Wie eine Charismatikerin die „Geisttaufe“ bei Alan Ames und „Totus tuus“ erlebte

Von Felizitas Küble

Seit gut dreißig Jahren schreibe ich kritisch über das sogenannte „Ruhen im Geist“; es handelt sich hierbei um eine Sonder-Erfahrung bzw. angebliche „Geisttaufe“ aus der protestantisch-pfingtlerischen Bewegung, die seit sich 1968 auch in der katholischen „Charismatischen Erneuerung“ ausbreitet.

Diese Entwicklung wurde seit 1981 verstärkt durch die umstrittene „Erscheinungsstätte“ Medjugorje und indische Heilungsprediger, die in Deutschland landauf-landab ihre Exerzitien durchführen.

Fotos (1,3): Pattayablatt

Auf der Webseite „Gott lebt“ finden sich einige persönlicher Zeugnisse aus der Charismatik, darunter auch diese folgende Geschichte über eine „Geisttaufe“: http://gott-lebt.de/eine-geisttaufe/
Die Autorin hat zweimal den  – wie ich ihn nenne  –  „Hammersegen“ erlebt, also das Rückwärtsfallen in Trance – und zwar erst bei dem australischen „Seher“ Alan Ames und später bei der Medjugorje-Gruppe Totus tuus.
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BILD: Bei einem „Heilungsgottesdienst“ sind Frauen und Männer per Hammersegen nach rückwärts gefallen
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In charismatischen Kreisen wird gerne behauptet, dieser Vorgang habe überhaupt nichts mit „Bewußtlosigkeit“ zu tun, die Betreffenden „Geisterfüllten“ seien vielmehr im Geiste hellwach, lediglich ihr Körper sei rücklings auf den Boden gekippt.
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Nun habe ich allerdings seit Jahrzehnten zahlreiche Gespräche mit Menschen geführt, die mit diesen Phänomen selber konfrontiert wurden. Noch gestern rief eine Betroffene bei mir an, die vor einigen Jahren bei dem Heilungsprediger Alan Ames nach dessen „Segnung“ nach hinten fiel und „im Geiste ruhte“. Doch war ihr Geist im Sinne des Verstandes wie vernebelt, denn sie fühlte sich nach dieser Erfahrung „wie berauscht“.
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Zunächst ging es ihr tagelang großartig nach diesem „Hammersegen“, sie fühlte sich wie auf einer Wolke und schien emotional zu „schweben“ – doch dann kam die Ernüchterung, sie fiel in ein seelisches Loch, psychosomatische Beschwerden und Depressionen stellten sich ein, die bis heute anhalten – und dies nach vielen Jahren. Heute warnt sie ihren Bekanntenkreis vor allem Schwarmgeistigen, schließlich mußte sie teures Lehrgeld bezahlen.
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Leider ist diese Frau nicht das einzige Opfer des „Hammersegens“; diese melden sich bei mir schon seit Jahrzehnten. Ein Bekannter fühlte sich nach diesem Ereignis allerdings nicht im „7. Himmel“, sondern wurde von dauerhaften Panikattacken geplagt.
(Weitere Infos über das Wirken von Alan Ames hier: https://charismatismus.wordpress.com/category/visionen-und-charismatik-kritik/alan-ames-die-charismatische-bewegung/)
Vor einer Woche erhielt ich ebenfalls einen Anruf einer Familienmutter, die ähnliche  – noch schlimmere – Erfahrungen aus der protestantisch-pfingstlerischen Szene mitteilte; gottlob hat sie danach den „Ausstieg“ geschafft.
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BILD: Der Charismatiker Alan Ames verteidigt das „Ruhen im Geist“ in seiner Publikation
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„Als Alan Ames mir die Hand auflegte, verlor ich augenblicklich die Besinnung. Es war wie bei einer Vollnarkose, von einer Sekunde auf die andere war ich völlig weg; ich kam erst einige Minuten später wieder zu mir, als ich auf dem Boden lag.
Meine Tochter sagte mir später, dass es etwa 8 bis 10 Minuten gedauert hat. Sie sagte: Mama,du hast vielleicht gestrahlt! Und deine Augen waren weit aufgerissen.

