Zentralrat der Juden ist besorgt hinsichtlich muslimisch geprägter Stadtviertel

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, hat Überlegungen angestellt, ob sich Juden in bestimmten Problemvierteln noch als solche zu erkennen geben sollen: 100714052333-b1-

“Ein Verstecken ist nicht der richtige Weg. Die Frage ist, ob es tatsächlich sinnvoll ist, sich in Problemvierteln, in Vierteln mit einem hohen muslimischen Anteil als Jude durch das Tragen der Kippa zu erkennen zu geben, oder ob man da besser eine andere Kopfbedeckung trägt…Es ist eine Entwicklung, die ich so vor fünf Jahren nicht erwartet habe, und die schon auch ein wenig erschreckend ist.”

Dazu erklärt der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Volker Kauder:

“Die Warnung des Präsidenten des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, ist ein Alarmsignal. Sie unterstreicht auf dramatische Weise, wie verunsichert die jüdischen Mitbürger in unserem Land mittlerweile sind. Gesellschaft und Staat müssen alles unternehmen, dass sich Juden in unserem Land sicher fühlen können. (…)

Gerade in Deutschland muss aufgrund seiner Geschichte die Sensibilität in dieser Frage besonders hoch sein. In unserem Land müssen alle Bürger zusammenwirken, dass das jüdische Leben, das sich nach 1945 auf fast wunderbare Weise erneut entwickelt hat, nicht Schritt für Schritt immer mehr  bedroht wird.”

 


GfbV klagt die indonesische Regierung an: Menschenrechtsverletzungen in Papua

Stellungnahme der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV):

Filep Karma weiß, wovon er redet: „Ich wurde geschlagen, getreten und über den Boden geschleift. Aber die mentale Folter, der wir hier ausgesetzt sind, ist viel schlimmer.“  – Seit nunmehr über 10 Jahren sitzt der politische Aktivist in einer Gefängniszelle nahe der Stadt Jayapura. DSC00254

Die „Siegreiche Stadt“ ist die Hauptsstadt von Papua, einer der zwei indonesischen Provinzen auf dem westlichen Teil Neuguineas. Mindestens 56 Inhaftierte sind bekannt, die aufgrund politischer Willkür wegen harmloser Aktionen wie dem Hissen einer Flagge oder friedlichen Demonstrationen lange Haftstrafen verbüßen.

Doch eigentlich sollte es die politischen Gefangenen nicht mehr geben. Vor 20 Wochen trat der neue Präsident von Indonesien, Joko „Jokowi“ Widodo, sein Amt an. Er hatte im Wahlkampf versprochen, Menschenrechte zu achten und den Konflikt in West-Papua lösen zu wollen.

Seine Worte lösten Hoffnung in den Menschen aus, er wurde als Obama von Indonesien gefeiert. Doch was für Obama Guantanamo ist für Jokowi Widodo West-Papua. Vergessen scheinen die Versprechen.

Erinnern wir Jokowi Widodo gemeinsam an seine Wahlversprechen! Alle politischen Gefangenen in Papua müssen freigelassen werden! Unterschreiben Sie hier unseren Appell!

Seit der offiziellen und höchst umstrittenen Übernahme von der ehemaligen Kolonialmacht Niederlande im Jahr 1969 gehört der Westteil Neuguineas zum indonesischen Inselreich.

“Ein ignorierter Genozid”

Obwohl ethnisch und geographisch zu Melanesien gehörend, beutete die indonesische Regierung systematisch den unvorstellbaren Ressourcenreichtum und die indigenen Volksgruppen aus.

Während der Konflikt in Timor-Leste Ende der 1990er auch in Westeuropa traurige Berühmtheit erlangte, geschieht der Papua-Konflikt weitestgehend im Schatten der medialen Aufmerksamkeit.

Experten rechnen damit, dass die indonesische Regierung zwischen 500.000 und eine Million Papua getötet hat und sprechen von einem ignorierten Genozid.

Quelle: http://www.gfbv.de/newsletter.php?id=126&stayInsideTree=1

Foto: Evita Gründler

 


“Nie wird dem Priester die Wegweisung ausgehen, dem Weisen der Rat und dem Propheten das Wort”

Heutige liturgische Lesung der kath. Kirche: Jer 18,18-20:

Meine Feinde sagten: Kommt, lasst uns gegen Jeremias Pläne schmieden.polskaweb

Denn nie wird dem Priester die Wegweisung ausgehen, dem Weisen der Rat und dem Propheten das Wort. Kommt, wir wollen ihn mit seinen eigenen Worten schlagen und achtgeben auf alles, was er sagt.

