Meine Erfahrungen bei der „Gemeinschaft der Seligpreisungen“ in Warstein

Von „Laienbeichte“ bis Zungenreden war alles dabei

Als ich mich noch in meiner charismatischen Phase befand  – sie dauerte von 1996 bis 2002  – bin ich einmal pro Monat zur katholischen „Gemeinschaft der Seligpreisungen“ nach Warstein gefahren. Viele Besucher kamen jeden Samstag, was ich aber meiner Familie nicht zumuten wollte.

In Warstein gab es eine Niederlassung dieser „neuen geistlichen Gemeinschaft“ in einem klosterähnlichen alten Gebäude. Die Kommunität bestand aus ehelosen Brüdern und Schwestern sowie aus Familien. (Der Vatikan hat später dieses „gemischte“ Gemeinschaftsleben verboten, nachdem führende Personen des Werkes sich des sexuellen Missbrauchs schuldig gemacht hatten.)

Zu den Treffen am frühen Samstagabend kamen meistens ungefähr 50 bis 60 Personen in die Hauskapelle. Es begann mit Lobpreisliedern, die vor allem junge Leute anziehen, zumal diese Musik starke Elemente von Pop und Rock enthält. Ich weiß aus Erfahrung und auch durch Beobachtung bei anderen Gläubigen, dass der Lobpreis so eine Art „Türöffner“ ist, ein geschicktes Lockmittel für das Hineinwachsen in die charismatische Szene. Er kommt nicht nur bei Gottesdiensten und Festivals zum Einsatz, sondern auch ständig bei Wallfahrten  – und das teils schon morgens kurz nach 6 Uhr.

Außerdem erlebten wir in Warstein regelmäßig Zungenreden und Zungensingen, weniger von den Besuchern, vor allem von den führenden Mitgliedern der Seligpreisungen. Einerseits konnte ich mit diesem unverständlichen Lallen (das auch keiner ausgelegt oder erklärt hat) nichts anfangen, fand es aber als neue Erfahrung doch interessant, wobei ich selber diese damals begehrenswerte „Geistesgabe“ nie erhielt (was mir im nachhinein nur recht ist). Nach der Feier gab es manchmal noch Tänze aus Israel für Interessierte.

Die Predigten, die ich dort hörte, zeigten viel Gefühl, waren aber theologisch nicht gerade gehaltvoll. Es wurde zudem viel von Medjugorje und den „Marienerscheinungen“ geredet und geschwärmt, Wallfahrten nach dorthin organisiert, wobei ich zweimal selber dabei war (mich aber inzwischen davon völlig entfernt habe und die „Botschaften“ für banal bis irrig halte).

Bei den Seligpreisungen wurde der jeweilige Hausleiter als „Hirte“ bezeichnet. In Warstein war es ein verheirateter Diakon namens Karl.

Dieser gab vor, Einsprechungen von oben zu erhalten, ein „Wort der Erkenntnis“ für die Situation einzelner Gläubiger. Während der Lobpreis-Andachten sagte er z.B.: „Jemand mit Rückenschmerzen ist jetzt geheilt“ oder „Unter uns ist gerade jemand von seiner Drogensucht frei geworden“ usw. Man wußte zwar nicht, ob es stimmte (weil sich keine Leute meldeten), glaubte aber wohl „irgendwie“ daran.

Zu den Treffen kamen deutlich mehr Frauen als Männer, die Altersgruppen waren jedoch gemischt. Das Leitungsteam der Lobpreisfeier war teils ledig, teils verheiratet.

Was ich im nachhinein auch skeptisch sehe, sind die „Problemgespräche“, fast so etwas wie eine Laienbeichte, die dort regelmäßig stattfand.

Es wurde gesagt, auch als Christen hätten wir ja so unsere Sorgen und Schwierigkeiten und das Bedürfnis, uns auszusprechen und Fürbitte durch Glaubensgeschwister zu erhalten, die Trost und Segen spenden.

Das lief so ab, daß man nach vorne kam, dort standen acht Mitglieder der Seligpreisungen parat. Zwei von denen umringten dann einen Besucher beim Seelsorgsgespräch, sie nahmen ihn oft in den Arm. Wenn vier Gäste damit fertig waren, kamen die  nächsten vier an die Reihe usw.

Fast alle Teilnehmer gingen nach vorne, auch ich machte dabei mit. Im nachhinein denke ich mir, dass zwei Gründe ausschlaggebend waren: Erstens fast so etwas wie eine Gruppendynamik, ein indirekter Sog durch die anderen, man wollte „dazugehören“, sich gemeinschaftsfähig und offenherzig zeigen, sich nicht ausgrenzen, kein „Spielverderber“ sein.

Zweitens war das Angebot des Fürbittgebetes verlockend, auch die Chance, einige Sorgen „loswerden“ zu können, vielleicht auch familiäre Schwierigkeiten und Konflikte aller Art auszusprechen. Das konnte psychologisch entlastend wirken. Zudem suchte man gerade bei solchen Problemen „Trost“ durch diese Gemeinschaft, auch eine Bestätigung, auf dem richtigen (charismatischen) Weg zu sein, zumal wenn man damit zuhause auf wenig Gegenliebe stieß.

