Sechs TOP-Phänomene des Aberglaubens

Wenn es um die am häufigsten genannten abergläubischen Phänomene geht, bleiben die Deutschen größtenteils bei den „Klassikern“.

52 Prozent glauben an die glücksbringende Wirkung eines vierblättrigen Kleeblatts, während 39 Prozent die Zahl 13 für ein unheilbringendes Symbol halten.

Wie die gemeinsame Umfrage von Statista und YouGov zeigt, schafft es aber auch ein eher ungewöhnlicher Aberglaube in die Topliste.

Während Glasscherben und Glücks-Cents erwartungsgemäß auf den oberen Rängen landen, hängen immerhin 35 Prozent der Befragten dem Aberglauben an, ein zu früher Geburtstags-Glückwunsch bringe Unglück.

Andere Klassiker wie die Begegnung mit Schornsteinfegern oder schwarzen Katzen, das Verschütten von Salz oder das Durchspazieren unter einer Leiter sind zwar ähnlich stark vertreten, schaffen es aber nicht in die jeweilige Top 3.

Außerdem sind folgende Themen Teil der Umfrage von Statista und YouGov: Der Anteil abergläubischer Menschen in Deutschland und die Frage, ob Aberglaube für die Deutschen eher positiv oder eher negativ belegt ist.

Quelle von Text / Grafik: https://de.statista.com/infografik/25506/am-haeufigsten-genannte-auspraegungen-negativen-und-positiven-aberglaubens/


39% Frauen schätzen sich als abergläubisch ein

39 Prozent der Frauen und 21 Prozent der Männer in Deutschland dürften dem kommenden Freitag, dem 13. August, wenig entspannt entgegensehen.

So hoch ist der Anteil der Deutschen, die sich als abergläubisch oder eher abergläubisch einschätzen, wie eine Befragung von Statista und YouGov zeigt.

Was sich zudem aus der Grafik herauslesen lässt: Viele Männer sind diesbezüglich besonders resolut. 42 Prozent gaben an, absolut nicht abergläubisch zu sein.

Diese Beobachtung trifft auch auf die älteren Bevölkerungsschichten zu. 37 Prozent der Befragten, die 55 Jahre oder älter sind, sehen sich gar nicht als abergläubisch.

Aberglaube als Begriff hat sich erst im 15. Jahrhundert weitläufig etabliert, das Konzept existiert schon seit der Antike. Teilaspekte des Aberglaubens, beispielsweise die besondere Wirkung von Symbolen oder das Beeinflussen der Außenwelt durch Sprüche und Rituale, finden sich auch im Magischen Denken.

Außerdem Teil der Umfrage von Statista und YouGov: Die positive oder negative Wahrnehmung von Aberglaube in Deutschland und die Top 3 der Glücksbringer und schlechten Vorzeichen.

Text / Grafik: https://de.statista.com/infografik/25505/anteil-der-aberglaeubischen-menschen-in-deutschland/


„Jesuskind“-Visionen in Sievernich fordern zu Sühnegebeten am 11. Juni 2021 auf

Von Felizitas Küble

Der katholische Publizist und Historiker Michael Hesemann betätigt sich seit Jahrzehnten als Sprachrohr angeblicher Erscheinungen und wundersamer Mirakel – ob es dabei um die kirchlich abgelehnten, einstigen Phänomene von Heroldsbach geht oder um etwas ungewöhnliche Wolkenbildungen, die flugs als Madonnenfigur gedeutet werden usw.

Nun hat der Autor am heutigen Tage (9. Juni) auf dem charismatisch bewegten Portal „Kath.net“ ein besonders dringliches Anliegen vermeldet, denn es geht ihm in seinem Artikel um einen Gebetsaufruf der „Seherin“ Manuela Strack aus Sievernich, die seit über 20 Jahren übernatürlicher Gnaden gewürdigt wird (glaubt man ihrer Fangemeinde).

