WARNUNG vor Exerzitien und „Heilungen“ von Pater James Mariakumar

Von Felizitas Küble

Kürzlich erhielt ich  – wie schon oft in den letzten Jahren  –  den Anruf einer Katholikin, die durch schwarmgeistige Praktiken psychisch geschädigt worden ist.

Seitdem sie bei einem Auftritt des australischen Heilungspredigers Alan Ames den charismatischen „Hammersegen“ (Rückwärtskippen in Trance, angebliches „Ruhen im Geist“) erlebte, ging es mit ihr seelisch und gesundheitlich rapide bergab.

Als weitere Kontakte in die katholische Schwärmerszene folgten, wurde alles noch schlimmer.

Vor zwei Wochen hielt der indische Wanderprediger Prof. James Mariakumar SVD seine Exerzitien im fränkischen Heroldsbach (einer diözesanen Gebetsstätte im Erzbistum Bamberg).

Jene Betroffene nutzte die Chance, um ihn anzusprechen. Der Steyler Pater sagte, wer ein Gespräch mit ihm wünsche, solle seine gesamten Exerzitien (in diesem Fall immerhin sieben Tage) mitmachen. Die Frau erklärte, das sei ihr nicht möglich – und stellte sogleich ihre einzige Frage: Seitdem ich bei den Charismatikern war, geht es mir viel schlechter  –  wie kommt das?

Die Antwort des indischen Geistlichen: Sie haben keinen christlichen Glauben!  –  Gehen  Sie zu Schwester Margaritha Valappila, damit Ihnen geholfen wird.

Jene Frau fragte mich nun, was ich von dieser Empfehlung halte. Ich habe ihr dringend von jedweder „Heilung“ durch diese  –  ebenfalls aus Indien stammende  –  Nonne abgeraten, zumal auch Sr. Valappila seit Jahrzehnten eifrig den charismatischen „Hammersegen“ erteilt und dabei reihenweise Seminarteilnehmer „flachlegt“ (das beginnt schon mit dreijährigen Kindern!).

Zudem wies ich darauf hin, daß Valappilas Evangelisationszentrum „Haus Raphael“ im hessischen Bad Soden-Salmünster sich nicht „katholisch“ nennen darf, wie im kirchlichen Amtsblatt des Bistums Fulda bereits vor 13 Jahren erklärt wurde. (Näheres dazu hier: https://charismatismus.wordpress.com/category/visionen-und-charismatik-kritik/haus-st-raphael/

Natürlich widerspricht es sowieso jeder Fairneß (von Nächstenliebe ganz zu schweigen), einer Betroffenen glattweg den „christlichen Glauben“ abzusprechen, nur weil sie eine kritische Rückfrage zur Charismatik stellte – noch dazu aus ihrer eigenen bitteren Erfahrung heraus.

Jene Dame hat mir ausdrücklich erlaubt, von diesem Vorgang zu berichten. (Aus Gründen des Personenschutzes wird auf Namensnennung verzichtet, um sie vor weiteren verbalen Entgleisungen zu verschonen.)

Zur Problematik von „Befreiungsgebeten“

Im Exerzitienprogramm von Pater Mariakumar (siehe hier: http://www.gebetsstaette-heroldsbach.de/pdf/2017_Kumar.pdf) ist ausdrücklich die Rede von „Heilungs- und Befreiungsgebeten.“  

Hierbei gibt es grundsätzlich folgenden Hintergrund zu bedenken: Heilung und Befreiung, Zeichen und Wunder sind die vier wichtigsten Zauberworte im Enthusiastenspektrum.

Jene „Befreiungsgebete“ sind dort tendenziell im Grunde nichts anderes als ein verkappter Exorzismus, vor allem hinsichtlich der suggestiv-verhängnisvollen Wirkung für die Betroffenen. (Denn wenn jemand vom Teufel „befreit“ werden muß, setzt das voraus, daß jener Mensch von ihm umsessen/besessen/belastet ist.)

Ich erhalte seit ca. 15 Jahren Berichte von Opfern, die sich an mich wenden, weil ich mich kritisch mit der Charismatischen Szene befasse. Daher sind mir viele erschütternde Internas und Schicksale bekannt.

