Pater Lothar Groppe ist seit 70 Jahren Jesuit

Von Hans-Michael Müller

Pater Lothar Groppe, 1927 in Münster / Westfalen geboren, ist der jüngste Sohn des Widerstandskämpfers Generalleutnant Theodor Groppe, der wegen seiner klar-katholischen Ausrichtung auch als der „Schwarze General“ bekannt war.  

Pater Groppe (siehe Foto) feiert am morgigen 7. September 2018 seine 70-jährige Zugehörigkeit zum Jesuitenorden. Aus diesem Anlass wird in der St. Elisabeth-Kirche in Hanau-Kesselstadt eine heilige Messe für den 91-jährigen Geistlichen zelebriert. Sein Vater, General Groppe, lebte mit seiner Familie von 1936 bis 1954 in Hanau am Main.

Pater Groppe ist jener deutsche Jesuit, der wohl die meisten Texte und Publikationen zu religiösen, geschichtlichen und politischen Themen geschrieben hat. Sein letztes Buch, das er mit 89 Jahren verfaßte, trägt den Titel: „Kirchlicher Einsatz für verfolgte Juden im Dritten Reich“.

Groppes mit dem Orden „Pour le Mérite“ ausgezeichneter Vater hat sich nationalsozialistischen Befehlen ständig sehr mutig widersetzt. So hat er z. B. durch einen Schießbefehl gegen Judenmörder viele Juden vor staatlich geplanten Pogromen geschützt. 

Der tapfere General kritisierte zudem scharf Himmlers „Befehl an Angehörige der SS und Polizei in der Heimat“, dass sie „zur Fortpflanzung des deutschen Blutes um zum Ausgleich des Blutzolls an der Front“ außerehelich „mit deutsche Frauen und Mädeln guten Blutes zum Wohl Deutschlands Kinder zeugen“ sollten. Einen solchen Protest hat sonst niemand gewagt.

BILD: Biographie über General Groppe, den Vater des Jesuitenpaters Lothar Groppe

Daraufhin wurde er umgehend unehrenhaft aus dem Heer entfernt und auf Befehl Himmlers 1944 mit dem Ziel der Liquidierung zunächst ins Gestapo-Gefängnis in Darmstadt, Anfang 1945 in Festungshaft in Küstrin gebracht, wo er auf mehrfache Anordnung und mit Zustimmung Hitlers (Himmler: „Was, die Hunde leben noch?!“) hingerichtet werden sollte.

Nur knapp entging Theodor Groppe Dank mutiger Hilfe von Nazigegnern, z. T. aber auch unerklärlicher Hilfe sogar von „gestandenen Nazis“ der Hinrichtung und kam nach abenteuerlicher Flucht vor der Gestapo und nach seiner Rettung durch französische Soldaten am Bodensee 1945 zurück in die zerbombte Stadt Hanau.

1954 zog es ihn dann in seine Geburtsstadt Trier, wo er sich bis zu seinem Tode u. a. intensiv der deutsch-französichen Aussöhnung widmete.

Seinem Sohn Lothar hat Vater Groppe mit auf den Weg gegeben: „Niemals aufgeben, sich nicht mit dem billigen Gerede `Es hat ja doch keinen Zweck´ aus Auftrag und Verantwortung stehlen, sondern alles in der eigenen Kraft Stehende tun und fest auf Gott vertrauen!“

Das hat Pater Lothar Groppe geradlinig befolgt und sich auch dann zu Wort gemeldet, wenn es galt, sich unbequem und deutlich gegen den Zeitgeist zu artikulieren. Sein Vater wurde in Hanau auf einstimmigen Beschluss der Stadtverordnetenversammlung mit einer nach ihm benannten Straße geehrt.

Pater Lothar Groppe  ist weit über die Grenzen Deutschlands hinaus ein besonders in glaubenstreuen Kreisen hochgeschätzter Redner und Autor. Er lebt heute zurückgezogen in einem Jesuiten-Heim in Berlin-Kladow.

Weiterer Artikel zu P. Groppe: https://charismatismus.wordpress.com/2018/07/30/pater-lothar-groppe-wird-heute-91-jahre-alt/

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Pfarrfest in Münster-Hiltrup zeigte Kelch des Priesters und KZ-Opfers Bernhard Poether

Von Felizitas Küble

Am heutigen Sonntag (26.8.) wurde in der Gemeinde St. Marien in Münster-Hiltrup das jährliche Pfarrfest gefeiert.

