Johanna von Westphalen: Die Gräfin als Leitfigur der deutschen Lebensrechtler

Mathias von GersdorffPodium5

Manche aus der „jüngeren Generation“ der Lebensrechtler wissen gar nicht genau, in welchen Organisationen oder Vereinen die kürzlich verstorbene Johanna Gräfin von Westphalen überhaupt gewirkt hat. Sie entwickelte sich zu einer Leitfigur des deutschen Lebensrechts in einer Weise, dass viele in ihr eine Art Ehrenvorsitzende des gesamten Milieus sahen.

Dass sie dies auch tatsächlich wurde, lag vor allem an ihrer Art. Wenn sie sich in der Menge bewegte, war sie so etwas wie eine Meisterin des Understatements. Mit ihrem diskreten und zurückhaltenden Charme strahlte sie eine Aura respektvoller, nobler Würde aus, der man persönliche Interessen beim Kampf um das Lebensrecht der Ungeborenen gar nicht zutrauen mochte.

Dieser Stil stand im Kontrast zur persönlichen Begegnung mit ihr, die oft etwas Nachwirkendes hatte. Stets vermittelte sie dem Gesprächspartner, dass er ihr wichtig war und sie ihn ernst nahm. Man fühlte sich immer bei ihr aufgehoben. Diese Kommunikation von Mensch zu Mensch stellte sie her, ohne dabei je ihre aristokratische Art preiszugeben.

“Die Gräfin” – wie passend war diese Bezeichnung!

Johanna Gräfin von Westphalen war für die Lebensrechtler schlicht „die Gräfin“. Diese Bezeichnung kam den Menschen immer mit Zuneigung und Respekt über die Lippen.

“Die Gräfin”  –  eine erstaunliche Bezeichnung respektvoller Ergebenheit in unserer egalitaristischen Zeit!portrait_westphalen-r

Doch wie passend war diese Bezeichnung. Selbst als sie schon auf einen Gehstock angewiesen war, bewegte sie sich, als ob sie schwebte. Wenn sie sprach, waren es die angedeuteten Gesichtsausdrücke, die ihrer Kommunikation Kraft verliehen.

Sie liebte es, knappe Bemerkungen zu machen, deren Wertung man dem leichten Lächeln entnahm. Wenn sie zornig wurde – etwa in einem Gespräch über die Abtreibungspraxis in Deutschland – wurde sie nie ausfallend:

Hier folgte der kurzen Bemerkung ein Blick in die Ferne, in welchem sich das Bewusstsein über die vorherrschende Bosheit in den Pupillen konzentrierte. Der Blick ihres Großonkels, des Löwen von Münster, Kardinal von Galen, schien in diesen Momenten hervorzustechen.

Die Gräfin hatte immer ein offenes Herz für Lebensrechtler

Nach der Nachricht ihres Todes beschlich einen neben der Trauer ein anderes Gefühl: verwaist zu sein! Ja, man spürte eine Art Verlassenheit!

Insbesondere für die Aktiven unter den Lebensrechtlern hatte die Gräfin immer ein offenes Herz, egal, welche persönliche Meinung sie zu der einen oder anderen Aussage oder Handlung hatte. Sie vereinte alle, wodurch beim Aussprechen des Wortes „Gräfin“ auch ein gewisses Gefühl der Geborgenheit mitschwang, wie sie von einer Mutter vermittelt wird.

Den Tod der „Gräfin“ werden die Lebensrechtler noch lange als schmerzlichen Verlust empfinden. In all den Kämpfen der letzten Jahrzehnte war sie aktiv dabei. Zunächst als erste Vorsitzende des „Sozialdienstes katholischer Frauen“ (SkF), ab 1985 als Gründerin und Vorsitzende der „Christdemokraten für das Leben“ (CDL) und ab 1988 als Gründerin und Vorsitzende der Stiftung „Ja zum Leben“.

Regelmäßig besuchte sie Kongresse und Tagungen, hielt Vorträge, reiste auch oft ins Ausland, wodurch sie auf internationaler Ebene zum Gesicht der deutschen Lebensrechtsbewegung wurde.

Möge der barmherzige Gott Johanna Gräfin von Westphalen für ihr Werk reichlich belohnen!

