Pater Santan Fernandes und das Problem verstiegener Heilungserwartungen

Von Felizitas Küble

Zu den “Heilungspriestern” der katholischen charismatischen Bewegung zählt seit Jahren der aus Indien stammende, in Tirol als Gemeindepfarrer wirkende Pater Santan Fernandes.  Scannen0002

Die Art und Weise seiner Verkündigung wirkt zunächst relativ bodenständig bzw. im Sinne des katholischen Brauchtums, wirbt er doch intensiv für das Tragen der “Wunderbaren Medaille” und hält gerne Predigten über Fatima und den Rosenkranz.

Dies erscheint eher untypisch für die charismatische “Szene”, kann aber eben deshalb dazu führen, daß auch jene Katholiken an des Paters Exerzitien und Tagungen teilnehmen, die sonst mit schwarmgeistigen Phänomenen nichts am Hut haben. Auch die Medjugorje-Bewegung empfiehlt die Seminare dieses “Heilungspriesters”.

FOTO: K-TV überträgt “Heilungsgottesdienste” mit Pater Fernandes, zuletzt am 1. Juli 2015 (Quelle: K-TV-Präsenz auf Facebook)

In diesem Zeitungsbericht auf “Baden-online” vom 6. September 2012 wird der Geistliche als “Segenspfarrer”, ja sogar als “Wunderheiler” bezeichnet: http://www.bo.de/lokales/lahr/der-wunderheiler-zu-besuch-in-ottenheim

Der erwähnte Artikel beginnt mit folgender Episode:

“Möchten Sie in den Himmel kommen?«  – Ein lautes »Ja« kommt dem Großteil der über 250 Gläubigen in Ottenheims katholischer Kirche über die Lippen. »Was müssen Sie machen?«  –  »Den Rosenkranz beten«, hallt es zurück. »Rosenkranz beten öffnet den Himmel«, sagt Pater Santan Fernandes, der Mittwochabend über die Glaubens- und Segenskraft der katholischen Kirche einen Heilungsgottesdienstes spricht.”

Auch dieser Einstieg wirkt auf den ersten Blick traditionell katholisch, ist aber theologisch fragwürdig, denn der Rosenkranz für sich allein genommen öffnet keineswegs den Himmel, obwohl dieser irreführende Eindruck hierbeichrkn entsteht.

Die katholische Kirche lehrt, daß uns durch die Taufe und  – damit zusammenhängend – durch die Erlösung in Christus der Himmel geöffnet wird. Wenn wir in schwere Sünde fallen, dann führen Reue, Bußsakrament und Umkehrbereitschaft uns zurück in die Freundschaft mit Gott, in den sog. “Stand der Gnade” also.

Das Rosenkranzgebet ist hilfreich für das christliche Leben und vermag eine gediegene Frömmigkeit zu stärken, ersetzt aber nicht etwa die Beichte, die für Katholiken objektiv im Falle einer Todsünde heilsnotwendig ist.

Führen “vertrauende” Gebete automatisch zur “Heilung”?

Typisch charismatisch sind freilich die verstiegenen Heilungserwartungen, die dieser “Segenspater” weckt, wie der zitierte Zeitungsbericht in den weiteren Abschnitten nahelegt.

In der charismatischen Bewegung (sowohl in der protestantischen wie in der katholischen Variante) ist jene Denkweise weit verbreitet, wonach man nur stark glauben und intensiv genug beten und “vertrauen” solle, dann werde man von seinen Krankheiten geheilt. media-390606-2

Dabei wird “übersehen”, daß Christus keineswegs alle Kranken geheilt hat, weder zu seinen irdischen Lebzeiten noch in der Kirchengeschichte allgemein. Er lehrte die Christen stattdessen im Vaterunser das Gebet: “Dein Wille geschehe!”  

Wer hingegen eine schwärmerische, irreführende (Ab-)Art des “Gottvertrauens” verkündet, begünstigt jene verkehrte Grundhaltung nach dem Motto “Mein Wille geschehe”, wobei erwartet wird, daß der Himmel dafür auch sorgen wird, wenn man ihn nur ausreichend “bestürmt”

In diesem Zusammenhang schreibt Leser “Cyprian” hier in einem Kommentar zu P. Fernandes zu Recht folgendes:

“Doch leider ist der Herr Pater der Frage ausgewichen, was mit denen ist, die Gott nicht heilt. Er führte es auf Unglauben zurück.

