PLAKAT im Rosenkranz-Monat OKTOBER

POSTER aus dem KOMM-MIT-Verlag in Münster:

Dieses Poster aus dem Ecclesia-Plakatdienst kann auch einzeln bestellt werden. Es ist im großen DIN-A-2-Format erschienen (60 x 40 cm) und kostet 3 €, vier Stück nur 6 €  – jeweils inkl. Porto (Betrag evtl. in Briefmarken beilegen). –
Bestellung gerne per Tel. 0251 – 616768oder Fax 0251-614020 oder Mail: felizitas.kueble@web.de
Es gibt auch die Möglichkeit, bei uns vier verschiedene Kennenlern-Plakate für nur 6 Euro zu bestellen.

FOTO: Dr. Bernd F. Pelz


Regensburg: Bischof feiert Rosenkranzmonat Mariahilf-Bildnis mit bewegender Geschichte

Am 7. Oktober feierte die Kirche das Rosenkranzfest. Aus diesem Anlass trafen sich am 8. Oktober 2021 zahlreiche Gläubige im Regensburger Dom, um gemeinsam mit Bischof Dr. Rudolf Voderholzer den Rosenkranzmonat Oktober zu eröffnen.

Vor den Altarstufen stand ein Reliefbild mit der Darstellung Mariahilf, so wie es einst von Lucas Cranach geschaffen wurde.

Die schlichte Darstellung stammt aus dem Besitz von Michael Lottner, der in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges sein Leben lassen musste, weil er den mutigen Domprediger Dr. Johann Maier verteidigte.

Er hatte während des Krieges die Mariahilf-Darstellung in seinem Elternhaus auf dem Dachboden verborgen. Seinen Plan, das Bildnis nach dem Krieg wieder in seinen Heimatort Katzdorf bei Neunburg vorm Wald zu bringen, konnte er nicht verwirklichen.

Am 23. April 1945 wurde er nach Verhaftung und Misshandlung von den Nationalsozialisten erschossen. Seine Leiche lag am nächsten Tag zu Füßen des Galgens von Domprediger Dr. Maier und Josef Zirkl, ein Rentner, der mit Domprediger Maier auf dem Moltkeplatz (heute Dachauplatz) hingerichtet wurde.

Alle drei Persönlichkeiten sind verzeichnet im Deutschen Martyrologium des 20. Jahrhunderts.

Im Blick auf das Marienbild, das von einem Verwandten Lottners dem Bistum Regensburg übergeben wurde, kam Bischof Rudolf ein Zitat von Papst Franziskus in den Sinn: „Das Lehramt sagt Dir, wer Maria ist, aber das gläubige Volk zeigt Dir, wie man Maria liebt“.

Michael Lottner, so Bischof Rudolf, sei „ein Mann des gläubigen Volkes“ gewesen, „der der Gottesmutter in herzlicher Liebe zugetan war“. Nach der Predigt trug Bischofskaplan Dr. Konrad Ackermann das Bildnis durch den Dom, damit es auch die Gläubigen betrachten konnten. Auch bei der anschließenden Lichterprozession wurde es mitgeführt.

Quelle (Text/Foto) und vollständiger Beitrag hier: https://bistum-regensburg.de/news/bischof-dr-rudolf-voderholzer-eroeffnet-feierlich-den-rosenkranzmonat


Buch-Tip zur Debatte um das „Bild der Frau“, die Madonna und das Frauenpriestertum

Buch-Daten: Dr. Gabriele Waste: Immaculata und Bild der Frau. 2. Auflage, Hardcover. 128 Seiten. Verlagsbuchhandlung Sabat. ISBN 978-3-943506-83-9. Preis 14,95

Die österreichische Philosophin und Autorin Dr. Gabriele Waste, die eine Reihe theologischer und kirchenpolitischer Werke verfaßt hat, beschäftigt sich in diesem Buch mit der besonderen Sendung Mariens im Heilswerk Gottes.

Dabei wird vor allem die Heilige Schrift und die kirchliche Überlieferung ins Auge gefaßt, um die Würde der Gottesmutter zu erläutern, vor allem im Hinblick auf ihre makellose Empfängnis (Immaculata), also ihre Bewahrung vor der Erbsünde durch einen Gnadenakt Gottes im Hinblick auf die Verdienste unseres Erlösers Jesus Christus (so erklärt es das kirchliche Immaculata-Dogma).

