FOCUS-Autor kritisiert Verunglimpfung konservativer Christen in Westeuropa

Lehramtstreue Katholiken werden zunehmend ausgegrenzt

Am gestrigen Allerheiligen-Fest veröffentlichte das Wochenmagazin FOCUS einen zeitkritischen und sehr lesenswerten Beitrag des Kommunikationsexperten und Schriftstellers Guiseppe Gracia unter dem Titel: „Innere Zensur: Wer hierzulande zur katholischen Lehre steht, zahlt hohen Preis.“

Darin beschwert sich der Schweizer Autor darüber, daß Meinungsfreiheit, Vielfalt und Toleranz in Westeuropa zunehmend schwinden, wenn es sich z.B. um „lehramtstreue Katholiken“ handle.

Zwar dürften diese konservativen Christen „sagen, was sie denken“, allerdings bleibe dies bisweilen nicht ohne Folgen, denn „sie sinken im öffentlichen Ansehen bis hin zur Ausgrenzung“.

Gracia sieht die „Gefahr einer inneren Zensurschere“  – und dies besonders bei „heißen Eisen wie Familienpolitik, Sexualmoral oder Abtreibung.“

Er fügt hinzu: „In vielen europäischen Medien erscheint die Lehre der katholischen Kirche als etwas Krankhaftes oder Menschenfeindliches.“

In Schweden habe eine sozialdemokratische Politikerin sogar Abtreibungsgegner mit radikalen Islamisten gleichgesetzt. Zudem habe der ZDF-Moderator Klaus Kleber kürzlich den Katechismus der katholischen Kirche mit der Scharia in Zusammenhang gebracht. 

In Deutschland, England oder Frankreich könne niemand Arzt oder Hebamme werden, wenn er schon während des Studiums verdeutliche, daß er Beihilfe zur Selbsttötung oder Abtreibung ablehne. 
Der Verfasser schlußfolgert: „Das fördert ein Klima, in dem Gläubige, die einen Job zu verlieren haben, sich hüten, Artikel oder Videoclips mit christlichen Ansichten zu liken.“
Er erinnert sodann an den Fall des konservativen italienischen Katholiken Buttiglione: „Trotz bester Qualifikation für das Amt des Vizepräsidenten der Europäischen Kommission (…) hat es ihn die politische Laufbahn gekostet, zumindest auf EU-Ebene.

Grundsätzlich anders sei die Lage in den USA: „Im Vergleich dazu können Politiker offen von Gott und ihrem Glauben sprechen. Ob jemand Pro-Choice oder Pro-Life ist, für oder gegen Homoehe: Er hat immer die Chance auf ein höheres Amt. Das ist in Westeuropa inzwischen undenkbar.“

Das Ausgrenzen gläubiger Konservativer sei kein Ausdruck der „offenen Gesellschaft“, so der Autor, sondern ihres Scheiterns.

Der zeitgeistkritsche Artikel erhielt bislang 72 Leserkommentare. Peter Zollo schrieb heute früh um 7,55 Uhr folgendes:

Katholisch bin ich nicht, aber ich stehe als Christ mit jüdischem Familienangehörigen hinter christlichen Werten und akzeptiere Menschen, die hinter der katholischen Lehre stehen, vollkommen. In vielen Punkten ist ja auch eine gewisse Wahrheit und Sinnhaftigkeit darin. Wenn Fernsehmoderatoren nunmehr schon Katholizismus und Scharia gleichsetzen, kann man ersehen, wie auch dort schon der Mainstream und Undifferenziertheit um sich greift.“

FOCSU-Quelle für die Zitate: http://www.focus.de/politik/experten/gastbeitrag-wer-hierzulande-zur-katholischen-lehre-steht-zahlt-hohen-preis_id_7785815.html

 

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Warum die Sexualität des Menschen sittliche Normen und Werte benötigt

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Uns allen wurde erzählt, dass wir aus einer dunklen Zeit kommen, aus einer Zeit der sexuellen Unterdrückung, aus einer Zeit, in der finster drein blickende Hüter der Moral die ihnen hilflos ausgelieferten Menschen mit ihren rückständigen Ideen davon abhielten, sich selbst zu verwirklichen und ihre Sexualität frei auszuleben.
Wir haben eine Gesellschaft überwunden, in der man die Menschen davon abhielt, ihr Glück zu finden. 

Heute leben wir in dieser Welt der „Freiheit“, die man uns versprochen hat. Jeder einzelne von uns kann sich selbst umsehen. Er kann die Gesellschaft betrachten, die ihn umgibt und er kann sich selbst ein Urteil bilden. Und natürlich kann er auch sein eigenes Leben zur Betrachtung heranziehen.

Sind wir glücklich mit der Gesellschaft, in der wir leben? Sind wir glücklich mit dieser Freiheit, die uns versprochen und die geliefert wurde?

Letztlich muss jeder für sich selbst entscheiden, wie er zu dieser Gesellschaft und ihren Werten steht.

