Pfingstlerische Erweckungs-Lehre widerspricht der Bibel

Pfr. Lochners Buch „Charismatische Erneuerung“ betreibt Endzeitschwärmerei

Unter der Leitung des mittlerweile vom Augsburger Bischof Konrad Zdarsa amtsenthobenen Pfr. Thomas Maria Rimmel konnten sich in der Allgäuer Gebetsstätte „Maria vom Sieg“ in Wigratzbad immer mehr charismatische Schriften und Exerzitien ausbreiten.

Zudem betreibt Pfr. Rimmel gerne Reklame für die Bücher charismatischer Autoren und Seminarleiter in seiner Monatszeitschrift „Kirche heute“.

Hierzu ein Beispiel aus der  April-Ausgabe 2011, Seite 19:

Dort findet man eine begeisterte Ankündigung des Buches „Charismatische Erneuerung“ von Pfr. Hansmartin Lochner, der in Wigratzbad entsprechende Seminare leitete und Teilnehmern den „Hammersegen“ erteilte, so daß diese dann „im Geist ruhten“ (trance-artig rückwärtsfielen).

Pfr. Rimmel wirbt wie folgt für Pfr. H. Lochners Buch:

„Dieses engagierte Zeugnis öffnet die Augen für den dramatischen Umbruch, den die Kirche in unseren Tagen erlebt. Überzeugend stellt Lochner dar, wie Gott selbst, der die schwere Krise vorausgesehen hat, seit über 100 Jahren eine neue Ausgießung des Hl. Geistes vorbereitet.“

Aufschlußreich ist, daß hier von „seit über 100 Jahren“ die Rede ist, denn Anfang des 20. Jahrhunderts entstand im Protestantismus die schwärmerische Pfingstbewegung.  

Davon distanzierten sich bibelgeprägte, nüchterne Evangelikale (Pietisten, Allianzleute, „Gemeinschaftsleute“ bzw. Gnadauer) in der „Berliner Erklärung“ von 1909. Dort wird der Pfingstlerszene wörtlich ein „Geist von unten“ vorgehalten.

Katholischerseits entstand Ende der 60er Jahre die charismatische „Gemeinde-Erneuerung“, die sich in der äußeren Form zurückhaltender gibt als die protestantische Pfingstlerbewegung,  was aber nur einen graduellen Unterschied ausmacht.

Diesen Enthusiasten ist über Konfessionsgrenzen hinweg eines gemeinsam: sie erwarten  –  siehe auch die Buch-Reklame von Pfr. Rimmel  –  eine weltweite Erweckung, eine kommende „Ausgießung des Heiligen Geistes“, ein „zweites Pfingsten“, mitunter auch „Spätregen“ genannt (das apostolische Pfingsten war demzufolge der „Frühregen“).

Solche Zukunftsvorstellungen sind aber unnüchtern und unbiblisch, denn das Neue Testament lehrt, daß dem Ende der Zeiten alles andere als eine weltweite Erweckung vorausgeht, sondern vielmehr ein allgemeiner Glaubensabfall:

„Wenn ich wiederkomme, werde ich noch Glauben finden auf Erden?“, fragt Christus  selbst (Luk 18,8)

Was den Menschen am Ende der Zeiten vor der Wiederkunft Christi blüht, ist kein christliches „Friedensreich“ bzw ein eben falsches: das des Antichristen nämlich:

Hierzu erklärt Paulus in 2 Thess 2,1 ff:
„Brüder wir schreiben euch über die Ankunft unseres Herrn Jesus Christus! … Laßt euch nicht irreführen und nicht aus der Fassung bringen, wenn in einem prophetischen Wort… oder in einem Brief, der angeblich von uns stammt, behauptet wird, der Tag des Herrn sei schon da… Denn zuerst muß der Abfall kommen und der Widersacher, der Mensch der Gesetzlosigkeit, offenbar werden.   Jesus, der Herr, wird ihn durch den Hauch seines Mundes töten und durch seine Ankunft und Erscheinung vernichten…“

Ähnlich heißt es in 1 Tim 4,1, daß „in den letzten Zeiten einige vom Glauben abfallen und verführerischen Geistern und satanischen Lehren anhängen.“

Abfall vom Glauben setzt aber den Glauben voraus, also geht es hier nicht um die „gottlose“ Welt, sondern um den Abfall innerhalb der Christenheit!

Also von wegen „weltweite Erweckung“ und „Ausgießung des Heiligen Geistes“  – auch diese Charismatiker-Erwartung widerspricht der Heiligen Schrift!