Dabei gab es nicht nur ein fröhliches Treiben, allerlei Spiele, Bücherbasar, Infostände und ein Zirkuszelt mit gekonnten Vorführungen, sondern auch jede Stunde eine Kurzansprache von Pfarrer i.R. Ewald Spieker auf dem Kirchplatz.

Der Priester zeigte den interessierten Besuchern den originalen Primiz-Kelch von Kaplan Bernhard Poeter und erwähnte sein heldenhaftes Leben. Der pensionierte Pfarrer ist Herausgeber des Sammelbandes „Kaplan Bernhard Poether (1906 bis 1942). KZ-Priester des Bistums Münster“ (siehe Foto).

Allein im Konzentrationslager Dachau waren mehr als 3000 katholische Priester inhaftiert, über tausend von ihnen wurden ermordet oder starben an den Folgen von Schikanen, Hunger und Entbehrungen.

Pfarrer Spieker setzt sich seit einigen Jahren für die Seligsprechung von Kaplan Bernhard Poether ein und hat hierfür tausende Unterschriften gesammelt.

Der Märtyrer war in Hiltrup zur Schule gegangen und 1932 in Münster zum Priester geweiht worden.

Dieser tapfere Geistliche, der sich seelsorglich besonders um die in der Nazi-Zeit unterdrückten Polen in Deutschland kümmerte, bezahlte seinen Einsatz am 5. August 1942 im KZ mit dem Leben.

Das erste Foto zeigt den nicht „nur“ künstlerisch wertvollen Kelch des Blutzeugen. Er ist vor allem das geistig-geistliche Vermächtnis des Bekenner-Kaplans, denn der Kelch enthält gleichsam sein Lebensprogramm.

Im unteren Teil – der aus Silber gefertigt ist – sehen wir vorne ein eingraviertes Kreuz mit zwei Balken, wie dies in den östlichen Kirchen üblich ist. Bernhard Poether wollte als Missionar nach Rußland gehen, daher erlernte er in Eigenregie die russische Sprache.

In kyrillischer Schrift finden wir auf seinem Kelch die Worte: „In diesem Zeichen wirst Du siegen“.

Zudem heißt es  – ebenfalls auf russisch  –  vielsagend: „Am Altare muss ein Priester stehen, der nicht mit Worten allein, sondern durch die Taten das Volk ermahnt, zu bekennen und Zeugnis abzulegen.“

Daran hat sich dieser junge Geistliche selber gehalten und sein unbeugsames Zeugnis brachte ihm den Märtyrertod.

Zudem finden sich auf dem „Fuß“ des Kelches die Abbildungen der heiligen Kyrillus und Methodius, beide waren frühmittelalterliche Missionare der Slawen. Der vergoldete obere Teil des Meßkelchs und der silberne „Fuß“ wird verbunden durch einen weißen Edelstein als Mittelstück.
Den Primizkelch erhielt die Pfarrgemeinde St. Marien von der  – inzwischen verstorbenen  – Schwester dieses NS-Opfers.

Der Kelch von Kaplan Poether wird bei besonders festlichen Anlässen in der Pfarrkirche St. Marien bei der Zelebration der hl. Messe verwendet.

 

 

 

 


Gedenkmesse würdigt den 1938 von den Nazis verbannten Bekennerbischof Sproll

Vor 80 Jahren wurde Bischof Dr. Johannes Baptista Sproll von den Nationalsozialisten aus seiner Heimatdiözese Rottenburg vertrieben.

Zuflucht fand er zunächst bei den Mallersdorfer Schwestern in Bad Wörishofen im Bistum Augsburg.

Dort in der Pfarrkirche St. Justina feierte Bischof Dr. Gebhard Fürst (Rottenburg-Stuttgart) mit seinem Amtsbruder Dr. Rudolf Voderholzer (Regensburg) am 4. August 2018 ein Pontifikalhochamt zum Gedenken an Bischof Sproll, an das sich ein Festakt im Kneipp-Kurhaus St. Josef anschloss.

