Merkwürdige Mitteilungen des „Himmels“ an den Priester Ottavio Michelini

Von Felizitas Küble

Der katholische Monsignore Ottavio Michelini wirkte in der italienischen Provinz Modena und starb am 15. Oktober 1975. Der Priester gehörte zur „Marianischen Priesterbewegung“ von Don Gobbi, einem italienischen Mitbruder, der angeblich jahrelang Einsprechungen der Gottesmutter erhielt, die er im sog. „Blauen Buch“ niederschrieb, einer mehrbändigen Sammlung diverser „Botschaften“ Mariens. buch

Doch auch der Geistliche Michelini bekam  –  eigenen Angaben zufolge  –  ab Mitte der 70er Jahre besondere Mitteilungen von Jesus und Maria. Diese „Offenbarungen“ wurden in dem Buch „Nicht ich, meine Söhne, habe diese Stunde gewollt“ gesammelt und veröffentlicht.

Vieles darin erinnert an die Botschaften von Don Gobbi. Beidesmal wird eine schlimme Zeit für Kirche und Welt angekündigt, eine „Reinigung“ der Erde, wobei aber danach ein herrlicher „Frühling“ für die Kirche, eine Art neues Pfingsten erblühen soll; angeblich handelt es sich dabei um den in Fatima angekündigen „Triumph des Unbefleckten Herzen Mariens“.

Diese Endzeitschwärmerei ist typisch für zahlreiche Privatoffenbarungen der letzten Jahrzehnte  – und wenngleich jene Einsprechungen im marianischen Gewande einherschreiten, sind sie doch mit jenen charismatischen Erwartungen verwandt, welche eine allgemeine „Erweckung“, eine starke weltweite Verbreitung von „Geistesgaben“ und eine universale Bekehrung für die Zukunft herbeireden.

Auch der Priester Michelini schreibt von einem „neuen Frühling des Friedens und der Gerechtigkeit für die Menschheit und für die Kirche”, von einer “einer strahlenden, niemals zuvor erlebten Morgenröte”.

Dabei wird übersehen, daß die Heilige Schrift genau das Gegenteil ankündigt:

Keine Epoche der Erweckung, sondern eine Phase des Glaubensabfalles wird der Wiederkunft Christi vorausgehen, wie zB. Paulus im 2. Thessalonicherbrief unmißverständlich erklärt. Zudem wird erst der Antichrist erscheinen, bevor unser Erlöser in seiner göttlichen Herrlichkeit wiederkommt, zu richten die Lebenden und die Toten.

Wenn in diesem wesentlichen Punkt irreführende Lehren verbreitet werden, kann die betreffende Botschaft nicht von oben sein, mag sie auch ansonsten noch so „rechtgläubig“ und fromm-konservativ klingen.

Die Tränen Mariens und ihr Eingreifen im Himmel?

Zudem heißt es z.B. in einer Mitteilung „Jesu“ an Prälat Michelini vom 2. April 1977:virgen-maria

„Mein Sohn, die Stunde ist schwer; sie ist aufgebläht und belastet von allen Leidenschaften. Sie wurde oft und oft angekündigt, aber immer wieder verschoben durch die Tränen und den Eingriff meiner und eurer Mutter, die erhört wurde, weil diese Liebe der erstgeborenen Tochter, Mutter und Braut letztlich aus der Liebe Gottes hervorgeht, die unendlich barmherzig und unendlich gerecht ist.“

Die Zeit der schweren Prüfung wurde also laut dieser Botschaft durch die „Tränen“ und den „Eingriff“ Mariens „immer wieder verschoben“.

Maria ist aber doch im Himmel glückselig, sogar mit Leib und Seele, sie weint daher keine Tränen; diese wird es in der himmlischen Herrlichkeit nicht geben (weder direkt noch im Sinne eines seelischen Schmerzes).

Zudem ist die Gottesmutter sicherlich unsere ganz besondere Fürsprecherin, aber die Vorstellung, sie würde darüber hinaus „eingreifen“, Gott gewissermaßen durch ihren „Eingriff“ (!) von einem Strafgericht abhalten, ist zumindest unangemessen, weil hier ein fragwürdiges Gottesbild vermittelt wird.

Dabei entsteht der irreführende Eindruck, als gäbe es im Himmel allein durch die Madonna einen derartigen Akt der Barmherzigkeit. Der Ewige ist jedoch seiner göttlichen Natur nach vollkommen, also gerecht und barmherzig zugleich; dazu bedarf ER nicht der Hilfe eines Geschöpfes, mag es auch das edelste sein, nämlich Maria.

Maria als Priesterin neben Jesus und als Miterlöserin?

Abgesehen davon ist in dem Buch ständig von Maria als „Miterlöserin“ die Redvisione, obwohl dies kein kirchlicher Ehrentitel für sie ist. Geradezu abenteuerlich ist zudem die theologische Begründung dafür: 

Maria habe Christus ihre menschliche Natur gegeben (durchaus richtig) – und Christus habe ihr gleichsam im Gegenzug seine göttliche Natur (!) geschenkt. Es ist dabei nicht von göttlicher Gnade die Rede (was dann ja zutreffend wäre), auch nicht etwa von einem „Anteil“ an der göttlichen Seligkeit (wie dies allen Erlösten für den Himmel verheißen ist), sondern mehrfach davon, daß Jesus seine göttliche Natur an Maria übermittelt habe. Diese Vorstellung ist unsinnig, weil sie die Mutter Jesu vergöttlicht.

Dazu paßt es dann, daß die Gottesmutter als „einzige Priesterin unter den Frauen“ bezeichnet wird, obwohl dergleichen weder das Neue Testament verkündet noch die Kirche lehrt.

Natürlich ist Maria im Sinne des allgemeinen Priestertums die vorbildlichste, geradezu vollendete Vertreterin im Gottesvolk des Neuen Bundes.

In den „Botschaften“ an Prälat Michelini wird aber jener Priesterin-Titel ausdrücklich nicht auf das allgemeine Priestertum der Gläubigen bezogen, sondern vielmehr in eine direkte Reihe mit dem Hohenpriester Christus gestellt, weil Maria sich angeblich mit IHM gemeinsam am Kreuz Gott, dem Vater, dargebracht habe. Dasselbe gelte dann auch für die heilige Messe.

In der „Botschaft“ vom 1. Oktober 1975 beklagt sich der „begnadete“ Geistliche bei Jesus: 

„Ich habe den Inhalt deiner Botschaft über die Teilnahme der allerseligsten Jungfrau am Geheimnis des Kreuzes einigen Bekannten übermittelt. Sie glaubten nur mit Mühe an das große Verdienst der Gottesmutter, das ihr durch ihr Selbstopfer bei der heiligen Messe zukommt.“

Es spricht für diese Bekannten aus dem Umfeld des Geistlichen, daß sie jene merkwürdigen Sonderlehren „nur mit Mühe glaubten“ (am besten freilich überhaupt nicht).

