Tagung zur Vorgeschichte und Bedeutung der „Charta der Heimatvertriebenen“

Von Stefan P. Teppert

Vehement wurde seit der Unterzeichnung der „Charta der deutschen Heimatvertriebenen“ am 6. August 1950 vor wohl 150.000 Menschen im noch von der Kriegszerstörung gezeichneten Stuttgart gestritten: über Inhalt, Sprache, Bedeutung und die Verfasser.

Die politische Spannweite der einander teils ausschließenden Meinungen, Stellungnahmen und Polemiken kann mit den Stichworten „Revanchismus“, „Heimatnostalgie“, „Mitgründungsdokument der Bundesrepublik“ und „Friedensverhinderungsdokument“ umrissen werden.

Einen Beitrag zur nüchternen Beurteilung lieferte am 20. Juli 2020 Dr. Otfried Pustejovsky (siehe Foto) im Stuttgarter Haus der katholischen Kirche.

Der Historiker war vom Katholischen Bildungswerk Stuttgart und der Ackermann-Gemeinde in der Diözese Rottenburg-Stuttgart eingeladen worden.

Prof. Dr. Dr. Rainer Bendel (siehe 2. Foto), Projektleiter der Arbeitsgemeinschaft katholischer Vertriebenenorganisationen (AKVO), hatte die Veranstaltung organisiert und moderierte sie.

Er stellte Pustejovsky als Kenner der Geschichte Böhmens und Mährens vor, der nicht nur über den christlichen Widerstand gegen den Nationalsozialismus sowie die verfolgte Kirche zu Zeiten der ČSR gearbeitet, sondern auch einen umfangreichen Aufsatz über einen Vorläufer der Charta der Vertriebenen veröffentlicht hat, nämlich über die von sudetendeutschen Politikern und Wissenschaftlern 1949 abgegebene „Eichstätter Erklärung“.

Pustejovsky präsentierte keinen Festvortrag oder eine verehrungsvolle Würdigung, sondern ordnete die Formulierungen der Charta in ihre Vorgeschichte und Zeitumstände ein und untersuchte das Netzwerk der Protagonisten dieser Erklärung.

Einleitend erinnerte er an die in den ersten Nachkriegsjahren bei weiten Teilen der Bevölkerung in Westdeutschland herrschende negative bis feindliche Stimmung gegenüber den Vertriebenen.

Mit einem Aufruf an Binnendeutsche und Flüchtlinge wies 1947 der sudetendeutsche Augustiner-Chorherr Paulus Sladek gerade den persönlich unschuldig gebliebenen Menschen die Berufung zu, den Fluch des Bösen zu überwinden. Solche Appelle, so der Referent, können bei einem hochkomplexen Thema, das sich jeder Vereinfachung oder gar nachträglichen Ideologisierung entziehe, als „Rahmen“ für die politische Willensbildung eingeordnet werden.

Die Charta sei jedoch von Anfang an und bis heute polarisierend gesehen und bewertet worden: einerseits unkritisch-verteidigend, andererseits ablehnend und abwertend. Je größer der zeitliche Abstand, umso heftiger seien die Äußerungen und Debatten geführt worden, vielfach von Voreingenommenheit, Ignoranz oder Besserwisserei bis zu fundamentloser moralischer Überheblichkeit bestimmt.

Deshalb müsse man viel stärker den Zeitabstand, die gewandelte Bedeutung von (politisch aufgeladenen) Begriffen und Vorstellungen in Rechnung stellen sowie die Zeitumstände des Jahres 1950 berücksichtigen. Dazu gehören am Beginn erneuerter Staatlichkeit und in diese eingebettet die Neubildung von Parteien und Interessenverbänden in all ihrer Heterogenität, darunter die Gruppierungen der deutschen Flüchtlinge, Heimatvertriebenen und Ausgesiedelten

Pustejovsky stellte einige der 30 ausschließlich männlichen Unterzeichner der Charta vor. Ausgenommen vier oder fünf ehemalige höhere Funktionäre im NS-System bzw. drei höhere SS-Angehörige ragten sie nicht über den Durchschnitt hinaus, stammten überwiegend aus Verwaltung und Justiz und verschiedensten Gebieten des Reiches und des Auslands.

Bis heute gebe es keinen Nachweis, wer von den 30 Unterzeichnern die Friedensgeste durchgesetzt und wer den Text letztlich verfasst hat und wieso dieser bald darauf auch von den Nichtunterzeichnern Bundeskanzler Adenauer überreicht wurde.

Der Text dieses Zeitdokuments bestehe aus insgesamt nur 423 Wörtern und vier inhaltlichen Abschnitten. Die Präambel mit drei Grundsatzaussagen sei in der Diktion emotional, im sprachlichen und inhaltlichen Aufbau eher provinziell formuliert und gehe von einem tradierten Glaubens- und Geschichtsverständnis aus.

Der folgende Abschnitt mit dem kollektiven „Verzicht auf Rache und Vergeltung“ biete bis heute den Ansatz zu weit gespannter und vielfach unseriöser oder oberflächlicher Kritik. Doch sei zu bedenken, dass im Begriff Verzicht substanziell auch die ethisch-moralische Kategorie des Verzeihens enthalten ist.

Die Formulierung kategorialer Positionierungen wie eines europäischen Zukunftsgedankens, der allgemeinen Arbeitswilligkeit sowie Aufbaubereitschaft innerhalb eines nunmehr freiheitlichen Deutschland und Europa zeige einen neuen Ansatz für die historische Darstellung auf.

Im dritten Abschnitt formulierten die Unterzeichner einen 4-Punkte-Forderungskatalog mit ausdrücklich innenpolitischer Ausrichtung: 1. Staatsbürgerschaft, 2. Kriegslastenverteilung, 3. Berufsintegration, 4. Europapolitische Mitbeteiligung.

Im vierten Abschnitt wird die deutsche Vertriebenenproblematik in einen transnationalen und staatsübergreifenden Kontext gestellt und eine höchste sittliche Verantwortung beschworen. Auch dies entspreche der allgemeinen Verfasstheit der Menschen im Nachkriegsdeutschland.

Die Charta weise jedenfalls etliche grundsätzliche Bezugspunkte zur ersten Regierungserklärung von Bundeskanzler Adenauer vom 20. September 1949 auf.

Auch nach 70 Jahren sei die Charta der deutschen Heimatvertriebenen ein zwar umstrittenes, doch fundamental positiv-zukunftsorientiertes Dokument aus der Frühzeit der Bundesrepublik Deutschland sowie der beginnenden neuen Sesshaftigkeit der mehr als zwölf Millionen wie auch immer entwurzelten Menschen.

Um aber für die vierte Generation der Nachkriegsgeborenen zu einer ausgewogenen Beurteilung dieser Charta und ihrer Bedeutung zu gelangen, bedürfe es einer umfassenden und nüchternen Forschungsarbeit sowie einer offenen Einordnung in die gesamtdeutsche und europäische rechtsstaatliche Geschichte des 20. und 21. Jahrhunderts.

Fotos: Stefan Teppert, Archiv

 

 


Aufbruch und kirchliches Leben im Südosten Europas zwischen den Weltkriegen

Von Stefan P. Teppert

Nach einem anregenden Auftakt im vergangenen Jahr nahm sich in diesem Jahr abermals eine Tagung der Reformen im religiösen Leben in den Nachfolgestaaten der Habsburger-Monarchie im Südosten Europas zwischen den beiden Weltkriegen an.

Während bei der letztjährigen Tagung die Aufbruchsbewegungen im deutschen Katholizismus der Weimarer Republik bei den Deutschen in Südosteuropa im Vordergrund stand, richtete sich der Fokus diesmal auf Erneuerungen als Antwort auf die veränderte politische Situation, auf ethnische Homogenisierungsbestrebungen und daraus resultierende Ambivalenzen und Verfänglichkeiten 100 Jahre nach dem Friedenvertrag von Trianon.

Wie im Vorjahr leitete Prof. Dr. Dr. Rainer Bendel (siehe Foto) auch die Vorträge und Diskussionen am 18. Juli 2020 im „Weltzentrum der Donauschwaben“ in Sindelfingen.

Als Projektleiter der Arbeitsgemeinschaft katholischer Vertriebenenorganisationen (AKVO), Lehrbeauftragter für Kirchengeschichte an der Universität Hohenheim und Vorsitzender des Instituts für Kirchen- und Kulturgeschichte der Deutschen in Ostmittel- und Südosteuropa hatte er das Programm wieder konzipiert und als Kooperationsveranstaltung des St. Gerhardswerks, des Gerhardsforums und des Hauses der Donauschwaben ermöglicht.

