Vor 50 Jahren gründete Erzbischof Marcel Lefebvre sein traditionelles Priesterseminar

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Die Priesterbruderschaft St. Pius X. wurde kirchenrechtlich am 1. November 1970 errichtet. Aber schon ein Jahr vorher versammelte Erzbischof Marcel Lefebvre Studenten im Schweizer Freiburg, die sich seiner Leitung anvertrauten.
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Nach bescheidenen Anfängen konnte bald im 100 km entfernten Wallis ein altes Klostergut bezogen werden, aus dem das bekannte Seminar von Ecône enstand.
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BILD: Erzbischof Lefebvre bei der Grundsteinlegung seines Priesterseminars
 
Seit dem 2. Vatikanischen Konzil erreichten Erzbischof Lefebvre, der zu jener Zeit Generaloberer der Kongregation der Spiritanerpatres war, immer wieder verunsicherte Anfragen ratloser Seminaristen.
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.Der Niedergang der Priesterausbildung war bereits überall spürbar. Zunächst verwies der Erzbischof die Ratsuchenden an die Seminare oder Universitäten, die er als „traditioneller“ einschätzte…
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Bevor der aus Frankreich stammende Erzbischof feststellen musste, dass auch die Zwischenlösungen – wie das französische Seminar in Rom oder die päpstliche Lateran-Universität – scheiterten, sah er sich bald aller Funktionen entbunden, nachdem er im Jahre 1968 angehalten worden war, von seinem Amt zurückzutreten.
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Er war nun mit 63 Jahren emeritierter Bischof und entschied sich, selbst eine Ausbildungsstätte in Freiburg in der Schweiz zu errichten.
Im Oktober 1969 stehen die ersten Seminaristen am Bahnhof von Freiburg. Der Erzbischof bringt sie in wechselnden Häusern unter. Sie bitten um eine wirklich katholische geistliche Ausbildung. 
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Am 7. November 1970 verkündet der Erzbischof seinen Seminaristen die offizielle Errichtung der „Priesterbruderschaft St. Pius X.“ in der Diözese Freiburg durch Bischof François Charrière. Am 18. Februar 1971 schickte der Präfekt der vatikanischen Kleruskongregation ein Schreiben, welches das vollbrachte Werk lobte.
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FORTSETZUNG und vollständige Fassung des Beitrags hier: https://fsspx.de/de/news-events/news/vor-50-jahren-die-gr%C3%BCndungsidee-von-erzbischof-lefebvre-51740

Wo bleibt die Präsenz des Glaubens in der Welt? Nehmen wir den Auftrag Christi ernst?

Von Prof. Dr. Hubert Gindert

Den Platz der Weltchristen zeigt uns die „Dogmatische Konstitution“ des Zweiten Vatikanischen Konzils deutlich auf:

„Den Laien ist der Weltcharakter in besonderer Weise eigen… Die Laien sind besonders dazu berufen, die Kirche an jenen Stellen und in den Verhältnissen anwesend und wirksam zu machen, wo die Kirche nur durch sie Salz der Erde werden kann…“

Der Jugendkatechismus (Youcat) spricht in seinem zweiten Kapitel „Die menschliche Gemeinschaft“ (Ziff 321 ff) über den Beitrag der Laien für die Gesellschaft:

„Ein Christ kann niemals ein reiner Individualist sein, denn der Mensch ist von Natur aus auf Gemeinschaft hin angelegt… Der Einzelne kann sich frei in der Gesellschaft entfalten, wenn das Subsidiaritätsprinzip beachtet wird“.

BILD: Prof. Hubert Ginder leitete den Dachverband „Forum Deutscher Katholiken“ und die Monatszeitschrift DER FELS

Subsidiarität besagt „was der Einzelne für sich aus eigenen Kräften leisten kann, darf ihm nicht durch eine übergeordnete Instanz abgenommen werden“. Der katholischen Soziallehre geht es darum, den „Masterplan“ Gottes für die Menschen darzulegen.

Warum ist das heute so wichtig?

Jeder kennt das zunehmende Lamento: Christliche Inhalte und Symbole (Kreuze) werden aus Politik, Vereinen, Schulen, öffentlichen Verwaltungen herausgedrängt. Und das stimmt auch!

Warum ist das so? Die Antwort ist einfach: Weil es immer weniger Christen gibt, die ihre Überzeugungen in der Öffentlichkeit präsent setzen.

Das hat neben fehlender Zivilcourage auch mit Unwissenheit zu tun. Hinzu kommt der sich ausbreitende Individualismus, christlich gesprochen, eine schwindende Nächstenliebe. Das erinnert an die Vorhersage Christi… „und weil die Gottlosigkeit überhand nimmt, wird die Liebe in vielen erkalten“ (Mt 24,12).

Warum war das früher anders?

Ich nenne zwei Gründe: Der höhere religiöse Grundwasserspiegel war auch verbunden mit der Nächstenliebe. Junge Menschen wurden in kirchlichen Gemeinschaften wie Kolping, Katholisches Landvolk, KAB vorbereitet und motiviert, Verantwortung für die Gemeinschaft in Vereinen oder in der Kommunalpolitik zu übernehmen. Es ging dabei um dauerhafte Bindung und nicht nur um Mitarbeit für ein zeitlich begrenztes Projekt.

Wie und wo können heute junge Menschen gewonnen werden, Christentum in der „Welt“ präsent zu machen?