Felizitas Küble, Leiterin des KOMM-MIT-Verlags und des Christoferuswerks in Münster


Bischof Konrad Zdarsa (Bistum Augsburg) räumt in Wigratzbad auf

  1. Kritik an „charismatischen“, schwarmgeistigen Entgleisungen

    PRESSEMELDUNG des Christoferuswerks vom 4. Juni 2011:

    Der Augsburger Oberhirte Konrad Zdarsa will offenbar dafür sorgen, daß fragwürdige Seminare und Praktiken im Wallfahrtsort Wigratzbad im Allgäu nunmehr eingestellt werden. Gewisse charismatische Ausuferungen und schwärmerische Übertreibungen sollen dort ein Ende finden.

  2. Diese Zielsetzung ergibt sich aus Bischof Zdarsas aktuellen Personalentscheidungen.charismatiker_allg_606_pr13_02_ab36d7785e

    Er ist Amtsnachfolger von Bischof Walter Mixa im Bistum Augsburg. Zdarsa wurde in schwerer Zeit  –  am 7. Juni 1944  –  als 7. Kind seiner Eltern in Hainichen (Sachsen) geboren.

    Die kürzliche Amtsenthebung des bisherigen Wigratzbader Pilgerleiters Pfr. Thomas Maria Rimmel (47 J.) hat in frommen Kreisen hohe Wellen geschlagen und teils für Empörung, teils für dankbare Zustimmung gesorgt:

    Charismatische oder stark erscheinungsmarianisch geprägte Katholiken äußern mitunter scharfe Kritik am Bischof (siehe etwa die  –  zum Teil sehr zornigen  –  Leserkommentare im Nachrichtenportal „kath.net“).

  3. Hingegen zeigen sich jene Katholiken erleichtert, deren Glaube sich auf Bibel, Dogma und Lehramt stützt und die für eine bodenständige Frömmigkeit eintreten.In diesem nüchtern-katholischen Spektrum, zu dem man auch die in Wigratzbad ansässige Priesterbruderschaft St. Petrus zählen kann, ist die Zufriedenheit darüber groß, daß der Bischof den 42-jährigen Pfarrer Nikolaus Maier aus Rennertshofen zum neuen Wallfahrtsdirektor bestimmt hat. Dieser Geistliche steht der klassischen Liturgie („alten Messe“) aufgeschlossen gegenüber. Dies dürfte auch ein gedeihliches, konstruktives Nebeneinander zwischen der Gebetsstätte und der traditionsorientierten Petrusbruderschaft begünstigen.

    Der scheidende Wallfahrtsleiter Thomas M. Rimmel hat sich in der jüngsten Ausgabe der Vierteljahres-Zeitschrift „Wigratzbad aktuell“ ausführlich zu den vieldiskutierten Vorgängen geäußert und dabei vor allem die starke Präsenz charismatischer Seminare in Wigratzbad zu rechtfertigen versucht; zugleich grenzte er sich deutlich gegenüber der bischöflichen Kritik ab.

    Diese letzte von Pfr. Rimmel redigierte Ausgabe von „Wigratzbad aktuell“ enthält neben langen Ausführungen sechs Fotos, auf denen er selbst abgebildet ist (inklusive Titelbild); außerdem die von ihm eingeplanten Seminartermine bis Oktober 2011, wobei starke charismatische Tendenzen erneut nicht zu übersehen sind.

    Der Konflikt um Wigratzbad begann bereits im März 2011, als das Augsburger bischöfliche Ordinariat eine Neuauflage des Buches „Sieg der Sühne“ von Alfons Sarrach in einem kirchlichen Verlag untersagte. In diesem Buch mit dem Untertitel „Marias Botschaft an die Menschen“ wird die Entstehungsgeschichte der Gebetsstätte geschildert, freilich mit starker Betonung angeblicher „Zeichen und Wundern“.   –  Näheres hierzu in unserer Pressemeldung:
    http://www.news4press.com/MeldungDetail_583344.html

  4. Die Kritik von Bischof Zdarsa an der bisherigen Wallfahrtsleitung entzündete sich vor allem daran, daß Pfr. Rimmel für den 8. bis 10. April.2011 einen kroatischer Priester als Referent für „Geistliche Erneuerung“ nach Wigratzbad einlud, der dort bereits im Vorjahr ein „charismatisches“ Seminar leitete: Zlatko Sudac.Diesem offenbar schwarmgeistigen, zur Selbstdarstellung neigenden Geistlichen wurde seitens der kroatischen Bischofskonferenz jedes Auftreten als Seminar- oder Exerzitienleiter verboten. Daher untersagte auch Bischof Zdarsa strikt den vor Ostern geplanten Auftritt des Charismatikers in Wigratzbad.Allerdings hielt sich Pilgerleiter Rimmel nicht an dieses bischöfliche Verbot; dies begründete er damit, daß er erst kurzfristig über die ablehnende Haltung der kroatischen Bischofskonferenz informiert worden sei.