„Auch in Zeiten tiefster Dunkelheit hat er nicht vom Vertrauen auf Gott gelassen“, lautet die Inschrift auf dem Bronze-Relief am Haupteingang des Bad Wörishofer Kneipp-Kurhauses, das von den Mallersdorfer Schwestern geführt wird.

Es wurde 2013 zur Erinnerung an J. B. Sproll angebracht, den Oberhirten aus der Nachbardiözese Rottenburg, der aufgrund seines mutigen Eintretens gegen die Nationalsozialisten im Volk den Ehrentitel „Bekennerbischof“ erlangte.

Schon lange vor 1933 war er von der Schädlichkeit des Nationalsozialismus überzeugt: er studierte das Parteiprogramm und las „Mein Kampf“. Durch seine unmissverständlichen Worte auf Großveranstaltungen und Bischofstagen in der ganzen Diözese zog er den Zorn der Nationalsozialisten auf sich.

Am 10. April 1938 blieb er demonstrativ der Abstimmung über den Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich und der damit gekoppelten Wahl zum „Großdeutschen Reichstag“ fern. Dies brachte das Fass zum Überlaufen.

Die NSDAP inszenierte wiederholt Kundgebungen vor dem Bischofshaus, wobei die meisten Demonstranten eigens mit Lastwagen gebracht worden sind. Die aufgehetzte Menge stürmte das Ordinariat und verwüstete das Gebäude.

Am 24. August 1938 wies die Gestapo Bischof Sproll aus dem Gebiet Rottenburg aus. Stationen seiner Flucht waren u. a. Freiburg, Bad Dürrheim, Donaueschingen, Konstanz, Lindau, München, Bad Wörishofen, St. Ottilien (2 Jahre) und Krumbad (4 ½ Jahre).


Der selige Kardinal von Galen und die Juden

Von Felizitas Küble

In der Debatte über den von der katholischen Kirche seliggesprochenen Bischof von Münster, Clemens August Graf von Galen, wird nicht nur von linker Seite immer wieder der Vorwurf erhoben, der ansonsten mutige, NS-kritische Kardinal habe sich nicht öffentlich gegen die Judenverfolgung gewandt.   

So schreibt z.B. der katholische Historiker Dr. Hubert Wolf in der FAZ vom 26.2.2005 in einem insgesamt sachlichen Lebensbild über diesen tapferen Gottesmann:

„Natürlich hätte man sich gewünscht, Galen wäre noch einen Schritt weiter gegangen und hätte sich in der Frage der systematischen Ermordung von Millionen Juden zu einem ähnlich eindeutigen Protest durchgerungen.“

BILD: Betende Lebensrechtler am Galen-Denkmal in Münster

Hierzu bringt der Historiker Dr. Hubert Morsey in der von der „Landeszentrale für politische Bildung“ in NRW herausgebrachten Broschüre „Clemens August Kardinal von Galen“ folgenden Hinweis:

„Wiederholt war der Bischof bereit, zugunsten der bedrängten Juden auf die Kanzel zu gehen. Er hat davon jedoch auf Bitten von Vertretern der münsterischen Judenschaft abgesehen, um deren Lage  – nach ihrer eigenen Einschätzung  – nicht zu verschlechtern.  Bereits in seinem Osterhirtenbrief von 1934 hatte Galen die Zehn Gebote als sittliches Naturgesetz bezeichnet, „das alle Menschen ohne Unterschied der Rassen und Klassen“ verpflichtet.“

Weitere Beispiel dazu seien hier erwähnt, z.B. diese WDR-Sendung:

„Nach der Pogromnacht 1938 bietet von Galen der jüdischen Gemeinde an, öffentlich für sie einzutreten. Dazu kommt es allerdings nicht, weil die jüdische Seite aufgrund einer solchen Stellungnahme weitere Repressalien befürchtet.“
Quelle: https://www1.wdr.de/stichtag/stichtag-bischof-von-galen-euthanasie-100.html

BILD: Spruch am Eingang der Synagoge in Münster

Im Portal „Münster in alten Bildern und Dokumenten“ wird über die Reichsprogromnacht in Münster u.a. berichtet:
„Bischof von Galen, der sich in diesen Tagen nicht in Münster aufhält, erkundigt sich besorgt nach dem Befinden des Rabbiners Dr. Steinthal und bietet ihm seine Hilfe an.“

