Der neue Kinofilm über Papst Benedikt erweist sich als vertane Chance

Von Dr. David Berger

Kürzlich hatte ein neuer Film über Papst Benedikt XVI, der unter dem Titel „Verteidiger des Glaubens“ Ende des Monats in die Kinos kommt, in Berlin seine Kimopremiere.  Leider schreibt er nur die üblichen Stereotype fort, reduziert das Pontifikat weitgehend auf den Missbrauchsskandal und erweist sich am Ende als einzige vertane Chance.

Als Ehrengast mit geladen war auch der Präsident des umstrittenen Zentralkomitees der Katholiken, Sternberg, der in der anschließenden Diskussion in seiner Begeisterung für den Film überhaupt nicht zu bremsen war.

Der Film ist zwar frei von heftigen Provokationen, scheint wie gemacht für das Ü-60-Publikum des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, der den Film finanziell gefördert hat. Erregungsgefahr geht von ihm weder in die eine noch in die andere Richtung aus.

Er gibt im Grund genommen nur – freilich mit teilweise sehr interessanten Archivbildern – wieder, was in den deutschen Mainstreammedien seit 2010 über Benedikt XVI. zu lesen war. Und so verwundert es auch nicht, dass hier wie dort fast ausschließlich Menschen zu Wort kommen, die Ratzinger bzw. Papst Benedikt und die Kirche, für die er steht, weich bis hart kritisieren.

Ein Ausnahme macht hier ein Interview mit Msgr. Gänswein, der in dem Film immer mal wieder mit einem klugen Statement auftaucht.

Auch dass der Blick auf das ganze Pontifikat vom Missbrauchsskandal geprägt ist, dürfte für die Leser von taz und „Zeit“ kaum verwunderlich sein.

Oder um die Botschaft des Filmes kurz zusammenfassen: Papst Benedikt steht für die vor-konziliare Kirche der Ordnung, die aber zugleich unmenschlich war und nur mit der Angst vor der Hölle arbeitete. Anfangs sei er ganz vernünftig gewesen, bis er aus lauter Schock über die Studentenunruhen in den 68-er Jahren eine komplette Kehrtwende gemacht habe und zum erzkonservativen Inquisitor und dann später zum tragischen Papst geworden sei.

Wenn es eine Sache gibt, die man dem Film nicht vorwerfen kann, dann ist es übergroße Differenziertheit und das Wahrnehmen von Grautönen.

Denn diese vor-konziliare Konzeption von Kirche mit ihrem Bild des Priesters sei die Hauptschuldige für das Verbrechen des Missbrauchs von schutzbefohlenen Kindern und Jugendlichen.

Am Ende entsteht das Bild eines Papstes, der wider Willen enorme Schuld am Missbrauch tausender Kinde rund Jugendlicher in der katholischen Kirche hat.

Wie falsch das angesichts der rabiaten und enorm mutigen Maßnahmen Papst Benedikts XVI. gegen Pater Marcial Maciel (Legionäre Christi) ist, zu denen sich sein Vorgänger nicht durchringen konnte, wurde nirgends deutlich.

Insgesamt hatte man den Eindruck, dass hier Insiderwissen, besonders theologisch fundiertes, praktisch nicht vorhanden ist.

So entstand am Ende der Eindruck einer großen verpassten Chance: Finanzielle Mittel, tolle Archivmaterialen, ein spannendes Thema, zu dem wir bislang nur mit von Vorurteilen gegen die Tradition der Catholica gesättigten Berichten gefüttert wurden. Daraus hätte ein epochaler Film entstehen können.

Stattdessen: eine Neuauflage all dessen, was wir ohnehin schon wissen, aufgehübscht mit schönen Bildern und eingängigen Melodien, die aber auch mit der Person Benedikts (dem „Mozart unter den Theologen“) nichts zu tun haben. Schade!