Charismatisch induzierte „Besessenheit“

Dabei fällt das folgende, häufig auftretende „Schema“ auf:

Erst werden die Gläubigen vielfach „umsessen“ oder gar „besessen“ geredet (mindestens als „okkult belastet“ definiert). Dann bietet sich der Heilungsprediger als vollmächtiger, geisterfüllter „Befreier“ an (der also von einem „Problem“ befreit, das er durch seine Panikmache überhaupt erst induziert bzw. erzeugt hat!)  –  wobei aber von wirklicher „Befreiung“ keine Rede sein kann; vielmehr dreht sich das fanatisch-irrgeistige Karussel auf diesem Wege ständig weiter  –  zu Lasten der Betroffenen!

Dem erztraditionellen Lager sei noch ins Stammbuch geschrieben, daß auch der sog. „Kleine Exorzismus“, der Papst Leo XIII. zugeschrieben wird, seit 1985 kirchlich rundweg verboten ist  – und zwar sowohl für Kleriker wie für Laien (es sei denn, es läge eine ausdrückliche bischöfliche Erlaubnis für einen bestimmten Priester vor).

Weiter auf Tour mit „Heilungsgebeten“

Zurück zu James Mariakumar: Der Pater ist derzeit weiter unterwegs auf Tour – in diesen Tagen hält er in Frankfurt am Main seine abendlichen Vorträge samt „Heilungsgebeten“ (siehe Foto oben: Werbeplakat dort).

Man kann sich nicht genug wundern, daß er vier Tage lang sogar im Dom St. Bartholomäus auftreten kann, wobei die zuständigen Kapuziner wohl das ABC einer soliden „Unterscheidung der Geister“ nicht kennen, geschweige angemessen handhaben.

Dieser Star-Charismatiker ist außerhalb Europas direkt als Exorzist zugange (das berichtet er selber im Vorwort seines Buches), innerhalb Europas wirkt er – aufgrund kirchlicher Schranken – freilich „nur“ als Befreiungsbeter. Manchmal wird dieser indirekte Quasi-Exorzismus auch als „besonders starkes Gebet“ umschrieben…

Dieser Geistliche aus Kerala (einem südindischen Bundesstaat) hat ein Buch mit dem Titel „Okkultismus und geistiger Kampf“ verfaßt, das wir vor über fünf Jahren bereits durchleuchtet haben: https://charismatismus.wordpress.com/2012/08/22/pater-james-mariakumar-und-sein-charismatisches-befreiungsgebet/

Wenig erstaunlich, daß in dem erscheinungsbewegten Portal „Kath.net“ das Vorwort Mariakumars begeistert veröffentlicht wurde: http://kath.net/news/27234

Das charismatisch geprägte, aber angeblich noch „gemäßigte“ Seminarhaus St. Ulrich in Hochaltingen (Bistum Augsburg) zählt P. Mariakumar sogar zu seinen neun Referenten –  siehe hier (links unter der Rubrik „Informationen“ auf „Referenten“ klicken): http://www.stulrichhochaltingen.de/

Auch der Pallottinerorden in München-Freising hat die Exerzitien Mariakumars empfohlen: https://www.pallottiner.org/veranstaltung/wachstumsexerzitien-innere-heilung-und-heiligkeit/

Wohlgemerkt: Es geht hier nicht um den kirchenrechtlich geregelten Exorzismus (der völlig zu Recht engen Grenzen unterliegt), sondern um willkürliches, suggestives „Dämonisieren“ und Verbreiten von Panikmache unter den Gläubigen – mit nicht selten erschütternden Langzeitfolgen!

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Jugendverlag und das gemeinnützige Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.

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Pater James Mariakumar SVD und sein charismatisches „Befreiungsgebet“

Von Felizitas Küble

Jede kirchliche und weltliche Bewegung hat in der Regel einen „harten“ bzw. extremen und zugleich einen gemäßigten Flügel  – so ist es auch im Spektrum der katholischen Charismatik.

