Regensburg: Prälat Heinrich Wachter übt Kritik an Papst Franziskus

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In einem InterviewiMA00278101 mit dem linksliberalen “Wochenblatt”-Online vom 14.1.2016 äußert sich Prälat und Stiftsdekan Heinrich Wachter skeptisch über Papst Franziskus und seinen Eifer, unbedingt “anders” wirken zu wollen als sein(e) Vorgänger. Zudem kritisiert er den Pontifex teils auch inhaltlich.

Der Regensburger Geistliche (siehe Foto) hat unlängst Papst em. Benedikt besucht. Er sieht zwischen dem vorigen und dem amtierenden Papst “gewaltige Unterschiede”.

Franziskus, so Prälat Wachter, würde seinen Vorgänger in vielen seiner Handlungen “blamieren”, auch wenn dies nicht seine Absicht sei. Er fügt hinzu:  “Theologisch ist Franziskus im Vergleich zu ihm aber gar nicht auf dem Laufenden. Er redet unwahrscheinlich viel, aber er gibt kaum eine klare Stellungnahme ab.”

Auf die Redaktions-Rückfrage “Woher kommt das?” antwortet der Prälat: “Franziskus trifft seine Entscheidungen aus dem Bauch heraus, die dann für die Menschen, die immer nach Veränderungen schreien in der Katholischen Kirche, zu ihren Gunsten interpretieren. Das hat sich sehr zugespitzt.”

Der Geistliche beschwert sich auch über die vom Papst veranlaßte Umfrage im Vorfeld der Familiensynode, die tatsächlich im besten Falle überflüssig war. Prälat Wachter hierzu: Als hätte nicht die ganze Welt gewusst, wie die Einstellung der Leute zu diesen Themen ist. Da braucht es keine Umfrage! Die Bischöfe hatten doch auch vorher Kontakt zu den Menschen.” AL-0004

Zudem kritisiert Wachter, daß Franziskus das Synoden-Ergebnis hinauszögert: “Das ist das Gefährliche bei ihm, dass er am Ende keine Entscheidung trifft.” – Er begrüße es zwar, daß der Papst “über alles redet” und dadurch sehr volkstümlich sei, “aber er lässt zu viele Interpretationsmöglichkeiten offen.”

Auf die Frage, ob Kardinal Gerhard Müller (siehe Foto) eine Art Konkurrenz zu Kardinal Reinhard Marx sei, folgt der zutreffende Hinweis des Prälaten, daß Marx schon ein Gegner Müllers war, als dieser noch Bischof in Regensburg war:

“Man ist sich aber nicht sicher, auf welcher Seite der Papst nun wirklich steht. (…) Und Kardinal Marx in München ist angetan von der Dezentralisierung der Kirche, die von Franziskus ausgeht. Er ködert die Weltbischöfe mit mehr Selbstständigkeit und drückt sich auf diese Weise von seinen eigenen Entscheidungen.”
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Der Regensburger Geistliche hält es für eine “gefährliche Situation”,  daß unklar sei, ob der Papst hinter dem Glaubenspräfekten steht.
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Allerdings übertreibt es der Prälat dann mit seiner  flapsig formulierten Bemerkung: “Dabei steht der Glaubenspräfekt in seinem Amt über dem Papst, weil ja er kontrolliert, ob der Papst überhaupt noch katholisch ist.”  – Selbst wenn zu einer solchen Prüfung Gründe vorliegen, steht das päpstliche Amt zweifellos über der Stellung des Glaubenspräfekten. 
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Fotos: Bistum Regensburg

Ehe und Familie: Warum wir Klarheit von Papst Franziskus brauchen

Von Prof. Dr. Hubert Gindert

Schon als das Abschlussdokument der Bischofssynode in Rom fertiggestellt war, haben verschiedene Medien, aber auch selbsternannte Gruppen „der Katholiken“ vRadio Vatikanersucht, das Ergebnis vorwegzunehmen und in ihrem Sinne zu deuten. Sie wollten ihre Meinung und ihre Interpretationshoheit bestätigt sehen. Um jene geht es hier nicht.

Vielmehr geht es um jene Katholiken, deren Treue zur Lehre der Kirche bzgl. Ehe und Familie außer Zweifel steht, die sich aber in der Bewertung des Abschlusspapiers deutlich unterscheiden. Ich greife zwei Stimmen heraus, nämlich die des Münchner Pastoraltheologen Prof. Dr. Andreas Wollbold (siehe Foto) einerseits und die von Frau Gabriele Kuby andererseits.

Im Interview mit der Zeitschrift ACADEMIA (Nr. 6/2015, S. 75) sagt Dr. Wollbold:

„Am Ende stand ein Dokument, das eindrucksvoll unter Beweis stellte, was das Zweite Vatikanische Konzil deutlich unterstrichen hat: Die Kollegialität der Bischöfe… Sie haben niemandem nach dem Mund geredet… Das Wehen des Heiligen Geistes war greifbar…

Darum ist es ein Konsensdokument. Konsens bedeutet, dass die überwiegende Mehrzahl der Bischöfe nach kontroversen Debatten ein gemeinsames Zeugnis für die Wahrheit des Evangeliums abgibt. Anders als viele Kommentatoren dies wiedergegeben haben, ist daran nichts bewusst schwammig formuliert. Wollbold, Prof. Dr. Andreas

Gerade die umstrittensten Äußerungen zu den wiederverheirateten Geschiedenen sind sehr klar und geben exakt die Linie wieder, die Johannes Paul II. vorgegeben hat. In der Substanz hat sich nichts geändert…Es gibt kein Schisma, die Kirche ist nicht von ihrer Ordnung und Lehre abgewichen… 

Langfristig wird die Kirche mit diesem Kurs ihre typische Weisheit und Gelassenheit im Umgang mit den menschlichen Irrungen wiederfinden: Im Grundsätzlichen klar, im Umgang mit den Betroffenen milde und beharrlich zugleich. Die Synodenväter haben die Realität von Familie sehr realistisch angeschaut. Eine Konsequenz ist die Ermutigung zu intensiver Ehevorbereitung und Formen des Ehekatechumenates“.

Und auf die Frage „Wie geht es weiter?“ antwortet Dr. Wollbold:

„Eine Sorge: bei den Aussagen zur Pastoral mit wiederverheirateten Geschiedenen finden sich einige Wendungen, die man als Gummiparagraphen verstehen könnte. Die Aufforderung zur Seelsorge im Forum-Internum und zur Suche nach dem persönlichen Weg könnte völlig missverstanden werden. Ein Paar könnte sagen: Wir sind mit Gott im Reinen, wir sehen da kein Problem. Der Priester könnte ihm bestätigen: Die Kirche ist zwar noch nicht so weit, aber ich habe Verständnis.