Ich sehe heute im Rückblick zwei Kehrseiten dieser Problemgespräche: Auch wenn es dort zusätzlich die Möglichkeit gab, das Bußsakrament zu empfangen, so war diese „Laienbeichte“ doch ganz klar der einfachere Weg. Ich denke, daß viele dann die Beichte – zumindest die Andachtsbeichte   – vernachlässigt haben, auch weil sie sich sagten: Es wurde ja von diesen „Ordensleuten“ oder dem Diakon für mich gebetet, sie gaben mir ihren Segen etc.

Zu dieser schleichenden Verdrängung der Beichte kam eine weitere „Grauzone“:

Die Seligpreisungs-Gemeinschaft erhielt durch diese Gespräche einen Einblick in das Seelenleben der Neulinge oder sonstiger Teilnehmer; sie konnten also leicht „sortieren“, wer wohl dauerhaft zu ihnen passen könnte oder nicht, wie die psychische, gesundheitliche und familiäre Situation des Betreffenden aussieht, der sich in diesem Gebetsgespräch geöffnet hat. Ich selber hatte nach einiger Zeit dort in Warstein ein bestimmtes verblüffendes Erlebnis, das mir eine solche Vermutung nahelegt.

Trotz  jahrelangem Verbleib in der charismatischen Bewegung kam allmählich ein leiser Zweifel bei mir auf. Ich koppelte mich schrittweise ab und suchte zunehmend den Kontakt zu traditionelleren, konservativen Gruppen, lernte auch die „alte Messe“ schätzen und bemerkte, daß die Vorträge und Predigten in diesem Milieu mehr Hand und Fuß hatten, die Priester oder sonstige führende Leute viel nüchterner waren.

Als ich im Jahre 2003 mit meinem dritten Kind schwanger wurde, verstärkte sich diese Entwicklung bei mir noch mehr. Ich war jetzt voll in der „Alltagsrealität“ angekommen, zudem waren weite Fahrten nach Warstein schon praktisch kaum noch möglich. Mit den weltfremden Halleluja-Sprüchen und dieser euphorischen Stimmung konnte ich nicht mehr viel anfangen. Ich wollte von der „Wolke“ runter und wieder auf dem Boden des wirklichen Lebens ankommen.

Deshalb bin ich aus der charismatischen Bewegung komplett ausgestiegen. Zwei Dinge waren dabei für mich entscheidend: Ich hatte auch in meiner „Schwärmerzeit“ meinen Restverstand und eine gewisse Bodenständigkeit noch behalten, was sich dann immer stärker bemerkbar machte. Es ist entscheidend, dass man den Verstand nie ganz ausschaltet. Zudem hörte ich auch auf kritische Stimmen in meiner Familie und meinem Freundeskreis, zumindest ließ  ich sie ein bißchen an mich heran und dachte darüber nach.

In den charismatischen Gruppen ist zwar viel und ständig von „Heilung“ die Rede – aber meine eigene Heilung erlebte ich, weil mir die befreiende Wirkung eines „nüchternen“ Glaubens klar geworden ist, der dem Gefühl auch sein Recht gibt, aber mehr Vernunft und Besonnenheit walten läßt. Gerade dies habe ich als wirkliche Befreiung aus der vorherigen „Achterbahn der Gefühle“ erfahren!

Unsere Autorin ist katholische Familienmutter und lebt im Münsterland; sie ist unserer Redaktion seit über 15 Jahren persönlich bekannt

WEITERFÜHRENDER ARTIKEL zum Thema „Laienbeichte“ hier: https://charismatismus.wordpress.com/2019/01/29/religioeser-missbrauch-durch-die-laienbeichte/

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Charismatische Ökumene: Gebetshaus Augsburg und Kingdom-Impact kooperieren

„Als Deutsche eine Vaterrolle einnehmen“

Heute veröffentlichte das eher katholisch geprägte Gebetshaus Augsburg eine Nachricht auf ihrem Twitter-Account, wonach „Esther Baumann von KingdomImpact am 7.2.“ bei ihnen als Rednerin auftrete. (Quelle: https://twitter.com/Gebetshaus)

Es handelt sich bei der Referentin um die Co-Leiterin der pfingstlerisch-protestantischen Initiative „Kingdom-Impact“, die sich vor allem auf die Präsentation von „Propheten“ konzentriert.

Ganz in diesem Sinne wird der Leser auf der Webseite dieser Gruppe bereits auf der Startseite mit dem Spruch „Offenbarungen warten auf Dich“ angelockt: https://kingdomimpact.org/ueber-uns/team/esther-baumann/

Auch Kingdom-Impact verfügt  – ähnlich wie der katholische Theologe Dr. Johannes Hartl in Augsburg  –  über ein eigenes Gebetshaus. Auch sonst gibt es etliche Gemeinsamkeiten, z.B. das ständige „prophetische“ Herbeireden einer weltweiten Erweckung, inbesondere in Europa.

Für die Gruppe von Esther Baumann hat Deutschland dabei gar eine ganz besondere Aufgabe „unter den Nationen“ einzunehmen, gleichsam die neue Variante eines „erwählten Volkes“:

So heißt es dort, es sei wichtig, „dass wir persönlich, aber auch als Nation unseren Platz in den Nationen einnehmen….Wir sind so dankbar für die Geschwister von anderen Nationen, die uns als Deutsche aufrufen, eine Vaterrolle in den Nationen einzunehmen.

