Augsburg: „Gebetsheiler“ Dr. Arne Elsen bei der charismatischen MEHR-Konferenz

Glaube und Heilung, Zeichen und Wunder…

„Leidenschaftlich, explosiv und voller Möglichkeiten, einem faszinierenden Gott zu begegnen!“  –   Mit diesen Worten wird die MEHR-Konferenz, die das ökumenische „Gebetshaus“ in Augsburg in diesen Tagen veranstaltet, auf deren Webseite vollmundig angepriesen.

Am heutigen Samstagnachmittag sprach Dr. Arne Elsen aus Hamburg zu den zahlreichen, meist jugendlichen Teilnehmern. Er ist eng verbunden mit dem charismatischen Verein „Glaube und Heilung“, der ebenfalls in der Hansestadt ansässig ist. Der 1961 geborene Arne Elsen ist Mediziner im Fachbereich Diabetik und leitet ein entsprechendes Zentrum in Hamburg.

Sein Vortrag, der mitunter von seiner „spontan“ auftretenden „Zungenrede“ begleitet war (ohne daß eine Auslegung der vermeintlichen „Sprachengabe“ erfolgte), wurde vom Livestream der MEHR-Konferenz direkt übertragen und danach auf youtube präsentiert.

Das erwähnte „Gebetshaus“ sowie die dazugehörende 24/7-Bewegung vereinigen in sich sowohl protestantisch-pfingstlerische Strömungen wie auch katholisch-schwarmgeistige Bewegungen.

Am Sonntag spricht Gabriele Kuby kuby

Für Morgen ist dort  –  zu unserem  nicht geringen Erstaunen  –  die kath. Publizistin Gabriele Kuby (siehe Foto) als Rednerin angekündigt; sie ist vor allem durch ihre berechtigte Kritik am Genderismus in konservativen Kreisen bekannt geworden. Allerdings schrieb sie zugleich eine theologisch eher unausgreifte Biographie mit dem Titel „Mein Weg zu Maria“.

Der Leiter dieses Gebetshauses in Augsburg ist der Katholik Dr. Johannes Hartl, einigen vielleicht auch durch seine Beiträge in der kath. „Tagespost“ aus Würzburg ein Begriff. Dr. Hartl lädt zu der von ihm moderierten MEHR-Konferenz, die stets Anfang Januar stattfindet, häufig und gerne evangelisch-freikirchliche „Star-Evangelisten“ ein, darunter den US-Prediger Bob Fraser  – und diesmal z.B. den „Gebetsheiler“ Dr. Elsen, der sich heute zu einer stundenlangen enthusiastischen Rede aufschwang.

„Hunderte von Heilungen“ erlebt…

In der Ankündigung der Veranstalter heißt es über diesen Charismatiker , er habe „hunderte“ von „Heilungen“ erlebt, die von Gott bewirkt worden seien.

Entsprechend gestaltete sich auch die Rede Dr. Elsens, der reihenweise von den durch seine Gebete bewirkten „Heilungen“ erzählte, wobei vom Kopfschmerz über Gehirntumor bis zum Rheuma kaum ein Leiden unerwähnt blieb, das durch seinen gesegneten bzw. gesalbten „heißen Draht nach oben“ verschwunden sei. 038_35

Als sich z.B. ein Leserbriefkommentator im parallel laufenden Chat-Bereich über eigene enttäuschende Erfahrungen mit Dr. Elsen beklagte, wurde er von der Gebetshaus-Moderation zurechtgewiesen: derlei Kritik gehöre nicht in diesen Chat.