Dr. Bettina Reichmann (siehe Foto) vom Katholisch-Theologischen Institut der Universität Koblenz-Landau beschäftigte sich mit Bischof Ottokár Prohászka (* 1858), einem prominenten Vertreter der katholischen Renaissance nach dem Ersten Weltkrieg, den die Frage umtrieb, wie der Katholizismus mit den Gedanken des Fortschritts versöhnt werden kann.

Der Professor für Dogmatik in Gran und Budapest war von 1905 bis zu seinem Tod 1927 Bischof in Stuhlweißenburg und während des ungarischen Kulturkampfes tonangebend an der Gründung der Katholischen Volkspartei sowie von katholischen Arbeiter- und Sozialvereinen zur Hebung des Lebensstandards beteiligt. In der aktuellen historischen Forschung werde Prohászka, so die Referentin, polarisiert dargestellt.

Als Mitglied der ungarischen Nationalversammlung hatte er 1921 das Andersgläubige benachteiligende Numerus-Clausus-Gesetz mit vorbereitet, was ihm von jüdischer Seite den Vorwurf einbrachte, eine führende Figur antisemitischer Ideologie zu sein.

Demgegenüber gilt er aber auch mit seinem christlich-nationalen Kurs als „leuchtende Gestalt“, die einer zerrütteten Gesellschaft nach den Leiden der Kriegs- und Nachkriegsjahre den schmerzlichen Gebietsverlusten durch den Friedensvertrag von Trianon in einer nunmehr republikanischen Verfassung durch die Erneuerung des Katholizismus eine Festigung im Staatsgefüge brachte.

In Abweichung von dem polarisierten Bild, das viele Kirchengeschichtler in Ungarn von Prohászka gezeichnet haben – entweder Praeceptor oder Antisemit – plädierte Reichmann dafür, das eine mit dem anderen ohne Wertung zusammenzudenken. Beides seien nämlich aufeinander bezogene und sich gegenseitig bedingende Facetten derselben Person.

Man müsse ihr theologisches Denken im historischen Kontext studieren und dürfe die erneuernden Impulse nicht getrennt von den Abgrenzungen sehen, die bei den Suchbewegungen nach einem katholischen Profil für unerlässlich galten.

Dr. Andor Lénár (siehe Foto), der seine Dissertation an der Eötvös-Loránd-Universität Budapest über den Vacer Bischof Árpád Hanauer geschrieben hat, sprach über die ungarische Priesterausbildung der Zwischenkriegszeit innerhalb des katholischen Erneuerungsprozesses .

Die Erneuerung sei auch durch Impulse und Regelungen der Weltkirche mit der päpstlichen Enzyklika rerum novarum angeregt worden, besonders von Priestern, die im Ausland Theologie studiert hatten und die Notwendigkeit von Reformen erkannten.

Dabei blieb sie nicht unter Klerikern isoliert, sondern durchdrang viele Bereiche des katholischen Lebens.

Das positive politische Klima der Zwischenkriegszeit brachte eine Entfaltung der religiösen Presse, Orden und Vereine sowie steigenden Einfluss der katholischen Kirche im Unterrichtswesen. Die Orientierung der Priesterausbildung am Josephinismus wurde zurückgedrängt, um den zentralen Regelungen der Weltkirche zu folgen.

Hatten die Bischöfe zuvor als Grundbesitzer eher das Leben zeitgenössischer Magnaten als das eifriger Oberhirten geführt und einfache Geistliche sich eher als Staatsbeamte und nicht als Seelsorger verstanden, sei in der Zwischenkriegszeit  –  so Lénár  –  eine Priestergeneration herangewachsen, für die eine strengere Disziplin, gründlichere theologische Ausbildung, tiefere Spiritualität und gesellschaftliches Pflichtgefühl charakteristisch waren.

In Ungarn gab es zehn Priesterseminare, die meisten Diözesen unterhielten auch Knabenseminare, Budapest bot zusätzlich ein Zentralseminar.

Lénár erläuterte ihre Organisation und finanzielle Lage, die schwankende Anzahl der Seminaristen und ihren gesellschaftlichen Hintergrund (die Hälfte der Kandidaten stammte aus einfachen Familien) sowie die theologische Ausbildung und Erziehung mit ihren Protagonisten Ottokár Prohászka, István Hanauer und József Petró.

Dr. András Grósz (siehe Foto), ein weiterer Gast aus Ungarn, hat seine Dissertation 2014 über den Führer der deutschen Bewegung in Ungarn, Jakob Bleyer, unter besonderer Bezugnahme auf die katholische Kirche ebenfalls an der Eötvös-Loránd-Universität Budapest vorgelegt.

Sein Thema war die deutsche Muttersprache in der katholischen Liturgie im Ungarn der Zwischenkriegszeit, ein sensibler Bereich, weil er Ausdruck für die Autonomie der Religionsausübung und zugleich Schauplatz der politischen Kämpfe in der Nationalitätenfrage war.

Eigentlich ist die Frage der Liturgie eine kirchliche Befugnis, deren Regelung das ausschließliche Recht des Heiligen Stuhls ist, wie im Codex Iuris Canonici(Kirchenrecht) von 1917 klar festgelegt.

Der Verwendung der Muttersprache in der Liturgie widmeten Bischöfe und Priester daher besondere Aufmerksamkeit, denn die Kirche wollte in liturgischen Angelegenheiten ihre eigenen Entscheidungen nach Kirchenrecht treffen und verwehrte Außenstehenden die Mitsprache.

Die Seelsorge in der Muttersprache galt als ein natürliches Recht der Gläubigen, was freilich in mehrsprachigen Gemeinden zu einem heiklen Problem werden konnte.

Der Gebrauch der Muttersprache in der Kirche hing daher von mehreren Faktoren ab: der Anzahl der in den Siedlungen lebenden Nationalitäten, dem Maß ihrer Bedürfnisse, ihren Sprachkenntnissen, dem persönlichen Verhalten des Diözesanbischofs und des örtlichen Pfarrers, aber auch von der Beeinflussung durch die Verwaltungsbehörden und die Lobbykraft der ungarndeutschen Bewegung.

Man könne – so Grósz resümierend – bei allem Konsens hinsichtlich einer notwendigen Stärkung der ungarischen Identität über unterschiedliche Situationen in jeder Siedlung sprechen, wobei die Pfarrer in der Seelsorge die Rechte der Nationalitäten zu konservieren pflegten, im Unterricht meist jedoch der ungarischen Sprache den Vorzug gaben, um Assimilierung und Integration zu befördern.

Peter Krier (siehe Foto) aus Schweinfurt zeichnete – aus eigenem Erleben und in dankbarer Bewunderung – ein Lebensbild von Schwester Hildegardis Wulff, die in der Zeit von 1927 und 1951 im Banat wirkte und dort zur Leitfigur des religiös-kulturellen Lebens und dessen Erneuerung wurde.

Aufgewachsen in Mannheim in einer evangelischen, vom nationalen Liberalismus geprägten Familie, konvertierte sie 1918 zur katholischen Kirche und stellte ihr Leben ganz in den Dienst Gottes.

Sie wurde Mitbegründerin des Benediktinerordens der heiligen Lioba in Freiburg und verstand sich nach innen als Nonne, nach außen als Apostel mit sozialkaritativem und pädagogischem Auftrag.

1927 wurde das Banat zu ihrer neuen Missionsheimat. Mit ihrer Sprachmächtigkeit und ihrer überzeugenden Ausstrahlung fesselte sie ihre Zuhörer. Mit ihren Themen traf sie genau das, was dem Banater Deutschtum zur Selbstfindung half. Sie organisierte die Banater katholische Jugend.

Als Priorin eines neuen Klosters in Temeswar fand sie noch Zeit, um schriftstellerisch und redaktionell tätig zu sein und Beziehungen zu bedeutenden katholischen Persönlichkeiten zu pflegen. Sie brachte eine Volkshochschule, ein Spital, ein Entbindungs- und ein Altenheim auf den Weg.

Den Nöten der Zeit entsprechend, half sie den von Deportation, Verfolgung und Entwurzelung betroffenen Volksdeutschen mit Nahrung, Kleidern und Papieren und rettete vielen das Leben.

Mutig widersetzte sie sich der Kirchenverfolgung der Nazis und Kommunisten, wurde 1945 interniert und 1952 in einem Schauprozess zu 18 Jahren Gefängnis verurteilt. In ihrem neunjährigen Martyrium zeigte sie große Glaubensstärke, bis sie 1959 freikam und in ihr Kloster zurückkehrte.