Quelle: https://www.sto-ms.de/mehr-m%C3%BCnster/lesen-h%C3%B6ren/reichsprogromnacht/

Ähnlich wie in Berlin durch den seliggesprochenen Dompropst Lichtenberg wurde auch in Münster für die verfolgten Juden gebetet, was der jüdische Rabbiner Dr. Steinthal in seinen Erinnerungen festgehalten hatte. Dazu erklärt der Galen-Forscher und Historiker Prof. Joachim Kuropka:

„Kürzlich konnte auch erstmals ein Beleg dafür vorgelegt werden, dass in den Kirchen des Bistums Münster im Herbst 1938 für die Juden gebetet wurde, wie dies der Rabbiner Steinthal berichtet hat, was jedoch lange Zeit bezweifelt worden ist.“ 

Quelle: http://kirchensite.de/aktuelles/bistum-aktuell/bistum-aktuell-news/datum////vor-65-jahren-starb-clemens-august-kardinal-von-galen/?type=98&tipUrl=http%3A%2F%2Fkirchensite.de%2F&cHash=b2567503fd

Zudem hier ein weiterer Hinweis: „Durch einen Beleg weist der Historiker [Prof. Kuropka] erstmals nach, dass in den Kirchen des Bistums Münster im Herbst 1938 für die Juden gebetet wurde….Darüber hinaus beschreibt Kuropka mehrere Fälle von bislang nicht bekannten praktischen Hilfestellungen Galens für die Juden.

Quelle: http://www.muenster.org/kvg/navig/wir/histor/kvg/2007/index.htm

Im Tagungsbericht „Streitfall Galen“ aus einem geschichtswissenschaftlichen Forum heißt es:

„Joachim Kuropka (Vechta) stellte sich dem heiß umstrittenen Thema „Bischof von Galen und die Juden“…So verwies er etwa auf Wilhelm Dambergs bislang zu wenig beachtete Entdeckung, dass die Bistumsleitung in Münster im Juni 1938 alle Pfarrer angewiesen hat, eine den Antisemitismus kritisch beurteilende Broschüre mit dem Titel „Die Nathanaelfrage unserer Tage“ den Gläubigen zur Lektüre zu empfehlen. Kuropka betonte ferner das gute persönliche Verhältnis Galens zum Münsteraner Rabbiner Fritz Steinthal…In seinem Resümee betonte er die Einmaligkeit der Broschürenverbreitung und der Gebetsaktion. Den richtigen Zeitpunkt zur „Flucht in die Öffentlichkeit“ in der Frage der Judenverfolgung habe Galen jedoch wie die anderen Bischöfe verpasst, was er sich nach eigenem Bekunden später selbst zum Vorwurf gemacht hat.“

Quelle: https://www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-1099


Münster: Gedenkmesse für den seligen Priester und Märtyrer Gerhard Hirschfelder

Von Felizitas Küble

Am heutigen Donnerstag, dem 2. August 2018, wurde in der barocken Clemens-Kirche in Münster eine Gedächtnismesse für Kaplan Gerhard Hirschfelder gefeiert, der am 19.9.2000 im Hohen Dom zu Münster seliggesprochen wurde.

Dieser Geistliche gehört zu den hunderten von katholischen Priestern, die im KZ Dachau als Opfer der NS-Diktatur und als Märtyrer für den Glauben und die christlichen Tugenden verstorben sind. 

BILD: Porträtfoto Hirschfelders bei der Gedenkmesse vor dem Altar

Großdechant Franz Jung widmet sich seit Jahrzehnten der Seelsorge für die Katholiken aus der schlesischen Grafschaft Glatz, seien es nun ob Vertriebene oder Aussiedler bzw. deren Nachkommen. Die Grafschaft Glatz war ein besonders katholisch geprägtes Gebiet innerhalb Schlesiens.

Prälat Jung erinnerte in seiner Predigt an den herausragenden Glaubensmut von Kaplan Hirschfelder, der sich hierbei am Völkerapostel Paulus und den 12 Aposteln orientiert habe. Er würdigte besonders den Einsatz junger Katholiken, die das Gedenken an diesen Märtyrer auch durch moderne Medien wach halten.