Die Madonna als Erst-Erlöste und Voll-Erlöste des Neuen Bundes nimmt eine einzigartige Stellung in Gottes Heilsplan ein, was die Verfasserin auch mit der Mariologie (Marienlehre) der hl. Edith Stein begründet, jener jüdischen Frau aus Schlesien, die zur katholischen Kirche fand und als Ordensfrau in den Karmel eintrat, bevor sie ihrer Herkunft wegen im KZ Auschwitz ermordet wurde.

Im zweiten Teil befaßt sich die Autorin mit dem „Wesen des Priesteramts“ und leitet daraus ab, daß das Frauenpriestertum damit nicht vereinbar ist, denn der Priester handelt „in persona Christi“ (an Christi Statt) bei der Sakramentenspendung: Eucharistie, Absolution und Krankensalbung.

ER ist als Sohn Gottes unser Lehrer, König und Hohenpriester zugleich. Die Verfasserin zeigt auf, daß die Forderung nach der Frauenpriesterweihe angesichts des christlichen Trinitätsglaubens und der Selbstoffenbarung Gottes „dogmatisch unmöglich“ ist und einen Rückfall in eine „mythologische Denkweise“ darstellen würde.

Das gehaltvolle Buch der Philosophin ist tiefschürfend, geistig anspruchsvoll und vor allem für Studenten und Theologen geeignet.

Weitere Bücher von Dr. Waste und Bestellmöglichkeit hier: https://www.vb-sabat.de/autoren-von-a-z/waste-gabriele/#cc-m-product-19224740925


Das Christentum ist die „Religion des Leibes“

Von Felizitas Küble

Bei der heutigen Predigt anläßlich des Hochfestes der Aufnahme Marias in den Himmel erklärte der Priester in der St.Aegidii-Kirche, auch dieser Feiertag bezeuge einmal mehr, daß das Christentum eine „Religion des Leibes“ ist – weit entfernt von jener angeblichen „Leibfeindlichkeit“, die ihr von unwissender Seite oft und gerne unterstellt wird.

Bereits im Altertum hat die Kirche jahrhundertelang den Versuchungen der Gnosis und des Manichäismus

widerstanden, die damals dem philosophischen Zeitgeist entsprachen; diese Geistesströmungen (irr)lehrten, die Seele bzw. die Vernunft des Menschen sei zwar gut, aber die Materie schlecht – und damit auch der Leib, der das „Gefängnis“ des Geistes sei.

Daher konnte sich die gnostische Richtung – auch jene, die sich ein christliches Mäntelchen zu geben versuchte – nie mit dem vollen Menschsein Christi anfreunden. Teilweise wurde seine Gottheit durchaus nicht geleugnet – jedoch war aus dieser dualistischer Sicht eine Verbindung von „gutem“ Gott und „böser“ Materie so undenkbar wie ein rundes Viereck.

Daher gab es damals die Sekte der Doketisten, die davon ausgingen, Christus habe keinen wirklichen menschlichen Körper gehabt, sondern lediglich einen Scheinleib. Die katholische Kirche hat den Doketismus von Anfang an abgelehnt und betont: Der Sohn Gottes ist voll und ganz Mensch geworden, er hat die menschliche Natur angenommen und ist in allem uns gleich geworden – außer der Sünde.

Gerade die Zentralwahrheit des Christentums – nämlich die Menschwerdung des Erlösers – bezeugt in aller Klarheit, wie sehr dieser Glaube nicht allein die unsterbliche Seele des Menschen schätzt, sondern daß sie auch den Körper würdigt, zumal er einst in verklärter Weise zur Auferstehung berufen ist, so daß Leib und Seele dann in der Ewigkeit wieder vereinigt sein werden.

Die Wertschätzung des Leibes kommt auch zum Ausdruck nach seinem Tod durch die Erdbestattung. Während im Heidentum schon zu Beginn des Christentums die Leichenverbrennung weit verbreitet war, hat die Kirche und ihre Gläubigen stets an der Grablegung des Leibes festgehalten.

Die Christen haben in der Verfolgungszeit drei Jahrhundete lang sogar sehr aufwendig unterirdische Katakomben errichtet, um ihre Märtyrer und sonstigen Verstorbenen zu bestatten. Der von Gott erschaffene und durch die Taufe geheiligte Leib erfuhr großen Respekt, denn er ist ein Tempel des Heiligen Geistes, wie Paulus schreibt – und zur ewigen Herrlichkeit berufen.