Doch schauen wir uns dieses Narrativ von der „Sexuellen Befreiung“ etwas genauer an. Man sagt uns, eine freie Entfaltung der Sexualität wäre ein wichtiger Faktor dafür, im Leben glücklich zu sein.

Nun haben wir Menschen diese Tendenz, uns selbst und unsere Zeit als die Spitze des Fortschritts anzusehen. Oft betrachten wir die Gesellschaft, in der wir leben, als die bestmögliche und glauben, unsere Art zu leben sei die einzige, die überhaupt Sinn macht. Alles, was vor uns war, betrachten wir als notwendigen Entwicklungsschritt hin zu unserer heutigen und als fast perfekt empfundenen Welt, wenn nicht gar als Fehlentwicklung.

Aber wenn etwas mehr als tausend Jahre funktioniert hat, muss dann nicht irgend etwas daran richtig sein? Insbesondere dann, wenn wir unsere heutige Welt betrachten, die erst seit wenigen Jahrzehnten in dieser Form existiert und die gerade nicht unbedingt den Eindruck erweckt, als ob das noch lange so weiter gehen würde?

Warum aber lehren die Religionen eine „Sexualmoral“, eine Sache, die uns heute so seltsam aus der Zeit gefallen scheint? Und warum lehrt uns der Linksliberalismus das Gegenteil, welches man zusammenfassen könnte mit: „Alles ist erlaubt, so lange alle (direkt) Beteiligten es gut finden“?

Ich könnte jetzt etwas über stabile Familien und daraus erwachsende stabile Gesellschaften und über Geburtenraten schreiben. Genauso gut könnte ich Kinder und ihr Recht auf stabile Verhältnisse erwähnen. Ich könnte über Verantwortung schreiben, die man als Erwachsener übernehmen sollte und die wichtiger ist als individuelle Selbstverwirklichung um jeden Preis.

Kurz: Ich könnte darüber schreiben, dass Sexualität wichtige soziale Funktionen erfüllt und nicht nur bloße Triebbefriedigung ist. Und genau das ist der Kern der Sache.

„Du sollst Deine Sexualität kontrollieren  – und nicht sie dich“

Religion und Tradition wollen uns nicht „unterdrücken“. Sie sagen uns einfach nur:

Sexualität ist ein Trieb; sie kann gute und schlechte Dinge bewirken. Wir wollen, dass du lernst, sie zu beherrschen. Du sollst deine Sexualität kontrollieren und nicht sie dich.

Wir Menschen sind hin und her gerissen zwischen kurzfristigen und leicht verfügbaren Freuden und langfristigen Zielen. Und genauso sind wir auch hin und her gerissen zwischen unserer triebhaften und unserer höheren geistigen Natur.

Geben wir den kurzfristigen Freuden zu sehr nach, so zerstören wir das, was uns auf lange Sicht glücklich machen würde oder sorgen dafür, dass es gar nicht erst entstehen kann.

Und genau das ist es, was die Zerstörer des Westens mit ihrer Maxime „Alles ist ok, so lange alle Beteiligten einverstanden sind“ bezwecken.

Sie wollen uns auf dieses niedere Level herunterziehen. Sie wollen uns dazu verleiten, unserem ersten Impuls nachzugeben. Und sie haben eine Moral geschaffen, welche dieses Verhalten für richtig erklärt.

Sie soll uns das schlechte Gefühl nehmen, das uns beschleicht, wann immer wir unsere hohen und schwierigen Ziele aus den Augen verlieren und uns stattdessen in unseren niederen Instinkten und damit in der Gegenwart verlieren.

Erstveröffentlichung dieses Beitrags auf dieser Internetseite: https://neokonservativ.wordpress.com/


Kinder und Jugendliche beginnen mit Pornos per Internet immer früher

Kinder und Jugendliche werden über das Internet immer früher mit pornografischem Material konfrontiert. Das hat eine Online-Befragung durch Forscher der Universitäten Münster und Stuttgart-Hohenheim ergeben.

Demnach hat bereits die Hälfte der 14- bis 20-Jährigen harte Pornofilme gesehen. Jeder Zweite hatte bewusst danach gesucht. Die Befragten waren bei ihrem ersten Pornokonsum durchschnittlich 14 Jahre und zwei Monate.

Nach Worten des Kommunikationswissenschaftlers Thorsten Quandt von der Universität Münster geschieht es meist heimlich über Computer oder Smartphone.

Das bedeute, dass die Heranwachsenden auch allein mit den Inhalten zurechtkommen müssten, ohne dass Erwachsene ihnen dabei helfen könnten, sie einzuordnen. Jungen nutzten pornografische Angebote häufiger als Mädchen.

Befragt wurden 1058 Jugendliche.

Quelle: http://www.idea.de/gesellschaft/detail/umfrage-kinder-und-jugendliche-sehen-immer-frueher-pornos-102948.html


Flache Scheibe oder Erdkugel? – Das Mittelalter und die Naturwissenschaften

Von Dr. Eduard Werner

Der Australier Jim Jefferies arbeitet mit einer Parabel, um religiöse Menschen als dümmlich darzustellen. In seinem Fortschrittszug lässt er im ersten Waggon die klugen Wissenschaftler fahren, während er den religiösen Menschen, die geistig minderbemittelt sind, im dritten Waggon klägliche Bremsversuche unterstellt.  