In der liturgischen Lesung hieß es eindringlich: „Man muß Gott mehr gehorchen als den Menschen!“ – Im Evangelium hörten wir die Christus-Worte: „Wer mich vor den Menschen bekennt, den will ich auch vor meinem Vater im Himmel bekennen!“

Beides paßte gut zum Lebensbild des schlesischen Blutzeugen Gerhard Hirschfelder, der seinen Einsatz für Gott, Jugend und Kirche 1942 mit dem Tod bezahlte.

BILD: Prälat Jung feierte die hl. Messe in der Clemens-Kirche

Wir haben bereits 2011 einen ausführlichen Beitrag über den seligen Märtyrer Gerhard veröffentlicht: https://charismatismus.wordpress.com/2011/08/06/ein-jugendbewegter-kaplan-als-martyrer-in-dachau/

Während der Gedenkmesse wurde ein gemeinsames Gebet zu Gott gesprochen, in dem es heißt: „Mit Begeisterung hat er die jungen Menschen die Liebe zu Christus und zur Kirche gelehrt und mutig den Glauben gegen seine Feinde verteidigt. Gib uns auf seine Fürbitte die Kraft, ihm in der Treue zu dir und im Ensatz für dein Reich nachzufolgen.“

Außerdem sangen die Gläubigen das Hirschfelder-Lied: „Wir ehrn zu dieser Stunde, dich, Schlesiens großen Sohn. Das Lob aus unserem Munde preist dich vor Gottes Thron….“

Bald haben die Glatzer wieder einen Grund zu feiern und zu beten: Am 24. und 25. August  – Freitag und Samstag – findet ihre traditionelle Jahres-Wallfahrt nach Telgte statt, der bekanntesten Pilgerstätte des Münsterlandes. Am Freitagabend gibt es eine eindrucksvolle Lichterprozession durch die Stadt, das Hauptprogramm läuft am Samstag mit der Festmesse um 10 Uhr.

Bei den Glatzern galt das Sprichwort: „Ein Jahr ohne Wallfahrt ist kein Jahr.“  – Wie man sieht, bleiben die Landsleute diesem Motto ihrer Vorfahren treu.

FOTO: Die Hirschfelder-Biographie, die der Priester und Professor Hugo Goeke schrieb, ist ebenso gehaltvoll wie eindrucksvoll und bewegend. Titel: „Gerhard Hirschfelder – Priester und Märtyrer“. Das fest gebundene Buch  mit 200 Seiten kostet 14,80 €. Interessierte können es beim Dialog-Verlag in Münster oder bei uns bestellen (wir liefern portofrei).

 

 

 


Pater Lothar Groppe wird heute 91 Jahre alt

Von Felizitas Küble

Für den engagierten Jesuitenpater Lothar Groppe gibt es in nächster Zeit einiges zu feiern: Heute  – am 30. Juli –  zum Beispiel sein Wiegenfest, denn der bekannte Publizist wird 91 Jahre alt; morgen gedenkt er seiner Priesterweihe vor genau 59 Jahren – und am 7. September kann der Geistliche sein 70-jährige Ordensjubiläum begehen.

Der hochbetagte Priester und Publizist hat noch vor zwei Jahren ein fundiertes Sachbuch veröffentlicht, das sich vor allem mit der Rettung von Juden und „nichtarischen Katholiken“ in Wien befasst. Der Titel lautet: „Kirchlicher Einsatz für Juden im Dritten Reich„. (Näheres hier: https://charismatismus.wordpress.com/2016/09/28/wie-jesuitenpater-ludger-born-und-sr-verena-buben-bedrohte-juden-retteten/)

Lothar Groppe erblickte am 30. Juli 1927 im westfälischen Münster als Sohn des damaligen Majors und späteren Generalleutnants Theodor Groppe das Licht der Welt. Seine Kindheit und Jugend verbrachte er in Westfalen, Ostpreußen, Oberschlesien, Pommern, Hessen und Bayern. Nach Kriegseinsatz studierte er Rechtswissenschaft und trat am 7. September 1948 in die „Gesellschaft Jesu“ ein. Es folgte das Lizenziat der Philosophie, am 31. Juli 1959 (einen Tag nach seinem Geburtstag) durfte er die Priesterweihe empfangen.