Angesichts eines gesellschaftlichen Umbruchs, der inhumane Züge aufweist, ist das für Christen nicht Kür, sondern eine Pflichtaufgabe.

Wir erleben heute beispielsweise die völlige Gleichstellung aller Formen eheähnlichen Zusammenlebens mit der von der Verfassung geschützten Ehe von Mann und Frau. Wir sind konfrontiert mit Massenabtreibung, mit der Frühsexualisierung in Pflichtschulen, mit der Durchsetzung der Genderideologie, die den Menschen ihre Geschlechteridentität raubt und mit einer tabufreie Forschung an menschlichen Embryonen, mit Leihmutterschaft etc.

Wer kann ein Gegengewicht gegen solche Tendenzen bilden durch Information, aber auch durch gesellschaftspolitische Initiativen?

Manche denken an die neuen geistlichen Gemeinschaften. Bei näherem Hinschauen wird man aber ernüchtert. Ein Blick auf das Programm von zwei bekannten geistlichen Gemeinschaften, die ihre Jahrestreffen absolviert haben und gut besucht waren (rund 1500 Teilnehmer), zeigt, dass die Zeichen der Zeit noch nicht erkannt werden.

Eine der beiden Gemeinschaften besteht überwiegend aus jungen Familien. Das Programm hatte folgende 13 Veranstaltungen/Workshops. Eines davon beschäftigt sich näher mit der Aufgabe der Weltchristen (Nr. 9).

  1. Projektchor (Lieder)
  2. Sport und genießen
  3. Kunst und Kreativität
  4. Beziehung und Partnerschaft
  5. Meine „schrecklich nette“ Familie
  6. Leben mit dem heiligen Geist
  7. Ruhezone: Gebet, Stille, Meditation
  8. Glauben neu entdecken
  9. Politisch neu denken: Wie kann die politische Auseinandersetzung in Twitter, Shitstorms und sinkenden Hemmschwellen an menschlicher und inhaltlicher Qualität gewinnen. Welche Haltungen zählen, gerade auch im Umgang mit extremen Positionen links und rechts und neuen „starken“ Führern
  10. Abendteuer Alltag: Karriereplanung, Familienmanagement, Trends, Hobby, Weltpolitik
  11. Einfach fair leben: Über alltagstaugliche, umweltbewusste und nachhaltige Möglichkeiten etwas verändern
  12. Mission possible: Aufbau missionarischer Gemeinden/Gemeinschaften
  13. Klassische Austauschgruppen: Was man beim Forum erlebt und entspanntes Kennenlernen

Die zweite Gemeinschaft zählt überwiegend junge Menschen zu ihren Teilnehmern. Das Hauptprogramm des Jahrestreffens gibt einen Überblick über die vier Tage:

Mittwoch: Lobpreis/Talk „Bereit für Neues“/Lobpreis und Rosenkranz/Heilige Messe/Holy Hour – Nachtanbetung

Donnerstag: Lobpreis/Talk „Gottes Ja“/Meet & Speak/Glory Stories/Workshops (14 Uhr bis 16:15 Uhr/ Rosenkranz/Heilige Messe/Talk „Zeichen und Wunder“/Lobpreis Nachtanbetung

Freitag: Lobpreis/Talk „Zuhause beim Vater“/Meet & Speak/ Workshops (14 Uhr bis 16:15 Uhr/Rosenkranz/Heilige Messe/Talk „Was er euch gibt das nehmt – was er euch nimmt das gebt“/Barmherzigkeit Nachtanbetung

Samstag: Talk „Schönheit und Stärke“/Glory Story/Lobpreis und Gebet/Regionalgruppen/Workshops 14 Uhr bis 16:15 Uhr/Rosenkranz/Heilige Messe/Talk „Ja, aber“/eucharistischer Gebetsgottesdienst Nachtanbetung

Sonntag: Lobpreis und Glory Stories/Was er euch sagt, das tut – was er euch tut, das sagt/Heilige Messe/Abschluss (14 Uhr)

Das Programm umfasste an drei Tagen insgesamt 37 Workshops, die jeweils in rund zweieinhalb Stunden abgewickelt wurden. Davon hatten vier einen deutlichen Bezug auf den Weltauftrag der Christen:
„Papst Post“: Wie finde ich zu meiner Berufung und Lebensaufgabe?
„Wann ist ein Mann ein Mann? Über die Rückkehr der starken Männer“.
„Christentum und Islam“
„Fake News und journalistisches Echo: Können wir unseren Medien noch vertrauen. Ein Streifzug durch die Medienwelt. Warum werden Nachricht und Meinung immer stärker vermischt?“ 

Kardinal Walter Brandmüller verdeutlicht in seinem Vortrag vom 21. Juli 2019 „Der Beitrag des Christentums zur Zukunft Europas“ unsere Problematik:

„Sicher ist, dass das Maß des kirchlichen Einflusses auf die sich selbst als säkular verstehende Gesellschaft zunächst von der Zahl der Gläubigen und ihrem sozialen und politischem Gewicht bestimmt wird…

Nun ist auch zu bedenken, dass den Christen von heute und morgen ganz anders als im späten 19. Jahrhundert und in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg kein politischer Arm mehr zur Verfügung steht, wie ihn die christlichen Parteien der Vergangenheit geboten hatten.

