Fatale Folgen einer Frühsexualisierung von Kindern im Gefolge der 68er Revolte

Von Christa Meves

Nein, aufhören mit dem Aufklären, mit Warnen und Raten kann ich nicht, obgleich ich demnächst in das 96. Lebensjahr einsteigen werde; denn was sich nun mit den Kindern in den Familien abspielt, ist sogar noch gravierender als das, was ich nach meinem ersten Schockerlebnis vor 50 Jahren unablässig in die Öffentlichkeit hineinzurufen begann.

Diese Erfahrung machte ich 1969 bei einer Einladung zum Vortrag in einer Berliner evangelisch-lutherischen Akademie, nachdem mein Vorredner, Helmut Kentler, ein mir unbekannter Lehrer aus Ostberlin (jedenfalls benannte er sich damals so), seinen Vortrag sinngemäß mit folgender Quintessenz beendet hatte:

Ab jetzt werden wir den Menschen machen. Wir allein, in eigener Regie, frei für jede Form von Sex, auch für die Kinder.

Hingegen hieß das Ergebnis meiner Ausführungen: Wir müssen bei unseren Entscheidungen hinauffragen: Was erwartet unser Gott mit seiner Schöpfungsordnung von uns, damit wir zu einer gesunden Zukunft hinfinden können?

Dieser Mann, der jetzt erst nach seinem Tod als ein –  durch die Jahrzehnte hindurch  –  vielfacher Missbrauchstäter (mit institutioneller Hilfe in Berlin) entlarvt worden ist, war damals bereits ein Protagonist der sogenannten Studentenrevolte.

Nachdem Kentler in der Universität Hannover zum Professor ernannt worden war – mit einer völlig unzureichenden Dissertation (kann jeder noch heute nachlesen) –  hat er Studenten jahrzehntelang mit einer abwegigen Pädagogik bedient.

Er hatte bereits 1970 in einem Taschenbuch mit dem Titel „Sexualerziehung“ seine Parolen zur Sexualisierung der Kinder vollmundig zu Papier gebracht. Aus der Sicht meiner kinderpsychotherapeutischen Praxis hatte ich damals bereits lesen müssen, was hier geplant war.

So blieb mir nichts anderes übrig, als mit einem kleinen Herder-Taschenbuch unter dem Titel „Manipulierte Maßlosigkeit“ meinen fachspezifischen Protest dagegenzusetzen; denn die Sexualität der Erwachsenen, so betonte ich, gehört nicht in die Kinderjahre. Dort ist sie den Kindern nicht gemäß.

Wer die Sexualität entfesselt und sie zu einer allgemeinen Lebensnotwendigkeit „von der Wiege bis zur Bahre“ erklärt, handelt sich eine Vielzahl von Sexualstörungen im Erwachsenenalter ein, Sexualsüchte vor allem, aber auch Abweichungen und sogar viel mehr Krankheiten physischer und psychischer Art. 

In Vorträgen über Vorträgen, in Büchern über Büchern variierte ich in den nächsten 50 Jahren – neben Warnungen vor dem Aufweichen bewährter Strukturen wie Familie, Autorität und Hierarchie – dieses Thema; denn zunehmend mehr entwickelte sich das Terrain der Bundesrepublik unversehens in ein Minenfeld mit Fallen zu unglücklich machenden, leidvollen Fehlentwicklungen.

Aufklärung darüber macht es aber möglich zu retten, was sich retten lassen will; denn es gibt bis heute immerhin auch noch weniger seelisch und geistig verseuchte Regionen, besonders in den deutschsprachigen Nachbarländern…

Außerdem kam mir auf meinem Feld unverhofft eine wissenschaftliche Forschung, die mächtig anschwoll, zu Hilfe. Dadurch gewann ich die beglückende Erfahrung, dass sich meine Vorstellungen, die ich in meinem Universitätsstudium der Nachkriegszeit und in der Praxis gewonnen hatte, immer mehr durch seriöse Forschungsergebnisse bestätigten:

So wurde jetzt z. B. die durchschlagende Einsicht der Hormonforscher publiziert, dass bereits im Mutterleib die Ausformung der unterschiedlichen Geschlechtsorgane von männlichen und weiblichen Kindern durch hohe Dosierungen entweder des männlichen Geschlechtshormons Testosteron für die Knaben oder des weiblichen Hormons Östrogen für die Mädchen massiv vorangetrieben wird.

Aber dann – wenige Wochen nach der Geburt – sinkt schon während der Säuglingszeit die Hormonlage der Babys bei beiden Geschlechtern fast auf Null zurück  (1).

Erst ab der Vorpubertät, etwa um das 10. Lebensjahr herum, beginnt der Hormonspiegel sich wieder bei beiden Geschlechtern kontinuierlich bis ins Erwachsenenalter hinein zu steigern.

Es ist einleuchtend, warum das so ist:

Bei den gewichtigen Reifungsphasen zwischen dem ersten und zehnten Lebensjahr ist der Naturtrieb Sexualität nicht gefragt. Ihr natürlicher Aufgabenbereich beginnt eigentlich erst mit der Fortpflanzungsfähigkeit. Bei der Einhaltung dieser natürlichen Grundregel ist in diesem Bereich am ehesten seelische und körperliche Gesundheit im Erwachsenenalter zu gewinnen.

Umso verhängnisvoller ist aber ein Zeitgeist, der das Gegenteil auf sein Banner schreibt. Die ungeschriebene Vorschrift der Revolutionäre „Sex von der Wiege bis zur Bahre“ ist keineswegs vom Tisch. Sie ist sogar bis in die Schulpläne für Grundschüler eingesickert.

Und nun produziert zum Entsetzen verantwortungsbewusster Eltern auch noch das Smartphone ein Leck auf diesem Gebiet:

Heute ist es kaum noch zu verhindern, dass fast jedes Kind es vom Grundschulalter ab zuwege bringt, eines Smartphones habhaft zu werden, um mit diesem dann herunterzuholen, was ihm beliebt. Und das ist in diesem Alter dann meist etwas, das ihm Freunde angeraten haben.

Seit dieser Neuheit landen bei mir nun zunehmend häufiger ratlos seiende Mütter, die zumeist bei ihren Kindern zwischen sechs und zwölf – Mädchen wie Jungen – mit neuen, bisher nie gekannten Verhaltensstörungen konfrontiert sind:

Z. B. eine Siebenjährige in der 2. Klasse verhielt sich, als wäre sie gänzlich von der Rolle. Sie könne nun nichts mehr, sagt sie, obgleich die Mutter erklärt, dass sie vorher im Geschwisterkreis ein supergesundes, fröhliches Mädchen mit guten ersten Erfolgen in der Schule gewesen sei. Alles Befragen hülfe nichts. „Das geht nicht“, heißt dann unter Tränen die Antwort des Kindes.