Den vollständigen Beitrag von Dr. Berger lesen sie hier auf seiner PP-Seite: https://philosophia-perennis.com/2019/10/16/vertane-chance-zur-kinopremiere-des-neuen-films-ueber-papst-benedikt-xvi/


„Das Herz spricht zum Herzen“: John Henry Newman und sein Kardinalswappenspruch

„Ist Newman nicht ein Augustinus der Neuzeit?“

Kardinal Fernando Filoni, Präfekt der Kongregation für die Evangelisierung der Völker, erklärte beim außerordentlichen Akademischen Akt zu Ehren des seligen John Henry Newman am 11. Oktober zwei Tage vor dessen Heiligsprechung am heutigen Sonntag (13.10):

„John Henry Newman, wählte, als er 1879 –  ein Jahr vor seinem Tod  –  von Papst Leo XIII. in den Kardinalsstand erhoben wurde, als Motto für sein Kardinalswappen das Wort ‚Cor ad cor loquitur‘ (das Herz spricht zum Herzen), das an den heiligen Kirchenvater Augustinus erinnert und seinen Weg der intellektuellen und spirituellen Suche zusammenfasst.“

Kardinal Filoni sagte weiter:

„Nachdem Newman die theologischen Studien an der Universität der Kongregation „Propaganda Fide“ abgeschlossen hatte und am 30. Mai 1847 zum Priester geweiht worden war, kehrte er nach England zurück, wo er 1848 in Birmingham das nach dem hl. Filipp Neri benannte englische Oratorium gründete.

Damit schlug er ein neues Kapitel der Bildungsarbeit und der pastoralen Tätigkeit auf. Auf Einladung von Erzbischof Cullen gründete er die erste katholische Universität in Irland und war von 1851 bis 1856 deren erster Rektor.“

In den folgenden Jahren sei Newman erstmals auf das Unverständnis mancher katholischer Amtsträger im Hinblick seiner Vorstellungen vom „consensus fidelium“ (Glaubens-Übereinstimmung) als integralem Bestandteil der kirchlichen Unfehlbarkeit in Glaubensfragen gestoßen. Später –  nach dem Ersten Vatikanischen Konzil – habe er eine gewisse Feindseligkeit der anglikanischen Kirche gegen ihn erlebt.

Der Kardinal erinnerte auch an „die tiefgreifenden Zeichen“ der „gegenseitigen Erleuchtung“: die wichtige Rolle der Laien in allen Ausdrucksformen des Lebens und in der Sendung der Kirche; die ökumenische Spannung als ständige Herausforderung der Christen; der Primat des persönlichen Gewissens und die fruchtbare Beziehung zwischen Glaube und Vernunft und damit zwischen der Offenbarung und der modernen Wissenschaft.

„Ist dies nicht ein Augustinus der Neuzeit?“, fragte Kardinal Filoni die Anwesenden.

Quelle: Vatikanischer Fidesdienst

Artikel über Newmann und Maria: https://charismatismus.wordpress.com/2019/10/12/kardinal-newmann-und-die-marienverehrung/


KNA-Chef: Die Bischofsmehrheit hat sich nicht vom Vatikan „provozieren“ lassen

Von Felizitas Küble

Am 26. September veröffentlichte das kirchenamtliche Kölner „Domradio“ in seiner Online-Ausgabe einen ausführlichen Kommentar von Ludwig Ring-Eifel, dem Chefredakteur der offiziösen KNA (Katholischen Nachrichtenagentur).

Unter dem etwas verwunderlichen Titel „Kritik aus Rom hat die Bischöfe inspiriert“ fragt sich der Leser, worin denn diese „Inspiration“ besteht, nachdem die Deutsche Bischofskonferenz mit großer Mehrheit beschlossen hat, ihren „Synodalen Prozess“ munter fortzuführen, obwohl aus dem Vatikan ein deutliches Stoppschild für den bisherigen Kurs eingereicht wurde.

Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen stellt sich heraus, was Ring-Eifel damit wirklich meint, denn er schreibt:

„Die Bischöfe brachten in Fulda das Kunststück fertig, sich von den unterschiedlichen Mahnungen aus Rom weder provozieren noch entmutigen zu lassen.“

Der Brief des Papstes und die kritischen Einwände zweier Dikasterien des Vatikan werden hier kurzerhand als „Provokation“ bewertet, die man gleichsam links bzw. rechts liegenließ.