Obwohl das materielle Werk der 1961 verstorbenen Schwester vernichtet ist, bestehe ihr Vermächtnis fort. „Sie hat dazu beigetragen, dass unsere Volksgruppe aufrecht gehen und den ihr bestimmten schweren Weg in Würde gehen konnte.“

Der Musikhistoriker Dr. Franz Metz (siehe Foto), Geschäftsführer des Gerhardsforums in München, der im Jahr zuvor Kirchenlied und Chorgesang behandelt hatte, sprach diesmal über die Folgen des Friedensvertrags von Trianon für die Kirchenmusik der Donauschwaben, besonders über die Forschungen in diesem Bereich, eine Disziplin, die sich als Fach erst 1905 zu etablieren begann.

Als Paradebeispiel dafür hob er die Publikation „Banater Rhapsodie“ des Temeswarer Domkapellmeisters Desiderius Braun (1894 – 1940) hervor, ein wichtiges Quellenbuch, das mit einer Fülle von Dokumenten auf 500 Seiten zwar lediglich den Schauplatz Temeswar erfasst, was aber, so Metz, schon ausreiche, um dieser 1937 erschienenen „Fundgrube“ einen Spitzenrang zu verleihen.

Obwohl das Buch von Fehlern und Satzungetümen wimmelt, der Fußnoten entbehrt und ein Torso geblieben ist, spiegele es wie kein anderes das selbstverständliche multiethnische Nebeneinander im Musik- und Theatergeschehen der damals deutschsprachigen Stadt und sei bis heute Fundament für musikgeschichtliche Forschungen in Südosteuropa und darüber hinaus geblieben.

Das Multiethnische zeige sich auch an der Gründung der ungarischen Spielzeit am Temeswarer Stadttheater. Der pompöse Auftritt und die Ansprache des populären Dichters Jókai Mór wurden dabei hymnisch von der Presse besprochen. 

Mór propagierte zwar die ungarische Nation, in der alle Nationalitäten unteilbar versammelt seien, verlangte aber auch Respekt vor allem Fremden, nicht zuletzt, weil es zur Inspirationsquelle werden könne.

Bis heute versammelt das Temeswarer Theatergebäude als einziges drei verschiedene Staatstheater unter einem Dach. Metz spielte dann die Aufnahme eines Musikstücks für Violine und Orgel des donauschwäbischen Komponisten Anton Horner vor, der eigentlich aus Franzensbad stammte, aber 1912 mit seinen Kompositionen nach Pantschowa kam und im März 1946 im Vernichtungslager Rudolfsgnad an Hunger starb.

Mit anderen Ave-Maria-Vertonungen von Banater Komponisten soll auch diejenige Horners in Kürze auf CD erscheinen.

BILDER: Auch die Referenten-Fotos stammen von Stefan Teppert

 


Klarstellungen zum Hexenwahn in Europa

Von Felizitas Küble

Beim Dauerbrenner Hexenverfolgung gibt es gerade in Deutschland viele Vorurteile jenseits der Fakten.

So denken die meisten Leute dabei an das „finstere“ Mittelalter, in Wirklichkeit handelt es sich weitgehend um ein Phänomen der Neuzeit  – in Europa bis tief ins 18. Jahrhundert hinein. Zwar gab es im späten Mittelalter bereits Hexenverbrennungen, aber nicht als derart massenhaftes Geschehen wie später.

Es gab mit dem frühmittelalterlichen „Canon Episcopi“ aus dem 10. Jahrhundert sogar ein kirchenrechtliches Gesetz, das nicht nur die Hexenverfolgung, sondern sogar den Hexenwahn an sich verurteilte und mit Bußstrafen belegte. Dieses Rechtsordnung behielt 1000 Jahre lang ihre amtliche Gültigkeit bis zum neuen CIC-Kirchenrecht von 1918. (Näheres hier: https://charismatismus.wordpress.com/2016/04/13/aufgeklaertes-mittelalter-der-kanon-episcopi-warnte-eindringlich-vor-dem-hexenwahn/)

Ebenso falsch ist die Vorstellung, es handle sich dabei um eine typisch katholische Problematik. Im Gegenteil waren die protestantischen Herrschaftsgebiete (evangelische Fürsten) insgesamt weitaus stärker vom Hexenwahn betroffen. Alle Reformatoren, vor allem Calvin, befürworteten die Hexenverfolgung, Calvin hat sie in Genf sogar persönlich und systematisch vorangetrieben.

Unrichtig ist auch die weitverbreitete Meinung, es seien fast nur Frauen betroffen gewesen. In Wirklichkeit wurden auch angebliche Zauberer bzw. Hexenmeister verbrannt. Der mehrheitliche Anteil von Frauen beschränkt sich weitgehend auf Deutschland. In Estland und Island wurden mehr Männer als Frauen Opfer des Hexenwahns.

Weitere fundierte Infos gibt es dazu von Dr. Josef Bordat: https://charismatismus.wordpress.com/2013/03/29/dauerbrenner-hexenverfolgung-fakten-statt-legenden/

Zudem hat sich Prof. Dr. Andreas Resch mit dem Thema befaßt und schreibt u.a.:

„Die Opfer der Hexenverfolgung beliefen sich nicht auf 8 bis 9 Millionen Personen, wie die NS-Propaganda vermutete, sondern auf ca. 50.000 auf dem Gebiet des Hl. Römischen Reiches Deutscher Nation in den 350 Jahren europäischer Hexenverfolgung (1430 – 1780).

Dabei waren die Opfer zwischen protestantischen und katholischen Gebieten ungleich verteilt  –  mit etwa 10.000 Opfern auf katholischer Seite.

Die Inquisition war lediglich an einigen hundert der über drei Millionen Hexenprozesse (Schuldspruchquote: 1,5 Prozent) beteiligt. Diese fanden zudem vor weltlichen Gerichten statt. Die Inquisition interessierte sich hauptsächlich für Ketzer, nicht für Hexen.

Im katholischen Spanien gab es wegen der Inquisition keine Hexenverfolgung und in Italien sorgte die Inquisition dafür, dass so gut wie keine Hexe verbrannt wurde…

Die Inquisitoren hatten den Auftrag, verdächtige Personen ernsthaft zu prüfen, zurechtzuweisen, zu inhaftieren und zu bestrafen, nicht aber, sie zu verbrennen. In der Praxis hat dies den Hexenwahn eher gemindert als befördert.“ (Quelle: https://www.imagomundi.biz/hexenverfolgung-2/)


Ursachen von Verhaltensstörungen bei Kindern und ihre Heilung

Von Christa Meves

Wir Kinderpsychotherapeuten haben in unserem Verzeichnis eine sehr gewichtige Kategorie. Das sind die sogenannten Primordialsymptome. Diese Bezeichnung ist vor ca. 80 Jahren im damals existierenden tiefenpsychologischen Institut in Berlin so benannt worden.

Die sehr nachdenklichen Fachleute damals hatten damit umschrieben, dass die Verhaltensstörungen, die in dieser Weise bei kleinen Kindern auftreten, Kennzeichen von Misslichkeiten sind, die Abgewöhnungsversuchen – oft hartnäckig sogar lebenslänglich – trotzen.

Einige schwinden zwar mit dem Beginn der Pubertät. Aber bei genauem Hinsehen zeigt sich, dass sie sich lediglich in ein anderes Erscheinungsbild umgewandelt haben.

Als Erstsymptome im Kindesalter treten sie in Gestalt von kleinen Selbstverletzungen auf –  wie z. B. Nägelknabbern und Nagelhautreißen,  Schorfaufkratzen, Kopfkratzen, meist mit Essen der Schuppen, Haarereißen, oft auch Augenbrauen und Wimpern, Daumenlutschen bis ins Schulalter hinein – oder auch in Gestalt von psychosomatischen Symptomen wie Bettnässen bis zur Präpubertät, Tics, Einkoten und Stuhlverhalten, Körper- und Kopfschaukeln, nächtlichem Aufschreien und Essstörungen.

Heute wissen wir, dass die kinderärztliche Auskunft „Das brauchen Sie nicht zu beachten, das wächst sich aus“ eine nur selten richtige, auf jeden Fall aber oberflächliche Auskunft ist.

In der Pubertät baut sich dann nach Verschwinden des Nägelkauens das Ritzen in die Arme auf oder statt Bettnässen eine unbezwingbare Nasch- oder Rauchsucht oder der ehemalige Haarereißer entwickelt einen Ordnungszwang. Das geschieht natürlich nicht bei allen. Oft wird lediglich im Schulalter eine allgemeine unkonzentrierte Unruhe sichtbar.

Warum können sich die Kinder solchem allemal anstößigen Verhalten nicht entziehen?