    Das Exerzitienprogramm Pfr. Rimmels war allerdings seit Jahren von fragwürdigen „Charismatikern“ geprägt, denen zum Teil die kirchliche Anerkennung fehlt.

    So hatte Pfr. Rimmel auch für das Jahr 2011 zB. mehrfach Sr. Margaritha Valapilla als Seminarleiterin für „Geistliche Erneuerung“ bzw. „Innere Heilung“ vorgesehen. Die in Bad Soden-Salmünster ansässige Nonne leitet das Evangelisationszentrum „Haus Raphael“, dem bereits im Jahre 2004 der Titel „katholisch“ im kirchlichen Amtsblatt entzogen wurde.

  5. Diese deutliche Distanzierung des bischöflichen Ordinariats Fulda geht auf zwei ausführliche theologische Gutachten des Religionsphilosophen und Priesters Prof. Dr. Aloysius Winter zurück.Zu den weiteren umstrittenen Exerzitienmeistern, die in Wigratzbad auftraten, gehört der indische Pater J. Manjackal, bei dessen schwarmgeistigen Seminaren zahlreiche Teilnehmer rückwärts in eine Art Trance fallen, nachdem er sie mit Handauflegung „segnete“.   –   Überdies fordert Manjackal die Teilnehmer seiner „Heilungsseminare“ dazu auf, sich auch gegenseitig zwecks „Geistausgießung“ die Hände aufzulegen, wobei es ebenfalls mitunter zum quasi-ohnmächtigen Rückwärtskippen (siehe Foto) kommt.
    Foto: Pattayablatt

    Foto: Pattayablatt

    Dieses Phänomen wird von charismatischer Seite als „Ruhen im Geist“ gewürdigt, von Kritikern hingegen als irrgeistig angesehen oder. etwas flapsig auch als „Hammersegen“ bezeichnet.

  6. Zurück zum trance-artigen Rückwärtsfallen nach „charismatischer“ Handauflegung: In der protestantischen Pfingstbewegung ist diese umstrittene Manifestation seit über 100 Jahren bekannt und wird dort in jüngerer Zeit auch als „Torontosegen“ bezeichnet.  Seit ca. 20 Jahren kommt dieses Phänomen auch in schwarmgeistigen katholischen Kreisen häufiger vor, nicht allein in Wigratzbader „Heilungsseminaren“, sondern z.B. auch in dem von Sr. Margaritha Valapilla geleiteten „Haus Raphael“,  im charismatischen „Evangelisationszentrum“ Maihingen sowie im weltbekannten „Erscheinungsort“ Medjugorje.
  7. Dieser Vorgang, der im englischsprachigen Raum als „Slain in the Spirit“ (Erschlagenwerden im Geist) bezeichnet wird, ist in der Bibel nirgends als Gabe des Heiligen Geistes erwähnt. Rückwärtsfallen kennt die Hl. Schrift nur in negativen Zusammenhängen (zB. Joh 18, 6 – Jes 28,13 – 1 Sam 4,18).  Auch die 2000-jährige Kirchengeschichte weiß von keinem einzigen Beispiel, wonach es bei einer sakramentalen Eingießung des Heiligen Geistes oder seiner Gaben (etwa bei Taufe, Firmung, Priesterweihe) zu einem trance-ähnlichen „Ruhen im Geist“ gekommen wäre, wobei Menschen wie bewußtlos zu Boden fallen. Daher lehnen es viele Katholiken ab, diesen „Hammersegen“ als eine Wirkung des Heiligen Geistes anzusehen, zumal Gottes Geist den menschlichen Verstand nicht ausschaltet, sondern anregt. Der Verstand gehört ausdrücklich zu den „Sieben Gaben des Heiligen Geistes“, die durch das Sakrament der Firmung gespendet werden.
  8. Sogar Kardinal Leo Suenens  –  er stand der Charismatischen Bewegung bekanntlich sehr nahe  –  äußerte sich skeptisch über das „Ruhen im Geist“ und bezeichnete es als „parapsychologisch“.  –  Prälat Georg Gänswein, der heutige Papstsekretär, berief sich in einer Stellungnahme auf diese Kritik des belgischen Kardinals: Das Themenheft „Wunderheilung und Ruhen im Geist“ von Frau A. Mertensacker zitiert auf S. 71 aus einem Schreiben von Prälat Gänswein aus dem Jahr 2004. Damals reagierte Dr. Gänswein auf eine Anfrage nach dem „Ruhen im Geist“ und ähnlichen charismatischen Phänomenen. Er schrieb im Auftrag des damaligen Kardinal Joseph Ratzingers Folgendes:„Die von Ihnen beschriebenen Praktiken gewisser charismatischer Kreise sind in der Tat problematisch. Sie zeigen. wie richtig und wichtig die Warnungen von Kardinal Suenens waren, der übrigens vom Papst als Ratgeber der charismatischen Gruppen bestellt war und dessen Stimme deshalb auch amtlichen Charakter hat.“Befürworter dieser Phänomene weisen jedoch darauf hin, daß jene, die „im Geist ruhen“, starke religiöse Empfindungen bzw. tiefe Gefühle des Glücks erleben.