Ich kannte/kenne aber viele tiefgläubige Menschen, die nicht geheilt wurden und stattdessen den bitteren Kelch tranken und sich dem unergründlichen Willen Gottes fügten. Und davon gibt es unzählige Beispiele in der Kirchengeschichte – auch bei vielen Heiligen, wo Gott die Leiden eben nicht einfach wegnahm…

Hatten sie nicht genug Glauben — oder vielleicht noch einen viel, viel grösseren Glauben?!”

Gerade gestern berichtete die amtliche liturgische Lesung der katholischen Kirche vom Apostel Paulus, der zu Gott betete, ER möge ihn vom “Stachel in Fleisch” befreien. Doch der HERR erhörte seine flehentliche Bitte nicht, sondern gab ihm zu verstehen: “Laß dir an meiner Gnade genügen”. (Siehe hier: https://charismatismus.wordpress.com/2015/07/05/paulus-und-der-stachel-im-fleisch/)

Felizitas Küble leitet ehrenamtlich das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt

 


Pater Jacek Skowronski und seine merkwürdigen “charismatischen” Methoden

Endzeitschwärmerei und “Heilungs”-Versprechungen

Pater Jacek Skowronski ist ein vor 24 Jahren geweihter katholischer Priester; er gilt als Exorzist und charismatischer Beichtvater (mit “Seelenschau” inklusive). Zudem leitet er ein Exerzitienhauses in Stettin; zugleich ist dieser “Heilungs-Pater” Moderator einer sog. “Legion der Kleinen Ritter” und betreibt eine eigene Homepage.Herz-Jesu_01

Auf seiner polnisch-sprachigen Webseite verkündet er in typisch schwarmgeistiger Manier das baldige “Zweite Kommen” Christi und eine vorhergehende himmlische “Warnung” aller Erdenbewohner (insofern verwandt mit den irrgeistigen “Warnungs”-Botschaften jener entlarvten irischen “Seherin”).

Der angeblich besonders “begnadete” Geistliche will schon als Kind übernatürliche Visionen erlebt haben und erhält (eigenen Angaben zufolge) ständig weitere Einsprechungen und Offenbarungen “von oben”.

Kürzlich sandte uns ein in NRW lebender katholischer Pfarrer, den wir seit vielen Jahren persönlich kennen, einen Erlebnisbericht über die Exerzitien dieses “charismatischen” Paters , welche er vorigen Herbst in Frankfurt-Nidderau zwei Tage lang durchführte. media-FZMqzvujo1V-2

Hier folgt nun der Erfahrungsbericht unseres Pfarrers:

“Ich beteiligte mich an den Gebetstagen mit P. Jacek Skowronski in der Katholische Kirche in Frankfurt-Nidderau. Die Gebetstage begannen am Samstag mit Lobpreisliedern und Anbetung, wie dies häufig in charismatischen Tagungen der Fall ist.

Danach gab es vier Konferenzen über außergewöhnliche Wirkungen des Hl. Geistes und über das Thema “Heilung”. Die Vorträge hielt Pater Jacek Skowronski in polnischer Sprache. Ein Arzt aus Bayern übersetzte seine Ausführung simultan ins Deutsche.

Doch der “Heilungs”-Priester hat manchmal ziemlich leise gesprochen, so dass der Übersetzer nicht alles mitbekommen hat, worauf Pater Jacek mehrmals sehr ärgerlich reagierte.

Am nächsten Tag gab es erneut auch “Lobpreis”-Gesang und Vorträge über den Heiligen Geist und seine Wirkung bei den Menschen. Vor der hl. Eucharistie hat der charismatische Pater seine “Gebete um Heilung” gesprochen; danach sagte er, dass fünf schwerhörige Personen geheilt sind.

Mehrfach forderte er deutlich dazu auf, dass die “Geheilten” sich melden sollen, doch niemand reagierte. Nach mehrfachem weiteren Drängen haben sich nach einiger Zeit drei Personen gemeldet. Ich frage mich aber, welche “Heilung” das wohl gewesen ist?

