Augsburg: „Gebetsheiler“ Dr. Arne Elsen bei der charismatischen MEHR-Konferenz

Glaube und Heilung, Zeichen und Wunder…

„Leidenschaftlich, explosiv und voller Möglichkeiten, einem faszinierenden Gott zu begegnen!“  –   Mit diesen Worten wird die MEHR-Konferenz, die das ökumenische „Gebetshaus“ in Augsburg in diesen Tagen veranstaltet, auf deren Webseite vollmundig angepriesen.

Am heutigen Samstagnachmittag sprach Dr. Arne Elsen aus Hamburg zu den zahlreichen, meist jugendlichen Teilnehmern. Er ist eng verbunden mit dem charismatischen Verein „Glaube und Heilung“, der ebenfalls in der Hansestadt ansässig ist. Der 1961 geborene Arne Elsen ist Mediziner im Fachbereich Diabetik und leitet ein entsprechendes Zentrum in Hamburg.

Sein Vortrag, der mitunter von seiner „spontan“ auftretenden „Zungenrede“ begleitet war (ohne daß eine Auslegung der vermeintlichen „Sprachengabe“ erfolgte), wurde vom Livestream der MEHR-Konferenz direkt übertragen und danach auf youtube präsentiert.

Das erwähnte „Gebetshaus“ sowie die dazugehörende 24/7-Bewegung vereinigen in sich sowohl protestantisch-pfingstlerische Strömungen wie auch katholisch-schwarmgeistige Bewegungen.

Am Sonntag spricht Gabriele Kuby kuby

Für Morgen ist dort  –  zu unserem  nicht geringen Erstaunen  –  die kath. Publizistin Gabriele Kuby (siehe Foto) als Rednerin angekündigt; sie ist vor allem durch ihre berechtigte Kritik am Genderismus in konservativen Kreisen bekannt geworden. Allerdings schrieb sie zugleich eine theologisch eher unausgreifte Biographie mit dem Titel „Mein Weg zu Maria“.

Der Leiter dieses Gebetshauses in Augsburg ist der Katholik Dr. Johannes Hartl, einigen vielleicht auch durch seine Beiträge in der kath. „Tagespost“ aus Würzburg ein Begriff. Dr. Hartl lädt zu der von ihm moderierten MEHR-Konferenz, die stets Anfang Januar stattfindet, häufig und gerne evangelisch-freikirchliche „Star-Evangelisten“ ein, darunter den US-Prediger Bob Fraser  – und diesmal z.B. den „Gebetsheiler“ Dr. Elsen, der sich heute zu einer stundenlangen enthusiastischen Rede aufschwang.

„Hunderte von Heilungen“ erlebt…

In der Ankündigung der Veranstalter heißt es über diesen Charismatiker , er habe „hunderte“ von „Heilungen“ erlebt, die von Gott bewirkt worden seien.

Entsprechend gestaltete sich auch die Rede Dr. Elsens, der reihenweise von den durch seine Gebete bewirkten „Heilungen“ erzählte, wobei vom Kopfschmerz über Gehirntumor bis zum Rheuma kaum ein Leiden unerwähnt blieb, das durch seinen gesegneten bzw. gesalbten „heißen Draht nach oben“ verschwunden sei. 038_35

Als sich z.B. ein Leserbriefkommentator im parallel laufenden Chat-Bereich über eigene enttäuschende Erfahrungen mit Dr. Elsen beklagte, wurde er von der Gebetshaus-Moderation zurechtgewiesen: derlei Kritik gehöre nicht in diesen Chat.

Auch die kleinen Kinder des „Heilungspredigers“ sind   –  Dr. Elsens Angaben zufolge  –  derart missionarisch drauf, daß sie dem Eifer des Herrn Papa alle Ehre machen und man nicht so recht weiß, ob sie ihm „nachfolgen“ oder gar „vorausgehen“…

Direkter „Draht nach oben“

Während der „normale Christ“ bemüht ist, den Willen des Höchsten anhand der göttlichen Gebote sowie durch Vernunft und „gesunden Hausverstand“ zu erkennen, dabei sicherlich auch auf die „sieben Gaben des Heiligen Geistes“ vertrauen, läuft das bei Dr. Elsen auf einem viel direkteren Wege.

In seiner Rede zitierte er mehrfach die wörtlichen Einsprechungen des Allmächtigen, der offenbar einen recht hemdsärmeligen Kontakt mit dem charismatischen Gebetsheiler pflegt, zB: „Der HERR sagte: „Arne, ich möchte, daß Du…“ (dies oder jenes unternimmst etc.)  – und so geht das in einem fort.

Demnächst tourt Elsen wieder durch deutsche Lande, wie er begeistert ankündigte  –  und weiß schon jetzt, daß es dabei sehr erwecklich zugeht: „Der HERR sagte, es werde eine Offenbarung des Geistes geben!“  –  Bald darauf erfolgte noch einmal die Kundgabe, es werde ein „neues Wirken des Heiligen Geistes entstehen“ etc.

Wie könnte es auch anders sein, arbeitet er doch, wie er ausdrücklich bekräftigte, mit dem Werk und Nachfolger des hochgradig schwarmgeistigen „Starpredigers“ Reinhard Bonnke zusammen, jenem bekannten „Mähdrescher Gottes“, durch den sich  –  dessen Angaben zufolge  –  schon Millionen Menschen „bekehrt“ haben…

Motto: „Gott heilt auch heute noch“

Das Thema der Elsen-Ansprache lautete „Gott heilt auch heute noch!“  und brachte damit Programm und Erwartungshaltung charismatischer Frömmigkeit auf den Punkt.

Dabei berichtete von schwerer Erkrankung seines einst dreijährigen Sohnes, für den er langanhaltend gebetet und dabei „Jesu Sieg proklamiert“ habe: „Die Krankheit muß weichen! Du hast uns Gesundheit verheißen!“    media-390606-2

Das ist ein typisches Beispiel für charismatisches „Beten“ mit seinem drängenden, aufdringlichen Stil, das Gott gleichsam vorschreibt, wie er zu reagieren und zu handeln hat. 

Diese unstatthafte, unangemessene Haltung gegenüber unserem Schöpfer und Erlöser wird mit wohlklingenden Worten umnebelt („Den Sieg Jesu proklamieren“), so daß diese dreiste Anmaßung gar wie eine fromme Tugend erscheinen  mag. Dazu paßt auch die ständige Ausrufung „Halleluja“, welche die ganze Ansprache von A bis Z durchzog.

Dabei wurden auch Tendenzen eines sog. charismatischen „Wohlstandsevangeliums“ sichtbar, wenn Elsen etwa erklärte, daß es „uns so gut geht“, sei eine Auswirkung des Heiligen Geistes…

Fixierung auf „Lobpreis“ verdrängt sittliches Ethos

Typisch schwärmerisch auch die einseitige Konzentration auf den sog. „Lobpreis“, der möglichst oft und unentwegt vollbracht werden solle. Hingegen scheinen die sittlichen Gebote des Christentums kaum zu interessieren, stattdessen stehen „Zeichen und „Wunder“, Heilungen und besondere „Geistesgaben“ und „Salbungen“ von oben im Zentrum der Aufmerksamkeit.

Zwischendurch brachte Elsen seine typisch protestantische Rechtfertigungslehre zum Ausdruck, indem er sich abfällig über eine sog. „Werkgerechtigkeit“ äußerte und bekräftigte: „Wir sind gerechtfertigt durch den Glauben.“

Der recht verstandene Glaube ist zweifellos die Grundlage unserer „Rechtfertigung“ vor Gott, doch für das ewige Heil ist sehr wohl auch die Einhaltung der göttlichen Gebote und praktizierte Nächstenliebe angesagt, wie die Heilige Schrift uns nicht „nur“ im Jakobusbrief einschärft.

Zur oberflächlichen Schmalspur-Theologie paßt es dann auch, daß der Redner dem überwiegend jugendlichen Publikum folgende angenehme Ansage bietet: „Gott ist kein strenger, strafender, sondern ein liebender Gott“ –  so ganz der gefühlsselige Kuschelgott der Schwärmerszene eben, stets eifrig darauf bedacht, die Bedürfnisse und Wünsche seines irdischen Fanclubs zu erfüllen und deren „Proklamationen“ nachzukommen.

„Nicht jeder, der HERR, HERR sagt…“polskaweb

In der Heiligen Schrift werden theologische Zusammenhänge doch ganz anders erkennbar, zB. in folgenden Worten Christi (Mt 7,21 ff):

„Nicht jeder, der HERR, HERR zu mir sagt, wird ins Himmelreich eingehen, sondern wer den Willen meines Vaters erfüllt.

Viele werden an jenem Tage zu mir sagen: HERR, HERR, haben wir nicht in deinem Namen geweissagt, haben wir nicht in deinem Namen Dämonen ausgetrieben und in deinem Namen viele Wunderwerke getan?   –  Und dann werde ich ihnen sagen: Ich habe euch niemals gekannt; weichet von mir, ihr Übeltäter!“

Diese Bibelstelle ist hinsichtlich der wachsenden schwärmerischen und wundersüchtigen Tendenzen unserer Zeit aufschlußreich und mahnt zur Wachsamkeit und Nüchternheit.

Zurück zu Elsens Ansprache: Nach einem öffentlichen „Übergabe-Gebet“, das der Redner vorsagte und das die versammelten Konferenz-Teilnehmer ihm Wort für Wort laut nachsprechen sollten, rief Dr. Elsen in die Runde: „Applaus für Jesus!  –  Halleluja!“ 

Als ob der göttliche Erlöser in seiner himmlischen Erhabenheit auf solch lächerlichen Beifall und Theaterdonner angewiesen wäre! 

Ähnlich kurios erscheint auch seine Bemerkung, wir sollten „ein bißchen nett zu unserem Gott“ sein, gleichsam so „von Mensch zu Gott“.  – Dr. Elsens „Lobpreis“-Reden waren ebenfalls reichlich salopp in ihrer sprachlichen Darbietung und Selbstinszenierung: „Du bist so sagenhaft, Gott, ich bin so begeistert!“ 

In seinen Kurzgebeten am Ende der Predigt wurde Gott u. a. dafür gedankt,

„daß Du jeden hier berührst“,
„daß Du uns einen großen Sprung nach vorne schenkst“,
„daß Du jetzt so eingreifst“,
„daß Du Gesundheit wiederherstellst“,
„daß wir uns die Butter nicht vom Brot nehmen lassen“.

Daß sich charismatische „Starprediger“ und „Glaubensheiler“ grundsätzlich die Butter nicht vom Brot nehmen lassen, ist allerdings bekannt (siehe zB. HIER).

Felizitas Küble, Leiterin des KOMM-MIT-Jugendverlags und Christoferuswerks in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.

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