    Dem halten Kritiker entgegen, daß Religion keine bloße Wohlfühl-Sache sein kann, daß Glaube weitaus mehr als „Wellness“ bereithält, daß er vor allem alltagstauglich sein muß, indem er zur Nachfolge Christi und zur Einhaltung der göttlichen Gebote verhilft.

    In einem amtlichen „Brief an die Bischöfe“ zum Thema „christliche Meditation“ vom 15.10.1989 warnte der Chef der Glaubenskongregation (unser heutiger Papst) davor, „wohlige religiöse Gefühle“ als geistgewirkt zu verherrlichen. Der damalige Kardinal Ratzinger schrieb hierzu:

    „Einige physische Übungen erzeugen automatisch das Gefühl der Ruhe und Entspannung, Gefühle der Befriedigung, vielleicht sogar Empfindungen von Licht und Wärme, die einem geistlichen Wohlbefinden gleichen.

    Sie aber als echte Tröstungen des Heiligen Geistes anzusehen, wäre eine gänzlich falsche Art, sich den geistlichen Weg vorzustellen. Würde man ihnen eine für die mystische Erfahrung typische symbolische Bedeutung zuschreiben, ohne daß die sittliche Haltung der Betreffenden dem entspricht, so hätten wir eine Art geistlicher Schizophrenie vor uns, die sogar zu psychischen Störungen und zuweilen zu moralischen Verirrungen führen kann.“

    Damit hat Kardinal Joseph Ratzinger für klare theologische Information und Orientierung auch in diesen umstrittenen Fragestellungen gesorgt.

    Im übrigen hat die Kirche auch in früheren Zeiten vor schwarmgeistigen und gnostisch-irrgeistigen Sonderpraktiken gewarnt, etwa in der Ablehnung der Schwärmersekte der Montanisten (2. Jahrh.) oder der neugnostischen Katharer im Hochmittelalter. Auch bei den leibfeindlichen Katharern, die ein Verbot der Ehe einführten, wurde eine charismatische „Geist-Taufe“ mit Handauflegung vollzogen, das sog. Consolamentum, das den Eintritt in die Gemeinschaft der Katharer markierte und zu ekstatischen „Geisterfahrungen“ führte. Auch damals wurden die „nüchternen“ Sakramente der Kirche durch erlebnisbetonte Praktiken ersetzt, die jene Sektierer dem Heiligen Geist zuschrieben.

    Beim „Hammersegen“ handelt es sich also um einen Vorgang, den die katholische Kirche seit Jahrtausenden nicht kennt, der hingegen aus dem Bereich der Sekten oder heidnischer Religionen wohlbekannt ist. Dieses Phänomen gab es z.B. in schwärmerischen Sekten des Mittelalters (Bogomilen, Flagellanten, Brüder vom freien Geist), in protestantischen Randgruppen (Quäker, Täufer, Zwickauer Propheten, Spiritualisten) und seit Anfang des 20. Jahrhunderts in der evangelischen Pfingstbewegung.

    Der „Hammersegen“ existiert unter dem Namen „Shakti Pat“ auch im Hinduismus (er geschieht meist bei der Handauflegung eines „erleuchteten“ Yogis). Zudem ist das Phänomen aus dem magisch-ekstatischen Voodookult bekannt – gewiß sehr weit entfernt vom Heiligen Geist und seinen Gaben.

    Felizitas Küble, Vorsitzende des Christoferuswerks eV in Münster

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