Unser Autor Mathias von Gersdorff ist katholischer Publizist aus Frankfurt; er leitet die Aktion “Kinder in Gefahr” und die Webseite “Kultur und Medien online”


BVL: Die Gräfin von Westphalen bleibt “ein Segen für das Leben”

Der Bundesverband Lebensrecht (BVL) trauert um Johanna Gräfin von Westphalen, die vor wenigen Tagen plötzlich und unerwartet im Alter von 79 Jahren verstorben ist.

BVL-Vorsitzender Martin Lohmann (siehe Foto), den eine Freundschaft mit der Verstorbenen verband, erinnert an eine „außergewöhnliche, edle und edelmutige Lohmann5Persönlichkeit, die mit bewundernswerter Klarheit und faszinierendem Charme für das Lebensrecht eines jeden Menschen kämpfte und zu einer motivierenden Instanz im Lebensrecht geworden ist“.

Lohmann erklärt weiter: „Johanna Gräfin von Westphalen hatte die Gabe, eine geradezu jugendliche Dynamik mit der Weisheit eines klugen und erfahrenen Menschen zu verkörpern. Dabei ging es ihr immer ausschließlich um die Sache selbst, den unbedingten Einsatz für das Leben, wofür sie sich selbst stets zurücknahm und eine durch und durch Dienende blieb.

In jeder Begegnung mir ihr konnte man den tiefen und vertrauensstarken reifen Glauben an den barmherzigen Vater und Gott spüren, der sie geradezu durchprägte und ihr ein kraftvolles Durchhaltevermögen verlieh, das trotz aller Besorgnis angesichts lebensfeindlicher und lebensbedrohlicher Entwicklungen in unserer Gesellschaft von einer ganz starken und nachhaltigen Hoffnung durchzogen war.“

Jede Begegnung mit der Gräfin sei ein „ermutigender Gewinn“ gewesen. Stärker als jede „wirklich vorhandene Trauer über ihren Heimgang“ sei die „Dankbarkeit gegenüber einer ganz großen Frau“, sagt der BVLVorsitzende.

Johanna Gräfin von Westphalen hat der BVL sehr zu danken für eine großzügige und langjährige Unterstützung als Vorsitzende der Stiftung Ja zum Leben: „Sie war ein Segen für alle, die sich für das Leben einsetzen und entscheiden. Sie wird ein Segen für das Leben bleiben.“

Man wisse sich „in tiefer Freude verpflichtet, ihre so eindeutige und lebensfrohe Botschaft als Auftrag weiterzutragen“. Mit ihrem „bewegenden Zeugnis für das Leben“ bleibe sie auch dem BVL eine „aufbauende Verpflichtung“.


Tiefe Trauer um CDL-Gründerin Johanna Gräfin von Westphalen

Pressemitteilung der CDL (Christdemokraten für das Leben):

In tiefer Trauer und großer Betroffenheit geben wir Nachricht vom Tod unserer Gründungs- und Ehrenvorsitzenden Johanna Gräfin von Westphalen, geb. Gräfin von Galen. Sie wurde am 24.9.1936 in Haus Assen/Lippborg geboren und verstarb unerwartet am 21.1.2016 in Garmisch.    portrait_westphalen-r

Wir trauern um eine außergewöhnliche und bewundernswürdige Persönlichkeit, die in Politik, Gesellschaft und Kirche über viele Jahrzehnte für das uneingeschränkte Recht auf Leben gekämpft hat. Mit ganzer Kraft, Mut und selbstloser Überzeugung setzte sich die Gräfin (siehe Foto) bis zuletzt an vorderster Stelle für das Lebensrecht Ungeborener und für ihren katholischen Glauben ein.
 
Ihr aufopferungsvolles Zeugnis für den Schutz jedes menschlichen Lebens von der Empfängnis bis zum Lebensende hat uns und vielen Menschen in Deutschland stets Orientierung und Ermutigung gegeben. Sie ist damit zu einem großen, prägenden Vorbild geworden und zum Maßstab für unerschrockenes und nachhaltiges Eintreten für christliche Glaubensüberzeugungen.
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Die Gründung, der Aufbau und die Entwicklung der Christdemokraten für das Leben (CDL) wären ohne ihr kompetentes und einsatzfrohes Wirken nicht denkbar gewesen. Sie hat es entscheidend ermöglicht, daß die CDL eine strukturierte und handlungsfähige Organisation entwickeln konnte.
Johanna Gräfin von Westphalen wurde 1985 zur ersten Vorsitzenden der von ihr mitgegründeten CDL gewählt. 17 Jahre lang hat sie diese Verantwortung unermüdlich durch viele Kontroversen bis 2002 getragen und dabei, neben hohem Respekt und Anerkennung, auch viel Kritik, Unverständnis und vehemente Ablehnung in Politik, Kirche und Gesellschaft ertragen.
 
