Warnung an Privatoffenbarungsgläubige

Von Stefan Vucina

Erscheinungsfixiertheit ist sehr gefährlich – also eine Haltung, die Privatoffenbarungen über alles stellt und von ihnen her alles betrachtet und bewertet. Das bedeutet ein Abrücken von der katholischen Kirche, ihrer Lehre und von Christus gestifteten Ordnung.

Nach katholischer Lehre steht nämlich jede Privatoffenbarung – welchen Ursprungs auch immer – unter kirchlicher Aufsicht und Beurteilung.

Das bezeugt schon Gal 2,2, wonach Paulus, der 14 Jahre lang im Alleingang gepredigt hatte, in einer persönlichen Offenbarung von Gott aufgefordert wurde, seine Verkündigung den Aposteln, insbesondere den „Säulen“ der Urgemeinde (Petrus, Jakobus und Johannes) zur Überprüfung vorzulegen.

Daher wird der Himmel niemandem eine Botschaft zukommen lassen, die gegen die kirchliche Lehre, Ordnung oder den Papst gerichtet ist. Dennoch sind Erscheinungsgläubige bereit, solch irrige Lehren anzunehmen, da sie meinen, diese stammen von Gott.

Ein mir persönlich bekannter Katholik, der es nun leider nicht mehr ist, empfängt seit 2009 Privatoffenbarungen, wobei er vollkommen überzeugt ist, dass sie von Gott seien.

Doch diese Botschaften hatten schon in der ersten Zeit einen Haken: Sie bestätigten zwar einzelne katholische Lehren und Dogmen als richtig, ebenso den Ortsbischof als gültig geweiht und erklärten, dass in unserer Kirche Christus in der Hostie real präsent sei.

Aber damit fing es schon an: Als ob wir Katholiken Privatoffenbarungen benötigen, die uns mitteilen, dass unsere Glaubensinhalte richtig, unsere Bischöfe gültig geweiht sind usw.

Diese „Botschaften“ haben meinen Bekannten dann zu der Ansicht geführt, dass Gott nicht durch unsere Kirche lehre, sondern durch ihn und seine Sonderlehren.

Danach kam eins nach dem anderen: Einzelne katholische Dogmen wurden in den Einsprechungen plötzlich als falsch präsentiert, die Priester der Piusbruderschaft seien Verbrecher und ich ein Judenhasser, hieß es, wovon ich jedoch nicht einmal alpträumen würde.

Ähnliches geschah vor Jahrzehnten in aller Öffentlichkeit: Ein Katholik namens Clemente Dominguez y Gomez erhielt angeblich an Händen, Füßen, an der Seite und an der Stirn Stigmata und erhielt Auditionen und Erscheinungen, die sich ihm als Jesus und Maria vorstellten, und von denen er apokalyptische Prophetien mit Aufrufen zu Gebet und Buße empfing.

Gleichzeitig richteten sich seine Botschaften gegen diverse Irrlehren, den Progressismus und andere verderbliche Sitten mancher Katholiken, wodurch die Kirche zerstört worden sei. Nachdem Clemente 1976 zum Priester und schließlich zum Bischof geweiht worden war, wurde er 1978 von „Jesus“ persönlich zum „Papst“ gekrönt, der von nun an als „Papst Gregor XVII.“ die Palmarianische Kirche als Ersatz zur angeblich zerstörten römisch-katholischen Kirche regieren sollte.

Aufgrund seiner Erscheinungsfixiertheit übernahm er diese „Aufgabe“ und leitete seither die Palmarianische Kirche als Gegenorganisation zur katholischen Kirche. Heute wird die Palmarianische „Kirche“ von einem „Papst Petrus III.“ regiert.
(Weitere Hinweise zur Palmarianischen Sekte siehe hier: https://charismatismus.wordpress.com/2020/07/17/warum-die-verheissungen-des-bussrosenkranzes-theologisch-irrefuehrend-bis-magisch-sind/)

In unseren Tagen läuft etwas Ähnliches mit dem sog. „Buch der Wahrheit“. Diese Botschaften werden von vielen Privatoffenbarungsgläubigen über die Kirche und ihre von Christus gestiftete Ordnung gestellt. In ihnen wird behauptet, Papst Franziskus sei der Antipapst, der „falsche Prophet“ der Endzeit, der dem Antichristen den Weg bahne. Damit ist auch hier ein Schisma vollzogen!

Wir sehen anhand dieser Beispiele, wie wichtig es ist, auf die Lehre unserer Kirche zu hören, jede Privatoffenbarung unter ihre Ordnung zu stellen und alle Erscheinungen und Visionen abzulehnen, die diese kirchliche Ordnung stören oder ihr sonstwie entgegenwirken.

Mit solchen Privatoffenbarungen wollen Betrüger bzw. der Satan so viele gläubige Katholiken wie möglich gegen die Kirche positionieren und sie damit zu Fall bringen. Selbst ein frommes Glaubensleben mit regelmäßiger Beichte nützt diesen Contra-Katholiken dann letztlich nichts mehr; denn sie befinden sich bereits außerhalb der Ordnung Gottes.

Deshalb müssen wir vorsichtig und wachsam sein!


Akademischer Vergleich von Halluzinationen und religiösen Erscheinungen

Von Felizitas Küble

Unter dem Titel „Visionen: Erscheinungen und andere Halluzinationen“ hat sich Daniela Hubl von der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Bern (Schweiz) in der Serie „Psychiatrie und Religion“ mit einem Vergleich zwischen (Marien-)Erscheinungen einerseits und psychotischen Anomalien andererseits befaßt: https://www.unibe.ch/e809/e991/e993/e41749/e72935/e547606/CGVisionenv4pdf_ger.pdf

Dabei bringt sie nach einer stark bildhaften Einführung einige Hinweise darauf, daß auch Patienten mit Psychose-Erkrankungen religiös getönte Visionen (optisch wirkende Bilder) und Auditionen (akustisches Stimmenhören) erleben können.

Diese Beoachtung ist natürlich nicht neu, wobei die Autorin in ihrem Vergleich zwischen Halluzinationen und religiösen Erscheinungen neben Gemeinsamkeiten auch Unterschiede feststellt, also durchaus unterscheidet und nicht alles in einen Topf wirft.

Manche Hinweise aus der Gegenüberstellung sind durchaus interessant – so z.B. die Sache mit dem Rosenduft: Psychotisch Erkrankte riechen demnach häufig Rosenduft – genau dieses Phänomen wird auffallend häufig bei fraglichen bzw. irrgeistigen Erscheinungen festgestellt (wir haben es mehrfach in entsprechenden Berichten erwähnt).

Übrigens sind sowohl hinsichtlich Halluzinationen wie auch in puncto religiöser Erscheinuungen vor allem Frauen betroffenund hierbei eher jüngere als ältere. Männer berichten auffallend seltener von visionären Erlebnissen (sowohl in der Psychiatrie wie in der Glaubenswelt). Auch diesen Befund bestätigt der Beitrag von Frau Hubl.

Mit Erwähnung dieser Punkte ist natürlich noch lange nicht gesagt, daß alle Marienerscheinungen und sonstigen „frommen“ Visionen aus Halluzinationen bestehen oder psychogen entstanden sind. Es ist aber logisch, daß eine Psychiaterin sich auf ihren Wissenschaftsbereich beschränkt und keine religiösen Deutungen und Einordnungen vornimmt – das ist schlicht nicht ihre Aufgabe.