Aber der Botschafts-Jesus hält Trost für seinen Priester bereit: „Mein Sohn, ich sage dir, daß auch die Guten wenig vom Wesen des Christentums verstehen.“Jesus am Kreuz - Dom St Peter

Nach zweitausend Jahren kirchlicher Verkündigung muß anscheinend dieses „Wesen“ ganz neu verstanden werden.

Die Liebe Gottes kennt keinen Zwang

Der angebliche Himmels-Jesus fährt fort:

„Meine Mutter nimmt am Geheimnis meiner Menschwerdung und an jenem des Kreuzes teil. Deshalb nimmt sie auch am Geheimnis der heiligen Messe, dem unblutigen Geheimnis des Kreuzes, teil….Sie lebt in mir, aus meiner göttlichen Natur, wie ich in ihr lebe, in ihrer menschlichen Natur. Darum ist es selbstverständlich, daß auch sie dort ist, wo ich bin. Dazu zwingen die Natur und die Liebe.“

Erstens „zwingt“ die Liebe grundsätzlich zu nichts, weil Zwang und Liebe unvereinbar sind. Zweitens hat Christus zwar die menschliche Natur angenommen, Maria aber nicht die göttliche.

Weiter heißt es in jener „Botschaft“:

„Wahrhaft wirklich wie auf Kalvaria ist ihr Fiat am Altar. Wäre es anders, so wäre sie nicht Miterlöserin. Miterlöserin war sie und wird sie immer sein in vollkommener Vereinigung mit mir, in der sie auch in der Ewigkeit mit euch sein wird. Jetzt seid ihr durch das Geheimnis des Glaubens vereint, wenn ihr daran glaubt und daraus lebt.“

Wir sind also dann „durch das Geheimnis des Glaubens“ vereint, wenn wir „daran glauben“, daß Maria „Miterlöserin“ ist. Dabei gehört dieser Titel durchaus nicht zum kirchlichen Lehrbestand. Papst Benedikt hat sich sogar ausdrücklich dagegen ausgesprochen. (Näheres siehe hier: https://charismatismus.wordpress.com/2012/02/11/papst-titel-miterloserin-fur-maria-verdunkelt-den-wesentlichen-vorrang-christi/)

Was außerdem an diesen vermeintlichen Einsprechungen des Himmels stört: Ständig wird den Lesern eingeredet, die Freimaurerei sei der schlimmste Feind der Kirche  –  und das „jüdische Volk“ habe einen „Gottesmord“ vollbracht. israeltag2

Daß die freimaurerischen Standpunkte mit dem christlichen Glauben unvereinbar sind, ist eine klare Tatsache, aber daraus läßt sich kein derart übertriebenes Feindbild ableiten, als ob es sonst keine nennenswerten Gegner in- und außerhalb der Kirche gäbe.

Das jüdische „Volk“ hat Christus nicht ermordet, es waren vielmehr römische Soldaten, zweifellos angestachelt durch einen Teil der jüdischen Elite, aber nicht durch das Volk der Juden insgesamt.

Manche Bemerkungen klingen zudem ziemlich gnostisch bzw. leibfeindlich, zB. eine Botschaft des heiligen Josephs vom 15. Mai 1977: „Große, reine Liebe herrschte zwischen mir und meiner wahren Braut, Maria. Unsere Liebe wurde nie durch sinnliche Gefühle befleckt: Wir liebten uns wie Engel, die keinen Körper haben.“

Maria und Joseph waren aber Menschen, die einen Körper haben, keine Geistwesen, keine Engel. Natürlich lebten sie ihre Ehe enthaltsam, aber das bedeutet nicht „wie Engel, die keinen Körper haben“.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.

Auszüge aus dem erwähnten Buch finden Sie hier: http://kath-zdw.ch/maria/Ottavio.nicht.ich.habe.diese.stunde.gewollt.html#49


„Ruhen im Geist“? – Rückwärtsfallen in Trance existiert auch in Esoterik und Heidentum

Warum der „Hammersegen“ kein christliches Phänomen ist

Immer häufiger tritt in charismatischen bzw. pfingstlich gepräg­ten Versammlungen ein Phänomen auf, das von Anhängern dieser Bewegung „Ruhen im Geist“ genannt wird. „Erschlagen werden im Geist“ („slain in the spirit“) ist eine andere Bezeichnung dafür.

Bemerkenswert ist, daß der überwiegende Teil der Leute, die von dieser Geisteswirkung erfaßt werden, nicht nach vorne, sondern auf den Rücken fallen. So berichtet jemand zeugnishaft, der früher einer extremen charismatischen Gemeinde angehörte und sich inzwischen davon distanziert hat: 

„Unter Handauflegung von Reinhard Bonnke wurde ich wie von einem Blitz getroffen und nach hinten auf einen harten Steinboden geschleudert, wobei jegliches körperliche Gefühl verschwunden war. Verletzt wurde ich bei die­sem Sturz nicht. Bei einer anderen Handauflegung erlebte ich für einige Sekunden, wie ich aus meinem Körper herausschwebte und eine beglückende Schwerelosigkeit mich umfing. Gleichzeitig fiel ich nach hinten.“

Gibt es jedoch Hinweise in Gottes Wort für das Fallen auf den Rücken? Die Bibelstellen, die davon berichten, deuten an, daß bei solchen Ereignissen ein Gericht Gottes vorliegt. Als der Hohe­priester Eli die Nachricht erfährt, daß die Bundeslade von den Philistern geraubt worden ist, fällt er rücklings vom Stuhl und erschlägt sich (1. Sam. 4,18). Gott hatte dies vorher als Gericht angekündigt (1 Sam 2,34 und 3,11).

In Jesaja 28 spricht Gott ab Vers 7 von dem Gericht über die falschen Propheten. Der 13. Vers sagt schließlich: „…daß sie hingen und rücklings fallen, zerbrochen, verstrickt und gefangen werden.“ Dies ist um so mehr bemerkenswert, als die Verse unmit­telbar davor (Vers) von Paulus in 1. Kor. 14 zitiert werden.

Der Mensch, der sich vor Gott aufs Angesicht wirft, bedeckt seine Blöße. Wer aber auf dem Rücken liegt, deckt sie auf. Es ist der Geist des Widersachers, der den Menschen entblößt (Offb 16,15), nie und nimmer aber ist so etwas das Wirken des Heiligen Geistes.

Ruhen im Ungeist: Ritual aus der Finsternis

Auch weiß man von der Missionsgeschichte, wie Menschen durch das Wirken dämonischer Geister auf den Rücken fallen.  0022

So wird in dem Buch „Chinas Märtyrer“ berichtet, wie die Chinesen, die am Boxeraufstand teilnahmen, sich einem besonderen Ritual unterzogen. Der betreffende Initiand mußte sich in einem Kreis stellen, sich verbeugen und Beschwörungsformeln so lange aufsagen, bis der angeru­fene Geist kam und von ihm Besitz nahm, wobei er rücklings platt auf die Erde fiel. Er geriet in Trance und erwachte erst  wieder aus diesem Zustand, wenn der Zeremonienmeister seine Stirn be­rührte.