Eine andere Mutter berichtet mit berechtigter Sorge, ihr Sohn, 10 Jahre alt, verweigere ebenfalls konstant den Schulbesuch. „Da wäre etwas dazwischen“, erkläre er dann. Er fürchte sich, dann wieder nach Hause zurückzugehen, er müsse dann irgendwie loslaufen und sich bald irgendwann umbringen.  

Aber das sind nur zwei Beispiele von sehr ähnlichen weiteren, ohne dass eine der üblichen Diagnosen von Therapeuten feststellbar erscheint. Nicht selten gelingt es aber doch durch Berichte von Unbeteiligten, der Ursachen der massiven Störung habhaft zu werden: Bei manchen Kindern im Grundschulalter zeigt sich dann, dass irgendein Mitschüler die Kleinen zum heimlichen Benutzen von Mutters Smartphone verführt und sie auf bestimmte Sendungen unter einem bestimmten Code aufmerksam gemacht hatte.

Die Ursache besteht darin, dass die Kinder meist, ohne dass sie wissen, was ihnen geschieht, auf Sendungen mit Pornografie gestoßen sind.

Was sich besonders bei den Sensibleren, eher auch bei hervorragend Intelligenten, hier abspielt, ist ein Bildeindruck, der weder verstanden noch verkraftet werden kann. Es entsteht so ein massives Trauma, das nun allerdings dringend zunächst der Aufklärung und dann einer fachkompetenten Therapie bedarf. Was für eine neue schwere Verantwortung aller Pädagogen ist so neu entstanden!

Hier muss erst einmal darüber informiert werden, dass die Kindheit eine sexfreie Zone zu sein hat. Eigentlich müssten sämtliche Pädagogen jetzt erst einmal dazu angehalten werden, diesen Status der Kindheit zu respektieren, statt ihn unentwegt anzuheizen, wie es heute nicht selten im Sexualkundeunterricht geschieht.

Wie nötig wäre hier eine Vorbildhaltung auch der Eltern, statt (wie gelegentlich weiterhin) es für modern zu halten, ihre sexuellen Auslöser den Kindern so viel wie möglich hinzuhalten.

Diese Seuche ist der Sündenfall eines Zeitgeistes, der von Gottes Allgegenwart abgefallen ist. Hier muss angesetzt werden, um elenden Fallen solcher Art Paroli zu bieten.

1) Eliot, Lise: Wie verschieden sind wir? Die Gehirnentwicklung bei Mädchen und Jungen. Berlin 2009, für die deutsche Ausgabe © B.V., Berlin Verlag GmbH, Berlin 2010, S. 141

Die Bestseller-Autorin Christa Meves ist Psychotherapeutin für Kinder und Jugendliche; sie leitet den Verein „Verantwortung für die Familie“, bei dem Sie online weitere Artikel finden: http://www.vfa-ev.de/newsl.htm


Kleinkinder: Wie die Sehnsucht nach Nahrung und Liebe zusammenhängt

Von Christa Meves

Das ist erstaunlich: Im Straßenbild ließen sich früher eher selten ungewöhnliche Körperformen entdecken, heute treten manche in geballter Quantität auf – so z. B. die allzu starke Vollleiblichkeit einer erheblichen Zahl von Passanten. Und zwar nicht mehr allein bei den Älteren wie einst. Heute sind das nun auch eine zunehmende Schar ausgesprochen pummeliger Kinder im Grundschulalter.

Das entspricht nicht der natürlichen Norm. Diese schreibt nämlich Kindern in unserer Region – spätestens ab der Siebenjährigkeit – als Wachstumsgesetz einen Wachstumsschub vor. Dieser lässt sie nun auch die Reste des „Babyspecks“ aus dem Kleinkindalter einbüßen. Es lässt sich wahrnehmen, wie sich die Kinder altersentsprechend in die Länge strecken, die Buben voran.

Aber heute bleiben diese Vorgänge bei immer mehr Grundschulkindern aus. Diese auch statistisch erfasste, sich immer mehr steigernde Neuheit musste natürlich Entwicklungsforscher anregen, und so sind in unserem neuen Jahrhundert international eine Reihe von Spezialeinrichtungen aus dem Boden geschossen.

Aber oft bleiben die Ergebnisse spärlich. Viel Rückfälligkeit nach Ernährungsumstellungen und Nahrungseinschränkungen ist zu konstatieren.

Und im Einzelnen kann man eine erstaunliche Beobachtung machen: Diese Schar der übergewichtigen Kinder macht bei den Vorschlägen der Therapeuten zwar in konzentrierter Eifrigkeit mit. Aber die Waage bleibt in unbefriedigenden Zahlen stehen oder sie schwingt nach einem Kurzerfolg rasch wieder in die alte Höhe zurück. #

Das lässt immer neu als Endergebnis die schlichte Vorstellung vom „guten Futterverwerter“ als einen hauptsächlichen Verursacher lebendig bleiben. Aber in den meisten Fällen weist das auf eine unzureichende Diagnose hin.

Doch was ist es dann?

Ich habe im Hinblick auf diese Fragestellung in meiner langen Praxiszeit die Erfahrung gemacht, dass in solchen Fällen der Einblick in die kleine Seele noch nicht in der Tiefe gelungen ist. Bei all der Bereitschaft dieser Kinder, brav zu sein, ist ein zentraler Seelenteil dennoch verschlossen geblieben, ja, er wird unbewusst unter einer Zugehörigkeit fest versteckt gehalten: Bei diesen in die Therapie geschickten Kindern ist zunächst unbewusst ein streng gehütetes Geheimnis vorhanden.

Fast ohne Ausnahme konnte ich bei adipösen Kindern durch ein kleines Experiment folgende Erfahrung machen:

Ich platzierte auf unserem Spieltisch eine Schale mit Schokoladenplätzchen mit den hübschen bunten Perlchen obendrauf. Wie nebenbei bot ich davon an. Fast alle übergewichtigen Kinder dieses Alters schüttelten dann bedauernd den Kopf. Nachdem ich den Raum aber einige Zeit später verlassen hatte, ließ sich bemerken (und nach der Stunde auch nachzählen), dass einige Plätzchen verschwunden waren.