Während einer Pause meldete sich aber ein junges Ehepaar, deren Kind seit vielen Monaten im Krankenhaus lebt, es wurde schon drei Mal erfolglos operiert. Sie brachten ein Foto des Kindes mit und baten Pater Jacek, er möge um Heilung beten. Aber er hat sich nicht dafür interessiert, sondern die Eltern des Kindes ungerührt weggeschickt.

Außerdem hat er bei den Heilungsgebeten mit den Händen “nachgeholfen” bzw. seine Handflächen auf die Gläubigen zugeschoben. Auch dies hat Christus nie getan, sondern ER sprach zu seinen Aposteln: “Empfangt den Heiligen Geist.” 

Zudem ist mir aufgefallen: In Frankfurt am Main existiert eine große Polnische Katholische Mission; viele polnische Priester wirken dort; zudem arbeiten in der Umgebung einige von ihnen in der deutschen Seelsorge, aber keiner kam zu den Exerzitien von P. Jacek Skowronski.”

Fotos: Archiv, Dr. Bernd F. Pelz


Die saarländische Seherin Gisela, das “Emprio” der himmlischen “Mama”?

Botschaften von oben an das “Gänseblümchen”?

Im vorigen Jahrzehnt gehörte die Seherin Gisela-Maria in erscheinungsbewegten Kreisen zum festen geistigen Inventar. Nach wie vor zählt sie in diesem Spektrum hierzulande zur Schar der “begnadeten Seelen”.

Dabei tut es der Vertrauensseligkeit ihrer Fans keinen Abbruch, daß sich die himmlischen Gestalten, vor allem Jesus, Maria und Pater Pio (ein recht häufiges Dreigestirn bei Visionären) mitunter in einer betont kindlichen Sprache auszudrücken pflegten. Vielleicht erscheint dies der frommen Schar gar als besonderes Kennzeichen der Glaubwürdigkeit?

BILD: Im Jahre 2001 erschienen die gesammelten Botschaften Giselas in dem Buch “JA – Ich bin ein König!” (Herausgeber: Marianischer Aktionskreis, Altenahr)

Natürlich hinterlassen die meisten Seher heute schnell ihre Spuren im Internet, so auch das saarländische “Gänseblümchen”, wie sich Gisela gerne nannte und auf der eigenen Webseite bezeichnete (siehe HIER im Schlußabsatz).

Zu den Worten der “himmlischen Mutter Maria an Gisela” gehört laut Homepage auch folgende Zuwendung: „Du bist mein kleines Emprio“  – Gemeint ist wohl sicherlich der Ausdruck “Embryo”. pro-life

Indirekt findet sich für diese gewöhnungsbedürftige Äußerung jene Erklärung der “Madonna” an Gisela, sie seien miteinander “verbunden wie Mutter und Kind vor der Geburt”. Daher wohl stellte sich die Himmelsmutter der auserwählten Gisela als ihre “Mama” vor.

In diesem Sinne soll ihr die Gottesmutter in Lourdes an der Grotte gesagt haben: „Mein Kind, denke nicht, du bist viel zu klein zum denken, ich denke für dich“.

Das hinderte freilich die erschienenen Himmelspersonen nicht daran, Gisela-Maria als besonders bedeutsame Apostelin und Sendbotin zu würdigen.

Auf der Gisela-Homepage heißt es: “Jeden Freitag in der Fatima-Gebetswache sah Gisela die Gottesmutter. Meist sprach Sie dabei auch zu ihr. Außerhalb dieser Gebetswache sah Gisela die Gottesmutter selten, aber oft hörte sie Ihre Stimme – häufig war dies bei ihr zu Hause, es konnte aber auch an jedem anderen Ort sein.”

Am 13.12.2002 soll ihr die Madonna gesagt haben: “Sei Meine Botin, Mein Apostel, Meine Helferin.(…).”