Auch aus heidnischen Religionen kennt man solche Phänomene. So schreibt Rabi Maharaj in seinem Buch „Der Tod eines Guru“ unter der Worterklärung Shakti Pat: 

„Bezeichnet die Berührung des Guru, gewöhnlich seiner rechten Hand an der Stirn des Anbetenden, die übernatürliche Wirkungen hat… Durch Verabreichung des Shakti Pat wird der Guru zum Kanal der Urkraft, der kosmischen Kraft, wel­cher das ganze Universum zugrunde liegt… Die übernatürliche  Wirkung des Shakti durch die Berührung des Guru kann den Anbeten­den zu Boden werfen, oder er kann ein helles Licht wahrnehmen und eine innere Erleuchtung oder eine sonstige mystische oder psychi­sche Erfahrung machen.“

Bekannter Vorgang aus der Hypnose

Karl Guido Rey berichtet in seinem Buch „Gotteserlebnisse im Schnellverfahren“, wie die Mesmeristen ihre Schüler in Hypnoseexperimenten rücklings fallen ließen. Sie bezeichneten es als „Expe­rimente der magnetischen Anziehungskraft“ (Seite 88).

Mesmerismus und Hypnose sind praktisch identisch. Franz Anton Mesmer gilt als Begründer des Suggestionsbegriffs.

Auf gleicher Ebene sind die Darbietungen des russischen Hypnotiseurs Kasparowskis in öffentlichen Stadien. Menschen sin­ken auf den Rücken, die Gesichter tranceähnlich mystisch verzückt bis verzerrt.

Es handelt sich hier eindeutig um das Wirken des Verführers, dessen Auftreten mit lügenhaften Zeichen und Wundern (2 Thess 2,9-11) uns für das Ende der Tage von der Bibel vorausgesagt ist.

Quelle und vollständiger Text des evangelikalen Autors Alexander Seibel hier: http://www.alexanderseibel.de/das_fallen_auf_den_ruecken.htm

Ergänzende Hinweise des katholischen Priesters Winfried Pietrek:     http://www.theologisches.info/blut5.htm

WIKIPEDIA über das Trance-Umfallen bzw. den Toronto-Segen: https://de.wikipedia.org/wiki/Torontosegen

Fotos: Dr. Bernd F. Pelz, Archiv


Die MEHR-Konferenz und der „Hammersegen“

Von Felizitas Küble

Allenthalben wird auf katholischen Webseiten   –  von der konservativen bis hin zur traditionellen Richtung  –  positiv bis begeistert über die charismatisch-ökumenische MEHR-Konferenz berichtet.

Personen und Gruppen, die sonst mit einem überschäumenden Ökumenismus eher wenig am Hut haben und überdies Wert auf eine gediegende liturgische „Form“ legen oder direkt der alten Messe anhängen,  lassen sich seit einiger Zeit in zunehmendem Maße von schwarmgeistigen Tendenzen beeindrucken. Charismatische Großveranstaltung

Ich frage mich, ob nicht einmal die Tatsache, daß im Gebetshaus Augsburg  –  dem Träger der MEHR-Konferenz  –  fleißig der Hammersegen propagiert und praktiziert wird, zum kritischen Nachdenken anregt.

Oder hält man etwa das sogenannte „Ruhen im Geist“ ernsthaft für eine Manifestation des Heiligen Geistes?

Handelt es sich bei diesem plötzlichen und tranceartigen Umkippen, wie MEHR-Leiter Dr. Johannes Hartl behauptet, um eine „Kraftbezeugung Gottes“? Vermittelt dieser „Toronto-Segen“ (wie er in protestantischen Kreisen genannt wird) neuerdings eine besondere Gotteserfahrung?

Wirkt unser HERR in solchen enthusiastischen Stimmungsmomenten auf ganz ungewöhnliche Weise? Zeigt er in der „Ohnmacht“ der Rückwärtskippenden seine außerordentliche „Macht“?

Mehr-Konferenz mit „Fallen im Geist“ inklusive

Daß auch in diesem Jahr auf der MEHR-Konferenz wieder  – wie dort üblich  –  munter der „Hammersegen“ erteilt wurde, wird von Fan-Seite selber geschildert, zB. hier unter dem bezeichnenden Motto Viel Spass und viel Segenhttp://mightymightykingbear.blogspot.de/2017/01/viel-spa-und-viel-segen-teil-1.html038_35

Daß es sich hierbei aber nicht um Ausrutscher oder Auswüchse am Rande dieser Mega-Veranstaltung handelt, ist für jeden klar, sich der sich der charismatischen Szenerie auskennt  –  einmal abgesehen davon, daß der katholische Theologe Dr. Johannes Hartl selber kein Geheimnis daraus macht, wie großartig er dieses Phänomen findet, das man aus der pfingstlerisch-protestantischen Bewegung seit über 100 Jahren kennt, seit einigen Jahrzehnten aber auch in katholisch-charismatischen Kreisen.

Dr. Hartl: „Meine aufregende Reise ins Gebet“

Dr. Hartl schreibt in seinem Buch „In meinem Herzen Feuer   –  Meine aufregende Reise ins Gebet“ im Kapitel „Heiliges Chaos“ (!), bei dem Fallen „im Geist“ handle es sich um eine „Kraftbezeugung Gottes“, die er bereits 1999 bei einem von ihm geleiteten Jugendwochenende beobachtet habe.

Während der üblichen Lobpreismusik ging es dort richtig rund – und dann kam ER (gemeint ist Gott): hartl-buch

„Doch während des 2. Liedes kommt er. Und übernimmt die Kontrolle…Ohne dass jemand sie berührt, beginnen Einzelne, umzufallen. Bum!…Die Betroffenen berichten, sie seien von der Kraft Gottes überwältigt worden….Im ganzen Raum fallen Jugendliche um und bleiben liegen….Einige liegen ganz ruhig am Boden und berichten hinterher, den Frieden und die Liebe Gottes auf tiefe Weise erfahren zu haben.

Andere beginnen laut zu weinen, weil Gott Bereiche intensiven Schmerzes in ihnen berührt. Andere lachen, weil sie Gottes Freude in sich spüren, andere haben Visionen der geistlichen Realität, einige sogar über lange Zeit hinweg.“

Dr. Hartl wird nun klar: „Jemand hat mir die Leitung aus der Hand genommen. In alledem jedoch die überwältigende Präsenz von etwas Heiligem. Von jemand Heiligem.“

Wirkt der Heilige Geist gegen Verstand und Bewußtsein?