Hinzu kommt, dass die Medien, die die Öffentlichkeit bestimmen, mit verschwindenden Ausnahmen in Händen sind, die gewiss nicht bereit sind, dem Auftrag der Kirche zu dienen.“

Wann wachen wir also auf und nehmen unseren Weltauftrag wahr?


Hintergründe der Entkirchlichung in den Niederlanden und ihre Auswirkungen

Von Prof. Dr. Hubert Gindert

„Die Illusion der Homogenität“ überschreibt Dr. Hubert Wissing, der Leiter der Arbeitsgruppe Kirche und Gesellschaft in ZdK-Generalsekretariat seinen Beitrag zur „Pluralisierung im katholischen Milieu“ (vgl. „Salzkörner“, 24. Jg. Nr. 6, Dez. 2018, S. 2/3)

Wissing geht von der Katholischen Kirche in den Niederlanden aus, die er als eine „Versäulung mit streng getrennten Lebenswelten“ schildert. Die Katholiken hatten katholische Schulen, eigene Zeitungen, ein eigenes Radio, Fußballclubs, eine politische Partei und eine eigene Gewerkschaftsvertretung. Das katholische Leben der 50er Jahre blühte in Caritas, Priesterberufungen und hohem Gottesdienstbesuch.

BILD: Prof. Gindert leitet den Dachverband „Forum Deutscher Katholiken“

Konkret: Vor dem 2. Vatikanum besuchten rund 85% der Katholiken die Sonntagsmesse. Die Zahl der Priester- und Ordensberufungen lag bei rund 400 pro Jahr (St.-Athanasius Bote, 12/2018, S.5).

Am 2. Vatikanischen Konzil nahmen 66 Missionsbischöfe aus den Niederlanden teil. Insgesamt galt die holländische Kirche in den 50er Jahren als Hochburg des „reichen römischen Lebens“ (righe Romschee leven), ein Stützpfeiler von Papst und Kirche (vgl. Wikipedia)

Das änderte sich in den 60er Jahren. Dr. Wissing dazu: „Die Konfession oder Weltanschauung hatte in den 60er Jahren nicht mehr eine alle Lebensbereiche durchdringende und formatierende Prägekraft“. 

Das lässt sich wieder am niederländischen Beispiel gut demonstrieren: „Die niederländischen Katholiken hatten extrem hohe Erwartungen vom 2. Vatikanischen Konzil. Vor allem progressive Theologen betrachteten die Konzilsdokumente nicht als abschließende Akten, sondern als Startpunkte für eine Weiterentwicklung, die Priester und Laien der niederländischen Kirche aktiv mitgestalten sollten. Tatsächlich wurde in vielen Pfarrgemeinden mit neuen Formen der Liturgie experimentiert“ (Wikipedia).

„Von 1968 bis 1970 fand in Noordwijkerhout das sogenannte Provinzialkonzil statt… die Versammlung wurde als ein großartiges demokratisches Experiment verstanden… die Zölibatspflicht für Priester wurde mit großer Mehrheit abgelehnt. Die progressiven und basisdemokratischen Ideen dieses Pastoralkonzils schlossen lückenlos an die damalige Generaltendenz in der niederländischen Gesellschaft an… Der niederländische Katholizismus transformierte in kürzester Zeit und wurde … der weltoffenste, zügelloseste und vehementeste Kritiker der traditionellen hierarchischen Kirchenordnung“ (Wikipedia).

1983 wurde die Marienburgverenigung ein „Verein kritischer Katholiken“ gegründet, der sich „regelmäßig als Wortführer kritischer Stimmen gegenüber der Kirchenleitung meldete“. Anlässlich des Besuchs von Johannes Paul II. wurde die „Achte Mai-Bewegung“ als „Plattform fortschrittlicher katholischer Gruppen und Institutionen ins Leben“ gerufen.

Als Rom mit Bischofsberufungen wie Simonis (1970), Jo Gijsen, Wim Eijk (1972) Korrekturen versuchte, war es bereits zu spät. Diese Bischöfe fanden kaum noch ein Gehör.

Solche Entwicklungen haben ihren geistigen Hintergrund und ihre Wortführer. Ein solcher war u.a. der Dominikaner Schillebeeckx.

Er war „1958 zum Professor für Dogmatik an die Katholische Universität Nijmegen berufen… Auf dem 2. Vatikanischen Konzil wirkte er als persönlicher Berater des niederländischen Kardinals Bernard Alfrink. Für ihn und die anderen niederländischen Konzilsväter verfasste er Entwürfe für deren Stellungnahmen in den Konzilsdebatten… In den Jahren 1968/69 kam Schillebeeckx in Konflikt mit der Kongregation für die Glaubenslehre“.

Sie rügte Inhalte des von Schillebeeckx mitverfassten Holländischen Katechismus: „Die Umdeutung der Transsubstantion in eine Transsignifikation, die vom Dogma abweichende Lehre über die Erbsünde, seine Haltung zur unbefleckten Empfängnis Mariens, seine Aussagen über Engel und Dämonen. Schillebeeckx verweigerte auch die Zustimmung zur Enzyklika Humanae Vitae und war gegen den verpflichtenden Zölibat für Priester“.

Trotzdem konnte Schillbeecks bis zu seiner Emeritierung 1983 in Nijmegen weiter lehren.

Das Ergebnis der Entsäulung der niederländischen katholischen Kirche lässt sich mit Massenaustritten aus der Kirche, dem Niedergang der Priesterberufungen (1964 271; 1970: 47; 2000 26), dem Rückgang des sonntäglichen Kirchenbesuchs auf 5%, den kirchlichen Eheschließung auf 4% und in der geringen Zahl von 10% Kindertaufen beschreiben.