Natürlich kann es für übersinnlich erscheinende Vorgänge verschiedene Ursachen geben, darunter (neben der psychopathologischen Herkunft) etwa auch folgende:

  1. Tatsächliche göttliche Einwirkung (z.B. Christus-Vision) bzw. himmlische Herkunft (Erscheinung von Engeln, Heiligen, Maria). – Zu bedenken ist hierbei freilich, daß auch echte übernatürliche Ereignisse nicht eins zu eins beim betreffenden Menschen ankommen, sondern durch dessen Gehirn, Gemüt, Phantasie und Sprache „transportiert“ werden, was angesichts der menschlichen Begrenztheit unvermeidlich ist.
  2. Betrug, bewußte Täuschung z.B. aus Eitelkeit oder Geschäftemacherei.
  3. Selbsttäuschung (eher unbewußt), wenn z.B. ein intensives Traumerlebnis als Vision oder gar Erscheinung ausgelegt bzw. wahrgenommen und damit über-interpretiert wird – in diesen Bereich gehört auch die eidetische Sensibilität (kann vor allem bei vorpubertären Mädchen vorkommen)
  4. Herkunft „von unten“, denn wie schon Paulus schreibt und warnt, kann auch der Satan als „Engel des Lichts“ erscheinen. Die Hl. Schrift ermahnt immer wieder zur Vorsicht vor trügerischen „Zeichen und Wundern“.

Gemälde: Evita Gründler


Zur Fatima-Debatte: Wird Amerika und die Welt doch noch kommunistisch?

Von Felizitas Küble

In den USA ist angesichts der linken Straßenkrawalle in einigen konservativen Kreisen eine Diskussion darüber aufgekommen, ob in den Vereinigen Staaten bald der Kommunismus einkehrt und das Land beherrscht – und den „Rest“ der Welt gleich noch dazu.

Nicht irgendwelche Sektierer und Hinterstübler, sondern z. B. keine Geringere als die katholische Autorin Dr. Maike Hickson befaßt sich auf der bekannten Lebensrechtsseite „Lifesitenews“ damit: https://www.lifesitenews.com/blogs/fatima-seer-lucia-believed-usa-would-become-communist-without-marian-consecration-of-russia

Dabei geht es letztlich um die uralte Diskussion, ob denn der Papst gemeinsam mit dem Welt-Episkopat das „gottlose Rußland“ dem makellosen Herzen Mariens geweiht habe oder nicht, denn dies sei eine entscheidende Forderung der Fatima-Erscheinungen und mit der Verheißung verbunden, daß Rußland sich bekehren werde – andernfalls werde der Kommunismus sich weiter ausbreiten.

Dr. Hickson beruft sich auf ein Interview, das 1946 von Prof. William Thomas Walsh mit Schwester Lucia – der Hauptseherin von Fatima – geführt worden sei.

Dabei habe die Ordensfrau und Visionärin (siehe Foto) ihm mitgeteilt, ohne jene Marienweihe und Rußland-Bekehrung werde der Kommunismus die ganze Welt beherrschen – und ausdrücklich auch die Vereinigten Staaten von Amerika.

In Wirklichkeit hat sich diese Diskussion sozusagen von selber erledigt (von der politischen Unwahrscheinlichkeit eines kommenden Weltkommunismus einmal abgesehen), weil Sr. Lucia noch zu ihren Lebzeiten erklärt hatte, Rußland habe sich bereits bekehrt und die Fatima-Verheißungen seien somit schon erfüllt.

Sr. Lucia versteht nämlich das Ende des Sowjetregimes und die religiöse Freiheit dort bereits als die in  Fatima angekündigte „Bekehrung Rußlands“. Das hat sie in ihrer letzten Veröffentlichung vor ihrem Tod ausdrücklich bekräftigt: https://charismatismus.wordpress.com/2016/08/20/sind-die-verheissungen-von-fatima-erfuellt-hat-sich-russland-bereits-bekehrt/

Damit dürfte sich sogar für Fatima-Anhänger jede weitere Debatte über eine dräuende kommunistische Weltgefahr erübrigen.

 


Zwei Ergänzungsgebete zum Rosenkranz: Fatima-Zusatz oder das „Salve Regina“?

Von Felizitas Küble

In dem oberschwäbischen Bauerndorf, in dem ich aufgewachsen bin, war es am Sonntag nach dem Mittagessen üblich, daß wir um 13 Uhr zum Rosenkranzgebet in die Kapelle gingen, wo meist über ein dutzend Gläubige versammelt waren. 

Nach dem Rosenkranz beteten wir gemeinsam noch das Salve Regina (Sei gegrüßt, o Königin) als Abschluß.

Es hat mich trotz – oder wegen? – seiner etwas altertümelnden Sprache berührt, faszinierend und bewegt.

Dabei wußte ich damals nicht, daß es sich um ein ganz altehrwürdiges Marienlob handelt, das schon 1000 Jahre auf dem Buckel hat. Manche führen es sogar auf den berühmten und gelehrten Benediktiner-Mönch Hermann von Reichenau („Hermann, der Lahme“) zurück.

Es wurde jedenfalls schon im frühen Mittelalter gebetet – welch eine beeindruckende Überlieferung!

Hingegen ist der Fatima-Zusatz – der in manchen Kreisen auch zwischen den „Gesätzchen“ gebetet wird – erst 100 Jahre alt, also kein Vergleich mit dem Salve Regina.

Soll man nun sagen: Je älter, desto besser?

Nicht unbedingt von vornherein, obwohl ein höherer Alter natürlich das Traditionsargument auf seiner Seite hat.

Aber das ist es nicht alleine:

Das „Salve Regina“ ist nicht irgendein Privat-Gebet, sondern längst kirchenamtlich und liturgisch grundgelegt. In der Zeit nach Pfingsten bis zum 1. Advent ist es sogar die Schluß-Antiphon (= Hymnen-Gesang) im Stundengebet der Kirche.

Vielfach ist es üblich, das Salve Regina beim Begräbnis eines Priesters oder einer Ordensangehörigen zu singen.

Früher gab  es bei der  „stillen Messe“ die sog. Leoninischen Gebete. Dazu zählte neben dem „Erzengel-Michael-Gebet“ auch das Salve Regina: https://www.meine-gebete.info/leoninische-gebete/

Das kirchliche Bonifatiuswerk zählt es zu den „Grundgebeten“ der Kirche: https://beten-online.de/de/zentrale-gebete/grundgebete/gebet.5740.html

Somit hat das Salve Regina einen offiziellen Charakter –  der Fatima-Zusatz hingegen nicht, er gehört auch nicht zur kirchlichen Fassung des Rosenkranzes.

Papst Johannes Paul II. war gewiß ein Fatima-Anhänger (mehr als alle Päpste vor ihm), aber auch er hat  – wenn er jahrelang am 1. Samstag im Monat den Rosenkranz über Radio Vatikan vorbetete – nicht ein einziges Mal die Fatima-Anrufung hinzugefügt.

Hier folgt nun der amtliche Text des „Salve Regina“ (so lautet der Titel auf lateinisch):

Sei gegrüßt, o Königin, Mutter der Barmherzigkeit,
unser Leben, unsere Wonne, unsere Hoffnung, sei gegrüßt!
Zu dir rufen wir verbannte Kinder Evas;

zu dir seufzen wir trauernd und weinend
in diesem
Tale der Tränen.
Wohlan denn, unsere Fürsprecherin,
wende deine barmherzigen Augen uns zu,
und nach diesem Elende zeige uns JESUS,

die gebenedeite Frucht deines Leibes.
O gütige, o milde, o süße Jungfrau Maria.

Bei uns in meiner Heimatkapelle wurde am Schluß noch eine  – ebenfalls altbekannte  –  Anrufung hinzugefügt:

In aller Trübsal, Angst und Not komme uns zu Hilfe,
o du allerseligste Jungfrau Maria!

Der Einwand mancher moderner Theologen, das Salve Regina sei zu düster und pessimistisch („Tal der Tränen, Elend, verbannte Kinder Evas, trauernd und weinend“) ist oberflächlich und weltfremd.