Dazu heißt es im Hesemann-Bericht, die „Christuserscheinungen“ in der Voreifel-Gemeinde „dauern an“.

Es wird zwar erwähnt, daß Christus der Visionärin „in Gestalt des Prager Jesuskindes“ erscheint, allerdings wird wohlweislich nicht dazugeschrieben, daß Manuela das Christkind in einer Hostie schaut. Wie bereits früher hier im CF klargestellt, handelt es sich dabei von vornherein um ein – gelinde gesagt – merkwürdiges Phänomen:

Warum sollte denn unser Erlöser ausgerechnet im Sakrament des Altares, in dem ER als das „Lamm Gottes“ gegenwärtig ist – somit als der Geopferte und verklärte Auferstandene, so wie ER heute im Himmel lebt – in Form eines kleinen Kindes erscheinen? – Der theologische Unsinn einer solchen Schau ist offenkundig für jeden, der katholisch noch bis drei zählen kann.

BILD: Eines der Bücher über die Phänomene von Sievernich: „Alle Nationen rufe ich zu mir!“

Nun zurück zu dem besonderen Sühneanliegen für den 11. Juni 2021. Die Seherin hatte – so Hesemann – am 13. Mai „während der Eucharistischen Anbetung eine erneute Christuserscheinung“.

Später habe sie „die Worte des Herrn“ notiert, darunter folgende: „Liebt das Gebet der Wiedergutmachung; denn in diesen Tagen wurde gegen den Vater im Himmel gesündigt.“ – Dabei soll es um jene Homopaar-Segnungen gehen, die einige Tage zuvor in etlichen Kirchen abgehalten wurden.

Wir wissen auch ohne Jesuskind-Visionen allein schon aufgrund der Heiligen Schrift und der kirchlichen Lehre, daß derlei Praktiken abzulehnen sind. Aber wer vom Glauben zum Aberglauben“ fortschreitet“, braucht hierfür vielleicht auch noch eine himmlische „Botschaft“ aus Sievernich.

Es stellt sich ohnehin die Frage, warum denn nur „in diesen Tagen“ gegen Gott „gesündigt“ worden sein soll. Dies ist in Wirklichkeit seit Adam und Eva der Fall und wird sich aufgrund der Erbsünde und ihren Folgen auch nicht ändern.

Nach dem in derlei Visionen üblichen Lamentos (z.B. „Wie wird Mir Meine Liebe vergolten?“) wünscht sich der Erscheinungs-„Jesus“ für den 11. Juni ein weiteres „Gebet der Wiedergutmachung“: „Seht, mit eurem Beten und Opfern erreicht ihr das Erbarmen des Ewigen Vaters.“

Es sind wieder einmal die speziellen „Sühneseelen“, die den Himmel besänftigen – obwohl Katholiken wissen müßten, daß bei aller Wichtigkeit persönlicher Gebete der Gläubigen vor allem die heilige Messe ein besonders wirksames Heilsmittel der Kirche ist.

Weiter heißt es: „Betet und leistet Sühne! Dass Ich zu euch spreche, ist ein Akt Meiner Barmherzigkeit; denn Ich will euch nicht verloren sehen, sondern erretten.“

Hat Christus etwa nicht seit 2000 Jahren durch Bibel und apostolische Tradition zu uns „gesprochen“? – Weiß der Verfasser nicht, daß die Offenbarung Gottes – laut amtlicher kirchlicher Lehre – mit dem Tod des letzten Apostels abgeschlossen ist?!

Abschließend schreibt Hesemann, in der „größten Krise“ unserer Kirche in Deutschland „seit der Reformation“ bekämen diese Botschaften eine „ganz eigene Brisanz“, denn nichts könne sie mehr retten „als Gottes Barmherzigkeit“.