Der Anteil der Katholiken an der Gesamtbevölkerung ging von 40,5% (1970) auf 23,3% (2014) zurück.

Der geistige Hintergrund der „Entsäulung“ und der sog. Pluralisierung wird von Hubert Wissing für die Niederlande sowie für die deutsche Ortskirche nicht entsprechend gewürdigt. Wissing konstatiert zwar „die Konfession oder Weltanschauung hatte in den 60er Jahren nicht mehr alle Lebensbereiche durchdringende Prägekraft“. Er sieht für die heutige „Pluralität in der Kirche zwei Gründe: Den Rollenwechsel von der Mehrheit zur Minderheit und die innerkirchliche Pluralisierung“.

Bezüglich des Wandels zur Minderheit meint Wissing: „Das hat nicht nur mit dem Schwinden der Plausibilität des Glaubens in einer von wissenschaftlicher Rationalität geprägten Kultur zu tun. Auch die verbreitete Kritik an der Institution Kirche sind noch keine hinreichenden Gründe für das allmähliche Abbröckeln. Soziologisch wiegt in einer „Gesellschaft der Singularitäten“ (Andreas Reckwitz) die Rückläufigkeit einer lebenslangen Bindung an Organisationen ebenso schwer“.

Dr. Wissing spricht davon, man könne nicht mehr von „den Katholiken“ reden:

„Längst gibt es eine innerkirchliche Pluralität… Eine wichtige Markierung in diesem Prozess war… die Enzyklika Humane Vitae mit dem päpstlichen Verbot der künstlichen Empfängnisverhütung… Eine große Mehrheit auch der mit der Institution Kirche verbundenen katholischen Christen steht in dieser und in anderen die Lebensführung betreffenden Fragen in Opposition zu lehramtlichen Festlegungen…

Innerkirchliche Pluralität beschränkt sich nicht auf mehrheitlichen Ungehorsam der katholischen Basis gegenüber der Chefetage… In den großen ethischen Debatten ist… nicht selten zu erfahren, dass die von der Katholischen Kirche vertretene politische Position für den unbedingten Schutz des Lebens von vielen katholischen Christen nur bedingt gelebt wird, zum Beispiel, wenn es um das Ende des Lebens geht…weil von ihnen eine andere politische Haltung als barmherzig und der christlichen Botschaft entsprechend angesehen wird. Die Deutungshoheit der Institution über höchstpersönliche Fragen – was ist ein gutes Leben, wen darf ich lieben? Wie will ich sterben – wird nicht mehr anerkannt. Die Homogenität des katholischen Teils der Bevölkerung ist eine Illusion“.

Das klingt wie eine unumkehrbare Entwicklung, die sich wie von selbst, entsprechend dem gesellschaftlichen Mainstream, so ergeben habe. Tatsächlich wurde sie in heftigen Diskussionen in den Laiengremien und Diözesansynoden herbei getrommelt – unter dem Beifall der Medien und dem beredten Schweigen der meisten Bischöfe.

Wer den Weg zur „innerkirchlichen Pluralität“ in den katholischen Laienräten und Verbänden mitverfolgen mußte, hat auch die Gründe dafür beobachten können: Den Tiefstand des Glaubenswissens, das Verlangen nach Glaubensautonomie, das sich aus den Evangelien das herauspickt, was gefällt, die Anpassung von Bischöfen, Religionslehrern und Priestern an die vorherrschende Meinung.

Die Sprache verrät dich  – so heißt eine bekanntes Sprichwort. Die Kirche ist wesentlich mehr als „Institution“ und „Organisation“, nämlich der Leib Christi. Und wer, als Nachfolger Christi, feststellt, ob Forderungen der „Basis“ der Lehre Christi entsprechen, sitzt nicht in der „Chefetage“ und trifft „Lehramtliche Festlegungen“ um die „Deutungshoheit“ zu behalten.

Wenn sich das oberste Lehramt zum Schutz des Lebens von der Zeugung bis zum natürlichen Ende und zu sonstigen die „Lebensführung betreffenden Fragen“ äußert, dann geht es nicht um „politische Positionen“, sondern darum, ob solche Forderungen dem Evangelium entsprechen oder nicht.

Wer wissen will, warum moralische Grundfragen für eine humane Gesellschaft existenziell und mehr sind als Interessen, sollte bei dem kürzlich verstorbenen Philosophen Robert Spaemann in die Schule gehen, bevor er sich äußert.

Die eigentliche Frage des Lebensschutzes lautet nach Spaemann:  „Wann beginnt der Mensch Person zu sein“?