Es ist schon eine alte Methode der Verächtlichmachung, weil Bilder nachhaltiger wirken als langatmige Texte.

BILD: Planetarium im Gasometer von Oberhausen

In der Zeit der Aufklärung unterstellten beispielsweise Kirchenfeinde den mittelalterlichen Menschen, sie hätten sich die Erde als Scheibe vorgestellt, von der man ins Nichts hinunter fallen konnte. In Wirklichkeit gibt es keinen einzigen Beleg dafür, dass die Menschen im Mittelalter so ungebildet gewesen wären.

Andererseits gibt es sehr viele Belege dafür, dass im Mittelalter die Vorstellung von der Kugelgestalt der Erde allgemein verbreitet war. Das bezeugt schon der Reichsapfel, das Wappen des mittelalterlichen Kaiserreichs. Auf der Weltkugel thront das Kreuz zum Zeichen, dass Christus der Herr der Welt ist.

Auch auf zahlreichen Darstellungen des Jesuskindes ist die Erde in Kugelgestalt zu sehen. Das Bild von der Erde als Scheibe war also frei erfunden, um die Religiösität des Mittelalters lächerlich zu machen.

In Wahrheit geht die kulturelle Entwicklung auf der Erde auf religiöse Menschen zurück. Der geistige Frühling Europas im ersten Jahrtausend ist ohne das neue christliche Arbeitsethos und ohne die Kulturtechniken der Benediktiner nicht denkbar. Und im 19. und 20. Jahrhundert sind die Christen mit Pater Gregor Mendel und dem Begründer der Urknalltheorie, dem Priester Georges Lemaitre, deutlich vertreten.

Erstveröffentlichung dieses Beitrags des Historikers Dr. E. Werner hier: http://blog.forum-deutscher-katholiken.de/?p=8515

Stephan Kolassa fügt dort in einem Kommentar ergänzend hinzu: 
Konkret zum Vorwurf, im Mittelalter habe man sich die Erde als Scheibe vorgestellt: Thomas von Aquin erwähnt beiläufig in Quaestio 1, Articulus 1, Ad 2, dass der Astronom ja beweise, dass die Erde rund („rotundus“) sei. Und das ist hier nicht einmal der Kernpunkt der Diskussion, sondern nur ein Beispiel. Offenbar war die Kugelgestalt der Erde im 13. Jh. dermassen akzeptiert, dass man darüber nicht einmal argumentieren musste. Lateinischer Text beispielsweise hier: http://www.corpusthomisticum.org/sth1001.html

Weiterer Text aus RELILEX hierzu:
„Der Reichsapfel war eine Kugel mit einem Kreuz darauf und gehörte zu den Symbolen der Herrschaft eines Kaisers, die ihm bei seiner Krönung als sogenannte „Insignien“ überreicht wurden. Später wurde dieses Symbol auch bei Königskrönungen verwandt. Seit der Antike wird die Kugel als Zeichen für die Welt genutzt. Die Kugelgestalt der Erde war seit Beginn unserer Zeitrechnung bekannt (auch wenn das heute dem Mittelalter manchmal nicht mehr zugetraut wird).“
(Quelle: http://relilex.de/reichsapfel/)


Erdbestattung: Zeugnis des Glaubens für die Würde des menschlichen Leibes

Von Felizitas Küble

Am 25. Oktober 2016 veröffentlichte der Vatikan die Instruktion der Glaubenskongregation „Ad resurgendum cum Christo“ (= Zur Auferstehung mit Christus) über die Beerdigung der Verstorbenen und die Aufbewahrung der Asche im Fall der Feuerbestattung.

Die römische Anweisung wurde am 15. August 2016 von Kurienkardinal Gerhard Müller unterzeichnet. Der Präfekt der Glaubenskongregation wählte für diese Instruktion, welche die Erdbestattung mit Nachdruck empfiehlt und theologisch begründet, sicher nicht ohne tieferen Sinn als Datum das Hochfest der Aufnahme Mariens in den Himmel mit Leib und Seele.

Geht es doch hier wie da  –  beim Assumpta-Dogma sowie bei der Bevorzugung der Erdbestattung  –   um die Hochschätzung des menschlichen Leibes über den Tod hinaus.

Eingangs verweist das vatikanische Dokument auf die frühere Instruktion „Piam et constantem“ vom 5. Juli 1963. Darin findet sich der Aufruf, dass „die Gewohnheit, den Leichnam der verstorbenen Gläubigen zu beerdigen, heilig gehalten werde“.

