Joyce Meyer und ihr Wohlfühl-Evangelium: „Jesus will, dass wir das Leben genießen!“

Von Felizitas Küble

Joyce Meyer ist eine evangelische Star-Predigerin aus den USA mit starken Neigungen zum charismatischen Wohlstands-Evangelium (wobei sie das propagierte Wohlleben auch ganz ungeniert selber praktiziert).

Die „vollmächtige Bibellehrerin“ (wie sich sich selber nennt) schrieb an die hundert Bücher (darunter „Power-Gedanken“), tritt oft in Deutschland auf und besitzt in Hamburg ein Büro.

An Selbstbewußtsein fehlt es dieser Dame gewiß nicht.

Vor mir liegt der Brief, den ihr Verein – er nennt sich Joyce Meyer e.V. (der Name ist also Programm?) – im März 2017 an eine Ratsuchende in Münster schrieb, die sich wegen persönlicher Problem an Meyer gewandt hatte.

Die Antwort erfolgt – im ausdrücklichen Namen der bekannten Predigerin und ist typisch für eine Proklamations-Ideologie, die in vielen pfingstlerischen Kreisen vorherrscht.

Demnach sollten wir in Nöten und Krankheiten Gottes Verheißungen aussprechen und „in Anspruch nehmen“ – und dann werden sie auch eintreffen, wenn auch nicht immer sofort.

Bei diesem „Proklamieren“ von (vermeintlichen) göttlichen Zusagen erübrigt sich natürlich ein Bittgebet; wenig erstaunlich also, daß in dem Brief des Meyer-Vereins davon auch gar nicht die Rede ist.

Wort-Magie statt Bitt-Gebete

Stattdessen wird der Christin folgendes empfohlen:

„Sprechen Sie das Wort Gottes laut aus und sagen Sie gute, aufbauende Dinge zu sich und über sich selbst…Wenn Joyce angegriffen wird, sagt sie: „Gott liebt mich und hat einen guten Plan für mein Leben! Ich werde die Hoffnung nicht aufgeben! Auch das wird vergehen!“

Wir möchten Sie ermutigen, das Gleiche zu tun. Beginnen Sie heute damit, diese positiven Worte Gottes laut über sich und Ihre Umstände auszusprechen.“

Hier wird offensichtlich eine Art Wort-Magie angeraten, die an das „Positive Denken“ erinnert, nur wird es bei Meyer mit „biblischen“ Sprüchen garniert.

Nun kommt der Erfolg dieser „Evangelistin“ nicht von ungefähr. Die Dame kann sich klar ausdrücken, kompakt formulieren und sehr anschaulich und lebensnah schreiben und „predigen“.

Natürlich hat sie inhaltlich teilweise recht, allerdings weist ihre „theologische“ Ausrichtung eine starke Schlagseite auf. Das zeigt auch ihre Buchbroschüre „Lerne Gott zu vertrauen“. 

Auffallend oft ist vom „materiellen Wohlergehen“ die Rede, noch stärker davon, das „Leben zu genießen“. Das müßte man im weltlichen Bereich nicht problematisieren – aber ist diese hedonistische Grundeinstellung etwa speziell christlich?

Bibelworte wie z.B. jene Aufforderung des HERRN, wir sollen unser Kreuz auf uns nehmen und IHM nachfolgen, finden sich nicht in ihrer Publikation, auch die Gebote Gottes bleiben komplett unerwähnt.

Leben genießen und „Segen“ empfangen…

Statt dessen geht es um Erfolg, Gebetserhörungen, um ihre Visionen und „himmlischen“ Einsprechungen, um „vollmächtige“ Verkündigung (mit der Gott sie gesegnet habe), um Lebensfreude und Genießen.

Ständig wird betont, Gott selbst sei es gewesen, der ihr die Berufung und „Vollmacht“ gab, sein Wort zu „lehren“ und zu „predigen“ (z.B. auf S. 15, 18, 19, 20, 23 ff).

Das Vertrauen in Gott wird zwar vielfach erwähnt, auch Geduld und Ausdauer seien wichtig – aber all dies scheint nur Mittel zum Zweck zu sein: „Ehren Sie Gott durch Ihr Vertrauen und genießen Sie die Reise, während Sie auf dem Weg zur Erfüllung Ihres Traumes sind!“ (S. 30)

Auf S. 33 schreibt Meyer noch deutlicher, Jesus sei gekommen, „damit Sie das Leben haben und es genießen können“. Sie fährt fort: „Satan möchte Ihnen Ihre Freude stehlen und Sie so daran hindern, das Leben zu genießen.“

Im 9. Kapitel heißt es: „Ich habe vor einigen Jahren beschlossen, dass ich Gott und das Leben genießen will. Wenn Jesus für mich gestorben ist, damit ich nicht nur Leben habe, sondern es in Fülle habe, dann sollte ich versuchen, diese Fülle auch zu genießen“ (S. 56). Wenige Zeilen weiter schreibt sie erneut, Jesus wolle, daß wir „das Leben genießen“.

Wenig erstaunlich, daß eine „Bekehrung“ bei Predigerin Meyer im Handumdrehen geschieht   – und zwar mit Himmelsgarantie inklusive.

Auf S. 58 stellt Sie ein typisch evangelisches Übergabe-Gebet vor, wogegen nichts einzuwenden wäre, hieße es nicht nach diesen sieben mageren Zeilen vollmundig: „…Sie sind gerecht gesprochen und wenn Jesus wiederkommt, werden Sie mit ihm in den Himmel gehen.“

Dafür genügt offenbar ein 2-Minuten-Gebet!

Weitere Infos hier: https://charismatismus.wordpress.com/2014/01/05/markus-spieker-kritisiert-charismatische-starprediger-und-oberflachliche-frommigkeit/

 

 

Werbeanzeigen