Die Antwort bestimmt, ob Abtreibung, Stammzellforschung, Praeimplantation, Invitrovertilisation erlaubt sind oder nicht. Robert Spaemann beantwortet die Frage so:

„Das Personsein ist nicht eine Eigenschaft, sondern das Sein des Menschen. Sie beginnt mit der Zeugung. Jemand Person zu nennen, heißt ihm den Status des Selbstzwecks zuzuerkennen. Das ungeborene Kind entwickelt sich nicht zum Menschen sondern als Mensch… Die Abkoppelung der Weitergabe des Lebens vom Zeugungsakt eröffne ein grauenerregendes Feld, das durch Stichworte wie Handel mit Embryonen, Experimente mit Embryonen, Leihmutter usw. gekennzeichnet ist.“

Mit deutlicher Klarheit äußert sich Prof. Spaemann:

„Das Angebot des assisitierten Selbstmordes wäre der infamste und billigste Ausweg, um sich der Solidarität mit den Schwächsten zu entziehen Die richtige Antwort für Schwerkranke und Sterbende ist nicht die Euthanasie, sondern sondern die Hospizbewegung. (vgl. M. Spieker Ad Memoriam – Spaemann)


Kasachstan: Metropolit, Erzbischof und Weihbischof schreiben über die christliche Ehe

Am 3. Dezember 2017, dem Fest der heiligen Familie, veröffentlichten drei katholische Würdenträger aus Kasachstan eine Stellungnahme über die Unauflöslichkeit der Ehe und die katholische Sakramentenpastoral.

Es handelt sich bei den Oberhirten um Tomash Peta, den Metropolit der Erzdiözese Astana, sodann um Jan Pawel Lenga, Erzbischof und Bischof von Karaganda, sowie um Athanasius Schneider, Weihbischof der Erzdiözese Astana.

Hier folgen die ersten Abschnitte dieser Verlautbarung:

Nach der Veröffentlichung der Apostolischen Exhortation “Amoris laetitia” (2016) haben verschiedene Bischöfe auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene Ausführungsnormen erlassen bezüglich der sakramentalen Disziplin jener Gläubigen – “Wiederverheirate Geschiedene” genannt -, welche, obwohl deren Ehegatte, mit dem sie durch das sakramentale Eheband verbunden sind, noch lebt, dennoch eine dauerhafte Lebensgemeinschaft more uxorio mit einer Person eingegangen sind, welche nicht ihr rechtmäßiger Gatte ist.

Die erwähnten Normen sehen u.a. vor, dass solche Personen  –  “Wiederverheirate Geschiedene” genannt  –  in Einzelfällen das Sakrament der Buße und die Heilige Kommunion empfangen können, ungeachtet dessen, dass sie dauerhaft und mit Absicht mit einer Person more uxorio zusammenleben, welche nicht deren rechtmäßiger Ehegatte ist. Solche Normen haben eine Bestätigung seitens verschiedener hierarchischer Autoritäten erhalten. Einige unter diesen Normen haben sogar die Bestätigung seitens der höchsten Autorität der Kirche erhalten.

Die Verbreitung dieser kirchlich bestätigten pastoralen Normen hat eine erhebliche und ständig wachsende Verwirrung unter den Gläubigen und dem Klerus verursacht.

Es handelt sich um eine Verwirrung, welche die zentralen Lebensäußerungen der Kirche berührt, welche da sind: Die sakramentale Ehe mit der Familie, der Hauskirche, und das Sakrament der Heiligsten Eucharistie.

Gemäß der Lehre der Kirche bildet nur das sakramentale Eheband eine Hauskirche (vgl. Zweites Vatikanisches Konzil, Lumen gentium, 11). Die Zulassung der “wiederverheiratet Geschiedenen” Gläubigen zur heiligen Kommunion, welche ja am höchsten die Einheit Christi, des Bräutigams mit Seiner Kirche ausdrückt, bedeutet in der Praxis eine Art Bestätigung oder Legitimierung des Ehebruchs, und in diesem Sinn eine Art Einführung des Ehebruchs im Leben der Kirche.

Die erwähnten pastoralen Normen offenbaren sich tatsächlich und mit der Zeit als ein Mittel der Verbreitung der “Geißel des Ehebruchs” (diesen Ausdruck gebrauchte das Zweite Vatikanische Konzil, vgl. Gaudium et spes, 47)Es handelt sich um die Verbreitung der “Geißel des Ehebruchs” sogar im Leben der Kirche, wobei doch die Kirche, im Gegenteil, auf Grund ihrer bedingungslosen Treue zur Lehre Christi ein Bollwerk und eine untrügliches Zeichen des Widerspruchs sein sollte gegen die sich täglich immer mehr ausbreitenden Geißel des Ehebruchs in der zivilen Gesellschaft.

Unser Herr und Heiland Jesus Christus hat in unzweideutiger Weise und keine Ausnahme zulassend den Willen Gottes bezüglich des absoluten Verbots des Ehebruchs feierlich bestätigt. Eine Bestätigung oder Legitimierung der Verletzung der Heiligkeit des Ehebandes, wenn auch nur in indirekter Weise durch die erwähnte sakramentale Praxis, widerspricht schwerwiegend dem ausdrücklichen Willen Gottes und seinem Gebot.

Solch eine Praxis stellt folglich eine wesentliche Veränderung der zweitausendjährigen sakramentalen Disziplin der Kirche dar. Zudem bringt eine wesentlich veränderte Disziplin mit der Zeit auch eine Veränderung der entsprechenden Lehre mit sich… 

Das beständige Lehramt der Kirche, angefangen von den Lehren der Apostel und aller Päpste, hat die kristallklare Lehre Christi bezüglich der Unauflöslichkeit der Ehe, sowohl in der Lehre (in der Theorie), als auch in der sakramentalen Disziplin (in der Praxis) unzweideutig, ohne einen Schatten des Zweifels und immer in demselben Sinn und in derselben Bedeutung bewahrt und weitergegeben.