Die Nationen schauen auf uns und feuern uns an. Das ist sehr herzbewegend und erfüllt uns mit Demut, aber auch der Furcht des Herrn, dass es keine Zeit ist, wo wir zaudern können. Es geht nicht nur darum, ob wir uns bereit fühlen, sondern ob wir Gottes Ruf jetzt hören und ihm gehorchen. Lasst uns im Glauben aufs Wasser treten!“  (Quelle: https://kingdomimpact.org/deutschland-nimm-deinen-platz-ein-unter-den-nationen/)

Das bedeutet eine geistliche Leitungsaufgabe für unser Land, was natürlich in deutschen Ohren erst einmal schmeichelhaft klingt, aber theologisch völlig in der Luft hängt.

Natürlich gibt es auf der Kingdom-Seite weitere großartige Erweckungs-Visionen, darunter eine „Offenbarung“, wonach sich Gottes himmlisches Reich mit seiner Sogwirkung auf Erden breitmachen wird, ob es den Menschen gefällt oder nicht – nach der Devise: Widerstand ist zwecklos.

Wir haben unlängst im CHRISTLICHEN FORUM über diese spezielle Ansage berichtet: https://charismatismus.wordpress.com/2019/01/30/patricia-kings-charismatische-erweckungs-vision-vor-einem-jahr-um-5-55-uhr/


Öffentliche „Beichten“ – eine Sumpfblüte, die pastoralen Missbrauch begünstigt

Von Felizitas Küble

Nicht selten wird in schwarmgeistigen, sektiererischen oder sonstwie verstiegenen Gruppierungen von den eigenen Mitgliedern eine Art öffentliche „Beichte“ verlangt oder zumindest erwartet.

Ein Beispiel hierfür ist die „Neokatechumenale Bewegung“, die von einem spanischen Visionär namens „Kiki“ gegründet wurde. Der Kunst- und Ikonenmaler will Botschaften der Jungfrau Maria erhalten haben, die ihm angeblich den „Neokatechumenalen Weg“ gelehrt hätten.

Gemeinsam mit Freunden baute er jahrzehntelang eher hinter den Kulissen sein Werk auf, das keinerlei schriftliche Selbstdarstellungen verbreitet.

Als unser Verlag Ende der 90er Jahre bei einem neokatechumenalen Bekannten wenigstens einen einzigen Prospekt erbat, damit wir uns ein kleines Bild von dieser „Bewegung“ machen können, wurde uns beschieden, es gäbe überhaupt keine schriftlichen Unterlagen, man konzentriere sich auf die „mündliche“ Evangelisation. Ebenso erging es uns übrigens bei der  – gleichfalls recht sonderbaren  – Vereinigung „Das Werk“.

Zurück zu Kiko Arguello, dem charismatischen Gründer, der in seiner Gemeinschaft eine äußerst unkatholische Beichtpraxis einführte, denn im Neokatechumenat findet sie nicht unter dem Beichtsiegel zwischen dem Gläubigen und einem Priester statt, sondern vor der ganzen Gruppe. (1)

Daß hierbei von einem Beichtgeheimnis keine Rede sein kann, versteht sich am Rande, einmal abgesehen davon, daß die Gruppe schließlich nicht aus Priestern besteht, folglich auch nicht den schweren Klerikerstrafen unterworfen ist, welche das Kirchenrecht vorsieht, wenn ein Geistlicher das Beichtsiegel mißachtet.

Die Mitglieder des Neokatechumenats (NK) werden in Gruppensitzungen dazu animiert, sich an besonders schlimme Ereignisse in ihrem Leben zu erinnern und diese zu schildern. Zu öffentlichen Bekenntnissen kommt es auch bei anderen Gelegenheiten, wenn etwa „Sondierungen“ erfolgen, um den geistlichen Werdegang eines Eingetretenen näher zu untersuchen.

Der Historiker Dr. Michaels Hebers schreibt dazu: „Die Disziplin in der Gruppe wird sichergestellt durch öffentliche Beichten, die die Teilnehmer regelmäßig ablegen müssen und bei denen sie vor der ganzen Gruppe von den Katechisten…kritisiert werden  – eine Inquisition im Kleinformat.“(2)

Laut ORF sind Versammlungen und Wortgottesdienste des Neokatechumenat nicht öffentlich. Man legt Bibelstellen aus und erzählt seine „Erfahrungen“ vor der Gruppe, wozu oft das Bekennen eigener Fehlern und Schwächen gehört: „Durch die Dynamik der Gruppe entstehe manchmal ein unangenehmer Druck auf einzelne Mitglieder, erzählen ehemalige Neokatechumenale.“ (3)

Sogar Kinder sind bisweilen diesem Bekenntnisdruck unterworfen, so etwa in der vom NK geführten Pfarrei Herz Jesu in Linz, in welcher eine bischöflich angeordnete Visitation erfolgte: „Kinder mussten öffentlich im Pfarrsaal beichten.“ (4)

Typisch ist es freilich, daß die Gruppe zwar ihrerseits keine Stillschweige-Garantie für öffentliche Beichten übernimmt, andererseits aber für Mitglieder sehr wohl eine Schweigepflicht hinsichtlich interner Vorgänge gilt. Selbst die Schriften Kikos sind laut „Reli-Info“ nur der „obersten Ebene“ bekannt. (5)

Nun hört man hinsichtlich des Themas „öffentliche Beichte“ immer wieder die alte Mär, diese habe es doch schon in der Urchristenheit bzw. in der frühen Kirche gegeben, also könne sie ja gar nicht schlecht sein. Manchmal liest man dergleichen Unfug sogar in theologischen Büchern. 