Großzügig bot die Familie von Westphalen der CDL-Geschäftsstelle für die Gründungsphase Unterstützung durch Bereitstellung der Büros in einem Vorgebäude des Schlosses Haus Laer an. Erst im April 2005, also nach 20 Jahren, befreite die CDL die Familie  von Westphalen von ihrer “vorübergehenden” Aufbauhilfe und zog nach Münster/Nordwalde.
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Unser Geschäftsführer, die Praktikanten oder die zeitweiligen ehrenamtlichen Helfer bzw. Besucher der Geschäftsstelle wurden von der Gräfin stets herzlich aufgenommen und nicht selten auch beköstigt und beherbergt. Die offene, natürliche, warmherzige und zugleich humorvolle Art der CDL-Gründerin trug vielfach dazu bei, daß das Netzwerk der Beziehungen für den Lebensschutz immer weiter geknüpft werden konnte und stets auch öffentliche Wahrnehmung fand.
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Durch die Gründung von CDL-Landes-, Bezirks- und Kreisverbänden wuchs die Mitgliederzahl schnell an. In unzähligen Vorträgen, Presseartikeln und Gesprächen vor Ort oder mit hochrangigen Politikern und Kirchenvertretern prangerte Gräfin von Westphalen die Tötung ungeborener Kinder als gefährlichen Irrweg an.
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Sie bezeichnete die Abtreibung als schwere Verletzung der Menschenwürde und warnte schon vor Jahrzehnten vor den weitreichenden Folgen für Familie und Gesellschaft. Im Laufe der Jahre wuchs die Themenpalette der CDL enorm an, von der PID- bis hin zur Sterbehilfedebatte. Auch hier war sie stets von großer Konsequenz und Klarheit geprägt und trat gegen trügerische Kompromisse auf.
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Gräfin von Westphalen engagierte sich in der CDU und gehörte eine gewisse Zeit dem Landesvorstand von Nordrhein-Westfalen an. Lange Jahre war die Mutter von sechs Kindern zudem erste Vorsitzende im Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) in Meschede.
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Trotz größter Schwierigkeiten mit der Bundesleitung des SkFs wurden unter ihrem Vorsitz  in der Schwangerschaftskonfliktberatungsstelle in Meschede keine Beratungsscheine ausgestellt. Um straffrei bis zum Ende der 12. Lebenswoche abtreiben zu können, muß eine Frau nur diesen Schein vorlegen. Die Gräfin wußte, daß sie diesen Schein nicht aushändigen lassen durfte, weil sich die jeweilige Beraterin andernfalls  an der Tötung des ungeborenen Kindes mitschuldig machen würde.  iStock_000014086034XSmall
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So ist es auch nicht verwunderlich, daß die CDL sich sehr intensiv an der damalige  Kontroverse um die Ausstellung des Beratungsscheins in katholischen Schwangerschaftskonfliktberatungsstellen beteiligte und diesen Schein bis heute ablehnt.
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Gräfin von Westphalen gründete 1988 gemeinsam mit ihrem Sohn Friedrich Wilhelm die Stiftung “Ja zum Leben”, deren Vorsitz sie ebenfalls übernahm. Zahlreiche Projekte konnte die Stiftung und die CDL in der Folge durch Gräfin von Westphalen gemeinsam auf den Weg bringen, so beispielsweise die Aktion gegen Spätabtreibungen unter dem Motto “Tim lebt“.
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Über vier Jahrzehnte lang war Gräfin von Westphalen aktiv in Kirche und Politik, war Mitglied der Landesrundfunkkommission (LfR) NRW und engagierte sich u.a. bei der Katholischen Elternschaft Deutschlands, der KPE (Katholische Pfadfinderschaft Europas) und als Mitglied des Generalrates von „Kirche in Not“. Sie war Gründungsmitglied im Kuratorium des Forums Deutscher Katholiken und seit 2008 Schirmherrin des Kongresses Freude am Glauben.
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Im Jahr 2002 erhielt sie auf Anregung des damaligen Glaubenspräfekten Joseph Ratzinger eine der höchsten Auszeichnungen des Papstes: das Großkreuz des Heiligen-Gregorius-Ordens. Auch die Bundesrepublik Deutschland erkannte ihre außerordentlichen Verdienste und verlieh der Gräfin das Bundesverdienstkreuz.
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Wir fühlen uns ihr in größter Dankbarkeit bleibend verbunden und werden ihren Einsatz für das uneingeschränkte Menschenrecht auf Leben und die Arbeit der Christdemokraten für das Leben ganz in ihrem Sinne fortführen.
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Im Namen des Bundesvorstandes der
Christdemokraten für das Leben (CDL)
Mechthild Löhr, Vorsitzende