Die Wertschätzung des ganzen Menschen mit Leib und Seele kommt auch bei dem katholischen Dogma von der Aufnahme Marias in den Himmel voll zum Tragen:

Nicht allein die Seele der Madonna, sondern die ganze voll-erlöste Frau und Mutter, die Christus einst in ihrem Leibe getragen hat, wurde von Gott in sein Reich aufgenommen. So wurde an ihr gleichsam „vorweggenommen“, was alle Menschen, die im Frieden Christi heimgehen, am Jüngsten Tage erfahren werden: die Auferstehung ihres Leibes in Herrlichkeit und damit das vollendete Glück der Seligen.

Ja, das Christentum – und besonders der katholische Glaube – ist eine Religion des Leibes, weit entfernt von seiner Verachtung, aber tief geprägt vom Schöpfungsglauben, vom Menschen als Ebenbild Gottes, von der Würde des Leibes, den sogar Christus selbst in seiner „Knechtsgestalt“ angenommen hat.

Der HERR, der aus eigener göttlicher Kraft auferstanden und in den Himmel aufgefahren ist, hat auch seine eigene Mutter – das höchste Geschöpf auf Erden – heimgeholt in sein ewiges Reich.


Stammt der Rosenkranz vom hl. Dominikus?

Von Felizitas Küble

Am heutigen Sonntag, dem 8. August, feiert die katholische Kirche das Fest des hl. Dominikus, der im Hochmittelalter den nach ihm benannten Predigerorden der Dominikaner gründete. Wir gratulieren daher allen Lesern mit Namen Dominik und Dominika zu ihrem Namenstag.

Wenn in Predigten oder Ansprachen von diesem Heiligen oder vom Rosenkranz die Rede ist, wird manchmal erwähnt (teils als Tatsachenbericht, teils als „Legende“), Dominikus habe bei einer Erscheinung von der Madonna eine Rosenkranz-Gebetsschnur erhalten mit der Aufforderung, dieses Gebet zu verbreiten.

So sei diese besondere Andachtsform entstanden, heißt es weiter, die auch dazu gedient habe, die Irrlehren der Katharer zu überwinden und die Anhänger dieser Häresie zu bekehren.

Viele Katholiken kennen jene sodann jene Gemälde in Kirchen und Kapellen, die den hl. Dominikus zeigen, wie er durch eine Marienvision feierlich den Rosenkranz überreicht bekommt, so daß sie annehmen, das Gebet sei „himmlisch geoffenbart“.

Diese Geschichte hat nur den Nachteil, daß sie nicht einmal eine „Legende“ ist, weil dann wenigstens ein historischer Kern stimmen müßte.

In Wirklichkeit war schon in „vorkonziliaren“ Zeiten bekannt, daß der Rosenkranz nicht im 12. Jahrhundert zur Zeit des hl. Dominikus das Licht der Welt erblickte, sondern dreihundert Jahre später – allerdings damals im Zuge einer allmählichen Entwicklung in Klerus und Kirchenvolk.

Im 16. Jahrhundert war er dann schon allgemein verbreitet. Als das christliche Abendland 1571 durch den Islam bzw. die Osmanen bedroht war, forderte Papst Pius V. die Gläubigen zum Rosenkranzgebet auf. Tatsächlich wurde die türkische Flotte in der Seeschlacht von Lepanto trotz ihrer militärischen Überlegenheit besiegt. Damit war Europa gerettet!

Der heilige Dominikus lebte aber nicht in dieser beginnenden Neuzeit, sondern im Hochmittelalter (1170 – 1221)

Die ersten Zeugnisse für Grundformen des klassischen Rosenkranzes stammen aus dem 15. Jahrhundert. (Gebetsschnüre für Vater-Unser und Ave-Maria-Gebete gab es freilich schon früher). Näheres über Einzelheiten der Entstehung kann man anschaulich im Kölner Rosenkranz-Museum erfahren – oder man informiert sich in theologisch-kirchengeschichtlicher Literatur.

Im Brevier  – dem Pflichtgebet der katholischen Priester – findet sich am Rosenkranzfest inzwischen der frühere Hinweis auf jene Marienvision des hl. Dominikus nicht mehr, weil sie nicht nur legendär, sondern schlicht unzutreffend ist.