Sie wird sogar mit Johannes dem Täufer verglichen: “Sei die Stimme des Rufers in der Wüste.”   mtcarmelpic1

Natürlich fehlen auch nicht die handelsüblichen Panikbotschaften, zB. am 29.11.2002:

“…Die Zeit ist da, es wird sich jetzt alles verändern. Wenn die Menschen nicht umkehren, dann werden die Leiden ein Ausmaß erhalten, wie es die Erde noch nie gekannt hat. Die Erde wird sich in Blut hüllen und alles Gewesene in den Schatten stellen. (…)

Es wird jetzt eine Katastrophe nach der andern kommen. Im Erdinnern wird es brodeln wie ein Vulkan. Wehe den Bewohnern der Erde. Eure Mutter kann dieses Elend nicht mehr zurückhalten. (…) Ich sagte dir, dass es keinen Aufschub mehr gibt.”

Offenbar doch, wie man nach über 12 Jahren feststellen kann…

Laut der Botschaft vom Nikolaustag 2002 (“Es wird jetzt eine große Drangsal kommen und wenn du jetzt kleinlich und empfindlich bist, dann wird es sehr schwer sein”) war anzunehmen, daß Endzeitprophetin Gisela diese Katastrophen noch erlebt, doch sie starb im Jahre 2010  –  und die Erde hat sich bislang keineswegs “in Blut gehüllt”….

Eine besondere Verehrung zollte die Visionärin dem Andachtsbild des “Barmherzigen Jesus” (Faustine-Gemälde). Dazu heißt es HIER auf ihrer Webseite: “Gisela-Maria hat durch das Gnadenwirken, welches von diesem Bildnis ausgeht, sehr viele Botschaften von Jesus erhalten.”

Es ist bekannt, daß manche Seher ein Problem mit der Konkurrenz haben, die meist abgelehnt wird, auf daß das eigene (Gnaden-)Licht umso heller erstrahlt:

“Der Teufel hat an allen Stellen der Erde seine Leute. Auch Seher, die viele Wunderzeichen von ihm bekommen. Es geschieht oft an heiligen Stätten, sogar in der Kirche, es tut Mir so weh. Einige waren am Anfang ganz mit uns vereint gewesen. Sie konnten aber nicht auf Ansehen und Ehre verzichten. Sie sind in der Prüfung durch das Sieb gefallen.”

Bei unserer schlichten Prüfung sind allerdings auch die “Offenbarungen” des Himmels an Gisela-Maria “durchs Sieb gefallen”.


Erhielt Prof. Albert Drexel wirklich “Botschaften” von Christus?

Von Felizitas Küble

Seit Jahrzehnten werden in traditionsbewegten Kreisen die Bücher von Prof. Dr. Albert Drexel (1889 – 1977) verbreitet.

Der katholische Priester, Völkerkundler und Theologe aus Hohenems im österreichischen Vorarlberg hat nicht nur Sachbücher veröffentlicht, sondern erhielt Anfang der 70er Jahre  –  eigenen Angaben zufolge  –  auch direkte übernatürliche Einsprechungen von Christus selbst.  christus

Angeblich erklärte der HERR dem Professor in den Jahren 1970 bis 1972 in nächtlichen Freitags-Visionen, wie es in Kirche und Welt zugeht und wo der Schlüssel zur Lösung der Probleme liegt.

Die erscheinungsbeflissene Zeitschrift “Mystik” (Nr. 1/2009), die der Lippstädter Journalist Claus P. Clausen herausbrachte, war wie so oft des Lobes voll: “Drexel war ein glaubenstreuer Priester und Prophet.” 

Das theologisch unterbelichtete Blatt bevorzugte “himmlische” Panik-Botschaften über den bevorstehenden Weltuntergang und setzte sich besonders stark für das seinerzeit kirchlich gemaßregelte “Engelwerk” und die vom Vatikan abgelehnten “Marienerscheinungen” von Heroldsbach ein.

Im Rahmen seines Artikels über Drexels Visionen schreibt Clausen: “Das Werk der hl. Engel geht auf Gott zurück.” –  Wenn das so einfach ist, erübrigen sich freilich alle innerkirchlichen Debatten von selbst…

Das Engelwerk “rettet” die Kirche…

Sodann zitiert die Zeitschrift eine Vision Drexels vom 7.8.1970 mit angeblichen folgenden “Worten des Heilands”: Marienstatt-DSC_0111-3

“Ich habe zu dir von den heiligen Engeln gesprochen und sage dir, dieses Werk ist ein Werk der Vorsehung Meines himmlischen Vaters und ein Werk für die Rettung der Kirche Roms in der gegenwärtigen und kommenden schweren Verwüstung, Unruhe und Zerstörung.