Auch die kleinen Kinder des „Heilungspredigers“ sind   –  Dr. Elsens Angaben zufolge  –  derart missionarisch drauf, daß sie dem Eifer des Herrn Papa alle Ehre machen und man nicht so recht weiß, ob sie ihm „nachfolgen“ oder gar „vorausgehen“…

Direkter „Draht nach oben“

Während der „normale Christ“ bemüht ist, den Willen des Höchsten anhand der göttlichen Gebote sowie durch Vernunft und „gesunden Hausverstand“ zu erkennen, dabei sicherlich auch auf die „sieben Gaben des Heiligen Geistes“ vertrauen, läuft das bei Dr. Elsen auf einem viel direkteren Wege.

In seiner Rede zitierte er mehrfach die wörtlichen Einsprechungen des Allmächtigen, der offenbar einen recht hemdsärmeligen Kontakt mit dem charismatischen Gebetsheiler pflegt, zB: „Der HERR sagte: „Arne, ich möchte, daß Du…“ (dies oder jenes unternimmst etc.)  – und so geht das in einem fort.

Demnächst tourt Elsen wieder durch deutsche Lande, wie er begeistert ankündigte  –  und weiß schon jetzt, daß es dabei sehr erwecklich zugeht: „Der HERR sagte, es werde eine Offenbarung des Geistes geben!“  –  Bald darauf erfolgte noch einmal die Kundgabe, es werde ein „neues Wirken des Heiligen Geistes entstehen“ etc.

Wie könnte es auch anders sein, arbeitet er doch, wie er ausdrücklich bekräftigte, mit dem Werk und Nachfolger des hochgradig schwarmgeistigen „Starpredigers“ Reinhard Bonnke zusammen, jenem bekannten „Mähdrescher Gottes“, durch den sich  –  dessen Angaben zufolge  –  schon Millionen Menschen „bekehrt“ haben…

Motto: „Gott heilt auch heute noch“

Das Thema der Elsen-Ansprache lautete „Gott heilt auch heute noch!“  und brachte damit Programm und Erwartungshaltung charismatischer Frömmigkeit auf den Punkt.

Dabei berichtete von schwerer Erkrankung seines einst dreijährigen Sohnes, für den er langanhaltend gebetet und dabei „Jesu Sieg proklamiert“ habe: „Die Krankheit muß weichen! Du hast uns Gesundheit verheißen!“    media-390606-2

Das ist ein typisches Beispiel für charismatisches „Beten“ mit seinem drängenden, aufdringlichen Stil, das Gott gleichsam vorschreibt, wie er zu reagieren und zu handeln hat. 

Diese unstatthafte, unangemessene Haltung gegenüber unserem Schöpfer und Erlöser wird mit wohlklingenden Worten umnebelt („Den Sieg Jesu proklamieren“), so daß diese dreiste Anmaßung gar wie eine fromme Tugend erscheinen  mag. Dazu paßt auch die ständige Ausrufung „Halleluja“, welche die ganze Ansprache von A bis Z durchzog.

Dabei wurden auch Tendenzen eines sog. charismatischen „Wohlstandsevangeliums“ sichtbar, wenn Elsen etwa erklärte, daß es „uns so gut geht“, sei eine Auswirkung des Heiligen Geistes…

Fixierung auf „Lobpreis“ verdrängt sittliches Ethos

Typisch schwärmerisch auch die einseitige Konzentration auf den sog. „Lobpreis“, der möglichst oft und unentwegt vollbracht werden solle. Hingegen scheinen die sittlichen Gebote des Christentums kaum zu interessieren, stattdessen stehen „Zeichen und „Wunder“, Heilungen und besondere „Geistesgaben“ und „Salbungen“ von oben im Zentrum der Aufmerksamkeit.

Zwischendurch brachte Elsen seine typisch protestantische Rechtfertigungslehre zum Ausdruck, indem er sich abfällig über eine sog. „Werkgerechtigkeit“ äußerte und bekräftigte: „Wir sind gerechtfertigt durch den Glauben.“

Der recht verstandene Glaube ist zweifellos die Grundlage unserer „Rechtfertigung“ vor Gott, doch für das ewige Heil ist sehr wohl auch die Einhaltung der göttlichen Gebote und praktizierte Nächstenliebe angesagt, wie die Heilige Schrift uns nicht „nur“ im Jakobusbrief einschärft.