Allerdings beruht diese Vorstellung auf einer Verwechslung von öffentlicher Beichte und öffentlicher Buße: 

Es gab in den ersten Jahrhunderten nach Christus für schwere Sünden, die der Gemeinde ohnehin bekannt waren (z.B. Glaubensabfall, Ehebruch, Mord, Diebstahl), einen Büßerweg, der z.B. darin bestand, daß der Sünder nur am Wortgottesdienst teilnehmen durfte, nicht jedoch an der Eucharistiefeier.

Zudem war er eine gewisse Zeit zum Fasten oder sonstigen Bußübungen verpflichtet. Mit einem öffentlichen Sündenbekenntnis vor der ganzen Gemeinde hatte das aber nichts zu tun.

Papst Franziskus hat das Neokatechumenat vor vier Jahren eindringlich ermahnt, sich erstens in die Pfarrgemeinden zu integrieren und kein elitäres Eigenleben zu bilden – und zweitens die Freiheit der eigenen Anhängerschaft zu respektieren. Wir haben damals darüber berichtet: https://charismatismus.wordpress.com/2014/02/05/papst-ermahnt-neokatechumenale-zur-toleranz-und-zur-kirchlichen-einheit/

Quellenangaben:
1) Siehe unter Punkt 9.3.2: https://de.wikipedia.org/wiki/Neokatechumenaler_Weg#cite_ref-:0_46-0
2) Michael Hebers. Schwarzbuch Kirche. Lübbe-Verlag. S.184
3) https://religion.orf.at/stories/2587842/
4) Artikel „Beste Freunde“ in „Christ und Welt“ vom 17.7.2014 

5) Infos unter Abschnitt „Der Weg“: http://www.relinfo.ch/nk/info.html

WEITERE INFOS mit Warnungen vor einer „Laienbeichte“ ohne Beichtsiegel hier: https://charismatismus.wordpress.com/2019/01/29/religioeser-missbrauch-durch-die-laienbeichte/


Patricia Kings charismatische Erweckungs-Vision vor einem Jahr um 5.55 Uhr

Von Felizitas Küble

Vor genau einem Jahr um kurz vor 6 Uhr morgens war es soweit: eine charismatische Geisterfüllte namens Patricia King erhielt am 31.1.2018 eine ganz besondere Vision.
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Es geht wieder einmal um das schwärmerische Lieblingsthema, nämlich die zu erwartende weltweite „Erweckung“, die allerdings schon seit über 100 Jahren seitens der Pfingstbewegung angekündigt (und nie eingetroffen) ist.
Wie dem auch sei, von Tatsachen hat sich eine echte Enthusiasten-Schar in ihrer Endzeit-Schwärmerei noch nie „anfechten“ lassen.
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Der protestantisch-pfingstlerische „Wächterruf“ vom Juni 3018 präsentiert seinen Lesern auf der 4. Seite eine besondere Vision: https://kingdomimpact.org/wp-content/uploads/2018/06/Prophetische_Seite_2018_06.pdf
Es ist übrigens nicht die erste Offenbarung, auf den vorherigen Seiten gab es schon etliche weitere „Eindrücke“ aus der himmlischen Welt.
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Der erwähnte „Wächterruf“ gehört zu Peter Ischkas Bewegung „Mission ist possible“ (Mission ist möglich). Näheres dazu hier: https://charismatismus.wordpress.com/2018/11/02/bewegen18-pfingstlerveranstaltung-will-prophetengabe-fuer-alle-freisetzen/
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Unter dem typischen Stichwort „Erweckliches Wirken glaubensvoll erwarten“ wird  – so wörtlich  – eine „himmlische Begegnung“ (!) geschildert, die Prophetin Patricia King vor einem Jahr um 5.55 Uhr zuteil wurde:
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Sie befand sich auf einer „goldenen Truppe“, die zum Himmel führte, wobei „der Herr“ sagte, er führe sie auf eine „neue Ebene“. Sie befand sich auf dem Flur vor der Tür ins Paradies, auf dem sie das Schild „Erweckung“ las.
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Ein Engel sei als „Wächter“ davor gestanden – und viele konnten nicht eintreten, „weil sie nicht den richtigen Schlüssel“ gehabt hätten.
Alle mußten draußen warten, ob sie nun den Schlüssel „Hoffnung“ oder „verzweifelte Sehnsucht“ trugen, auch „Erwartung“ half da nicht weiter.
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Erst als jemand mit dem Schlüssel „glaubensvolle Gebete“ ankam, öffnete sich die Tür in den Erweckungs-Raum „voller Licht, Herrlichkeit und Schönheit“, mitten darin ein „heiliges Feuer“.
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Von diesem Lichtraum ging nun ein „Erweckungsstrom“ aus, der sich „schnell auf die Erde zubewegte“:
„Einzelpersonen, die vorher keinen Schlüssel in der Hand hatten, wurden in diesen Strom hineingezogen. Einige waren freudig erregt und andere waren schockiert und wunderten sich. Andere standen beleidigt und ärgerlich am Ufer des Flusses und versuchten, den Fluss aufzuhalten. Einige von ihnen, die widerstanden, wurden in den Sog hineingenommen und ihr Ärger und ihr Beleidigtsein löste sich im strömenden Wasser auf. Der Fluss war nicht zu stoppen…er füllte die Erde.“
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Soweit diese wundersame Erleuchtung der visionären Patricia.