Gerade die Tatsache, daß diese Anrufung unsere menschlichen Nöte und Ängste so offen anspricht, daß es nichts schönredet, sondern auf jeden Kitsch verzichtet, aber trotzdem hoffnungsvoll und zuversichtlich hinweist auf JESUS, die gebenedeite (=gesegnete) Frucht aus dem Schoß Mariens, ist doch tröstlich, stärkend und ermutigend, auch weil sie den Blick in die Ewigkeit öffnet.

Wie der ergänzte Schlußvers, den wir Dorfbewohner zusätzlich gebetet haben, aufzeigt, ist es genau dieses Aussprechen von „Trübsal, Angst und Not“, das die Menschen bewegt und aufzurichten vermag im Hinblick auf die Hilfe und Fürsprache der Madonna.

Ja, Maria ist die „Mutter der Barmherzigkeit“, denn Christus ist das menschgewordene Erbarmen Gottes – und Maria ist daher Gottesgebärerin.

Kurzum: Im Unterschied zum Fatima-Zusatz ist das Salve Regina ein altbewährtes, im Volke weit verbreitetes und kirchenamtliches Gebet.

Es gibt zudem weitere inhaltlich-theologische Gründe, warum sich der Fatima-Zusatz nicht für den Rosenkranz eignet.  (Siehe hier: https://charismatismus.wordpress.com/2014/03/06/warum-der-fatima-zusatz-nicht-zum-eigentlichen-rosenkranzgebet-gehort/)


Erzbischof Marcel Lefebvre warnte vor einer Fixierung auf „Erscheinungen“

Von Felizitas Küble

Es ist für geistig wachsame und bodenständige Katholiken äußerst wichtig, weder links noch rechts in den Straßengraben zu fallen – mit anderen Worten: Es gibt nicht nur die Gefahr des Modernismus und Skeptizismus, sondern auch die genau entgegengesetzte Bedrohung jedes soliden Glaubens, nämlich Wundersucht, Sensationsgier und eine Fixierung auf angebliche „Erscheinungen“, Visionen und Botschaften des „Himmels“ etc.

Für konservative und erst recht für traditionelle Gläubige, die für den Progressismus (falschen Fortschrittsglauben) ihrem Wesen nach sowieso nicht anfällig sind, ist das andere Extrem hingegen eine echte Versuchung – nämlich sich in der Verunsicherung unserer Zeit in den Bereich der „Privatoffenbarungen“ zu begeben, sich dort eine geistliche Fluchtburg einzurichten und so vor den Ungereimtheiten in Kirche und Welt zu „wappnen“.

Auch im traditionellen Spektrum, in dem – zu Recht – die überlieferte hl. Messe hochgeschätzt wird, ist die Neigung zu „Erscheinungen“ leider ausgeprägter, als es einem nüchternen Glauben entspricht, der nämlich auf ganz anderen Fundamenten beruht: auf der Heiligen Schrift, der apostolischen Überlieferung sowie auf dem kirchlichen Lehramt.

Dabei geht die (Sehn-)Sucht nach Privatoffenbarungen bisweilen deutlich über das hinaus, was die Kirche gutheißt  – beschränkt sich also nicht auf die approbierten (erlaubten, gebilligten) Erscheinungen, sondern bezieht auch kirchlich abgelehnte „Botschaften“ mit ein – so z.B. Heroldsbach, Montichiari, Garabandal oder San Damiano.

Dabei hatte Erzbischof Marcel Lefebvre, der Gründer der traditionsorientierten und altrituellen Priesterbruderschaft St. Pius, grundsätzlich eine insgesamt nüchterne Haltung zu diesen Fragen eingenommen.

Zwar zeigte er sich vor entsprechenden Tendenzen nicht ganz frei, bedenkt man etwa, daß er anfangs den „Marienerscheinungen“ von San Damiano in Norditalien zuneigte, später aber immerhin kritischer wurde. Die entsprechenden „Himmelsbotschaften“ an die vermeintliche Seherin „Mama Rosa“ sind seinerzeit kirchlich strikt abgelehnt worden, was bis heute gilt.

Die Internetseite der Piusbruderschaft veröffentlichte am 27.11.2014 unter dem Titel „Ablenkung von den Grundlagen des Glaubens“ zu diesem Themenkreis einige Klarstellungen von Erzbischof Lefebvre, die ihr Gründer im Jahre 1989 anläßlich von Exerzitien geäußert hat: https://fsspx.de/de/news-events/news/ablenkung-von-den-grundlagen-des-glaubens-5645

In der Lefebvre-Stellungnahme heißt es u.a.:

„Einige fühlen sich verpflichtet, alle Erscheinungen zu beachten, selbst solche, die von der Kirche nicht offiziell anerkannt sind, ständig nehmen sie in ihrer Verkündigung darauf Bezug…Das ist schade, weil es den Geist der Gläubigen ein wenig in die Irre leiten kann. Erscheinungen sind nur Ergänzungen…, aber sie sollen nicht die Grundlage unserer Spiritualität sein, sie sollten nicht die Grundlage unseres Glaubens sein; auch ohne Erscheinungen wäre unser Glaube immer noch derselbe… Es ist also ein wenig gefährlich, wenn man den Eindruck erweckt, ohne die Erscheinungen könne man bei den aktuellen Schwierigkeiten im spirituellen Leben nicht bestehen. Das ist schade! Das ist gefährlich.

Und Sie wissen ja auch, bei den Erscheinungen … gibt es eine Menge, eine Fülle von Botschaften, Nachrichten, unwahrscheinlichen Botschaften, unwahrscheinlichen Nachrichten, eine extravaganter als die andere. Ich möchte fast sagen: je extravaganter, desto eher wird daran geglaubt. Das ist sehr gefährlich, sehr gefährlich…
Jedenfalls ist das ein Mittel für den Dämon, die Seelen fast von den Grundlagen des Glaubens abzulenken, sie so in einen Sentimentalismus hineinzuziehen, in eine Frömmigkeit, die nicht wirklich auf den Glauben gegründet ist, auf unseren HERRN.“
.
Danach stellt der Erzbischof klar, daß man zwar in Erscheinungsorten beten könne, aber darauf nicht die eigene Frömmigkeit stützen soll, geschweige gar in einen Fanatismus geraten:„Durch Dinge dieser Art kann man sich nicht leiten lassen, das ist unmöglich! Man muss also sehr, sehr, sehr, sehr klug sein, und unglücklicherweise muss man sagen, dass diese Krankheit, wenn man es so sagen kann, sich in den traditionalistischen Kreisen ganz enorm ausbreitet.
In Deutschland und in der deutschsprachigen Schweiz sogar vielleicht noch mehr. Ich weiß nicht, warum, ich weiß nicht, woran das liegt, ich weiß es nicht. In diesen Kreisen gibt es aber sicherlich eine verhältnismäßig größere Zahl von Menschen, welche alle diese Botschaften und alle diese anderen außergewöhnlichen Dinge annehmen.“Somit zeigte sich der Gründer der Piusbruderschaft damals sehr besorgt und geradezu ratlos angesichts der starken Anhänglichkeit an Privatoffenbarungen in den „traditionalistischen Kreisen“. 