Die Feuerbestattung wurde jedoch zugleich erstmalig unter bestimmten Bedingungen erlaubt, sofern sie nämlich nicht „aus Ablehnung der christlichen Dogmen, aus sektiererischer Gesinnung oder aus Hass gegen die katholische Religion und Kirche“ praktiziert werde. Zuvor war folgender Passus des Kirchenrechts gültig: „Einem Gläubigen, der die Verbrennung seines Leichnams anordnet, wird das kirchliche Begräbnis zur Strafe entzogen.“

Der Anlass für die jetzige Instruktion ist wohl vor allem die Tatsache, dass sich – so heißt es dort eingangs – „die Feuerbestattung in nicht wenigen Ländern stark ausgebreitet“ habe. Auch in Deutschland steigt die Einäscherung kontinuierlich an. Waren es in Westdeutschland vor der Wiedervereinigung lediglich 7,5% aller Verstorbenen, die verbrannt wurden, so stieg dieser Anteil bereits 1999 auf 31,8% mit weiter wachsender Tendenz nach oben. In den neuen Bundesländern werden schon seit langem 70 – 75% der Toten eingeäschert. Auch auf kirchlichen Friedhöfen fällt die wachsende Anzahl der Urnen-„Gräber“ und Kolumbarien auf.

 Die Instruktion der Glaubenskongregation sieht diese Entwicklung zweifellos mit „brennender“ Sorge  – und sie begründet ihren Warnruf damit, dass sie die „lehrmäßigen und pastoralen Gründe“ darlegen wolle, welche „für die Bevorzugung der Beerdigung“ (also die Erdbestattung) sprechen. Zugleich gehe es darum, so Kardinal Müller weiter, „Normen für die Aufbewahrung der Asche im Fall der Feuerbestattung zu erlassen“.

Nach einigen grundsätzlichen Ausführungen über Tod und Auferstehung Christi sowie die Bedeutung der Taufe heißt es weiter: „Durch den Tod wird die Seele vom Leib getrennt; in der Auferstehung aber wird Gott unserem verwandelten Leib das unvergängliche Leben geben, indem er ihn wieder mit unserer Seele vereint.“

Warum dem Leib auch nach dem Tod Hochachtung gebührt

Auf dieser Grundlage schärft die Instruktion ein („empfiehlt die Kirche nachdrücklich“), den Leichnam des Verstorbenen „gemäß ältester christlicher Tradition auf dem Friedhof oder an einem anderen heiligen Ort zu beerdigen“.

Die Kirche senke „voll Hoffnung auf die Auferstehung in Herrlichkeit“ die „sterblichen Überreste“ der Gläubigen in die Erde. Der „Glaube an die Auferstehung des Fleisches“ solle auch auf diese Weise „bekräftigt“ werden. Zugleich wolle die Kirche dadurch „die hohe Würde des menschlichen Leibes“ ins Licht stellen, dem „Ehrfurcht und Achtung“ gebühre, denn durch die Taufe sei der menschliche Körper „Tempel des Heiligen Geistes geworden“.

Außerdem fördert die traditionelle christliche Erdbestattung, so heißt es weiter, „das Andenken und das Gebet für die Verstorbenen durch die Angehörigen und die ganze christliche Gemeinschaft, wie auch die Verehrung der Märtyrer und der Heiligen.“

Eben deshalb könne die Kirche keine Feuerbestattung erlauben, wenn derselben eine irrgeistige Motivation zugrunde liege:

„Sie kann deshalb nicht Haltungen oder Riten erlauben, die falsche Auffassungen über den Tod beinhalten, etwa wenn er als endgültige Vernichtung der Person, als Moment ihrer Verschmelzung mit der Mutter Natur oder dem Universum, als Etappe im Prozess der Reinkarnation oder als endgültige Befreiung aus dem „Gefängnis“ des Leibes verstanden wird.“

Freilich berührt die Einäscherung des Leichnams nicht die menschliche Seele, wie die Instruktion klarstellt  –   und sie „hindert die Allmacht Gottes nicht daran, den Leib aufzuerwecken“.  –  Gleichwohl gilt: „Die Kirche bevorzugt weiterhin die Beerdigung des Leichnams, die eine größere Wertschätzung für die Verstorbenen zeigt.“

Da es in den letzten Jahrzehnten verstärkt zu befremdlichen Bestattungs-Praktiken gekommen ist, erklärt die Instruktion, dass „die Aufbewahrung der Asche im Wohnraum nicht gestattet“ ist  – davon kann nur bei „schwerwiegenden Umständen“ abgesehen werden, die im Einvernehmen mit dem Ortbischof zu klären sind.

Zudem wird auch die See- oder Luftbestattung untersagt:

„Um jegliche Zweideutigkeit pantheistischer, naturalistischer oder nihilistischer Färbung zu vermeiden, ist es nicht gestattet, die Asche in der Luft, auf dem Land oder im Wasser oder auf andere Weise auszustreuen oder sie in Erinnerungsgegenständen, Schmuckstücken oder anderen Objekten aufzubewahren.“

Fest steht jedenfalls, so heißt es abschließend:

„Falls sich der Verstorbene offenkundig aus Gründen, die der christlichen Glaubenslehre widersprechen, für die Feuerbestattung und das Ausstreuen der Asche in der Natur entschieden hat, ist das kirchliche Begräbnis nach Maßgabe des Rechts zu verweigern.“

Es ist sehr zu begrüßen, dass die Glaubenskongregation mit dieser überfälligen Instruktion einige Stühle geraderückt und den Vorzug der herkömmlichen Beerdigung betont und begründet.