Heute hat lange Erfahrung in der Kinderpsychotherapie zu der Erkenntnis geführt, dass dem Ausreifungsprozess des Kindes Einschränkungen entgegenstehen, die das seelische Wachstumsgeschehen offenbar nicht ohne inneren Protest hinnimmt. Allerdings fehlt dem davon befallenen Kind über solche Zusammenhänge das Bewusstsein. Das ist ohnehin noch nicht ausgereift. Deshalb ist es absolut kontraproduktiv, dem Symptom mit Verbot und quälenden Strafmaßnahmen zu begegnen.

Manchmal ermöglichen glückliche Umstände  während des Aufwachsens aber auch eine Heilung. Worauf beruht sie?

Ihr geht voraus, dass das Kind ein sicheres Selbstbewusstsein entwickelt hat, dass es sich angenommen und geliebt fühlt, dass es sich selbst als junger Mensch für wert hält.

Die Voraussetzung dazu ist jeweils ein geheimnisvolles Wunder: Meist hat sich eine Freundschaft zu einer anderen einfühlsamen Person ergeben oder der junge Mensch hat eine Tätigkeit entdeckt, die konstruktiv ist und ihn absolut ausfüllt.

Das heißt: Der der Pubertät entwachsene Mensch hat zu der Bestimmung gefunden, für die er im Grunde schon als ungeborenes Kind als besonders begabt angelegt war. Diese kann bereits z. T. in den Genen vorhanden gewesen sein, sie kann aber auch plötzlich mit Anregungen aus dem Umfeld zur Verwirklichung gekommen sein. Bei den Biografien von Künstlern oder auch bei großen Priestern und Propheten lässt sich dergleichen erahnen.

Jedenfalls lohnt es sich, den genannten Erstsymptomen Beachtung zu schenken, statt dass man Kinder fortgesetzt mit der Frage nervt, warum sie dieses merkwürdige Verhalten trotz all des Bittens der Eltern nicht aufgeben. Aber das können sie eben nicht.

Und die Ursachen dafür sind im allgemeinen den Betroffenen, den Eltern und meist auch anderen Laien im Umfeld unbekannt. Es wäre hingegen für die Erziehenden nötig, das Kind nachdenklich in seiner Gesamtheit zu beobachten. Kinder geben meist unbewusst heraus, was sie bedrückt. Sie zeigen das mit der Art der Wutanfälle, sie bekunden das mit unbewussten Symbolen in ihren Zeichnungen, Träumen und Fantasien.

Man braucht dann nur einen Kindertherapeuten, der in der Lage ist, diese  Äußerungen richtig zu deuten, um herauszufinden, was dem Kind fehlt, um sich seelisch störungsfrei zu entfalten.

Diese Erkenntnisse können uns nicht nur als Erzieher klüger machen. Sie können uns belehren, dass wir  allesamt so frei, wie wir uns törichterweise wähnen, gar nicht sind.

Wir befinden uns vielmehr an der Longe des Künstlers, der jedes einzelne Genom mit einer geplanten Bestimmung individuell versehen  hat. Und das ist unser wundermächtiger Kreator, Gott Vater, der mit jedem von uns ein Ziel hat – das Ziel, dass sich der Mensch bis zu seinem Lebensende seiner geheimen Anbindung an IHN, den allmächtigen Himmelsfürsten, bewusst wird oder sich im Bestfall sogar in eine bewusste Beziehung zu ihm und seiner Dreifaltigkeit setzt – zumal wir seit 2000 Jahren nun einen barmherzigen Hirten haben, der uns die Durchschlagskraft seiner Wunder an einzelnen Kranken darlegte.

Sich einer solchen Sichtweise zuzuwenden, lässt die Erziehenden im Hinblick auf die Erstsymptome einer seelischen Unausgewogenheit ihres kleinen Kindes aufmerksam, nachdenklich und hellhörig werden.

Ein kleines Beispiel soll diese Zusammenhänge erläutern:

Ein nägelknabbernder achtjähriger Junge z. B. stellt in seinen Zeichnungen von Menschen die Arme als Stümpfe, offen und ohne Hände dar. Genaue Beobachtung zeigt, dass in das Verhalten des Kindes bei seiner Eigenentfaltung zu viel, zu oft in einer ihm  unbekömmlichen Weise eingegriffen worden ist.

Wenn dem einzelnen Haupterziehenden nun in behutsamer Weise von einem Therapeuten deutlich gemacht wird, dass seine Erziehungsform das Kind hindert, sich seinen Anlagen entsprechend gradlinig zu entfalten, so kann eine solche positiv aufgenommene Einsicht manchmal spontan sogar ein Wunder zur Folge haben: Ohne dass ein Wort darüber gesprochen worden ist, ändert das Kind unversehens sein Verhalten.

Dass das dann möglich wird, liegt daran, dass der unbewusste Widerstand aufgegeben werden kann, weil die Notwendigkeit dazu nicht mehr vorhanden ist. Im fortgeschrittenen Grundschulalter  (aber nicht früher!) darf in einigen Fällen auch der Widerstand als berechtigt sogar von der vertrauten erziehenden Person im Gespräch mit dem Kind angesprochen und damit bewusst gemacht werden.

Dann kann in harmonischer Gemeinsamkeit vom Kind verstanden werden, was da in ihm versteckt meutert. Und so kann vom Kind im nun wirksamen Entschluss die kleine ärgerliche Störung wirklich hinter sich gelassen werden. Denn die Eltern haben aufgehört, ihr Kind deswegen zu tadeln, weil sie verstanden haben, dass das Fehlverhalten ein unbewusster Selbstheilungsversuch des Kindes ist.

Speziell ausgebildete und erfahrene Kinderpsychotherapeuten sind darin heute auch befähigt. Aber – wie gesagt – manchmal ist dergleichen gar nicht nötig. Mit der Veränderung der Einstellung zu dem Kind und mit einer unbefangenen Gläubigkeit im Umfeld löst sich des Kindes Notprogramm auf und weicht einer ausgeglichenen Fröhlichkeit.

Christa Meves ist Psychotherapeutin für Kinder und Jugendliche sowie Bestseller-Autorin; sie leitet den Verein „Verantwortung für die Familie“, bei dem sich online weitere Infos und Artikel finden: http://www.vfa-ev.de/newsl.htm


Erinnerungen eines deutschen Juden zum 8. Mai 1945: „Was ich damals erlebte“

Von Klaus Moshe Pülz

Es ist beschämend, daß am heutigen Jahrestag der Kapitulation Nazi-Deutschlands am 8. Mai 1945 lediglich der Fernsehkanal RBB über „Berlin 1945“ berichten wird. Es ist auch müßig, wenn junge Historiker wie Neitzel &Co. ihr Buchwissen über den 2. Weltkrieg zur Schau stellen, anstatt die Zeitzeugen zu Wort kommen zu lassen.

Ich selbst wurde von einem US-Soldaten mißbraucht. Ich erlebte mit 10 Jahren die Bombennächte in Berlin, als ich in der Pragerstraße 2 lebte. Ich sah, wie Menschen in der Spichernstraße lebendig verbrannten. Ich hörte das Klicken von Granatsplittern der Flakbatterien vom Bahnhofzoo auf dem Asphalt, ich sah drei gehängte Soldaten wegen angeblicher Fahnenflucht.

Ich beobachtete den Untergang Dresdens von Rahden aus, nachdem wir am 13.2.1945 keine Unterkunft in Dresden fanden.

Die US-Armee wurde damals als „Uhren sammelnde Armee“ (USA) bezeichnet, weil die GI’s sämtliche Wohnungen und Keller mit Detektoren nach Schmuck absuchten, während sich die Bewohner im Luftschutzkeller aufhielten.

Mit Süßigkeiten und Kaugummi wurden junge Mädchen geködert, auf den Knien der GI’s Platz zu nehmen. Manchmal gab es in Berlin vier Angriffswellen der Briten und Amerikaner. Wir schliefen in Etagenbette  im Keller, während der Kalk von den Wänden herunterrieselte. Die Angst vor dem Einsturz der Keller war immens, nachdem diese schwankten wie auf einem Schiff bei hohem Seegang. Als Kind wunderte ich mich, wie starre Wände eine solche Flexibilität aufweisen konnten.

Es war zweifellos ein Kriegsverbrechen, Frauen, Kinder und alte Menschen in dieser umfassenden Weise durch Bombenhagel wahllos zu töten. Selbst der Straßenasphalt brannte  – und die Luft nahm einem den Atem.

In Coburg/Bayern verfolgte mich ein Tiefflieger am Anger. Ich warf mich auf eine Böschung, so daß die Maschinengewehre mich verfehlten.

In Mainz ging ich ins Gymnasium durch die zerstörte Stadt. Hin und wieder stürzten ganze Häuserwände ein, wenn es windig war. Wir Kinder suchten nach Gußeisen und Kupferleitungen in den Ruinen, um diese bei Schrotthändlern zu Geld zu machen und gefährdeten uns selbst, dabei verschüttet zu werden.