Wegen ihres göttlich begründeten Wesens darf die sakramentale Disziplin niemals dem geoffenbarten Wort Gottes und dem Glauben der Kirche an die absolute Unauflöslichkeit einer gültigen und vollzogenen Ehe widersprechen.

“Die Sakramente setzen den Glauben nicht nur voraus, sondern nähren ihn auch durch Worte und Riten, stärken ihn und zeigen ihn an; deshalb heißen sie Sakramente des Glaubens“ (Zweites Vatikanisches Konzil, Sacrosanctum Concilium, 59). “Selbst die höchste Autorität in der Kirche kann die Liturgie nicht nach Belieben ändern, sondern nur im Glaubensgehorsam und in Ehrfurcht vor dem Mysterium der Liturgie” (Katechismus der Katholischen Kirche, 1125).

Der katholische Glaube verbietet von seinem Wesen her einen formalen Widerspruch zwischen dem bekannten Glauben einerseits und der Lebens- und Sakramentenpraxis anderseits.

In diesem Sinn kann man auch die folgende Aussage des Lehramtes verstehen: “Die Spaltung bei vielen zwischen dem Glauben, den man bekennt, und dem täglichen Leben gehört zu den schweren Verirrungen unserer Zeit” (Zweites Vatikanisches Konzil, Gaudium et spes, 43) und “die konkrete pastorale Begleitung der Kirche muss stets mit ihrer Lehre verbunden sein und darf niemals von ihr getrennt werden” (Johannes Paul II., Apostolische Exhortation Familiaris consortio, 33).

Angesichts der lebenswichtigen Bedeutung, welche die Lehre und die Disziplin der Ehe und der Eucharistie darstellen, ist die Kirche verpflichtet, mit ein und derselben Stimme zu sprechen. Die pastoralen Normen bezüglich der Unauflöslichkeit der Ehe dürfen folglich weder zwischen Diözesen noch zwischen unterschiedlichen Ländern einander widersprechen. Von den Zeiten der Apostel an hat die Kirche diesen Grundsatz beobachtet, wie ihn der heilige Irenäus bezeugt:

“Diese Botschaft und diesen Glauben bewahrt die Kirche, wie sie ihn empfangen hat, obwohl sie, wie gesagt, über die ganze Welt zerstreut ist, sorgfältig, als ob sie in einem Hause wohnte, glaubt so daran, als ob sie nur eine Seele und ein Herz hätte, und verkündet und überliefert ihre Lehre so einstimmig, als ob sie nur einen Mund besäße” (Adversus haereses, I, 10, 2).

Der heilige Thomas von Aquin überliefert uns denselben beständigen Grundsatz der Kirche: “Es gibt nur ein und denselben Glauben der Alten und der Modernen, andernfalls hätten wir nicht ein und dieselbe Kirche” (Questiones Disputatae de Veritate, q. 14, a. 12c).

Die folgende Warnung von Papst Johannes Paul II. bleibt aktuell und gültig: “Die Verwirrung, die in den Gewissen vieler Gläubigen durch unterschiedliche Meinungen und Lehren in Theologie, Verkündigung, Katechese und geistlicher Führung zu schwerwiegenden und heiklen Fragen der christlichen Moral geschaffen worden ist, führt auch dazu, das echte Sündenbewusstsein zu mindern und nahezu auszulöschen” (Apostolische Exhortation Reconciliatio et paenitenia, 18).

FORTSETZUNG der bischöflichen Erklärung hier: http://herz-jesu-bulletin.blogspot.de/2018/01/bischofe-kasachstans-bekenntnis-zu-den.html

 


Statt einer Antwort zeigt sich der Papst genervt wegen kritischer Anfragen an AL

Papst Franziskus hat Kritikern und Fragestellern zu seinem nachsynodalen Schreiben AL =  Amoris Laetitia („Die Freude der Liebe“) vorgehalten, dieses nicht verstanden zu haben. Foto Michaela Koller

In einem Interview mit Avvenire, der Zeitung der italienischen Bischofskonferenz, sagt der Papst: „Manche  –  denken Sie an die Entgegnungen auf Amoris Laetitia – verstehen immer noch nicht“.

Das liege daran, dass diese Personen nach dem Schema „schwarz oder weiß“ dächten, „selbst wenn wir im Fluss des Lebens unterscheiden müssen“, so der Pontifex weiter. 

„Die Kirche existiert einzig als ein Instrument, dass den Menschen Gottes barmherzige Absicht mitteilt“, zitiert Avvenire den Papst.

Das 2. Vatik. Konzil, besonders das Dokument Lumen Gentium, habe laut Franziskus die Achse der christlichen Vorstellung „von einer bestimmten Form der Gesetzlichkeit, die ideologisch sein kann“, hin zu Gott selbst verschoben, der durch seinen Sohn Mensch geworden sei.

In diesem Zusammenhang spricht der Papst dann über Reaktionen auf Amoris Laetitia bzw. solche, die das „immer noch nicht verstehen“.

Es liegt nahe, anzunehmen, dass seine Worte auf jene vier Kardinäle gemünzt sind, die dem Papst unlängst einen Brief geschrieben haben; darin bitten sie Franziskus, fünf Fragen über Amoris Laetitia zu beantworten.

Dabei geht es u.a. um die Frage des Verständnisses der Lehre der Kirche, genauer, ob „die Existenz absoluter moralischer Normen, die ohne Ausnahme gelten und in sich schlechte Handlungen verbieten“ bestätigt werden kann.