In Wirklichkeit ist dieses biblisch geprägte Gebet mit der Perlenkette, das sich in die Heilsgeheimnisse Christi vertieft, auf dem gediegenen Wege der kirchlichen Frömmigkeit entstanden.

Das ist letztlich auch eindrucksvoller, zeigt dies doch, wie sich Katholiken jener Zeit in ihren Gebeten auf die zentralen Glaubenswahrheiten konzentrieren wollten – und wie dies gleichsam an der Hand Mariens geschehen sollte. 

Zunächst wurde an einer geknoteten Schnur das Vaterunser gebetet, später wurden die Gebetsreihen durch das Ave Maria (Gegrüßet seist Du, Maria) ergänzt, also durch den biblisch bezeugten Gruß des Engels Gabriel an die begnadete Jungfrau.

Der Trierer Kartäusermönch Adolf von Essen führte Anfang des 15. Jahrhunderts eine Vorform des Rosenkranzes unter dem Namen „Rosarium“ ein. Dabei wurde 50 x ein Ave Maria gesprochen und über das Leben Jesu meditiert.

Sein Mitbruder Dominikus von Preußen ergänzte das Gebet dann weiter. Die erwähnte Erscheinungsgeschichte entstand in jener Zeit, vermutlich weil man damals den Ordensgründer Dominikus mit jenem gleichnamigen Kartäuserbruder verwechselte.

Im Jahre 1508 wurde dem Ave Maria schließlich der zweite Teil „Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder…“ angefügt. Später wurde es durch Dominikanerpatres weiter strukturiert und im Kirchenvolk verbreitet. Papst Pius V. legte dann 1569 im wesentlichen die Gebetsweise fest, wie wir sie heute kennen.

Den dreifachen Rosenkranz (freudenreichen, schmerzhaften, gloreichen) mit seinen ingesamt 150 Ave-Gebeten nennt man nicht ohne Grund den „Psalter“, denn auch die Psalmen des Alten Testaments (Psalterium genannt) umfassen genau 150 Gebete. Der Rosenkranz wurde somit das „Psalterium“ der Laien, da sie damals im Unterschied zu Mönchen und Nonnen meist nicht imstande waren, die Psalmen zu lesen.

Es war hingegen nicht schwierig, den Rosenkranz auswendig zu lernen, dazu gehörte nur ein bißchen Gebetsübung. Zudem gab es zahlreiche Rosenkranzbruderschaften, denen die Gläubigen scharenweise zuströmten. Dieses Gebet entstand also aus der Mitte und aus dem Herzen der Kirche. Es wurde nicht von oben „verordnet“, weder durch eine Erscheinung noch durch einen Papst, sondern erwuchs aus einer lebendigen Volksfrömmigkeit.

Der bekannte Jesuitenpater Karl J. Klinkhammer hat schon in vorkonziliarer Zeit korrekt über die Entstehung des Rosenkranzes berichtet und zuvor gründliche Quellenforschung betrieben. Später veröffentlichte er das Buch „Adolf von Essen und seine Werke“ (1972), aus welchem der Ursprung des Rosenkranzes durch jenen spätmittelalterlichen Kartäusermönch im Detail hervorgeht.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.


Werner Bergengruen: ANGELUS DOMINI – Gedicht über das Ave-Läuten der Kirche

In der Lyrik-Sammlung „Herbstlicher Aufbruch“ des Dichters Werner Bergengruen finden wir auf S. 31 das Gedicht „Angelus Domini“ – bezogen auf den „Angelus“, das traditonelle Gebet „Der Engel des HERRN“, der Maria die Botschaft brachte von der Menschwerdung Christi, dem Eintritt des Ewigen in unsere Welt.

Der Höhepunkt des Angelus besteht aus einem zentralen Bibelwort des Johannesprologs: „Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt.“

In dem erwähnten Buch heißt es erklärend unter Bergengruens Versen: „Nach der Schlacht von Lepanto 1571, dem Sieg der Christenheit über die Türken, wurde das dreimalige tägliche Angelus-Läuten in der katholischen Kirche eingeführt.“ Tatsächlich entstand im Volksmund das Wort „Türkenläuten“. Ein Zusammenhang besteht, doch der Brauch ist noch älter (siehe HIER)

HIer folgt nun im vollen Wortlaut jenes leider weitgehend noch unbekannte Gedicht, das dem katholischen Ave-Läuten und dem Angelus gewidmet ist:

ANGELUS DOMINI

Dreifach, so ist es beschlossen,
ehegestern und heut
kommt von den Türmen geflossen
das triumphale Geläut.
Jenem Siege vor allem,
der die Bedrohung zerbrach,
klang es zuerst und nun hallen
es die Jahrhunderte nach
.