Von Priestern, den geweihten Dienern und Hirten der Kirche, ist das Unheil in der Kirche ausgegangen, durch Priester, die diesem Werke ausdrücklich oder innerlich angehören, wird die Kirche gerettet.”

Zweifellos eine eindeutige Ansage, schwarz und weiß sind klar getrennt, Schafe und Böcke geschieden: Von Geistlichen ist “das Unheil” ausgegangen, durch Engelwerkspriester wird “die Kirche gerettet”.

Obwohl die Kirche sich ablehnend über die Privatoffenbarungen der Engelwerks-Gründerin M. Bitterlich äußerte, erfahren wir nun, daß es sich hierbei um ein Werk des Himmels handelt.

Auch Maria von Agredas Visionen sind “von oben”…

Aber auch die kirchlich ebenfalls nicht anerkannten Marienvisionen der spanischen Nonne Maria von Agreda sind ein Werk der “Vorsehung”, wie wir der “Botschaft des Heilands” vom 4.12.1970 entnehmen dürfen:
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 “Darum war die Vorsehung des himmlischen Vaters am Werke, als sie die Bücher der Offenbarungen an Meine heilige Tochter Maria zu Agreda zur Verherrlichung der heiligsten Jungfrau neu erstehen ließ und dazu Menschen als Helfer wählte.”

Zugleich bieten die “Botschaften” an Drexel die in diesem Spektrum übliche Mischung aus “Zuckerbrot und Peitsche”, Panik-Offenbarungen wechseln sich mit Endzeitschwärmereien, so zB. bei der im “Mystik”-Heft zitierten Vision vom 1.1.1970:

“Es wird eine Zeit der Finsternis und zugleich eine Zeit der Leuchtens sein. Während die Saat der Bösen und der Gottlosen in Verderbnis enden wird, wird die Saat der Gläubigen zu einer reineren und schöneren Kirche erblühen.”

Kirche steckte in “schwerster Prüfung aller Zeiten”

Clausens zweite Publikation, der wöchentlich erschienene “Schwarze Brief”, brachte mit seiner Nr. 2/2009 ein “Sonderblatt” heraus. Dort werden die angeblich himmlischen “Botschaften” an Prof. Drexel weiter dokumentiert.

So heißt es zB. bei den “Worten des Heilands” vom 5.5.1972, der Visionär erhalte “besondere Gnaden” um seiner “Aufgabe” willen vom allwissenden Gott für diese Zeit, “in der Meine heilige Kirche der schwersten Heimsuchung und Prüfung aller Zeiten ausgesetzt” sei.
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Warum, so fragt man sich, soll jene Phase Anfang der 70er Jahre für die Kirche die schlimmste “aller Zeiten” gewesen sein?!

Aber je dunkler die Zeit, desto heller leuchtet des Sehers Werk, klar doch: “Für diese böseste, gefährlichste und verworrenste Zeit war dein Leben und deine Aufgabe vorgesehen.”   –  Auch das vom Visionär zu schreibende Glaubensbuch ist natürlich das, so wörtlich, “notwendigste Buch für jetzt und die Zukunft”, wie es in der “Botschaft” vom 7. Juli 1972 heißt.

Die Drexel-Visionen erfreuen sich im traditionellen Lager großer Zustimmung, obwohl dort z.B. unter dem vorhin erwähnten Datum davon die Rede ist, die “eigenen Söhne der Kirche” seien unter “Satans Eingebung” darauf erpicht, “den Geist des großen Konzils zu verfälschen”.   – Das 2. Vatikanum und sein “Geist” wird sonst in diesen Kreisen mitnichten als “groß” eingeschätzt.

