mir kommt?“

Der Ausdruck „HERR“ (griechisch: Kyrios) bezieht sich im biblischen Sprachgebrauch immer auf GOTT, somit finden wir im Lukas-Evangelium bereits zum ersten Mal den Titel „Gottesmutter“ für Maria.

Jesus sprach über Johannes den Täufer ein geheimnisvolles Wort, über das sich viele Exegeten (Ausleger) den Kopf zerbrochen haben:  Johannes der Täufer sei mehr als ein Prophet (das leuchtet ein) – ER fügt aber hinzu: Unter allen von einer Frau Geborenen ist niemand größer als er – und zugleich ist der Kleinste im Himmelreich größer als er.

Was kann unser Heiland damit gemeint haben?

Es gibt einige Hinweise, vielleicht trifft einer der beiden folgenden zu:

Johannes steht mit beiden Füßen noch im Alten Bund, sein Vater war Priester in der Ordnung Aarons und diente im Tempel des HERRN  –  zugleich ragt Johannes als Vorläufer Christi in den Neuen Bund hinein.

Vielleicht wollte Jesus sagen, daß Johannes der Größte im Alten Bund gewesen ist, daß er die Endzeit des Alten Testaments vollendet – daß aber der Neue Bund noch viel höher steht, weshalb ein Kleiner im Neuen Bund größer ist als ein Großartiger im Alten Bund.

Es gibt zudem eine zweite Deutung:

Der hl. Joseph lebte ganz im Verborgenen, er war unscheinbar und wirkte demütig im „Schatten“ von Jesus und Maria. Vielleicht meinte Jesus seinen Nährvater, als er von dem „Kleinsten“ sprach, der im Himmelreich größer sei als der bedeutsame Wegbereiter des HERRN, Johannes der Täufer.

Fest steht jedenfalls, daß wir es bei beiden Männern mit herausragenden Persönlichkeiten zu tun haben, mit großen Heiligen, die uns mit ihrer Fürsprache zur Seite stehen und uns ein immerwährendes Vorbild sind: Johannes, der gewaltige Bußprediger, mit seinem Mut – und Joseph mit seiner Demut.


Warum der „Magnificat-TÜV“ so wichtig ist

Von Felizitas Küble

In einer Internet-Debatte über Medjugorje las ich folgenden Einwand: Mir persönlich scheinen diese Botschaften etwas zu simpel für die Madonna zu sein.“
 – Gewiß, aber nicht nur „etwas“, sondern  v i e l  zu simpel für die wahre Mutter des HERRN, deren biblisches Bild ganz anders wirkt als das in den meisten „Erscheinungen“. 

Der katholische Jugendschriftsteller Günter Stiff –  zugleich Gründer unseres Christoferuswerks  –  diskutierte nicht lange mit den Medjugorje-Fans herum,  sondern erwiderte ihnen kurz und knapp: „So dumm kann Maria doch gar nicht sein!“ – Manchmal fügte er noch hinzu: „Und auch nicht so geschwätzig!“

Bei weit über 40.000 Botschaften, die aus Banalitäten bestehen und sich ständig im Kreise drehen, ist diese substanzlose Redseligkeit der sogenannten „Gospa“ offensichtlich.

Prüfen wir derartige Phänomene doch grundsätzlich durch den Magnificat-TÜV:

Wir vergleichen Medju-Botschaften oder ähnliche Privatoffenbarungen mit dem Magnificat, dem Lobgesang Mariens aus dem Lukas-Evangelium (siehe unten). Die Gottesmutter sprach dieses Dankgebet bei der Begegnung mit ihrer Cousine Elisabeth, die wie Maria ein Kind erwartete (Johannes den Täufer).

Dieses kraftvolle, inhaltsreiche, gehaltvolle Magnificat  – und dazu im Vergleich die nichtssagenden Blabla-Botschaften von Medjugorje:  Liegen hier nicht  –  sofort erkennbar  – W e l t e n  dazwischen?!

Eines steht jedenfalls fest:  Das Magnificat ist eine echte Botschaft der wirklichen, der wahren Himmelskönigin, die sich als „Magd des HERRN“ vorstellt und Gott als ihren „Retter“ preist.

Hier ist jeder Satz ein Programm  – es gibt kein Stroh, kein überflüssiges Gerede, nichts Banales, alles ist inhaltlich und sprachlich von großer Dichte und Bedeutung.