Ach, alle Siege der Erde,
sind sie denn wert des Geläuts?
Unser ist Angst und Beschwerde,
Abgrund und Sterbekreuz.
Sei uns der Friede verliehen,
den die Welt nicht erdacht:
Der Engel des Herrn hat Marien
die Botschaft gebracht.

Dreifach – und so soll es dauern,
gestern, morgen und heut
rinnt über Dächer und Mauern
zärtliches Trostgeläut.
Herzen haben geschrien
bis ans Verbleichen der Nacht:
Der Engel des Herrn hat Marien
die Botschaft gebracht.

Hob über heißem Gewühle
sich das Licht zum Zenit,
wehen Schweigen und Kühle
dunkel im Glockenlied.
Atme. Die Schwüle wird fliehen,
die dich so bange gemacht.
Der Engel des Herrn hat Marien
die Botschaft gebracht.

Ist die Helle geschieden,
ruft es vom Turmgemacht:
sinne, Seele, dem Frieden
heiliger Geheimnisse nach.
Uralte Sternbilder ziehen
heute wie je auf die Wacht.
Der Engel des Herrn hat Marien
die Botschaft gebracht.

So in die irdischen Stunden
schaut das Ewige ein.
Immer aufs neue gefunden
leuchtet der Glorienschein,
von des Geläutes Magien
immer aufs neue entfacht.
Der Engel des Herrn hat Marien
die Botschaft gebracht.

Werner Bergengruen

Foto: Dr. Bernd F. Pelz


MARIENLOB aus dem christlichen Altertum

Sei gegrüßt,
Maria, heilige Mutter Gottes!
Sei gegrüßt,
kostbarer Schatz der Schöpfung.
Sei gegrüßt,
Tabernakel des HERRN,
den die Welt nicht fassen konnte.

Mutter und Jungfrau,
Urbild und Zepter des Glaubens,
aus dir ging unser Retter hervor,
der den Tod besiegte.

Sei gegrüßt,
durch dich hat das Licht,
Gottes eingeborener Sohn,
all jene erleuchtet, die in der Finsternis sind
und im Schatten des Todes wandeln.

Kirchenlehrer Cyrill von Alexandrien
(370 – 444 n. Chr.)


Zur Kontroverse um Maria „Miterlöserin“ im Kontext der kirchlichen Tradition

Von Felizitas Küble

Auf dem traditionalistischen Blog „Katholisches.info“ wurde am 20. Mai 2021 ein längerer Beitrag von Pater Paolo Siano veröffentlicht, in dem sich dieser Ordensmann mächtig zugunsten des Titels „Miterlöserin“ (lateinisch: Coredemtrix /Corredemtrix) aus dem Fenster hängt.

Er zitiert gerne aus mehr oder weniger wichtigen theologischen Zeitschriften, die meist während des Pontifikats von Pius XII. erschienen waren.

Dabei sind gewisse „mariologische“ Ausführungen in diesem oder jenem Blatt, mag es auch noch so ehrenwert sein, durchaus nicht von Bedeutung für die Frage nach der lehramtlichen (!) Stellung einer solcher Bezeichnung für die selige Jungfrau.

Dies gilt selbstverständlich auch dann, wenn diese Publikationen mit Imprimatur erschienen sind, wobei eine solche „Druck-Erlaubnis“ keine kirchliche Bestätigung ihres Inhalts darstellt, sondern lediglich beinhaltet, daß seine Verbreitung gestattet ist. Solch ein Buch „darf“ also von gläubigen Katholiken gelesen werden – nicht mehr und nicht weniger.

Für die Frage nach der lehramtliche Relevanz kommt man durch haufenweises Zitieren solcher zwar genehmigter, aber keinesweges kirchenamtlicher Bücher – vornehmlich aus den 50er Jahren – nicht wirklich weiter.

Immerhin muß auch der Autor als begeisterter Vertreter der „Miterlöserin“-These einträumen, daß es vor Leo XIII. keinen Papst gab, der diesen Marientitel jemals vertreten hat – weder schriftlich noch mündlich.