Ein fortschrittlicher Bischof könnte eine solche Praxis dulden oder sogar ermutigen. Das hieße, den Willen der Synode ins Gegenteil verkehren. Sie hat klargestellt, dass die Grundsätze zur Wiederheirat und zur Zulassung zur Kommunion die Grundlage für alle Seelsorge bilden. Wer sich davon dispensiert, dispensiert sich von der Kirche!“

Wollbold kommt also insgesamt zu einer positiven Bewertung des Abschlussdokuments der Bischofssynode. Anders Gabriele Kuby (siehe Foto); sie gelangt in ihrem Beitrag „Glanz der Wahrheit“ in Kirche heute (Nr. 12/2015, S. 8-9) zu einer anderen Schlussfolgerung.

Gabriele Kuby legt zunächst die biblische Botschaft von Genesis (1,26-28) dar, wonach der Mensch als Abbild Gottes, als Mann und Frau geschaffen, zur gegenseitigen Ergänzung bestimmt und zur Fruchtbarkeit berufen ist.

Die Autorin moniert, dass auf der Synode „Themen ins Zentrum gerückt wurden, die weniger die Familien betreffen als jene, die in irregulären Beziehungen leben: Die Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen zur Kommunion (und Beichte), die Haltung der Kirche zu Menschen mit homosexueller Neigung und zu jenen, die in außerehelichen Beziehungen leben. Diese Themen eigneten sich als Hebel zur Veränderung des katholischen Eheverständnisses“.

Gabriele Kuby fragt: „Was sind die Strategien, die Lehre dennoch an entscheidenden Punkten der Zeit anzupassen, ohne dass es zur Spaltung kommt?“

Sie führt für die von ihr angenommene Strategie zwei Punkte an: Erstens das Gesetz der Gradualität „um das absolute Gebot Jesu von der Unauflöslichkeit der vor Gott geschlossenen sakramentalen Ehe (Mk 10 11-12; Mt 5,31-32) zu relativieren, wurde das ‚Gesetz der Gradualität‘ in Anspruch genommen. Danach sei der Mensch nur schrittweise fähig, dem moralischen Gesetz zu gehorchen, und folglich könne von ihm auch nicht verlangt werden, sich den Geboten Gottes zu fügen, wenn er noch nicht reif genug dafür sei… So wird begründet, dass die Pastoral von der Lehre der Kirche abweichen dürfe“.

Gabriele Kuby zitiert Joh. Paul II. mit Familiaris Consortio von 1981 (Nr. 34), wonach das „Gesetz der Gradualität“ das Gebot Christi nicht aushebeln kann.

Die zweite Strategie, um die kirchliche Lehre den Forderungen der Zeit anzupassen, sieht Frau Kuby in einer Strategie der „Wahrheit und Barmherzigkeit“. Konkret: „Um die absoluten moralischen Gebote zu relativieren, wird die Barmherzigkeit gegen die Wahrheit ausgespielt. Wahrheit und Barmherzigkeit können aber nur gemeinsam existieren“.

In ihrer abschließenden Bewertung sagt Gabriele Kuby: „Es scheint, als hätten bei dieser Synode alle gewonnen. In Wirklichkeit haben alle verloren, am meisten die Kirche. Sie spricht nicht mehr mit klarer, eindeutiger Stimme. Wir hören viel Wahres, aber auch viel Ambivalentes, was oft zurechtgerückt werden muss und unterschiedlich interpretiert werden kann“.

Es kann nicht gut sein, wenn zwei Persönlichkeiten der Kirche, die mit ihrer Stimme viele Katholiken erreichen und ihre Meinung beeinflussen, über das Ergebnis des Abschlussdokumentes der Bischofssynode zu so unterschiedlichen Bewertungen kommen. Katholiken, die auf die Stimme der Kirche hören wollen, brauchen klare, eindeutige Aussagen  –  und diese kann nur Papst Franziskus liefern.

Unser Autor Prof. Dr. Hubert Gindert leitet den Dachverband “Forum Deutscher Katholiken” und das Monatsmagazin DER FELS


Regensburg: Die “Pentlinger Predigten” von Papst Benedikt sind erschienen

2015 sind in Regensburg die Predigten erschienen, die Kardinal Ratzinger in den 1980er und 1990er Jahren in der Kirche St. Johannes in Pentling, seinem Wohnort vor den Toren Regensburgs, gehalten hat.

Der Band beim Verlag Schnell & Steiner umfasst 80 Seiten und enthält zehn Predigten. Der kath. Theologe Prof. Dr. Josef Kreiml nimmt sie in den Blick:151228_Pentlinger_Predigten_BuVo_01

In seinem Vorwort betont Benedikt XVI., dass das Lesen der Tonbandnachschriften für ihn „zu einer Wanderschaft des Herzens in schöne vergangene Tage hinein“ geworden ist. Dabei sei vor ihm „das Glauben, Beten und Singen der Menschen, bei denen ich mich zuhause wusste“, wieder aufgestiegen. Der emeritierte Papst verbindet mit dem Buch die Hoffnung, dass es den Lesern helfe, das Evangelium „zu verstehen und zu leben“.

BILD: Bei der Präsentation des Papst-Buches in Pentling – der Band, der die Predigten enthält, trägt das grüne Cover.

Die erste Predigt „Das rechte Stehen vor Gott ist aller Mühe wert“ hat der Kardinal am 21. Sonntag im Jahreskreis 1986 anlässlich der Segnung des Missionskreuzes gehalten (S. 9-15). Er verweist dabei auf die russische Exilantin Tatjana Goritschewa, die lebendig und dramatisch geschildert hat, dass viele Menschen in Russland, die die ganze atheistische Erziehung durchschritten haben, „plötzlich neu das Gesicht Jesu Christi entdecken“.

Der zweite Text gibt die Homilie wieder, die Kardinal Ratzinger am 31. Mai 1987 anlässlich der Verleihung der Ehrenbürgerwürde der Gemeinde Pentling an ihn gehalten hat: Er erinnert daran, dass wir in den grundlegenden Dingen immer wieder neu beginnen müssen; „Es versteht sich nicht von selbst, dass die nächste Generation wieder Kirche ist“. 75743_14122011

Wir können nicht alles selbst machen, sondern müssen wieder glauben lernen, dass es den HERRN wirklich gibt und dass er wirklich handelt in dieser Welt. Damit Kirche werde, „ist Versammlung um den eucharistischen Herrn notwendig“. Das „kann Opfer kosten“, denn oft möchte man seinen eigenen Dingen nachgehen. 