Hier offenbart sich ein Schlüssel zum Verstehen: Das Kind versucht zwar (mit dem Bedürfnis nach Anerkennung), sich den Mahnungen der Umwelt: „Friss doch nicht so viel!“ anzupassen, aber in der Tiefe seiner Seele hockt ein unbezwingbarer Drang, zuzugreifen. Und der steigert sich sogar zusätzlich, je mehr er frontal abzuwürgen versucht wird.

Auf diese Weise kann er sich bis zum Drang, heimlich zu mopsen, verstärken, ja, sich im übelsten Fall sogar bis zum Diebstahl aller Art, besonders von Geld aus Mutters Portemonnaie und in seltenen Fällen sogar zu einer allgemeinen Stehlsucht (Kleptomanie) ausweiten.

Dieser Zusammenhang wird von der Umwelt, von welcher Art diese auch sein mag, aber kaum einmal verstanden. Deshalb ist der Kampf zum Scheitern verdammt.

Die Ursache liegt tiefer – bereits im Säuglingsalter.

Hier dominiert zunächst das unbewusste Bedürfnis, sich durch Nahrung am Leben zu erhalten. Aber hier gibt es nun in unserer Zeit reichliche Fehlerquellen gegen eine urnatürliche Handhabung. Durch unnatürliche Künstlichkeiten kann hier leicht ein Mangel beim Säugling entstehen (z. B. durch Schreienlassen bis zur Erschöpfung des Kindes, ungeordnetes Füttern, z. B. in allzu starren Zeitabständen).

Dazu gehört aber nun – fest vernietet mit dem Nahrungstrieb – auch das Bedürfnis nach Nähe, Liebe und Schutz durch die pflegende Person. Das ist selbst in der Kinderheilkunde heute häufig noch unbekannt. Durch den seelischen Mangel (z. B. durch Trennungen vielfältigster Art und ein unstetes Leben) verstärkt sich dann also der Drang nach Befriedigung.

Je älter das Kind wird, zeigt sich das auch in einem Bedürfnis, sich selbst einem Gegenüber zuwendend zu verhalten. Deshalb sind Kinder mit Übergewicht häufig besonders liebenswert, anhänglich. Manche kleben im Schulalter noch wie Pech an der Lehrperson und daraus entsteht auch ein Bedürfnis, durch eine eigene Helferhaltung den anderen für sich zu gewinnen, aber dadurch auch eine verstärkte Empfindlichkeit gegen Enttäuschungen und Herabsetzungen.

Das ist interessanterweise der Weg in einen Charakter, den ich in meiner Typenlehre als Hingabetyp bezeichnet habe.

Aber manchen Menschen – besonders Frauen – gelingt allerdings mit exzessiver Willensanstrengung ein Gewichtsstopp (in seltenen Fällen sogar bis zur Magersucht). Dann wird der seelische Hunger durch Belohnungen ersetzt – durch Hungern ein Leichtgewicht auf der Waage zu erreichen –  oder in weiteren Fällen mit einer anderen Ersatzbefriedigung, die ebenso Suchtcharakter enthält und dann nicht selten auch zur unentrinnbaren Sucht wird.

Die gesuchte innere Zufriedenheit kann dadurch nicht erreicht werden, sondern eher die Vorstellung von Wertlosigkeit durch eine als nicht beherrschbar erlebte Willensschwäche.

Diese seelische Befindlichkeit wird nun aber in der heutigen Zeit umso häufiger zu einem allgemeinen, quälenden Lebensproblem. Je künstlicher man sich über natürliche Kinderpflege hinwegsetzt, umso mehr entsteht die Gefahr, dass sich die seelische Belastbarkeit im Erwachsenenalter bei immer mehr Menschen mindert.

Daraus entwickelt sich dann immer häufiger eine neurotische Form der Depression, die zu einer allgemeinen Minderung von Langzeitleistungsfähigkeit führt wie auch zu einer Überlastung der Gesundheitssysteme.

Wie aber heute dieser gefahrvollen Beschwernis begegnen? Vorab durch ungestörte Mutternähe und durch gesellschaftlich anerkannte, finanziell unterstützte Zeit für die natürliche Mutterliebe – besonders in den frühen Kinderjahren.

Da die Bedürfnisse nach Nahrung und nach Zuwendung in der ersten Lebenszeit so zentral miteinander verwoben sind und am Lebensanfang prägend auf die Hirnentwicklung einwirken, müssten diese Aspekte in der Pädagogik in Elternhaus, Kindergarten und Schule vorrangig berücksichtigt werden.

Bis ins Grundschulalter hinein lässt sich sogar nun noch Versäumtes nachholen. Weil die Störung nun einmal durch unnatürliche Handhabungen und Versäumnisse in der Säuglingszeit auf dem Boden der ersten fundamentalen Ich-Du-Beziehung entsteht, erweisen sich all jene Bemühungen am erfolgreichsten, die in dieser Zeit vorrangig ansetzen, und zwar durch eine Anpassung der Erziehenden an das Geschöpflich-Sein-Sollende.

Das gelingt sehr erfolgreich – besonders mit zweisamen Betätigungen vor allem in einer gesteigerten Mühe um Beachtung und Anerkennung der kleinen bedürftigen Seele. Dann lassen sich auch die notwendigen Begrenzungen der ungestümen Suche nach Lebensweite eher erreichen.

Denn Natur und Geist sind von unserem Schöpfer nun einmal aus dem gleichen Holz geschnitzt: aus seiner Liebe.

Christa Meves ist Psychotherapeutin und Bestseller-Autorin; sie leitet den Verein „Verantwortung für die Familie“, bei dem sich online weitere Infos und Artikel finden: http://www.vfa-ev.de/newsl.htm

 


Von unseriös bis kriminell: Die Methoden des „Sexualforschers“ Alfred Kinsey

Am 23. Juni 2019 jährte sich der 125. Geburtstag des berühmten Sexualforschers Alfred Kinsey. Er ist einer der bekanntesten Sexualforscher der Welt. Über ihn wurden zahlreiche Bücher geschrieben und mehrere Filme gedreht. 

Auch heute noch wird der US-amerikanische Professor für Zoologie, Alfred Charles Kinsey, als Wegbereiter der sexuellen Revolution gefeiert und für seine angeblich „nüchterne“ und „vorurteilsfreie“ Forschung gelobt. Aber stimmt das wirklich?

Wer sich kritisch mit seiner Arbeit auseinandersetzt, entdeckt einen Sumpf aus unwissenschaftlichen Methoden, krankhaften Neigungen und schrecklichen Verbrechen.