Hierzu stellen wir fest:

  1. Der Heilige Geist wirkt grundsätzlich nicht gegen oder völlig ohne Verstand und Bewußtsein, sondern erleuchtet unsere Erkenntnis und unsere Vernunft mit dem Licht des Glaubens. Die Gnade baut auf der Natur auf –  aber er überwältigt sie nicht, er „wirft sie nicht um“, denn Gott ist ein Freund der menschlichen Freiheit, die ER selber uns verliehen hat. Herz-Jesu_01
  2. Als Katholiken sind wir überzeugt, daß uns durch das Sakrament der Firmung die Sieben Gaben des Heiligen Geistes (die zudem auch ausdrücklich biblisch bezeugt sind) schenkt, wobei wir diese Gnadengabe Gottes in unserem Leben fruchtbar machen sollen. Zu den „7 Gaben“ gehören interessanterweise auch die Gabe des VERSTANDES und der WISSENSCHAFT (Erkenntnis) sowie der WEISHEIT. Will jemand ernsthaft behaupten, beim quasi-ohnmächtigem Umkippen seien Verstand, Weisheit und Wissenschaft wirksam?
  3. Es ist in zweitausend Jahren nicht in einem einzigen Fall bezeugt worden, daß bei einem Sakrament, welches besonders den Heiligen Geist und seine Gaben vermittelt (Taufe, Firmung, Priesterweihe) jemals jemand „im Geiste geruht“ hat. Nun wissen wir aber im Glauben, daß bei der sakramentalen Begegnung mit Gott tatsächlich auch seine Gaben und wirksame Gnaden verliehen werden. Freilich kommt es hierbei aber keineswegs zu charismatischen Manifestationen wie dem Hammersegen, „Heiliges Lachen“, „Heiliges Weinen“, Zungenreden usw.
  4. Unser Glaube beruht nicht in erster Linie auf dem Gefühl, schon gar nicht auf ekstatischen, außer Kontrolle geratenen Emotionen oder Trance-Erfahrungen ähnlich wie bei Zen oder Yoga. Auch und gerade der Heilige Geist ist ein Gott der Ordnung, Besonnenheit und Nüchternheit, wozu beispielsweise der Apostel Paulus die damaligen Gemeinden in seinen Briefen häufig ermahnt.

Weitere Artikel von uns zur „Hammersegen“-Problematik:

https://charismatismus.wordpress.com/2012/08/22/charismatik-pur-pater-ivo-pavic-und-der-hammersegen/
https://charismatismus.wordpress.com/2013/02/18/warnung-vor-dem-philippinischen-heiler-und-charismatiker-corsie-legaspi/
https://charismatismus.wordpress.com/2016/10/04/warnung-vor-dem-ruhen-im-geist-warum-der-hammersegen-nicht-von-oben-kommt/
https://charismatismus.wordpress.com/2014/10/05/der-hammersegen-ist-keine-taufe-im-geist/
https://charismatismus.wordpress.com/2011/06/03/warnung-vor-medjugorje-2/

Kritische evangelische Information über diesen Toronto-Segen: http://www.relinfo.ch/toronto/kurz.html

HIER sechs weitere Artikel über die MEHR-Konferenz und das Gebetshaus Augsburg: https://charismatismus.wordpress.com/category/visionen-und-charismatik-kritik/gebetshaus-augsburg-j-hartl/

 

 

 


Erweckungsprediger Ben Fitzgerald sprach auf der charismatischen MEHR-Konferenz

Von Felizitas Küble

Zu den vier wichtigsten Referenten bei der diesjährigen Augsburger MEHR-Konferenz, die mit ca 10.000 Teilnehmern für ein gewisses Aufsehen sorgte und sogar eine ausführliche Sendung in den „Tagesthemen“ erhielt, gehörte neben Vatikanprediger R. Cantalamessa auch der bekannte protestantische Pfingstpastor Ben Fitzgerald. vor_600x600

Organisiert wird das musikalisch von superlauter Musik und exaltiertem „Lobpreis“ geprägte Spektakel durch das ökumenische „Gebetshaus Augsburg“, geleitet vom katholischen Theologen Dr. Johannes Hartl.

BILD: Fitzgeralds MEHR-Vortrag kann beim „Gebetshaus Augsburg“ bestellt werden (Quelle: https://shop.gebetshaus.org/vortraege/mehr/5568/vortrag-ben-fitzgerald)

Auch der relativ wohlwollende Tagesthemen-Bericht bezeichnet die MEHR-Konferenz als „Mischung aus Rock-Konzert, Festival und Gottesdienst“.                     (Siehe hier: https://www.facebook.com/tagesschau/videos/10154956887504407/?hc_ref=NEWSFEED)

Auf seiner Facebook-Seite wirbt Fitzgerald für die „Evangelisationsschule“ des extrem-charismatischen Heilungspredigers Reinhard Bonnke, der sich selber wegen seiner „Missionserfolge“ vor allem in Afrika gerne als „Mähdrescher Gottes“ bezeichnet: https://de-de.facebook.com/benfitzgeraldandJesus

In der erscheinungsbewegten und charismatisch geprägten Nachrichtenseite „kath.net“ berichtete deren Leiter Roland Noé  –  wie zu erwarten: völlig unkritisch  –  über den Auftritt Fitzgeralds auf der MEHR-Konferenz am vergangenen Freitag.

Der evangelische Pfingstprediger habe, so der katholische Autor, die „deutsche Kirche“ (wen immer er damit genau gemeint haben mag) dazu aufgefordert, „wieder zu ihrer Rohform zurückzufinden“.  Vermutlich meint er seine eigene protestantische Konfession, zumal er dort verkündete, es sei die Zeit für eine „neue Reformation“ angebrochen, freilich eine pfingstlerische  – also keine „trennende“ Spaltung.

Die charismatische Bewegung versteht sich ohnehin zutiefst als ökumenisch, denn wenn auch manche Lehrinhalte noch trennen, so sei es doch der „Geist“ bzw. die „Geistesgaben“, welche zusammenführen.

Evangelische Kirche in Augsburg

Kath. Kirche in Augsburg

Im Kath-net-Bericht heißt es überdies: „Der Prediger aus Melbourne hatte Ende 2002 eine tiefgreifende Umkehr erfahren, zuvor war er als Drogendealer tätig.“ – Dies ist ein recht häufiger Vorgang in der Lebensgeschichte charismatischer Prominenter. Bisweilen fragt man sich, ob diese Personen ihre Euphorie gleichsam „umgelenkt“ haben: vom Drogen-Trip zum „Jesus-Trip“. Typisch für die enthusiastische MEHR-Konferenz ist auch ihr Motto: „Holy fascination“ (heilige Faszination).

Kritischer äußerte sich die „Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen“ in ihrem Artikel über eine Charismatiker-Konferenz in Nürnberg über Starprediger Fitzgerald. 

Demzufolge hat er dort die typisch schwarmgeistige Erweckungslehre verkündet, derzufolge es vor der Wiederkunft Christi weltweit zu einer „Rettungswelle“ komme, die Christenheit einen herrlichen Aufschwung nehme und auch Fernstehende in großer Zahl zum Glauben finden.

Während gemäßigte Pfingstprediger für solch eine „Erweckung“ beten und Vorarbeit leisten wollen, glauben ultra-charismatische Kreise, dieser wunderbaren Zustand sei bereits eingetreten. Laut EZW-Bericht erklärte Fitzgerald, „Erweckung sei nicht allein das, wofür gebetet und worauf gewartet werde, vielmehr habe sie bereits begonnen.“ – Es werde eine „Welle der Errettung über ganz Europa“ kommen, „die nicht mehr verebbt“.