Zur oberflächlichen Schmalspur-Theologie paßt es dann auch, daß der Redner dem überwiegend jugendlichen Publikum folgende angenehme Ansage bietet: „Gott ist kein strenger, strafender, sondern ein liebender Gott“ –  so ganz der gefühlsselige Kuschelgott der Schwärmerszene eben, stets eifrig darauf bedacht, die Bedürfnisse und Wünsche seines irdischen Fanclubs zu erfüllen und deren „Proklamationen“ nachzukommen.

„Nicht jeder, der HERR, HERR sagt…“polskaweb

In der Heiligen Schrift werden theologische Zusammenhänge doch ganz anders erkennbar, zB. in folgenden Worten Christi (Mt 7,21 ff):

„Nicht jeder, der HERR, HERR zu mir sagt, wird ins Himmelreich eingehen, sondern wer den Willen meines Vaters erfüllt.

Viele werden an jenem Tage zu mir sagen: HERR, HERR, haben wir nicht in deinem Namen geweissagt, haben wir nicht in deinem Namen Dämonen ausgetrieben und in deinem Namen viele Wunderwerke getan?   –  Und dann werde ich ihnen sagen: Ich habe euch niemals gekannt; weichet von mir, ihr Übeltäter!“

Diese Bibelstelle ist hinsichtlich der wachsenden schwärmerischen und wundersüchtigen Tendenzen unserer Zeit aufschlußreich und mahnt zur Wachsamkeit und Nüchternheit.

Zurück zu Elsens Ansprache: Nach einem öffentlichen „Übergabe-Gebet“, das der Redner vorsagte und das die versammelten Konferenz-Teilnehmer ihm Wort für Wort laut nachsprechen sollten, rief Dr. Elsen in die Runde: „Applaus für Jesus!  –  Halleluja!“ 

Als ob der göttliche Erlöser in seiner himmlischen Erhabenheit auf solch lächerlichen Beifall und Theaterdonner angewiesen wäre! 

Ähnlich kurios erscheint auch seine Bemerkung, wir sollten „ein bißchen nett zu unserem Gott“ sein, gleichsam so „von Mensch zu Gott“.  – Dr. Elsens „Lobpreis“-Reden waren ebenfalls reichlich salopp in ihrer sprachlichen Darbietung und Selbstinszenierung: „Du bist so sagenhaft, Gott, ich bin so begeistert!“ 

In seinen Kurzgebeten am Ende der Predigt wurde Gott u. a. dafür gedankt,

„daß Du jeden hier berührst“,
„daß Du uns einen großen Sprung nach vorne schenkst“,
„daß Du jetzt so eingreifst“,
„daß Du Gesundheit wiederherstellst“,
„daß wir uns die Butter nicht vom Brot nehmen lassen“.

Daß sich charismatische „Starprediger“ und „Glaubensheiler“ grundsätzlich die Butter nicht vom Brot nehmen lassen, ist allerdings bekannt (siehe zB. HIER).

Felizitas Küble, Leiterin des KOMM-MIT-Jugendverlags und Christoferuswerks in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.


Buch-TIP: „Wenn Tote wieder leben“

Buch-Daten:
Francois Reckinger
Wenn Tote wieder leben
Wunder:  Zeichen Gottes oder PSI?
Verlag Ursula Zöller (Aschaffenburg)
190 Seiten, ISBN 3-928736-06-X, Preis 12,80 €

Dieses profunde Sachbuch über „Wunder: Zeichen Gottes oder PSI?“ verdient weiteste Verbreitung, denn es verbindet kritische Sachlichkeit und wissenschaftliche Gründlichkeit  mit einer prinzipiellen theologischen Bejahung von Wundern als übernatürlichem Eingriff Gottes in die Naturgesetze.

