Werden die Deutscher immer grüner?

Von Prof. Dr. Hubert Gindert

„Die Deutschen werden immer grüner“ ist ein Artikel in der Augsburger Allgemeinen Zeitung (AZ, 29./30.5.19) überschrieben.

Weiter heißt es:
„Die Wahlerfolge der Grünen stehen auf einem soliden gesellschaftlichen Fundament. Denn den Deutschen wird Klima- und Umweltschutz immer wichtiger… die Bewahrung der Natur und der Kampf gegen die Erderwärmung ist für die Deutschen die derzeit drittwichtigste Aufgabe… nur 14% meinen, dass die Große Koalition genug tut“.

BILD: Prof. Gindert leitet den Dachverband „Forum Deutscher Katholiken“

Das Wahlergebnis zum EU-Parlament hat bei SPD und Union Panik ausgelöst mit hektischen Überlegungen, wie von der „Ökopartei“ wieder Stimmen zurückgewonnen werden können.

Die AZ schreibt am 3. Juni:
„Statt sich auf ihre Stärken zu besinnen, laufen die Christdemokraten dem Mainstream hinterher und vergessen dabei: Wer den Klimaschutz für so existenziell hält, dass er allein davon seine Wahlentscheidung abhängig macht, wählt im Zweifel das grüne Original und nicht die konservative Kopie“.

Eine nüchterne Analyse, was bisher bereits für Klima- und Umweltschutz getan wurde und mit welchem Erfolg, fehlt. Fragen, welche Probleme von Menschen verursacht sind und wieder in Ordnung gebracht werden müssen und was andere Ursachen hat, gehen in der Hektik unter. Dazu gehören auch Probleme, die nur länderübergreifend zu lösen sind.

Berechtigte Feststellungen wie die von Holger Steltzner führen nicht zum Nachdenken, sondern dazu, dass Frager aus der Redaktion geschasst werden. Steltzner wurde am 18. März bei der FAZ als Mitherausgeber entlassen.

Er hat folgendes geschrieben:
„Die Rettung des Weltklimas hat für große Teile der deutschen Gesellschaft mittlerweile den Rang einer Ersatzreligion. Darf man noch fragen, welchen Beitrag die extreme Subventionierung von erneuerbarer Energie für das Klima der Erde geleistet hat, angesichts der Tatsache, dass der Ausstoß von Kohlendioxid in Deutschland kaum gesunken ist? Oder ist ein Ketzer, wer fragt, ob die eine Billion Euro, mit der hierzulande Steuerzahler und Stromverbraucher Wind-, Solar-, Biogasanlagen und Netze fördern müssen, klug investiert wird?“

Sind wir Umwelt-Heuchler?

Klima- und Umweltschutz ist eine weltweite Herausforderung. Alle sind gefragt. Sind die Deutschen aber bereit, ihren Anteil beizutragen?

Das Wahlverhalten spricht scheinbar dafür. Das tatsächliche Verhalten sieht aber anders aus:

„50% der Menschen erklären, dass der Verkehrssektor ökologischer werden müsste, gleichzeitig betonen 40%, dass alle ihre Wege im Alltag bequem und kostengünstig zurücklegen können sollen. Der Stopp von Braunkohleabbau, das Bauen von Windrädern und die Biolandwirtschaft erfahren hohe Zustimmung, aber keiner zahlt gerne mehr für den Strom. Gegen neue Windräder wird zunehmend geklagt. Der Anteil von Biofleisch beträgt 2%. Von den Neuwagen kamen Elektroautos 2018 auf 1%. In den Kurzurlaub geht es immer häufiger mit dem Flieger“ (AZ 29./30.5.19).

Die Erzeugung von Lebensmittel verbraucht natürliche Ressourcen, u. a. Wasser und Energie, z.B. 70 Liter Wasser für einen verzehrfertigen Apfel und 5000 Liter für ein Kilo Käse.

Sorgfältiger Umgang und Lagerung könnten viel zur Schonung der Umwelt beitragen. Aber „jeder wirft 85 kg Lebensmittel in den Müll“ (AZ 31.5.19), das sind deutschlandweit „13 Millionen Tonnen“. Über die Hälfte stammt aus den Haushalten, der Rest von Herstellern, Landwirtschaft, Handel und Gastronomie“. Sind wir „Umweltheuchler“?

Von den 68ern zu den Grünen

Was macht die Grünen so attraktiv, dass sie bei den Wahlen zum EU-Parlament ihre Stimmen verdoppeln konnten? Die Jüngeren und die Erstwähler stellen bei den Grünen die Mehrheit.

Die Grünen sind eine heterogene Partei. Sie bestehen aus Realos und Utopisten. Ihre Entstehung lässt sich auf die 68er Kulturrevolution zurückführen.

Die 68er versprachen Freiheit von allen Bindungen und Zwängen, von Ehe und Familie, von der Sexualmoral und von staatlicher Bevormundung: Freiheit ohne Verantwortung. Dieser Traum war offensichtlich attraktiv, insbesondere bei der studentischen Jugend.

Die Grünen haben den Umweltschutz nicht erfunden. Vorkämpfer dafür gab es schon vorher in den anderen demokratischen Parteien. Die kulturrevolutionäre und die gesellschaftsverändernde Ideologie der Grünen war aber so mächtig, dass der Kölner Kardinal Joseph Höffner die Grünen seinerzeit als eine „für Katholiken nicht wählbare Partei“ bezeichnete.  

Es ist den Realos zu verdanken, dass ihnen der Zugang zur politischen Macht in Länderregierungen gelang. Die Medien waren die wichtigsten Helfer auf dem Weg zur Macht. Mit ihrer Hilfe konnten sie ihre Ideologie von einer heilen Welt und einem irdischen Paradies ausbreiten.

Es ist die letzte Ideologie, die in einer säkularen entchristlichten Welt noch ein Leuchten auf den Gesichtern hervorruft, insbesondere bei den Jugendlichen.

Grüne Kampagnen werden von Medien gestützt

Aus den von den Medien unterstützten Kampagnen zu den EU-Wahlen zogen die Grünen einen erstaunlichen Erfolg.

Dieter Stein – Chefredakteur der Wochenzeitung JUNGE FREIHEIT  –  meint dazu:

„Mit Hilfe der absurden ‚Schülerstreiks‘ läuft Freitags seit Wochen eine gigantische Kampagne, mit der eine um ihre Pfründe besorgte links-grün dominierte politisch-mediale Klasse hofft, eine andere Agenda zu setzen: Die hysterisch geführte Klimadebatte mit der schwedischen Schülerin Greta Thunberg an der Spitze soll Themen an den Rand drängen, die den Bürgern unter den Nägeln brennen und ‚populistische‘ Parteien bislang groß gemacht haben: Massenmigration, Innere Sicherheit, Euro- und Schuldenkrise“.

Die 16jährige Greta Thunberg will sich  – so die AZ am 3. Juni  –  „ganz auf ihren Kampf gegen die Klimakrise konzentrieren… im September wolle sie am Klimagipfel der Vereinten Nationen in New York teilnehmen, im Dezember dann an der Weltklimakonferenz in Santiago de Chile… um ihre Schulzeit mache sie sich keine Sorgen“.

Werden den Grünen die Bäume in den politischen Himmel wachsen? Nein! Ihrer Ideologie fehlt eine wesentliche Dimension.