Unsere theologischen Einwände zur Erweckungs-Euphorie siehe hier: https://charismatismus.wordpress.com/2011/06/10/pfingstlerische-erweckungs-lehre-widerspricht-der-bibel/

Unser Bericht über MEHR-Konferenz-Referent Pater Raniero Cantalamessa: https://charismatismus.wordpress.com/2017/01/07/charismatisch-oekumenische-mehr-konferenz-mit-vatikanprediger-cantalamessa/

 


Charismatisch-ökumenische MEHR-Konferenz mit Vatikanprediger Cantalamessa

Von Felizitas Küble

Der italienische Kapuzinerpater Raniero Cantalamessa wurde von Johannes Paul II. zum „Päpstlichen Hausprediger“ ernannt und hat seit über drei Jahrzehnten dieses Amt inne.Radio Vatikan

Er hat sich durch sein häufiges Lob für Martin Luther in protestantischen Kreisen ebenso beliebt gemacht wie durch seine charismatischen Aktivitäten in der Pfingstlerszene und bei katholischen Erneuerungsbewegten.

Derzeit läuft die charismatisch-ökumenische MEHR-Konferenz in Augsburg mit ca. 10.000 Teilnehmern. Das neo-konservative und erscheinungsbewegte Spektrum, wozu auch die katholische Nachrichtenseite „kath.net“ gehört, ist von diesem Kongreß seit Jahren sehr angetan.

Diesmal ist Pater Cantalamessa als prominenter Redner auf dieser Mega-Veranstaltung des „Gebetshauses Augsburg“ mit von der Partie. Am Dreikönigsfest predigte er dort in der hl. Messe über Lobpreis und Anbetung, worüber „kath.net“ berichtet: http://www.kath.net/news/58076

Vorigen Herbst trat der päpstliche Hausgeistliche auf dem  –  größtenteils von pfingstlerischen Protestanten geprägten  –  Kongreß „Pfingsten 21“ in Würzburg auf, ebenso Dr. Johannes Hartl (siehe Foto), katholischer Theologe und Leiter des bereits erwähnten Gebetshauses Augsburg: http://www.pfingsten21.de/

(Sehn-)Sucht nach einem neuen Pfingsten

Dabei ging es um die „Sehnsucht nach einem neuen Pfingsten im 21. Jahrhundert“  – also die typisch charismatische Erwartung einer allgemeinen Erweckung in der Christenheit als angeblicher Vorbote für die Wiederkunft Christi. mehr-tag-4-_2939_20160106

BILD: Dr. Johannes Hartl, Leiter des Augsburger Gebetshauses, hier auf der MEHR-Konferenz 2016 (Fotoquelle: HIER)

Bei seiner Karfreitagspredigt 2016 im Vatikan hatte der Kapuzinerpater wie so oft wieder ein Loblied auf die „Reformation“ gesungen. Zu den verheerenden Folgen der Glaubensspaltung (darunter ein von Luther selbst eingeräumter Sittenverfall oder auch der 30-jährige Krieg) hat sich der Prediger nicht geäußert.

Wie der kath. Nachrichtendienst ZENIT damals berichtete, erklärte Cantalamessa, Luther habe die „Wahrheit“ über Gottes „Gerechtigkeit“ erst wieder „ans Licht gebracht“: „Luther kommt der Verdienst zu, diese Wahrheit wieder ans Licht gebracht zu haben, nachdem die christliche Verkündigung jahrhundertelang den Sinn dafür verloren hatte. Das ist es im Wesentlichen, was die Christenheit der Reformation verdankt, deren Fünfhundertjahrfeier nun bald ansteht.“

P. Cantalamessa spielte damit auf die lutherische Rechtfertigungslehre an, wonach allein der Glaube selig und „gerecht“ mache; die Einhaltung der göttlichen Gebote und gute Werke seien zwar erfreulich, so Luther, aber nicht heilsnotwendig.

Angeblich habe die Kirche in den Jahrhunderten zuvor den Sinn für Gottes wahre Gerechtigkeit verloren, bedauerte Cantalamessa. Doch es sei der Reformation zu „verdanken“, daß sie wieder entdeckt worden sei.

Katholisches Lehramt gegen Werkgerechtigkeit

In Wirklichkeit hat die katholische Kirche schon in der Frühzeit des Christentums jede falsche Werkgerechtigkeit oder Leistungsfrömmigkeit abgelehnt, weshalb sie der Irrlehre des Pelagius entschieden widersprach. Dieser hatte erklärt, die Gnade Gottes sei zwar eine helfende Zugabe, aber nicht absolut notwendig, da ein nach Gerechtigkeit strebender Mensch die Gebote Gottes auch aus eigener Kraft einhalten könne. christus

Dem hat die katholische Kirche ihre biblisch begründete Gnadenlehre entgegengesetzt, wonach Gottes Huld und Hilfe den Menschen überhaupt erst zum Glauben und zur Nachfolge Christi befähigt.

Die Betonung der Gnade Gottes ist also keine „Entdeckung Luthers“, wie Pater Cantalamessa suggeriert, sondern seit jeher katholische Lehraufassung gewesen und geblieben; sie wurde von Thomas v. Aquin ebenso betont wie vom Trienter Konzil bestätigt. 

2015 erklärte der päpstliche Hofprediger laut „Livenet“-Bericht auf einem evangelisch-charismatischen Kongreß sogar, er habe sich auf einer pfingstlerischen Veranstaltung in Kansas City 1977 gleichsam zum zweiten Mal „bekehrt“, als er dort die „Geistestaufe“ empfangen habe. Cantalamessa weiter: „Wir werden Busse tun über alle unsere Abspaltungen. Der Herr giesst seinen Geist in allen Kirchen aus.“

Zudem erklärte er darüber: „Die Geisttaufe änderte meine Einstellung den anderen christlichen Kirchen gegenüber –  nicht aufgrund von theologischen Überlegungen, sondern ganz spontan, ohne dass ich es selbst wahrgenommen hatte. Gemeinsam mit der Gabe des Geistes war die Gnade der Einheit gekommen.“   (Quelle: http://www.leiterkreis.de/file/17.Einheit%20%20Erweckung.pdf  – dort auf S. 18 unten)

Erwartung einer weltweiten Erweckung

Zurück zur charismatischen Hoffnung auf ein „neuen Pfingsten“. Seit Jahrzehnten wollen „Geistbewegte“ eine Zeit großartiger weltweiter „Erweckung“ herbeireden, indem sie eine Art Neuauflage des Pfingstereignisses ankündigen. charismatiker_allg_606_pr13_02_ab36d7785e

Diese Endzeitschwärmerei stimmt allerdings mit der nüchternen biblischen Prophetie nicht überein. Aber das enthusiastische Wunschdenken ist hier offenbar stärker als der Sinn für die Wirklichkeit.