Was fällt uns hier auf?

  1. Es wird zum x-ten Male eine universale Erweckung angekündigt, die durch „glaubensvolle Gebete“  – wie sie zumal der charismatischen Szene eigen sind – ausgelöst wird, denn nur durch diesen Schlüssel kann die paradiesische Türe geöffnet werden.
  2. Nun fragt sich jeder Vernünftige, wie es denn zu solch einer weltweiten Erweckung kommen soll, da doch die Menschen auf der Erde mehrheitlich entweder gottlos sind oder fremden Religionen anhängen. Alles kein Problem für die Schwärmerschar, denn da sorgt der Höchste schon selber dafür, indem er einfach seinen Erweckungsstrom wie einen „Sog“ verteilt und jeden Widerstand kraftvoll hinwegfegt, so daß sich jedweder Unglaube „im strömenden Wasser auflöst“.

Davon, daß Gott den freien Willen der Menschen achtet; davon, daß von einer wirklichen Erweckung nicht die Rede sein kann, wenn diese nicht freiwillig erfolgt, scheint die prophetisch begabte Dame nichts zu wissen!

 


Warum Sr. Faustinas „Barmherzigkeits-Rosenkranz“ nicht empfehlenswert ist

Von Felizitas Küble

Die polnische Nonne Faustyna Kowalska – in Deutschland unter „Schwester Faustina“ bekannt  –  empfing eigenen Angaben zufolge jahrelang zahlreiche Visionen und Einsprechungen des Himmels. (Einiges davon haben wir bereits kritisch betrachtet: HIER)

Diese Ordensfrau lebte von 1905 bis 1938 und propagierte neben verschiedenen Andachten zum „Barmherzigen Jesus“ auch einen entsprechenden Rosenkranz, der sich vom überlieferten kirchlichen Rosenkranz deutlich unterscheidet.

Obwohl ihre Privatoffenbarungen vor dem Konzil von der vatikanischen Glaubenskongregration – damals Hl. Offizium genannt – ohne Wenn und Aber verurteilt wurden, änderte sich die kirchliche Einschätzung der Visionen mit dem Amtsantritt von Johannes Paul II. grundlegend, denn er war schon als Bischof von Krakau ein starker Verehrer dieser Ordensschwester, was dann zur Heiligsprechung von Sr. Faustina durch diesen Papst führte.

Doch diese Erhebung zur „Ehre der Altäre“ bezieht sich allein auf den persönlichen Tugendgrad, nicht jedoch auf eine Irrtumslosigkeit in theologischer oder sonst einer Hinsicht.

Bekanntlich haben sich weitaus hochrangigere Heilige gerade im Bereich von Visionen geirrt, darunter sogar die Kirchenlehrerin Katharina von Siena (mit ihrem Erscheinungserlebnis, Maria sei nicht makellos empfangen) oder der hl. Vinzenz Ferrer, der aufgrund von Privatoffenbarungen den Weltuntergang zu seinen Lebzeiten verkündete. Im gediegenen „Handbuch der Mystik“ des französischen Paters August Poulain SJ finden sich seitenlang weitere Beispiele  – das Werk wurde vom hl. Papst Pius X. ausdrücklich gewürdigt.

Es liegt also auf der Hand, daß Gläubige auch über den weitverbreiteten Barmherzigkeits-Rosenkranz nach den Visionen von Schwester Faustina kritische Überlegungen anstellen können und dürfen – was hiermit geschieht:

Zunächst sei festgehalten, daß der klassische Rosenkranz, der im späten Mittelalter schrittweise durch Ordensleute entstanden ist, seine Struktur und seinen Inhalt ganz auf biblischer Basis erhalten hat:

Die 15 Rosenkranzgeheimnisse sind fast alle der Heiligen Schrift entnommen, das Vaterunser von Christus selbst gelehrt, das Ave Maria besteht größtenteils aus den Worten des Engels bei der Verkündigung des HERRN an Maria. 

Auch die Zahl der 150 Ave-Marias beruht gleichsam auf der Hl. Schrift, da dieses sich an die 150 Psalmen des Alten Testaments (Psalterium) anlehnt, weshalb der vollständige bzw. dreifache Rosenkranz auch „Psalter“ genannt wird.

Warum nun sollte der Himmel diesen bewährten Rosenkranz grundlegend verändern?