 


Wir trauern um einen Freund und Mitstreiter: Prof. Dr. Walter Hoeres

Von Felizitas Küble

Schon seit Anfang der 80er Jahre  kennen und schätzen wir den katholischen Philosophen Dr. Walter Hoeres aus Frankfurt am Main. Der Professor hielt damals Vorträge zu philosophisch-theologischen Grundsatzfragen für Jugendliche und junge Erwachsene, die von dem Schweizer Bankier und Autor Adolf Povel organisiert wurden. 2

Bereits damals bewunderte ich das Talent dieses charakterlich vornehmen und humorvollen Gelehrten, anspruchsvolle Inhalte auch dem “Laien”, ja sogar einem jugendlichen Publikum verständlich und anschaulich zu vermitteln. Er kannte grundsätzlich keine “dummen” Fragen, sondern reagierte auf alle Einwände und Rückfragen freundlich und manchmal etwas verschmitzt.

Professor Hoeres, der sich auch im Rundfunk zu philosophischen Themen äußerte, ist am gestrigen Donnerstag, den 14. Januar 2016, im hohen Alter von 87 Jahren plötzlich und unerwartet verstorben.

Als der Gründer unseres KOMM-MIT-Verlages und des Christoferuswerks, Günter Stiff, mit 86 Jahren von Gott in die Ewigkeit heimgerufen wurde, kam von Prof. Hoeres ein besonders positiver und bewegender Kondolenzbrief: er schrieb derart begeistert über unseren Verlagsleiter, daß er sogar die kirchliche Seligsprechung für ihn erhoffte. 

Bekannt und geschätzt war der an der Hochscholastik bzw. an Thomas von Aquin orientierte Philosoph auch durch seine regelmäßigen Beiträge und Glossen in der Zeitschrift “Theologisches”, die sich bisweilen kritisch mit innerkirchlichen Zerfallserscheinungen befaßten. Er gehörte zugleich der Fördergemeinschaft an, welche das “Theologische” herausbringt.

Schon 1969 hatte der tiefgläubige Familienvater u.a. mit Pfarrer Hans Milch die “Bewegung für Papst und Kirche” gegründet, die sich vor allem gegen den Progressismus in der Theologie wandte und die zeitlosen Fundamente des kath. Glaubens betonte. Aus dieser Initiative entstand die Monatszeitschrift “Der Fels”, die seit längerem und bis heute von unserem Autor, Prof. Dr. Hubert Gindert, geleitet wird.

In Leserbriefen äußerte sich Prof. Hoeres auch zu aktuellen Problemen, beispielsweise hier zur Flüchtlingsdebatte: https://charismatismus.wordpress.com/2015/10/26/naechstenliebe-kommt-vor-fernstenliebe-zuerst-den-verfolgten-christen-helfen/

Der scharfsinnige und tiefgründige Philosoph war Autor profunder wissenschaftlicher Werke, veröffentlichte aber auch Bücher, die nichtakademische Leser gut verstehen konnten, etwa über liturgische Fragen. Zudem veröffentlichte er seine fundierten Artikel auch in nicht-katholischen Zeitschriften, zB. im Kulturmagazin CICERO: http://www.cicero.de/weltb%C3%BChne/wohin-wollt-ihr-mit-eurem-fortschritt/40239

“Einer der ganz großen Philosphen des 20. Jahrhunderts”

Auf seinen Tod hin erhielt er auch Würdigungen von protestantischer Seite. So schildert uns zB. der evangelische Publizist Ulrich Motte seine Eindrücke:pressefotoberger11

“Ich traf Prof. Walter Hoeres öfter in meiner Jugend. Ein sehr freundlicher, sehr gebildeter, sehr konservativer Katholik im Streit mit der großen Mehrheit seiner Glaubensgenossen.  Ein kultivierter Herr ohne jeden Snobismus.”