Fest steht: Seine beiden „Kinsey-Reports“ über das Sexualverhalten von Männern und Frauen, die er vor etwa 70 Jahren veröffentlichte, prägen die Sexualwissenschaft in den USA und Europa bis heute. Aber genau das sollte ein Grund zur Sorge sein.

Nicht nur die Biografien über Kinsey von James Jones und Jonathan Gathorne-Hardy, sondern vor allem auch die ausführlichen Veröffentlichungen von Judith A. Reisman, einer Professorin für Kommunikationswissenschaft, brachten mehrere erschreckende Erkenntnisse über Kinsey und seine Arbeit zum Vorschein:

So sollen die Methoden Kinseys in keiner Weise wissenschaftlichen Standards genügen. Er behauptete beispielsweise, 95 Prozent aller Männer seien gemäß der damaligen Gesetze in den USA Sexualstraftäter, 69 Prozent gingen regelmäßig zu Prostituierten und zehn bis 37 Prozent wären gelegentlich homosexuell aktiv.

Diese Ergebnisse sind aber laut Reisman nicht repräsentativ, denn seine beiden Hauptwerke enthalten nur Daten von 4500 Personen, worunter circa 1400 Sexualstraftäter, über 300 andere Straftäter und 200 sexuelle Psychopathen waren. Auch zahlreiche aktive Homosexuelle und Jugendliche, die Opfer von sexuellen Missbrauch waren, wurden befragt. Deren Antworten können nicht als gesellschaftlich repräsentativ betrachtet werden.

Darüber hinaus gelang es Kinsey und seinen Mitarbeitern kaum, Frauen für die Befragungen zu gewinnen, sodass sie viele Daten fälschten. Zum Beispiel wurden alle Frauen, die bereits länger als ein Jahr mit einem Mann zusammenlebten, als „verheiratet“ bezeichnet. Die Daten von „Prostituierten“ betitelten sie als die Daten „gewöhnlicher Hausfrauen“.

Viele Daten über die angebliche Sexualität von Kindern und Jugendlichen kamen nur durch deren sexuellen Missbrauch zustande:

1888 Jungen im Alter von fünf Monaten bis zur Adoleszenz sowie 147 Mädchen im Alter von zwei bis 15 Jahren wurden sexuell „stimuliert“ oder sollten das selbst tun. Beobachter mit pädophilen Neigungen sollten dabei mit einer Stoppuhr die Zeit bis zum Orgasmus des Kindes messen.

Das Ergebnis dieser kriminellen Untersuchungen sind die Behauptungen Kinseys über die angeblichen großen sexuellen Bedürfnisse von Kindern. Die zum Teil großen körperlichen Schmerzen und psychischen Leiden der Kinder während dieser „Untersuchungen“ interpretierte Kinsey als „multiple Orgasmen“ und listete sie detailliert in Tabellen auf.

Kinsey stand während seiner Arbeit nicht nur in Kontakt mit Vergewaltigern und Pädokriminellen, sondern litt selbst unter sadomasochistischen, voyeuristischen und pädophilen Neigungen, die er etwa in „Gruppensex-Spielen“ mit seinen Mitarbeitern und deren Ehefrauen auslebte und teilweise filmte.

Quelle und FORTSETZUNG des Beitrags hier: https://demofueralle.blog/2019/06/27/die-wurzeln-der-sexualpaedagogik-der-vielfalt/


Geschichte und Tragödie der Deutsch-Böhmen

Von Felizitas Küble

Professor Rudolf Jansche aus Wilhelmsfeld hat die Vertreibung von fast 3 Millionen Sudetendeutschen bzw. Deutsch-Böhmen aus der Tschechoslowakei als Kind persönlich miterlebt.

Sein bereits in 3. Auflage erschienenes Buch „Damit kein Gras drüber wächst“ (Verlag Inspiration) hat der bekannte amerikanische Völkerrechtler Prof. Dr. Alfred de Zayas in der „Sudetenpost“ gewürdigt und empfohlen. (Siehe hier auf S. 8: http://www.sudetenpost.eu/Archiv/2018/7.pdf)

Es vermittelt sowohl Geschichte wie Geschichten aus der Heimat der Deutsch-Böhmen. Die tausendjährige Historie dieser Volksgruppe kommt ebenso fundiert zur Geltung wie die Vertreibung und der an ihnen geschehene Massenmord ab 1945 durch tschechische Kommunisten und Nationalisten. (Näheres zum Buch hier: http://www.verlag-inspiration.de/buch-damit-kein-gras-drueber-waechst.html)

Der Zeitzeuge erinnert als Publizist sachlich, aber eindringlich an diese millionenfachen Verbrechen, die in deutschen Medien oft totgeschwiegen werden. Die meisten Opfer von Flucht und Vertreibung waren Frauen und Kinder.

In diesem Kontext bzw. Zusammenhang ist eine Aussage von Miloš Zeman, dem früheren Ministerpräsidenten und heutigen Präsidenten Tschechiens, an Zynismus kaum zu überbieten, sprach er doch davon, den Sudetendeutschen sei die „Gnade der Vertreibung“ widerfahren. Hätten sie „eigentlich“ alle ermordet werden sollen?

Am 30. März 2019 veröffentlichte die FAZ (Frankfurter Allgemeine Zeitung) einen Leserbrief des Buchautors Rudolf Jansche über das Sudetendeutsche Schicksal im 20. Jahrhundert, aus dem wir hier einige Abschnitte wiedergeben:

„In der Geschichte Europas spielt Böhmen eine bedeutende Rolle. Am Aufstieg dieser Region hatten die drei Millionen Sudetendeutschen ihren unbestrittenen Anteil. Es war Ottokar I. (1155 bis 1230), der begann, deutsche Siedler ins Land zu holen…

Nach dem Ende des 1. Weltkriegs gelang es dem findigen Edvard Benes, die Allierten davon zu überzeugen, dass das von Deutschen hochentwickelte Sudetenland für den neuen Staat Tschechoslowakei lebenswichtig und unentbehrlich sei…

Hierbei sei angemerkt, dass die beisspiellosen Rohheiten, Schikanen, ja Unmenschlichkeiten keine Versäumnisse, sondern planvolle Absicht waren… Erinnert sei an den 4. März 1919, an dem tschechisches Militär 54 friedliche Deutsche erschoss, die für das – vom amerikanischen Präsidenten Wilson propagierte – Selbstbestimmungsrecht demonstrierten….