Zu jenen, die sich zunächst den Anschein des halbwegs „Nüchternen“ geben, gehört der indische Pater James Mariakumar SVD.

Dieser Ordensmann der Steyler Missionare (SVD) ist seit langem im sog. „Heilungs- und Befreiungsdienst“ tätig, zumal in puncto „Innere Heilung“, aber auch im Bereich sog. „Befreiungsgebete“, womit angebliche oder tatsächliche dämonische Belastungen besiegt werden sollen.

Bekanntlich handelt es sich bei „Heilung und Befreiung“ um zentrale charismatische Lieblingsbegriffe.

Pater Mariakumar vermeidet in seinem Buch „Okkultismus und geistiger Kampf“ (siehe Foto) zwar auf den ersten Blick gewisse schwärmerische Ausuferungen, wie man sie sonst in dieser Szene kennt, zumal bei etlichen seinen indischen „Kollegen“.

Doch das vermag nicht darüber hinwegzutäuschen, daß einige typisch spirituelleVerirrungen an ihm nicht spurlos vorübergingen.

Dies läßt sich zB. in seinem erkennen, das er gemeinsam mit der Nonne Mary Pereira verfaßte.

Dort bejubelt er ein „neues Pfingsten“, das angeblich durch die „Charismatische Erneuerung“ in der Kirche ermöglicht worden sei.

Zudem verweist er mehrfach auf eine sog. „Taufe im Heiligen Geist“, womit aber nicht das katholische Sakrament der Firmung gemeint ist, sondern eine euphorische Sondererfahrung als Folge einer „Geistausgießung“.

Auf S. 151 wird ein quasi-exorzistisches „Befreiungsgebet“ präsentiert. Es ist von Pater Mariakumar verfaßt und wird als tägliches (!) Gebet empfohlen, vorzugsweise vor dem Tabernakel.

Nun weiß man, daß die katholische Meßliturgie, zumal das Hochgebet, keine Erwähnung, geschweige ein Anreden des Satans und der Dämonen kennt – und dies nicht etwa, um den Glauben an die Existenz der bösen Geister zu verdrängen, sondern weil man dem Widersacher  im Gottesdienst nicht die Ehre einer Erwähnung oder gar „Ansprache“ gewähren will, auch nicht durch negative Benennung.

Mit welcher Logik empfiehlt also dieser Geistliche, daß man ein anti-dämonisches „Befreiungsgebet“ ausgerechnet „vor dem eucharistischen Herrn im Tabernakel“ sprechen soll („dies ist nur von Nutzen“)  – und dies noch dazu „täglich“?!

Zudem sind an den Inhalt dieser Absage-Formeln eine Menge Fragezeichen zu setzen, zum Beispiel folgende:

1. Es heißt gleich eingangs: „Im Namen Jesu, durch die Macht des kostbaren Blutes Jesu (…), kraft der Autorität, die mir von Jesus durch durch die Macht seines kostbaren Blutes gegeben wurde, widersage ich allen Kräften des Bösen, die mir schaden wollen und weise sie ab. Unterwerft euch dem Herrn Jesus und kehrt nie mehr zu mir zurück.“

Die Formel („Unterwerft euch…“) kommt in diesem „Befreiungsgebet“ sage und schreibe fünfzehn-mal vor.

Welchen Sinn hat es, die bösen Geister zur „Unterwerfung“ unter Christus aufzufordern? Die Teufel als gefallene Engel befinden sich ja gerade   d e s h a l b   in diesem verlorenen Zustand, weil sie sich Gott  n i c h t  unterwerfen wollen  – und zwar in alle Ewigkeit nicht, sonst wäre ja die Hölle nicht ewig!

2. Sodann heißt es dort weiter: „Deshalb hast Du, Satan, keine Rechte über mich, über meine Familie und mein Haus.“

Soll man die Gläubigen wirklich täglich auffordern, den Satan   d i r e k t  anzusprechen, noch dazu vor dem Tabernakel?!  –  Dergleichen wird in den (selten vorkommenden) kirchlichen Absagegebeten (Taufe, Firmung) sprachlich nur in dritter Person praktiziert („Ich widersage dem Satan…“)  – er wird also nicht direkt angesprochen, was auch seine guten Gründe hat!