Von daher sei es auf jeden Fall „notwendig“ (!), auch dem himmlischen Aufruf zum Wiedergutmachungs-Gebet am 11. Juni „Beachtung zu schenken„, denn – so der Autor – „nichts befreit und heilt uns alle mehr als das Gebet.“

Welcher gläubige Leser mag solch einem frommen Ansinnen widersprechen?!

Allerdings sollte noch bedacht werden, daß unser Beten durchaus frei gewählt werden kann und nicht auf Zuruf einer (noch dazu kirchlich nicht anerkannten) „Erscheinung“ auf ein bestimmtes Datum hin erfolgen muß.

Zudem ist es mit dem Gebet allein nicht getan, das gilt auch für „Sühnegebete“. Zum echten Glauben gehören auch gute Werke, Nächstenliebe, die Einhaltung der göttlichen Gebote und ein Leben aus den Sakramenten der Kirche.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.


Neue Kuriositäten aus der Erscheinungsecke

An einem aktuellen Beispiel sei sogleich verdeutlicht, wie es um eine Szene bestellt ist, die mit ihrer Wundersucht auch nicht vor einem „Joghurtdeckel“ Halt macht und diesen Unsinn zur „größeren Ehre Gottes“ und im Auftrag des „Allerhöchsten“ verbreitet.

Jede Möglichkeit, dass diese an Privatoffenbarungen klebenden Personen geschickt von „unten“ inszenierten Trugbildern oder ihren einfältigen Phantasien auf den Leim gegangen sein könnten, scheidet bei ihrer Sicht von vornherein aus.

Zu selbstsicher ist man sich in einer Szene, die zu diesem  Zweck gern Hintertürchen bastelt, durch die man entrinnen kann, sobald es auf skeptische Fragen keine Antworten mehr gibt. 

Den Ursprung seiner „Inspirationen“ verortet dieses Völkchen in höheren Sphären, wobei es sich oft nur um den eigenen Piepmatz handelt, der als „Hl. Geist“ wahrgenommen wird und der seine willigen und wundersüchtigen Anhänger jederzeit zum Diktat ruft, um sie in die Irre zu führen.

Dabei schrecken sie nicht davor zurück, über die Psycho-Leichen derer zu gehen, die ihrem vermeintlichen Auftrag von „oben“ im Wege stehen. Diese Unbelehrbaren halten sich für unantastbar und vollkommen vor der dunklen Seite gefeit, da man doch so überaus fromm, gottesfürchtig, mit Rosenkranz und Beichte lebt.

Das ist eine Seite des geistigen Hochmuts. Diese scheinfrommen Personen sitzen auf einem derart hohen Ross, dass sie sich aufgrund ihrer Leistungen einbilden, einen besonderen Anspruch auf übernatürliche Kontakte zu haben – quasi eine Belohnung für ihre besonders gehorsamen und demütigen Leistungen erwarten, was sie zwar – direkt dazu befragt – „bescheiden“ zurückweisen – jedoch innerlich fortwährend erhoffen, denn ohne honigsüßes Geschwätz (siehe auch Medjugorje) von „oben“ können sie nicht mehr leben und spitzen danach beide Ohren.

Diese unnüchterne Erwartungshaltung wird auch befriedigt – aber von ganz „unten“ und zu jeder Zeit. Irgendwann sind diese Leute derart abgehoben, dass ihnen sogar Reste unter dem Joghurtdeckel zum übernatürlichen Zeichen werden. Damit machen sie sich selbst und indirekt den katholischen Glauben lächerlich.

„Das Wunder unter dem Joghurtdeckel!“
https://herzjesuwegzehrungderrestarmee.jimdofree.com/zeugnis-geben/meine-zeugnisse/#zeugnis8

Werden sie mit der Fähigkeit, Reste unter einem Joghurtdeckel übernatürlich deuten zu können, nicht vorbehaltlos als „begnadete Seelen“ anerkannt, kennen sie keine Rücksichtnahme mehr und zerstören familiäre Bindungen für ihren Wahn, dem sie sich vorbehaltlos ausgeliefert haben.