In ihrem Programm kommt dem Menschen der Platz nicht zu, der ihm gebührt. Im Programm der Grünen spielt Artenschutz für Bienen, Lurche, Pandabären und Küken eine große Rolle, aber nicht der Mensch. Man sei „noch weit davon entfernt“, den Zusammenhang zwischen der „Zerstörung der natürlichen Umwelt“ und jener der „menschlichen Umwelt die notwendige Beachtung zu schenken“, schrieb Johannes Paul II. im Jahr 1991.

Den Grünen fehlt die „Ökologie des Menschen“

In unserer Zeit ist der Mensch in seiner Würde und Integrität gefährdet. Im Vordergrund der aktuellen Debatte – bis in kirchliche Kreise hinein – hat die Bewahrung der Schöpfung einen großen Stellenwert.

Was zu kurz kommt, ist die Ökologie des Menschen.

Benedikt XVI. erinnert daran, dass „die Welt nicht analysiert werden kann, wenn nur ein Aspekt isoliert betrachtet wird, weil das Buch der Natur unteilbar sei und die Umwelt das Leben, die Sexualität, die Familie und die sozialen Verhältnisse beeinflusse.

Die Zerstörung der Umwelt sei eng verbunden mit der Natur, die das gesamte menschliche Zusammenleben formt.

Alle Übel ließen sich auf die Vorstellung zurückführen, dass es keine endgültigen Wahrheiten gebe, die unser Leben bestimmen, weil für den postmodernen Menschen die menschliche Freiheit keine Grenzen habe“ (Quelle „Laudato Si“, Ziff 6, S.10, deutsche Übersetzung).

Es ist schon erstaunlich, dass auch die Politiker mit dem „C“ in ihrem Parteinamen diese Argumente in ihrer Gegenstrategie nicht heranziehen. Oder doch nicht? Weil die C-Politiker ihren Wertekompass verlegt haben.


Zerrüttung der deutschen Erinnerungskultur

Von Peter Helmes

An „rechts“ mahnend zu erinnern, das gilt als nationale Pflicht. An „links“ erinnern ist offenbar nicht nötig, da gibt´s nichts zu mahnen.

Als franko- und italophiler Mensch bewundere ich seit meiner Jugend den Stolz unserer Nachbarn auf ihre Nation. Frankreich (französische Revolution) und Italien (Mussolini) haben wie viele Nationen dieser Welt jeweils ein schweres und blutbeladenes Erbe mit sich zu schleppen. Und was feiern sie an ihren Nationalfeiertagen: die „große Nation“.

„Für mich“, sagte einmal mein Freund aus Paris und dortiger Stadtteilbürgermeister, “für mich umfaßt eine wahre Erinnerungskultur den Umgang des einzelnen Bürgers und der gesamten Gesellschaft mit ihrer Vergangenheit und ihrer Geschichte – und mit der Höhen und Tiefen.“

Nach Jan Assmann (Kulturwissenschaftler, Uni Heidelberg) wird mit der Erinnerungskultur an die eigene soziale Gruppe die Frage „Was dürfen wir nicht vergessen?“ gestellt und beantwortet; insofern wirke Erinnerungskultur gemeinschaftsstiftend.

Gedächtniskultur sei nur möglich, wo die Vergangenheit durch Zeugnisse irgendwelcher Art präsent sei und wo diese eine charakteristische Differenz zur Gegenwart aufweise.     

Erinnerungskultur ist also kein Selbstzweck, sondern will Gerechtigkeit sowie nationalen Frieden fördern – ist damit gleichsam ein wichtiger Beitrag für einen Frieden über die eigenen Landesgrenzen hinaus.      

Verantwortliche Bürger sind somit aufgefordert, sich an der Erinnerungsarbeit aktiv zu beteiligen, der Schuld und Versäumnisse zu gedenken und die Verantwortung dafür zu benennen, wo sie geschwiegen oder mitgemacht haben, statt sich dem Unrecht entgegenzustellen, damit sich Untaten nicht wiederholen.

Namenlosen Opfern eine Stimme geben

Den Opfern, die namenlos gemacht wurden, wird damit eine Stimme gegeben. Zugleich wird auch an Menschen erinnert, die protestiert haben gegen Unrecht und Unmenschlichkeit und dafür mit der Freiheit oder mit dem Leben bezahlen mußten.

Die Erinnerungskultur einer Nation ist letztlich die verbindliche Form des kollektiven Gedächtnisses.

Konkret heißt dies: Ohne Erinnerung keine Zukunft!

Zum demokratischen Grundkonsens in Deutschland gehören demnach untrennbar die Aufarbeitung der NS-Terrorherrschaft genauso wie die der SED-Diktatur. Hinzu zählen auch die deutsche Kolonialgeschichte sowie positive Momente unserer Demokratiegeschichte.

Deutschland ist aufgrund seiner Geschichte besonders dafür verantwortlich, die Erinnerung an die Folgen von Diktatur und Gewaltherrschaft wachzuhalten. Dies ist Teil unseres nationalen Selbstverständnisses.

Wenn wir heute über Verantwortung nachdenken, wissen wir natürlich, daß wir hier und heute die Vergangenheit nicht selbst verschulden, sondern nur die Gegenwart – und über die wird erst in Zukunft gerichtet. Uns trifft trotzdem eine besondere Verantwortung: Wir schulden es den Opfern, alles daran zu setzen, daß Verbrechen wie diese nie wieder möglich sind. Das allererste Mittel hierzu ist die wachgehaltene Erinnerung.

Indoktrination von links seit Jahrzehnten

Dank des unseligen Wirkens der ´68er wurde unsere Gesellschaft in den letzten vierzig Jahren – und wird das auch weiterhin – so unbarmherzig indoktriniert, daß Jüngere, die die Zeit davor nicht einmal vom Hörensagen kennen, zur Erkenntnis gelangen müssen, die Deutschen seien von Natur aus böse und Deutschland eine niederträchtige Nation. Es ist die Reduktion einer tausendjährigen großen Geschichte auf zwölf schlimme Jahre. 

BILD: Zur Erinnerungskultur gehört auch die Vertreibung von Millionen Deutschen aus den Ostgebieten

Eben jene geistigen Umerzieher, die ihre gesamte „Bildung“ aus der „Frankfurter Schule“ bezogen haben und noch beziehen, treibt unsere Gesellschaft in Unruhe und Unfrieden. Hübsch säuberlich unterschieden werden die „politisch Korrekten“ (die „wahren Demokraten“) von den politisch Unkorrekten (den „Faschisten“), die sich dem Meinungszwang widersetzen.Dabei denkt sich die derzeitige Meinungskaste fast täglich neue Umerziehungsmaßnahmen aus. So werden z. B. Adreßlisten unbotmäßiger Blogger und Journalisten eingerichtet (und ins Netz gestellt) oder wird mit hohen Geldstrafen bedroht – und sanktioniert – wer sich der neuen Mentalität nicht unterwirft.

Schüler  –  meist noch unreif, die Tragweiten ihres Handelns zu erkennen –  werden gegen den nationalen Konsens aufgestachelt und zu Protesten verführt – zum Preis des Schulschwänzens. Lehrer, Professoren usw. werden boykottiert und/oder öffentlich angeprangert.

Man könnte darüber hinweggehen, wenn nicht das gesellschaftliche Klima mehr und mehr so zerstört würde, daß diese unsere Gemeinschaft auseinanderbrechen und sich feindlich gegenüberstehen wird.