Die dritte Predigt (S. 25-29) hat der Kardinal am 21. Sonntag im Jahreskreis 1989 gehalten. An Jesus wird die Frage gerichtet: „HERR, sind es nur wenige, die gerettet werden?“ Kardinal Ratzinger zeigt, dass hinter dieser Frage oft Selbstgerechtigkeit, Unsicherheit und Kalkül stecken. Wenn wir uns unter die Augen Gottes und unter das Maß seines Wortes stellen, werden wir sehen, „dass es Bemühung braucht“. (…)

Die letzte Predigt der vorliegenden Textsammlung (S. 75-80) hat der Kardinal am 21. Sonntag im Jahreskreis 1999 zum Thema „Die Schlüssel des Himmelreiches“ gehalten: Die Kirche ist „kein Selbstbedienungsladen“, in dem sich jeder heraussucht, was er für heute noch als passend ansieht. Jesus gibt Petrus und mit ihm der Kirche die Vollmacht, zu lehren und zu leiten, d. h. zu sagen, was der HERR von uns will. Schlüsselgewalt bedeutet „zuerst Lehrvollmacht, Auftrag und Vollmacht, aufzuschließen, was der HERR uns an Erkenntnis gibt“.

Diese Homilien zeigen, dass der große Theologe Joseph Ratzinger auch ein begnadeter Prediger war und ist. Den Verantwortlichen des Institutes Papst Benedikt XVI. in Regensburg ist zu danken, dass sie diese zehn Texte  –  mit neun farbigen Bildmotiven sehr ansprechend illustriert  –  der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und damit das Gesamtwerk Joseph Ratzingers um eine wertvolle Facette erweitert haben. Die Publikation beweist, dass „Dogma und Verkündigung“  –  ein Buchtitel des papa emerito  –  in der Person des Predigers eine großartige Synthese gefunden haben.

Prof. Dr. Josef Kreiml

Buch-Daten: Joseph Ratzinger, Pentlinger Predigten, 80 Seiten, Verlag Schnell & Steiner, Regensburg 2015, ISBN 978-3-7954-3017-7, 12,95 Euro.

Quelle und vollständiger Text hier: http://www.bistum-regensburg.de/news/menschen-bei-denen-ich-mich-zuhause-wusste-2015-in-regensburg-veroeffentlicht-die-pentlinger-predigten-kardinal-ratzingers-4298/


Besorgte Ansprache des Papstes beim Ad-Limina-Besuch der deutschen Bischöfe

Von Prof. Dr. Hubert Gindert

Die Bischöfe der Teilkirchen besuchen turnusgemäß alle fünf Jahre die Apostelgräber in Rom und den Nachfolger des heiligen Petrus. Das gibt dem Papst die Möglichkeit, den Zustand der Ortskirche anzusprechen und sie, wenn notwendig, auf die eigentlichen Ziele auszurichten. 0000009699_3

Die Bischöfe der deutschen Ortskirche hatten im November 2015 ihren Ad-Limina-Besuch in Rom. Der Heilige Vater zeigte sich über die Kirche in Deutschland außerordentlich gut informiert und konnte die Gesamtsituation sehr konkret darstellen.

BILD: Prof. Hubert Gindert leitet den Dachverband “Forum Deutscher Katholiken”

Nachdem Franziskus auf die „außergewöhnlichen Zeitumstände“ mit den hunderttausenden Kriegsflüchtlingen hingewiesen und die „große Unterstützung, der Kirche in Deutschland durch die vielen Hilfsorganisationen für die Menschen in aller Welt“ erwähnt hatte, kam er auf die innere Befindlichkeit der Kirche in Deutschland zu sprechen, die er als eine dahinsiechende und absterbende Kirche beschrieb.

Papst: Mehr “katholisches Profil” in kirchl. Einrichtungen

Sie sei zwar „überall im sozialen und caritativen Bereich professionell engagiert“ und „auch im Schulwesen überall aktiv“. Aber Franziskus machte deutlich, dass darauf zu achten ist, „dass in diesen Einrichtungen das katholische Profil gewahrt bleibt“. Denn nur dann „sind sie ein nicht zu unterschätzender positiver Faktor für den Aufbau einer zukunftsfähigen Gesellschaft“. Diese kirchlichen Einrichtungen waren noch einmal gemeint, als Franziskus forderte, „dass die Strukturen der Kirche alle missionarischer werden müssen“.

Hier werden sich die Katholiken in Deutschland daran erinnern, dass die Bischofskonferenz auf ihrer Frühjahrsversammlung am 27.4.2015 mehrheitlich die Weichen in die ganz andere Richtung gestellt hat, obwohl das Bundesverfassungsgericht am 20.11.2014 die kirchlichen Rechte bezgl. der Einforderung der bisherigen Loyalitätsverpflichtungen festgestellt hatte, dass die Kirche von ihren Mitarbeitern verlangen kann, dass diese den kirchlichen Glauben teilen und die kirchlichen Moralvorstellungen auch persönlich einzuhalten haben. media-521118-2

Statt dessen hat sich die Kirche in Deutschland sich dafür entschieden, ihre Einrichtungen dem Geist der Zeit anzupassen. Nun geht es aber nach Papst Franziskus nicht darum, dass die Kirche mit ihren mehr als 700.000 Mitarbeitern nach dem Staat der größte Arbeitgeber bleibt, sondern dass ihre Einrichtungen der eigentlichen Aufgabe treu bleiben und „missionarischer werden“. Diesem Ziel dient wahrlich nicht die Liberalisierung des kirchlichen Arbeitsrechts.

Papst Franziskus nannte danach die fehlende Vitalität und missionarische Kraft ohne Umschweife beim Namen: Den Rückgang des sonntäglichen Gottesdienstbesuches  –  er liegt unter 10%, 1950 waren es 50,2%.

Die „Erosion der Katholischen Kirche in Deutschland“ zeige sich weiter dadurch, dass „die Sakramente immer weniger in Anspruch genommen werden. Die Beichte ist vielfach verschwunden. Immer weniger Katholiken lassen sich firmen oder gehen das Sakrament der Ehe ein. Die Zahl der Berufungen für den Dienst des Priesters und für das Gott geweihte Leben haben drastisch abgenommen“.