Beim Vergleich des Faustina-Rosenkranz mit dem überlieferten Rosenkranzes ergeben sich folgende Unterschiede und Nachteile:

  1. Das Vaterunser kommt hier nur einmal vor, im klassischen Rosenkranz aber sechsmal.
  2. Das Ave Maria wird auf ein einziges Mal reduziert, so daß kaum noch von einem Rosenkranz die Rede sein kann (ein „normaler“ Rosenkranz enthält 50 Aves)
  3. Zudem entfallen die drei Aves zu Beginn mit ihrer Bitte um Glaube, Hoffnung und Liebe – immerhin die drei göttlichen Tugenden, die für unser Christenleben entscheidend sind (siehe 1 Kor 13).
  4. Bei den großen Perlen, die sonst das Vater-Unser anzeigen, wird jetzt folgende Anrufung gesprochen: „Ewiger Vater, ich opfere Dir auf den Leib und das Blut, die Seele und die Gottheit Deines über alles geliebten Sohnes, unseres Herrn Jesus Christus, zur Sühne für unsere Sünden und die Sünden der ganzen Welt.“ – Dieses Gebet enthält einen entscheidenden theologischen Fehler, denn die Gottheit Christi kann nicht aufgeopfert werden, weil ein Opfer seinem Wesen nach eine Darbringung, einen Verzicht darstellt  – und Christus kann auf seine Gottheit nicht verzichten, das ist ontologisch (von seinem Sein her) gar nicht möglich. Zudem ist es unsinnig, Gott(-Vater) die Gottheit (des Sohnes) aufzuopfern, da das Heilsopfer Christi im Leiden und Sterben seiner menschlichen Natur bestand, denn die Gottheit kann nicht sterben. Diesen entscheidenden Einwand haben wir hier bereits ausführlich biblisch und dogmatisch erläutert: https://charismatismus.wordpress.com/2014/03/06/korrektur-an-einem-sonder-rosenkranz-die-gottheit-christi-wurde-nicht-geopfert/
  5. Bei den kleinen Perlen des Rosenkranzes soll man beten: „Durch sein schmerzhaftes Leiden hab Erbarmen mit uns und mit der ganzen Welt.“  – Christus ist zwar – als Heilsangebot – für alle Menschen gestorben, aber Erbarmen kann Gott schlußendlich nur mit jenen haben, die sich im „Gnadenstand“ befinden, also im Frieden Christi heimgerufen werden. Zweifelsohne gilt zwar der „allgemeine Heilswille“ Gottes, denn der Ewige will alle Menschen zur Wahrheit und damit zur Rettung führen. Allerdings verhindert schon die erbsündliche Verfallenheit des Menschen, daß sich die gesamte Erde bekehrt – mit welcher Logik soll Gott dann „Erbarmen…mit der ganzen Welt“ haben? – Somit ist diese Anrufung zumindest fragwürdig.
  6. Am Ende soll dreimal gebetet werden: „Heiliger Gott, heiliger starker Gott, heiliger unsterblicher Gott, hab Erbarmen mit uns und mit der ganzen Welt.“  – Hier wiederholt sich das erwähnte Problem, zudem wird Gott nur als „unsterblich“ bezeichnet, was eine Geringschätzung beinhaltet, denn Gott ist nicht „nur“ unsterblich, sondern ewig. Die Seele des Menschen ist immerhin auch unvergänglich (sie hat einen Anfang, aber kein Ende), aber Gott ist ewig, da ER auch keinen Anfang hat.
  7. Vorher oder nachher soll noch gebetet werden: „O Blut und Wasser, aus dem Herzen Jesu als Quelle der Barmherzigkeit für uns entströmt, ich vertraue auf Dich! –  Barmherziger Jesus, in dem Augenblick Deines Kreuzestodes für uns bete ich Dich an, lobpreise Dich und bitte, umfasse mit Deiner unerschöpflichen Barmherzigkeit die ganze Menschheit, besonders die armen Sünder und die Sterbenden.“ (Faustina-Tagebuch, S. 186)   Sollen wir nun etwa – siehe erste Zeile der Anrufung –  auf „Blut und Wasser“ vertrauen? So wie oben zitiert, lautet der Satz aber im Originaltext. Da klar ist, daß dies keinen Sinn ergibt, wurde bei diesem Rosenkranz später das Wort „Jesus“ eingefügt: „O Blut und Wasser…für uns entströmt, Jesus, ich vertraue auf Dich!“
  8. Was soll sodann die Einschränkung: „…in dem Augenblick Deines Kreuzestodes für uns bete ich Dich an…“  – Der historische Kreuzestod geschah vor 2000 Jahren; selbst wenn damit „nur“ die Erinnerung daran oder die sakramentale Vergegenwärtigung in der hl. Messe gemeint sein sollte: Auch dann begrenzt sich doch unsere Anbetung nicht hierauf. Zudem beten wir Christus nicht in erster Linie seines Kreuzestodes wegen an, sondern aufgrund seiner GOTTHEIT.
  9. Der visionäre Jesus soll zudem zu Faustina gesagt haben: „Derjenige, der diesen Rosenkranz betet, wird stets von großer Barmherzigkeit umgeben sein im Leben und besonders in der Todesstunde. Die Priester werden ihn den Sündern vorschlagen als letztes Mittel der Rettung.“  – Ein Sonder-Rosenkranz als letzter Rettungsanker? Wird damit nicht die Beichte verdrängt? Ist ein Leben nach den Zehn Geboten nicht mehr nötig, um das Heil zu erlangen? Genügt nun etwa dieser Extra-Rosenkranz?
  10. Abgesehen davon kommt diese neue Form natürlich der menschlichen Bequemlichkeit zugute, denn dieser Rosenkranz ist weitaus kürzer als der überlieferte. So hat man dann in höchstens zehn Minuten einen „Rosenkranz“ gebetet, wozu man sonst eine halbe Stunde benötigen würde.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den kath. KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.