Francois Reckinger, katholischer Priester und Schriftsteller aus Luxemburg, ist als Autor fundierter Sachbücher bekannt. Sein Buch „Wenn Tote wieder leben“ überzeugt durch nüchterne Präzision bei gleichzeitigem Bekenntnis zum Wunderwirken Gottes in Geschichte und Gegenwart.

Der Autor belegt zunächst die Wirklichkeit biblisch bezeugter Wunder, durch die sich der göttliche Anspruch Christi und das Heilshandeln Gottes klar erweist. Freilich hat das katholische Lehramt die Möglichkeit göttlicher Wunder auch nach der Himmelfahrt Christi stets verkündet. Dabei hat die Kirche zugleich strenge Maßstäbe in der Beurteilung von Einzelfällen angelegt   – weit entfernt von jeder schwärmerischen Wundersucht.

Der Verfasser vermeidet ebenfalls beide Abirrungen: sowohl Wundersucht wie  Wunderflucht, Leichtgläubigkeit ebenso wie Unglaube. Eben diese nüchterne und zugleich glaubenserleuchtete Haltung macht das Buch für Katholiken  – aber auch für Christen anderer Konfessionen  –  wertvoll, interessant und aufschlußreich.

Pfr. Reckinger geht auch auf die Möglichkeit dämonisch bewirkter „Wunder“ ein, die man auch als „Lügenwunder“ bezeichnen könnte. Die Heilige Schrift warnt mehrfach vor satanisch verursachten „Zeichen und Wundern“ (zB. in Mt 24,24  –  Thess 2,9  – Off 13,12)

In den von Kardinal Prosper Lambertini (dem späteren Papst Benedikt XIV.) bereits im Jahre 1738 vorgelegten Unterscheidungs-Kriterien heißt es, daß sich göttliche Wunder von dämonischen Täuschungswundern unterscheiden „aufgrund ihrer Wirkung, ihres Nutzens, ihrer Art und Zielsetzung, aufgrund der (das „Wunder“) vermittelnden Person und des gegebenen Anlasses.“    –  Zur Begründung heißt es dort, daß „Gott keine Wunder wirkt, die gemein, lächerlich und unnütz (…), unanständig, obszön in sich selber oder in ihren Auswirkungen wären.“

Häufiger als satanische Lügenwunder sind wohl jene Scheinwunder, die sich psychologisch bzw. „parapsychologisch“ erklären lassen, also auch ohne außernatürliche Ursachen zustande kommen können. Hierzu gehören neben dem bekannten Placebo-Effekt etwa jene „Heilungen“, die nur vorübergehend anhalten bzw. nicht die Ursache beseitigen, sondern lediglich zeitweise das Schmerzempfinden verbessern.

Der Autor zieht hier mit gutem Grund die wissenschaftlichen Forschungen von Prokop/Wimmer (einem Rechtsmediziner und einem Richter) heran, die sich gründlich und kritisch mit „Heilungsphänomenen“ im esoterischen und „parapsychologischen“ Spektrum befassen   – und abergläubische Legenden mit Recht bekämpfen. Nicht der Unglaube allein ist ein Feind des Glaubens, sondern mindestens ebenso stark auch der Aberglaube!

Außerdem befaßt sich Pfr. Reckinger mit Tricks und  haltlosen Behauptungen hinsichtlich der angeblich so zahlreichen „Heilungswunder“ im freikirchlich-charismatischen Bereich.  Die entsprechende Kapitel.-Überschrift „Heilungswunder außerhalb der katholischen Kirche“ ist allerdings nicht präzise gewählt, denn „charismatisch“ geprägte Heilungen, die wissenschaftlichen Kriterien nicht standhalten, kommen auch in der katholisch-charismatischen Szene vor, wenngleich diese sicherlich zahlenmäßig geringer ist als in protestantischen Konfessionen, von pfingstlerischen „Freikirchen“ mit ihren enthusiastischen  „Evangelisten“ ganz zu schweigen.