In seiner vierten Vatikan-Fastenpredigt im Jahre 2009 erklärte Pater Cantalamessa diesbezüglich:

„Dieselbe Spannung zwischen Verheißung und Erfüllung, die in der Schrift hinsichtlich der Person Christi zu bemerken ist, ist auch hinsichtlich der Person des Heiligen Geistes festzustellen.

Wie Jesus zunächst in der Schrift verheißen und dann im Fleisch offenbar war und schließlich in seiner endgültigen Wiederkunft erwartet wurde, so wurde auch der Geist, einst „Verheißung des Vaters“, an Pfingsten gegeben und wird jetzt erneut „mit unausdrückbarem Seufzen“ vom Menschen und von der ganzen Schöpfung erwartet und angerufen, die die Fülle seines Geschenkes erwarten, nachdem sie dessen Erstlingsfrucht gekostet haben.“

Pfingsten war also – wohlgemerkt – nur eine „Erstlingsfrucht“ des Heiligen Geistes, mit größeren Ereignissen ist erst in der Zukuft zu rechnen.

Theologischer Rückgriff auf Joachim von Fiore

Der Geistliche neigt zur Lehre von den „drei Zeitaltern“ des mittelalterlichen Mönches Joachim von Fiore, die von der Kirche nie anerkannt wurde, wenngleich er diese Thesen zu spiritualisieren versucht.

Dr. Bernd F. PelzVereinfacht gesagt bedeutet die Drei-Reiche-Lehre: Der Alte Bund war die Epoche des Vaters, der Neue Bund ist die Epoche des Sohnes – und in der Endzeit folgt die Epoche des Heiligen Geistes, das „Dritte Reich“ (wie die Joachimiten es damals nannten).

Pater Cantalamessa predigte weiter:

„Was meint Jesus, wenn er den Heiligen Geist „Verheißung des Vaters“ nennt? Wo hat der Vater diese Verheißung getan? Das gesamte Alte Testament ist, so könnte man sagen, eine Verheißung des Geistes. Das Werk des Messias ist ständig so präsentiert, daß es seinen Höhepunkt in einer neuen universalen Ausgießung des Geistes Gottes auf Erden findet.

Der Vergleich mit dem, was Petrus am Pfingsttag sagt, zeigt, daß Lukas insbesondere an die Prophezeiung Joels denkt: „In den letzten Tagen wird es geschehen, so spricht Gott: Ich werde von meinem Geist ausgießen über alles Fleisch“ (Apg 2,17).“

Zur erwähnten AT-Prophezeiung Joels hierzu einige Klarstellungen: https://charismatismus.wordpress.com/2011/06/06/der-misbrauch-von-joel-3-durch-schwarmer/

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den katholischen KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.

Hier drei weitere Artikel zur MEHR-Konferenz und einigen bisherigen Referenten:
ARNE ELSEN:
https://charismatismus.wordpress.com/2014/01/04/augsburg-gebetsheiler-dr-arne-elsen-bei-der-charismatischen-mehr-konferenz/
BOB FRASER: https://charismatismus.wordpress.com/2013/12/07/usa-charismatischer-starprediger-bob-fraser-kommt-nach-augsburg/
HEIDI BAKER: https://charismatismus.wordpress.com/2016/08/16/ekstatisches-pfingstlertum-pur-heidi-baker-auf-der-charismatischen-mehr-konferenz/

Fotos: Radio Vatikan, Dr. Bernd F. Pelz, Archiv


Evangelischer Sektenbeauftragter warnt vor charismatischen „Holy Spirit Nights“

Vor charismatischen  Veranstaltungen unter dem Titel „Holy Spirit Night“ (Nacht des Heiligen Geistes) hat der Beauftragte für Sekten- und Weltanschauungsfragen der Evangelischen Kirche von Westfalen, Pfarrer Andreas Hahn, gewarnt.  charismatiker_allg_606_pr13_02_ab36d7785e

Die Treffen – zuletzt im September in Städten wie Berlin, Brüssel, Paris und Stuttgart – verstehen sich als eine Mischung aus Konzert und Jugendgottesdienst.

Pfr. Hahn besuchte eine „Nacht des Heiligen Geistes“ im ostwestfälischen Lemgo. Im Materialdienst der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW) bezeichnet er die in der Veranstaltung vermittelten Glaubensvorstellungen als „hoch problematisch“.

So habe der US-Evangelist Todd White versprochen, „jede Art von Krankheit im Körper im Namen Jesu jetzt sofort“ zu heilen, auch „genetische Krankheiten“ sowie seelische wie beispielsweise Depressionen.

Laut White sei einem Besucher spontan ein Knochen in der Wirbelsäule nachgewachsen. Ferner habe er behauptet, selbst „ganz neues Blut“ und „neue Organe“ bekommen zu haben, die durch seinen früheren exzessiven Drogenkonsum geschädigt worden seien.

Bei der Kollekte hätten die Veranstalter die Besucher gebeten, über den Eintrittspreis von 19 Euro hinaus noch zehn Euro zur Kostendeckung für die Veranstaltung zu spenden. Gott werde alles vielfach wiedergeben, habe Markus Wenz von der Stuttgarter charismatischen Gemeinde „Gospel Forum“ erklärt. Jugendpastor Wenz ist der Hauptorganisator der „Holy Spirit Night“.

Quelle und vollständiger Bericht hier: http://www.idea.de/glaube/detail/sektenbeauftragter-warnt-vor-nacht-des-heiligen-geistes-98806.html


Theologische Einwände zu den „Visionen“ der Schwester Faustyna Kowalska

Von Felizitas Küble

Am 29. Oktober 2016 veröffentlichte eine Userin mit dem Nicknamen „Maria lieben“ auf der katholischen Webseite „Gloria-TV“ einen Beitrag über die „Botschaften“ von Sr. Faustyna Kowalska, einer von Johannes Paul II. heiliggesprochenen polnischen Ordensfrau.

Vor jeder Debatte über Einzelheiten jener Visionen wollen wir uns klarmachen, daß die katholische Kirche noch nie jemanden aufgrund von Erscheinungen oder sonstigen außergewöhnlichen Phänomenen zur Ehre der Altäre erhoben hat. Es geht hierbei allein um den sog. „heroischen Tugendgrad“, also die sittliche Qualität der vorbildlichen Persönlichkeit.  faustine

Damit ist keineswegs gesagt, daß die theologischen (geschweige sonstigen) Ansichten oder etwa gar „Privatoffenbarungen“ der heiliggesprochenen Person unfehlbar sind. „Irren ist menschlich“ – dies gilt selbstverständlich auch für Selige und Heilige.

Ein bekanntes Beispiel dafür ist die hl. Katharina von Siena, die sogar zur Kirchenlehrerin ernannt wurde, obwohl sie nachweisbar eine völlig unzutreffende „Botschaft“ verkündet hatte, wonach die Madonna ihr mittels einer Erscheinung geoffenbart habe, sie – Maria – sei nicht unbefleckt empfangen. (Näheres dazu HIER)

Außerdem sind auch kirchlich „anerkannte“ (genauer gesagt: approbierte  = genehmigte, gebilligte) Erscheinungen für Katholiken nicht verbindlich. Eine Approbation beinhaltet also keine Verpflichtung, sondern stellt lediglich eine Erlaubnis dar.