Der evangelische Verlagsleiter und Journalist Konrad Badenheuer schreibt über Prof. Hoeres: “Er war einer der ganz Aufrichtigen im Land und dazu ein bedeutender Denker. RIP!”

Ähnlich positiv äußert sich der Berliner Publizist und Theologe Dr. David Berger (siehe Foto):

“Hoeres war wirklich einer der ganz großen Philosophen des 20. Jahrhunderts. Er hat meine Jugend und meinen ganzen späteren Werdegang geprägt, keines meiner Fachbücher, das er nicht positiv besprochen hätte. Er war ein hochintelligenter, konsequenter Denker und ist trotzdem immer Mensch geblieben – mit ganz viel Humor und Empathie.

Auch wenn er meinen späteren Weg nicht verstehen konnte, hoffe ich, dass es nicht pietätlos ist, wenn ich ihm mit den Worten jener Sprache, die er so sehr liebte, wünsche: In paradisum deducant te angeli.” (Mögen die Engel dich ins Paradies geleiten.)

Den Angehörigen des Verstorbenen gilt unsere herzliche Anteilnahme  – und ihm selbst unser Gebet. Möge der Ewige ihm seine immerwährende Freude und Herrlichkeit schenken!

Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.

Hoeres-Foto: http://www.spes-unica.de/

 

 


Israel ehrt Hans Feyerabend aus Ostpreußen als “Gerechten unter den Völkern”

Der aus Ostpreußen stammende Hans Feyerabend wurde am Mittwoch, den 25. November, von Yad Vashem posthum mit dem Ehrentitel „Gerechter un ter den Völkern“ ausgezeichnet. Der Kommandant des Palmnicker Volkssturms hatte im Januar 1945 vergeblich versucht, ein Massaker der SS an 3000 jüdischen Überlebenden eines Todesmarsches zu verhindern.

BILD v.l.n.r.: Berlins Bürgermeister Michael Müller, die Enkelin des Geehrten, Botschafter Yakov Hadas-Handelsman (Foto: israelische Botschaft/Margrit Schmidt)

Zur Würdigung seines mutigen und menschlichen Handelns überreichte der israelische Botschafter Yakov Hadas-Handelsman am Mittwoch der Enkelin des Geehrten eine Ehrenurkunde und eine Medaille von Yad Vashem. Gastgeber der Ehrung im Roten Rathaus war der Regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller.

Seit über 50 Jahren ehrt die israelische Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem nichtjüdische Menschen, die während der Zeit des Holocaust ihr Leben riskierten, um Juden zu retten, mit dem Titel „Gerechte/r unter den Völkern“.  

Quelle: israelische Botschaft


Peru: Drei ermordete Missionare werden demnächst in Chimbote seliggesprochen

Der Präfekt der Kongregation für die Heiligsprechungen, Kardinal Angelo Amato, zelebriert am kommenden 5. Dezember in Chimbote die Messe anläßlich der Seligsprechung der beiden am 9. und 25.9.1991 ermordeten polnischen Franziskanermissionare Michael Tomaszek und Zbigniew Strzalkowski sowie des italienischen Priesters Alessandro Dordi. P1020947 - Kopie

Die drei Geistlichen wurden von der kommunistisch-maoistischen Untergrund-Rebellengruppe “Sendero Luminoso” (leuchtender Pfad) ermordet, die vor allem in den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts tausende von Morden und Gewalttaten in Peru ausgeübt haben.

Wie die Diözese Chimbote mitteilt, findet der Seligsprechungsgottesdienst im Stadion von Chimbote statt, während am Vorabend um 19 Uhr in der Kathedrale eine Gebetsvigil beginnt, zu der Delegationen aus dem ganzen Land eingeladen sind.

Am Sonntag, den 6. Dezember, stehen die Eröffnung einer Ausstellung über das Leben des seligen Alessandro Dordi, eine Danksagungsmesse und eine kulturelle Veranstaltung auf dem Programm. Um 16.30 Uhr ist eine Wallfahrt zum Ort des Martyriums von Pfarrer Dordi vorgesehen  –  und um 17 Uhr findet die Grundsteinlegung für die Kappelle des seligen Alessandro Dordi statt.
Bei den neuen Seligen handelt es sich um die ersten seliggesprochenen Märtyrer in Peru.