In diesen Minuten hatte ich ein mystisches Erlebnis.

Ich kann wirklich sagen: GOTT EXISTIERT – ICH BIN IHM BEGEGNET!

 Zuerst dachte ich, so ist es, wenn man stirbt; denn ich hatte anfangs nicht mehr das Gefühl in meinem Körper zu sein – der Körper war total bewegungslos, die Beine wie gelähmt.

Dann erfüllte mich die GEGENWART GOTTES TOTAL; ich fühlte SEINE UNBEGREIFLICHE LIEBE, eine nie erlebte GLÜCKSELIGKEIT und FREUDE durchströmte mich.

Ich spürte die GEGENWART GOTTES in meinem Herzen; mein Herz klopfte so stark, dass ich dachte, es springt mir aus der Brust. Dann ging ein warmer STROM durch meinen ganzen Körper: vom Herz in die Arme und in die Hände bis in die Fingerspitzen – die Hände brannten und kribbelten; dann durch den ganzen Körper bis in die Beine, in die Füße bis in die Fußzehen.

Auch die Füße kribbelten und brannten. Es waren Minuten TOTALER GLÜCKSELIGKEIT – HALLELUJA !!!

Zunächst lachte ich vor Freude und Glück – dann aber musste ich weinen angesichts meiner eigenen Armseligkeit. Wie konnte es geschehen, dass GOTT einem armseligen Menschen so direkt begegnen konnte?

Erst nach einigen Minuten kam ich wieder richtig zu Bewusstsein. Man musste mir aufhelfen und mich an den Platz zurückführen. Es war mir, als käme ich aus einer anderen Welt.“

Leider hat diese Betroffene den Unterschied zwischen einem religiösen Gefühlsrausch (den auch jemand bei einem Drogen-Trip erleben kann – oder etwa im Spiritismus oder Schamanismus) verwechselt mit einer wirklichen Gotteserfahrung.

Der allmächtige Gott ist nicht „von Sinnen“, der Heilige Geist wirkt nicht gegen den Verstand und ER lähmt nicht unser Bewußtsein. Wir sollen Gott – wie die Bibel ermahnt – im „Geist und in der Wahrheit“ anbeten, nicht in Trance bzw. einer emotionalen Sinnlichkeit und Berauschtheit.

Die Dame gelangte sodann zu einem Treffen der Medjugorje-Bewegung „Totus tuus“. (Näheres über diese Gemeinschaft hier: https://charismatismus.wordpress.com/2019/05/29/spiritueller-missbrauch-in-der-charismatischen-jugend-gemeinschaft-totus-tuus/)

Nun schildert sie ihr weiteres charismatisches Erleben:

„So war ich mit einer Wallfahrtsgruppe in einem Gebetszentrum. Es war dort zufällig ein indischer Priester, Pater Josef. Er war mit der Jugendgruppe „TOTUS TUUS“ dort und es fand ein Lobpreisgottesdienst statt…

Als ich dann am Schluss zum Einzelsegen ging, passierte das Gleiche wie bei Alan Ames: ich sank wieder nieder, erlebte wieder diese Glückseligkeit und Freude, dieses Strömen durch den ganzen Körper. Inzwischen weiß ich, dass man dies „Ruhen im HL. Geist“ nennt und dass es eine Erfahrung des Heiligen Geistes ist.“

Nachdem die Autorin zweimal den Hammersegen erlebte, ging es entsprechend weiter auf der charismatischen Erfahrungs-Treppe:

„Eines Tages – im September 2003  –  betete ich um die „Gabe des Lobpreises“ ; ohne zu wissen, was das eigentlich ist. Da geschah es, dass plötzlich aus meinem Mund fremdartige, mir unverständliche Laute flossen.

Es entwickelte sich daraus ein Art Sprechgesang, ähnlich wie ein Psalm. Obwohl ich keine Silbe davon verstand, erbaute sich meine Seele sehr daran. Es war etwas Wunderbares geschehen: ich hatte die Gabe des Sprachengebetes erhalten.“

Die Seele „erbaut“ sich wohlgemerkt „sehr“ an etwas, das die Frau „mit keiner Silbe“ versteht, Hauptsache, es ist „etwas Wunderbares geschehen“.