Mit Worten und Leben für Gottes Wahrheit eintreten

Papst Franziskus resigniert nicht vor dieser dramatischen Situation, sondern fragt, „was können wir dagegen tun?“ und weist auf das Beispiel der ersten Christen hin. Er erinnert an die „treuen Mitarbeiter des heiligen Paulus, Priska und Aquila”: „Als Ehepaar verkündeten sie mit überzeugenden Worten, vor allem aber mit ihrem Leben, dass die Wahrheit, die auf der Liebe Christi gründet, wirklich glaubwürdig ist“.

papst_letzter_tag_01Am Vorbild von Priska und Aquila machte Papst Franziskus deutlich, worauf es ankommt, nämlich auf die Mitarbeit „vom Heiligen Geist inspirierter Ehrenamtlicher“. Die Kirche in Deutschland geht aber den anderen, nicht zukunftsfähigen Weg. Der Papst wies auf diesen Irrweg hin, wenn er von der „Tendenz zu fortschreitender Institutionalisierung der Kirche“ sprach und vermerkte:

„Es werden immer neue Stellen geschaffen, für die eigentlich die Gläubigen fehlen. Es handelt sich um eine Art neuer Pelagianismus, der dazu führt, unser Vertrauen auf die Verwaltung zu setzen, auf den perfekten Apparat. Eine übertriebene Zentralisierung kompliziert aber das Leben der Kirche und ihre missionarische Dynamik, anstatt ihr zu helfen“.

Papst will missionarische Neuausrichtung

Papst Franziskus „das Gebot der Stunde ist die pastorale Neuausrichtung (…), dass die Strukturen der Kirche alle missionarischer werden, dass die gewöhnliche Seelsorge in allen Bereichen expansiver und offener ist, dass die in der Seelsorge Tätigen in eine ständige Haltung des Aufbruchs versetzt und so die positive Antwort all derer begünstigt, denen Jesus seine Freundschaft anbietet“.  – Was Papst Franziskus hier fordert, sind keine kosmetischen Korrekturen, sondern ist eine komplette pastorale Neuausrichtung, eine Wende um 180°!

Als erfahrener Seelsorger kennt Franziskus die Schwierigkeiten, die sich einer solchen Neuausrichtung in den Weg stellen: „Die Rahmenbedingungen der heutigen Gesellschaft sind… nicht unbedingt günstig. Es herrscht eine gewisse Weltlichkeit vor. Die Weltlichkeit verformt die Seelen, sie erstickt das Bewusstsein für die Wirklichkeit“. Andererseits „sagt uns unser Glaube, dass Gott der immer zuerst Handelnde ist. Diese Gewissheit führt uns zunächst ins Gebet.”

 Wie können die Menschen die Botschaft Gottes wieder verstehen?

Dazu der Seelsorger Franziskus: „Wir müssen bei den Menschen sein. Mit der Glut derer, die als Erste das Evangelium in sich aufgenommen haben, und jedes Mal, wenn wir versuchen, zur Quelle zurückzukehren und die ursprüngliche Frische des Evangeliums wieder zu gewinnen, tauchen neue Wege, kreative Methoden, andere Ausdrucksformen, aussagekräftigere Zeichen und Worte reich an neuer Bedeutung für die Welt von heute auf“.

Bischöfe werden sich fragen müssen, ob sie auf ihren Firmreisen und Pfarrvisitationen die Menschen tatsächlich erreichen.

Hirtenpflicht der Bischöfe eingeschärft

Während in Deutschland im “Zentralkomitee der deutschen Katholiken” und in Laiengremien von „Dialogprozessen“ mit den Bischöfen auf Augenhöhe gefaselt wird, erinnert Papst Franziskus die Bischöfe daran, dass es im Zusammenhang mit der Neuevangelisierung „unerlässlich“(!) ist, „dass der Bischof seine Aufgabe als Lehrer des Glaubens des in der lebendigen Gemeinschaft der universalen Kirche überlieferten und gelebten Glaubens in den vielfältigen Bereichen seines Hirtendienstes gewissenhaft wahrnimmt“.

Der Bischof soll als „treu sorgender Vater“ seinen Dienst wahrnehmen. Was Papst Franziskus damit meint, führt er konkret aus: Er soll „die theologischen Fakultäten begleiten und den Lehrenden helfen, die kirchliche Tragweite ihrer Sendung im Auge zu behalten. Die Treue zur Kirche und zum Lehramt widerspricht nicht der akademischen Freiheit… das “sentire cum ecclesia” (Mitfühlen mit der Kirche) muss besonders diejenigen auszeichnen, welche die jungen Generationen ausbilden und formen“.

Angesichts des Zustandes an manchen katholischen Fakultäten gibt es für die Bischöfe gerade hier einiges zu regeln.

imageCATKHONRFranziskus spricht sich nicht dafür aus, sich aus den staatlichen Universitäten zurückzuziehen. Denn „die Präsenz der katholischen Fakultäten an den staatlichen Bildungseinrichtungen ist eine Chance, um den Dialog mit der Gesellschaft voranzubringen“. Man muss nur bereit sein, ihn auch mutig und glaubensstark zu führen.

Papst Franziskus setzte sich in seiner Rede an die deutschen Bischöfe ausdrücklich für den Ausbau der katholischen Universität in Eichstätt-Ingolstadt ein. Sie ist „von großem Wert für ganz Deutschland… ein entsprechender Einsatz der gesamten Bischofskonferenz wäre daher wünschenswert, um ihre überregionale Bedeutung zu stärken“.

Die katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt könnte, wenn der Appell des Papstes umgesetzt würde zu einem theologischen Kraftzentrum in Deutschland werden, wie wir das heute mit Heiligenkreuz bei Wien und seiner Hochschule Papst Benedikt XVI. erleben.

Reform der Kirche beginnt in der Beichte

Auch in den Pfarrgemeinden muss dem Bischof „in besonderer Weise das sakramentale Leben am Herzen liegen“. Papst Franziskus hob besonders die Beichte und die Eucharistie hervor:

„Das bevorstehende Außerordentliche Jubiläum der Barmherzigkeit bietet die Gelegenheit, das Sakrament der Buße und der Versöhnung wieder neu zu entdecken… in der Beichte beginnt die Umwandlung des einzelnen Gläubigen und die Reform der Kirche. Ich vertraue darauf, dass… dieses für die geistliche Erneuerung so wichtige Sakrament in den Pastoralplänen der Diözesen und Pfarreien mehr Berücksichtigung findet“.  – Das klingt bestimmt und nicht nach „kann“ oder „vielleicht“ etc.