Stattdessen verweist er auf die „traditionellen Grundsätze der Kirche“, wonach nämlich „die Erneuerung der Gesellschaft, der einzelnen Menschen, der Familien nur durch unseren Herrn Jesus Christus kommt….Das ist klar! Da muss man gar nicht anderswo suchen.“

Mein Verwandter Dr. Philipp Küble, Leiter von „Vox fidei“ (Stimme des Glaubens), führte in den 80er Jahren ein Interview mit Marcel Lefebvre. Wie mir der Theologe berichtete, hat der Erzbischof ihm nach dem Interview sein Leid geklagt über die Absonderlichkeiten im eigenen Lager, vermutlich ging es auch um die Erscheinungssucht. Jedenfalls habe ihm Lefebvre halbironisch gesagt: „Bei uns sind zwar nicht alle verrückt, aber alle Verrückten sind bei uns.“

 

 


Papst Benedikt über die Bedeutung und die Grenzen der Privatoffenbarungen

Von Felizitas Küble

Im Apostolischen Schreiben „Verbum Domini“ (Wort des HERRN) aus dem Jahre 2000 äußert sich Papst Benedikt XVI. im Anschluß an eine römische Bischofssynode im 14. Kapitel auch zur Bedeutung und den Grenzen von „Privatoffenbarungen“. 

Dabei handelt es sich hierbei natürlich ausdrücklich nur um kirchlich approbierte (gebilligten, genehmigten) Erscheinungen, zumal ohnehin klar sein dürfte und sollte, dass Katholiken an kirchlich abgelehnte „Erscheinungen“ gar nicht glauben sollen.

Der in deutschen Landen geläufige Ausdruck „anerkannte“ Privatoffenbarungen ist ungenau und etwa mißverständlich, da er den irreführenden Eindruck erweckt, als verbürge sich die Kirche mit ihrer Approbation (=Genehmigung) lehramtlich für die übernatürlich-himmlische Herkunft einer Erscheinung, was sie aber gerade nicht tut – sie gestattet es lediglich den Gläubigen, den betreffenden Botschaften zuzustimmen.

Wir bringen hier zunächst nacheinander im blauen Druck die Abschnitte aus dem Kapitel 14 von VERBUM DOMINI und danach Quellenhinweise auf Zitate und unsere Erläuterungen:

„Mit all dem bringt die Kirche das Bewußtsein zum Ausdruck, daß sie in Jesus Christus dem endgültigen Wort Gottes gegenübersteht; er ist »der Erste und der Letzte« (Offb 1,17).

ER hat der Schöpfung und der Geschichte ihren endgültigen Sinn gegeben; deshalb sind wir berufen, in diesem eschatologischen Rhythmus des Wortes die Zeit zu leben, die Schöpfung Gottes zu bewohnen; »daher ist die christliche Heilsordnung, nämlich der neue und endgültige Bund, unüberholbar, und es ist keine neue öffentliche Offenbarung mehr zu erwarten vor der Erscheinung unseres Herrn Jesus Christus in Herrlichkeit (vgl. 1Tim 6,14 und Tit 2,13)«.“

Das letzte Zitat, wonach „keine neue öffentliche Offenbarung“ vor der Wiederkunft Christi mehr zu erwarten sei, stammt aus der „Dogmatischen Konstitution über die göttliche Offenbarung“ (Dei Verbum, 4. Kapitel) des  Zweiten Vatikanisches Konzils.

Es geht darum, daß Gott sich im Alten Testament durch Moses und die Propheten in Worten und Zeichen selbst mitgeteilt hat. Dies nennt man die „Offenbarung“ Gottes. Diese wurde im neuen Bund weiter entfaltet und endgültig (!) vollendet durch Christus, dem Höhepunkt und Endpunkt der öffentlichen Selbstmitteilung Gottes.

Zwar kann und will Gott sich einzelnen Menschen auch weiterhin „offenbaren“, doch dies ist keine „öffentliche“ oder „allgemeine“ Selbstmitteilung des Ewigen, sondern wird von der Kirche als „Privatoffenbarung“ bezeichnet, da solche Kundgaben für die Kirche und ihre Gläubigen nicht verbindlich sind.

Im protestantischen Bereich bezeichnet man solche nachbiblischen Botschaften und Phänomene als „Neuoffenbarung“, um sie von der Offenbarung Gottes in der Heiligen Schrift abzugrenzen.

Im nächsten Abschnitt wird dieser Grundgedanke von der endgültigen Selbstoffenbarung Gottes in Christus erneut eingeschärft:

„Wie die Väter während der Synode in Erinnerung gerufen haben, »zeigt sich das Besondere des Christentums im Ereignis Jesu Christi, Höhepunkt der Offenbarung, Erfüllung der Verheißungen Gottes und Mittler der Begegnung zwischen dem Menschen und Gott. ER, „der von Gott Kunde gebracht hat“ (vgl. Joh 1,18), ist das einzige und endgültige Wort, das der Menschheit gegeben wurde«.

Der hl. Johannes vom Kreuz hat diese Wahrheit wunderbar ausgedrückt:

»Da Gott uns seinen Sohn geschenkt hat, der sein einziges und endgültiges Wort ist, hat er uns in diesem einzigen Wort alles auf einmal gesagt und nichts mehr hinzuzufügen … Denn was ER ehedem den Propheten nur teilweise kundgetan hat, das hat ER in seinem Sohn vollständig mitgeteilt, indem ER uns dieses Ganze gab, seinen Sohn.

Wer darum den HERRN jetzt noch befragen oder von ihm Visionen oder Offenbarungen haben wollte, der würde nicht bloß unvernünftig handeln, sondern Gott beleidigen, weil er seine Augen nicht einzig auf Christus richtet, sondern Anderes und Neues sucht«“

Das Zitat des Mystikers (!) und Kirchenlehrers Johannes vom Kreuz stammt aus seinem Buch „Aufstieg auf den Berg Karmel“ (II,22). Der Heilige hat sich darin scharf gegen die Sehnsucht nach „Visionen oder Botschaften“ gewandt, die er als Beleidigung Gottes verurteilte, da uns in Christus bereits „das Ganze“ gegeben wurde. Das päpstliche Schreiben stellt sich uneingeschränkt hinter diese Sichtweise, indem es dort heißt, Johannes vom Kreuz habe diese „Wahrheit wunderbar ausgedrückt“.

Was ergibt sich daraus als Schlußfolgerung?

Die schlichte Tatsache, daß zwischen der Selbstoffenbarung Gottes in Christus und den späteren „Privatoffenbarungen“ nicht etwa nur ein gradueller, sondern einen wesentlicher Unterschied besteht. Dies wird nunmehr ausdrücklich verdeutlicht:

„Folglich hat die Synode empfohlen, »den Gläubigen zu helfen, das Wort Gottes von Privatoffenbarungen zu unterscheiden«. Diese »sind nicht dazu da, die endgültige Offenbarung Christi … zu „vervollständigen“, sondern sollen helfen, in einem bestimmten Zeitalter tiefer aus ihr zu leben«.

Der Wert der Privatoffenbarungen ist wesentlich unterschieden von der einer öffentlichen Offenbarung: Diese fordert unseren Glauben an, denn in ihr spricht durch Menschenworte und durch die Vermittlung der lebendigen Gemeinschaft der Kirche hindurch Gott selbst zu uns.“

Hier wird zunächst der Weltkatechismus bzw. „Katechismus der Katholischen Kirche“ in Nr. 67 zitiert und klargemacht, dass Botschaften aus Erscheinungen und Visionen die „endgültige“ göttliche Offenbarung nicht „vervollständigen“, sondern lediglich einen Impuls geben können, aus den bereits vorhandenen Glaubenswahrheiten „tiefer“ zu leben.

Die göttliche Offenbarung ist eine „Forderung“, als Gläubige sind wir an Gottes Wort gebunden und ihm verpflichtet, denn wer an Gott glaubt, der stimmt auch seinem Wort zu und insbesondere seiner endgültigen Selbstmitteilung in Christus, die in der Bibel und der verbindlichen kirchlichen Verkündigung (den Dogmen) bezeugt wird.