Falschbehauptung: “Priester verlassen ihre Weihe”

Theologisch völlig falsch ist das vermeintliche Jesuswort an Prof. Drexel vom 4.8.1972:DSC_0722-2-3

“Während mein Sohn Paulus” (gemeint ist Papt Paul VI.) in Tränen und in Schweiß um die Rettung der Kirche ringt und in unsagbarem Schmerz täglich Kenntnis von den Priestern bekommt, die ihre Herde, ihre Weihe und ihr Amt verlassen…”

Kein Priester, selbst wenn er komplett vom Glauben abfallen oder gar zu einer Satanssekte überwechseln würde, kann seine WEIHE verlassen, weil das Sakrament der Priesterweihe dem Empfänger bekanntlich ein unauslöschliches Merkmal einprägt. Gerade weil Drexel selber Priester war, hätte er dies genau wissen müssen.

Daher kann ein Priester zwar sein “Amt”, aber nicht seine Weihe verlassen. Allein schon wegen dieser theologisch offensichtlich falschen Aussage können die Drexel-Botschaften nicht von Christus stammen, da ER die Wahrheit selber ist!


Prof. Albert Drexels Buch vom “Geheimnis der Ewigkeit” mit Irrtümern inklusive

Von Felizitas Küble

Im traditionellen Spektrum ist der Völkerkundler Prof. Dr. Albert Drexel als Buchautor seit langem bekannt, nicht zuletzt durch seine Visionen (vor allem in seinem Werk “Glaube ist mehr als Gehorsam”).

Diese gehen zurück auf nächtliche Privatoffenbarungen, die der katholische Priester und Theologe in den Jahren 1970 bis 1972 direkt von Christus erhalten hGeheimnis der Ewigkeitaben will.

Hier wollen wir uns mit seinem Buch “Geheimnis der Ewigkeit” befassen, das erstaunlicherweise ausgerechnet im traditionsbewußten Bereich nach wie vor verbreitet wird.

Natürlich finden sich in dieser Abhandlung Drexels viele gute und vertiefende Einsichten und Argumente für die katholische Lehre von den “letzten Dingen” (Eschatologie).

Allerdings gibt es neben zahleichen Richtigkeiten auch einige Irrtümer oder zumindest verwirrende Aussagen, auf die wir hier hinweisen möchten:

Ist die Taufe nicht heilsnotwendig?

1. Auf den Seiten 103 und 104 erläutert der Autor seine Ansicht “in Übereinstimmung mit neueren theologischen Auffassungen”, daß auch ungetauft verstorbene Kinder “Gott schauen und einer ewigen Beglückung teilhaftig werden”.

Es kommt aber nicht auf “neuere Auffassungen” an, sondern auf die Heilsnotwendigkeit der Taufe; diese ist keine beliebige theologische Ansicht, sondern ein Dogma, also ein unfehlbarer, biblisch fundierter Herz-Jesu_01Glaubenssatz der Kirche.

Wobei gleichzeitig klar ist, daß ungetauft verstorbene Kinder nicht etwa in die Hölle kommen. Die kirchliche Tradition geht mit dem hl. Thomas von Aquin davon aus, daß diese Seelen in den Zustand des “Limbus” gelangen, also eine natürliche Zufriedenheit im Jenseits finden, aber ohne die Anschauung Gottes, weil diese den “Gnadenstand” voraussetzt.

In den Stand der Gnade Gottes werden wir durch die Taufe versetzt, die das größte Gnadengeschenk Gottes ist, denn sie öffnet uns das Tor zum Himmel.

Der Verfasser erwähnt u. a. als Anhaltspunkt für seine anderslautende Auffassung die “besondere Gunst und Gnade”, daß der “rechte Schächer als mit Christus Sterbender, also wegen dieses glücklichen Umstandes, unmittelbar des Himmels teilhaftig wurde.” (S. 103).

Christus versprach ihm aber nicht wegen dieses “Umstandes” das Paradies, sondern wegen dessen Reue und Umkehr. Der linke Schächer hatte dieselben “Umstände” (gemeinsames Sterben mit Christus auf dem Berg Golgotha), aber da er innerlich unbußfertig und verhärtet blieb, erhielt er vom Heiland keine Verheißung.  – Der springende Punkt war also damals keineswegs jener äußere “Umstand”, sondern die innere Umkehr!