Zuckerbrot und Peitsche: Mike Bickles Brandbrief an die „prophetische Bewegung“

Von Felizitas Küble

Vorigen Herbst veröffentlichte der US-amerikanische Star-Prediger Mike Bickle (siehe Foto) einen Offenen Brief an die Anhänger der „Prophetischen Bewegung“, also an seinen eigenen Fanclub. 

Der protestantische Pastor Bickle ist eine Art geistlicher Ziehvater des katholischen Charismatikers Dr. Johannes Hartl, Leiter des Gebetshauses Augsburg. Näheres zu Bickle hier: https://charismatismus.wordpress.com/2019/01/06/mehr-gruender-dr-johannes-hartl-wirbt-fuer-den-extrem-pfingstler-mike-bickle/

Der pfingstbewegte Prediger Bickle gehört zu den Führern der sog. Kansas-City-Propheten, die sich selber schlicht, aber nicht sonderlich bescheiden als „Propheten-Bewegung“ bezeichnet – siehe auch die Anrede des Starpredigers in seinem Offenen Brief.

In seinem Schreiben finden sich viele Kennzeichen schwarmgeistiger Strömungen. Dafür spricht schon der erste, typisch „dramatische“ Satz: Wir stehen am Scheideweg der Geschichte.“ 

Sodann bittet der Autor  – er ist Gründer des „International house of prayer“ (internat. Gebetshaus)  –  darum, man möge seinen Brief „im Gebet lesen“, da er von einer „seltenen Dringlichkeit in meinem Geist ergriffen“ werde.

Bald danach geht es um den charismatischen Dauerbrenner, nämlich „Erweckung“. Seit Jahrzehnten kündigen diese Kreise eine weltweite „Erweckung“ an, die gleichsam ein Zeitalter des Heiligen Geistes darstelle.

Wenn man sich an Jesus orientiere, so der Verfasser, könne „die Erweckung schneller kommen als ein rasender, windgepeitschter Grasfeuer im Hochsommer“.

Sodann zeigt sich der pfingstbewegte Leiter überzeugt davon, „dass wir in der Gebets-, Propheten- und Missionsbewegung am Abgrund einer neuen Ära stehen.“

Denn Erweckung hin oder her – zur Dramatik gehört auch das Gegenteil, Zuckerbrot und Peitsche ergänzen sich.

Er schreibt, das „Haus steht in Flammen“  – gemeint ist die gottlose Welt:

Als Hirte, der Gott gegenüber verantwortlich ist, fühle ich mich belastet, die Wahrheit zu sagen, die ich wahrnehme… Ich habe jahrelang gesagt, dass Ärger kommen wird. Jetzt muss ich es anders sagen: Ärger ist hier.

Dies bedeutet, dass die kommenden Tage und Jahre von Schwierigkeit und Komplexität abweichend sein werden als alles, was wir in der Vergangenheit jemals gekannt haben.“ 

BILD: Eines der zahlreichen Bücher von Bickle (übers.): „Wachstum in der Prophetie“

Sodann erklärt er selbstkritisch einige organisatorische Veränderungen in seiner Bewegung, wobei es weniger Marketing geben soll. Schließlich heißt es:Was wäre, wenn Gott unsere Pläne unterbrochen hätte? Was wäre, wenn der Heilige Geist die Macht übernahm?“

Auch darauf ist man prophetischerseits eingestellt: Wir werden um dieses höchste Ziel herum planen und unsere Chancen nutzen. Anstatt menschliche Persönlichkeiten und Prominentenstimmen zu erhöhen, konzentrieren wir uns absichtlich auf die Realität von Jesus, seine Agenda für den Planeten Erde und seine Gegenwart an diesen vier Tagen im Dezember.“ (Gemeint ist damit seine Konferenz „Onething 2018“, an der auch Dr. Hartl als Redner teilnahm.)

Kennzeichnend für charismatische Verstiegenheit ist auch der folgende Satz: Obwohl wir auf der Erde stehen, streben wir nach Engeln um den Thron Gottes.“

Abschließend kommt der übliche Knie-Aufschwung für die Seinen: 

„Die globale Gebetsbewegung… geht weit über den Schauplatz eines Ereignisses hinaus in den tiefen Wunsch des Vaters, die totale Überlegenheit seines Sohnes unter den Völkern bekannt zu machen und eine eng verbundene Familie aufzubauen, die einander tief schätzt und liebt. Wenn Sie sich zu diesem frischen Schwall göttlicher Liebe und strategischer Einsicht bewegen, glauben wir, dass die diesjährige Versammlung mehr als nur ein jährliches Ereignis ist.“

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt


Joyce Meyer und ihr Wohlfühl-Evangelium: „Jesus will, dass wir das Leben genießen!“

Von Felizitas Küble

Joyce Meyer ist eine evangelische Star-Predigerin aus den USA mit starken Neigungen zum charismatischen Wohlstands-Evangelium (wobei sie das propagierte Wohlleben auch ganz ungeniert selber praktiziert).