Gib du, HERR, acht auf mich, und höre das Gerede meiner Widersacher!

Darf man denn Gutes mit Bösem vergelten? Denn sie haben mir eine Grube gegraben. Denk daran, wie ich vor dir stand, um zu ihren Gunsten zu sprechen und deinen Zorn von ihnen abzuwenden.

 


Kinderschutzbund Niedersachsen möchte kein Geld von Edathy annehmen

NetzwerkB-Pressemitteilung vom 3. März 2015:

Das Verfahren gegen den ehem. Bundestagsabgeordneten Sebastian Edathy wurde gegen eine Geldauflage von 5000 Euro eingestellt. Empfänger sollte der Kinderschutzbund Niedersachsen sein. Der aber will das Geld nicht annehmen.

Die Entscheidung, das ‘Kinderporno-Verfahren’ für eine Zahlung von 5000 Euro einzustellen, sei ein “fatales Signal“.

NetzwerkB begrüßt die Entscheidung des Kinderschutzbundes Niedersachsen und fordert alle Einrichtungen auf, die sich für mehr Kinderschutz einsetzen wollen, das Geld von Edathy ebenfalls nicht anzunehmen.


Raumsonde Dawn besucht am 6. März 2015 den rätselhaften Zwergplaneten Ceres

Weltraumforscher: “Ceres ist viel spannender, als ich dachte”

Nur noch wenige Tage wird es dauern, bis die Raumsonde Dawn am 6. März 2015 in den Orbit um Ceres geht und somit zum ersten Mal überhaupt einen Zwergplanet besucht wird.

Was Ceres den Wissenschaftlern bisher preisgegeben hat, wirft zurzeit nur noch mehr Fragen als Antworten auf:

“So punktgenaue, extrem helle Flecken, wie wir sie auf den Kameraaufnahmen sehen, sind ungewöhnlich und bisher einfach noch nicht zu deuten – eine Erklärung wäre freigelegtes Eis, das das Licht stark reflektiert”, sagt Prof. Ralf Jaumann vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR).

Und auch die vielen unterschiedlichen Formen der Krater und ihr Erhaltungszustand haben die Wissenschaftler so nicht erwartet. Der Zwergplanet hat beispielsweise einen Krater mit einem Durchmesser von 300 Kilometern, der flacher ist, als es für einen Einschlagskrater üblich ist, aber auch Krater mit hohem Rand und einem Berg in der Mitte.

“Ganz ehrlich: Ceres ist viel spannender als ich gedacht habe”, betont DLR-Planetenforscher Ralf Jaumann.

Unbekannte Welten in 500 Millionen km Entfernung

Von Juli 2011 bis September 2012 umkreiste die amerikanische Raumsonde Dawn den Asteroiden Vesta, seitdem reist sie durch das All, um vom ersten Untersuchungsobjekt zum zweiten Missionsziel, dem Zwergplaneten Ceres, zu gelangen.

Über 228 Millionen Kilometer hat Dawn dabei zurückgelegt, die Frostgrenze im Asteroidengürtel zwischen Jupiter und Mars hinter sich gelassen und befindet sich nun über 500 Millionen Kilometer entfernt von der Erde.

Mit der Annäherung an Ceres wachsen Neugier und Spannung bei den Wissenschaftlern. Erstmals erkundet eine Sonde gleich zwei Himmelskörper in einer Mission: Asteroid Vesta war ein “trockener”, felsiger Asteroid, zerfurcht, voller Krater, Berge und Canyons. 

Der Zwergplanet Ceres wird als “nasser”, eisiger Asteroid nicht nur eine dreckige, staubige Eiskruste, sondern wohlmöglich auch einen darunterliegenden Ozean aus Wasser haben.

Quelle (Text/Foto) und FORTSETZUNG der DLR-Pressemeldung hier: http://www.dlr.de/dlr/desktopdefault.aspx/tabid-10212/332_read-12919/#/gallery/18819


Bayern: Diebstahlserie aus Kirchen aufgeklärt

Zeugenaufruf führte schnell zum Fahndungserfolg

Seit Anfang November 2014 kam es zu 12 gleichgelagerten Diebstählen aus Kirchen. Der Schwerpunkt der Taten lag in Niederbayern, ein Tatort lag in der Oberpfalz und einer in Oberbayern.