So schlägt dieser abgehobene Personenkreis gleich zwei Fliegen mit einer Klappe. Er schadet dem christlichen Glauben, den er zu verteidigen vorgibt, indem er ihn der Lächerlichkeit preisgibt und belastet das eigene persönliche Umfeld, das mit diesem albernen Unsinn klarkommen muss.

Daraufhin angesprochen, haben diese Wundersüchtigen nur eine Erklärung und die ist wieder unterirdisch: Skeptiker stehen kurzerhand unter dem Einfluss des Bösen.

Im besten Fall sind die Kritiker nicht so erleuchtet wie sie und neidisch auf ihre „himmlischen Kontakte“, wurden noch keiner Eingebung „von oben“ gewürdigt, dürfen sich hinten anstellen und darauf warten, dass ihnen ein (Un-)Geist übernatürliche Eindrücke nach der Öffnung einer Dose Apfelmus vermittelt.

So sieht der Ausweis in einem Verein aus, der sich „Restarmee“ nennt, eine gescheiterte irische „Endzeitprophetin“ verherrlicht und deren dürftige Texte als „Buch der Wahrheit“ unter die Gläubigen zu bringen versucht. Auf diesem flachen Niveau geht der Unfug dann immer weiter – mit all seinen verhängnisvollen Auswirkungen.

Weiteres zur endzeitlichen „Restarmee“der visionär begabten „Andrea“ hier: https://charismatismus.wordpress.com/2018/09/16/vom-geringsten-raedchen-im-uhrwerk-gottes-und-dem-kuss-der-madonna/

Dieser Beitrag stammt von einem Katholiken und Familienvater aus dem Bistum Köln mit dem Nicknamen „GsJC“, der bereits seit zehn Jahren etliche Artikel und hunderte Kommentare verfaßt hat und unserer Redaktion persönlich bekannt ist


Maulbronn: Ausstellung über Alltagsmagie

In Maulbronn-Schmie läuft im Dorfmuseum „Steinhauerstube“ seit dem 6. September 2020 eine Sonderausstellung über Alltagsmagie  – vor allem im ländlichen Raum. Die legendäre Figur des Zauberers und Alchemisten Doktor Faust, der als Teufelsbündler gilt, erweitert das Themenspektrum.

Die im 17. Jahrhundert langsam einsetzende Epoche der Aufklärung löste zusehends das magische Weltbild durch ein naturwissenschaftlich orientiertes ab.  

Einen Gegenentwurf zur Aufklärung und zunehmenden Industrialisierung ab dem 19. Jahrhundert lieferte die Epoche der Romantik, in der das Irrationale, Geheimnisvolle, Unterbewusste, Märchenhafte und Schaurige vorherrschend war.

Die ländlich-bäuerliche Gesellschaft hielt an ihrer traditionellen Lebensweise noch weitgehend bis ins 20. Jahrhundert fest:
Ihre Weltsicht war teils durch christlich-religiöse, aber auch durch magisch-okkulte Elemente geprägt. Durch Abwehrzauber versuchte man, sich vor Hexen, Dämonen und bösen Geistern zu schützen.

Zugleich versuchte man, die Lebensenergie von Menschen, Tieren und Pflanzen zu verbessern.

Als Aberglaube wurde kirchlicherseits alles angesehen, was nicht mit kirchlicher Frömmigkeit zu vereinbaren war. Die Volksmagie hingegen bediente sich dennoch gerne religiös-christlicher Symbole. Das Verwenden heidnischer Riten und Objekte und kam vor allem zum Tragen, wenn das alleinige Vertrauen in die Kirche nicht zu genügen schien.

Bis in die Gegenwart finden sich im Alltag etliche Redewendungen, Gegenstände und Praktiken, um sich vor schlechten Einflüssen zu schützen bzw. sie abzuwehren.