Quelle: Fidesdienst


Berlin: Prof. Michael Fiedrowicz informierte über Kardinal Pie von Poitiers

Von Paul Schiller

Das Dominikanerkloster St. Paulus in Berlin-Moabit zählt im Hinblick auf Liturgie, Spiritualität und theologischer Bildung zu den Schwergewichten in der Hauptstadt. Als geistliches und intellektuelles Zentrum des Dominikanerordens ist es für viele Katholiken zu einer Heimat im hektischen Großstadttreiben geworden.

Der anspruchsvolle Backsteinbau in seiner neugotischen Stilform verkörpert dabei schon architektonisch einen Katholizismus, der sich seines Anspruchs und seiner Sendung bewusst ist.  Foto

Hier fand am 22. Oktober ein Vortrag im Rahmen des „Colloquium Catholicum“ statt. Das „Colloquium Catholicum“ ist eine Veranstaltungsreihe des umtriebigen Berliner Landesvorsitzenden der Christdemokraten für das Leben (CDL), Stefan Friedrich, der dieses Format zunehmend zu einem Treffpunkt für an intellektuellen Themen interessierte Katholiken ausbaut.

Schon der Vortrag zu dem britischen Denker Lord Acton im Sommer dieses Jahres sorgte für eine ausgesprochen positive Resonanz.

Thematisch wurde an diesem Abend an Kardinal Pie von Poitiers erinnert, der vor 200 Jahren am 26. September 1815 geboren wurde. Referent war der Trierer Professor für Kirchengeschichte des Altertums, Patrologie und christliche Archäologie, Prof. Dr. Michael Fiedrowicz, der auch Priester des Erzbistums Berlin ist.

“Alles in Christus erneuern”

Dr. Fiedrowicz hat zuletzt zwei Bücher zu Kardinal Pie veröffentlicht („Alles in Christus erneuern“ und „Nachfolger des hl. Hilarius), die im kleinen, aber anspruchsvollen Carthusianus-Verlag erschienen sind.  afc127c26a

Mit 60 Teilnehmen war dieses Colloquium sehr gut besucht. Auffallend dabei war, dass auch viele jüngere Interessierte den Weg nach St. Paulus fanden, so dass der Altersschnitt der Besucher die katholische Kirche in einem guten Querschnitt widerspiegelte. Schon dadurch hob sich das Colloquium wohltuend von verschiedenen Foren des in Selbstgesprächen ergrauten deutschen Gremienkatholizismus ab.

Dr. Fiedrowicz entfaltete in seinem facettenreichen Vortrag „Jesus Christus ist nicht fakultativ – Glaube und Politik in der Nachfolge des hl. Hilarius“ das Bild eines Bischofs des 19. Jahrhunderts, der uns in seinen scharfsinnigen Analysen und Prognosen heute näher steht, als dies mancher zunächst glauben mochte.

Louis-François-Désiré-Édouard Pie wurde 1815 unweit von Chartres geboren. Seine herausragende Begabung wurde früh erkannt, so dass er im Seminar Saint-Sulpice in Issy Philosophie und in Paris Theologie studieren konnte. Im Jahre 1839 wurde er in Chartres zum Priester geweiht.

In der Nachfolge des hl. Hilarius

Schon seine erste Stelle machte ihm zum Vikar an der Kathedrale. Schnell erwarb sich der junge Priester eine gewisse Berühmtheit als wortgewaltiger Prediger. 1845 wurde er zum Generalvikar ernannt und 1849 mit nur 34 Jahren zum Bischof von Poitiers. Somit stand er nun in der Nachfolge des heiligen Hilarius mit dem er sich Zeit seines Lebens befassen sollte. christus

Mit unbändiger Kraft und Tatendrang legte Pie in seinem neuen Amt gleich los. Leisetreterei und Duckmäusertum waren seine Sache nicht. Noch am Tage seiner Weihe richtete Monseigneur Pie ein erstes Pastoralschreiben an seine Diözesanen, in dem er betonte, dass die Rückkehr zu Jesus Christus das einzige Heilmittel für alle Übel der Zeit sei.

Instaurare omnia in Christo – „Alles in Christus erneuern“, lautete das Programm seines Episkopates. Dabei führte er Auseinandersetzungen auf allen Ebenen, im philosophischen, politischen und innerkirchlichen Raum. Wo sich die Möglichkeit eines „intellektuellen Scharmützels“ für das Königtum Christi ergab, war er an Ort und Stelle. Monseigneur Pie war die Verkörperung einer Kirche, die nicht in der Defensive verharrt, sondern bestrebt ist, verlorenes Terrain zurückzuerobern.