Entwendet wurden Holzfiguren und Holzkreuze im Gesamtwert von 40.000 Euro. Engel

Die veröffentlichten Bilder und der Zeugenaufruf führten bereits nach wenigen Stunden zum Erfolg.

Am Samstag, den 28.2.2015, meldete sich ein 61-jähriger Sammler aus dem Landkreis Dingolfing bei der Polizei. Er teilte mit, dass er erst kürzlich vier der 12 gesuchten sakralen Gegenstände gutgläubig erworben hätte.

Da der Sammler den Namen des Verkäufers der Polizei nennen konnte, machten sich die Ermittler der Kunstfahndung des LKA sofort auf den Weg nach Niederbayern. 

Nach Rücksprache mit der zuständigen Staatsanwaltschaft in Landshut, öffneten die Ermittler der Kunstfahndung mit Unterstützung von örtlichen Polizeikräften die Wohnung des 39-jährigen aus dem Landkreis Dingolfing und nahmen ihn dort vorläufig fest.Holzkreuz

Bei der Durchsuchung des Anwesens wurden noch eine weitere Figur und ein Standkreuz aus dieser Serie sichergestellt. Diese beiden sakralen Gegenstände sind dem Fall 10 (Hl. Notburga aus der Kirche in Roßbach) und dem Fall 11 (Standkreuz aus der Kirche in Osterhofen) zuzuordnen. 

Der arbeitslose Werkzeugmacher machte keinerlei Angaben zur Herkunft der Figuren. Er wurde am Sonntag auf Antrag der Staatsanwaltschaft der zuständigen Ermittlungsrichterin beim Amtsgericht Landshut vorgeführt, welche Haftbefehl erließ.

Am Montagmorgen (2.3.) wurde durch die Kunstfahnder nach Hinweis einer Zeugin der entwendete Engel aus der Kirche in Geiselhöring auf einer Auktionsplattform im Internet entdeckt. Der Engel wurde dort zum Kauf angeboten. Die Sicherstellung des Engels wird im Laufe des heutigen Tages erfolgen.033_30

Der Sammler aus Niederbayern hatte insgesamt 10 Figuren von dem 39-jährigen erworben, alle, wie er glaubhaft versicherte, gutgläubig. Vier dieser Figuren sind der Diebstahlserie zuzuordnen.

Die restlichen sechs Figuren wurden ebenfalls sichergestellt, da davon ausgegangen werden muss, dass diese ebenfalls aus Kirchendiebstählen stammen. Dies bedarf aber noch weiterer Ermittlungen.

Ebenfalls weiterer Ermittlungen obliegt der Verbleib der restlichen fünf Figuren und Kreuze aus dieser Diebstahlserie.

Aus diesem Grund bittet das Bayerische Landeskriminalamt weiterhin um Ihre Mithilfe:

Wer kann Angaben zum Verbleib der restlichen fünf Figuren machen, oder wem sind diese Figuren zum Kauf angeboten worden?

Quelle (Text/erste zwei Fotos) und FORTSETZUNG der Polizeimeldung hier: https://www.polizei.bayern.de/muenchen/news/presse/aktuell/index.html/216753


Kardinal Kaspers Reformideen und ihre kulturrevolutionären Folgen

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Als Antwort zu Kardinal Walter Kaspers Schrift „Evangelium von der Familie. Die Rede vor dem Konsistorium“, in welcher eine Aufweichung der Sakramentenlehre und Praxis der Kirche bezüglich der wiederverheirateten Geschiedenen vorgeschlagen wird, sind zwei wichtige Bücher erschienen:

„In der Wahrheit Christi bleiben: Ehe und Kommunion in der Katholischen Kirche“, herausgegeben von Robert Dodaro und mit Beiträgen der Kardinäle Gerhard Ludwig Müller, Carlo Cafarra, Walter Brandmüller, Raymond Leo Burke und Velasio de Paolis sowie weiterer Theologen.

Das zweite Buch ist „Das wahre Evangelium der Familie. Die Unauflöslichkeit der Ehe: Gerechtigkeit und Barmherzigkeit“ der Professoren am „Päpstlichen Institut Johannes Paul II.“ Juan José Pérez-Soba und Stephan Kampowski. Beide Bücher ergänzen sich und geben insgesamt eine recht vollständige Behandlung des Themas.

Hier soll das zweite Buch näher vorgestellt werden, weil es tiefer in die kulturellen Aspekte des Problems geht. Oder genauer gesagt: Das Buch von Pérez-Soba und Kampowski hat zwei Lesarten: eine theologische und eine kulturelle.