Papst Franziskus drängt darauf, „die innere Verbindung von Eucharistie und Priestertum stets klar sichtbar zu machen… die wertvolle Mitarbeit von Laienchristen im Leben der Gemeinden… darf nicht zum Ersatz des priesterlichen Dienstes werden… ohne Priester gibt es keine Eucharistie“.  –  Es gibt einen Unterschied zwischen dem Weiheamt und dem allgemeinen Priestertum, der anerkannt bleiben muss und nicht verwischt werden darf.

Die Kirche muß kompromißloser Anwalt für das Leben sein

Franziskus wendet sich noch einmal direkt an die Bischöfe, wenn er abschließend vom „nicht hoch genug einzuschätzenden Auftrag des Bischofs… für das Leben“ spricht. „Die Kirche darf nie müde werden, Anwältin des Lebens zu sein und darf keine Abstriche darin machen… Wir können hier keine Kompromisse eingehen“.DSC_0048

Keine Kompromisse? –  Als am 6. November 2015 der Deutsche Bundestag ein Gesetz beschlossen hat, wonach aktive Suizidbeihilfe durch Angehörige, Ärzte und besonders nahestehende Personen möglich ist, hat der Vorsitzende der Dt. Bischofskonferenz zusammen mit dem ZdK-Präsidenten und dem Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland „allen, die in Politik, Zivilgesellschaft, Kirchen und Religionsgemeinschaften an dieser für unser Land guten Entscheidung mitgewirkt haben“, gedankt, obwohl sich aktive Sterbehilfe gegen das fünfte Gebot, die Lehre der Kirche und gegen das, was Joh. Paul II. in „Evangelium Vitae“ ausgeführt hat, richtet.

Dies ist umso erstaunlicher, als die deutschen Bischöfe noch 2014 in ihrem Flyer „Sterben in Würde“ geschrieben haben: „Aus ethischer Sicht ist die Beihilfe zur Selbsttötung – sowohl durch Organisationen als auch durch Ärzte oder anderen nahestehenden Personen abzulehnen“.

Die Rede von Papst Franziskus an die deutschen Bischöfe anlässlich ihres Ad- Limina-Besuchs 2015 kann in ihrer Bedeutung für die Zukunft der katholischen Kirche in Deutschland nicht hoch genug eingeschätzt werden.

Die Tatsache, dass diese Ansprache in den Medien, auch in den katholischen, klein geschrieben oder übergangen wurde, darf niemand verwundern, der die Situation in Deutschland kennt.

Die Hoffnung der kirchenverbundenen Katholiken richtet sich auf die reformwilligen Bischöfe. Wenn sie den steinigen Weg der Reformen einschlagen, verdienen sie jede Unterstützung der Gläubigen. Es darf nicht erneut eine Ignoranz geben, so wie es mit den Vorschlägen zur Entweltlichung der Kirche geschehen ist, die Papst Benedikt XVI. in seiner Ansprache am 25. September 2011 in Freiburg gemacht hatte.


Viele Medien versuchen, den Abschlußbericht von Papst Franziskus vorweg zu nehmen

Von Prof. Dr. Hubert Gindert

Am Ende der römischen Bischofssynode zu Ehe und Familie gab es ein Medienecho, in dem sich Enttäuschung, ja Verärgerung ausdrückten. „Viel Lärm um nichts“ – „Die Bischofssynode zeigt, dass die katholische Kirche auf der Stelle tritt“ (Augsburger Allgemeine Zeitung vom 23.10.2015). 0000009699_3

Warum diese Verärgerung?  – Das Ergebnis der Beratungen entsprach nicht den Erwartungen der Medien zur Zulassung geschiedener Wiederverheirateter zur Kommunion, zur Aufwertung homosexueller Partnerschaften etc.  – Sätze im gleichen Artikel wie „Die Bewahrer haben sich durchgesetzt“, „Die von Franziskus und den Reformern erhofften Öffnungen auf der Synode blieben aus“, „Die katholische Kirche ist heute etwa so klug wie vor zwei Jahren“ unterstreichen diesen Frust.

BILD: Prof. Gindert leitet den jährlichen Kongreß “Freude am Glauben”

Nun liegt das angekündigte Abschlussdokument von Papst Franziskus noch nicht vor, das Aufschluss bringen wird, was z.B. „Barmherzigkeit“ oder „Dezentralisierung“ für die strittigen Fragen konkret bedeuten.

Die Spannung und die Unsicherheit sind groß  – siehe Medienüberschriften wie „Alle blicken auf Franziskus“ (AZ 22.10.15), „Alle warten auf den Papst“ – „nach der Familiensynode im Vatikan fragen sich zahlreiche Katholiken, wie es nun weitergeht: Das aber muss Franziskus entscheiden“ oder „Der Vorhang zu – und alle Fragen offen“ – „Starker Mediendruck von außen“ (Tagespost 24.10.15).

Guido Horst schreibt dazu:

„Noch unklarer ist, welcher Art der mediale Druck war, der auf der Synode lastete – und wer diesen Druck ausüben wollte. Von Anfang an konnte die Bischofsversammlung nicht unbeschwert arbeiten, sondern wurde – anscheinend nach einem genauen Zeitplan – von der internationalen Presse auf Nebengleise geführt. Auch Kardinäle, Ortsbischöfe oder interessierte Gläubige lesen säkulare Medien und erhielten ein verzerrtes Bild.“

Warum dieser Mediendruck? Es ging um die Interpretationshoheit über das Geschehen. Der Medienexperte Professor Norbert Bolz äußerte einmal: „Wenn man über Jahrzehnte die Praxis der Massenmedien beobachtet, dann weiß man… es geht… nicht so sehr um Aufklärung, sondern um Sensation… es geht um Skandale und Sensationen, um das Empörungspotential von Entscheidungen“ (vgl. Die Tagespost, 14.3.2013, S. 11).

Medien wollen Kirchenpolitik beeinflussen

Den Medien geht es aber nicht nur um Sensationen und Unterhaltung des Publikums, sondern auch um handfeste Kirchenpolitik. Denn die katholische Kirche ist das letzte Bollwerk, das einer schrankenlosen Selbstbestimmung im Wege steht. Sie soll deswegen auf das Niveau jener kirchlichen Gemeinschaften eingeebnet werden, die alles absegnen.

Deswegen warten die Medien nicht auf das Abschlussdokument des Papstes. Sie suchen es vorweg zu nehmen und den Boden für das aufzubereiten, was kommen soll. Zu diesem Zweck werden Bischöfe, Theologieprofessoren, Pfarrer und prominente Laien aufgeboten.