Zudem ist die Verfasserin offenbar nicht darüber informiert, daß Paulus ausdrücklich schreibt, die Zungenrede diene nicht nur der persönlichen Erbauung, weshalb sie durch jemanden in der Gemeinde ausgelegt werden solle.

Daher wolle er in der christlichen Gemeinschaft „lieber fünf Worte mit meinem Verstand reden – damit ich auch andere unterweise – als zehntausend Worte in Zungen“ (1 Kor 14,19).

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.


Spiritueller Missbrauch in der charismatischen Jugend-Gemeinschaft „Totus Tuus“?

Von Felizitas Küble

Unter dem Titel „Geistlicher Missbrauch bei Totus Tuus?“ berichtet die neue Juni-Ausgabe der „Herder-Korrespondenz“ aus Freiburg über Beschwerden von Aussteigern wegen sektenähnlicher Strukturen und religiösem Fanatismus bei dieser Bewegung. Auch das „Neue Ruhr-Wort“ berichtet aktuell darüber.

Die Jugend-Initiative „Totus Tuus“ gehört zu den sog. „Neuen geistlichen Gemeinschaften“, ist eng mit Medjugorje verbunden und versteht sich als „charismatisch“ und „marianisch“. Man fühlt sich dabei besonders der „Neu-Evangelisierung“ verpflichtet.

Solidarisch ist diese Gruppierung auch mit dem charismatisch-ökumenischen „Gebetshaus Augsburg“ und dem von dort initiierten „Mission Manifest“.

BILD: Medjugorje ist das Ziel der meisten Totus-tuus-Wallfahrten

Die Gemeinschaft von Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die 1997 entstand, veranstaltet seit Jahrzehnten Pilgerfahrten zum Erscheinungsort Medjugorje in Bosnien-Herzegowina.

Da die dortigen Phänomene kirchlich nicht anerkannt sind, tröstet man sich gerne mit dem Hinweis bzw. der Ausflucht, die Anerkennung der Marienerscheinungen sei gleichsam durch das „Gottesvolk“ vonstatten gegangen – wie eine Art Abstimmung mit den Füßen. Damit wird das kirchliche Hirtenamt in diesem Punkt letztlich durch die eigene Anhängerschar verdrängt.

Wir haben uns bereits zur Entstehungszeit unseres CHRISTLICHEN FORUM im Sommer 2011 skeptisch mit „Totus tuus“ befaßt: https://charismatismus.wordpress.com/2011/06/21/%e2%80%9etotus-tuus%e2%80%9c-feiert-medju-jubilaum-in-heroldsbach/

Zuvor hatte ich ausführliche Telefonate und Gespräche mit Totus-Mitgliedern geführt und (vergeblich) versucht, sie von ihrer Erscheinungsfixiertheit abzubringen und Schwärmer-Phänomene wie das sog. „Ruhen im Geist“ (charismat. „Hammersegen“, Rückwärtskippen in Trance) kritisch zu durchleuchten. (Näheres dazu hier: https://charismatismus.wordpress.com/2019/05/30/wie-eine-charismatikerin-die-geisttaufe-bei-alan-ames-und-totus-tuus-erlebte/)  

Laut Herder-Korrespondenz werfen ehemalige Mitglieder dieser Gemeinschaft nunmehr vor, bereits als Jugendliche von ihren Familien isoliert und seelisch-spirituell unter Druck gesetzt worden zu sein. Auch von „blindem Gehorsam“ und religiösem Leistungsdruck ist die Rede.

BILD: Der Paulus-Dom von Münster, in dem die Gruppe „Totus Tuus“ jahrelang ihre Gebetsabende im Beisein des Bischofs gestaltete.

„Totus Tuus“ (das lateinische Wort heißt übersetzt „Ganz Dein“ und bezieht sich auf Maria) ist auch in der Diözese Münster aktiv und kirchlich anerkannt.