Rund 12 Gegenstimmen zum Statut des „Synodalen Weges“

Zudem waren es keineswegs „die“ Bischöfe, die sich von Rom in ihrem  Reformeifer nicht bremsen lassen wollen, denn in der weiteren Folge seines Artikels räumt der Autor ein, es habe bei der Abstimmung zur Satzung des Synodalen Wegs „etwa ein Dutzend Gegenstimmen“ gegeben. Über mögliche Enthaltungen schweigt er sich aus.
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Rund 12 Gegenstimmen sind bei 64 anwesenden Bischöfen und Weihbischöfen immerhin fast 20% – das ist eine beachtliche Minderheit.
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Bei der Abstimmung zum „Synodalen Prozess“ im Frühjahr gab es lediglich fünf Enthaltungen. Folglich hat sich die Schar der theologisch konservativen Kritiker massiv erhöht – und dies sogar angesichts der Tatsache, daß das endgültige Statut in einigen Punkten gemäßigter als der vorherige Entwurf ausgefallen ist.
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Zwei katholische Würdenträger haben sich öffentlich zu ihrem NEIN bekannt, nämlich Kardinal Woelki (Köln) und Bischof Voderholzer (Regensburg). Der Regensburger Oberhirte (siehe Foto) hat seine Entscheidung mit einer sehr entschiedenen und fundierten Erklärung begründet: https://charismatismus.wordpress.com/2019/09/26/persoenliche-erklaerung-von-bischof-dr-rudolf-voderholzer-zum-synodalen-prozess/
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Sodann beschreibt Ring-Eifel, das skeptische Schreiben des päpstlichen Nuntius sei zwar in der Bischofskonferenz ausführlich debattiert, aber teils „entschieden zurückgewiesen“ worden:
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„Erzbischof Nikola Eterovic hatte die Bischöfe u.a. gemahnt, keinen nationalen Sonderweg einzuschlagen, der zu einer Abtrennung von der Weltkirche führen könnte. Dies wurde von nicht wenigen Bischöfen als Unterstellung empfunden und entschieden zurückgewiesen.“
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So läuft das also bei „nicht wenigen“ Bischöfen: Kritische Worte aus Rom werden schlicht als „Unterstellung empfunden“, als handle es sich dabei um haltlose Besorgnisse, die man einfach vom Tisch fegt.
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Gerade diese „lässige“ Reaktion ist ein weiterer Beleg dafür, wie berechtigt das vatikanische Stirnrunzeln über kirchliche „Sonderwege“ in Deutschland tatsächlich ist.
Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt

Erzbischof Eterović an die deutschen Bischöfe: Die „billige Gnade“ ist der Todfeind der Kirche

Der Apostolische Nuntius in Deutschland, Erzbischof Nikola Eterovic, richtet sich mit einem aufschlußreichen Grußwort an die deutschen Bischöfe anläßlich ihrer Herbst-Vollversammlung am 23. September in Fulda.

Der Vertreter des Papstes in Deutschland beginnt sein aufrüttelndes Schreiben mit dem Missionsbefehl Christi an seine Apostel (vgl. Mt. 28,18), der einen Tauf-Auftrag enthält und dazu die Aufforderung: „…lehret sie [die Völker], alles zu befolgen, was ich euch geboten habe“.

Daher befaßt sich das Schreiben des vatikanischen Botschafters vor allem mit dem Auftrag der Kirche zum Apostolat bzw. zur Evangelisierung, die Papst Franziskus in den Mittelpunkt seines Pontifikats stelle.

Er erinnert hierbei an das Schreiben des Papstes von 29. Juni 2019 an das pilgernde Volk Gottes in Deutschland.

Der Erzbischof betont:

„Das Schreiben des Heiligen Vaters verdient besondere Aufmerksamkeit. Es ist tatsächlich das erste Mal nach der Enzyklika Pius‘ XI. Mit brennender Sorge, dass der Papst den Gliedern der katholischen Kirche in Deutschland ein eigenes Schreiben widmet.“

Zum „Synodalen Weg“ der Kirche in Deutschland erläutert der Nuntius, dieser dürfe keineswegs auf eine Anpassung an den Zeitgeist oder eine Demokratisierung der Kirche hinauslaufen.