Kardinal Marx erklärte zur Synode: „Der Text öffnet Türen“. Was gemeint ist, hat Marx oft genug geäußert, bis hin zur Ankündigung eines nationalen Sonderwegs. Der Freiburger Theologe Eberhard Schockenhoff: „Ich bin sicher, dass der Abschlussbericht des Papstes die Deutlichkeit enthalten wird, die Manche jetzt noch vermissen“. Schockenhoff weiter: „Die Synode habe die in einigen deutschen Kirchengemeinden übliche Praxis bestätigt, wiederverheiratete Geschiedene in Einzelfällen nicht mehr von der Kommunion auszuschließen. ‚Das was sich bisher als bewährte Praxis gezeigt hat, kann gestärkt weitergehen‘“ (Konradsblatt Nr. 44/2015).

Aus der Diözese Augsburg kommen Dekan Helmut Haug zu Wort: Er hätte sich eine deutlichere Festlegung gewünscht, dass Wiederverheiratete, „die womöglich seit Jahrzehnten eine gute Ehe führen… wieder vollwertige Mitglieder der Kirche werden können“ (AZ vom 29.10.15).  –  Der Tutzinger Pfarrer Peter Brummer, der sich in der reformorientierten Priesterinitiative Augsburg engagiert, äußerte: „Ich gehe davon aus, dass eine Dezentralisierung kommen wird… wir brauchen ein offenes Gespräch… mit Menschen in unterschiedlichen Lebens- und Familiensituationen“.

Pfarrer Karl Feser, Sprecher der “Pfarrer-Initiative Deutschland” aus dem Bistum Würzburg stellt fest: „Zahlreiche Pfarrer lassen Wiederverheiratete nach Gesprächen zur Kommunion zu“. Er sei nur einer von vielen (AZ vom 29.10.15). Hildegard Schütz, die Vorsitzende des Diözesanrates im Bistum Augsburg, Leiterin einer kirchlichen Schule, spricht sich ebenfalls für die Zulassung geschiedener Wiederverheirateter zu Kommunion aus.

Von der Dezentralisierung zur Kirchenspaltung?

Kann die strapazierte „Dezentralisierung“ der Kirche in wichtigen Fragen der kirchlichen Lehre zu einer Kirchenspaltung führen? Dazu äußerte sich Professor Stephan Haering. Er hat den Lehrstuhl für Kirchenrecht an der Universität in München inne. Haering sagte in einem Interview mit der AZ (5.11.15) zur Dezentralisierung: „Den Bischofskonferenzen und Ortsbischöfen sollen spezifische Kompetenzen übertragen werden. Dazu liegen aber noch keine konkreten Ergebnisse vor im Sinne neuer kirchenrechtlicher Regelungen oder gar neuer Lehraussagen“.

Auf die Frage, ob die Deutsche Bischofskonferenz dann künftig entscheiden könne, wiederverheiratet Geschiedene zu Kommunion zuzulassen, äußerte Haering: “Der Grundsatz wird schon immer bleiben, dass das, was von der übergeordneten Rechtsinstanz geregelt ist von der untergeordneten Rechtsinstanz beachtet werden muss. In Sachen des Glaubens muss die Einheit der Kirche gewahrt werden“.

Und weiter: „Eine Aufspaltung der Kirchenlehre ist… sicher nicht möglich. Was den Bereich von Glaube und Sitte betrifft, wird die Doktrin auf jeden Fall einheitlich bleiben… ein Bischof könnte, das wäre denkbar, einzelne wiederverheiratete Geschiedene nach einer sorgfältigen Prüfung ihres Falles wieder förmlich zur Kommunion zulassen, im Rahmen der Bedingungen des geltenden apostolischen Schreibens ‚Familiaris Consortio‘“. Dieses Schreiben von Johannes Paul II. vom 25.10.1980 lässt eine solche Möglichkeit nur zu, wenn die beiden Partner „sich verpflichten, völlig enthaltsam zu leben, d.h., sich der Akte zu enthalten, welche den Eheleuten vorbehalten sind“.

Der Papst steht nicht über der kirchlichen Lehre

Artikelüberschriften wie „Alle blicken auf Franziskus“ (AZ vom 29.10.15) suggerieren bei manchen die Vorstellung, der Papst könne alles nach seinem Gusto regeln. Dem ist aber nicht so. Der Papst steht nicht über der Lehre der Kirche. Er dient ihr. Papst Franziskus hat das schon oft betont.

So müssen wir noch einmal fragen, was würde es bedeuten, wenn eine gültig geschlossene Ehe nicht mehr als solche gelten würde und geschiedene Wiederverheiratete zur Kommunion zugelassen würden? Der Philosoph Robert Spaemann sagt in der Schrift „Ehescheidung und Kommunion“, erschienen im Gringnion-Verlag: „Was nun die eheliche Gemeinschaft betrifft, so ist die katholische Kirche die einzige Institution der Welt, die das vor Gott gegebene Versprechen ernst nimmt… dazu gehört eine Einstellung zum Leben, die die Bereitschaft zum Opfer einschließt. (S.6)“.

Spaemann fragt: „Ist die Kirche im Begriff zu kapitulieren?“ (S.8). „Die zur Zeit in der katholischen Kirche diskutierte Frage ist: Kann der geschieden Wiederverheiratete zur heiligen Kommunion zugelassen werden?  – und: Kann die Kirche für das neue Paar einen Segnungsgottesdienst einführen?… Es würde bedeuten, dass der Standesbeamte eine schwere Sünde – den außerehelichen Beischlaf – in eine Gott gefällige Handlung verwandelt, auf die ein Priester den Segen Gottes herabrufen darf (S.10)

Nun möchten die Promotoren der Vergebung als Bedingung der eucharistischen Gemeinschaft Schuldbekenntnis und Reue verlangen, nicht aber das Einzige, was Bekenntnis und Reue glaubwürdig macht, die Beendigung des ehebrecherischen Verhältnisses (S.11)… Der Ehebrecher möchte gerne wieder zur Kommunion. Er ist bereit, ein Schuldbekenntnis abzulegen, nicht aber den Preis zu zahlen: künftige Enthaltsamkeit“ (S.15)

Vor allem Kinder tragen die Last einer Scheidung

Es wird auch geltend gemacht, dass in zweiten Beziehungen auch sittliche Werte verwirklicht werden. Was ist die Treue zum Komplizen im Ehebruch wert, wenn jeder Akt der Treue zugleich ein Akt der Untreue gegen den rechtmäßigen Ehepartner ist? – Auch in der Mafia werden Haltungen und Handlungsweisen hochgehalten, die für sich genommen Tugenden wären, z.B. Treue, Zuverlässigkeit, Einstehen für den Anderen, interne Gerechtigkeit, Mut (S.18)

Wer das Anomale, das Unnatürliche der Scheidung und Wiederverheiratung am unmittelbarsten erlebt, sind die Kinder. Von ihnen sollte deshalb eigentlich vor allem die Rede sein… und sie sind auch bei Scheidungen die Haupttragenden. Aber auch der verlassene Teil scheint, wo es um diese Fragen geht, viel weniger der Aufmerksamkeit wert als der ‚Täter‘“ (S.20).