Nachdem Franziskus diesen Brief nicht beantwortete, wandten sich die Kardinäle mit ihren Fragen am 14. November 2016 an die Öffentlichkeit.

Wobei das Schreiben der Kardinäle Brandmüller, Meisner, Caffara und Burke der prominenteste Beitrag zu einer anhaltenden Debatte um AL sowie um die – bisweilen einander völlig widersprechenden – Interpretationen des päpstlichen Dokuments ist.

Sollte der Papst die Fragen der Kardinäle nicht klären, kündigte Kardinal Burke kürzlich an, daß die vier Schreiber dann erwägen würden, den Päpst dahingehend „zu korrigieren„.

Quelle und vollständiger Text hier: http://de.catholicnewsagency.com/story/manche-verstehen-immer-noch-nicht-papst-franziskus-uber-amoris-laetitia-debatte-1338

Weitere Infos zu diesen Papst-Äußerungen: https://de.zenit.org/articles/die-kirche-gibt-es-um-der-welt-die-barmherzigkeit-zu-vermitteln/


Bistum Essen: Der „Dialogprozess“ bietet eine Kirche nach dem Zeitgeschmack

In diesen Tagen feiern wir den 100. Geburtstag des unvergessenen großen Franz Josef Strauß. Man muss mit seiner Politik nicht immer übereingestimmt haben, aber etwas hatte er bestimmt: nämlich Grundsätze.  flyerstralsund2

Dies kann man seinem Namensvetter auf dem Essener Bischofsstuhl nicht immer nachsagen. Kaum war Franz Josef Overbeck neuer Oberhirte in unserem Bistum geworden, äußerte er sich im April 2010 in einer Talkshow bei „Anne Will“ kritisch über Homosexualität, was zu heftigen Kommentaren in der Medienwelt führte. 

Doch diese „konservative Welle“ war von denkbar kurzer Dauer. Ob dieser Vorgang auch heute noch, gut 5 Jahre später, in jener Weise geschehen würde?  – Ich glaube kaum.

Der sog. „Dialogprozess“ im Bistum Essen, federführend von Bischof Overbeck und seinem Generalvikar Klaus Pfeffer verantwortet, sprach sich bereits für die Gleichstellung und Anerkennung von Homosexuellen und deren Lebensgemeinschaften aus.

„Zukunft auf katholisch?“

Entsprechende Aussagen und Informationen findet man in der amtlichen Dokumentation „Zukunft auf katholisch – lebendige Kirche im Dialog“. Radio Vatikan

Unter dem Stichwort, die Kommunionbank sei keine Richterbank  –  übrigens: gibt es im Bistum Essen überhaupt noch Kommunionbänke?  –  wurde der Wandel in der Gesellschaft zum Anlass genommen, eben diese Neuausrichtung auch in der katholischen Kirche zu verdeutlichen.

Die Zauberworte „Freude und Hoffnung“ aus Artikel 1 der Erklärung „Gaudium et spes“ des 2. Vatikanischen Konzils muss für diesen Wandel herhalten. Als ob Katholiken sich 1960 Jahre zuvor sich nicht auch mit den Menschen dieser Welt mitgefreut hätten über die schönen Seiten des Lebens  –  und als ob sie nicht auch  mitgelitten hätten, wenn sich eine persönliche oder gesellschaftliche Katastrophe ereignete.

Doch eine Veränderung des Glaubens aufgrund solcher Ereignisse war nie die Folge solcher Mitfreude und Anteilnahme am Wohl und Wehe von Mensch und Welt. Die Impulse des Konzils wollten sicher keine Umkrempelung der Glaubensinhalte der Kirche erreichen. Aber genau dies wird nun unter dem Deckmantel der Konzilsdokumente anzustoßen versucht.

Liturgie als Tummelplatz für Experimente?

Die Konzils-Konstitution über die heilige Liturgie „Sacrosanctum Concilium“ verlangt, dass die lateinische Sprache weiterhin Kultsprache bleibt und dass kein Priester die Liturgie eigenmächtig verändern darf. media-FZMqzvujo1V-2

Was passiert jedoch im „Dialogprozess“?  – Liturgische Vielfalt und Experimente werden vom Bischof ausdrücklich befürwortet; die Liturgie dürfe aber andererseits, so heißt es,  zu keinem „Streitort für Rechtgläubigkeit“ werden – und alles, was in diese Richtung geht, wird vom Bischof und seinem Generalvikar rundum abgelehnt.

Fürchten diese Kirchenoberen, dass die Menschen wieder die Schönheit der früheren Liturgie wertschätzen lernen, wenn man jenen Gläubigen, die den liturgischen Humbug des Dialogpapiers überhaupt nicht bejahen, diese Form des Meßritus gewährt – und dies immerhin auf ausdrückliche Anordnung von Papst Benedikt XVI.

Denn eines steht fest: Die überlieferte Liturgie ist auf jeden Fall rechtgäubig und katholisch. Wenn man genau das wieder fördern würde, wäre es mit den eigenen Mätzchen im Altarraum schnell zu Ende.

Kirchen schließen und „neue Räume“ eröffnen…?