Die Gemeinschaft schreibt dazu auf ihrer Webseite: „Aus einer lockeren Gruppe ist ganz langsam eine verbindliche Gemeinschaft gewachsen, die an Ostern 2004 als eine private Vereinigung von Gläubigen diözesanen Rechts durch den damaligen Bischof von Münster, Reinhard Lettmann, kirchlich anerkannt wurde.“

Die Gruppe durfte z.B. allgemeine Gebetsabende und Jugend-Andachten im Paulus-Dom mitgestalten, an denen der Bischof mehrfach persönlich teilnahm. Als Geistlicher Beirat fungierte Weihbischof Christoph Hegge, der früher allgemein für die „neuen geistlichen Gemeinschaften“ zuständig war.

Seit einiger Zeit läuft nun aufgrund der Vorwürfe ehemaliger Mitglieder eine amtliche kirchliche Visitation der Gruppe im hiesigen Bistum, die nächstes Jahr abgeschlossen sein soll. (Näheres hier: https://www.kirche-und-leben.de/artikel/aussteiger-werfen-gruppe-totus-tuus-geistlichen-missbrauch-vor/)

HINWEIS: Wir warnen seit Jahrzehnten vor dem pastoralen (seelsorglich-geistlichen) Missbrauch durch schwärmerisch-fanatische Gemeinschaften.  – Hier finden Sie weitere 27 Artikel (Erlebnisberichte, Analysen, Rezensionen) zu genau dieser Thematik: https://charismatismus.wordpress.com/category/geistlicher-pastoraler-missbrauch/


Gemeinschaft „Totus tuus“ feiert Medjugorje-Jubiläum in Heroldsbach

Von Felizitas Küble

Der charismatisch-katholische Jugendverband „Totus Tuus“ (= „Ganz Dein“) feiert vom 25. bis 26. Juni 2011 das 30-jährige Jubiläum der „Marienerscheinungen“ von Medjugorje  – und auch diesmal findet die Veranstaltung in Heroldsbach statt   – und dies nun bereits zum 6. Mal.

Warum gerade dieser Tagungsort? 

Bekanntlich wurden die „Erscheinungen“ von Heroldsbach Anfang der 50er Jahre kirchlich strikt abgelehnt, nicht allein durch den Bamberger Ortsbischof, sondern ausdrücklich auch durch den Vatikan (Hl. Offizium/Glaubenskongregation) und sogar durch Papst Pius XII. persönlich, der gewiß ein betont marianischer Papst war, aber eben deshalb keinen Mißbrauch der Marienverehrung durch falsche Erscheinungen wünschte.

Die schwarmgeistige Gruppierung „Totus Tuus“ schreibt auf ihrer Webseite (www.totus-tuus.de):  „Gemeinsam wollen wir der Muttergottes für mittlerweile 30 Jahre Erscheinungen in Medjugorje danken und sie bitten, uns den Erlösungsplan Gottes immer mehr begreifen zu lassen.“

Der „Erlösungsplan Gottes“ bedarf aber bestimmt keiner 40.000 „Erscheinungen“ zu seiner Enthüllung, zumal es sich durchaus um keinen Geheimplan handelt:  vielmehr liegt das Erlösungswerk Gottes in Christus offen zutage: wir lesen davon in der Heiligen Schrift, hören darüber in der kirchlichen Verkündigung und erfahren die Früchte des göttlichen Heilswerk in den heiligen Sakramenten. 

Ob „Totus tuus“ dies je begreifen wird? Worauf gründet diese Gemeinschaft eigentlich ihren Glauben? Auf Erscheinungen wie Heroldsbach und Medjugorje? Auf schwärmerische religiöse Gefühlserlebnisse, die als „Gotteserfahrungen“ hochgejubelt werden? Auf außergewöhnliche „Geistesgaben“? Auf hypnotische Phänomene wie das „Ruhen im Geist“ (trance-artiges Rückwärtskippen), rockige Lobpreismusik und enthusiastisches Zungenreden?

Wie dieser Erfahrungsbericht zeigt, werden solche Sonder-Erlebnisse bisweilen regelrecht herbeigeredet und suggeriert: http://www.catholicism-wow.de/pivot/entry.php?id=196

Nein, unser Glaube beruht nicht auf subjektiven Erlebnissen, sondern vielmehr auf den zwei fundamentalen Säulen: Heilige Schrift und kirchliche Lehre, auf Bibel und apostolischer Tradition.