Es mutet etwas merkwürdig an, wenn es ausgerechnet „Traditionalisten“ offenbar nicht weiter stört, für ihre These keine kirchliche TRADITION vorlegen zu könnenimmerhin geht es um ca 1900 Jahre.

Erst seit ca. 120 Jahren gibt es spärliche Hinweise aus päpstlichen Munde, aber sie erfolgten nicht im Rahmen einer offiziellen Lehrverkündigung.

Selbst für den betont „marianischen“ Papst Pius XII. findet während seiner gesamten Amtszeit kein eindeutig belegtes Zitat für „Maria Miterlöserin“, weshalb sich der Verfasser auf eine angebliche Aussage aus einer Ansprache „oder einem Brief“ (nicht einmal das ist klar) stürzt und stützt, von welcher nicht einmal das Datum gesichert ist und der Autor sich auf Sekundärquellen beruft, deren Beweiswert sich in Grenzen hält.

Foto: Radio Vatikan

Es fehlt also für den Corredemptrix-Titel jede lehramtliche TRADITION, die wenigstens noch bis ins Mittelalter hineinreichen würde – was doch gerade für Traditionalisten ein echtes Manko sein müßte.

BILD: Papst Benedikt bezeichnete den Miterlöserin-Titel als „irreführend“

Immerhin gibt auch der Autor selber zu, daß die Bezeichnung „Miterlöserin“ zum ersten (!) Mal von Pater Salmeron SJ ausgesprochen wurde, einem Theologen des Konzils von Trient (und somit in der Neuzeit).

Allerdings hat es erneut lehramtlich nichts zu bedeuten, wenn sich ein frommer Geistlicher auf einer Kirchenversammlung in dieser oder jener Weise geäußert hat.

Für das Mittelalter – ganz zu schweigen vom christlichen Altertum bzw. der Patristik (Kirchenväterzeit) – finden sich keine Belege, sonst hätte der findige Verfasser sie allzu gerne präsentiert.

Langer Rede kurzer Sinn: Die Corredemtrix wird niemals zum Dogma erklärt werden, denn sie gehört nicht einmal zur amtlichen kirchlichen Verkündigung, ist kein Bestandteil des „depositum fidei“ (überlieferten Glaubensgut) – es fehlt ihr sogar jedwede grundlegende Verankerung in der TRADITION der Kirche und erst recht in der „göttlichen Offenbarung“ (sie wird bezeugt durch Bibel und apostolische Überlieferung).

Ergänzender Artikel hierzu: https://charismatismus.wordpress.com/2019/08/21/kann-eine-erloeste-zugleich-miterloeserin-sein/


MARIA: Nicht „Miterlöserin“, sondern edle Mitarbeiterin im Heilswerk Christi

Von Felizitas Küble

In dem bekannten Interview-Buch „Gott und die Welt“ äußert sich Papst Benedikt (damals Kardinal Ratzinger) im Abschnitt „Von den Dogmen“ auch zum Thema: Ist Maria eine „Miterlöserin?“ – Der Glaubenspräfekt stellt fest:

„Die Antwort der Glaubenskongregation darauf lautet, daß das, was damit gemeint ist, in anderen Titeln Marias in besserer Weise ausgesagt ist, während die Formel „Miterlöserin“ sich von der Sprache der Schrift und der Väter zu weit entfernt und daher Mißverständnisse hervorruft.“

Gemeint sind also die Heilige Schrift und die Aussagen der antiken Kirchenväter (Patristik) aus der christlichen Frühzeit.

Sodann erklärt Kardinal Ratzinger:

„Was ist richtig daran? Nun, richtig ist, daß Christus nicht außerhalb von uns oder neben uns stehenbleibt, sondern mit uns eine tiefe, neue Gemeinschaft bildet… Dieser große Austausch ist der eigentliche Inhalt der Erlösung, die Einschränkung des Ich und das Hineinreichen in die Gemeinschaft mit Gott.

Weil Maria die Kirche als solche vorwegnimmt und sozusagen Kirche in Person ist, so ist dieses „Mit“ in ihr exemplarisch verwirklicht.

Aber über diesem „Mit“ darf man nicht das „Zuerst“ Christi vergessen. Alles kommt von IHM, wie besonders der Epheser- und der Kolosserbrief sagen; auch Maria ist alles, was sie ist, durch IHN.