Prof. Fiedrowicz arbeitete in seinem Referat die die Kernaussagen Pies im Kontext unserer heutigen Situation heraus. „Jesus Christus ist nicht fakultativ“ ist dabei eine der kämpferischen Aussagen, die auch die Klammer des Vortrags bildete. Was bedeutet dies?

Der Redner machte deutlich, dass es nicht nur für den Einzelnen, sondern auch für die Gesellschaft insgesamt keine neutrale Haltung gegenüber dem menschgewordenen Gottessohn geben kann. Die durch dieses Glaubensgeheimnis erschlossene übernatürliche Ordnung kann nicht ignoriert werden, ohne dass die Gesellschaft schwersten Schaden nähme.

Religiöse Fundierung des Staatswesens

Mit seiner unermüdlichen Forderung, dass jedes Staatswesen einer religiösen Fundierung bedarf, die letztlich keine andere als die christliche sein kann, ist Kardinal Pie damit am Anfang des 21. Jahrhunderts so aktuell wie nie zuvor.
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Die Analysen Pies sind dabei immer im zeitlich engen Abstand zur Französischen Revolution zu sehen, an der er kein gutes Haar ließ. Die jüngste Geschichte seit 1789 könne dabei nicht nur keinerlei Erfolgsbilanz vorweisen, sondern hätte entgegen der allgemeinen Fortschrittseuphorie vielfach nur ein allgemeines Desaster herbeigeführt. Mit prophetischem Weitblick sah er die verhängnisvollen Konsequenzen jener Ideologien voraus, die in den Totalitarismen des 20. Jahrhunderts zur tragischen Bestätigung werden sollten.

Es sind auch Worte wie diese, die wie in unsere Zeit hinein gesprochen klingen:

„Ihr alle, meine Brüder, auch wenn Ihr dazu verurteilt seid, den Triumph des Bösen zu erleben, sagt niemals zum Bösen: Du bist das Gute; zur Dekadenz: Du bist der Fortschritt; zur Nacht: Du bist das Licht; zum Tod: Du bist das Leben …“.

In diesem Sinne wurde eine Persönlichkeit sichtbar, die im deutschen Sprachraum kaum mehr bekannt war, nunmehr aber durch die Arbeit von Michael Fiedrowicz neu erschlossen werden kann.

Kardinal Pie starb am 18. Mai 1880. Eine Beschäftigung mit seinen hellsichtigen Texten lohnt heute mehr denn je.

Die anschließende Diskussion wurde souverän von dem Dominikaner-Pater Michael Dillmann (Pfarrer an St. Paulus und Dekan von Berlin-Mitte) geleitet. Er ve???????rwies zunächst auf die allgemeinen theologischen Suchbewegungen im 19. Jahrhundert, wie auf seinem dominikanischen Mitbruder Henri-Dominique Lacordaire, der in vielfacher Hinsicht einen anderen Ansatz als Kardinal Pie vertreten hat.

In den Beiträgen wurden mögliche konkrete Ableitungen für ein heutiges katholisches Verständnis erörtert. Fiedrowicz wies im Sinne von Papst Benedikt XVI. auf die Kraft kleiner aktiver und von lebendigem Glauben geprägten Gruppen hin, die das Christentum bewahren und in ihrer Überzeugung die Kirche neu in der Welt verankern können.

Auch hier zeigte sich Kardinal Pie bereits voll auf der Höhe der Zeit: „Im Übrigen genügt eine kleine Zahl von solchen, die Einspruch erheben, um die Unversehrtheit der Lehren zu retten; und die Unversehrtheit der Lehren ist die einzige Chance zur Wiederherstellung der Ordnung in der Welt.“

Pater Michael beendete den ertragreichen Abend mit einem eindringlichen Zitat Pies: „… die Erde befrieden und den Himmel bevölkern: Das ist der Auftrag, den wir mitten unter Euch auszuüben haben, soweit es unsere Kräfte zulassen“.

Nach Ende der Veranstaltung standen die Teilnehmer noch eine Zeit lang in den Räumlichkeiten der gediegenen Dominikanerbibliothek und sprachen miteinander. Alte mit Jungen, Priester mit Laien, Schüler, Studenten, Professoren, Berufe aller Art. Vielleicht wurde hier deutlich, was Kirche auch ist und sein kann.  


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