Daher ist die göttliche Offenbarung der „Maßstab“ für Privatoffenbarungen (und nicht etwa umgekehrt):

„Der Maßstab für die Wahrheit einer Privatoffenbarung ist ihre Hinordnung auf Christus selbst. Wenn sie uns von ihm wegführt, dann kommt sie sicher nicht vom Heiligen Geist, der uns in das Evangelium hinein- und nicht aus ihm herausführt. Die Privatoffenbarung ist eine Hilfe zu diesem Glauben, und sie erweist sich gerade dadurch als glaubwürdig, daß sie auf die eine öffentliche Offenbarung verweist.“

Die kirchliche Approbation einer Privatoffenbarung zeigt daher im wesentlichen an, daß die entsprechende Botschaft nichts enthält, was dem Glauben und den guten Sitten entgegensteht; es ist erlaubt, sie zu veröffentlichen, und den Gläubigen ist es gestattet, ihr in kluger Weise ihre Zustimmung zu schenken.“

Gerade der zweite Abschnitt ist ganz wichtig und vielen Katholiken leider nicht ausreichend bekannt:

Die kirchliche „Approbation“ (Genehmigung, Billigung, Erlaubnis) einer Erscheinung bedeutet lediglich, daß die Inhalte derselben dem „Glauben und den guten Sitten nicht entgegenstehen“. Damit wird also keineswegs ihre übernatürliche Herkunft bestätigt, geschweige wird das Kirchenvolk zum Glauben daran aufgefordert. Den Katholiken ist es nur „gestattet“ (!), solchen Privatoffenbarungen zuzustimmen – und zwar soll dies wohlgemerkt „in kluger Weise“ geschehen.

Was heißt in diesem Zusammenhang „in kluger Weise“? – Aus dem Kontext ergibt sich klar die Lösung: Auch eine kirchlich genehmigte Erscheinung ist kein „fünftes Evangelium“. Auch beispielsweise die Botschaft von Fatima steht nicht nur graduell, sondern  w e s e n t  l i c h   unter dem, was die katholische Kirche als „Offenbarung Gottes“ zu glauben lehrt. Das gilt für alle kirchlich approbierten Privatoffenbarungen.

Nachdem nun die Grundsätze festgelegt und die entscheidenden Maßstäbe betont worden sind, würdigt das päpstliche Schreiben den spirituellen Sinn, den Botschaften aus Erscheinungen für die private Frömmigkeit des einzelnen Christgläubigen haben können (aber nicht müssen):

„Eine Privatoffenbarung kann neue Akzente setzen, neue Weisen der Frömmigkeit herausstellen oder alte vertiefen. Sie kann einen gewissen prophetischen Charakter besitzen (vgl.1Thess 5,19-21) und eine wertvolle Hilfe sein, das Evangelium in der jeweils gegenwärtigen Stunde besser zu verstehen und zu leben; deshalb soll man sie nicht achtlos beiseite schieben. Sie ist eine Hilfe, die angeboten wird, aber von der man nicht Gebrauch machen muß. Auf jeden Fall muß es darum gehen, daß sie Glaube, Hoffnung und Liebe nährt, die der bleibende Weg des Heils für alle sind.“

Hierbei zitiert „Dei Verbum“ das Dokument der vatikanischen Kongregation für die Glaubenslehre über die Die Botschaft von Fatima (26. Juni 2000) Damals hat Kardinal Joseph Ratzinger, der spätere Papst Benedikt, sich bereits zur Stellung der Privatoffenbarungen im Gesamtgefüge der kirchlichen Lehre geäußert und bereits die in diesem Schreiben erwähnten Prinzipien verkündet.

Quelle für die Zitate: http://w2.vatican.va/content/benedict-xvi/de/apost_exhortations/documents/hf_ben-xvi_exh_20100930_verbum-domini.html


Was sagen uns Nahtod-Erfahrungen und Visionen über die Realität der Hölle?

Von Felizitas Küble

In gläubigen christlichen Kreisen wird immer wieder der gewiß wohlmeinende Versuch gestartet, die Glaubenslehre von der Existenz der Hölle dadurch zu „beweisen“ oder zumindest nahezulegen, indem auf negative Nahtod-Erlebnisse oder entsprechende Visionen/Erscheinungen verwiesen wird. 

Was ist davon zu halten?

Insgesamt eher wenig. Zum einen sind solche Erfahrungen kein „Beweis“ im eigentlichen Sinne. Nahtod-Erlebnisse sind keine objektiven Jenseits-Trips, da der Mensch noch nicht tot ist, also auch nicht aus einer wirklichen „Ewigkeit“ ins irdische Leben zurückkehrt.

Zweifellos handelt es sich dabei vielfach um Bewußtseinserweiterungen und -überschreitungen  – und insofern um einen Anhaltspunkt dafür, daß der Mensch „unheilbar religiös“ ist. Aber ein Hin-weis ist kein Be-weis.

Daß derartige Erzählungen persönlich-subjektiv ehrlich gemeint sind, kann durchaus angenommen werden, tut aber nichts zur Sache hinsichtlich der objektiven Beweiskraft.

Der springende Punkt ist ohnehin, daß wir auf Erden „im Glauben wandeln, nicht im Schauen“, wie Paulus klarstellt.

Ein Glaube, der krampfhaft nach Erlebnissen und außergewöhnlichen „Beweisen“ sucht, steht auf wackeligen Beinen. Echte Überzeugung ruht in sich selber, gegründet auf der Selbstoffenbarung Gottes in Christus.

Sodann muß man nüchtern sehen, daß diese „Höllen-Visionen“  – ob sie nun auf Nahtoderlebnisse oder auf „Erscheinungen“ zurückgehen – auch inhaltlich/theologisch betrachtet oft seltsam bis irreführend wirken.

Am 26. März 2019 veröffentlichte das erscheinungsbewegte Portal Kath.net eine Story unter dem Titel: „Ich war tot und landete in der Hölle“: http://www.kath.net/news/67423

Darin ist die Rede von dem Nahtod-Schrecken, den Matthew Botsford erlebte: Der US-Amerikaner wurde von einer Kugel getroffen und lag anschließend 27 Tage im künstlichen Koma. Auf dem Weg ins Krankenhaus sei er dreimal wiederbelebt worden.

Er beschreibt, er sei in der „Ewigkeit“ gewesen: „Ich befand mich sofort in einer Art riesigen Höhle, hing mit ausgestreckten Armen wie bei einer Kreuzigung an die Felswand gekettet, unter mir der endlose Abgrund.“

Er spricht von Geruch nach verrottendem Fleisch und davon, daß in der Dunkelheit Augenpaare auftauchen und Krallen, die ihm die Haut vom Körper rissen. In dieses „Höllenverlies“ habe sich aber eine starke Hand ihren Weg geahnt und ihn gerettet. Er sei wieder ins Leben zurückgerufen worden, wozu das Gebet seiner Frau beigetragen habe.

Kath.net hat diese Story – wie zu erwarten war –  völlig unkritisch veröffentlicht.

Doch dazu stellen sich folgende Fragen:

  1. Mister Botsford befand sich nicht in der „Ewigkeit“, wenngleich ihm das subjektiv sicherlich so vorkam und er sich entsprechend „fühlte“ etc. Er wurde aber wiederbelebt, also war er vorher noch nicht wirklich verstorben, sondern befand sich in Todesnähe.
  2. Wäre er im tatsächlichen Jenseits der Hölle gewesen, hätte ihn dort keine „rettende Hand“ herausgeholt, denn eine Befreiung gibt es nur im Zustand der Läuterung, also des „Fegefeuers“.
  3. Für das Fegefeuer ist seine Schilderung jedoch viel zu gräßlich, zudem spricht er selber vom „Höllenverlies“.
  4. Die entscheidende Problematik der Hölle ist die endgültige und ewige Gottesferne  – und nicht sinnliche Strafen und Schreckensdarstellungen wie aus einem Horrorfilm.