Das Wort „Miterlöserin“ würde diesen Ursprung verdunkeln.

Eine richtige Intention drückt sich in einem falschen Wort aus. Für die Dinge des Glaubens ist gerade die Kontinuität mit der Sprache der Schrift und der Väter wesentlich; die Sprache der Schrift ist nicht beliebig manipulierbar.“

Damit erklärt der spätere Papsst Benedikt damals als Glaubenspräfekt: dieser Begriff „Miterlöserin“ ist sprachlich und inhaltlich zu weit von Bibel, Dogma und kirchlicher Überlieferung.

Zugleich können wir aber feststellen: Die selige Jungfrau Maria ist das edelste Geschöpf Gottes und zugleich die wichtigste Mitarbeiterin am Heilswerk Christi.

Dazu kommt: Eine Erlöste kann keine Erlöserin sein, auch keine Miterlöserin im eigentlichen Sinne. Die Gottesmutter ist die Ersterlöste und Vollerlöste des Neuen Bundes. Das ist amtliche kirchliche Lehre, sogar ein Dogma, nämlich das der makelosen Empfängnis – ihr Freisein von der Erbsünde ist ein Gnadenakt Gottes, wie es im Immaculata-Dogma heißt – und zwar „im Hinblick auf die Verdienste Jesu Christi, des Erlösers des Menschengeschlechtes“.

Durch Gottes Gnade und Erwählung ist die Madonna schon im ersten Augenblick ihres Daseins von Erbschuld frei bzw. davor bewahrt geblieben.

Sowohl biblisch wie dogmatisch besteht kein Zweifel, daß Maria zur erlösungsbedürftigen Menschheit gehört, wenngleich bei ihr die Erlösung eine „Voraus-Erlösung“ und durch die Aufnahme in den Himmel eine „Voll-Erlösung“ war – damit änderte sich der Zeitpunkt (Maria wurde nicht wie wir erst durch die Taufe erlöst), aber nicht der göttliche Gnadenakt der Erlösung als solcher.

Als Erlöste kann Maria nicht zugleich Erlöserin sein, auch nicht Miterlöserin.

Es gibt zwar durchaus eine Mitwirkung der Gläubigen am Gottesreich, schreibt Paulus doch, daß wir für Christi Leib, die Kirche, ergänzen sollen, was insoweit an seinem Heilswerk noch „fehlt“, das freilich an sich vollkommen ist und keinerlei Ergänzung bedarf; es geht um die Mitwirkung am kirchlichen Heilswerk auf geschöpflicher Ebene – und eben hier ist die Gottesmutter die Erste: von allen Geschöpfen ist sie das edelste und heiligste – und die erste Christin, die erste Erlöste und Begnadete des Neuen Bundes.

Mögen es manche auch noch so oft wiederholen und fordern (vor allem die Anhänger der kirchlich nicht anerkannten Amsterdamer Erscheinungen), es bleibt dabei:
Das Dogma „Maria Miterlöserin“ wird nie kommen, die Kirche wird es nie einführen.
Warum nicht?

Ganz einfach: weil es weder in der Bibel noch in der kirchlichen Tradition den nötigen Rückhalt findet.

Selbst wenn man also den Ausdruck „Miterlöserin“ mit entspechenden Auslegungen, Fußnoten und Einschränkungen richtig verstehen könnte, so ist er insgesam in seiner Wirkung äußerst mißverständlich bis irreführend und daher bei weitem nicht dogma-reif, weil ein Dogma stets aus einem Guß ist – und nicht durch x-Fußnoten und Anmerkungen eingeschränkt wird. Bei einer unklaren Sachlage kann man es nämlich gleich ganz bleiben lassen, statt einen theologischen Eiertanz zu vollziehen.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt


Unser PLAKAT zum Marienmonat MAI

POSTER aus dem KOMM-MIT-Jugendverlag in Münster:

Dieses PLAKAT kann beim KOMM-MIT-Verlag bestellt werden. Es ist im großen DIN-A-2-Format erschienen (60 x 40 cm) und kostet 3 €, vier Stück nur 6 €  – jeweils inkl. Porto (Betrag evtl. vorweg in Briefmarken beilegen). – Per Tel. 0251 – 616768 oder Mail: felizitas.kueble@web.de

Foto: Dr. Bernd F. Pelz