Wer eine systematische und detaillierte theologische Widerlegung von Kaspers „Rede vor dem Konsistorium“ sheader_buchucht, kommt genauso auf seine Kosten wie jemand, der den kulturellen Rahmen der Gedanken Kaspers kennenlernen will. Diese „kulturelle“ Seite des Problems soll nun untersucht werden.

Pérez-Soba und Kampowski stellen gleich am Anfang ihres Buches fest, daß die katholische Ehe- und Sexualmoral in der heutigen Welt auf heftigen Widerstand und Unverständnis stößt.

Nach katholischer Auffassung ist praktizierte Sexualität, die nicht von der Liebe geleitet wird, Egoismus. Damit Sexualität im Geist der Liebe praktiziert werden kann, muß sie ihrem eigentlichen Zweck, der menschlichen Fortpflanzung, offen stehen. Diese wiederum erfordert eine stabile Institution: die Ehe. Sexualität, Liebe und Ehe sind also organisch miteinander verbunden.

Die „Sexuelle Revolution“ hat sich durchgesetzt

Nach „moderner“ Auffassung sind das aber getrennte Dinge, die man zusammenlegt, wenn es zweckmäßig erscheint. Insbesondere die „Sexuelle Revolution“ hat Sexualität von Liebe (und von der Ehe sowieso) getrennt. Und zwar nicht erst in den 1960er Jahren, sondern schon viel früher.

Für den Psychoanalytiker Wilhelm Reich war Sexualität eine menschliche Tätigkeit, die völlig frei von höheren 1511Erwägungen praktiziert werden sollte. Er vertrat also das glatte Gegenteil der katholischen Auffassung.

Bekanntlich hat sich Reichs Sichtweise immer mehr durchgesetzt – inzwischen dermaßen stark, daß sich die katholische Kirche in einer Defensivposition befindet. Viele können gar nicht mehr nachvollziehen, wieso „Sex“ nur in der Ehe stattfinden soll, zudem ohne künstliche Verhütungsmittel.

Diese moderne freizügige Mentalität prägt natürlich unsere Kultur. In Spielfilmen, Fernsehserien, Literatur, Talkshows, Werbung, ja, überall wird eine Sicht von Sexualität verbreitet, die weitgehend der von Wilhelm Reich und seinen Nachfolgern, vor allem Herbert Marcuse und den 68ern, entspricht.

Die moderne Kultur unterstützt nicht die katholische Kirche, ihre Ehe- und Sexualmoral den Menschen begreiflich zu machen. Ganz im Gegenteil: Die moderne Kultur steht in vielen Punkten konträr zum katholischen Lehramt.

Pragmatischer deutscher Ansatz paßt sich den Umständen an

Auf diese Situation gibt es zwei mögliche Antworten: Eine wäre, die Kultur komplett zu verändern. Das war die Haltung des Apostels Paulus und der anderen Apostel, die permanent der antiken Welt die Leviten gelesen und zu einer umfassenden Bekehrung aufgerufen haben.

Dasselbe taten später Menschen wie der hl. Bonifatius oder der hl. Remigius, der Chlodwig I., dem König der Franken, nach seiner Konversion sagte: „Bete an, was du verbrannt hast – verbrenne, was du angebetet hast. Adora quod incendisti, incende quod adorasti!“

Kardinal Walter Kasper ist weit von solchen Vorstellungen entfernt. Er meint, man müsse die Menschen in ihrer Lebenswirklichkeit akzeptieren und mit ihnen ganz behutsam umgehen. Keineswegs solle man sie überfordern oder gar einen drastischen Lebenswandel verlangen. chrkn

Dieser „pragmatische Ansatz“ ist gerade in Deutschland beliebt. Viele Prälaten und Priester sind schnell bereit, sich den gegebenen Umständen anzupassen.

Pérez-Soba und Kampowski schreiben in ihrem Buch, Kardinal Kasper glaube wohl kaum, man könne die Menschen auffordern, sexuell enthaltsam zu leben. Eine solche Forderung scheine für Kardinal Kasper eine „unerträgliche Last“ zu sein. Selbst wenn man die Lehre der Unauflöslichkeit der Ehe aufrechterhält, so müsse man laut Kasper die Möglichkeit einer zweiten Form des Zusammenlebens irgendwie legitimieren, indem man wiederverheiratete Geschiedene zur Kommunion zuläßt.