Unklarheiten zur Auferstehung des Leibes

2. Während sich über die Limbus-Frage unter Theologen wohl noch trefflich streiten läßt (wobei die Limbus-Gegner in der Erklärungsnot darüber stehen, inwiefern sie denn noch eindeutig an der Heilsnotwendigkeit der Taufe festhalten), so gibt es bei einem anderen, von Prof. Drexel ebenfalls angesprochenen Thema aus katholischer Sicht keine offenen Fragen, nämlich bei der Frage der leiblichen Auferstehung. afc127c26a

Hierzu schreibt er:

“Wir müssen uns bewusst sein, dass der irdische Leib des Menschen beim Tode restlos und endgültig verwest (oder zu Asche wird). Die Auferstehung darf darum nicht einfach so gedacht werden, dass die Knochen, Haut und Fleisch jedes Menschen aus dem Grabe geholt und neu zusammengefügt werden.

Vielmehr ist die Auferstehung nur so zu verstehen, dass die Seele des Menschen mit den ihr individuell-persönlich zugehörenden leiblichen Fähigkeiten, Kräften und Eigenschaften durch göttlich-schöpferische Einwirung in die verklärte leib-seelische Existenzweise versetzt wird.” (S. 127)

Diese Äußerungen sind zum Teil mißverständlich bis irreführend. Natürlich wird die einstige Auferstehung unseren Leib “verwandeln” in eine ewigkeitsgemäße Existenzweise, die vergeistigter sein wird als die bloß irdische Lebensform.

Wir werden im Jenseits mit unserem verklärten Leib sicherlich nicht mehr an die Naturgesetze gebunden sein. Gleichwohl handelt es sich sehr wohl um jenen Leib, mit dem wir hier auf Erden existiert haben, den Gott einst auferwecken wird am Jüngsten Tag.

Dies aber geht aus dem Aussagen Drexels nicht oder jedenfalls nicht klar hervor.

Gibt es eine “Auferstehung im Tode”?

3. Noch bedenklicher erscheint seine These von einer “Auferstehung im Tode”, also nicht erst beim allgemeinen Gottesgericht am Ende der Zeiten. Hierzu schreibt der Autor ab S. 127 f.: ???????

“Ob dies (die Auferstehung) für die einzelnen Menschen bei oder nach erfolgtem Leibestod oder erst am allgemeinen Auferstehungstag geschieht, ist für uns hier die Frage.”

Gott könne, so Prof. Drexel, “jeden Menschen bei seinem Tode in die seelisch-leibliche Existenzweise versetzen und am Ende der Zeit das leib-seelische Fortleben aller Menschen offenbar werden lassen.”

Immerhin erwähnt der Verfasser, seine These von einer leib-seelischen Auferstehung im Tode sei keine sichere Glaubenstatsache, sondern “eine wenn auch wahrscheinliche Annahme” (S. 131).

Das ist sie aber ebenfalls nicht, weil die biblische und kirchliche Lehre ohne Wenn und Aber verkündet, daß der Mensch als Geschöpf Gottes nach dem Tod mit seiner unsterblichen Seele weiterlebt und erst am Ende der Zeiten bei der allgemeinen Auferstehung der Toten mit seinem Leib  – der dann verklärt ist  –  vereinigt sein wird.

Ergänzender ARTIKEL zu den Visionen von Prof. Drexel: https://charismatismus.wordpress.com/2015/03/26/erhielt-prof-drexel-botschaften-von-christus/

 


Geistheiler Braco und sein “gebender Blick”

Der kroatischen Geistheilers Braco stellt sich schweigend auf die Bühne, guckt mit seinen Schlafzimmeraugen ein paar Minuten gelangweilt aus der Wäsche und geht wieder: Direktlink zum Video auf YoutubePunkt-1

Damit verzückt (und kassiert) er Tausende. Auch eine Welt-Mitarbeiterin ist seinem Charme erlegen und berichtet heute lang und breit von einem Auftritt des Eso-Stars in Brandenburg:

Wenn Bracos Heilkraft Schwindel und Abzocke ist, was ist es dann, was so viele Menschen nach einem Treffen mit ihm besser fühlen lässt? Vielleicht dies: Bei seinem Auftritt folgen seine Anhänger unbewusst den Grundregeln der Meditation. […] Die eigene Aufmerksamkeit für ein paar Minuten auf sich selbst zu richten, ohne funktionieren zu müssen, kann zu innerer Stärke und Wohlbefinden führen…”

Das mag schon sein  –  aber weißer Wandfarbe beim Trocknen zuzuschauen dürfte bedeutend wirksamer, kostengünstiger und garantiert Guru-frei sein.

Quelle und vollständiger Text mit weiteren Info-Links hier: http://blog.gwup.net/2015/02/01/braco-wenn-prinz-valium-den-geistheiler-gibt/


Erschütterndes Buch über fatale Folgen falschmystischer Phänomene

Louise Becks “Weisungen aus dem Jenseits”…

Dieses faktenstarke, präzise recherchierte Werk des Ordensgeistlichen und Historikers Dr. Otto Weiß ist ebenso erschütternd wie üindexberfällig.

Es sollte für all jene ein wirksamer Augenöffner werden, die ihre Frömmigkeit auf Privatoffenbarungen, Visionen und außergewöhnliche “Charismen” setzen, statt auf die Fundamente des Glaubens, nämlich die Heilige Schrift und die beständige Lehre der Kirche.

Jenseits aller Glaubensvernunft wird jedoch spezielle Erleuchtung aus dem “Jenseits” erhofft, werden “Botschaften des Himmels” gesucht, was zur (pseudo)religiösen Sucht entarten kann, wie dieses Buch eindringlich dokumentiert.

Die verhängnisvollen Auswirkungen solchen Botschafts(aber)glaubens betreffen aber nicht allein “einfache” Männer und Frauen aus dem Kirchenvolk, sondern nicht selten auch hochrangige Kirchenvertreter.

In dem hier beschriebenen Fall der bayerischen “Visionärin” Louise Beck (19. Jahrhundert) immerhin einen Bischof, einen Erzbischof und sogar einen Kardinal.

Auch der damalige Generalobere des Redemptoristenordens verfiel zeitweise dem irrsinnigen Wahn um jene vermeintliche Seherin, die ihre “spirituelle” und dadurch auch kirchenpolitische Macht eiskalt einsetzte und ausnutzte  –  auch gegen kritisch denkende Geistliche.

Botschafts(aber)glauben damals und heute

Man hält solch haltlosen Unfug kaum für möglich, doch auch hohe Würdenträger können der Versuchung von Wundersucht und Schwarmgeisterei verfallen in der Meinung, damit gleichsam einen direkten “Glaubensbeweis”, eine unmittelbare “himmlische Erfahrung” zu erhalten. 3341030867_659e6e056e

So ist die Fixierung auf Erscheinungen, “Botschaften” und “Seher/innen” vielfach bestenfalls Ausdruck von Naivität, nicht selten aber das Symptom eines letztlich schwachen Glaubens, der nicht bereit ist, das Wort des hl. Paulus zu beherzigen, wonach wir auf Erden im Glauben leben – nicht im Schauen.

Zugleich gilt die Mahnung Christi an den zweifelnden Apostel Thomas uns allen: “Selig, die nicht sehen und doch glauben!”

Es wirkt freilich (zumindest auf den ersten Blick) merkwürdig und widerprüchlich, wenn gerade “konservative” Kreise, die sich gerne ihrer Glaubensstärke rühmen, besonders anfällig sind für jene schillernden Phänomene aus dem Dunstkreis der Falschmystik.

Das sachlich verfaßte und zugleich wegen seiner inneren Dramatik überaus bewegende Buch verdient aus meiner Sicht eine glatte EINS.

  • Buch-Daten: Titel: “Weisungen aus dem Jenseits?  – Der Einfluss mystizistischer Phänomene auf Ordens- und Kirchenleitungen im 19. Jahrhundert”, 288 Seiten
  • Verlag: Friedrich Pustet   
  • Erscheinungsdatum: September 2011
  • ISBN-10: 3791723898

Weitere Infos: http://www.3sat.de/page/?source=/kulturzeit/lesezeit/161431/index.html

HINWEIS: Wie ich heute (26.1.) vom Verlag erfuhr, ist das Buch bereits nach kurzer Zeit vergriffen. Es kann aber bei mir noch zum Ladenpreis von 24,95 € portofrei bestellt werden: felizitas.kueble@web.de

 


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