Unvergeßlich sind mir die Bilder aus meiner Kindheit, als im Jahre 1938 die tschechische Polizei meinen Vater mehrfach grundlos nachts aus dem Bett holte. Niemand wußte, wo er war und was mit ihm geschah…

Seit vielen Jahren bemühe ich mich um die Versöhnung zwischen Tschechen und Sudetendeutschen. Ich habe in meiner früheren Heimat viele liebenswerte Menschen und Freunde gefunden…Sie tragen ebensowenig Schuld an diesem tragischen Kapitel unserer Geschichte wie ich.“

 

 


Zerrüttung der deutschen Erinnerungskultur

Von Peter Helmes

An „rechts“ mahnend zu erinnern, das gilt als nationale Pflicht. An „links“ erinnern ist offenbar nicht nötig, da gibt´s nichts zu mahnen.

Als franko- und italophiler Mensch bewundere ich seit meiner Jugend den Stolz unserer Nachbarn auf ihre Nation. Frankreich (französische Revolution) und Italien (Mussolini) haben wie viele Nationen dieser Welt jeweils ein schweres und blutbeladenes Erbe mit sich zu schleppen. Und was feiern sie an ihren Nationalfeiertagen: die „große Nation“.

„Für mich“, sagte einmal mein Freund aus Paris und dortiger Stadtteilbürgermeister, “für mich umfaßt eine wahre Erinnerungskultur den Umgang des einzelnen Bürgers und der gesamten Gesellschaft mit ihrer Vergangenheit und ihrer Geschichte – und mit der Höhen und Tiefen.“

Nach Jan Assmann (Kulturwissenschaftler, Uni Heidelberg) wird mit der Erinnerungskultur an die eigene soziale Gruppe die Frage „Was dürfen wir nicht vergessen?“ gestellt und beantwortet; insofern wirke Erinnerungskultur gemeinschaftsstiftend.

Gedächtniskultur sei nur möglich, wo die Vergangenheit durch Zeugnisse irgendwelcher Art präsent sei und wo diese eine charakteristische Differenz zur Gegenwart aufweise.     

Erinnerungskultur ist also kein Selbstzweck, sondern will Gerechtigkeit sowie nationalen Frieden fördern – ist damit gleichsam ein wichtiger Beitrag für einen Frieden über die eigenen Landesgrenzen hinaus.      

Verantwortliche Bürger sind somit aufgefordert, sich an der Erinnerungsarbeit aktiv zu beteiligen, der Schuld und Versäumnisse zu gedenken und die Verantwortung dafür zu benennen, wo sie geschwiegen oder mitgemacht haben, statt sich dem Unrecht entgegenzustellen, damit sich Untaten nicht wiederholen.

Namenlosen Opfern eine Stimme geben

Den Opfern, die namenlos gemacht wurden, wird damit eine Stimme gegeben. Zugleich wird auch an Menschen erinnert, die protestiert haben gegen Unrecht und Unmenschlichkeit und dafür mit der Freiheit oder mit dem Leben bezahlen mußten.

Die Erinnerungskultur einer Nation ist letztlich die verbindliche Form des kollektiven Gedächtnisses.

Konkret heißt dies: Ohne Erinnerung keine Zukunft!

Zum demokratischen Grundkonsens in Deutschland gehören demnach untrennbar die Aufarbeitung der NS-Terrorherrschaft genauso wie die der SED-Diktatur. Hinzu zählen auch die deutsche Kolonialgeschichte sowie positive Momente unserer Demokratiegeschichte.

Deutschland ist aufgrund seiner Geschichte besonders dafür verantwortlich, die Erinnerung an die Folgen von Diktatur und Gewaltherrschaft wachzuhalten. Dies ist Teil unseres nationalen Selbstverständnisses.

Wenn wir heute über Verantwortung nachdenken, wissen wir natürlich, daß wir hier und heute die Vergangenheit nicht selbst verschulden, sondern nur die Gegenwart – und über die wird erst in Zukunft gerichtet. Uns trifft trotzdem eine besondere Verantwortung: Wir schulden es den Opfern, alles daran zu setzen, daß Verbrechen wie diese nie wieder möglich sind. Das allererste Mittel hierzu ist die wachgehaltene Erinnerung.

Indoktrination von links seit Jahrzehnten

Dank des unseligen Wirkens der ´68er wurde unsere Gesellschaft in den letzten vierzig Jahren – und wird das auch weiterhin – so unbarmherzig indoktriniert, daß Jüngere, die die Zeit davor nicht einmal vom Hörensagen kennen, zur Erkenntnis gelangen müssen, die Deutschen seien von Natur aus böse und Deutschland eine niederträchtige Nation. Es ist die Reduktion einer tausendjährigen großen Geschichte auf zwölf schlimme Jahre. 

BILD: Zur Erinnerungskultur gehört auch die Vertreibung von Millionen Deutschen aus den Ostgebieten

Eben jene geistigen Umerzieher, die ihre gesamte „Bildung“ aus der „Frankfurter Schule“ bezogen haben und noch beziehen, treibt unsere Gesellschaft in Unruhe und Unfrieden. Hübsch säuberlich unterschieden werden die „politisch Korrekten“ (die „wahren Demokraten“) von den politisch Unkorrekten (den „Faschisten“), die sich dem Meinungszwang widersetzen.Dabei denkt sich die derzeitige Meinungskaste fast täglich neue Umerziehungsmaßnahmen aus. So werden z. B. Adreßlisten unbotmäßiger Blogger und Journalisten eingerichtet (und ins Netz gestellt) oder wird mit hohen Geldstrafen bedroht – und sanktioniert – wer sich der neuen Mentalität nicht unterwirft.

Schüler  –  meist noch unreif, die Tragweiten ihres Handelns zu erkennen –  werden gegen den nationalen Konsens aufgestachelt und zu Protesten verführt – zum Preis des Schulschwänzens. Lehrer, Professoren usw. werden boykottiert und/oder öffentlich angeprangert.

Man könnte darüber hinweggehen, wenn nicht das gesellschaftliche Klima mehr und mehr so zerstört würde, daß diese unsere Gemeinschaft auseinanderbrechen und sich feindlich gegenüberstehen wird.

Erinnern dürfen wir uns inzwischen nur an die Untaten des Dritten Reiches. Kaum eine deutsche Stadt, in der nicht wenigstens ein Mahnmal oder eine Gedenktafel an die Opfer des Nationalsozialismus bzw. des Faschismus erinnern.