Wenn man aber so weit ist, wird die tragende Säule der Lehre der Kirche zur Sexualität umgeworfen. „Diese tragende Säule ist das Beharren der Kirche darauf, daß der einzige angemessene Rahmen für den Vollzug menschlicher Sexualität der Kontext ehelicher Liebe ist.“

Es folgen weitreichende kulturelle Konsequenzen

Folgerichtig schlägt Kardinal Kasper eine Änderung der Sakramentenpastoral vor. Das geht aber nicht ohne eine Änderung der Lehre der Kirche hinsichtlich Ehe und Sexualität sowie der Lehre der Kirche hinsichtlich der Sakramente, vor allem der Eucharistie und des Bußsakramentes und somit nicht ohne eine Änderung der katholischen Christologie.
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Im Grunde wird suggeriert, der katholische Glaube, der seit 2000 Jahren gelehrt wird, könne von der Mehrheit der Menschen gar nicht praktiziert werden. Auf diese Einzelfragen gehen Pérez-Soba und Kampowski detailliert ein.

Kaspers Vorschläge in „Evangelium von der Familie. Die Rede vor dem Konsistorium“ hätten im Falle einer praktischen Anwendung jedoch nicht nur weitreichende theologische, sondern auch kulturelle Konsequenzen.

Die Preisgabe der Exklusivität des Geschlechtsaktes in der Ehe ist nämlich nichts anderes als eine Kapitulation vor der „Sexuellen Revolution“, die  –  wie oben schon beschrieben  –  seit Jahrzehnten an Boden gewinnt.

Von wilden Ehen bis zur Gender-Ideologie

Laut katholischer Lehre ist die Ehe aufgrund göttlicher Bestimmung unauflöslich – der Mensch kann das Ehesakrament nicht ungeschehen machen. Eine Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen zur Kommunion durch die Kirche entspräche einer Akzeptanz der Zweitehe, die aber im katholischen Sinne gar keine Ehe ist, weshalb sie auch nicht kirchlich geschlossen werden kann.

Wie können dann aber jene Menschen, die gar nicht verheiratet sind, aber in „wilder Ehe“ leben, noch von der Kommunion ausgeschlossen werden? Ihr Zustand ist sogar weniger irregulär als der von wiederverheirateten Geschiedenen. Auch diese müßten also zum Tisch des Herrn zugelassen werden.

Dann ist man aber nicht mehr weit davon entfernt, auch Personen zur Kommunion zuzulassen, die in homosexuellen oder transgender-Partnerschaften leben.slider5-640x360

Kurz: Rasch hätte man sich der „Sexuellen Revolution“ in ihrer ganzen Breite angepaßt. Von wilden Ehen bis hin zur Gender-Ideologie wäre alles drin.

Pérez-Soba und Kampowski schreiben: „Fast alles, was die Kirche über diese Themen sagt, steht und fällt mit der grundlegenden Lehre über den angemessenen Ort der menschlichen Sexualität.“

Kardinal Walter Kasper geht zwar in seiner Rede vor dem Konsistorium nicht so weit. Doch andere, vor allem etliche Theologen und Gruppierungen wie „Wir sind Kirche“, tun es sehr wohl und berufen sich auf Kasper. Sie ziehen die Schlußfolgerungen, die der Kardinal in seiner Rede vor dem Konsistorium nicht ziehen wollte.

Und mit der Zeit werden die Forderungen der Linkskatholiken immer radikaler und unverschämter. Mit seiner Rede hat Kardinal Kasper die Büchse der Pandora geöffnet, wodurch all der Schmutz der „Sexuellen Revolution“ der 68er-Bewegung in die katholische Kirche einzudringen droht.

Menschen suchen Antworten bei der Kirche

Eine Öffnung der katholischen Kirche für die Maximen der „Sexuellen Revolution“ hätte selbst für die heutige Welt fatale Folgen, so die beiden Autoren. Für sie ist unsere zeitgenössische Kultur längst nicht so libertär, wie oft angenommen oder in manchen Medien dargestellt wird.