Erinnern dürfen wir uns inzwischen nur an die Untaten des Dritten Reiches. Kaum eine deutsche Stadt, in der nicht wenigstens ein Mahnmal oder eine Gedenktafel an die Opfer des Nationalsozialismus bzw. des Faschismus erinnern.

An die Opfer des Internationalsozialismus darf man bald nicht mehr erinnern – als hätte es Mauertote, Stasi und Stacheldraht nie gegeben. Die heutigen Internationalsozialisten sind Gutmenschen, denen es gelungen ist, sich vom faschistischen Erbe unserer Nation selbst freizustellen, und denen es damit zu gelingen scheint, alle „Linken“ als Gutmenschen“ und alle Nicht-Linken als Neu-Faschisten hinzustellen.

Die neuen Konfliktlinien in der innerdeutschen Diskussion sind dementsprechend klar auszumachen. Es geht insbesondere um die Erhaltung und Pflege bestehender Gedenkeinrichtungen. Bestand ursprünglich politische Übereinstimmung darin, das bestehende Konzept für die historischen Gedenkstätten in Ost und West hinsichtlich der nationalsozialistischen wie auch der stalinistischen Gewaltopfer weiterzuentwickeln, ist heute der Konsens darüber zerbrochen.

Quelle und Fortsetzung des Artikels von Peter Helmes hier: https://conservo.wordpress.com/2019/03/17/zerruettete-deutsche-erinnerungskultur/


Sexuelle Übergriffe in der Odenwaldschule: Weitaus mehr Opfer als gedacht

Von Felizitas Küble

Bislang ging man hinsichtlich des sexuellen Missbrauchs an der „reformpädagogischen“ Odenwaldschule (die nicht mehr existiert) von 132 Opfern aus. Allerdings hatten Betroffenen-Initiativen wie das „NetzwerkB“ von Norbert Denef schon vor vielen Jahren erklärt, die Zahl der  Geschädigten sei in Wirklichkeit weitaus höher.

Inzwischen hat sich durch zwei wissenschaftliche Studien herausgestellt, daß es sich tatsächlich um mehrere hundert Opfer handelt.

Klar ist, daß die sexuellen Übergriffe in dieser  –  im Geiste der 68er geführten –  Vorzeige-Schule keine Einzelfälle waren, sondern Bestandteil eines systematischen Netzwerkes mit einer Unterfütterung durch eine „progressive“ Ideologie infolge der Sexwelle der endsechziger und siebziger Jahre.

Dies verband sich mit vermeintlich „reformpädagogischen“ Konzepten und einer Lehrerschaft aus dem rotgrünen Milieu.

Ein Haupttäter war der evangelische Theologe Gerold Becker (1936 – 2010), der von 1972 bis 1985 die Odenwaldschule leitete. Rektor Becker, der bis zu seinem Tode mit dem  – ebenfalls in der EKD hoch angesehenen –  Hartmut von Hentig in Berlin zusammenlebte, räumte 2010 erstmals sexuelle Handlungen an Schülern ein. Der pädosexuelle Becker selber gehörte 1998 zur Kammer der EKD (Evang. Kirche in Deutschland) für Bildung und Erziehung.

Becker schuf mit seinem Amtsantritt Anfang der 70er Jahre die „Basis für ein System des sexuellen Missbrauchs“, heißt es in der FAZ. Er wurde Schulleiter, obwohl ihm die pädagogische Ausbildung fehlte – offenbar genügte die passende linke Gesinnung.

Zurück zu den beiden aktuellen wissenschaftlichen Studien über die Odenwaldschule, über welche die „Frankfurter Allgemeine“ vom 22. Februar 2019 auf S. 4 berichtet.

Demnach geht der Vorsitzende des Betroffenenvereins „Glasbrechen“ – einst selbst Opfer sexueller Gewalt an der Odenwaldschule  – von weit über 500 missbrauchten Schülern aus. Adrian Koerfer war sieben Jahre dort, allein in dieser Zeit seien 200 Mitschüler missbraucht worden. Er bezeichnet die Odenwaldschule als „Verbrechernetzwerk“.

In dem erwähnten FAZ-Artikel heißt es wörtlich: „Niemand wurde wegen der Verbrechen an der Odenwaldschule rechtlich belangt.“ – Grund sei die Verjährung der sexuellen Gewalttaten.

Besonders verstörend ist folgender Hintergrund:

Laut der Studien haben betroffene Jugendliche bei der Schulleitung, bei Lehrern und Eltern vergeblich versucht, auf den systematischen sexuellen Missbrauch aufmerksam zu machen: „Die Lehrer beschützten sich gegenseitig, die Eltern schenkten ihren Kindern keinen Glauben.“

Deshalb konnte das pädosexuelle Netzwerk an der Odenwaldschule drei Jahrzehnte lang bis Ende der 90er Jahre völlig ungehindert funktionieren.


Historiker Karlheinz Weißmann sprach beim AfD-Neujahrsempfang in Düsseldorf

Von Felizitas Küble

Wie bereits im CHRISTLICHEN FORUM berichtet, hat die AfD-Fraktion in Nordrhein-Westfalen am 11. Januar 2019 ihren Neujahrsempfang im Düsseldorfer Landtag veranstaltet. 

Die Hauptrede auf dieser gut besuchten Versammlung hielt der evangelische Theologe, Philosoph und Historiker Dr. Karlheinz Weißmann (siehe Fotos).

Der konservative Buchautor sprach bereits vorigen April bei der AfD in Münster über das Thema 68er-Bewegung und ihre Folgen: https://charismatismus.wordpress.com/2018/04/26/dr-weissmann-ueber-den-kulturbruch-der-68er-revolte-und-die-fatalen-folgen/

Dr. Weißmann begann seinen Vortrag mit dem Hinweis auf Janus, jene doppeldeutige Gestalt aus dem antiken römischen „Götterhimmel“ mit zwei Gesichtern, wobei eines die Vergangenheit und das andere die Gegenwart symbolisierte, Krieg ebenso wie Frieden anzeigte und insgesamt als der „Gott des Ursprungs“ angesehen wurde.

Weil dies zum ersten Monat im Jahr paßt, in welchem die Menschen sowohl „rückwärts wie vorwärts“ blicken, von Hoffnungen ebenso wie von Ängsten geprägt sind, nannten sie ihn „Januar“.

Der Untergang Roms und unsere Zeit

Der Geschichtsphilosoph übertrug dieses Sinnbild in unsere Zeit und erinnerte daran, daß es nach dem Mauerfall so schien, als sei unser Land nun gleichsam „von Freunden umzingelt“, alles in Butter und die Zukunft ebenso friedlich wie verheißungsvoll. 

Diese Phase sei inzwischen – auch durch massive Fehlleistungen seitens der Politik  – einer viel größeren Besorgnis gewichen, erläuterte Dr. Weißmann. Nicht wenige Zeitgenossen würden unsere Zeit inzwischen mit dem Niedergang Roms vergleichen, denn manche Kennzeichen der Dekadenz träfen auch auf die heutige Lage zu.

Damals hätten die „Barbaren vor den Toren Roms“ gestanden  – und derzeit könne man sich fragen, ob sie die Tore nicht schon durchschritten hätten.

Sodann befaßte sich der Historiker mit dem  – wie er es nannte – „geradezu kometenhaften Aufstieg“ der AfD, wodurch die Parteienlandschaft in nur zwei Jahren wesentlich verändert worden sei.