Er zitiert aus einer päpstlichen Ansprache an griechich-katholische Bischöfe vom 2. September 2019, worin es heißt, es gäbe eine Gefahr, zu glauben, Synodalität „würde bedeuten, eine Meinungsumfrage zu machen…, um dann zusammen zu kommen und einen Beschluss zu fassen.“

Franziskus stellt klar:

„Nein, die Synode ist kein Parlament! Man muss die Dinge beim Namen nennen und sie diskutieren, wie man es gewöhnlich tut, aber sie ist kein Parlament. Bei einer Synode einigt man sich nicht wie in der Politik…. Synode ist keine soziologische Erhebung, wie mancher glaubt: Wir schauen mal und lassen eine Gruppe von Laien eine Umfrage machen, ob wir das, das, das ändern müssen…

Ihr müsst natürlich wissen, was eure Laien denken, aber das ist keine Befragung, es ist etwas Anderes…. Wenn der Heilige Geist nicht gegenwärtig ist, gibt es keine Synodalität.“

Der Nuntius betont, das Ziel eines Synodalen Weges müsse die Evangelisierung sein, also die Erfüllung des Missionsbefehls Christi.

Zudem sollen sich die Bischöfe nicht von der Gesamtkirche absondern, heißt es weiter – mit Hinweis auf eine Aussage von Papst Franziskus in seinem Schreiben an die Kirche in Deutschland:

„Für die Wirksamkeit der Evangelisierung ist die Einheit zwischen Universalkirche und Teilkirchen wesentlich... Die Weltkirche lebt in und aus den Teilkirchen, so wie die Teilkirchen in und aus der Weltkirche leben und erblühen; falls sie von der Weltkirche getrennt wären, würden sie sich schwächen, verderben und sterben. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, die Gemeinschaft mit dem ganzen Leib der Kirche immer lebendig und wirksam zu erhalten.“

Sodann verweist der Erzbischof an folgende Ermahnung des hl. Paulus:

„Gleicht euch nicht dieser Welt an, sondern lasst euch verwandeln durch die Erneuerung des Denkens, damit ihr prüfen und erkennen könnt, was der Wille Gottes ist: das Gute, Wohlgefällige und Vollkommene“ (Röm 12,2).

Die Verkündigung dürfe aber keineswegs, so der Nuntius, auf eine „billige Gnade“ reduziert werden.

Er zitiert den evangelischen Theologen und Märtyrer Dietrich Bonhoeffer (1906 – 1945),  der von der Suche nach der „teuren Gnade“ sprach und 1937 schrieb: „Billige Gnade ist der Todfeind unserer Kirche. Unser Kampf geht heute um die teure Gnade.“

Quelle für die Zitate: https://de.catholicnewsagency.com/story/dokumentiert-der-wortlaut-des-schreibens-von-nuntius-eterovic-an-die-deutschen-bischofe-5093


Papst gegen Beihilfe zum Suizid/Selbstmord: Ärzte dürfen keine Vollstrecker des Todes sein

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Mit deutlichen Worten hat Papst Franziskus ärztliche Beihilfe zur Selbsttötung von Schwerkranken verurteilt. Kein Arzt dürfe sich zum „Ausführer eines nicht existenten Rechts“ aufschwingen.

Das sagte er am Freitag zu italienischen Chirurgen im Vatikan:

„Die Medizin ist von ihrem Wesen her Dienst am menschlichen Leben. Ärzte brauchen neben ihrer technisch-beruflichen Kompetenz einen Wertekodex, mit dem sie den Sinn einer Krankheit und ihrer eigenen Arbeit einordnen und aus jedem klinischen Fall eine menschliche Begegnung machen können.“

Gerade bei schweren Krankheiten müssten Patienten „bewusst, mit Intelligenz und Herz“ begleitet werden.