Dieser ganze Horror ist der heutigen Jugend erspart geblieben, aber all jene Menschen, die eine solche Zeit erlebten, werden diese schrecklichen Erfahrungen niemals vergessen.

Leider wird darüber in deutschen Medien im Detail nicht berichtet.

Es war der Lohn dafür, daß das einstige „Volk der Dichter und Denker“ einem arbeitslosen Psychopathen aus Österreich zum „Heiland“ (Heil Hitler) hochstilisierten und diesem bis in den Tod folgten – ja bis zum Untergang der deutschen Nation.

Obrigkeitshörigkeit und Kadavergehorsam machte dies alles möglich. Und heute wird die Menschheit erneut bedroht von einem nuklearen Krieg zwischen den Großmächten, wobei auch der Schiitenstaat Iran sich anschickt, Atomwaffen herzustellen, um damit den jüdischen Staat Israel zu vernichten.

Ich wünschte mir, daß ein deutsches Medium die Courage besäße, die Überlebenden eines modernen Krieges zu Wort kommen zu lassen, anstatt die Menschen mit immer den gleichen primitiven „Unterhaltungsprogrammen“ abzuspeisen.

Der deutsch-israelische Judenchrist Klaus Moshe Pülz leitet das „Institut für Israels universale Berufung“. Weitere Artikel und Infos hier: www.zelem.de


Fatale Folgen einer Frühsexualisierung von Kindern im Gefolge der 68er Revolte

Von Christa Meves

Nein, aufhören mit dem Aufklären, mit Warnen und Raten kann ich nicht, obgleich ich demnächst in das 96. Lebensjahr einsteigen werde; denn was sich nun mit den Kindern in den Familien abspielt, ist sogar noch gravierender als das, was ich nach meinem ersten Schockerlebnis vor 50 Jahren unablässig in die Öffentlichkeit hineinzurufen begann.

Diese Erfahrung machte ich 1969 bei einer Einladung zum Vortrag in einer Berliner evangelisch-lutherischen Akademie, nachdem mein Vorredner, Helmut Kentler, ein mir unbekannter Lehrer aus Ostberlin (jedenfalls benannte er sich damals so), seinen Vortrag sinngemäß mit folgender Quintessenz beendet hatte:

Ab jetzt werden wir den Menschen machen. Wir allein, in eigener Regie, frei für jede Form von Sex, auch für die Kinder.

Hingegen hieß das Ergebnis meiner Ausführungen: Wir müssen bei unseren Entscheidungen hinauffragen: Was erwartet unser Gott mit seiner Schöpfungsordnung von uns, damit wir zu einer gesunden Zukunft hinfinden können?

Dieser Mann, der jetzt erst nach seinem Tod als ein –  durch die Jahrzehnte hindurch  –  vielfacher Missbrauchstäter (mit institutioneller Hilfe in Berlin) entlarvt worden ist, war damals bereits ein Protagonist der sogenannten Studentenrevolte.

Nachdem Kentler in der Universität Hannover zum Professor ernannt worden war – mit einer völlig unzureichenden Dissertation (kann jeder noch heute nachlesen) –  hat er Studenten jahrzehntelang mit einer abwegigen Pädagogik bedient.

Er hatte bereits 1970 in einem Taschenbuch mit dem Titel „Sexualerziehung“ seine Parolen zur Sexualisierung der Kinder vollmundig zu Papier gebracht. Aus der Sicht meiner kinderpsychotherapeutischen Praxis hatte ich damals bereits lesen müssen, was hier geplant war.

So blieb mir nichts anderes übrig, als mit einem kleinen Herder-Taschenbuch unter dem Titel „Manipulierte Maßlosigkeit“ meinen fachspezifischen Protest dagegenzusetzen; denn die Sexualität der Erwachsenen, so betonte ich, gehört nicht in die Kinderjahre. Dort ist sie den Kindern nicht gemäß.

Wer die Sexualität entfesselt und sie zu einer allgemeinen Lebensnotwendigkeit „von der Wiege bis zur Bahre“ erklärt, handelt sich eine Vielzahl von Sexualstörungen im Erwachsenenalter ein, Sexualsüchte vor allem, aber auch Abweichungen und sogar viel mehr Krankheiten physischer und psychischer Art. 

In Vorträgen über Vorträgen, in Büchern über Büchern variierte ich in den nächsten 50 Jahren – neben Warnungen vor dem Aufweichen bewährter Strukturen wie Familie, Autorität und Hierarchie – dieses Thema; denn zunehmend mehr entwickelte sich das Terrain der Bundesrepublik unversehens in ein Minenfeld mit Fallen zu unglücklich machenden, leidvollen Fehlentwicklungen.

Aufklärung darüber macht es aber möglich zu retten, was sich retten lassen will; denn es gibt bis heute immerhin auch noch weniger seelisch und geistig verseuchte Regionen, besonders in den deutschsprachigen Nachbarländern…

Außerdem kam mir auf meinem Feld unverhofft eine wissenschaftliche Forschung, die mächtig anschwoll, zu Hilfe. Dadurch gewann ich die beglückende Erfahrung, dass sich meine Vorstellungen, die ich in meinem Universitätsstudium der Nachkriegszeit und in der Praxis gewonnen hatte, immer mehr durch seriöse Forschungsergebnisse bestätigten:

So wurde jetzt z. B. die durchschlagende Einsicht der Hormonforscher publiziert, dass bereits im Mutterleib die Ausformung der unterschiedlichen Geschlechtsorgane von männlichen und weiblichen Kindern durch hohe Dosierungen entweder des männlichen Geschlechtshormons Testosteron für die Knaben oder des weiblichen Hormons Östrogen für die Mädchen massiv vorangetrieben wird.

Aber dann – wenige Wochen nach der Geburt – sinkt schon während der Säuglingszeit die Hormonlage der Babys bei beiden Geschlechtern fast auf Null zurück  (1).

Erst ab der Vorpubertät, etwa um das 10. Lebensjahr herum, beginnt der Hormonspiegel sich wieder bei beiden Geschlechtern kontinuierlich bis ins Erwachsenenalter hinein zu steigern.

Es ist einleuchtend, warum das so ist:

Bei den gewichtigen Reifungsphasen zwischen dem ersten und zehnten Lebensjahr ist der Naturtrieb Sexualität nicht gefragt. Ihr natürlicher Aufgabenbereich beginnt eigentlich erst mit der Fortpflanzungsfähigkeit. Bei der Einhaltung dieser natürlichen Grundregel ist in diesem Bereich am ehesten seelische und körperliche Gesundheit im Erwachsenenalter zu gewinnen.

Umso verhängnisvoller ist aber ein Zeitgeist, der das Gegenteil auf sein Banner schreibt. Die ungeschriebene Vorschrift der Revolutionäre „Sex von der Wiege bis zur Bahre“ ist keineswegs vom Tisch. Sie ist sogar bis in die Schulpläne für Grundschüler eingesickert.

Und nun produziert zum Entsetzen verantwortungsbewusster Eltern auch noch das Smartphone ein Leck auf diesem Gebiet:

Heute ist es kaum noch zu verhindern, dass fast jedes Kind es vom Grundschulalter ab zuwege bringt, eines Smartphones habhaft zu werden, um mit diesem dann herunterzuholen, was ihm beliebt. Und das ist in diesem Alter dann meist etwas, das ihm Freunde angeraten haben.

Seit dieser Neuheit landen bei mir nun zunehmend häufiger ratlos seiende Mütter, die zumeist bei ihren Kindern zwischen sechs und zwölf – Mädchen wie Jungen – mit neuen, bisher nie gekannten Verhaltensstörungen konfrontiert sind:

Z. B. eine Siebenjährige in der 2. Klasse verhielt sich, als wäre sie gänzlich von der Rolle. Sie könne nun nichts mehr, sagt sie, obgleich die Mutter erklärt, dass sie vorher im Geschwisterkreis ein supergesundes, fröhliches Mädchen mit guten ersten Erfolgen in der Schule gewesen sei. Alles Befragen hülfe nichts. „Das geht nicht“, heißt dann unter Tränen die Antwort des Kindes.

Eine andere Mutter berichtet mit berechtigter Sorge, ihr Sohn, 10 Jahre alt, verweigere ebenfalls konstant den Schulbesuch. „Da wäre etwas dazwischen“, erkläre er dann. Er fürchte sich, dann wieder nach Hause zurückzugehen, er müsse dann irgendwie loslaufen und sich bald irgendwann umbringen.  