Die „vollmächtige Bibellehrerin“ (wie sich sich selber nennt) schrieb an die hundert Bücher (darunter „Power-Gedanken“), tritt oft in Deutschland auf und besitzt in Hamburg ein Büro.

An Selbstbewußtsein fehlt es dieser Dame gewiß nicht.

Vor mir liegt der Brief, den ihr Verein – er nennt sich Joyce Meyer e.V. (der Name ist also Programm?) – im März 2017 an eine Ratsuchende in Münster schrieb, die sich wegen persönlicher Problem an Meyer gewandt hatte.

Die Antwort erfolgt – im ausdrücklichen Namen der bekannten Predigerin und ist typisch für eine Proklamations-Ideologie, die in vielen pfingstlerischen Kreisen vorherrscht.

Demnach sollten wir in Nöten und Krankheiten Gottes Verheißungen aussprechen und „in Anspruch nehmen“ – und dann werden sie auch eintreffen, wenn auch nicht immer sofort.

Bei diesem „Proklamieren“ von (vermeintlichen) göttlichen Zusagen erübrigt sich natürlich ein Bittgebet; wenig erstaunlich also, daß in dem Brief des Meyer-Vereins davon auch gar nicht die Rede ist.

Wort-Magie statt Bitt-Gebete

Stattdessen wird der Christin folgendes empfohlen:

„Sprechen Sie das Wort Gottes laut aus und sagen Sie gute, aufbauende Dinge zu sich und über sich selbst…Wenn Joyce angegriffen wird, sagt sie: „Gott liebt mich und hat einen guten Plan für mein Leben! Ich werde die Hoffnung nicht aufgeben! Auch das wird vergehen!“

Wir möchten Sie ermutigen, das Gleiche zu tun. Beginnen Sie heute damit, diese positiven Worte Gottes laut über sich und Ihre Umstände auszusprechen.“

Hier wird offensichtlich eine Art Wort-Magie angeraten, die an das „Positive Denken“ erinnert, nur wird es bei Meyer mit „biblischen“ Sprüchen garniert.

Nun kommt der Erfolg dieser „Evangelistin“ nicht von ungefähr. Die Dame kann sich klar ausdrücken, kompakt formulieren und sehr anschaulich und lebensnah schreiben und „predigen“.

Natürlich hat sie inhaltlich teilweise recht, allerdings weist ihre „theologische“ Ausrichtung eine starke Schlagseite auf. Das zeigt auch ihre Buchbroschüre „Lerne Gott zu vertrauen“. 

Auffallend oft ist vom „materiellen Wohlergehen“ die Rede, noch stärker davon, das „Leben zu genießen“. Das müßte man im weltlichen Bereich nicht problematisieren – aber ist diese hedonistische Grundeinstellung etwa speziell christlich?

Bibelworte wie z.B. jene Aufforderung des HERRN, wir sollen unser Kreuz auf uns nehmen und IHM nachfolgen, finden sich nicht in ihrer Publikation, auch die Gebote Gottes bleiben komplett unerwähnt.

Leben genießen und „Segen“ empfangen…

Statt dessen geht es um Erfolg, Gebetserhörungen, um ihre Visionen und „himmlischen“ Einsprechungen, um „vollmächtige“ Verkündigung (mit der Gott sie gesegnet habe), um Lebensfreude und Genießen.

Ständig wird betont, Gott selbst sei es gewesen, der ihr die Berufung und „Vollmacht“ gab, sein Wort zu „lehren“ und zu „predigen“ (z.B. auf S. 15, 18, 19, 20, 23 ff).

Das Vertrauen in Gott wird zwar vielfach erwähnt, auch Geduld und Ausdauer seien wichtig – aber all dies scheint nur Mittel zum Zweck zu sein: „Ehren Sie Gott durch Ihr Vertrauen und genießen Sie die Reise, während Sie auf dem Weg zur Erfüllung Ihres Traumes sind!“ (S. 30)

Auf S. 33 schreibt Meyer noch deutlicher, Jesus sei gekommen, „damit Sie das Leben haben und es genießen können“. Sie fährt fort: „Satan möchte Ihnen Ihre Freude stehlen und Sie so daran hindern, das Leben zu genießen.“

Im 9. Kapitel heißt es: „Ich habe vor einigen Jahren beschlossen, dass ich Gott und das Leben genießen will. Wenn Jesus für mich gestorben ist, damit ich nicht nur Leben habe, sondern es in Fülle habe, dann sollte ich versuchen, diese Fülle auch zu genießen“ (S. 56). Wenige Zeilen weiter schreibt sie erneut, Jesus wolle, daß wir „das Leben genießen“.

Wenig erstaunlich, daß eine „Bekehrung“ bei Predigerin Meyer im Handumdrehen geschieht   – und zwar mit Himmelsgarantie inklusive.

Auf S. 58 stellt Sie ein typisch evangelisches Übergabe-Gebet vor, wogegen nichts einzuwenden wäre, hieße es nicht nach diesen sieben mageren Zeilen vollmundig: „…Sie sind gerecht gesprochen und wenn Jesus wiederkommt, werden Sie mit ihm in den Himmel gehen.“

Dafür genügt offenbar ein 2-Minuten-Gebet!

Weitere Infos hier: https://charismatismus.wordpress.com/2014/01/05/markus-spieker-kritisiert-charismatische-starprediger-und-oberflachliche-frommigkeit/