Der schnelle Erfolg der Grünen Anfang der 80er Jahre sei zum Teil auch der Tatsache zu verdanken gewesen, daß die Medien diese neue Partei „hochgeschrieben“ hätten, während hinsichtlich der AfD das genaue Gegenteil der Fall sei.

Alle anderen Partei-Versuche „rechts von der Mitte“ seien daran gescheitert, teils auch an internen Querelen. Zudem habe es teils „Generäle ohne Soldaten“ (Elitepartei) oder „Soldaten ohne Generäle“ (fehlende kompetente Führung) gegeben. 

Die AfD verfüge über beides – zudem habe sie ihre Krisen, Abspaltungen und Personalstreitigkeiten überstanden und sei nicht daran zerbrochen.

Das Thema Masseneinwanderung sei nicht neu, sondern seit dreißig Jahren intensiv auf der Tagesordnung, ebenso die wachsende Bedrohung durch den politischen Islam. Allerdings seien diese drängenden Fragen zuvor von keiner konservativen Partei kraftvoll gebündelt worden.

Politische Wende durch die Grenzöffnung 2015

Der AfD seien die Probleme der Grenzöffnung 2015 zugute gekommen und sie habe die Gelegenheit gut genutzt, um den wachsenden Unmut im Volke aufzufangen und ihm eine deutlich vernehmbare Stimme zu geben. Viele Menschen seien fassungslos gewesen und hätten sich angesichts der unkontrollierten Massenmigration wie ohnmächtig gefühlt, zumal Kanzlerin Merkel einfach lakonisch erklärte: „Nun sind sie halt da.“

Doch die anderen Parteien wollen sich, so Weißmann, nicht von den „Futterkrippen der Macht“ verdrängen lassen, daher die scharfen Attacken gegen die AfD.

Er habe mit einem solch wirksamen Aufstieg einer konservativen Partei nicht gerechnet, auch eingedenk der Erfahrung, wonach die Bürgerlichen „im Zweifel feige“ seien. Gleichwohl habe er sich jahrzehntelang publizistisch für eine seriöse konservative Partei rechts der Mitte eingesetzt. Die AfD sei für ihn gleichsam „eine Antwort auf meine Gebete“ (starker Beifall der Anwesenden).

Die AfD sei aber kein Selbstläufer, sondern müsse fundierte Leistungen vorweisen; sie dürfen nicht resignieren gegen einen übermächtig erscheinenden Gegner in Politik und Medien.

„Es läuft grundsätzlich etwas schief“

In diesem Land laufe „grundsätzlich etwas schief“, betonte Dr. Weißmann. Als Beispiel erwähnte er, daß die Töpfe der EU gefüllt würden, aber zugleich die deutsche Infrastruktur vernachlässigt werde. Zudem habe man bei der vielgepriesenen „kulturellen Bereicherung“ durch Migration übersehen, daß damit auch „religiöser Extremismus“ importiert worden sei.

Das Verhältnis zur eigenen Nation sei gestört; man lasse den „elementaren Zusammenhalt verkommen“, beklagte der Redner. Seit 1968 werde der Patriotismus diffamiert und eine  volksverbundene Haltung als „Populismus“ abgetan, dabei gehöre ein recht verstandener Populismus wesentlich zur Demokratie als einer Volksherrschaft.

BILD: Eines der zahlreichen Sachbücher von Dr. Weißmann: „Kulturbruch 68“

Europaweit gäbe es immer mehr „populistische“ Kräfte, die eine festgefahrene Parteienlandschaft in Bewegung bringen.

Der Historiker schilderte seine Begegnungen in Dänemark mit Vertretern patriotischer Bewegungen und konservativen lutherischen Pastor/innen, die ein positives Verhältnis zu ihrem Land pflegen – aber auch mit Wertschätzung auf Deutschland schauen, die deutsche Kultur und Literatur wertschätzen. Viele junge Dänen studieren in Deutschland. Man hoffe auf eine patriotische Veränderung in Europa, zugleich höre er immer wieder die Aufforderung: „Deutschland muß vorangehen!“

Allerdings sei der Populismus  – das Aufgreifen von Volksstimmungen – nur ein erster Schritt. Es sei eine bleibende Herausforderung für die AfD, so der Historiker, sich gründlich zu fundieren und zugleich ein breites Meinungsspektrum abzubilden. Der Partei müsse es gelingen, weiterhin die verschiedenen Flügel zu integrieren. Außerdem sei es wichtig, weder die parlamentarische Sacharbeit noch den Aktionismus an der Basis zu vernachlässigen.

Klugheit ist die „vornehmste politische Tugend“

Klugheit, so mahnte er die Versammelten, sei die „vornehmste politische Tugend“. Daher sollten interne Streitigkeiten und Personalquerelen nicht an die große Glocke gehängt werden. Nur so sei es möglich, die AfD „in der Mitte der Gesellschaft zu verankern“.

Angesichts des massiven Gegenwinds solle niemand vorschnell resignieren. Manchmal drehe sich der Wind des Zeitgeistes ganz überraschend. Er erinnerte an das alte Wort, wonach die „Dämonen von gestern die Götter von morgen“ sein könnten.

Als nüchterner Konservativer beschränke er sich auf einen „vorsichtigen Optimismus“. Ein dauerhafter Sieg sei keineswegs unausweichlich, sondern müsse hart erarbeitet werden.

Dr. Weißmann erinnerte an den deutsch-jüdischen Politiker Walter Rathenau, der nach dem Versailler Vertrag einen „flammenden Appell“ für den Zusammenhalt der Deutschen veröffentlicht habe. Seinem Schlußwort wolle er sich anschließen: „Sursum corda – Hoch die Herzen!“

Abschließend scherzte der Redner: „Das Büffet ist eröffnet – trinken Sie mindestens ein Glas auf das Wohl unseres Vaterlandes!“

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.

 

 


Zur Situation der Union angesichts der Herausforderung durch die Grünen

Von Prof. Dr. Hubert Gindert

Uli Bachmeier schreibt in seinem Beitrag über das Ergebnis der Bayerischen Landtagswahl: „Mit Seehofers Rücktritt ist das Hauptproblem der CSU nicht gelöst“ und weiter im Untertitel „Die größte Gefahr für die Partei besteht darin, auf eine ehrliche Analyse des Wahlergebnisses zu verzichten und jetzt einfach zur Tagesordnung überzugehen“.

Seine Kommentierung endet damit, dass „die Partei seit Jahren nicht mehr dazu in der Lage ist, eine Klammer zu bilden für ganz unterschiedliche bürgerliche Weltanschauungen“.

BILD: Prof. Gindert leitet das „Forum Deutscher Katholiken“ und den Kongreß „Freude am Glauben“

Der Autor hat insofern recht, dass die CSU nach diesem Wahlergebnis nicht zur Tagesordnung übergehen kann, wenn sie wieder zur Volkspartei werden will.

Bei der hohen Wahlbeteiligung von 72,4% gegenüber 63,9% in 2013 konnte die CSU 270.000 Nichtwähler und 100.000 Stimmen der SPD gewinnen. Der Zugewinn von 370.000 Stimmen wurde aber durch Verluste an die Grünen (170.000), an die AfD (160.000) an die Freien Wähler (160.000) und an die FDP (40.000) überkompensiert  – insgesamt ein Verlust von 530.000 Stimmen.