Die oft gehörte Behauptung, dass geschiedene Wiederverheiratete wegen ihrer Sünde nicht mehr Mitglied der kirchlichen Gemeinschaft wären, stimmt nicht. Wäre dem so, dann wären alle ausgeschlossen, weil alle Sünder sind. Worum es tatsächlich bei der Synode ging, war, um es mit Robert Spaemann zu sagen, „dass die Schönheit der Botschaft des Evangeliums erneut zum Leuchten gebracht wird“.

Unser Autor, Prof. Dr. Hubert Gindert, ist Herausgeber der kath. Zeitschrift DER FELS und Leiter des Dachverbands “Forum Deutscher Katholiken”


Kardinal Kasper stößt Debatte um Kommunion für geschieden Wiederverheiratete erneut an

Mathias von Gersdorff

Wie zu erwarten war, gab es in der vergangenen Woche viele Stellungnahmen und Kommentare zur Familiensynode, die am 25. Oktober 2015 endete. Die meisten beschäftigten sich mit dem Schlussbericht, der “Relatio finalis”, die am 24. Oktober der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde. Foto T. Schirrmacher

Die größte Aufmerksamkeit erhielten die Paragraphen 84, 85 und 86. In diesen geht es um die „wiederverheirateten Geschiedenen“, wohl das wichtigste Reizthema vor und während der Synode.

In der Diskussion um diese Paragraphen geht es vor allem um die Frage, ob laut Schlussbericht die wiederverheirateten Geschiedenen in gewissen Fällen die Kommunion empfangen dürfen. Die „Relatio finalis“ ist wohlgemerkt kein lehramtliches Dokument mit irgendeiner Verbindlichkeit.

Der Bericht ist lediglich ein Schreiben mit Empfehlungen an den Papst. Dieser kann den Text in der Art und Weise verwenden, wie er es für richtig hält.

BILD: Die Kardinäle Gerhard Müller und Walter Kasper im Gespräch (Foto: Dr. Thomas Schirrmacher)

Die Stellungnahmen zu den umstrittenen Paragraphen 84, 85 und 86 fielen recht unterschiedlich aus. 

Kardinal George Pell meinte in einem Interview mit dem Vatikanisten Edward Pentin, aus dem Schlussbericht ließe sich keine Zulassung der wiederverheirateten Geschiedenen zum Tisch des HERRN ableiten. Das Dokument müsse im Rahmen der katholischen Ehe- und Sexuallehre gelesen werden, weshalb die Kommunion für diese Fälle ausgeschlossen ist. 

Kardinal Raymond Leo Burke dagegen meinte, der Text sei undeutlich und sogar missverständlich. Insbesondere was die Unauflöslichkeit der Ehe betrifft, also ein wesentliches Element der katholischen Lehre, sei das Dokument defizitär.

Die Delegierten der Deutschen Bischofskonferenzen, Kardinal Marx, Erzbischof Koch und Bischof Bode, äußerten sich in eher vorsichtiger Form. Sie sagten, die Tür für die Kommunion für die wiederverheirateten Geschiedenen sei durch die Synode nicht völlig geschlossen worden.

Die Stellungnahmen bewegen sich im Allgemeinen zwischen diesen drei Positionen. 

Inmitten dieser Debatte gibt der deutsche Kardinal Walter Kasper – seit bald zwei Jahren die Ikone des Progressismus in dieser theologischen Auseinandersetzung – eine Stellungnahme ab, die aufhorchen lässt:

„(Die Synode) öffnete sozusagen die Tür für die Zulassung in Einzelfällen der wiederverheiratet Geschiedenen zu den Sakramenten; sie durchschreitet diese Tür jedoch nicht“. (Rede zum 75. Geburtstag von Bischoff Mussinghoff)

Unwillkürlich stellt man sich die Frage, wieso diese Tür offen ist und wieso man sie nicht durchschreiten darf?

Falls der deutsche Kardinal es ernst meinte, ist die einzig mögliche Antwort auf diese Frage: Der Schlussbericht verlegt die Entscheidung über die Zulassung zur Kommunion ins “forum internum”, also ins Gespräch des Betroffenen mit dem Beichtvater. Der objektive Zustand (also die Tatsache, dass man nach der Scheidung wieder geheiratet hat), erscheint nebensächlich.

Was Kaspers Intention betrifft, so kann seine Stellungnahme als Einladung an die progressistischen Theologen gedeutet werden, aktiv zu werden. Sie sollen nun in die Debatte einsteigen und diese Interpretation der “Relatio finalis” argumentativ verteidigen. 

Quelle und vollständiger Text des Artikels hier: http://mathias-von-gersdorff.blogspot.de/2015/11/kardinal-kasper-stot-debatte-um.html

 


Warum sich die Medien kaum für das eigentliche Synodenthema interessieren

Von Prof. Dr. Hubert Gindert

Papst Benedikt XVI. hat in seinem Abschiedsgespräch mit den Priestern der Diözese Rom u.a. über seine Erfahrungen mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil und dem Unterschied des Konzilsablaufs in der Aula und dem, was die Medien daraus gemacht haben, gesprochen. Ähnliches kann man über die Bischofssynode 2014 und 2015 berichten. 0000009699_3

Die Medien versuchten die Deutungshoheit über die Synode zu erringen, um ihre kirchenpolitischen Ziele zu erreichen. Die restriktive Informationspolitik in der zweiten Sitzungsperiode erschwerte das sichtlich.

Das Synodenthema „Berufung und Sendung der Familie in Kirche und Welt von heute“ ist bedeutsam für eine humane Zukunft der Menschen; es gäbe Stoff für eine Fülle von Artikeln.