Das Magnificat spannt einen grandiosen geistig-theologischen Bogen um die Heilsgeschichte Gottes mit Israel und der Welt.

Da die Botschaften der Medjugorje-„Erscheinung“ von endlosen Wiederholungen auf Kindergarten-Niveau geprägt sind, kann es sich nicht um ein und dieselbe Persönlichkeit handeln – und die „Gospa“ kann schon deshalb nicht die wahre Madonna sein.

Dazu kommt ein weiterer TÜV-Punkt: Im Magnificat wird die jüdische Herkunft und Identität Mariens ganz deutlich. Ihr Lobgesang endet mit dem Dank für Gottes große Heilstaten an seinem Volke Israel:

„ER nimmt sich seines Knechtes Israel an und denkt an sein Erbarmen, das ER unseren Vätern verheißen hat, Abraham und seinen Nachkommen auf ewig!“

Wo wird denn diese tiefe Verankerung Mariens im Glauben, Denken und Fühlen des alttestamentlichen Gottesvolkes einmal in einer Erscheinung deutlich? Wo ihr jüdischer Bezug erkennbar? Warum warnte die Erscheinuns-„Madonna“ denn niemals die Christenheit vor judenfeindlichen Ausschreitungen  – zumal solchen, die in ihrem mißbrauchten Namen geschahen?!

Zur „jüdischen Maria“ findet man weder in Medjugorje noch in sonstigen „Offenbarungen“ dieser oder jener Seher irgendeinen Anhaltspunkt. 

Die Maria der Erscheinungen ist offensichtlich eine ganze andere als die Maria, die uns im Neuen Testament begegnet.

HIER folgt ein Artikel über das großartige Magnificat Mariens: https://charismatismus.wordpress.com/2011/06/12/das-magnficat-der-lobgesang-mariens/

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks und des KOMM-MIT-Verlags in Münster

 

MAGNIFICAT – Lk 1,46-55: 

Meine Seele preist die Größe des HERRN,
und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter.
Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat ER geschaut.
Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter.
Denn der Allmächtige hat Großes an mir getan,
und sein Name ist heilig.

ER erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht  
über alle, die ihn fürchten.
ER vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten:
ER zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind.
ER stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen.
Die Hungernden beschenkt ER mit seinen Gaben 
und lässt die Reichen leer ausgehn.

ER nimmt sich seines Knechtes Israel an 
und denkt an sein Erbarmen.
das ER unseren Vätern verheißen hat,
Abraham und seinen Nachkommen auf ewig.


Kann MARIA als Priesterin verehrt werden?

Von Felizitas Küble

In der Kunstgeschichte gibt es vereinzelt Abbildungen, in denen die Madonna mit priesterlichen oder bischöflichen Insignien bzw. Kennzeichen (Stola, Kasel bzw. Meßgewand oder Pallium) dargestellt wird (wie dies auch unser erstes Foto andeutet). 

Auf Gloria-TV hat eine erscheinungsbewegte Leserin gar eine Kitsch-Darstellung mit Maria als Päpstin (sie trägt eindeutig die frühere dreifache Papstkrone) gepostet: https://gloria.tv/article/RiQr6Rzw1iEd3tfyXu7EQGKG6

Aus einigen mißverständlichen Bemerkungen, die einige marianische Theologen in ihrem Überschwang äußerten, versucht nun eine Initiative, die Forderung nach Einführung eines Frauenpriestertums zu begründen: Die Verehrung Mariens als Priesterin sei angeblich eine „latente Tradition“ in der katholischen Kirche  – und daraus ergäbe sich, daß Frauen zu Priestern geweiht werden könnten: http://www.womenpriests.org/de/mrpriest/m_gen.asp

Diese Verknüpfung eines bestimmten Marienkultes mit dem Frauenpriestertum ist kein neues Phänomen.

Bereits in der früheren Christenheit gab es die Sekte der Marianiten bzw. Philomarianiten (Freunde bzw. Lieblinge Mariens), welche die Madonna geradezu vergöttlicht haben, ihr Brot-Opfer darbrachten und Priesterinnen kannten. Frühchristliche Häresiologen (Kritiker der Irrlehren) haben sich mit dieser Abspaltung befaßt und deren überzogenen  bis blasphemischen Marienkult ebenso zurückgewiesen wie das weibliche Priestertum. 