Die CSU ist mit 85 Mandaten im 205 Sitze umfassenden Bayerischen Landtag zwar immer noch stärkste Partei und stellt in der Koalition mit den Freien Wählern den Ministerpräsidenten. Aber sie kann nicht mehr wie seit 1957 allein regieren.

Kann die CSU wieder die absolute Mehrheit zurückgewinnen? Das eigentliche Problem auf diesem Weg stellen nicht die Freien Wähler dar. Ihre inhaltliche Nähe zur CSU ist eher eine Gefahr für sie, auch wenn sie in den Kommunen gut verankert ist.

Es sind die AfD und die Grünen, welche der CSU bei den Überlegungen zur Neuausrichtung der Politik das größte Kopfzerbrechen bereiten. In der Analyse des Wahlerfolgs heißt es: „Grüne gewinnen mit Naturschutz – und Werten“. Weiter: „Die Grünen konnten insbesondere mit Naturschutz und Umweltschutz punkten, zeigt Jörg Schönborn im Wahl-Block. Ihre neue Qualität zeige sich aber auch bei den Grundwerten“ (Wikipedia).

Die AfD ist eine Partei, die heterogen zusammengesetzt ist. Die Stammwählerschaft wird mit drei bis vier Prozent angegeben. Der Großteil sind Protestwähler, die aus unterschiedlichen Gründen AfD wählen. Dazu gehören auch bewusste Christen, die am verblassenden „C“ von CDU und CSU Anstoß nehmen und das AfD-Programm für christlicher orientiert als das der „C“-Parteien halten.

Bei der Rede von den „Grundwerten“ wird die dahinterstehende Verweltlichung der Gesellschaft tabuisiert. Trendsetter dieser Säkularisierung, die im Namen der Emanzipation von allen Bindungen, welche Autonomie und Freiheit einschränken, abstreifen, sind die Grünen. Ihre wichtigsten Bündnispartner sind die Medien.

Am deutlichsten zeigen sich die Auswirkungen in den Vorstellungen zu Ehe und Familie, in Fragen der Sexualität, des Lebensschutzes, konkret in der Abtreibung und heute auch bei Leihmutterschaft und der Genderideologie.

Die Grünen haben zwei Gesichter. Das eine hat mit Umweltschutz, das andere mit der Kulturrevolution der 68er Jahre zu tun. Als Kardinal Joseph Höffner seinerzeit die Grünen als eine für Katholiken nicht wählbare Partei bezeichnete, meinte er damit nicht die ökologische Seite, sondern die gesellschaftspolitische Ausrichtung.

Dr. Raphael Hüntelmann hat die 68er Kulturrevolution miterlebt und mitgemacht. Er war aktiver Kommunist. Er erklärt:

„Die größte und finanziell stärkste Gruppe war der ‚Kommunistische Bund Westdeutschlands‘ (KBW). Viele von deren Mitgliedern sind nach der Auflösung der Partei Anfang der 1980er Jahre bei den ‚Grünen‘ gelandet und sitzen z.B. heute in den Parlamenten… Die radikalen Revolutionäre der RAF oder der ‚Bewegung 2. Juni‘ hatten sehr hohes Ansehen und einen Rückhalt bei den verschiedenen K-Gruppen…

Ohne diesen Rückhalt hätte die RAF nicht diese Wirkung erzielen können. Ich hatte in dieser Zeit selbst Kontakte zum RAF-Umfeld. Diese ‚Spontis‘ waren vor allem dann in den 1980er Jahren an der schnellen Ausbreitung der ‚Grünen‘ beteiligt und fanden dort eine politische Heimat…

Ich (stelle) fest, dass die Freiheit, für die man gekämpft hat, von den Linken, die heute in fast allen Bereichen den Ton angeben, immer weiter beschnitten wurde und beschnitten wird, was so weit geht, dass man bestimmte Worte nicht mehr sagen darf oder bestimmte Auffassungen nur noch in engstem privaten Kreis ausgesprochen werden“. (Informationsblatt der Priesterbruderschaft St. Petrus, 12/2018, S. 5/6)

Die gängige Unterscheidung der Grünen in Realos und Fundis hat eher mit der Strategie der Machteroberung zu tun. Heute sitzen die Grünen in einer Reihe von Länderregierungen. Die Unterscheidung von Realos und Fundis spielt kaum mehr eine Rolle, zumal die Grünen mit Regierungsverantwortung, wie das Beispiel von Baden Württemberg zeigt, zur Machterhaltung durchaus Kompromisse eingehen.

Inzwischen firmieren die Grünen als die „Neue Mitte“. Das ist möglich geworden, weil sich das ganze politische Spektrum nach links verschoben hat.

Die Kulturrevolutionäre haben längst den Marsch durch die Institutionen angetreten – bis hinein in die kirchlichen Milieus.

Bereits in den 70er Jahren zeigten sich katholische Jugendorganisationen, die im BDKJ bzw. ZdK organisiert sind, einen grün-roten Drall, wie die Zeitschriften dieser Verbände zeigen.

Die Verantwortlichen der deutschen Ortskirche haben darauf nicht reagiert. Sie haben auch ihre Verantwortung nicht wahrgenommen, als sich die Vorstellungen der Grünen in den katholischen Frauenverbänden breit machten. „Anstößige“ Themen in Bezug auf Ehe, Familie, Sexualität wurden in Predigt und Katechese, selbst wenn die Lesungen im Gottesdienst Gelegenheit zur Stellungnahme geboten hätten, nicht thematisiert.

Die Kirchen trifft eine Mitschuld an der Säkularisierung der Gesellschaft. Wer, wenn nicht sie, haben den Auftrag, die christliche Botschaft zu vertreten, „sei es gelegen oder ungelegen“.

Diese Veränderungen der Einstellungen bis hinein in den sogenannten „bürgerlichen“ Bereich bezeichnet Uli Bachmeier als „unterschiedliche bürgerliche Weltanschauungen“.

Kann eine „C“-Partei ihnen noch gerecht werden, wenn sie mehrheitsfähig bleiben will? Wollte sie das versuchen, hätte sie – von einigen Bischöfen abgesehen – in den Kirchen keinen Rückhalt, wie der Vorstoß Markus Söders zum Kreuzaufhängen in öffentlichen Räumen zeigt.

Eine christlich orientierte Politik ist zwar für den Menschen das Beste. Das von einer Partei allein zu verlangen, ist kaum mehr zu schaffen. Die Versuchung für „C“-Parteien besteht darin, sich dem Mainstream anzupassen und das eigene Profil zu verwässern. Die Folge ist, dass Wähler dann das linke Original, nämlich die Grünen wählen.


Linke Gesinnungsdiktatur als neue Leitkultur?

Von Peter Helmes

70 – 80 Prozent der Plakate der AfD wurden während der letzten Wahlkämpfe zerstört, gestohlen oder verschmiert, Häuser und Autos von AfD-Kandidaten z. T. massiv beschädigt, einige Kandidaten körperlich bedroht oder sogar verletzt.

Das Ausmaß erschreckt. Aber eine „Betroffenheitsreaktion“ der Gesellschaft und erst recht der Politik bleibt aus. Man muß deshalb die Frage stellen, ob dies symptomatisch für eine lethargische Gesellschaft und einen maroden Linksstaat ist, wie es ihn nicht einmal zu APO-Zeiten gegeben hat.