An die Opfer des Internationalsozialismus darf man bald nicht mehr erinnern – als hätte es Mauertote, Stasi und Stacheldraht nie gegeben. Die heutigen Internationalsozialisten sind Gutmenschen, denen es gelungen ist, sich vom faschistischen Erbe unserer Nation selbst freizustellen, und denen es damit zu gelingen scheint, alle „Linken“ als Gutmenschen“ und alle Nicht-Linken als Neu-Faschisten hinzustellen.

Die neuen Konfliktlinien in der innerdeutschen Diskussion sind dementsprechend klar auszumachen. Es geht insbesondere um die Erhaltung und Pflege bestehender Gedenkeinrichtungen. Bestand ursprünglich politische Übereinstimmung darin, das bestehende Konzept für die historischen Gedenkstätten in Ost und West hinsichtlich der nationalsozialistischen wie auch der stalinistischen Gewaltopfer weiterzuentwickeln, ist heute der Konsens darüber zerbrochen.

Quelle und Fortsetzung des Artikels von Peter Helmes hier: https://conservo.wordpress.com/2019/03/17/zerruettete-deutsche-erinnerungskultur/


Sexuelle Übergriffe in der Odenwaldschule: Weitaus mehr Opfer als gedacht

Von Felizitas Küble

Bislang ging man hinsichtlich des sexuellen Missbrauchs an der „reformpädagogischen“ Odenwaldschule (die nicht mehr existiert) von 132 Opfern aus. Allerdings hatten Betroffenen-Initiativen wie das „NetzwerkB“ von Norbert Denef schon vor vielen Jahren erklärt, die Zahl der  Geschädigten sei in Wirklichkeit weitaus höher.

Inzwischen hat sich durch zwei wissenschaftliche Studien herausgestellt, daß es sich tatsächlich um mehrere hundert Opfer handelt.

Klar ist, daß die sexuellen Übergriffe in dieser  –  im Geiste der 68er geführten –  Vorzeige-Schule keine Einzelfälle waren, sondern Bestandteil eines systematischen Netzwerkes mit einer Unterfütterung durch eine „progressive“ Ideologie infolge der Sexwelle der endsechziger und siebziger Jahre.

Dies verband sich mit vermeintlich „reformpädagogischen“ Konzepten und einer Lehrerschaft aus dem rotgrünen Milieu.

Ein Haupttäter war der evangelische Theologe Gerold Becker (1936 – 2010), der von 1972 bis 1985 die Odenwaldschule leitete. Rektor Becker, der bis zu seinem Tode mit dem  – ebenfalls in der EKD hoch angesehenen –  Hartmut von Hentig in Berlin zusammenlebte, räumte 2010 erstmals sexuelle Handlungen an Schülern ein. Der pädosexuelle Becker selber gehörte 1998 zur Kammer der EKD (Evang. Kirche in Deutschland) für Bildung und Erziehung.

Becker schuf mit seinem Amtsantritt Anfang der 70er Jahre die „Basis für ein System des sexuellen Missbrauchs“, heißt es in der FAZ. Er wurde Schulleiter, obwohl ihm die pädagogische Ausbildung fehlte – offenbar genügte die passende linke Gesinnung.

Zurück zu den beiden aktuellen wissenschaftlichen Studien über die Odenwaldschule, über welche die „Frankfurter Allgemeine“ vom 22. Februar 2019 auf S. 4 berichtet.

Demnach geht der Vorsitzende des Betroffenenvereins „Glasbrechen“ – einst selbst Opfer sexueller Gewalt an der Odenwaldschule  – von weit über 500 missbrauchten Schülern aus. Adrian Koerfer war sieben Jahre dort, allein in dieser Zeit seien 200 Mitschüler missbraucht worden. Er bezeichnet die Odenwaldschule als „Verbrechernetzwerk“.

In dem erwähnten FAZ-Artikel heißt es wörtlich: „Niemand wurde wegen der Verbrechen an der Odenwaldschule rechtlich belangt.“ – Grund sei die Verjährung der sexuellen Gewalttaten.

Besonders verstörend ist folgender Hintergrund:

Laut der Studien haben betroffene Jugendliche bei der Schulleitung, bei Lehrern und Eltern vergeblich versucht, auf den systematischen sexuellen Missbrauch aufmerksam zu machen: „Die Lehrer beschützten sich gegenseitig, die Eltern schenkten ihren Kindern keinen Glauben.“

Deshalb konnte das pädosexuelle Netzwerk an der Odenwaldschule drei Jahrzehnte lang bis Ende der 90er Jahre völlig ungehindert funktionieren.


Fachtagung zum Widerstand gegen die NS-Diktatur in Schlesien und im Sudetenland

Von Stefan P. Teppert

Die Geschichte des Widerstands gegen den Nationalsozialismus war zunächst vor allem eine Geschichte des Scheiterns. Auch die Überlebenden der Verschwörung des 20. Juli 1944 machten die Erfahrung, dass noch in den 1950er Jahren ein Drittel der Bevölkerung das Attentat missbilligte.

Eine wesentliche Veränderung brachten erst die in den 1960er Jahren beginnenden Zeitzeugentagungen. Die Öffnung der Widerstandsbetrachtung in der wissenschaftlichen Zeitgeschichtsforschung hin zu einer Gesellschafts- und Alltagsgeschichte war verbunden mit einer vielfachen Erweiterung der Perspektiven und einer daraus abgeleiteten Differenzierung des Widerstandsbegriffs. 

Neben die Erörterung des politisch-militärischen Widerstands trat jetzt die Diskussion um einen nach Stufen differenzierten Begriff. In der Rezeptionsgeschichte veränderte sich – in den beiden deutschen Staaten höchst unterschiedlich – die Beurteilung als Verrat über Mythenbildung und moralische Vorbildfunktion bis zur wissenschaftlichen Differenzierung und konfliktiven  geschichtspolitischen Instrumentalisierung.

In der Debatte um den Widerstand spiegeln sich auch die verschiedenen Urteile über das mit ihm verbundene Zukunftspotential. An diesem Punkt beginnt die Fragestellung einer Zeithistorischen Fachtagung der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen in Köln vom 15./16. Oktober 2018.

Diese Veranstaltung im Maternushaus wollte die Konzepte und Vorstellungen der Oppositionellen bzw. der Persönlichkeiten des Widerstands in Ober- und Niederschlesien und im Sudetenland für die „Zeit danach“ herausarbeiten und den Wegen und Umwegen im Umgang mit diesem Widerstand nachgehen. Die Tagung sollte den Auftakt bilden für eine den Widerstand in weiteren Regionen des Ostens beleuchtende Reihe.