Nun zu den Visionen der Schwester Faustyna, die vor allem durch das Bild und die Andacht zum „Barmherzigen Jesus“  sowie durch den „Barmherzigkeits-Rosenkranz“ weltbekannt geworden sind.

Die erwähnte Schreiberin „Maria lieben“ ist hell empört und liebt es gar nicht, daß auf der theologisch anspruchsvollen Webseite ZEITSCHNUR eine ausführliche Kritik am Kult um den „Barmherzigkeits-Jesus“ geübt wird (siehe HIER).

Die Userin bezeichnet die skeptische Autorin Hanna Jüngling in ihrer Überschrift als „Unheilsprophet“ und „Kirchengegner“; sie fürchtet gar eine „erstklassige Zersetzung unseres Glaubens“. Oho – man könnte meinen, die Künstlerin und Musikerin habe etwa die Gottheit Christi geleugnet oder die Wunder der Heiligen Schrift in Abrede gestellt  – aber nichts von alledem.

Es wurden lediglich eine Reihe von Einwänden hinsichtlich der Faustyna-Visionen veröffentlicht. Dies ist jedem Katholiken selbstverständlich erlaubt – und zwar grundsätzlich gegenüber allen (!) Privatoffenbarungen.

Dies gilt erst recht in diesem Falle, denn der Vatikan hatte die „Botschaften“ jener Nonne noch im Jahre 1959 nicht nur amtlich abgelehnt, sondern den auf Faustyna zurückgehenden Kult um den „Barmherzigen Jesus“ sogar strikt verboten. In Polen mußten seinerzeit diese (Kitsch-)Bilder aus den Kirchen entfernt werden, auch schriftliche Werbung für jene Visionen wurde untersagt. Radio Vatikan

Das Nein des hl. Offiziums bzw. der Glaubenskongegration war immerhin jahrzehntelang gültig  – bis Papst Johannes Paul II., der eine persönliche Verehrung für diese Ordensfrau pflegte, für einen kompletten Schwenk in dieser Causa sorgte:

Bereits als polnischer Bischof mit Namen Karol Wojtyla ließ er in den 60er Jahren sogar einen diözesanen Seligsprechungsprozeß für Sr. Faustyna durchführen. Zudem wies er die Pfarreien seines Bistums an, Bilder des „Barmherzigen Jesus“ in Pfarrkirchen wieder aufzuhängen, nachdem sie aufgrund der vatikanischen „Notifikation“ abgehängt worden waren. Dabei kann sich jeder an seinen fünf Fingern abzählen, daß der Vatikan seine handfesten theologischen Gründe gehabt haben wird, die zu seiner ablehnenden Haltung führten.

Es ist also jedem Katholiken völlig freigestellt, ob er diese „Visionen“  –  wie die Kirche unter Papst Johannes XXIII.  –  ablehnt oder sie im Sinne von Papst Johannes Paul II. befürwortet. Diese Meinungsfreiheit demonstrieren indirekt auch die Leserkommentare unter dem erwähnten Beitrag der Maria-lieben-Userin, die von Pro bis Contra wechseln oder unschlüssig erscheinen.

 Vor ca zehn Jahren erschien das Buch „Geschichte einer großen Sehnsucht“ (siehe Abbildung oben).christus

Darin beschreibt der Autor, Kaplan Ulrich Filler, das Leben und die Visionen von Sr. Faustyna. Die Schrift ist immerhin differenziert und von Sachlichkeit geprägt, wenngleich sie eindeutig für den Kult um den Barmherzigkeits-Jesus eintritt.

Der Verfasser erwähnt aber immerhin, daß kirchlich „anerkannte“ Privatoffenbarungen für die Gläubigen nicht verbindlich sind, weil sie nicht zur „göttlichen Offenbarung“ (Bibel und Dogma) gehören, nicht einmal zum allgemeinen Glaubensgut der Kirche.

Ich frage mich ohnehin, warum der Himmel nach ca. zweitausend Jahren auf die Idee kommen sollte, die Lehre von der Barmherzigkeit Gottes wie etwas aufregend Neues zu präsentieren. Immer schon wurde das Erbarmen des Ewigen verkündet (übrigens bereits im Alten Testament), so daß dieser Kernpunkt biblischer Lehre nicht erst durch eine polnische Nonne „geoffenbart“ werden mußte.

Darüber hinaus scheint es in unserer Zeit wichtiger, die Heiligkeit und Gerechtigkeit Gottes wieder etwas stärker zu betonen, denn seine Gnade und Barmherzigkeit wird doch seit Jahrzehnten geradezu inflationär hervorgehoben.

Zurück zu Fillers Buch „Geschichte einer großen Seele“:

Auch er erwähnt auf S. 142 jene vatikanische Instruktion von 1959, in welcher den Bischöfen weltweit eingeschärft wurde, auf die Einhaltung des Verbotes betr. der Faustyna-Visionen zu achten. Die Verfügung des Hl. Offiziums wurde auch in den kirchl. Amtsblättern veröffentlicht.

Der Verfasser beschreibt die erste angebliche Christus-Erscheinung der Visionärin, die damals noch keine Ordensfrau war. Bei einer Tanzveranstaltung zeigte sich ihrchrkn der „entblößte“ (!) Jesus als leidender Heiland. Wer mag denn wirklich glauben, daß ihr der verklärte Gott-Mensch splitterfasernackt erschienen ist? 

Bekanntlich gehört zum Kreuzweg auch die Station „Christus wird seiner Kleider beraubt“.  –  Diese Aktion der römischen Soldaten sollte ihn demütigen und geschah gegen seinen Willen. Der Auferstandene ist weder den Frauen am Grab noch seinen Aposteln „entblößt“ erschienen. Warum sollte er es fast zweitausend Jahre später bei einer Ordensfrau plötzlich anders halten?

Auf S. 145 des Filler-Buches findet sich folgender Traum, der Sr. Faustine in einer Begegnung mit Therese von Lisieux angeblich zuteil wurde; er spricht wohl für sich – genauer: gegen die wahre Demut dieser „Seherin“, weil sich hier offenbar eine „Heilige“ in ihrer vermeintlichen „Heiligkeit“ gefällt  – so etwa wohl, als wäre man stolz auf die eigene „Demut“?!