Selbst in dieser modernen Welt ist die katholische Kirche so etwas wie ein Leuchtturm. Ginge dieser verloren, wären die Folgen unabsehbar:

„Die moderne Welt würde in ihr nicht länger einen Gesprächspartner finden hinsichtlich der Themen, die ihr am Herzen liegen. Was ist gerecht und was ist ungerecht? Wie kann man sein Leben gut führen? 120505288_BV_July und Mike

Wenn die Kirche also über Themen der Moral spricht, von Empfängnisverhütung und künstlicher Befruchtung über Klonen und genetische Manipulationen bis hin zu vorehelichem Geschlechtsverkehr, Scheidung, Abtreibung und Euthanasie, dann hat sie in der modernen Welt einen Gesprächspartner. Die moderne Welt mag nicht zustimmen, sie mag empört und schockiert sein; sie mag Medienkampagnen gegen Einzelpersonen oder die gesamte Kirche starten …

Nichtsdestotrotz zeigt die moderne Welt gerade dadurch, daß sie Ärger, Wut und Unverständnis gegenüber der Morallehre zum Ausdruck bringt, daß sie diese für wichtig hält, und das ist weit entfernt von der einzigen Haltung, die tödlicher ist als Opposition, nämlich Gleichgültigkeit.“

Laut katholischem Verständnis ist die Ehe aufgrund göttlicher Bestimmung unauflöslich. Ist eine Ehe gültig geschlossen, kann sie vom Menschen nicht aufgelöst werden. Wie die Autoren beschreiben, hat die Trennung von Sexualität und Fortpflanzung in der Wahrnehmung vieler Menschen nicht nur das Verständnis für die kirchliche Sexuallehre erschwert, sondern erheblich die moderne Kultur beeinflußt.

Abtreibung, Bindungsunfähigkeit, hohe Scheidungsraten, Frühsexualisierung sind direkte Folgen dieser Mentalität.

Kardinal Kaspers Vorstellungen zu Ende gedacht

Doch die wohl weitreichendste ist die Idee, daß das biologische Geschlecht unwichtig geworden sei: Die Gender-Ideologie „führt einen Bruch zwischen biologischem Geschlecht und sozialem Gender herbei und zieht damit die extremen Konsequenzen aus Simone de Beauvoirs berühmten Worten: ‘Man kommt nicht als Frau zur Welt, sondern wird es.’

Sie leugnet jegliche Bedeutung des sexuellen Unterschieds für die Bildung der eigenen Identität so weitgehend, daß nach Tony Anatrella ‘die Vorstellung der sexuellen Orientierung die Idee der sexuellen Identität vollständig ersetzt und zum Beispiel Homosexualität als Alternative zur Heterosexualität darstellt, was sie in Wirklichkeit nicht ist’ …

Kirche in Augsburg

Es scheint in der Tat so zu sein, daß die Gendertheorie nur in einer Gesellschaft entstehen kann, der jedes Bewußtsein für den Zusammenhang zwischen sexueller Aktivität und Zeugung verlorengegangen ist. Nur in einem derartigen Kontext kann die sexuelle Präferenz wichtiger werden als der Geschlechtsunterschied mit seinem inneren Bezug zur Fruchtbarkeit.“

Wir haben es also mit einer regelrechten „anthropologischen Revolution“ zu tun, in der folgerichtig auch die Mutterschaft und die Vaterschaft verschwinden müssen. Vater und Mutter werden durch die Ausdrücke „Elter 1“ und „Elter 2“ ersetzt.

„Die Genderideologie wurde im Westen in die schulischen Lehrpläne eingeführt, und wenn die Kirche weiter schweigt, dann könnte in ungefähr zwanzig Jahren das ‘Vaterunser’ für fromme, gender-gemainstreamte Ohren anstößig klingen. Es könnte so weit gehen, daß Eltern, die ihren Kindern das Vaterunser beibringen, das Sorgerecht verlieren und ins Gefängnis wandern“, so Juan José Pérez-Soba und Stephan Kampowski.

An solchen Passagen wird die Argumentationsstärke und die Weitsicht der beiden Autoren von „Das wahre Evangelium der Familie. Die Unauflöslichkeit der Ehe: Gerechtigkeit und Barmherzigkeit“ sichtbar.

Die praktische Umsetzung von Kardinal Kaspers Vorstellungen wäre nicht nur eine Schleifung der katholischen Ehe- und Sexualmoral, sondern auch ein ungeheurer Triumph der „Sexuellen Revolution“ mit kaum abzuschätzenden Folgen.

Buch-Daten: Juan José Pérez-Soba und Stephan Kampowski: Das wahre Evangelium der Familie. Die Unauflöslichkeit der Ehe: Gerechtigkeit und Barmherzigkeit, Media-Maria Verlag, geb., 240 Seiten, 19,95 Euro.

Unser Autor Mathias von Gersdorff leitet die Frankfurter Aktion “Kinder in Gefahr” und die Webseite “Kultur und Medien online”

Erstveröffentlichung des Beitrags in der Wochenzeitung “Junge Freiheit”


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