Aber das sind nur zwei Beispiele von sehr ähnlichen weiteren, ohne dass eine der üblichen Diagnosen von Therapeuten feststellbar erscheint. Nicht selten gelingt es aber doch durch Berichte von Unbeteiligten, der Ursachen der massiven Störung habhaft zu werden: Bei manchen Kindern im Grundschulalter zeigt sich dann, dass irgendein Mitschüler die Kleinen zum heimlichen Benutzen von Mutters Smartphone verführt und sie auf bestimmte Sendungen unter einem bestimmten Code aufmerksam gemacht hatte.

Die Ursache besteht darin, dass die Kinder meist, ohne dass sie wissen, was ihnen geschieht, auf Sendungen mit Pornografie gestoßen sind.

Was sich besonders bei den Sensibleren, eher auch bei hervorragend Intelligenten, hier abspielt, ist ein Bildeindruck, der weder verstanden noch verkraftet werden kann. Es entsteht so ein massives Trauma, das nun allerdings dringend zunächst der Aufklärung und dann einer fachkompetenten Therapie bedarf. Was für eine neue schwere Verantwortung aller Pädagogen ist so neu entstanden!

Hier muss erst einmal darüber informiert werden, dass die Kindheit eine sexfreie Zone zu sein hat. Eigentlich müssten sämtliche Pädagogen jetzt erst einmal dazu angehalten werden, diesen Status der Kindheit zu respektieren, statt ihn unentwegt anzuheizen, wie es heute nicht selten im Sexualkundeunterricht geschieht.

Wie nötig wäre hier eine Vorbildhaltung auch der Eltern, statt (wie gelegentlich weiterhin) es für modern zu halten, ihre sexuellen Auslöser den Kindern so viel wie möglich hinzuhalten.

Diese Seuche ist der Sündenfall eines Zeitgeistes, der von Gottes Allgegenwart abgefallen ist. Hier muss angesetzt werden, um elenden Fallen solcher Art Paroli zu bieten.

1) Eliot, Lise: Wie verschieden sind wir? Die Gehirnentwicklung bei Mädchen und Jungen. Berlin 2009, für die deutsche Ausgabe © B.V., Berlin Verlag GmbH, Berlin 2010, S. 141

Die Bestseller-Autorin Christa Meves ist Psychotherapeutin für Kinder und Jugendliche; sie leitet den Verein „Verantwortung für die Familie“, bei dem Sie online weitere Artikel finden: http://www.vfa-ev.de/newsl.htm


Kleinkinder: Wie die Sehnsucht nach Nahrung und Liebe zusammenhängt

Von Christa Meves

Das ist erstaunlich: Im Straßenbild ließen sich früher eher selten ungewöhnliche Körperformen entdecken, heute treten manche in geballter Quantität auf – so z. B. die allzu starke Vollleiblichkeit einer erheblichen Zahl von Passanten. Und zwar nicht mehr allein bei den Älteren wie einst. Heute sind das nun auch eine zunehmende Schar ausgesprochen pummeliger Kinder im Grundschulalter.

Das entspricht nicht der natürlichen Norm. Diese schreibt nämlich Kindern in unserer Region – spätestens ab der Siebenjährigkeit – als Wachstumsgesetz einen Wachstumsschub vor. Dieser lässt sie nun auch die Reste des „Babyspecks“ aus dem Kleinkindalter einbüßen. Es lässt sich wahrnehmen, wie sich die Kinder altersentsprechend in die Länge strecken, die Buben voran.

Aber heute bleiben diese Vorgänge bei immer mehr Grundschulkindern aus. Diese auch statistisch erfasste, sich immer mehr steigernde Neuheit musste natürlich Entwicklungsforscher anregen, und so sind in unserem neuen Jahrhundert international eine Reihe von Spezialeinrichtungen aus dem Boden geschossen.

Aber oft bleiben die Ergebnisse spärlich. Viel Rückfälligkeit nach Ernährungsumstellungen und Nahrungseinschränkungen ist zu konstatieren.

Und im Einzelnen kann man eine erstaunliche Beobachtung machen: Diese Schar der übergewichtigen Kinder macht bei den Vorschlägen der Therapeuten zwar in konzentrierter Eifrigkeit mit. Aber die Waage bleibt in unbefriedigenden Zahlen stehen oder sie schwingt nach einem Kurzerfolg rasch wieder in die alte Höhe zurück. #

Das lässt immer neu als Endergebnis die schlichte Vorstellung vom „guten Futterverwerter“ als einen hauptsächlichen Verursacher lebendig bleiben. Aber in den meisten Fällen weist das auf eine unzureichende Diagnose hin.

Doch was ist es dann?

Ich habe im Hinblick auf diese Fragestellung in meiner langen Praxiszeit die Erfahrung gemacht, dass in solchen Fällen der Einblick in die kleine Seele noch nicht in der Tiefe gelungen ist. Bei all der Bereitschaft dieser Kinder, brav zu sein, ist ein zentraler Seelenteil dennoch verschlossen geblieben, ja, er wird unbewusst unter einer Zugehörigkeit fest versteckt gehalten: Bei diesen in die Therapie geschickten Kindern ist zunächst unbewusst ein streng gehütetes Geheimnis vorhanden.

Fast ohne Ausnahme konnte ich bei adipösen Kindern durch ein kleines Experiment folgende Erfahrung machen:

Ich platzierte auf unserem Spieltisch eine Schale mit Schokoladenplätzchen mit den hübschen bunten Perlchen obendrauf. Wie nebenbei bot ich davon an. Fast alle übergewichtigen Kinder dieses Alters schüttelten dann bedauernd den Kopf. Nachdem ich den Raum aber einige Zeit später verlassen hatte, ließ sich bemerken (und nach der Stunde auch nachzählen), dass einige Plätzchen verschwunden waren.

Hier offenbart sich ein Schlüssel zum Verstehen: Das Kind versucht zwar (mit dem Bedürfnis nach Anerkennung), sich den Mahnungen der Umwelt: „Friss doch nicht so viel!“ anzupassen, aber in der Tiefe seiner Seele hockt ein unbezwingbarer Drang, zuzugreifen. Und der steigert sich sogar zusätzlich, je mehr er frontal abzuwürgen versucht wird.

Auf diese Weise kann er sich bis zum Drang, heimlich zu mopsen, verstärken, ja, sich im übelsten Fall sogar bis zum Diebstahl aller Art, besonders von Geld aus Mutters Portemonnaie und in seltenen Fällen sogar zu einer allgemeinen Stehlsucht (Kleptomanie) ausweiten.

Dieser Zusammenhang wird von der Umwelt, von welcher Art diese auch sein mag, aber kaum einmal verstanden. Deshalb ist der Kampf zum Scheitern verdammt.

Die Ursache liegt tiefer – bereits im Säuglingsalter.

Hier dominiert zunächst das unbewusste Bedürfnis, sich durch Nahrung am Leben zu erhalten. Aber hier gibt es nun in unserer Zeit reichliche Fehlerquellen gegen eine urnatürliche Handhabung. Durch unnatürliche Künstlichkeiten kann hier leicht ein Mangel beim Säugling entstehen (z. B. durch Schreienlassen bis zur Erschöpfung des Kindes, ungeordnetes Füttern, z. B. in allzu starren Zeitabständen).

Dazu gehört aber nun – fest vernietet mit dem Nahrungstrieb – auch das Bedürfnis nach Nähe, Liebe und Schutz durch die pflegende Person. Das ist selbst in der Kinderheilkunde heute häufig noch unbekannt. Durch den seelischen Mangel (z. B. durch Trennungen vielfältigster Art und ein unstetes Leben) verstärkt sich dann also der Drang nach Befriedigung.

Je älter das Kind wird, zeigt sich das auch in einem Bedürfnis, sich selbst einem Gegenüber zuwendend zu verhalten. Deshalb sind Kinder mit Übergewicht häufig besonders liebenswert, anhänglich. Manche kleben im Schulalter noch wie Pech an der Lehrperson und daraus entsteht auch ein Bedürfnis, durch eine eigene Helferhaltung den anderen für sich zu gewinnen, aber dadurch auch eine verstärkte Empfindlichkeit gegen Enttäuschungen und Herabsetzungen.

Das ist interessanterweise der Weg in einen Charakter, den ich in meiner Typenlehre als Hingabetyp bezeichnet habe.

Aber manchen Menschen – besonders Frauen – gelingt allerdings mit exzessiver Willensanstrengung ein Gewichtsstopp (in seltenen Fällen sogar bis zur Magersucht). Dann wird der seelische Hunger durch Belohnungen ersetzt – durch Hungern ein Leichtgewicht auf der Waage zu erreichen –  oder in weiteren Fällen mit einer anderen Ersatzbefriedigung, die ebenso Suchtcharakter enthält und dann nicht selten auch zur unentrinnbaren Sucht wird.