Ich (Sr. Faustine) fragte sie: „Hl. Therese, sag mir, werde ich im Himmel sein?“ –  „Ja Schwester, Sie werden im Himmel sein“.  –  „Und werde ich heilig sein?“  – „Ja Schwester, Sie werden heilig sein.“   –  „Aber Therese, werde ich so heilig sein wie du  –  auf den Altären?“  – „Ja, du wirst heilig sein wie ich, aber du mußt Jesus vertrauen.“

Auf S. 64 wird erneut eine „Vision“ der „Seherin“ beschrieben, diesmal während einer Hl. Messe, in der sie die „Nähe“ Christi besonders „gespürt“ (!) habe:

 „Jesus, ich  möchte Dir so gerne etwas sagen.“  –  „Und was wünschest Du mir zu sagen?“  – „Jesus, ich bitte Dich kraft Deiner unbegreiflichen Barmherzigkeit, daß alle Seelen, die heute sterben, vor dem Feuer der Hölle bewahrt bleiben, auch wenn es die größten Sünder wären. Heute ist Freitag, der Gedenktag Deines bitteren Todes am Kreuz. Weil aber Deine Barmherzigkeit unbegreiflich ist, werden die Engel sich darüber nicht wundern.“  –  Jesus drückte mich an Sein Herz und sagte: „Geliebte Tochter, du hast die Tiefe meiner Barmherzigkeit gut erkannt. Ich werde tun, wie du bittest, aber vereinige dich ohne Unterlaß mit Meinem sterbenden Herzen und leiste Meiner Gerechtigkeit Genugtuung. Wisse, daß Du Mich um eine große Sache gebeten hast; aber ich sehe, daß sie dir die reine Liebe zu Mir diktiert hat, deshalb komme ich deiner Forderung entgegen.“

Hierzu ergeben sich aus katholischer Sicht folgende Fragen:   Kreuzkuppel

  1. Wie ist solch ein „Vorgang“ vereinbar mit der Lehre von der Willensfreiheit des Menschen, die Gott respektiert?  Wurden die Menschen, die an jenem Freitag starben, also allesamt in den Himmel oder ins Fegefeuer versetzt, auch wenn sie „eigentlich“ reif für die Hölle waren?!  Oder wurden sie vorher schnell von Gott zwangsbekehrt?!  – Im Gegensatz hierzu steht der biblische Bericht von den beiden Schächern am Kreuz, wobei einer sich bekehrte, der andere lästerte.
  2. Nachdem es also dem Kreuzesopfer unseres HERRN und Millionen von hl. Messen nicht gelang, zu erreichen, daß an einem einzigen Tag keine einzige Seele in die Hölle wandert,  klappt das mit Hilfe einer Bitte von Sr. Faustine mal eben im Vorübergehen? –  Ist die göttliche Lösung vor 2000 Jahren auf Golgotha sowie das höchste Sakrament der Kirche (hl. Messe) nicht optimal genug, um alle Heils-Chancen zu vermitteln?!
  3. Diese Causa mit einer Allerlösung (!) an einem bestimmten Freitag begünstigt die allgemeine Allerlösungs(Irr-)Lehre.  Denn wenn es einer Nonne mühelos gelingt, alle Seelen eines Tages per Appell an Christus zu „retten“, dann könnte doch  d a s , was dieser Freitag „bietet“,  grundsätzlich immer denkbar sein.   –   Offenbar ist das „Potential“ der göttlichen Barmherzigkeit nur nicht genügend ausgeschöpft worden, vermutlich weil der Kirche 2000 Jahre lang die Spezial-Andacht zum „Barmherzigen Jesus“ noch fehlte?!
  4. Diese Allerlösungs-Forderung der „Seherin“ ist keineswegs von der „reinen Liebe“ zu Christus geprägt (wie die „Erscheinung“ lobend konstatiert), sondern vielmehr  von der indirekten Unterstellung, die ewige Verdammnis sei nicht gerecht  –  und daher müsse Gott nur an seine Barmherzigkeit „erinnert“ werden, damit die Hölle 0022zugeklappt wird.

Dazu kommt, daß die „Visionärin“ hier eine angemaßte Mittlerfunktion zur umfassenden Seelenrettung einnimmt, die jene des priesterlichen Amtes weit übersteigt, ja anscheinend sogar jene des göttlichen Erlösers selbst.

Würde man in konservativ-katholischen Kreisen pro Frauenpriestertum plädieren, würde dies (mit Recht) Widerspruch hervorrufen.  Wenn jedoch eine Ordensfrau sich quasi-erlösende Vermittlerfunktionen zuspricht, soll das ok. sein und plötzlich allen Lobes wert? – Wo bleibt hier die (Theo-)Logik?

Offensichtlich fragwürdig erscheint mir zudem Folgendes:

  1. Durch die von der „Erscheinung“ geforderte Einführung des „Barmherzigkeits-Sonntags“ ausgerechnet am Sonntag nach Ostern wird der klassische „Weiße Sonntag“ verdrängt, also ein Sakrament, die (Erst-)Kommunion, wird durch ein „Fest“ ersetzt, das nur auf eine Privatoffenbarung zurückgeht. (Außerdem wird die liturgische Einheit der Osterzeit durchbrochen!)
  2. Das Sakrament der Beichte und der Krankensalbung bzw Letzten Ölung  wird verdrängt durch diverse „Andachtsübungen“ (Anrufungen und Novenen zum „Barmherzigen Jesus“ etc), zumal in den „Botschaften“ öfter suggeriert wird, es handle sich quasi um den „letzten Rettungsanker“ (!)  für die „Menschheit“ (!).
  3. Der überlieferte, fast 1000 Jahre alte Rosenkranz mit seinen 150 Ave-Marias wird indirekt weggeschoben durch den „Barmherzigkeits-Rosenkranz“, der schon seiner Kürze wegen bequemer ist, was n atürlich seine weite Verbreitung begünstigt.media-373855-2

Unsere Schlußfolgerung hieraus:

3 Sakramente und 1 Sakramentale (Rosenkranz) werden durch eine fragwürdige „Andacht“ verdrängt, wodurch unfaßbarer Schaden für das Heil der Seelen entsteht. Daher ist die gesamte „Botschaft“ der Sr. Faustine wegen ihrer problematischen Tendenzen nicht empfehlenswert.

Höchst bedenklich sind zudem die mit der Faustyna-Andacht verbundenen „Verheißungen“ samt absoluter Heilssicherheit. Laut Dogma (Konzil von Trient) gibt es, solange wir auf Erden leben, durchaus keine Heilsgewißheit. Dies wurde in Abgrenzung zu protestantischen Vorstellungen als unfehlbare Lehre definiert. Ein Dogma steht selbstverständlich  ü b e r  einer Privatoffenbarung.

Die Faustyna-Zusage (Wer das Barmherzigkeits-Bild verehrt, der ist gerettet) widerspricht diesem Glaubenssatz. Es wäre eine „billige Gnade“, des heiligen Gottes nicht würdig, wenn man sich allein aufgrund einer bestimmten frommen Übung das ewige Heil sichern könnte – frei nach der Devise: „Die Andacht allein macht selig“.  Dies entspräche einer pseudo-katholischen Variante zu Luthers Leitwort: „Der Glaube allein macht selig.“

Demgegenüber besteht die katholische Kirche darauf, daß auch die Beachtung der Gebote Gottes notwendig ist. Immerhin hat Christus selber gelehrt: „Willst Du zum Leben eingehen, dann halte die Gebote.“  (Mt 19,17)  – Wenn der sog. „Barmherzigkeits-Jesus“ etwas anderes verkündet, handelt es sich nicht um unseren Erlöser – so einfach ist das.

Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag in Münster und das Christoferuswerk, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt