Erschütterndes Buch über fatale Folgen falschmystischer Phänomene

Louise Becks „Weisungen aus dem Jenseits“…

Dieses faktenstarke, präzise recherchierte Werk des Ordensgeistlichen und Historikers Dr. Otto Weiß ist ebenso erschütternd wie üindexberfällig.

Es sollte für all jene ein wirksamer Augenöffner werden, die ihre Frömmigkeit auf Privatoffenbarungen, Visionen und außergewöhnliche „Charismen“ setzen, statt auf die Fundamente des Glaubens, nämlich die Heilige Schrift und die beständige Lehre der Kirche.

Jenseits aller Glaubensvernunft wird jedoch spezielle Erleuchtung aus dem „Jenseits“ erhofft, werden „Botschaften des Himmels“ gesucht, was zur (pseudo)religiösen Sucht entarten kann, wie dieses Buch eindringlich dokumentiert.

Die verhängnisvollen Auswirkungen solchen Botschafts(aber)glaubens betreffen aber nicht allein „einfache“ Männer und Frauen aus dem Kirchenvolk, sondern nicht selten auch hochrangige Kirchenvertreter.

In dem hier beschriebenen Fall der bayerischen „Visionärin“ Louise Beck (19. Jahrhundert) immerhin einen Bischof, einen Erzbischof und sogar einen Kardinal.

Auch der damalige Generalobere des Redemptoristenordens verfiel zeitweise dem irrsinnigen Wahn um jene vermeintliche Seherin, die ihre „spirituelle“ und dadurch auch kirchenpolitische Macht eiskalt einsetzte und ausnutzte  –  auch gegen kritisch denkende Geistliche.

Botschafts(aber)glauben damals und heute

Man hält solch haltlosen Unfug kaum für möglich, doch auch hohe Würdenträger können der Versuchung von Wundersucht und Schwarmgeisterei verfallen in der Meinung, damit gleichsam einen direkten „Glaubensbeweis“, eine unmittelbare „himmlische Erfahrung“ zu erhalten. 3341030867_659e6e056e

So ist die Fixierung auf Erscheinungen, „Botschaften“ und „Seher/innen“ vielfach bestenfalls Ausdruck von Naivität, nicht selten aber das Symptom eines letztlich schwachen Glaubens, der nicht bereit ist, das Wort des hl. Paulus zu beherzigen, wonach wir auf Erden im Glauben leben – nicht im Schauen.

Zugleich gilt die Mahnung Christi an den zweifelnden Apostel Thomas uns allen: „Selig, die nicht sehen und doch glauben!“

Es wirkt freilich (zumindest auf den ersten Blick) merkwürdig und widerprüchlich, wenn gerade „konservative“ Kreise, die sich gerne ihrer Glaubensstärke rühmen, besonders anfällig sind für jene schillernden Phänomene aus dem Dunstkreis der Falschmystik.

Das sachlich verfaßte und zugleich wegen seiner inneren Dramatik überaus bewegende Buch verdient aus meiner Sicht eine glatte EINS.

  • Buch-Daten: Titel: „Weisungen aus dem Jenseits?  – Der Einfluss mystizistischer Phänomene auf Ordens- und Kirchenleitungen im 19. Jahrhundert“, 288 Seiten
  • Verlag: Friedrich Pustet   
  • Erscheinungsdatum: September 2011
  • ISBN-10: 3791723898

Weitere Infos: http://www.3sat.de/page/?source=/kulturzeit/lesezeit/161431/index.html

HINWEIS: Wie ich heute (26.1.) vom Verlag erfuhr, ist das Buch bereits nach kurzer Zeit vergriffen. Es kann aber bei mir noch zum Ladenpreis von 24,95 € portofrei bestellt werden: felizitas.kueble@web.de