Das gilt ähnlich auch für Höllen-Erlebnisse im Zusammenhang mit Marienerscheinungen und Visionen, wie sie von Sr. Faustine über den Vortragsreisenden Helmud Lungenschmid bis hin zu Medjugorje gang und gäbe sind. Auch die vermeintlichen Jenseits-Erfahrungen von Frau Gloria Polo machen im „frommen Lager“ seit Jahren die Runde: Näheres HIER.

Das Wohlfühl-Christentum führt in die Irre

Damit wir nicht falsch verstanden werden:

Die heute weit verbreitete Wohlstandstheologie, das Wohlfühlchristentum und eine einseitige Frohbotschafterei sind ein gefährlicher Irrweg, der die Menschen leichtfertig einlullt und ihnen die nötige Wachsamkeit ausredet.

Das gilt erst recht für die Esoterik, bei der ohnehin alles nach Friede-Freude-Eierkuchen klingt, Harmonie pur – und das „Göttliche“ ist im Menschen von Natur aus selber verankert etc.

Doch die Heilige Schrift und Christi Lehre verkündet einerseits die Frohbotschaft der Erlösung, aber auch den Ernst von Sünde und Gericht, Tod und Teufel, Hölle und ewiger Verlorenheit.

Dennoch überwiegt insgesamt die Glaubensfreude und Zuversicht auf das Heil: „Fürchtet euch nicht“ heißt es nicht ohne Grund so häufig in der Bibel.

Die Alternative zum irreführenden Allerlösungs-Humanitäts-Christentum ist keineswegs das andere Extrem, nämlich Drohbotschaften durch „Seher“ mit einer ständigen düsteren Theologie.

Gerechtfertigt wird diese Panikmache manchmal damit, die Menschen müßten doch gewarnt werden, um der Hölle zu entgehen:  Ganz gewiß –  aber nur mit seriösen Methoden!

Christus sagte im Gleichnis vom ungerechten Prasser: „Sie haben Moses und die Propheten“  – das muß reichen, also Gesetz (Gebote) und Gottes Botschaft (Lehre).

Warum sollte das nicht auch heute gelten?

Zur Höllenvision der Seherkinder von Fatima

Nun könnte der Einwand auftreten, zumal nach dem jüngsten Kinofilm über Fatima, in dem auch die Höllen-Vision der drei Seherkinder vorkommt: 

Aber die drei Kinder von Fatima haben doch auch die Hölle erlebt!

Sehen wir uns also an, was die Seher damals – laut dem Bericht von Lucia (siehe Foto)  –  nach einer Marienerscheinung am 13. Juli 1917 geschaut haben:

„Als die Muttergottes die letzten Worte aussprach, öffnete sie die Hände. Das Strahlenbündel, das von dort ausging, schien in die Erde einzudringen, und wir sahen etwas wie ein grosses Feuermeer, und in ihm versunken schwarze, verbrannte Wesen, Teufel und Seelen in Menschengestalt, die fast wie durchsichtige, glühende Kohlen aussahen.

Sie wurden innerhalb der Flammen in die Höhe geschleudert und fielen von allen Seiten herab wie Funken bei einer grossen Feuersbrunst, gewichtlos und doch nicht schwebend; dabei stiessen sie so entsetzliche Klagelaute, Schmerzens– und Verzweiflungsschreie aus, dass wir vor Grauen und Schrecken zitterten. Die Teufel hatten die schreckliche und widerliche Gestalt unbekannter Tiere, waren jedoch durchsichtig wie glühende Kohle.“   (Quelle: https://fatima.ch/2018/07/13-juli-hollenvision-in-fatima/1314)

Während diese Schweizer Fatima-Seite die Höllen-Vision vom 13. Juli 1917 ausführlich zitiert, hält sich das Fatima-Weltapostolat in Deutschland deutlich zurück und reduziert den „Vorgang“ auf etwa ein Drittel – der Original-Wortlaut wird zudem nur indirekt zitiert: https://www.fatima-weltapostolat.de/fatima-botschaften.html

Zum Sachverhalt ergeben sich folgende Fragen und Einwände: 

1. Ausgerechnet das „Strahlenbündel“ Mariens soll in die Hölle geführt bzw. diese gezeigt haben? Was hat die Gottesmutter mit der ewigen Gottesferne zu tun?  – Und dabei schienen ihre Strahlen „in die Erde einzudringen“ – als ob die Hölle sich im Erd-Inneren befinden würde. Dabei gehört die Hölle – die zudem eher ein Zustand als ein „Ort“ ist – eindeutig in die Dimension der Ewigkeit, also gerade nicht in unsere begrenzte raumzeitliche Welt. Mit anderen Worten: Die Hölle ist nicht den irdischen Naturgesetzen unterworfen.

2. Die Schauer-Darstellungen von Sr. Lucia sind völlig „sinnlich“ geprägt, komplett am vermeintlich äußeren Geschehen und Anschein orientiert – kein Wort davon, daß die Hölle im Zustand der GOTTESFERNE besteht, stattdessen fantasieanregende Panik-Schilderungen mit überflüssigen bis irreführenden Einzelheiten. Unklar ist auch, warum die Dämonen die „widerliche Gestalt unbekannter Tiere“ aufweisen sollen. Auch die gefallenen Engel – also die Teufel – sind nun einmal keine Tiere, sondern Geistwesen!

Einmal abgesehen davon, daß eine solche Panik-Attacke wohl nichts für kleine Kinder ist, was nicht nur psychologisch zu verstehen ist, sondern auch theologisch: Denn Kinder sollen früh genug lernen, in erster Linie aus Liebe zu Gott und den Menschen (und nicht aus einer sinnenhaften Schreckens-Angst vor der Hölle) gläubig und gerecht zu leben.

In formaler Hinsicht sei darauf hingewiesen, daß es sich bei dieser Höllen-Vision nicht um die „Botschaften“ von Fatima handelt (die 1930 bischöflich genehmigt wurden), sondern konkret um das „erste Geheimnis“, das Sr. Lucia aber erst über zwanzig Jahre nach jener Erscheinung erstmals niederschrieb bzw. ihrem Oberhirten brieflich mitteilte.

Da die Approbation (Billigung der Fatima-Botschaften) aber vorher erfolgte, ist die Höllenvision  – genau genommen – gar kein Bestandteil des „anerkannten“ Bereichs, denn die Kirche kann nur etwas erlauben, was ihr bekannt ist – nicht aber  vorwegnehmend etwas billigen, was sie erst hinterher erfährt.

Aber selbst wenn es anders wäre, wenn Lucia dieses „1. Geheimnis“ (Höllenvision) zeitnah  – nämlich Anfang der 20er Jahre  – der kirchlichen Untersuchungskommission mitgeteilt hätte, würde dies keinen Katholiken zum Glauben verpflichten, da auch die kirchlich genehmigten Privatoffenbarungen nicht verbindlich sind.

Eine Approbation „gestattet“ es den Gläubigen lediglich, den Botschaften und Geschehnissen ihre Zustimmung zu schenken – sie können auf diese Zustimmung aber ebenso gut verzichten.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt; ihre Mailanschrift: felizitas.kueble@web.de


Kirchliche „Anerkennung“ einer Erscheinung bedeutet: „Es ist gestattet, daran zu glauben“

Von Felizitas Küble

Von über zweitausend Erscheinungen, Visionen und ähnlichen „übernatürlichen“ Kundgaben hat die katholische Kirche im Laufe der Jahrtausende ganze 16 Stück gebilligt, das sind weniger als 0,1 Prozent – und auch diese „anerkannten“ Privatoffenbarungen sind für Katholiken nicht verbindlich, geschweige verpflichtend. 