„Mit dieser Einstellung kann man die Versuchung zurückweisen, zu der auch Änderungen der Rechtslage beitragen: dass man nämlich die Medizin nutzt, indem man den möglichen Todeswunsch des Kranken ausführt oder dazu Beihilfe leistet. Das sind voreilige Lösungen für Fragen, bei denen es – anders als man denken könnte – nicht um die Freiheit der Person geht, oder ein falsches Mitleid…

Es gibt kein Recht, über das eigene Leben verfügen; kein Arzt kann sich also zum Ausführer eines nicht existenten Rechts machen.“

Der Papst zitierte auch seinen Vorgänger, nämlich Johannes Paul II. Dieser hatte 1995 in seiner Enzyklika „Evangelium Vitae“ geschrieben:

„In dem heutigen kulturellen und sozialen Umfeld, in dem die Wissenschaft und die ärztliche Kunst Gefahr laufen, die ihnen eigene ethische Dimension zu verlieren, können sie bisweilen stark versucht sein, zu Urhebern der Manipulation des Lebens oder gar zu Todesvollstreckern zu werden.

Angesichts dieser Versuchung ist ihre Verantwortung heute enorm gewachsen und findet ihre tiefste Inspiration und stärkste Stütze gerade in der dem Ärzteberuf innewohnenden, unumgänglichen ethischen Dimension, wie schon der alte und immer noch aktuelle hippokratische Eid erkannte, demgemäß von jedem Arzt verlangt wird, sich zur absoluten Achtung vor dem menschlichen Leben und seiner Heiligkeit zu verpflichten.“

Quelle: https://www.vaticannews.va/de/papst/news/2019-09/papst-franziskus-arzt-beihilfe-suizid-gesundheit-euthanasie-medi.html


Vatikan: Wachsende Sorge um deutsche Spaltungstendenzen in der Kirche

Von Felizitas Küble

In der Online-Ausgabe der Herder-Korrespondenz vom 18.9.2019 berichtet Lucas Wiegelmann, der frühere Feuilleton-Redakteur der WELT, über das Zustandekommen des Papstbriefes vom 29. Juni 2019 an Bischöfe, Kleriker und Kirchenvolk („an das pilgernde Volk Gottes“) in Deutschland.
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Der Redakteur –  er ist heute als Vatikan-Reporter der Herder-Korrespondenz tätig  – schildert zugleich die tiefe Sorge im Vatikan über ein zunehmendes Abdriften vieler deutscher Bischöfe von der universalen Weltkirche und ihrem Lehramt.
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In Rom ist man offenbar beunruhigt über Spaltungstendenzen in Deutschland –  die es nicht erst heute gibt, die sich aber gleichwohl in einem wachsenden Tempo vollziehen.
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Nach dem Erscheinen des Papst-Schreibens waren die Auslegungen recht verschieden, was mit dem diplomatischen Stil des Briefes zusammenhängen mag. Doch eines war klar: Der Pontifex betonte die Notwendigkeit der Evangelisierung, die wichtiger sei als „strukturelle Reformen“. 
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Zudem appellierte das Oberhaupt der Katholischen Kirche in wohlgesetzten Worten, aber gleichwohl eindringlich an die Gläubigen hierzulande, die Einheit mit Rom und der universalen Kirche zu bewahren.
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Vatikan-Korrespondenz Wiegelmann erwähnt „wachsenden römische Allergien“ und erläutert, wie nicht zuletzt die Berichte des Apostolischen Nuntius in Berlin (Erzbischof Nikola Eterović) den Papst zu seinem ungewöhnlichen Schritt veranlaßt haben; bei der Abfassung seines Schreibens ließ er sich offenbar vom deutschen Kurienkardinal Walter Kasper beraten.
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Die Herder-Korrespondenz zitiert Kasper dazu folgendermaßen: „Ohne Erneuerung aus dem Glauben gehen alle noch so gut gemeinten strukturellen Reformen ins Leere.“  – Daher habe der Papst  in der Tradition seiner Vorgänger die „Evangelisierung“ in den Mittelpunkt seiner Überlegungen gestellt.
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Aber auch die römische Glaubens-Kongregation sowie weitere Dikasterien waren als Impulsgeber am päpstlichen Mahnschreiben beteiligt. Dabei soll es zu einem Geheimtreffen der Spitzenpräfekten gekommen sein, „auf dem es nur einen einzigen Tagesordnungspunkt gab: die Sorge über die Situation der Kirche in Deutschland.“
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Wiegelmann schreibt weiter, die deutschen Bischöfe seien über den Brandbrief aus Rom „einhellig überrascht worden“, nicht zuletzt Kardinal Marx.  Er fügt hinzu: „Der Brief ist das Ergebnis eines langen Nachdenkens innerhalb der Kurie, wie man die Deutschen am besten wieder auf die Einheit mit Rom verpflichten könnte.“
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Doch in Rom sei man enttäuscht darüber gewesen, wie die meisten Bischöfe in Deutschland darauf reagierten. Statt zur Besinnung zu kommen, habe man gleichsam ungerührt das Motto „Weiter so!“ ausgegeben.
Vor allem Kardinal Marx stellte sich blauäugig und erklärte allen Ernstes: „Wir danken dem Heiligen Vater für seine orientierenden und ermutigenden Worte und sehen uns als Bischöfe und Laienvertreter eingeladen, den angestoßenen Prozess in diesem Sinn weiter zu gehen.“
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Damit war klar, daß der päpstliche Vorstoß nicht sein Ziel erreicht hatte. Genau deshalb kam es nun zu einem noch deutlicheren Rippenstoß aus dem Vatikan durch die Bischofs-Kongregation und den Päpstliches Rates für Kirchenrecht bzw. Gesetzestexte.
Dabei versteht sich am Rande, daß ein solch bedeutender Schritt in enger Abstimmung mit dem Papst erfolgte.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt

Quelle für die Zitate: https://www.herder.de/hk/kirche/so-entstand-das-schreiben-von-papst-franziskus-an-die-deutschen-das-briefgeheimnis/


Vatikan weist synodalen Sonderweg von DBK und ZdK energisch in die Schranken

Von Felizitas Küble

Bekanntlich hat die DBK (Deutsche Bischofskonferenz) unter Leitung von Kardinal Reinhard Marx unlängst mehrheitlich beschlossen, gemeinsam mit dem ZdK (Zentralkomitee der deutschen Katholiken) einen zweijährigen „´Synodalen Prozess“ in Gang zu setzen, an dessen Ende eine Versammlung stehen soll, die verbindliche Beschlüsse zu fassen gedenkt.

Damit wäre diese Synode aber in Wirklichkeit ein Partikular-Konzil, das wiederum päpstlicher Zustimmung bedarf – und zwar nicht erst im nachhinein, sondern schon vorweg für seine Einberufung als solche.

Wohl um dieses „Handikap“ zu verschleiern, wurde der sanftere Ausdruck „Synode“ gewählt, die aber – wegen der angestrebten Verbindlichkeit ihrer Beschlüsse – sehr wohl einem (Partikular-)Konzil gleichkäme.

Das Drängen in Richtung eines deutsch-kirchlichen „Konzils“ ging natürlich vom ZdK aus, das sich nicht mit Absichtserklärungen zufriedenstellen wollte – und daher nur dann bereit war, in den „Prozess“ einbezogen zu werden, wenn verbindliche Entscheidungen für die Kirche in Deutschland getroffen werden.

Ginge es „nur“ um spezielle deutsche Anliegen der Seelsorge oder Kirchenverwaltung, wäre die Vorgangsweise schon erstaunlich genug, denn die Bischöfe sollen bei der kommenden „Synode“ ebenso viele Stimmen erhalten wie die Vertreter des ZdK, also einer selbsternannten und überdies sehr progressiven Laienvertretung (die aber nicht vom Kirchenvolk gewählt wird). Somit stände das ZdK mit den deutschen Bischöfen auf gleicher Augenhöhe.

Man fragt sich, wozu es dann eigentlich noch des bischöflichen Lehramtes bedarf? Oder wird dieses neuerdings auch von ZdK-Funktionären ausgeübt?

Aber noch viel hanebüchener ist die Tatsache, daß sich der „Synodale Weg“  – der nichts anderes als ein Irrweg ist – mit Themen befassen will, welche die ganze katholische Weltkirche betreffen, wozu also ein deutscher Sonderweg (außer mittels einer Spaltung) gar nicht möglich ist.

Dazu gehört z.B. die Sexualmoral, die Ämterfrage für Frauen oder der Zölibat.  (Die vier Aspekte lauten wörtlich: „Macht, Partizipation und Gewaltenteilung“  –  „Sexualmoral“  –  „Priesterliche Lebensform“  – „Frauen in Diensten und Ämtern der Kirche“.)