Ungefähr ein Viertel der Kirchen im Bistum Essen wurde in den letzten Jahren geschlossen oder umgewidmet. Und obwohl dem Bischof bewusst ist, dass hier sensibel mit den Gefühlen der Gläubigen  umgegangen werden muss, scheut er sich nicht, in Rahmen des „Dialogprozesses“ zu fordern, dass Gottesdienste an neuen und ungewöhnlichen Orten gefeiert werden sollen. chrkn

Also erst werden katholische Kirchen massenhaft geschlossen, weil man angeblich keine Verwendung mehr für sie hat  – um sich dann aber neue Räume zu schaffen, die weiteres Geld kosten, das man doch angeblich gar nicht hat. Die Logik dieses Unternehmens ist mir nicht klar. Ich befürchte aber, dass genau damit noch mehr Katholiken der Kirche und unserem Glauben entfremdet werden.

Papst Franziskus muss auch immer wieder herhalten, um den neuen Kurs im Bistum Essen zu unterstützen. Dabei hat er meines Wissens keinen Versuch unternommen, Glaubensinhalte umzukrempeln und die Kernpunkte der katholischen Lehre den „Bedürfnissen“ der heutigen Gesellschaft anzupassen.

Ein wohlmeinender Ansatz, nämlich die Kirche im Bistum Essen zielsicher durch diese Zeit der Umbrüche zu führen  – und es ist sicher nicht alles in Bausch und Bogen zu verdammen, was heute in der Gesellschaft geschieht  – kann mit einem Preisgeben oder Umändern von Glaubensinhalten gewiß nicht zu einem guten Ende geführt werden.

Dieses Hängen der Fahne nach dem Wind zeugt nicht von Charakterstärke und Prinzipienfestigkeit. Was wohl Franz Josef Strauß dazu sagen würde?

Der Autor des Beitrags ist Dipl.-Theologe und unserer Redaktion persönlich bekannt.


Die Lehrschreiben des 2. Vatikanums sind von unterschiedlicher Verbindlichkeit

Vatikan und Piusbruderschaft weiter im „guten Gespräch“

Kurien-Bischof Guido Pozzo, der Sekretär der Päpstlichen Kommission ‚Ecclesia Dei’, erklärte in einem Interview mit der französischen Zeitschrift ‚Famille Chrétienne’, der Vatikan verlange keine „Kapitulation“ von der traditionsorientierten Piusbruderschaft.

Vielmehr lade er sie ein, an seine Seite zu treten in den Rahmen der Lehrfragen, soweit diese für eine dauerhafte Anhänglichkeit an den Glauben sowie an das katholische Lehramt und die Tradition unerlässlich sind.“ logofsspx

Die Kommission ‚Ecclesia Dei’ ist an die Glaubenskongregation angegliedert und führt Gespräche mit der Piusbruderschaft über eine vollständige organisatorische Rückkehr zur katholischen Kirche.

BILD: Logo der Piusbruderschaft: zwei Herzen, eine Krone, ein Kreuz.

Pozzo fährt fort: „Die Vorbehalte der Piusbruderschaft gegenüber einigen Aspekten und Formulierungen des Zweiten Vatikanischen Konzils und gegenüber einigen daraufhin durchgeführten Reformen, die nicht unverhandelbare Dogmatik- und Lehrfragen betreffen, könnten gleichzeitig untersucht und vertieft werden.“

Damit signalisiert Pozzo, dass die Piusbrüder im Falle einiger Einigung mit Rom durchaus einige Eigenheiten beibehalten könnten.

Es gebe „keinen Zweifel“, dass die Lehren des Zweiten Vatikanums unterschiedliche Verbindlichkeit besäßen, je nach Art des Dokuments:

„Die Konstitutionen über die Kirche und die Offenbarung, Lumen gentium und Dei Verbum, haben den Charakter von lehrhaften Verlautbarungen; die Erklärungen zu Religionsfreiheit und nichtchristlichen Religionen sowie das Ökumene-Dekret verfügen hingegen über geringere Autorität und weniger Verbindlichkeit.“

Pozzo ließ wissen, im Falle einer Verständigung mit dem Vatikan könne die Priesterbruderschaft mit dem hohen Status einer Personalprälatur rechnen. Das Gesprächsklima zwischen dem Präfekten der Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Müller, und Bischof Bernard Fellay bezeichnete Pozzo als gut.

Quelle: Radio Vatikan

Ergänzender und vertiefender Beitrag des kath. Kirchenrechtlers Dr. Gero Weishaupt siehe hier: http://www.kathnews.de/unterschiedliche-lehrautoritaet-der-texte-des-zweiten-vatikanischen-konzils


Rom: Kongreß über die Madonna seit dem 2. Vatikanischen Konzil



Mit der Bewertung der Stellung und Aufgabe der Gottesmutter  in der Kirche seit dem II. Vatikanum beschäftigt sich ein internationaler Kongreß, der am heutigen Dienstag in Rom beginnt.

Im akademischen Bereich wie in der Seelsorge gelte es, eine angemessene und konzilskonforme Lehre über Maria zu garantieren, heißt es in einer Aussendung der Internationalen Päpstlichen Akademie für Mariologie, die zu dem Kongreß einlädt.

Der in Lugano (Schweiz) lehrende Dogmatiker Prof. Dr. Manfred Hauke wird die deutsche Sprachgruppe koordinieren. Die Bedeutung Marias in der Ökumene seit dem Konzil werde breit besprochen werden, sagte er Radio Vatikan.

Der Mariologen-Kongreß im Auditorium der Franziskaner dauert sechs Tage und umfaßt eine Audienz bei Papst Benedikt am Samstag in seinem Feriendomizil Castelgandolfo.

Quelle (Foto/Text): Radio Vatikan