Der Ausdruck „Anerkennung“ kann zwa richtig verstanden werden, aber unter Umständen mißverständlich klingen. Manche meinen nämlich, eine Anerkennung sei wie eine Art Amtsstempel, der die übernatürliche Herkunft einer bestimmten Erscheinung sicher verbürgt oder lehramtlich bestätigt.

In Wirklichkeit lautet der offzielle kirchliche Ausdruck für diesen Vorgang aber „Approbation“ – und dieser lateinische Begriff heißt übersetzt: Erlaubnis, Genehmigung oder Billigung  –  nicht aber Bestätigung.

Wenn also eine Erscheinung approbiert wird, ist es dem Kirchenvolk gestattet, daran zu glauben.

Papst em. Benedikt XVI. hat dazu in seinem Apostolischen Schreiben ‪„Verbum Domini“ Stellung bezogen:

„Die kirchliche Approbation einer Privatoffenbarung zeigt daher im wesentlichen an, dass die entsprechende Botschaft nichts enthält, was dem Glauben und den guten Sitten entgegensteht; es ist erlaubt, sie zu veröffentlichen, und den Gläubigen ist es gestattet, ihr in kluger Weise ihre Zustimmung zu schenken.“

Hier die amtliche Übersetzung der vatikanischen Kleruskongregation (siehe Kapitel 14): http://www.clerus.org/bibliaclerusonline/de/h35.htm

Wortwörtlich derselbe Abschnitt („...erlaubt….gestattet...“) findet sich auch in einer Verlautbarung der Glaubenskongregation mit dem Titel Normen für das Verfahren zur Beurteilung mutmaßlicher Erscheinungen und Offenbarungen“ (3. Kapitel) von Kardinal Levada aus dem Jahre 2011: http://www.vatican.va/roman_curia/congregations/cfaith/documents/rc_con_cfaith_doc_20111214_prefazione-levada_ge.html  

Diesen bewährten kirchlichen Standpunkt erwähnte bereits Kardinal Prosper Lambertini, der spätere Papst Benedikt XIV. (siehe Foto), in seinem 1738 erschienenen Standardwerk über Selig- und Heiligsprechungen: 

„Man muss wissen, dass diese Billigung (von Visionen und Offenbarungen) nichts anderes ist als eine Erlaubnis …, sie nach reiflicher Überprüfung zu Belehrung und Nutzen der Gläubigen zu veröffentlichen.‪“

Den Ausdruck „gestattet“ wählte auch der Bischof von Fatima, Dom José, als er die Erscheinungen von Fatima 1930 genehmigte.

In bewährter Tradition bestätigte er in seiner Approbations-Formel keine „übernatürliche“ Herkunft, sondern bezeichnete die Marienerscheinungen zurückhaltend-sachlich als „glaubwürdig“  – gemeint ist damit eine menschliche Glaubwürdigkeit, keine dogmatische Sicherheit. Der Oberhirte erwähnte sodann, die  Verehrung Mariens als „Unsere liebe Frau von Fatima“ sei damit offiziell gestattet.

Kardinal Gerhard Müller erklärte am 3. März 2017 hinsichtlich einer kirchlichen Approbation: „Selbst wenn sich die Kirche für ein solches Phänomen ausgesprochen hat, ist kein Katholik verpflichtet, dorthin zu gehen oder daran zu glauben.“

Er fügte hinzu: „Es gibt vielleicht einige Privatoffenbarungen, aber sie ersetzen nicht die einzige Offenbarung Gottes durch Jesus Christus.“

Der katholische Dogmatiker Prof. Dr. Joseph Schumacher aus Freiburg (siehe Foto) erläutert ebenfalls, daß Privatoffenbarungen von der Kirche ‪„niemals als Gegenstand allgemeiner Glaubenspflicht‪“ vorgelegt werden.

Ihre kirchliche Billigung besage nur, dass in den Botschaften nichts zu finden ist, was dem Glauben und der Sitte widerspreche, daß sie daher veröffentlicht und geglaubt werden dürfen.

Er fährt fort: ‪„Die Approbation gehört nicht in den Bereich des Lehramtes, sondern des Hirtenamtes. Daher sind auch approbierte Privatoffenbarungen für die Gläubigen nicht verpflichtend.

Die Kirche könnte sie gar nicht verpflichtend machen, selbst wenn sie es wollte, denn die kirchliche Unfehlbarkeit bezieht sich nur auf die Bewahrung und Interpretation der öffentlichen Offenbarung.“

Aus diesem Grunde ist es den Gläubigen selbstverständlich gestattet, kirchlich ‪„anerkannte“  bzw. approbierte Erscheinungen auf sachbezogene Weise kritisch zu bewerten.
Prof. Schumacher dazu: ‪„Maßvolle Kritik an den Privatoffenbarungen und ihre begründete Ablehnung sind möglich und durchaus mit dem Glauben zu vereinbaren, wenn sie nur mit der gebotenen Bescheidenheit, vernünftig und ohne Mißachtung vorgetragen werden.“


Zur Lehre der katholischen Kirche von der Abgeschlossenheit der Offenbarung Gottes

Von Felizitas Küble

In erscheinungsbewegten Kreisen und charismatisch-kath. Bewegungen tut man sich seit jeher schwer mit dem kirchlichen Grundprinzip, wonach die göttliche Offenbarung mit dem Tod des letzten Apostels abgeschlossen ist.

Es handelt sich bei dieser Lehre nicht etwa nur um eine übereinstimmende „Meinung“ der meisten katholischen Theologen in Vergangenheit und Gegenwart, sondern um eine ausdrückliche kirchliche Glaubenswahrheit, wie sie von Päpsten immer wieder in Erinnerung gerufen und eingeschärft wurde, sei es vorkonziliar (z.B. durch den hl. Pius X.) oder nachkonziliar (etwa durch Benedikt XVI. oder den KKK).

Da die objektive Selbstmitteilung Gottes mit dem Tod des letzten Apostels bzw. mit dem Ende der apostolischen Zeit (1. Jahrh. n. Chr.) endgültig abgeschlossen ist, können nachfolgende „Botschaften des Himmels“ nicht denselben Stellenwert besitzen.

Daher unterscheidet das kirchliche Lehramt seit jeher zwischen der göttlichen Offenbarung bzw. „öffentlichen“ Offenbarung auf der einen Seite und den „Privatoffenbarungen“ auf der anderen Seite.

Diese Abgeschlossenheit gibt uns auch der Hebräerbrief im NT zu verstehen, wenn es dort heißt, daß Gott zuerst durch die Propheten zu den Menschen sprach, zuletzt aber durch seinen Sohn  –  denn Christus ist die Vollendung der Offenbarung Gottes, die in IHM vollständig enthalten ist.

Während nun der Katholik verpflichtet ist, an die Offenbarung Gottes zu glauben, die in der Heiligen Schrift und in der apostolischen Überlieferung bezeugt wird, ist es seiner Freiwilligkeit überlassen, ob er an (kirchlich gebilligte) Erscheinungen glaubt oder nicht. (Den kirchlich abgelehnten „Botschaften“ soll man ohnehin nicht anhängen.)

Natürlich versuchen Befürworter sogenannter „Privatoffenbarungen“, genau diesen Ausdruck infrage zu stellen, weil sie ihn als herabwürdigend empfinden. Schließlich, so ihr Einwand, wende sich der „Himmel“ bei diversen Erscheinungen nicht nur an die jeweilige Einzelperson, sondern letzten Endes an die gesamte Kirche oder gar die ganze Welt, sei also gar nicht „privat“.

Doch das ist hierbei nicht der springende Punkt, denn es geht vielmehr um den grundsätzlichen Qualitäts-Unterschied, um den völlig anders gearteten Verbindlichkeits-Grad zwischen der göttlichen Offenbarung einerseits und Privatoffenbarungen andererseits.