Hier wird die Gesellschaft zunehmend ihrer Grundrechte beraubt, und die Politik, schaut weg oder fördert dies sogar – gewissermaßen eine staatlich geförderte Recht(s)zerstörung, deutlich zu erkennen z. B. an dem Entzug der Meinungs- und Versammlungsfreiheit bzw. der Bevorzugung linker  –  will heißen: „politisch korrekter“ – Gruppen.

Das ist eine durchgängige Linie, in linken Landen stärker, in gemäßigten schwächer ausgeprägt  – vorläufig noch. Denn „die Bewegung marschiert“, linksradikale Randale werden achselzuckend hingenommen, gegen „rechts“ jedoch empören sich die halbe Nation, die politisch Angepaßten und ihre Medien sowieso.

Es geht um die Eroberung des Luftraumes über der FDGO – der „freiheitlich demokratischen Grundordnung“, die von bewährten Axiomen bestimmt ist.

Genau hier setzen die Systemzerstörer an: Sie stellen diese Denkvoraussetzungen nicht nur in Frage, sondern sie wollen sie ersetzen durch ihre Theorien. Die „…ismen“ frohlocken! Ungeist ersetzt Geist. Klassische Staatsdenker hätten heute keine Chance mehr. Die Libertinage hat von der Gesellschaft in weitem Maße Besitz ergriffen, keine Norm von gestern gilt mehr.

Der Medienwissenschaftler Prof. Dr. Norbert Bolz, einer der wenigen Intellektuellen, die noch nicht der politischen Korrektheit erlegen sind, bringt die Verkommenheit dieser Gesinnungsdiktatur auf den Punkt:

„Der Politischen Korrektheit geht es nicht darum, eine abweichende Meinung als falsch zu erweisen, sondern den abweichend Meinenden als unmoralisch zu verurteilen. Man kritisiert abweichende Meinungen nicht mehr, sondern hasst sie einfach. Wer widerspricht, wird nicht widerlegt, sondern zum Schweigen gebracht.“

Dank der 68er- und ihrer Nachfolge-Generation hat sich unsere Gesellschaft immer negativer verändert. Weite Teile der Bevölkerung merken dies nicht oder – schlimmer – wollen es nicht sehen. Weil nicht sein kann, was nicht sein darf, können sie sich nicht vorstellen, daß sie getäuscht werden. Sie glauben der einseitigen Berichterstattung gleichgeschalteter Medien und nehmen die Bedrohung nicht wahr. 

Falsche Toleranz führt dazu, daß dieser Staat hemmungslos ausgehöhlt werden kann. Das ist die offenbar unaufhaltsame Zerstörung unseres Landes in moralischer und ethischer Hinsicht.

Der frühere Ministerpräsident Baden-Württembergs, Erwin Teufel, sagt es deutlich:

„Viele sprechen von Mut, wenn man seine Meinung sagt, obwohl diese politisch nicht korrekt ist. Denn politische Korrektheit trägt in Deutschland bereits Züge der Unterdrückung. Wer seine Meinung sagt – vor allem, wenn sie nicht linksextrem oder aber zumindest links ist -, der ist in Deutschland gleich ein Rechtsextremist.“

Die Tyrannei beginnt dort, wo Meinungen kriminalisiert und tabuisiert werden. Ich darf nicht mehr sagen, was ich denke. Vergessen der kluge Satz von Voltaire: „Ich mag verdammen, was Du sagst. Aber ich werde mein Leben dafür geben, daß Du es sagen darfst.“ – Ein solcher Imperativ ist den Linken unserer Gesellschaft ein Greuel. Eine eigene Meinung zu vertreten, die einer selbsternannten Wächterliga nicht paßt, ist tabu.

Vollständiger Text des Artikels von Peter Helmes hier: https://conservo.wordpress.com/2018/12/07/linke-zerstoerungswut-eine-staatlich-gefoerderte-oder-geduldete-rechtszerstoerung/


Führende Experten widerlegen einen „Zusammenhang“ von Zölibat und Missbrauch

Von Felizitas Küble

In der erneut aufgeflammten Debatte über Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche wird der Zölibat vielfach direkt oder indirekt als Ursache für pädosexuelle Verfehlungen angesehen; zumindest wird die priesterliche Ehelosigkeit mit Hinweis auf diverse Vorfälle infrage gestellt, teils auch von Kirchenvertretern.

Diese Würdenträger sollten den Fokus stattdessen auf die mangelnde Wahrnehmung der bischöflichen Aufsichtspflicht richten.

BILD: Katholische Priester bei der Feier einer hl. Messe

Die Frage steht gleichwohl im Raum: Gibt es ein Ursache-Wirkung-Verhältnis oder besteht zumindest ein konkreter Zusammenhang zwischen dem Zölibat und den entsetzlichen Vorfällen von Kinderschändungen durch Kleriker?

Von fachlicher Seite – zumal von Gerichtspsychiatern  –  wird dieser Kontext schon seit längerem bestritten; hierzu einige Beispiele:

Dr. Norbert Leygraf, Direktor des Instituts für Forensische Psychiatrie der Universität Duisburg-Essen, erklärte am 23. August 2010 gegenüber dem „Deutschlandradio“, niemand werde durch den Zölibat pädosexuell geprägt, zumal diese Neigung bereits während der Pubertät entstehe, das Zölibatsversprechen hingegen erst viel später erfolge.

Daher sei es „nicht sonderlich einleuchtend“, überhaupt einen Zusammenhang zwischen Zölibat und Missbrauch herzustellen.

Dr. Leygraf widersprach zudem der Auffassung, dass abnorme Formen der Sexualität unter kath. Priestern überdurchschnittlich stark vertreten seien: „Irgendwelche Studien, die belegen würden, dass sie besonders häufig Leute mit einer abnormen Sexualität wären, gibt es nicht.“

(Quelle: https://www.deutschlandfunkkultur.de/das-sind-ja-ueberwiegend-altfaelle.1008.de.html?dram:article_id=163438)

Evangelischer Forensiker: Zölibat keine Ursache für Missbrauch

Der bekannte Forensiker Prof. Dr. Hans-Ludwig Kröber erklärte bereits  zu Beginn der öffentlichen Missbrauchsdebatte im Februar 2010, dass katholische Priester gerade wegen ihrer geistigen Grundhaltung weitgehend davor geschützt seien, zu Missbrauchstätern zu werden.

Der evangelische Kriminal-Psychiater Kröber ist Mitherausgeber des Standardwerkes „Handbuch der Forensischen Psychiatrie“ und Direktor des Instituts für Forensische Psychiatrie der Freien Universität Berlin. Seinen Studien zufolge ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein kath. Priester zum Missbrauchs-Täter wird, 36 mal geringer als bei Männern, die nicht zölibatär leben.

BILD: Kardinal Müller weiht einen jungen Mann zum Priester

In einem Artikel der Tageszeitung „Die Welt“ vom 3.4.2010 heißt es, die Lebensform Zölibat habe „mit dem Missbrauch von Kindern nichts zu tun.“ Als Beleg wird Professor Kröber zitiert: „Statistisch gesehen wird man eher vom Küssen schwanger, als vom Zölibat pädophil.“ 

(Quelle: https://www.welt.de/debatte/article7038687/Der-Zoelibat-ist-eine-Liebesbeziehung.html)

Ähnlich argumentiert der katholische Publizist und Psychotherapeut Manfred Lütz, Direktor eines Psychiatrischen Krankenhauses in Köln, in der FAZ vom 11.2.2010:

„Den Zölibat in diesem Zusammenhang (Kindesmissbrauch) zu nennen, ist besonders verantwortungslos. Auf einer Tagung 2003 in Rom erklärten die international führenden Experten – alle nicht katholisch – es gebe keinerlei Zusammenhang dieses Phänomens mit dem Zölibat.“

Bei der erwähnten Tagung handelte es sich um einen kompetenten Fachkongress: er dauerte eine Woche und versammelte international führende Forensische Psychiater, Mediziner und Sexualwissenschaftler zum Thema Missbrauch.