Die gesuchte innere Zufriedenheit kann dadurch nicht erreicht werden, sondern eher die Vorstellung von Wertlosigkeit durch eine als nicht beherrschbar erlebte Willensschwäche.

Diese seelische Befindlichkeit wird nun aber in der heutigen Zeit umso häufiger zu einem allgemeinen, quälenden Lebensproblem. Je künstlicher man sich über natürliche Kinderpflege hinwegsetzt, umso mehr entsteht die Gefahr, dass sich die seelische Belastbarkeit im Erwachsenenalter bei immer mehr Menschen mindert.

Daraus entwickelt sich dann immer häufiger eine neurotische Form der Depression, die zu einer allgemeinen Minderung von Langzeitleistungsfähigkeit führt wie auch zu einer Überlastung der Gesundheitssysteme.

Wie aber heute dieser gefahrvollen Beschwernis begegnen? Vorab durch ungestörte Mutternähe und durch gesellschaftlich anerkannte, finanziell unterstützte Zeit für die natürliche Mutterliebe – besonders in den frühen Kinderjahren.

Da die Bedürfnisse nach Nahrung und nach Zuwendung in der ersten Lebenszeit so zentral miteinander verwoben sind und am Lebensanfang prägend auf die Hirnentwicklung einwirken, müssten diese Aspekte in der Pädagogik in Elternhaus, Kindergarten und Schule vorrangig berücksichtigt werden.

Bis ins Grundschulalter hinein lässt sich sogar nun noch Versäumtes nachholen. Weil die Störung nun einmal durch unnatürliche Handhabungen und Versäumnisse in der Säuglingszeit auf dem Boden der ersten fundamentalen Ich-Du-Beziehung entsteht, erweisen sich all jene Bemühungen am erfolgreichsten, die in dieser Zeit vorrangig ansetzen, und zwar durch eine Anpassung der Erziehenden an das Geschöpflich-Sein-Sollende.

Das gelingt sehr erfolgreich – besonders mit zweisamen Betätigungen vor allem in einer gesteigerten Mühe um Beachtung und Anerkennung der kleinen bedürftigen Seele. Dann lassen sich auch die notwendigen Begrenzungen der ungestümen Suche nach Lebensweite eher erreichen.

Denn Natur und Geist sind von unserem Schöpfer nun einmal aus dem gleichen Holz geschnitzt: aus seiner Liebe.

Christa Meves ist Psychotherapeutin und Bestseller-Autorin; sie leitet den Verein „Verantwortung für die Familie“, bei dem sich online weitere Infos und Artikel finden: http://www.vfa-ev.de/newsl.htm

 


Von unseriös bis kriminell: Die Methoden des „Sexualforschers“ Alfred Kinsey

Am 23. Juni 2019 jährte sich der 125. Geburtstag des berühmten Sexualforschers Alfred Kinsey. Er ist einer der bekanntesten Sexualforscher der Welt. Über ihn wurden zahlreiche Bücher geschrieben und mehrere Filme gedreht. 

Auch heute noch wird der US-amerikanische Professor für Zoologie, Alfred Charles Kinsey, als Wegbereiter der sexuellen Revolution gefeiert und für seine angeblich „nüchterne“ und „vorurteilsfreie“ Forschung gelobt. Aber stimmt das wirklich?

Wer sich kritisch mit seiner Arbeit auseinandersetzt, entdeckt einen Sumpf aus unwissenschaftlichen Methoden, krankhaften Neigungen und schrecklichen Verbrechen.

Fest steht: Seine beiden „Kinsey-Reports“ über das Sexualverhalten von Männern und Frauen, die er vor etwa 70 Jahren veröffentlichte, prägen die Sexualwissenschaft in den USA und Europa bis heute. Aber genau das sollte ein Grund zur Sorge sein.

Nicht nur die Biografien über Kinsey von James Jones und Jonathan Gathorne-Hardy, sondern vor allem auch die ausführlichen Veröffentlichungen von Judith A. Reisman, einer Professorin für Kommunikationswissenschaft, brachten mehrere erschreckende Erkenntnisse über Kinsey und seine Arbeit zum Vorschein:

So sollen die Methoden Kinseys in keiner Weise wissenschaftlichen Standards genügen. Er behauptete beispielsweise, 95 Prozent aller Männer seien gemäß der damaligen Gesetze in den USA Sexualstraftäter, 69 Prozent gingen regelmäßig zu Prostituierten und zehn bis 37 Prozent wären gelegentlich homosexuell aktiv.

Diese Ergebnisse sind aber laut Reisman nicht repräsentativ, denn seine beiden Hauptwerke enthalten nur Daten von 4500 Personen, worunter circa 1400 Sexualstraftäter, über 300 andere Straftäter und 200 sexuelle Psychopathen waren. Auch zahlreiche aktive Homosexuelle und Jugendliche, die Opfer von sexuellen Missbrauch waren, wurden befragt. Deren Antworten können nicht als gesellschaftlich repräsentativ betrachtet werden.

Darüber hinaus gelang es Kinsey und seinen Mitarbeitern kaum, Frauen für die Befragungen zu gewinnen, sodass sie viele Daten fälschten. Zum Beispiel wurden alle Frauen, die bereits länger als ein Jahr mit einem Mann zusammenlebten, als „verheiratet“ bezeichnet. Die Daten von „Prostituierten“ betitelten sie als die Daten „gewöhnlicher Hausfrauen“.

Viele Daten über die angebliche Sexualität von Kindern und Jugendlichen kamen nur durch deren sexuellen Missbrauch zustande:

1888 Jungen im Alter von fünf Monaten bis zur Adoleszenz sowie 147 Mädchen im Alter von zwei bis 15 Jahren wurden sexuell „stimuliert“ oder sollten das selbst tun. Beobachter mit pädophilen Neigungen sollten dabei mit einer Stoppuhr die Zeit bis zum Orgasmus des Kindes messen.

Das Ergebnis dieser kriminellen Untersuchungen sind die Behauptungen Kinseys über die angeblichen großen sexuellen Bedürfnisse von Kindern. Die zum Teil großen körperlichen Schmerzen und psychischen Leiden der Kinder während dieser „Untersuchungen“ interpretierte Kinsey als „multiple Orgasmen“ und listete sie detailliert in Tabellen auf.

Kinsey stand während seiner Arbeit nicht nur in Kontakt mit Vergewaltigern und Pädokriminellen, sondern litt selbst unter sadomasochistischen, voyeuristischen und pädophilen Neigungen, die er etwa in „Gruppensex-Spielen“ mit seinen Mitarbeitern und deren Ehefrauen auslebte und teilweise filmte.

Quelle und FORTSETZUNG des Beitrags hier: https://demofueralle.blog/2019/06/27/die-wurzeln-der-sexualpaedagogik-der-vielfalt/


Geschichte und Tragödie der Deutsch-Böhmen

Von Felizitas Küble

Professor Rudolf Jansche aus Wilhelmsfeld hat die Vertreibung von fast 3 Millionen Sudetendeutschen bzw. Deutsch-Böhmen aus der Tschechoslowakei als Kind persönlich miterlebt.

Sein bereits in 3. Auflage erschienenes Buch „Damit kein Gras drüber wächst“ (Verlag Inspiration) hat der bekannte amerikanische Völkerrechtler Prof. Dr. Alfred de Zayas in der „Sudetenpost“ gewürdigt und empfohlen. (Siehe hier auf S. 8: http://www.sudetenpost.eu/Archiv/2018/7.pdf)

Es vermittelt sowohl Geschichte wie Geschichten aus der Heimat der Deutsch-Böhmen. Die tausendjährige Historie dieser Volksgruppe kommt ebenso fundiert zur Geltung wie die Vertreibung und der an ihnen geschehene Massenmord ab 1945 durch tschechische Kommunisten und Nationalisten. (Näheres zum Buch hier: http://www.verlag-inspiration.de/buch-damit-kein-gras-drueber-waechst.html)

Der Zeitzeuge erinnert als Publizist sachlich, aber eindringlich an diese millionenfachen Verbrechen, die in deutschen Medien oft totgeschwiegen werden. Die meisten Opfer von Flucht und Vertreibung waren Frauen und Kinder.

In diesem Kontext bzw. Zusammenhang ist eine Aussage von Miloš Zeman, dem früheren Ministerpräsidenten und heutigen Präsidenten Tschechiens, an Zynismus kaum zu überbieten, sprach er doch davon, den Sudetendeutschen sei die „Gnade der Vertreibung“ widerfahren. Hätten sie „eigentlich“ alle ermordet werden sollen?