Als Beispiel sei auf diesen Leser-Artikel verwiesen (https://gloria.tv/photo/1dUdbq6D1ce33xoxCKoLQLrc3), der auf Gloria-TV erschien und mit der typischen Überschrift beginnt: Um Marienerscheinungen herabzuwürdigen und zu bagatellisieren erfand man das Kunstwort, den Begriff der „Privat-Offenbarung““.

Zunächst einmal hat nicht „man“, sondern das kirchliche Lehramt selbst den Ausdruck „Privatoffenbarung“ eingeführt – und nicht etwa quasi „erfunden“, sondern seit Jahrhunderten als stehenden Begriff verwenden.

Auch diesmal fehlt es nicht an entsprechenden Drohungen, wie sie in diesem wundersüchtigen Lager häufig anzutreffen sind: „Sollten sich die Warner vor den „Botschaften der Gottesmutter“ irren, so arbeiten sie gegen Gottes Plan und werden sich dafür vor Ihm verantworten müssen UND für jeden der ihnen folgte.“

In einem Leserkommentar äußerte sich „DrMartinBachmaier“ folgendermaßen:
„Die Feststellung, dass „die Offenbarungen Gottes mit dem Tod des letzten Apostels abgeschlossen sind“, war eine Antwort auf die Lehren der leibfeindlichen Gnostiker in den ersten Jahrhunderten nach Christus….Doch die Kirche antwortete, indem sie dem einen Riegel vorschob: „Die Offenbarungen Gottes sei mit dem Tod des letzten Apostels abgeschlossen sind.“

Und das gilt in Bezug auf die Lehre der Kirche, die damals durch die Gnostiker bedroht war. Diese Antwort ist „nur“ eine sententia certa (zuverlässige Meinung) und kein Dogma.“

Der Autor hat zwar mit seiner historischen Herleitung weitgehend recht, wenngleich der Hauptanlaß für die Lehre von der Abgeschlossenheit der Offenbarung weniger die gnostischen Irrlehren (heute würde man von „Esoterik“ sprechen) waren, sondern die charismatische Sekte der Montanisten, deren „Prophet“ Montanus sich als Stimme des Heiligen Geistes ausgab usw.

Nun irrt sich der Verfasser aber hinsichtlich seiner Behauptung, es handle sich bei jener Lehre von der Abgeschlossenheit der Offenbarung lediglich um eine „sententia certa“, eine wohlbegründete theologische Meinung, nicht jedoch um ein Dogma.

In Wirklichkeit ist dieser Glaubenssatz sogar ein Axiom, eine Art Denkvoraussetzung für viele einzelne Lehraussagen also. Zudem wurde er immer wieder vom kirchlichen Lehramt eingeschärft und als verbindlicher Glaubenssatz deklariert.

Hierzu einige Beispiele von hochrangigen päpstlichen Verkündigungen aus vorkonziliarer Zeit:

Im Dekret Lamentabli vom 3. Juli 1907 wird die Aussage, wonach die göttl. Offenbarung  n i c h t  abgeschlossen sei, von Pius X. als modernistische Irrlehre verurteilt (vgl. Denzinger: DS 3421-3422).

Ähnlich in der Enzyklika Pascendi vom 8. September 1907 vom selben Papst (DS 3483) sowie im vierten Punkt des ebenfalls von Pius X. verlangten Anti-Modernisten-Eides aus dem Jahr 2010 (DS 3541)

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.

 

 

 

 


Bestätigt die kirchliche „Anerkennung“ einer Erscheinung ihre „Übernatürlichkeit“?

Von Felizitas Küble

In erscheinungsbewegten Kreisen wird immer wieder die Meinung geäußert, wenn die Kirche eine Privatoffenbarung anerkenne, bestätige sie damit gleichsam amtlich, daß es sich bei diesem Phänomen um einen übernatürlichen Vorgang handelt, also um ein vom Himmel bewirktes Ereignis. 

Diese – übrigens irrige – Ansicht wird nicht allein von Privatleuten vertreten, sondern wurde z.B. auch von der theologisch relativ anspruchsvollen, traditionell orientierten Internetseite „Katholisches.info“ geäußert.

So heißt es dort in einem Artikel  vom 10. April 2014 (der sich kritisch mit einem Text aus unserem CHRISTLICHEN FORUM befaßt), die Kirche habe die „Offenbarungen an die Seherkinder von Fatima anerkannt“ (was ohnehin unstrittig ist); sie seien aber „keineswegs etwas Privates“.

Weiter heißt es an die Adresse der Kirche gerichtet: „Wer eine solche Botschaft als übernatürlich anerkennt, kann, sofern er nicht schizophren denkt, unmöglich zugleich behaupten, es müsse sich aber keiner dran halten.“

Sodann schreibt ein anderer Autor am 21.3.2014 auf demselben Portal, Fatima sei „vom portugiesischen Episkopat 1930 als übernatürlich anerkannt worden“.

In Wirklichkeit wurde diese Privatoffenbarung vom Bischof von Fatima, Dom José (nicht vom dortigen „Episkopat“), in einem Pastoralschreiben lediglich gebilligt; das Wort „übernatürlich“ kommt in der Approbations-Formel nicht vor.

Vielmehr heißt es in bewährter kirchlicher Ausdrucksweise, die Visionen der Hirtenkinder seien „glaubwürdig“ und die  Verehrung Mariens als „Unsere liebe Frau von Fatima“ sei damit offiziell „gestattet„.

Drei Jahre später  –  am 3. Mai 2017 – klingt es in einem weiteren Artikel auf derselben Webseite „Katholisches.info“ schon etwas zurückhaltender und damit richtiger:

„Die Kirche reagiert vorsichtig, zurückhaltend und behutsam. Sie hat keine Eile, weil die göttliche Offenbarung mit Christus abgeschlossen ist und „Sonderoffenbarungen“ ihr nichts mehr hinzufügen können, was nicht schon gesagt ist.

Es handelt sich dabei, ob anerkannt oder nicht, bei allen Phänomen seither um Privatoffenbarungen, denen kein offizieller Charakter zukommt und die – selbst bei kirchlicher Anerkennung – von keinem Gläubigen geglaubt und anerkannt werden müssen.“

Also schön – immerhin etwas dazugelernt!

Und nun zur Sache selbst, wobei vorweg die Frage zu klären ist:  Was bedeutet eine kirchliche „Anerkennung“?

Der Ausdruck ist ungenau, denn der amtliche kirchliche Fachbegriff „Approbation“ beinhaltet keineswegs eine Anerkennung im Sinne einer Bestätigung, sondern bedeutet sowohl inhaltlich wie sprachlich vielmehr: Erlaubnis, Billigung, Genehmigung.

Wenn die Kirche also eine Privat- bzw. Sonderoffenbarung billigt, gestattet sie es den Katholiken, an diese Erscheinung zu glauben, verpflichtet sie aber nicht dazu.

Manche Apparationisten (Erscheinungsbewegten) wollen diesen schlichten Sachverhalt nicht gerne wahrhaben, sondern deuten eine Approbation als vermeintliche Bestätigung der „Übernatürlichkeit“.

In Wirklichkeit „bestätigt“ die Kirche aber lediglich, daß es erlaubt ist, an die betreffende Privatoffenbarung zu glauben – punktum.

Kardinal Gerhard Müller erklärte am 3. März 2017 wörtlich hinsichtlich einer kirchlichen Approbation: „Selbst wenn sich die Kirche für ein solches Phänomen ausgesprochen hat, ist kein Katholik verpflichtet, dorthin zu gehen oder daran zu glauben.“

Er fügte noch hinzu: „Es gibt vielleicht einige Privatoffenbarungen, aber sie ersetzen nicht die einzige Offenbarung Gottes durch Jesus Christus.“