Prof. Nedopil: Beherrschung reduziert das Verlangen

Auch Prof. Dr. Norbert Nedopil wies im März 2010 in diversen Talksendungen die weitverbreiteten Unterstellungen gegen den Zölibat zurück. Der Leiter der Abteilung für Forensische Psychiatrie der Universität München (LMU) erklärte, die religiös begründete, freiwillige Ehelosigkeit senke das Risiko, zum Sexualtäter zu werden: „Wenn man Sexualität einschränkt, dann sinkt auch das Verlangen danach.“

Prof. Dr. Christian Pfeiffer nimmt den Zölibat ebenfalls gegen den Vorwurf der Begünstigung pädosexueller Taten in Schutz: Der evangelische Kriminologe und frühere SPD-Justizminister von Niedersachsen ist Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen.

In einem Gastbeitrag für die linksliberale „Süddeutsche Zeitung“ stellte er klar, dass der statistische Anteil der Priester an den Missbrauchsfällen exakt 0,1 % beträge, also 1 Promille. Obwohl es überall Dunkelziffern gibt, rechnet er bei Priestern „für alle Fälle“ eine dreifach so hohe Dunkelziffer wie sonst, was dann 0,3% ergäbe, folglich drei Promille.

Auch dieser Experte stellt fest, dass selbst bei hochgerechneter Dunkelziffer der Priester-Anteil im Vergleich zum Bevölkerungsdurchschnitt sehr gering sei, ein Zusammenhang zwischen Zölibat und Missbrauch daher nicht erkennbar.

(Quelle: http://www.sueddeutsche.de/politik/missbrauch-in-der-katholischen-kirche-drei-promille-aller-taeter-1.24359)

„Zartbitter“-Chefin: Anti-Zölibats-Debatte kontraproduktiv

Neben Gerichtspsychiatern haben sich auch Fachleute aus dem Beratungsspektrum zu dieser strittigen Frage zu Wort gemeldet.

Das Problem von Missbrauchstätern in eigenen Reihen betrifft nach Meinung der Kölner Expertin Ursula Enders beide großen Kirchen in Deutschland in gleich starker Weise:

„Die evangelische Kirche hat sich lange Zeit in Sicherheit gewiegt und geglaubt, `bei uns doch nicht, das liegt ja am Zölibat`“ sagte die Therapeutin bei der Fachtagung „Missbrauch in Institutionen“ Anfang Juni 2012 in Hamburg. Das sei jedoch ein Mythos: „Missbrauch hat mit Zölibat wenig zu tun“, so die Leiterin von „Zartbitter“, einer Einrichtung gegen sexuellen Missbrauch in Köln. 

Enders betonte, ihrer Beobachtung zufolge komme das Problem in der evangelischen Kirche nicht seltener vor. Nachdem diese lange die Augen vor dem Thema verschlossen habe, würden jetzt verstärkt Fälle in protestantischen Einrichtungen bekannt. 

Die Kirchen seien vom Thema sexualisierte Gewalt nicht stärker betroffen als etwa Sportvereine, Schulen oder das familiäre Umfeld, sagte die Expertin.

Zu den Risikofaktoren zähle, dass Täter häufig die Maske des sozial Engagierten trügen. Gerade in sozialen Einrichtungen gebe es den Typus des „Dauerjugendlichen“, erklärte Enders: „Das ist niemals gut für Kinder.“ Diesen Typus habe sie vor allem in evangelischen Kirchengemeinden erlebt.

(Quelle: https://www.kath.ch/newsd/deutsche-therapeutin-missbrauch-hat-wenig-mit-zoelibat-zu-tun/)

Ergänzend dazu folgen Äußerungen von Ursula Enders aus ihrer diesbezüglichen Stellungnahme vom 15. März 2010 speziell zum Dauerbrenner Zölibat:

„So kritisch man dem Zölibat gegenüberstehen mag, die breite Erfahrung von Zartbitter entlarvt die Reduzierung der Täterschaft auf zölibatäre katholische Priester als Mythos, der zu einer grundlegenden Vernachlässigung eines ausreichenden Schutzes von Mädchen und Jungen vor sexuellen Grenzverletzungen führen kann.

Eine allzu einseitige Diskussion über das Zölibat lenkt ab von dem großen Ausmaß der sexuellen Ausbeutung von Kindern in Schulen, Einrichtungen der Jugendhilfe, Sportvereinen, kommerziellen Angeboten für Kinder und Jugendliche (Ballett, Ferienreisen, Musikunterricht).

Folglich ist die mit großer Heftigkeit geführte aktuelle Diskussion über das Zölibat im Sinne des Kinderschutzes kontraproduktiv.

Mitglieder anderer Glaubensgemeinschaften (zum Beispiel der evangelischen Kirche, den Zeugen Jehovas, dem Islam) verkünden häufig mit einem trügerischen Seufzer der Erleichterung: „Bei uns sind die Geistlichen verheiratet und unsere Kinder somit vor Missbrauch durch Geistliche sicher“.  – Derart „naive“ Gläubige werden nicht selten mit der bitteren Realität konfrontiert, dass ein vermeintlich ungefährlicher, heterosexuell lebender Geistlicher oder Laienhelfer Mädchen und/oder Jungen missbraucht hat!

Die Beratungsarbeit von Zartbitter Köln in den letzten 25 Jahren hat deutlich gemacht, dass auch der Missbrauch innerhalb kirchlicher Institutionen vorrangig von heterosexuell lebenden Tätern und Täterinnen verübt wird, die sich in kirchlichen Institutionen als Gemeindereferenten, Diakone, Gruppenleiterinnen, Jugendbetreuer, jugendlichen Messdienerführer, Koch auf Ferienfreizeiten etc. engagieren.“

(Quelle: http://www.zartbitter.de/gegen_sexuellen_missbrauch/Fachinformationen/6510_mythos_zoelibat.php)

Fakten der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung

Im Jahre 2012 wurde in Medien berichtet, laut polizeilicher Kriminalstatistik hätten in Deutschland die Fälle sexuellen Missbrauchs von Kindern wieder deutlich zugenommen.

Allgemein stieg damals die Zahl der registrierten Sexualdelikte um 5%, der Besitz von Kinderpornografie sogar um dramatische 23%.

Dazu schrieb die Wochenzeitschrift „Christ in der Gegenwart“ (Nr. 42/2012, Seite 2):

„Während die Kirchen das Thema in den vergangenen Jahren stark aufgegriffen haben und die Fälle, die fast alle aus der Vergangenheit stammen, aufarbeiten, ändert sich in der „weltlichen“ Bevölkerung am sexuellen Missbrauchsverhalten offenbar gar nichts. Das aufklärerische Vorbild der sonst so viel gescholtenen Kirche und die damit medial aufgebauschte Debatte haben auf das allgemeine gesellschaftliche Verhalten da offenbar überhaupt keinen reinigenden Einfluss.“

Zum Thema „aufgebauschte“ Debatte gehört auch der ständige Vorwurf gegen den Zölibat in vielen Medien.