3. Der nächste Satz in des Paters „Befreiungsgebet“ ist noch irriger:

„Ich bitte den Herrn um Verzeihung für alle Sünden meiner Vorfahren.“

Während also der Satan direkt angesprochen wird, ist dies hier bei Gott nicht der Fall.

Zudem ergibt es keinen Sinn, für „alle Sünden der Vorfahren“ um Verzeihung zu bitten, abgesehen davon, daß man sich dadurch  – zumindest indirekt – einen Blickwinkel anlegt, der bedenklich ist, weil man seine Vorfahren im Hinblick auf ihre „Sünden“ in die eigene Erinnerung ruft. Dient dies etwa der Nächstenliebe und eigenen Demut?

Es gibt zudem in der amtlichen und liturgischen Gebetstradition der Kirche kein einziges Beispiel für eine derartige Vergebungsbitte zugunsten von Vorfahren.

4. In den folgenden Abschnitten kommen allerlei unnötige oder merkwürdige Formeln vor, so wenn es etwa heißt: „Ich widersage dem Geist der Angst…der Schüchternheit…des Frustes…der Minderwertigkeitskomplexe…der Nervosität.“

„Schüchternheit“  oder „Nervösität“ und dergl. sind keine Sünden, sie haben nichts mit dem Satan zu tun. Vielmehr hängen derlei Gemütsstimmungen mit dem angeborenen Temperament zusammen  – oder auch mit den Lebenserfahrungen, die jemand zu bewältigen hat usw.

5. Reichlich komisch bis „schräg“ für ein Gebet, noch dazu vor dem Tabernakel, wirkt die detaillierte Aufzählung leiblicher Glieder:

„Ich widersage dem Geist der Wollust, die zu mir kommt durch Gedanken, „orte und Handlungen, durch meine Augen, Nase und Zunge, durch den Tastsinn, durch Hände, Füße und die Geschlechtsorgane.  – Weiche von mir…“ 

In einem weiteren Abschnitt heißt es ähnlich absonderlich:

„Herr Jesus, wasche mich mit Deinem kostbaren Blut. Wasche mein Gehirn, mein Nervensystemj, das blut in meinen Adern, mein Fleisch, meine Knochen und meine inneren Organe….meinen Mund, meine Hände, Füße und meine Geschlechtsorgane.“

6. Sodann wird in einem Gebet, das sich an Christus richtet, folgende Bitte geäußert: „Sende mir vom Vater den Heiligen Geist…“

Wie die katholische Kirche (im Unterschied zur Orthodoxie)  lehrt, geht der Hl. Geist vom Vater und vom Sohne aus (vgl. Großes Credo).  Warum wird dann die Bitte um den Hl. Geist nicht direkt an Christus  gerichtet?

7. Im letzten Abschnitt dieses „Befreiungsgebets“ geht es ans charismatische Eingemachte, denn dort finden sich folgende Aufforderungen an Christus:

„Salbe mich mit den charismatischen Gaben – dem Wort der Wahrheit, der Erkenntnis und der Prophetie, der Unterscheidung der Geister, der Gabe, Kranke zu heilen, der Gabe der Wunderkräfte (…), der Gabe der Zungenrede…“

Hier wird ein enthusiastischer, gefühlsorientierter und letzten Endes sensationsgieriger „Glaube“ angepriesen, der sich an „Zeichen und Wundern“ orientiert, der gewisse außergewöhnliche (!) „Geistesgaben“ sucht, wie man dies aus der Schwärmerszene seit Jahrhunderten zur Genüge kennt.

In Wirklichkeit beruht unser Glaube auf der Heiligen Schrift, der apostolischen Überlieferung und dem Lehramt der Kirche, also auf objektiven Maßstäben, nicht etwa auf subjektiven Gefühlen und „Erleuchtungen“.

Daher ist von diesem „Befreiungsgebet“ des Pater Mariakumar aus meiner Sicht deutlich abzuraten.

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster

Foto: Dr. Bernd F. Pelz