Quelle (Infos/Fotos): https://steinhauerstube.de/CMS/uebersicht/


Warum die Verheißungen des Bußrosenkranzes (theo)logisch irreführend bis magisch sind

Von Felizitas Küble

Seit rund fünfzig Jahren gibt es bereits die pseudokatholische Sekte der Palmarianer aus Spanien in El Palmar de Troya mit ihrem Gründer und „Seher“ Clemente Domínguez, der sich selbst zum Papst deklarierte und sich diesbezüglich auf himmlische Erscheinungen berief.

Das ganze kuriose „Werk“, das europaweit verbreitet ist und nach dem Tod Clementes von einem weiteren „Papst“ fortgesetzt wurde, beruht wesentlich auf des Gründers „Privatoffenbarungen“.

Für besonders wichtig  – ja gleichsam heilsnotwendig –  hält man dort den Pater-Pio-Rosenkranz (angeblich von P. Pio durch eine Clemente-Vision empfohlen), der auch „Bußrosenkranz“ genannt wird. Er besteht aus 50 Vaterunsern, 50 Ave Maria, 50 Ehre sei und 50 weiteren Marienanrufungen  – also ein ellenlanges Gebet, das sich weit über eine Stunde hinzieht.

Das wäre soweit nicht weiter bemerkenswert. Doch an diese Frömmigkeitsübung sind besondere „übernatürliche“ Verheißungen, ja geradezu Heilsversprechen geknüpft, die auf angebliche Marienbotschaften an Clemente zurückgehen. 

Solche vermessentlichen Zusagen sind typisch für visionäre „Extra-Rosenkränze“ und sollen wohl bewirken, daß die Gläubigen durch das mystische „Zuckerbrot“ zu diesen Andachten animiert werden.

So heißt es auf der Homepage der Palmarianer, für die „Beter des heiligen Bußrosenkranzes“ habe eine Marienerscheinung dem Gründer Clemente 16 Verheißungen verkündet: https://www.palmarianischekirche.org/der-heilige-bussrosenkranz/

Den andächtigen Betern dieses (kirchlich nicht anerkannten) Sonderrosenkranzes kündigt die angebliche Madonna u.a. folgendes an:

Unter Punkt 4: „Ich werde ihnen die Gnade gewähren, dass alle in ihrem vergangenen Leben begangenen Sünden getilgt werden.

Falschmystisches Kennzeichen: Die Verdrängung

Hier sehen wir einen zweifachen theologischen Irrtum: Erstens kann die Gottesmutter keine einzige Sünde (geschweige gar alle) „tilgen“, weil dies dem dreieinigen GOTT allein vorbehalten ist.

Zweitens wird hier die Beichte verdrängt, denn sie kann offensichtlich durch diesen Bußrosenkranz ersetzt werden. Somit wird etwas Wichtiges (das Buß-SAKRAMENT) durch etwas weniger Wichtiges (eine fromme Andachtsübung) verdrängt – ein typisches Merkmal der Falschmystik.

Weiter heißt es unter Punkt 7: „Diejenigen, die täglich diesen Rosenkranz beten, werden einen guten Tod haben und vor der Verdammnis bewahrt bleiben. Beim Verlassen dieser Welt werden sie sogleich in den Himmel eingehen.“

Der Extra-Rosenkranz macht selig…

Im Grunde bedeutet dies: Der Bußrosenkranz allein macht schon selig – sogar heilig („sogleich in den Himmel eingehen“). Ist somit die Einhaltung der Gebote Gottes und der Empfang der Sakramente entbehrlich?

In der 9. Verheißung erfahren wir: „Denjenigen, die sterben und ins Fegfeuer kommen, verspreche Ich, sie schon am nächsten Tag herauszuholen.“ 

Auch hier gilt: Maria kann nur als Fürsprecherin wirken, sie kann also den Eintritt vom Fegefeuer in den Himmel von Gott erbitten, aber keineswegs selber die Seelen „herausholen“.