Als Beispiel für betrügerische Schaumschlägerei in diesem Spektrum erwähnt der Autor den sog. „Rollstuhltrick“:

„Für den amerikanischen Bereich bezeugen die beiden (…) Autoren aus den USA, J. Randi und Th. Straub, mehrfach denselben Sachverhalt. Der Erstgenannte, von Beruf Zauberkünstler, fügt dem die Enthüllung unglaublicher Tricks hinzu, mit denen eine ganze Reihe von Evangelisten offenbar Wunderheilungen vortäuschen.

Dazu gehört vor allem der „Rollstuhltrick“:  Teilnehmer, die am Stock gehen, jedoch zu Fuß in den Versammlungssaal gekommen sind, werden von Mitarbeitern gebeten, in bereitgestellten Rollstühlen Platz zu nehmen. Im Verlauf des „Gottesdienstes“ spricht der Evangelist dann zu ihnen: „Im Namen Jesu sage ich Dir: Steh auf und gehe!“  – was die Angesprochenen unter den genannten Voraussetzungen natürlich spielend vermögen.

Blindenheilung wird aufgrund der Tatsache vorgetäuscht, daß viele, die einen Blindenpaß besitzen und einen weißen Stock benutzen, nicht völlig blind sind und daher sehr wohl sehen können, wie viele Finger ihnen der Evangelist unmittelbar vor die Augen hält  – was als Beweis ihrer Heilung ausgegeben und von den Teilnehmern beklatscht wird.“ (S. 75 f.)

Pfr. Reckinger befaßt sich sodann mittels eigener Recherchen sowie aufgrund von diverser Fachliteratur mit angeblichen  „Heilungswundern“ prominenter  Charismatiker wie Reinhard Bonnke und John Wimber sowie der amerikanischen „Heilungsevangelistin“ Kathryn Kuhlman, wobei gerade letztgenannte laut Aussage des Arztes Dr. W. A. Nolen  den „Rollstuhl-Trick“ praktiziert haben soll. Auch die beiden erwähnten schwarmgeistigen „Starprediger“ können kein einziges wirkliches Wunder aufweisen, sobald ihren großspurig verkündeten „Heilungserfolgen“ gründlich auf den Zahn gefühlt wird.

Während derart unseriöse Phänomene im charismatischen Lager gang und gäbe sind, hat sich das Lehramt der katholischen Kirche stets um nüchterne und strenge Maßstäbe für die Anerkennung eines „göttlichen Wunders“ bemüht.

Der Verfasser listet die bekannten Kriterien von Kardinal Lampertini bzw. Benedikt XIV. auf, die 1734 veröffentlicht wurden und als Bedingungen für die kirchliche Anerkennung von  Heilungswundern im Rahmen von Seligsprechungsverfahren gelten (S. 113).

Daraus geht hervor, wie nüchtern und präzise die Kirche bereits vor Jahrhunderten vorging, um jeder Wundersucht oder Leichtgläubigkeit vorzubeugen. Die strikten Lambertini-Kriterien lauten im wesentlichen wie folgt:

1. Es muß sich um eine schwere Krankheit handeln, die unheilbar oder nur schwer heilbar ist.
2. Es darf keine erhebliche Besserung vorausgegangen sein.
3. Es dürfen keine Medikamente zur Heilung der Krankheit verabreicht worden sein  – oder es muß feststehen, daß sie zu keinem Ergebnis in diesem Sinn geführt haben.
4. Die Heilung muß plötzlich oder nahezu plötzlich erfolgt sein, ohne den bei natürlichen Heilungen üblichen Genesungsprozeß.
5. Die Heilung muß vollständig sein.
6. Sie muß dauerhaft sein, d.h. es darf kein Rückfall in dieselbe Krankheit stattgefunden haben.