Wie konnte eine starke Mehrheit der deutschen Oberhirten und Weihbischöfe überhaupt solch einen unkirchlichen „Prozess“ einleiten, also einen Weg beschreiten, der von vornherein sowohl theologische wie kirchenrechtlich als Sackgasse erkennbar war?

Immerhin gab es hierbei vier Enthaltungen, darunter der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer und der Augsburger Bischof Konrad Zdarsa (er ist inzwischen im Ruhestand), sodann zwei Weihbischöfe.

Man fragt sich, ob die Versammelten vielleicht mit dem Projekt eines „Synodalen Weges“ überrascht bis überrumpelt worden sind. Vermutlich hätte es sonst mehr Enthaltungen und zudem auch klare Gegenstimmen gegeben.

BILD: Bischof Dr. Rudolf Voderholzer übte bereits deutliche Kritik am „Synodalen Prozess“ (u.a. hier: https://www.die-tagespost.de/kirche-aktuell/Bischof-Voderholzer-warnt-vor-Protestantisierung-der-Kirche;art312,200488)

Wie dem auch sei, die bischöflichen Kritiker dieses sowohl inhaltlich wie formal höchst sonderbaren Sonderwegs haben sich offenbar – sei es einzeln oder gemeinsan –  an Rom gewandt und um Klärung und Klarstellung gebeten – und dies mit umso mehr Berechtigung, als Papst Franziskus sich zuvor auch tendenziell kritisch über den „Synodalen Weg“ geäußert hatte.

Inzwischen hat der Vatikan eindeutig reagiert – genauer gesagt: Die Bischofskongregation und der Päpstliche Rat für die Auslegung von (kirchlichen) Gesetzen.

In einem an Kardinal Marx gerichteten Brief vom 4. September 2019 schreibt Kardinal Marc Ouellet, Präsident der Bischofskongregation, dass die synodalen Pläne den Erwartungen entsprechen müssen, die sich aus dem Brief von Papst Franziskus vom Juni 2019 ergeben.

Der Präfekt betont, dass eine Synode/Plenum/Partikularkonzil nicht die allgemein gültige Lehre oder Disziplin der katholischen Weltkirche ändern kann.

Ergebnis: Eine glasklare Ablehnung vor allem der Themen bzw. Zielsetzungen, zumal sie die ganze Weltkirche betreffen  –  aber auch hinsichtlich der Tatsache, daß bei der geplanten“Synode“ eine Stimmen-Gleichheit zwischen Bischöfen und ZdK vorgesehen ist – und weitere kirchenrechtliche Unstimmigkeiten zu beanstanden sind.

Ingesamt wird der „synodale Prozess“ als kirchlich ungültig und abwegig bewertet, vor allem durch das kanonische (kirchenrechtliche) Gutachten des Päpstlichen Rates; dieser hat seine Kritikpunkte auf vier Seiten genau aufgelistet.

HIER folgt zunächst das Schreiben der Bischofskongregation, danach der abschlägige Bescheid des vatikanischen Rates:  https://dbk.de/fileadmin/redaktion/diverse_downloads/dossiers_2019/2019-09-04-Schreiben-Rom-mit-Anlage-dt-Uebersetzung.pdf

In seinem Brief an die Bischöfe in Deutschland vom Juni 2019 hatte Papst Franziskus bereits angemahnt, die Einheit mit dem universalen Lehramt der Kirche zu wahren und zu respektieren.

„Sooft eine kirchliche Gemeinschaft versucht hat, alleine aus ihren Problemen herauszukommen, und lediglich auf die eigenen Kräfte, die eigenen Methoden und die eigene Intelligenz vertraute, endete das darin, die Übel, die man überwinden wollte, noch zu vermehren und aufrechtzuerhalten“, erklärte der Pontifex warnend.

Die glaubenstreuen Katholiken in Deutschland – und weit darüber hinaus – hoffen nun, daß alle Oberhirten in Deutschland sich an die Weisungen aus dem Vatikan halten, den Brief des Papstes vom Juni endlich ernstnehmen und sich um die überfällige Evangelisierung kümmern, statt sich dem Druck progressiver Verbände vom ZdK bis „Maria 2.0“ zu unterwerfen.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.