Nicht identisch, aber damit verwandt sind die Mariaviten in Polen und Frankreich. Diese Abspaltung von der katholischen Kirche betreibt einen ausufernden Madonnenkult (wenngleich vor einer Vergöttlichung Mariens noch Halt gemacht wird) und hat sowohl das Priestertum wie das Bischofsamt für Frauen geöffnet. Die Sekte ist vor allem in Polen sehr aktiv, auch mit eigenen Kirchen und Bildungszentren.

Bei einer Verknüpfung von Maria und Priestertum werden ein paar wichtige Gesichtspunkte übersehen:

  1. Es gibt ohnehin ein allgemeines Priestertum der Gläubigen, wie sowohl die Bibel wie die Kirche seit jeher verkündet. Daran hat die Gottesmutter selbstverständlich den höchsten Anteil von allen Geschöpfen; sie ist insofern aber die „Erste unter Gleichen“. Aus dieser hervorgehobenen Stellung läßt sich kein sakramentales Priestertum ableiten
  2. Maria hat als Fürsprecherin eine gewisse „vermittelnde“ Funktion zwischen den Gläubigen und Christus. Sie ist aber nicht die Mittlerin zu Gott-Vater (dies ist Christus allein), sondern sie führt die Gläubigen zum Gottmenschen Jesus Christus hin; ihre Fürsprache ist weitaus bedeutsamer und wirkungsmächtiger als die Fürbitte der anderen Heiligen. Man kann sie auch als unseren Beistand bzw „Anwältin“(Advocata) bei Jesus ansehen. Marias Mittlerschaft ist freilich völlig abhängig von Christus und ihm wesentlich untergeordnet.
  3. Der eigentliche und einzige Mittler  – nämlich zum Vater – ist unser Erlöser allein. Die Madonna kann aber durch ihre Fürsprache und Gnadenvermittlung als „Mediatrix“ (Mittlerin) bezeichnet werden, wobei es sich hierbei nicht um ein Dogma (unfehlbaren Glaubenssatz) handelt, aber um einen in der Kirche geläufigen Ehrentitel für Maria. Diese Mittlerschaft hat eine gewisse besondere priesterliche „Note“, ist aber gleichwohl nicht identisch mit dem sakramentalen, also dem besonderen, amtlich geweihten Priestertum, das Männern vorbehalten bleibt.
  4. Maria wird oft in der kirchlichen Kunst mit einem Buch oder Schriftrollen in der Hand dargestellt, nicht allein bei der Verkündigungs-Szene, sondern z. B. auch im Wochenbett oder auf dem Esel sitzend auf der Flucht nach Ägpyten. Völlig zu Recht wird die Belesenheit und Bibelfrömmigkeit der Madonna hervorgehoben, denn wie schon ihr Magnificat (Lobgesang) zeigt, lebte sie ganz aus den Psalmen und Hymnen des Alten Testaments und kannte sicher große Teile davon auswendig. Aber aus dieser Weisheit und Gelehrtheit läßt sich kein Schluß in Richtung Amtspriestertum ziehen.

Aus der Tatsache, daß die katholische Kirche jene Darstellungen Mariens mit priesterlichen Insignien bzw. in einem liturgisch-amtlichem „Ornat“ bis zum Jahre 1913 nicht ausdrücklich verboten hat, läßt sich nicht ableiten, daß die Kirche eine Verehrung der Gottesmutter als Priesterin (im sakramentalen Sinne) gewünscht oder auch nur erlaubt habe.

Abgesehen davon, daß auch die Kirche eine gewisse „Freiheit der Kunst“ respektierte, ist Maria tatsächlich Priesterin im Sinne des allgemeinen Priestertums (dies sogar in höchster Vollendung) und im speziellen bzw. erweiterten Sinne hinsichtlich ihrer vermittelnden Fürsprache.

Zugleich ist klar, daß Christus der einzige Hohenpriester des Neuen Bundes ist, wie wir im Hebräerbrief nachlesen können. Der einzigartige Charakter des Priestertums Christi wird ausführlich erläutert. Dieses Hohenpriestertum Christi ist  „unteilbar“, ebenso wie sein Erlösungsopfer ein vollkommenes und unteilbares ist. Daß Maria auf geschöpflicher Ebene als herausragende Mithelferin beim Heilswerk Christi verehrt werden kann, das ist nicht dieselbe Ebene bzw. dies steht auf einem anderen Blatt. 