„Staub bist Du und zum Staub kehrst Du zurück“

Bisweilen hört man auch in katholischen Kreisen den Einwand, die Bibel selbst   – aber auch die Aschermittwochsliturgie  – spreche doch davon, dass der Mensch „Staub“ sei und dass er „zum Staub zurückkehrt“. 

Sicher trifft dies grundsätzlich zu, doch der wesentliche Unterschied besteht darin, dass der Leichnam  –  in der Erde vergraben –  durch den natürlichen Lauf der Dinge „zu Staub wird“, im Falle der Leichenverbrennung aber aktiv eingegriffen und der menschliche Körper absichtlich vernichtet wird. Hier geschieht also das „zu Staub werden“ willkürlich durch des Menschen eigene Hand  –  und dies meist „befeuert“ von Gründen der Kostenersparnis. Der Trend zum „Billig-Begräbnis“ (also Urne statt Sarg) scheint daher kaum aufzuhalten.

Nicht allein die Leichenverbrennung als solche ist deutlich preiswerter als die traditionelle Beerdigung, auch die Grabpflege gestaltet sich einfacher (sofern die Asche sich überhaupt noch in einem Urnen-„Grab“ befindet und nicht in einem Kolumbarium an der Friedhofswand, was den „Aufwand“ noch weiter verringert). Überdies ist bei der Einäscherung auch eine sog. „anonyme Bestattung“ möglich. Dabei wird die Urne in einem Massengrab beigesetzt, so dass überhaupt keine Grabpflegekosten für die Angehörigen entstehen.

In einer Wegwerf-Gesellschaft (die ungeborene Kinder bereits millionenfach tödlich „entsorgt“ hat) verschwindet zunehmend auch der Respekt vor dem Leichnam der  Verstorbenen. So wie es eine christlich-humane „Kultur des Lebens“ gibt, die das menschliche Leben von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod schützt und damit Abtreibung und Euthanasie verbietet, so gibt es auch eine „Kultur des Todes“, die den menschlichen Leibes bewusst hochschätzt, zumal er einst zur Auferstehung berufen ist.

Was ist uns die christliche Trauerkultur wert?

Hier stellt sich die jedoch die prinzipielle Frage: Was sind uns die Verstorbenen „wert“? Sind sie uns zwar noch „lieb“, dürfen aber auf keinen Fall „teuer“ werden? Welche Bedeutung hat hier noch eine wirklich christliche und humane Trauerkultur? Ist der Grundsatz vergessen, dass die Würde des menschlichen Leibes den Tod überlebt?

Im Judentum (und übrigens auch im Islam) ist die Leichenverbrennung nach wie vor strikt untersagt. Das Alte Testament kennt durchgehend eine strenge Pflicht zur Erdbestattung (vgl. 5 Mo 21,23) und betrachtet es als große Tugend, die Verstorbenen zu begraben (vgl. Buch Tobit). Die Verbrennung eines Leichnams wurde im Alten Bund als drastische Verschärfung der Todesstrafe angesehen und kam nur selten zur Anwendung (Gen 28,24; Jos 7,15).  –  Auch das Neue Testament geht von der Selbstverständlichkeit der Erdbestattung aus. Beim Begräbnis Christi betont Johannes ausdrücklich, dass es nach jüdischer Sitte ablief (Joh 19,39 f).

Die jüdisch-christliche Erdbestattung war in jener Zeit keineswegs selbstverständlich, denn im Heidentum praktizierte man vielfach die Einäscherung der Leichen. Dies wurde teils mit der Angst begründet, die Seele des Toten könne andernfalls in den Leichnam zurückkehren, teils auch mit der Abwertung des Leibes als „Gefängnis der Seele“ (gnostischer Dualismus). Auch die römischen Kaiser wurden nach ihrem Tod öffentlich auf einem Scheiterhaufen verbrannt, wobei man von der mythologischen Vorstellung ausging, dass die kultisch verehrten Herrscher dabei gleichsam „wie ein Phönix aus der Asche steigen“ und ihrer Himmelfahrt und Vergöttlichung entgegenstreben.

Derartige teils leibfeindliche, teils abergläubische Ideologien hat das Christentum stets abgelehnt. Die Sitte der Erdbestattung wurde infolge der etappenweisen Christianisierung der Germanen im frühen Mittelalter allmählich auch staatliches Recht. Im Edikt von Paderborn verbot Karl der Große im Jahre 785 n. Chr. jede Feuerbestattung, um dieser alten Unsitte bei manchen Neuchristen ein Ende zu bereiten.