Pfr. Reckinger befaßt sich sodann ausführlich und durchaus kritisch mit den zahlreichen medizinisch unerklärbaren Heilungen von Lourdes. Dabei weist er darauf hin, daß nicht jedes Phänomen, das sich medizinisch nicht oder noch nicht erklären läßt, unbedingt als göttliches Wunder anzusehen ist.

Gleichwohl ergeben sich im Zusammenhang mit Lourdes eine große Zahl von Heilungen, die man auch bei gründlichster und kritischer Untersuchung  mit einer großen Wahrscheinlichkeit als göttliches Wunder wird würdigen können.

Interessant ist in diesem Zusammenhang des Autors faktenstarke Widerlegung von wesentlichen Passagen des antikatholischen Romans „Lourdes“ von Emile Zola, der 1894 veröffentlicht wurde (S.188 f.).

Wenngleich kein Katholik verpflichtet ist, an Marienerscheinungen in Lourdes oder an dort stattfindende Wunder zu glauben, so brauchen Katholiken sich wahrheitswidrige Attacken von gegnerischer Seite nicht bieten lassen. Auch insoweit ist die Aufklärungsarbeit des Verfassers anerkennenswert und verdienstvoll.

Etwas ungeschickt erscheint freilich die Einbandgestaltung des Buches: Die Titelseite präsentiert ein großes, zudem etwas trist wirkendes Schwarz-Weiß-Bild der Lourdes-Grotte, auf der hinteren Umschlagseite ist ein Foto der hl. Bernadette zu sehen, der Visionärin von Lourdes. Folglich entsteht auf den ersten Blick der Eindruck, es handle sich hier um ein Marienbuch bzw. speziell um ein Lourdes-Buch, nicht um eine grundsätzliche Studie zu Wundern und Wunderheilungen, wobei die Lourdes-Thematik lediglich einen Teil der Ausführungen umfaßt.

Das gesamte Buch überzeugt gleichwohl durch profunde Sachlichkeit und Gründlichkeit, durch den echt katholischen Geist einer nüchternen und gläubigen Vernunft jenseits modernistischer Wunderleugnung oder schwärmerischer Wundersucht.

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster


Benny Hinn – der charismatische Starprediger

„Hin zu Hinn  – und du bist hin!“

Einer der bekanntesten amerikanischen „Fernseh-Evangelisten“ und „Heilungsprediger“ ist Benny Hinn. Daran vermochte auch die von seiner Frau eingereichte Scheidung nichts zu ändern, ebenso wenig die in manchen Medien geäußerte Kritik an seinem luxuriösen Lebensstil.

Der 1952 in Jaffa (Israel) als Sohn christlicher Palästinenser geborene Benny (Benediktus) neigt zu Übertreibungen und Schaumschlägerei, ganz zu schweigen von seinen zahlreichen „prophetischen“ Ankündigungen, die nicht eintrafen. Auch seine Behauptung, sein Vater sei Bürgermeister von Jaffa gewesen, erwies sich als unzutreffend.

Hinn ist Pastor des 1983 gegründeten „Orlando Christian Center“ in Florida (USA).  Sein Lebenslauf ist geprägt von angeblichen übernatürlichen Erlebnissen, die schon mit 11 Jahren begonnen haben sollen (Jesus-Vision).

Seine pfingstlerische Orientierung bzw. „Zurüstung mit Kraft“ erhielt er Anfang der 70er Jahre von der prominenten Charismatikerin Kathryn Kuhlmann, die vor allem in den 70er Jahren viel von sich reden machte und große Hallen füllte.

Der evang. Autor Kurt Quadflieg schreibt in seinem Buch „Und sie werden viele verführen“ ausführlich und kritisch über Benny Hinns „Evangelisation“  –  so etwa auf S. 20 Folgendes:

„Die überaus spektakuläre und betont nur auf Effekthascherei ausgerichtete Hinn-Veranstaltung in Basel kommt selbst in der von „Benny-Hinn-Media“ in Auftrag gegebene Video-Kasette unverkennbar zum Ausdruck, was bei jedem bibelkundigen Betrachter unweigerlich einen erschreckenden Eindruck hinterlassen muß.