Als Anfang dieses Jahrhunderts Bestrebungen in Richtung Frauenpriestertum zunahmen (vor allem im Protestantismus), hat die römische Glaubenskongregation (damals als „Hl. Offizium“ bezeichnet) im Jahre 1913 entschieden, daß Maria nicht mehr in spezieller Priesterkleidung dargestellt werden darf. Dieser Beschluß wurde allerdings erst drei Jahre später veröffentlicht. 1926 ist dann zusätzlich jede Verehrung Mariens mit der Anrufung „priesterliche Jungfrau“ untersagt worden.

Ausführlich nimmt Bischof Epiphanius von Salamis (4. Jh.) zum Thema Frau als Priesterin Stellung. In seiner Schrift „Adversus haereses“ schreibt er über die charismatische Sekte der Montanisten: „In einer ungesetzlichen und gotteslästerlichen Zeremonie ordinieren sie Frauen und bringen durch sie im Namen Marias Opfer dar. Das bedeutet, dass die ganze Sache gottlos und frevelhaft ist … “.

Erinnert sei auch an die frühchristlichte Sekte der Kollyridianerinnen, die sich als „Priesterinnen der Maria“ verstanden und an einem für sie bestimmten Festtag in einer feierlichen Prozession ihre gebackene Kuchen herumführten und der so verehrten Maria „opferten“. Das war im Grunde eine heidnische Vergöttlichung Mariens, ein verkappter Göttinnenkult im scheinbar christlichen Gewand. Die damaligen Kirchenlehrer bzw. Häresiologen (Darsteller, Kritiker von Irrlehren) haben sich deutlich von dieser Sondergruppe distanziert.

Damals wie heute gilt: Bleiben wir bei der Marienverehrung auf der biblischen und kirchlichen Spur – und verfallen nicht in Verstiegenheiten, wie dies eine Verehrung Mariens als „Priesterin“ bedeuten würde.


Freue Dich, Maria, denn der HERR ist mir Dir!

Bereits in der frühen Christenheit würdigte die Kirche Mariens einzigartige Stellung in der Heilsgeschichte. Der Engel des HERRN begrüßte die Jungfrau von Nazareth als die „Gnadenvolle“ und sagte zu ihr: „Der HERR ist mir Dir!“, wie uns das Lukasevangelium berichtet.

Dazu erklärt der hl. Bischof Sophronius von Jerusalem im 7. Jahrhundert in einer Predigt folgendes:  

„Freue dich, die du voll der Gnade bist, der HERR ist mit dir.“ –  Was könnte es Größeres geben als diese Freude, o Jungfrau Maria? Was könnte es Größeres geben als diese Gnade, die einzig du empfangen hast als Geschenk des Höchsten?

Was kann man Froheres und Lichtvolleres empfangen? Alles bleibt zurück hinter diesen wunderbaren Eigenschaften; alles bleibt unterhalb dieser Gnade. Die sichersten Vorrechte nehmen im Vergleich dazu nur den zweiten Platz ein und besitzen nur einen blassen Glanz.

„Der HERR ist mit dir.“  – Wer würde es wagen, in diesem Punkt mit dir zu wetteifern? Gott wird aus dir geboren. Wer also würde dir nicht sofort den Platz räumen, um dir mit Freude den ersten Platz und alle Ehre zu geben?

Deshalb verkünde ich laut dein Lob, wenn ich dich betrachte, wie du über allen Geschöpfen thronst: „Freue Dich, du Gnadenvolle, der HERR ist mit Dir.“

Die Freude, die von dir ausgeht, wird nicht nur den Menschen verliehen, sondern auch allen Engelsmächten des Himmels […] Gott selbst wohnt leibhaftig in deinem Schoß; ER geht daraus hervor wie ein Bräutigam (vgl. Ps 19,6), um allen Menschen die himmlische Freude und das himmlische Licht zu bringen.

Und in dir, o Jungfrau, hat Gott wie in einem strahlendreinen und lichten Himmel „seine Wohnung bereitet“ (vgl. Ps 76,3).

Aus dir tritt er aus seinem Gemach hervor, ER gleicht dem frohlockenden Held, der seine Bahn läuft, um sein Leben zu durchschreiten, das allen Lebendigen das Heil bringen wird. ER erstreckt sich von einem Ende des Himmels bis zum anderen wie die Sonne (vgl. Ps 19,6-7), ER erfüllt alles mit seiner göttlichen Glut und seinem lebenspendenden Licht.