Katakomben: Erschütterndes Zeugnis der frühen Christen

Immerhin würdigt die Heilige Schrift den Leib des Gläubigen als Tempel des Heiligen Geistes (vgl. 1 Kor 6,19) und versteht die Auferweckung am Jüngsten Tag ausdrücklich als eine Auferstehung des Leibes bzw. – noch deutlicher formuliert  – des „Fleisches“, wobei der Körper in seiner verklärten Daseinsweise nicht mehr an die irdischen Naturgesetze gebunden sein wird (vgl. 1 Kor 15,35). Durch die Verwandlung des sterblichen Leibes in die Unsterblichkeit des ewigen Lebens steigert sich die Glückseligkeit der Menschenseele im Himmel, denn sie wird wieder mit ihrem eigenen Leib vereinigt und so zur „Ganzheit“ des Menschseins vollendet.

Sollten nicht gerade wir Christen ein klares Signal für eine wahrhaft menschenwürdige „Trauerkultur“ setzen, auch und gerade inmitten einer wachsenden neuheidnischen Umgebung?

Bedenken wir auch das Zeugnis der frühen Kirche in der damaligen heidnischen Umgebung:

Während der römischen Verfolgung scheuten die Christen keine Mühe, um ihre Verstorbenen in selbstgebauten, unterirdischen Katakomben würdevoll zu bestatten, was durchaus auch ein gefährliches Unterfangen war. Eine Einäscherung wäre für sie gerade in dieser bedrängten Lage viel einfacher gewesen. Damals war die Leichenverbrennung  – zumal in der römischen Hauptstadt –  gang und gäbe, weshalb keine Friedhöfe existierten. Es gab lediglich Grabmäler, die sich sehr vermögende,  hochstehende Personen leisten konnten.

Die Katakomben sind der steinernde, die Zeiten überdauernde Beweis dafür, wie wichtig den damaligen Gläubigen die Erbestattung war, unter welchem Aufwand, unglaublichen Mühen und Opfern sie inmitten von Bedrängnis und Verfolgung unter der Erde würdige Grabstätten für ihre Verstorbenen errichtet haben. Diese Einsatzbereitschaft war heldenhaft und ist vorbildlich auch für unsere Zeit – gerade für sie!

Gewiss beruht unsere Auferstehungshoffnung nicht auf einer bestimmten Weise der Bestattung, sondern auf den Verheißungen Gottes. Doch der christliche Jenseitsglaube stärkt sehr wohl unseren Sinn für die besondere Würde des menschlichen Leibes; eine Würde, die uns etwas wert sein sollte –  über den Tod hinaus!

Dieser Artikel unserer Autorin Felizitas Küble (Mail: felizitas.kueble@web.de, Tel. 0251-616768) wurde in der Zeitschrift „Theologisches“ (Nr. 11 – 12/2016) veröffentlicht und hier um ein paar Zeilen ergänzt.

 


Mehrfache Mentalitätsveränderungen führten zu einer egozentrischen Single-Gesellschaft

Von Christa Meves

Eine neue Studie verdient Beachtung. Sie dokumentiert drei Phasen der mentalen Veränderung der Menschen hierzulande seit 1945 bis heute.

Während in der Nachkriegszeit von 1945 – 1968 die Mentalität der Menschen vor allem vom Aufbruch aus dem Inferno geprägt war, entstand ab 1965 im Westen – so weiß heute jedermann – eine schlagartig veränderte Lebenseinstellung. Jetzt begann – von den Medien einhellig unterstützt – ein links-liberaler Vorrang in der Lebensweise – eine Art „Locker vom Hocker“-Mentalität zu dominieren.

Im neuen Jahrhundert ist der Trend nun neu bestimmt von einer wirtschaftlich orientierten Europäisierung und von dem Durchbruch der Technik hinein in jedermanns Alltagsleben. Die dadurch jeweils gefärbten mentalen Veränderungen scheinen in einem ersten Ansatz durch die bereits erwähnte Studie im Auftrag einer Wirtschaftsfirma ins Visier genommen worden zu sein: Sie veranlasste eine Forschungsgruppe, die mentalen Veränderungen in zeitlich unterschiedenen Gruppierungen zu erkunden, um daraus Schlüsse für wirtschaftliche Optimierungen herauszufinden.

Ihre Ergebnisse sind aber auch psychologisch relevant und von interessanter Eindeutigkeit. Diese Digitalagenturgruppe Syzygy machte es sich also zur Aufgabe, die vorherrschende Lebenseinstellung eben bei den besagten drei Gruppen von je 1000 Personen in den drei jüngsten Zeitabschnitten zu untersuchen.

Sie verglich das Verhalten der 53 – 79-Jährigen – das sind die in die Nachkriegszeit Hineingeborenen – mit einer zweiten Gruppe der 37 – 52-Jährigen. Das sind in der BRD jene mit der im Westen ab 1965 einsetzenden 68er Kulturrevolution. Diese beiden Gruppierungen verglichen sie dann darüber hinaus und vorrangig mit den Jüngsten, den 19 – 36-Jährigen, also den ab 1981-1991 Geborenen.

Eindrucksvoll ist das Ergebnis der Untersucher: 

Während in der Nachkriegszeit offenbar die alten gesellschaftlichen Strukturen dominierten, erbrachte der Trend ab 1969 im Westen durch die revolutionäre, extrem liberalistische Veränderung einen Trend zur sog. antiautoritären Erziehung.