In immer stärkerem Maße auf diesen sonderbaren Wunderheiler aus Amerika aufmerksam geworden, erhob eine Zeitung die nicht unangebrachte Frage: „Mann Gottes oder Scharlatan?“

Als was von beiden er sich längst entpuppt hatte, beantwortete Hinn selbst im Interview mit der US-Publikation „Charisma und Christian Life“. Darauf angesprochen, daß seine Theologie scharf kritisiert wurde, weil er Irrlehren verbreitet habe, gab Hinn zu, „einige Sachen gelehrt zu haben, die falsch waren“.

Auf den Vorwurf, er habe u. a. gelehrt, daß Christen „kleine Götter“ seien  – oder das Volk Gottes dürfen nie solche glaubenszerstörenden Worte wie „Wenn es Dein Wille ist, Herr…“ aussprechen, entgegnete er verlegen, er habe nicht genug Zeit gehabt, „diese Sache zu prüfen“.

Stark angekreidet wurde ihm von dem Interviewer auch, daß seine Auftritte theatralisch wirken, er die Menschen „mit Salbung anblase“, mit den Armen rudere und seinen Mangel auf die Leute werfen.

Hinn entgegnete: „Es gibt da einen Druck, daß etwas passieren  muß auf der Bühne, wenn man einen Heilungsdienst hat. Die Leute wollen etwas sehen und da entgleiten mir manchmal die Dinge.“

Ähnlich wie bei seinem Star-Kollegen Reinhard Bonnke (siehe unser Artikel „Reinhard Bonnke  – ein „Mähdrescher Gottes?“), mit der er mehrfach gemeinsam enthusiastische „Feuer-Konferenzen“ durchführte, kippen auch ekstatische Anhänger von Hinn zu tausenden (!) nach hinten hin, fallen tranceartig auf den Rücken   – ein sonderbares, von Charismatikern gerne als „Ruhen im Geist“ gelobtes Phänomen, von Kritikern hingegen als „Hammersegen“ bezeichnet.

„Hin zum Hinn und du bist hin!“

Die linksliberale „Süddeutsche Zeitung“ vom 26.8.2000 spottete folgendermaßen über eine große „Heilungsshow“ des Starpredigers Hinn:

„Unheilbar Kranke versammeln sich am Bühnenrand. Und Benny ist gut drauf: „Alle werdet ihr geheilt!“… Eine aidskranke Mutter mit zwei Söhnen. Benny redet auf alle ein, greift dann der Frau an die Stirn und keift: „Der Teufel der Krankheit soll weichen!“  – Schon liegt Muttchen flach….

Der Abend ist noch lang, steigerungsfähig sind wir doch alle. Und dann fallen sie, erst noch einzeln, dann gruppenweise und schließlich, einmal im Rausch, ist es schwer, wieder aufzuhören…

Tausende erheben sich, Benny pustet, wedelt und schon sitzen bzw liegen sie wieder. Auf die einfache Faustformel gebracht: Hin zum Hinn und du bist hin!“

Diese Spöttelei der weltlichen Zeitung (die natürlich von den spirituellen Hintergründen nichts weiß)  ist einerseits berechtigt, andererseits ist die Sache leider zu ernst, um sie durch den Kakao zu ziehen, denn viele Menschen nehmen Schaden an ihrer Seele durch solche irrgeistige Bewegungen. Deshalb dürfen wir sie nicht verharmlosen oder bloß veralbern, sondern sollten Gläubige vor derartigen (un)geistlichen Gefahren warnen.

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster
Mail-Kontakt: felizitas.kueble@web.de