BILD: Unser Autor, Prof. Dr. H. Gindert, organisiert jährlich den Kongreß “Freude am Glauben”

Was die Medienvertreter aus Deutschland primär interessierte, waren die Gleichsetzung homosexueller Partnerschaften mit der Ehe und der Kommunionempfang geschiedener Wiederverheirateter. Schwester Lucia von den Fatima-Seherkindern hat einmal gegenüber Kardinal Caffara von Bologna geäußert: „Der Endkampf wird um die Familie gehen“.

Das Synodenthema selber interessierte die Medien kaum. Worum es bei der Frage im Kern geht, nämlich um das Wort Christi „Was Gott verbunden hat, darf der Mensch nicht trennen“, wurde vernebelt.

Die Ehelehre der katholischen Kirche wurde zur „gegenwärtigen Disziplin“ bzw. zur „Doktrin“ heruntergemacht. Jene, die sich für das Wort Gottes einsetzen, wurden als „konservative-traditionalistische Bewahrer“ apostrophiert, die im Gegensatz zu den Reformen standen, die der Kirche ein „menschenfreundlicheres Antlitz verpassen“ wollten. 0018

Da war es gut, dass sich Bischöfe von Osteuropa und insbesondere aus Afrika Belehrungen von einigen stromlinienförmig angepassten Bischöfen an den Zeitgeist mit einer desolaten pastoralen Situation in ihren Diözesen bereits im Vorfeld der Synode verbaten.

Ein aufschlussreiches Wort der „Reformer“ war u.a. „Was soll eine Synode bewirken, die das wiederholt, was bisher immer schon gesagt wurde“. Vielleicht sollten diese Herren einmal darüber nachdenken, dass die 10 Gebote seit den Zeiten Moses oder das Vater-Unser seit Jesus Christus immer wieder neu gesprochen und überdacht wird.

Die Strategie der Medien beackerte in der öffentlichen Meinung einen gut bestellten Boden. Der Bildungsstand über die christliche Ehe ist aufgrund des vielfachen Versagens in der Weitergabe des Glaubens in Elternhaus, Religionsunterricht, Predigt und Katechese so parterre, dass die Medien durchaus auf Resonanz stießen.

Die „Herde“ ist in diesem Sinne gut konditioniert. Und die Medien verstehen sich auf ihr Handwerk. Zu Wort kommen jene, die ihre Ziele vertreten.

Ein Beispiel: Zur Familiensynode wurden auch Ehepaare eingeladen. In den Medien kamen die angepassten zu Wort. So wurde ein deutsches Ehepaar als „bodenständige Berater der Bischöfe“ vorgestellt, die „Tacheles gerade über Sexualität“ redeten. (Augsburger Allgemeine Zeitung, AZ vom 22.10.15) abtei-ettal-startseite_01

Es waren jene, die, wie der Verfasser meinte, „in den zölibatären Klerikerkreisen den Praxis-Check einspeisten“. Er Professor für Moraltheologie, sie Gymnasiallehrerin. Ihr Statement: „Wiederverheiratete geschiedene Christen dürften nicht von ihrem Versagen her betrachtet werden. Dies drohe nämlich den Blick für die ‚großen Potentiale kirchlicher Versöhnung und sittlicher Verantwortung‘ zu verstellen“.

Es wäre interessant, was auf so gestelzte Phrasen ein katholischer Denker wie Robert Spaemann in seiner klaren Diktion antworten würde. Aber solche Katholiken werden wohlweislich nicht befragt. Der Verfasser des Artikels meint, er könne das Gewicht des „bodenständigen“ Synodenberaters verstärken, wenn er ihn als ehemaligen Geschäftsführer der bischöflichen Studienförderung Cusanus-Werk und als Generalsekretär von „Missio“ Aachen mit Erfahrungen von der Würzburger Synode (1972 bis 1975) präsentierte.

Vom Cusanus-Werk ist bekannt, dass es auch von Annette Schavan geleitet wurde und Oskar Lafontaine zu seinen renommierten Schülern zählte. Von „Missio“ Aachen weiß man, dass sie viel für Entwicklungshilfe tut. Die Beschlüsse der Würzburger Synode wurden, wohl nicht ohne Grund, von Rom nie anerkannt.

Die römische Bischofssynode nahm nicht den von vielen Medien erhofften Verlauf. Bezeichnend ist die Überschrift über einen Artikel der Augsburger Zeitung vom 22.10.15 mit „Viel Lärm um nichts“. Es heißt: „Die Bischofssynode zeigt, dass die katholische Kirche auf der Stelle tritt…“. christus

Der Ärger des Verfassers ist spürbar: „Die am Sonntag zu Ende gehende Synode als Beratungsgremium sollte das Forum für diesen Wandel sein. Der Plan ging nicht auf. Die Bewahrer haben sich durchgesetzt… Die Kluft zwischen Wirklichkeit und Lehramt wurde offenbar… Die von Franziskus und den Reformern erhofften Öffnungen blieben jedoch aus…

Dass einige Diskussionsgruppen nun die Berufung einer Kommission zur Klärung dieser Frage oder gar ein ökumenisches Konzil vorschlagen, zeigt, dass die Kirche auf der Stelle tritt. Weniger der offizielle Titel der Synode ‚Berufung und Sendung der Familie in Kirche und Welt von heute‘ wäre ein passendes Motto für die Versammlung gewesen, sondern ‚viel Lärm um nichts‘. Die katholische Kirche ist heute etwa so klug wie vor zwei Jahren“.

Der Autor versucht nun zu retten, was nicht zu retten ist. Er versucht, den Papst zu instrumentalisieren und schreibt:

„Franziskus’s Ziel war es, einen Prozess anzustoßen, an dessen Ende die katholische Kirche in einem anderen Licht erscheint… Man darf aber den Papst nicht unterschätzen. Franziskus lässt sich auch durch Widerstände nicht beirren. Außerdem verfügt der Papst über ein Instrument, das… als ‚Big Bazooka‘ bezeichnet wird, also als durchschlagende Waffe… Die Bazooka des Papstes heißt Dezentralisierung“.

Die Dezentralisierung bringt der Artikelschreiber dann in Verbindung mit Homosexualität und wiederverheiratete Geschiedene. Nun sind beide Fragen in der katholischen Kirche für die gesamte Weltkirche klar geregelt, so dass sie nicht in der Ortskirche A freihändig anders gehandhabt werden können als in der Ortskirche B. Die „durchschlagende Waffe Bazooka“ erinnert ein wenig an die im Führerbunker versprochenen Wunderwaffen von 1945. Das Ende ist bekannt.

Unser Autor Prof. Dr. Hubert Gindert leitet den Dachverband “Forum Deutscher Katholiken” und die Monatszeitschrift DER FELS


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