Groppe wirkte zunächst an zwei Gymnasien des Jesuitenordens. Später war jahrzehntelang als Krankenhausseelsorger in Bad Pyrmont und als Schriftsteller tätig, zeitweise auch als Gemeindepfarrer in Österreich, als Militärseelsorger, als Dozent und Militärdekan an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg sowie als Leiter der deutschen Sektion von Radio Vatikan.

Von 1973 bis 1987 hielt er zudem Vorlesungen und Seminare für die österreichischen Generalstabs-Lehrgänge.

Der Geistliche ist nicht nur Sohn des Widerstandskämpfers Theodor Groppe, sondern hat selber als Schuljunge von 12 Jahren deutlich gegen Hitler Stellung bezogen. Er war mehrfach „Gast“ der Gestapo. Nach dem Krieg wurde er von der Besatzungsmacht als „politischer Verfolgter“ anerkannt.

Sein Vater Theodor Groppe war Generalleutnant und Divisionskommandeur am Westwall. Man nannte ihn wegen seiner kernkatholischen Haltung den „Schwarzen General“. Er erhielt zahlreiche Tapferkeitsauszeichnungen, darunter den erstklassigen Orden „Pour le Mérite„. In der Stadt Hanau, wo er einige Zeit gewirkt hatte, wurde eine Straße nach ihm benannt.

Die Tugend der Tapferkeit liegt anscheinend in der Familie Groppe. Auch der Vater des „Schwarzen Generals“ war Offizier und wurde dann Verleger. Im Kulturkampf druckte er die verbotenen Hirtenbriefe des Bischofs von Trier und wurde wegen Majestätsbeleidigung zu zwei Jahren Festung und hoher Geldstrafe verurteilt.

BILDER: Titelfotos zweier Bücher von Pater Groppe: „Theodor Groppe – der Schwarze General“ und „Kirchlicher Einsatz für verfolgte Juden im 3. Reich“

Weil Theodor Groppe den NS-Schergen widerstand, insbesondere SS-Reichsführer Himmler widersprach, wurde er 1942 militärisch degradiert, aus der Wehrmacht ausgestoßen und im August 1944 von der Gestapo verhaftet. Durch Flucht aus der Festung Küstrin entging er der geplanten Hinrichtung und konnte die Kriegszeit überleben.

Der mutige General verhinderte durch seinen Schießbefehl gegen Judenverfolger eine von der NSDAP befohlene „Volkskundgebung gegen die Juden“. Vor allem bei Juden im Saarland war er als „Retter“ bekannt und bewundert.

Bundeswehr-Generalmajor Achim Oster schrieb 1977 über Theodor Groppe: „Er hat das vorgelebt (…), was viele seiner Standesgenossen, sei es aus Schwäche, sei es aus Opportunismus, nicht vorgelebt haben. So bleibt er eine fortwährende Mahnung an eigenes Fehlverhalten und Versagen. Hätte es mehr Groppes gegeben, hätten Hitler und seine Verbrecherbande nicht solch leichtes Spiel mit dem deutschen Volk gehabt.“

Sein Sohn Lothar hielt sich auch selber an die geradlinige und unbeugsame Art seines Vaters. Er widerstand dem braunen ebenso wie später dem roten Zeitgeist und orientierte sich glasklar an christlichen Prinzipien und der katholischen Glaubenslehre. Seine Predigten und Vorträge waren gehaltvoll, mitreißend, präzise und bodenständig.

Der schwungvolle Pater publizierte jahrzehntelang in dutzenden Zeitungen und Zeitschriften vom „Theologischen“ über die „Junge Freiheit“ oder die „Preußische Allgemeine Zeitung“ bis zu „Soldat im Volk“ oder Schriften des Bundes der Vertriebenen.

Seine klare katholische Ausrichtung hinderte ihn keineswegs daran, eine vernünftige Ökumene mit theologisch konservativen Protestanten zu pflegen. So schrieb er z.B. regelmäßig für die Zeitschrift „Erneuerung und Abwehr“ der Evangelischen Notgemeinschaft und hielt Reden vor bibelorientierten protestantischen Initiativen.