Interessanterweise hat hierzu die staatliche „Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung“  –  die ansonsten nicht gerade für „konservative“ Äußerungen bekannt ist – Stellung bezogen.

Unter dem Titel „Sexueller Missbrauch in Fallzahlen der Kriminalstatistik“ wird in einem Internet-Bericht klargestellt, dass der Zölibat weder direkt noch indirekt als Ursache für sexuelle Übergriffe anzusehen sei.

Im Kapitel „Risikofaktor Zölibat?“ heißt es darin, in der Öffentlichkeit sei „der Eindruck entstanden, dass katholische Kinder, die in ihren Kirchengemeinden beispielsweise als Ministranten tätig sind, ein besonders hohes Risiko haben könnten, Opfer sexuellen Missbrauchs durch Priester zu werden. Verschiedentlich wurde die These aufgestellt, der Zölibat sei mitverantwortlich für einen sexuellen Missbrauch von Kindern durch katholische Priester und Ordensangehörige.“

Die erwähnte Ausarbeitung kommt nun auf die Fakten zu sprechen:

„Die bisher bekannt gewordenen Fakten scheinen allerdings nicht dafür zu sprechen, dass diese Einschätzungen zutreffen. So hat der „Spiegel“ Anfang Februar 2000 bei allen 27 Diözesen Deutschlands nachgefragt, wie viele Priester oder kirchlich angestellte Laien in ihrem jeweiligen Amtsgebiet seit 1995 als Tatverdächtige oder Verurteilte dieses Deliktes registriert worden sind. 24 Diözesen haben geantwortet. Stellt man die dort ermittelten Zahlen den polizeilich ermittelten Tatverdächtigen des sexuellen Kindesmissbrauchs für die Jahre 1995-2009 gegenüber, so entfiele auf die katholischen Priester ein Anteil von 0,1%.“

In der betreffenden Fußnote wird zudem angemerkt:

„Wenn man die dort benannten sieben Laien streicht, ergeben sich 117 verdächtige Priester – im Durchschnitt pro Bistum also 4,9. Unterstellt man ferner für die drei fehlenden Bistümer sicherheitshalber jeweils eine doppelt so große Zahl, also 30 weitere Personen, errechnet sich eine Gesamtzahl von 147 Priestern, die in den 15 Jahren bundesweit von der Polizei als Tatverdächtige registriert worden sind. Dem steht gegenüber, dass in Deutschland zwischen 1995 und 2008 die Zahl der polizeilich erfassten Tatverdächtigen des sexuellen Kindesmissbrauchs insgesamt 128.946 betrug. Rechnet man für 2009 den Durchschnittswert dieser 14 Jahre hinzu, ergibt sich für die 15 Jahre eine Gesamtzahl von rund 138.000.“

Außerdem stellt diese Analyse klar, dass die Theorie, wonach zwischen Zölibat und Kindesmissbrauch ein Zusammenhang bestände, auch rein psychologisch gesehen nicht haltbar sei, weil die pädophile Prägung  – also die sexuelle Orientierung an Kindern – weitaus früher ansetzt als eine im Erwachsenenalter erfolgte Entscheidung für den Zölibat. Hierzu heißt es:

„Zweifel ergeben sich ferner an der These, dass katholische Priester durch den Zölibat ein deutlich erhöhtes Risiko hätten, Täter des Missbrauchs zu werden. Gegen diese Annahme spricht zunächst, dass es sich bei einem Teil der Täter um pädophile Männer handeln müsste, also um Personen, deren sexuelle Präferenz sich zeitlebens auf Kinder richtet. Bei ihnen kann die spätere Entscheidung, als Priester eine Keuschheitsverpflichtung einzugehen, ihre sexuelle Grundorientierung also nicht befördert haben.“

(Quelle: http://forum.sexualaufklaerung.de/index.php?docid=1348)

Feministische Historikerin verteidigt den Zölibat

Die weitverbreitete Vorstellung von einem angeblichen Zusammenhang von Zölibat und Missbrauch erhielt zudem Widerspruch von feministischer Seite. So wendet sich die amerikanische Historikerin Dagmar Herzog, Autorin der wissenschaftlichen Studie „Die Politisierung der Lust“, ausdrücklich gegen die Verdächtigung dieser Lebensweise. index

Das „Deutschlandradio“ führte am 14. März 2010 ein ausführliches Gespräch über „Pädophilie und Pädagogik“ mit der Autorin aus New York, die in ihren Forschungen vor allem den Umgang mit Missbrauchsverbrechen in den USA und Irland untersuchte.

Frau Prof. Herzog wurde in dem Interview gefragt, was sie von der Ansicht des Hamburger Weihbischofs Jaschke halte, wonach der Zölibat eine Anziehungskraft für sexuell Fehlgeleitete ausübe.

Die Antwort der Historikerin: „Ich finde, daß das falsch ist.“ –  Es gäbe schließlich zahllose Männer, die mit dem Zölibat gut klarkämen.

Sexuelle Übergriffe kämen zudem auch in Familien und im linken Spektrum vor, wobei sie an die Odenwaldschule erinnerte: Dort habe man sich sogar bewußt die antiken Zeiten Griechenlands mit ihrem Päderastentum bzw. der sog. „Knabenliebe“ zum Vorbild genommen.

Die Geschichtswissenschaftlerin widersprach überdies jener vulgärpsychologischen „Dampfkessel-Theorie“, die besagt, eine Unterdrückung sexueller Triebe führe zu Fehlformen, krankhafter Sexualität, Machtrausch und Aggressionen  –  eine These, die nicht zuletzt auf Wilhelm Reich zurückgeht, einen Vordenker der „sexuellen Befreiung“.

Dagmar Herzog weist diese These zurück, denn sie sei falsch und gerade durch die NS-Diktatur widerlegt: Damals habe eine  –  im Vergleich zur Zeit davor – größere sexuelle Freizügigkeit geherrscht, gleichzeitig gab es aber auch eine Zunahme an Machtgier und Aggressionen. Die Sexual-„Moral“ der Nazis sei insgesamt nicht konservativ, sondern liberal gewesen.

Hierüber verfasste die feministische Autorin 2005 eine faktenreiche Studie mit dem Titel „Die Politisierung der Lust“ (Siedler-Verlag), worin sie analysiert, dass die NS-Zeit zu einer „Fortschreibung, Ausweitung und Intensivierung der bereits vorhandenen liberalisierenden Tendenzen“ führte. So haben die kirchenfeindlichen Nationalsozialisten z. B. die Strafbarkeit des Ehebruchs reduziert und voreheliche Sexualität propagiert.

Diese Stellungnahmen von Expertenseite  – seien es Psychiater, Historiker, Forensiker oder Therapeuten  –  widerlegen die in vielen Medien und bisweilen auch in kirchlichen Kreisen aufgestellte These, der Zölibat sei eine oder gar die maßgebliche Ursache für Missbrauch bzw. es bestehe ein erkennbarer Kontext zwischen beiden Aspekten.

Erstveröffentlichung dieses Artikels in der Zeitschrift „Theologisches“ vom Oktober 2018

Weiteres Info hierzu: https://charismatismus.wordpress.com/2018/10/02/sogar-zdk-praesident-sternberg-stellt-klar-kein-zusammenhang-von-zoelibat-und-missbrauch/