Christine Czaja (Stuttgart), die stellv. Vorstandsvorsitzende der Kulturstiftung, älteste Tochter des früheren Stuttgarter Bundestagsabgeordneten und langjährigen BdV-Präsidenten Dr. Herbert Czaja, stellte der Tagung den bekannten Ausspruch des ehemaligen Kölner Oberbürgermeisters, Nazi-Gegners und späteren Bundeskanzlers Konrad Adenauer als Motto voran: „Das Wichtigste ist der Mut!“

Sie konnte zahlreiche Teilnehmer, darunter auch etliche Angehörige der Familien auf der Tagung betrachteter schlesischer Gegner des Nationalsozialismus, begrüßen.

Ulrich Hutter-Wolandt (Berlin), Kirchenhistoriker, zeigte das sich wandelnde Selbstbild der evangelischen Kirche in Deutschland in ihrem Verhalten gegenüber dem Nationalsozialismus. In der ersten Phase der kirchlichen Zeitgeschichtsschreibung bis Ende der 1960er Jahre wurden Teile des Protestantismus mit breiten Konsenszonen zum Nationalsozialismus ausgeblendet. Erst Ende der 1960er Jahre erfolgte eine Neuorientierung.

Zur Modernisierung in Profil und Arbeitsweise trugen die Ausweitung des Forschungsgegenstands sowie eine die Konfessionen und die NS-Zeit übergreifende Perspektive ebenso bei wie der Verzicht auf einen heilsgeschichtlichen Ansatz, der Abschied vom heroischen „Kirchenkampf“ als Epochenbegriff sowie die Reflexion des eigenen methodischen Vorgehens und der Zielsetzung ab 1985.

Dr. Pia Nordblom (Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz) beschäftigte sich mit Eduard Pant, einem ostoberschlesischen Politiker in Polen, dessen Wirken in Polen erst mit der Wende 1989 gewürdigt wurde. Pant war zeitlebens zutiefst im Katholizismus verwurzelt, betätigte sich kommunalpolitisch, gewerkschaftlich und journalistisch. Seine kompromisslose Haltung gegen die nationalsozialistische Gleichschaltung hatte zur Folge, dass er als Führungspersönlichkeit des deutschen katholischen Lagers konsequent entmachtet wurde.

Damit begann der zweite Teil seiner Vita als oppositioneller Journalist. Pants Handeln zeige, „dass es innerhalb der Minderheit Alternativen zu Gleichschaltung, Anpassung und Handlangerschaft für den Nationalsozialismus gegeben hat“.

Für ungewöhnlich und seiner Zeit weit vorausgreifend hielt Dr. Nordblom Pants Modell für das Zusammenleben von unterschiedlichen Nationalitäten in einem Staat. Diese Ideen, die Pant zu einem Mittler zwischen Deutschen und Polen werden ließen, seien nach wie vor aktuell.

Prof. Dr. Konrad Glombik (Universität Oppeln/ Opole) beschrieb die Kompliziertheit des Themas Widerstand in Polen und speziell in Oberschlesien wegen schlechter Forschungslage, einer vorherrschenden pro-polnischen Erwartungshaltung sowie der ethnischen Mischung und Präsenz deutscher wie polnischer Konspirationsorganisationen, Widerstands- und Partisanengruppen. Glombik skizzierte den Lebenslauf zweier entschiedener Nazi-Gegenspieler: Graf Michael von Matuschka und Prälat Carl Ulitzka.

Graf v. Matuschka setzte sich für die Wiederherstellung normaler deutsch-polnischer Beziehungen ein. Im September 1944 wurde er im Gefängnis Berlin-Plötzensee erhängt, obwohl er aus seiner religiösen Überzeugung heraus eine Beendigung der Hitler-Herrschaft durch Gewaltanwendung abgelehnt hatte und kein aktiver Verschwörer gewesen war.

Prälat Carl Ulitzka engagierte sich trotz Verbots für die polnische Sprache und Tradition in Oberschlesien. 1939 wurde er aus seiner Heimat verbannt, 1944 in Berlin verhaftet und vier Monate im Konzentrationslager Dachau festgehalten.

Ausschlaggebend für Ulitzkas Inhaftierung sei wohl nicht seine Ablehnung der Nazi-Herrschaft gewesen, sondern die mutmaßliche Zugehörigkeit zum organisierten Widerstand. Glombik warb dafür, dass diese und nicht wenige andere Personen sowie eine breite Schicht der Bevölkerung in Oberschlesien, die gegen das NS-Regime auftraten, in ihrer Haltung und ihren Beweggründen Gegenstand weiterer Forschung werden sollten.

Prof. Dr. Günter Brakelmann (Ruhr-Universität Bochum) stellte die Papiere der Mitglieder des Kreisauer Kreises von 1943 vor, in denen „Grundsätze für die Neuordnung“ für die Zeit nach dem Ende der nationalsozialistischen Herrschaft festgehalten wurden. Ihr Ziel war ein umfassender Neuaufbruch von Staat, Gesellschaft und Wirtschaft nach den Erfahrungen in Kaiserreich, Weimarer Republik und NS-Zeit.

Die Anerkennung der unverletzlichen Würde der menschlichen Person sollte die alles andere bestimmende Grundnorm sein. Die verbindende Klammer zwischen Katholiken, Protestanten und Sozialisten im Kreis war die Rückbesinnung auf die kirchliche Naturrechtslehre. So konnten sie sich auf einen dritten Weg jenseits von Kapitalismus und Marxismus einigen. Die Kreisauer haben, schloss Brakelmann, den großen weltanschaulichen und ordnungspolitischen Kompromiss vorbereitet, wie er 1949 in die Verfassung der BRD einging.

Helmut Scheunchen (Violoncello) und Günter Schmidt (Klavier), Angehörige des „Malinconia-Ensembles Stuttgart“, boten eine Konzertsoirée mit Werken „Aus schwerer Zeit“, ein vielseitiges, exquisites Programm mit Kompositionen zwischen 1933 bis 1945 vorgestellt von Komponisten aus den untergegangenen deutschen Kulturlandschaften im Osten: den baltischen Landen, aus Ostpreußen, Schlesien und dem Sudetenland.