Mit dem lutherischen Politikwissenschaftler Dr. Klaus Motschmann in Berlin war er jahrzehntelang bis zu dessen Tod befreundet. (Hier ein Nachruf auf Professor Motschmann: https://charismatismus.wordpress.com/2016/12/10/wir-trauern-um-prof-dr-klaus-motschmann/)

Bis heute steht der Geistliche im freundschaftlichen Kontakt mit evangelischen Christen. So half ihm z.B. der Unternehmensexperte und Publizist Dr. Bernd F. Pelz tatkräftig und kompetent beim Lektorat und der graphischen Erstellung seines Buches über den „Kirchlichen Einsatz für Juden im Dritten Reich“.

Pater Groppe SJ gehörte zu dem vom deutschen Juden Gerhard Löwenthal („ZDF-Magazin“) mitgegründeten „Konservativen Büro“ in Bielefeld.  Ähnlich wie der  –  ebenfalls NS-verfolgte  –  Löwenthal setzte sich Groppe stets für einen gesunden Patriotismus und entschieden für die deutsche Wiedervereinigung ein; zudem würdigte er die Heimatvertriebenen aus den Ostgebieten und erinnerte immer wieder an ihr tragisches Schicksal, was oftmals wütende Schmähkritik von links hervorrief.

Der Geistliche stand im guten Kontakt mit Erzbischof Johannes Dyba, dem am 23. Juli 2000 plötzlich verstorbenen Oberhirten von Fulda. Im Dyba-Gedenkband „Der Löwe von Fulda“ aus dem KOMM-MIT-Verlag (siehe Foto) ist ein fundierter Beitrag von Pater Groppe enthalten. Darin würdigt er den unerschrockenen Bischof von Fulda sowohl als Bischof wie auch als Mensch und Mitbruder.

Pater Groppe wirkte von 1982 bis 2007 als Krankenhauspfarrer in Bad Pyrmont. Einige Zeit später war er als Seelsorger an einer Mutter-Kind-Klinik in Timmendorfer Strand tätig. Seit August 2015 lebt der unbeugsame Gottesmann im Seniorenheim des Jesuitenordens in Berlin. Seine Freunde und auch ich wünschen ihm  – ad multos annos  – noch viele gute Jahre und Gottes reichen Segen!

Erstveröffentlichung dieses Artikels hier: https://philosophia-perennis.com/2018/07/30/unbeugsamer-gottesmann-in-berlin-pater-lothar-groppe-wird-heute-91-jahre-alt/


Argentinien: Rom hat Seligsprechung von Märtyrern der Militärdiktatur angepeilt

Die argentinische Stadt Chemical in der Diözese La Rioja bereitet sich auf den 42. Jahrestag ihrer Märtyrer vor: es handelt sich um Bischof Enrique Angelelli, die Priester Carlos Murias und Gabriel Longueville sowie den Laien Wenceslao Pedernera. 

Am 8. Juni unterzeichnete der Papst Franziskus das Dekret, das den Martyrertod dieser Persönlichkeiten anerkennt und ebnete damit den Weg für die bevorstehende Seligsprechung.

Die Feierlichkeiten werden am Abend des 17. Juli in der Pfarrei El Salvador in Chemical mit einem kulturellen Abend beginnen. Am Mittwoch, dem 18. Juni, findet eine Wallfahrt zum Ort des Martyriums statt. 

Bischof Enrique Angelelli von La Rioja (1923 – 1976) verbarg nie seine Opposition gegenüber der Militärdiktatur. Er starb am 4. August 1976 bei einem angeblichen Autounfall. Nach 38 Jahren, am 4. Juli 2014, wurden zwei hohe Offiziere im Zusammenhang mit dem Vorfall wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt.

Pater Carlos Murias arbeitete in der Diözese von La Rioja für die Armen. Er wurde vom Militär kontrolliert und wurde verdächtigr, auf der Seite der Bauern zu stehen. Am 18. Juli 1976 nahm eine Gruppe von Männern ihn zusammen mit dem Gemeindepfarrer Gabriel Longueville fest. Ihre Leichen wurden zwei Tage später gefunden: sie waren grausam gefoltert worden, bevor man sie erschoss. Der Bauer Wenceslao Pedernera wurde am 25. Juli 1976 von vier vermummten Männern in seinem Haus ermordet.

Quelle: Fidesdienst – Foto: Evita Gründler