Am 30. März 2019 veröffentlichte die FAZ (Frankfurter Allgemeine Zeitung) einen Leserbrief des Buchautors Rudolf Jansche über das Sudetendeutsche Schicksal im 20. Jahrhundert, aus dem wir hier einige Abschnitte wiedergeben:

„In der Geschichte Europas spielt Böhmen eine bedeutende Rolle. Am Aufstieg dieser Region hatten die drei Millionen Sudetendeutschen ihren unbestrittenen Anteil. Es war Ottokar I. (1155 bis 1230), der begann, deutsche Siedler ins Land zu holen…

Nach dem Ende des 1. Weltkriegs gelang es dem findigen Edvard Benes, die Allierten davon zu überzeugen, dass das von Deutschen hochentwickelte Sudetenland für den neuen Staat Tschechoslowakei lebenswichtig und unentbehrlich sei…

Hierbei sei angemerkt, dass die beisspiellosen Rohheiten, Schikanen, ja Unmenschlichkeiten keine Versäumnisse, sondern planvolle Absicht waren… Erinnert sei an den 4. März 1919, an dem tschechisches Militär 54 friedliche Deutsche erschoss, die für das – vom amerikanischen Präsidenten Wilson propagierte – Selbstbestimmungsrecht demonstrierten….

Unvergeßlich sind mir die Bilder aus meiner Kindheit, als im Jahre 1938 die tschechische Polizei meinen Vater mehrfach grundlos nachts aus dem Bett holte. Niemand wußte, wo er war und was mit ihm geschah…

Seit vielen Jahren bemühe ich mich um die Versöhnung zwischen Tschechen und Sudetendeutschen. Ich habe in meiner früheren Heimat viele liebenswerte Menschen und Freunde gefunden…Sie tragen ebensowenig Schuld an diesem tragischen Kapitel unserer Geschichte wie ich.“

 

 


Zerrüttung der deutschen Erinnerungskultur

Von Peter Helmes

An „rechts“ mahnend zu erinnern, das gilt als nationale Pflicht. An „links“ erinnern ist offenbar nicht nötig, da gibt´s nichts zu mahnen.

Als franko- und italophiler Mensch bewundere ich seit meiner Jugend den Stolz unserer Nachbarn auf ihre Nation. Frankreich (französische Revolution) und Italien (Mussolini) haben wie viele Nationen dieser Welt jeweils ein schweres und blutbeladenes Erbe mit sich zu schleppen. Und was feiern sie an ihren Nationalfeiertagen: die „große Nation“.

„Für mich“, sagte einmal mein Freund aus Paris und dortiger Stadtteilbürgermeister, “für mich umfaßt eine wahre Erinnerungskultur den Umgang des einzelnen Bürgers und der gesamten Gesellschaft mit ihrer Vergangenheit und ihrer Geschichte – und mit der Höhen und Tiefen.“

Nach Jan Assmann (Kulturwissenschaftler, Uni Heidelberg) wird mit der Erinnerungskultur an die eigene soziale Gruppe die Frage „Was dürfen wir nicht vergessen?“ gestellt und beantwortet; insofern wirke Erinnerungskultur gemeinschaftsstiftend.

Gedächtniskultur sei nur möglich, wo die Vergangenheit durch Zeugnisse irgendwelcher Art präsent sei und wo diese eine charakteristische Differenz zur Gegenwart aufweise.     

Erinnerungskultur ist also kein Selbstzweck, sondern will Gerechtigkeit sowie nationalen Frieden fördern – ist damit gleichsam ein wichtiger Beitrag für einen Frieden über die eigenen Landesgrenzen hinaus.      

Verantwortliche Bürger sind somit aufgefordert, sich an der Erinnerungsarbeit aktiv zu beteiligen, der Schuld und Versäumnisse zu gedenken und die Verantwortung dafür zu benennen, wo sie geschwiegen oder mitgemacht haben, statt sich dem Unrecht entgegenzustellen, damit sich Untaten nicht wiederholen.

Namenlosen Opfern eine Stimme geben

Den Opfern, die namenlos gemacht wurden, wird damit eine Stimme gegeben. Zugleich wird auch an Menschen erinnert, die protestiert haben gegen Unrecht und Unmenschlichkeit und dafür mit der Freiheit oder mit dem Leben bezahlen mußten.

Die Erinnerungskultur einer Nation ist letztlich die verbindliche Form des kollektiven Gedächtnisses.

Konkret heißt dies: Ohne Erinnerung keine Zukunft!

Zum demokratischen Grundkonsens in Deutschland gehören demnach untrennbar die Aufarbeitung der NS-Terrorherrschaft genauso wie die der SED-Diktatur. Hinzu zählen auch die deutsche Kolonialgeschichte sowie positive Momente unserer Demokratiegeschichte.

Deutschland ist aufgrund seiner Geschichte besonders dafür verantwortlich, die Erinnerung an die Folgen von Diktatur und Gewaltherrschaft wachzuhalten. Dies ist Teil unseres nationalen Selbstverständnisses.

Wenn wir heute über Verantwortung nachdenken, wissen wir natürlich, daß wir hier und heute die Vergangenheit nicht selbst verschulden, sondern nur die Gegenwart – und über die wird erst in Zukunft gerichtet. Uns trifft trotzdem eine besondere Verantwortung: Wir schulden es den Opfern, alles daran zu setzen, daß Verbrechen wie diese nie wieder möglich sind. Das allererste Mittel hierzu ist die wachgehaltene Erinnerung.

Indoktrination von links seit Jahrzehnten

Dank des unseligen Wirkens der ´68er wurde unsere Gesellschaft in den letzten vierzig Jahren – und wird das auch weiterhin – so unbarmherzig indoktriniert, daß Jüngere, die die Zeit davor nicht einmal vom Hörensagen kennen, zur Erkenntnis gelangen müssen, die Deutschen seien von Natur aus böse und Deutschland eine niederträchtige Nation. Es ist die Reduktion einer tausendjährigen großen Geschichte auf zwölf schlimme Jahre. 

BILD: Zur Erinnerungskultur gehört auch die Vertreibung von Millionen Deutschen aus den Ostgebieten

Eben jene geistigen Umerzieher, die ihre gesamte „Bildung“ aus der „Frankfurter Schule“ bezogen haben und noch beziehen, treibt unsere Gesellschaft in Unruhe und Unfrieden. Hübsch säuberlich unterschieden werden die „politisch Korrekten“ (die „wahren Demokraten“) von den politisch Unkorrekten (den „Faschisten“), die sich dem Meinungszwang widersetzen.Dabei denkt sich die derzeitige Meinungskaste fast täglich neue Umerziehungsmaßnahmen aus. So werden z. B. Adreßlisten unbotmäßiger Blogger und Journalisten eingerichtet (und ins Netz gestellt) oder wird mit hohen Geldstrafen bedroht – und sanktioniert – wer sich der neuen Mentalität nicht unterwirft.

Schüler  –  meist noch unreif, die Tragweiten ihres Handelns zu erkennen –  werden gegen den nationalen Konsens aufgestachelt und zu Protesten verführt – zum Preis des Schulschwänzens. Lehrer, Professoren usw. werden boykottiert und/oder öffentlich angeprangert.

Man könnte darüber hinweggehen, wenn nicht das gesellschaftliche Klima mehr und mehr so zerstört würde, daß diese unsere Gemeinschaft auseinanderbrechen und sich feindlich gegenüberstehen wird.

Erinnern dürfen wir uns inzwischen nur an die Untaten des Dritten Reiches. Kaum eine deutsche Stadt, in der nicht wenigstens ein Mahnmal oder eine Gedenktafel an die Opfer des Nationalsozialismus bzw. des Faschismus erinnern.

An die Opfer des Internationalsozialismus darf man bald nicht mehr erinnern – als hätte es Mauertote, Stasi und Stacheldraht nie gegeben. Die heutigen Internationalsozialisten sind Gutmenschen, denen es gelungen ist, sich vom faschistischen Erbe unserer Nation selbst freizustellen, und denen es damit zu gelingen scheint, alle „Linken“ als Gutmenschen“ und alle Nicht-Linken als Neu-Faschisten hinzustellen.

Die neuen Konfliktlinien in der innerdeutschen Diskussion sind dementsprechend klar auszumachen. Es geht insbesondere um die Erhaltung und Pflege bestehender Gedenkeinrichtungen. Bestand ursprünglich politische Übereinstimmung darin, das bestehende Konzept für die historischen Gedenkstätten in Ost und West hinsichtlich der nationalsozialistischen wie auch der stalinistischen Gewaltopfer weiterzuentwickeln, ist heute der Konsens darüber zerbrochen.

Quelle und Fortsetzung des Artikels von Peter Helmes hier: https://conservo.wordpress.com/2019/03/17/zerruettete-deutsche-erinnerungskultur/