Aus diesen bald aufeinander folgenden Wechselbädern der beiden vergangenen Phasen hat sich nun – laut Studie – vor allem in der jüngsten Generation durch das Vorherrschen der neuen Technik im Verhalten der 19 bis 36-Jährigen eine erstaunliche weitere Veränderung ergeben.

Verstärkter Trend in Richtung Narzissmus

Diesen widmet die Studie vorrangig Aufmerksamkeit; denn im Gegensatz zu den Älteren zeigt sich in der jüngsten Generation hierzulande die Mentalität einer unverblümt offerierten, gesteigerten Ichhaftigkeit. Zitat: „Die Millennial-Generation in Deutschland dreht sich gerne um sich selbst und beansprucht für sich nur die besten Produkte und Dienstleistungen. Somit ist die ‚Generation Narzissmus‘ eine echte Herausforderung für Unternehmen, die sie als Konsumenten gewinnen wollen.“

Egozentrizität scheint hier also zu dominieren. Die Untersucher fassen sie unter dem Begriff „Narzissmus“ zusammen und verstehen darunter eine individualistische Dominanz mit einer besonderen Vorliebe für die eigenen Belange mit einer vorrangigen Nutzung nun nicht mehr allein des Fernsehers und dessen Krimi-Serien, sondern alles Digitalen, das ihnen vom Jugendalter ab mehrheitlich zur Verfügung gestellt wurde, dem Workman, dem Discman zunächst, dem Handy, dem PC in voller Wucht und in jüngster Zeit dann dem Smartphone.

Wie die Hirnforscher nun bereits längst gewarnt haben, verändert dieser Vorrang einer allein auf sich selbst bezogenen Beschäftigungsmöglichkeit anscheinend geradezu den Charakter zugunsten einer Abschottung und geistigen Verarmung. Auch die Forscher dieser Studie meinen nun, im Hinblick auf das Interesse für die Personen der Außenwelt geradezu einen Schwund feststellen zu können: Die jungen Menschen bleiben in zunehmendem Maß auf sich selbst bezogen.

Wachsende Gleichgültigkeit plus Selbstüberheblichkeit

Die Untersucher meinen zu konstatieren, dass so der Verlust einer nach außen gewandten Emotionalität stattfinde. Sie beschreiben eine selbstbezogene Gleichgültigkeit ihrer Probanden und sprechen von einem daraus resultierenden überheblichen Selbstbewusstsein, das sich in gespielter Nüchternheit „an Fakten hält“.  

Die Forscher betonen aber auch eine wie selbstverständliche Anspruchshaltung der jungen Menschen mit einer eher oberflächlichen Nutzung der Marktangebote. Aber sie meinen ebenfalls, eine überzogene Darstellungsbereitschaft per Super-Outfit bei öffentlicher Artikulation feststellen zu können. Gleichzeitig scheint sich den Untersuchern ein verringertes Interesse an spektakulären Ereignissen der Öffentlichkeit zu zeigen. Selbst dem dort so hoch gepolten Sexuellen mag die junge Mannschaft keine Neugier mehr abzugewinnen.

Die Motivation der Untersucher schließt die Frage nach den Ursachen dieser eklatanten Charakterveränderung der jungen Menschen aus; denn ihr Auftrag bezieht sich vorrangig auf das Konsumverhalten der jungen Menschen. Diese mag durch die Dominanz der Technik in jedem der jungen Köpfe mitverursacht worden sein; aber das kann allein die neue Mentalität nicht hervorgebracht haben.

Nimmt man dieses Verhalten pädagogisch, so lässt sich nicht die Frage ausschalten, wie es zu dieser erheblichen Einstellungsänderung hat kommen können, und wie dem zu begegnen sei.

Vernachlässigung brachte eine Single-Generation hervor

Die veränderte Erziehungsweise dieser jungen Generation, das viel größere Sich-selbst-Überlassen-sein bei meist beiden im Arbeitsprozess stehenden Elternteilen, die unzureichende Bindung an eine duale Bezugsperson im Kleinkindalter, der dadurch hervorgerufene Trend zur Kollektivierung von der frühen Kindheit ab, die Notwendigkeit, sich selbst zu behaupten bei einem uneingeschränkten Erlaubtsein von allem und jedem – so fürchteten praktisch arbeitende Psychotherapeuten schon durch das gesamte damalige Erziehungsklima ab 1969 hindurch – würde (wie Fritz Riemann das bereits prognostizierte) eine Gesellschaft von Singles produzieren.

Das scheint jetzt in der Tat Wirklichkeit zu werden. Denn sogar die Anziehung auf das andere Geschlecht scheint sich jenseits der Pubertät nicht etwa zu verstärken, sondern als eher überdrüssig uninteressant einzuschränken.

Der Wille zum Heiraten und damit zur Familienbildung wird dadurch offensichtlich bereits gemindert. „In mein Privatleben passen andere Menschen einfach nicht hinein. Sie stören nur“, sagte jüngst ein gut verdienender 25-Jähriger zu mir.