Christine Maria Czaja und Dr. Ernst Gierlich (Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen, Bonn) lasen zwischen den Stücken erschütternde Zeitzeugnisse: den letzten Brief Helmuth James Graf von Moltkes aus dem Gefängnis vom 10. Januar 1945, mit gefesselten Händen geschriebene Kassiber aus dem Gefängnis von P. Alfred Delp SJ aus den Jahren 1944 und 1945.

BILD: Christine M. Czaja und Dr. Ernst Gierlich (Foto: S. Teppert)

Prof. Dr. Karl-Joseph Hummel (Meckenheim) eröffnete den zweiten Tag mit einer „Skizze“ zum Leben und Wirken von Paulus van Husen, einem auch dem Publikum Unbekannten aus dem Kreisauer Kreis.

Van Husen nahm als juristischer Berater der Verschwörer dort eine zwar unspektakuläre, aber gewichtige Funktion ein, hatte einen erheblichen Anteil an den Grundsatzdokumenten des Kreisauer Kreises. Mit dem geplanten Mordanschlag auf Hitler tat er sich aus seiner christlichen Überzeugung heraus schwer, sah aber im vertrauensvollen Kontakt mit Moltke, Wartenburg und Stauffenberg die Unumgänglichkeit eines Attentats.

Im Gegensatz zu einigen durch Henkershand umgekommenen Kreisauer Freunden hatte van Husen das lebensrettende Glück, dass sein Prozess durch den Tod Freislers verzögert und abgespalten wurde. Später war er an der Gründung der CDU sowie am Aufbau einer Verfassungsgerichtsbarkeit beteiligt, wurde Präsident des Verwaltungsgerichtshofs in Münster und des Verfassungsgerichtshof von NRW. Van Husen starb 1971 mit 80 Jahren in Münster.

Prof. Dr. Aleksandra Chylewska-Tölle (Adam-Mickiewicz-Universität Posen/Poznań) bot eine zusammenfassende Darstellung der Entwicklung des polnischen Diskurses zum deutschen Widerstand gegen den Nationalsozialismus seit 1945. Anfangs billigten polnische Historiker nur den Aktivitäten von kommunistischen Gruppierungen und ihren Verbündeten die Ehre des Widerstands zu, während sie die Haltung der katholischen Kirche im Dritten Reich eher als „vorsichtige Missbilligung“ verstanden.

Das Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 wurde als „erfolgloses Unternehmen der imperialistischen Klassenherrschaft“ bezeichnet. In den 1960er Jahren waren die polnischen Bischöfe die ersten, die öffentlich auch die deutschen nicht kommunistischen Widerstandskämpfer erwähnten. Seit den 1970er Jahren konnten zudem in Polen die Abhandlungen deutscher Historiker zum Thema erscheinen.

Weitgehend unumstritten bleiben in polnischer Forschung und Öffentlichkeit die Aktivitäten des Kreisauer Kreises sowie der „Weißen Rose“. Jedoch sei die Erinnerung an den deutschen Widerstand auch heute noch vielen Polen ein Dorn im Auge, wodurch das Thema leicht von der Politik instrumentalisiert werden könne.

Prof. Dr. Rainer Bendel (Institut für Kirchen- und Kulturgeschichte der Deutschen in Ostmittel- und Südosteuropa, Tübingen) sprach „Zum Beitrag katholischer Vertriebener zur Sozialpolitik in der Bundesrepublik Deutschland“ und konzentrierte sich dabei auf zwei paradigmatische Personen: Hans Schütz und Herbert Czaja.

Von dem in Nordböhmen geborenen Schütz gingen umfassende Impulse für eine neue Ordnung aus, in der die zehn Millionen Vertriebenen zu Bausteinen eines prosperierenden Landes wurden. Seit 1947 war er einer der wichtigsten Vorkämpfer der Idee des Lastenausgleichs, der dann eine pazifizierende Wirkung entfaltete. Für das bayerische Flüchtlingsgesetz 1947 leistete er einen wesentlichen Beitrag.

Herbert Czaja (siehe Foto) sei nicht nur im Hinblick auf die Flüchtlings- und Kriegsgeschädigtenfürsorge, sondern später auch im Bundestag als Mitgestalter der sozialpolitischen Gesetzgebung auf der Grundlage der katholischen Sozial- und Naturrechtslehre bedeutsam.

Wie sie waren auch viele andere Vertriebenenpolitiker der CDU und CSU aktive Mitglieder der Christlichen Volkspartei, die später von den Nationalsozialisten verboten wurde. Der beträchtliche Beitrag der Vertriebenen und vor allem der katholischen Sozialpolitiker aus ihren Reihen sei indes bislang kaum gewürdigt worden.

Dr. Otfried Pustejovsky (Ackermann-Gemeinde, Waakirchen) sprach zum „christlich, humanistisch und politisch motivierten Widerstand in den böhmischen Ländern, ein weithin unbekanntes Thema, das aber in einem allgemeinen deutschen Geschichtsbild verankert werden müsse.

Im Herbst 1938 begründete der Augustiner-Chorherr Roman Karl Scholz die erste Widerstandsgruppe in Österreich, die „Österreichische Freiheitsbewegung“. Infolge ihrer Denunzierung gab es Dutzende Verhaftungen und zehn Hinrichtungen. Mehr als in Deutschland sei zur Erforschung des Widerstands in Tschechien geschehen.

Pustejovsky versuchte ansatzweise, die wichtigsten Protagonisten des sudetendeutschen Widerstands aus katholischen Kreisen ins Bewusstsein zu rufen, darunter den Germanisten Lanzendörfer, Eduard Schlusche und Hanns Georg Heintschel-Heinegg.

Diese jungen Leute hätten bereits vor Beginn des Krieges konkrete Vorstellungen gehabt, dass danach eine Neuordnung Europas erforderlich werde. Zwar nicht auf gleicher Ebene wie der Kreisauer Kreis, aber aus allen Schichten und in kleineren Gruppen habe es über die Gesamtfläche der böhmischen Länder Widerständler gegeben, die bereit waren, ihr Leben einzusetzen.

Prof. Dr. Karl-Joseph Hummel dankte abschließend den Teilnehmern für ihre Präsenz und vor allem Christine Czaja für ihr beharrliches Arbeiten an der Entstehung dieser bereits von ihrem 1997 verstorbenen Vater Dr. Herbert Czaja angeregten Tagungsreihe.

In den Jahren 2019 und 2020 sollen Fachtagungen zu exemplarischen Nazi-Kontrahenten in Ost- und Westpreußen sowie in Pommern und Posen, sodann zu solchen bei deutschen Volksgruppen in Südosteuropa folgen.