Dennoch: Nach meiner Beobachtung scheinen die bedrückenden Ergebnisse dieser Studie mit der Beschreibung einer sich konstituierenden Gesellschaft von Einsiedlern nicht das letzte Wort zu haben.

Wie viele lebendige, hoch motivierte und interessierte Kinder habe ich allein auf den Tagungen unseres Vereins „Verantwortung für die Familie“ kennengelernt – als die Erziehungsergebnisse liebevoll bemühter Eltern, die zäh und unermüdlich dem schädlichen Nesthocker-Zeitgeist widerstanden! Das mag eine kleine, aber für die Zukunft wertvolle Gruppierung sein.

Aber darüber hinaus hat sich allgemein in den letzten Jahren bei erstaunlich vielen jungen Menschen – wie ein Aufbäumen der Befindlichkeit gegen die seelische Verengung – nun eine erstaunliche Freude an großen Events mit einem christlichen Hintergrund entwickelt. Und dieses wird von mehreren christlichen Sendern, von Radio Horeb bis zu Hope Chanel, EWTN und Bibel-TV in gezieltem Ausmaß dokumentiert und propagiert

Auf diese Weise scheint sich die geminderte Emotionalität Bahn brechen zu wollen. Das sollte doch Hoffnung sein auf eine Reanimierung seelischer Vielfalt und damit auf eine Zukunft mit mehr seelischer Gesundheit und auf neu angeregte kultivierte Glaubensfülle, denn ohne diese wird’s beim „Haschen nach Wind“ bleiben.


Ausstellung über Hexenverfolgung in Ravensburg und dem Bodenseeraum

Auch in der oberschwäbischen Metropole und heutigen Kreisstadt Ravensburg wurden in der frühen Neuzeit unschuldige Frauen als Hexen hingerichtet. (Es handelt sich beim systematischen Hexenmord  –  entgegen weitverbreiteten Vorstellung  –  keineswegs vorrangig um ein Phänomen des Mittealters, sondern der beginnenden Neuzeit.)

Eine Ausstellung in Ravensburg befaßt sich unter Leitung des Kurators Prof. Dr. Andreas Schmauder konkret mit dem Hexenwahn im Bodenseeraum und südlichen Oberschwaben, wozu die die freie Reichsstadt Ravensburg gehörte – und zwar bezogen auf Vorgänge im Jahre 1484.

Der bekannte Inquisitor Heinrich Kramer (genannt „Insistoris“), späterer Verfasser des berüchtigten „Hexenhammers“, kam persönlich in die Stadt, um die Hexenverfolgung einzuleiten.

Hintergrund der Pogromstimmung waren Mißernten aufgrund von Hagel, Unwettern und Überschwemmungen. Wurden bei der Pest im Mittelalter vor allem Juden als Sündenböcke ausfindig gemacht, so traf es in späterer Zeit die „Hexen“, denen man Teufelspakt und Schadenszauber unterstellte. 1484 forderte Insistoris die Bürger von Ravensburg auf, ihm Bewohner zu nennen, die jener Teufelsbuhlschaft verdächtig sein könnten.

Sechs Frauen wurden denunziert und im Kerker inhaftiert. Vier von ihnen wurden wieder freigelassen, zwei jedoch „gestanden“ unter tagelanger Folter die Anschuldigungen. Das Stadtgericht in Ravensburg verurteilte die beiden Frauen Agnes Bader und Anna Mindelheimer unter großer „Anteilnahme“ (Schaulust) der Bürgerschaft zum Feuertod. Nach einem ähnlichen Verfahren wurden weitere 46 Opfer im Bodenseeraum gefoltert und auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

Es war wohl kein Zufall, daß es sich bei den beiden Hingerichteten um ledige Frauen handelte, bei denen, die freikommen konnten, jedoch um verheiratete, denen ihre angesehenen, in der Stadt solide verwurzelten Familien zu Hilfe kamen, indem sie für die Tugendhaftigkeit der Angeschuldigten bürgten. Zudem stand eines der ledigen Opfer im Verdacht eines unehelichen Verhältnisses, die andere arbeitete in der Badestube, was anscheinend einen zweifelhaften Ruf begünstigte.

Insgesamt hatten   – nicht nur in Ravensburg  –  verheiratete Frauen eher eine Chance, dem Hexentribunal zu entkommen. Allerdings konnte es woanders auch geschehen, daß Angehörige, die für sie eintraten, selber als Verdächtige auf dem Scheiterhaufen landeten.

Etwa 75 bis 80% der Opfer dieses Wahnes waren Frauen, in der früheren Neuzeit stärker als im Mittelalter, wo das Augenmerk auch auf den „Zauberern“ bzw. Hexenmeistern lag. Wie Prof. Andreas Schmauder erläutert, rechnet die Geschichtswissenschaft für die europäische Hexenverfolgung vom 15. bis 18. Jahrhundert mit 40.000 bis 60.000 Todesopfern, davon ca. 25.000 auf dem Gebiet des „Hl. Römischen Reiches deutscher Nation“.

Weitere Infos zur Ausstellung: http://www.museum-humpis-quartier.de/mhq/museumswelten/sonderausstellungen.php