Zudem wird hier der Sinn des Fegefeuers als Läuterungszustand nicht erkannt: Es geht der „armen Seele“ darum, für Gottes ewige Herrlichkeit und seine absolute Heiligkeit reif und rein zu werden, was aber nicht im Wegwischverfahren geht.

Unter Punkt 12 heißt es: „Kurz vor dem Sterben werden sie eine Vision von Meinem Göttlichen Sohn und von Mir, eurer Mutter, haben.“ 

Über den Zweck dieser „Vision“ von Jesus und Maria wird nichts gesagt. Zudem werden damit falsche bzw. verstiegene, irreführende Erwartungen geweckt.

Noch phänomenaler klingt die 13. Verheißung: „Ich werde den Familien und den Nationen, wo man täglich diesen an die Erhabene Dreifaltigkeit und an Mich, eure liebe Mutter, gerichteten Rosenkranz betet, den Frieden schenken.“

Ganze Nationen erhalten also den irdischen Frieden, den Maria zu „schenken“ ankündigt – dabei gilt auch hier: Dies ist allein die Sache Gottes, des Allmächtigen – die Madonna ist Fürsprecherin und Hilfe der Christen, tritt jedoch nie an die Stelle des Allerhöchsten.

Die letzte Zusage  – Nr. 16 – ist ebenfalls unsinnig: „Wenn ein Beter dieses Rosenkranzes die Gnade hat, an einem Samstag zu sterben, so ist damit die Rettung eines seiner Angehörigen gesichert.“

Hängt also die Rettung dieses Familienmitglieds davon ab, ob der Rosenkranzbeter am Samstag stirbt? – Das ist eine zahlenmagische Vorstellung und schlicht abergläubisch.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt


Die heilige CORONA war eine Märtyrerin

Sie gilt seit jeher als Fürbitterin gegen Seuchen

Wer hätte das gedacht? – Es gibt sogar eine heilige Corona. Das mag derzeit etwas makaber klingen, ist aber wahr.

Vielleicht wird sie in Viruszeiten als Fürsprecherin neu entdeckt? – Dies umso mehr, da sie von alters her als Patronin gegen Seuchen verehrt wird (siehe hier: https://www.heiligenlexikon.de/BiographienC/Corona_Stephana.html).

Das zeigt beispielhaft dieses alte Heiligenbild, das in seiner Beschreibung ausdrücklich erwähnt: „Schutzpatronin u. a. gegen Seuchen.“

Die hl. Corona – auch Korona genannt –  starb als Jungfrau und Blutzeugin für Christus in Syrien oder Ägypten in jugendlichem Alter 177 n. Chr., somit zur Zeit der römischen Christenverfolgung.

Dabei soll sie gemeinsam mit dem hl. Victor von Siena den Märtyrertod auf sich genommen haben. Als dieser Soldat seines christlichen Glaubens wegen gemartert wurde, habe Corona – sie war die Verlobte eines seiner Kameraden  – ihn getröstet und ermutigt. Deshalb sei sie ebenfalls festgenommen worden. Es gibt auch Legenden, wonach sie Victors Frau gewesen sei.

Am 14. Mai feiert die katholische Kirche das Namensfest der hl. Corona, die besonders in Österreich und Bayern recht beliebt und in Tradition und Brauchtum verankert ist – so gibt es z.B. die Wallfahrtskirche St. Corona bei Staudach. Die orthodoxen Gläubigen halten ihren Gedenktag am 11. November, die altorientalische armenische Kirche am 10. November.

Auch Kaiser Karl der Große soll sie um ihre Fürsprache angerufen haben. Im Aachener Dom gibt es den Corona-Leopardus-Schrein, der zudem die Überreste des hl. Leopardus enthält.

Auch der Dom in Bremen birgt Reliquien dieser Blutzeugin, ebenso der Dom in Prag. In Österreich gibt es zwei Ortschaften mit dem Namen St. Corona.

Die Corona-Verehrung kam in der Spätantike (6. Jahr. n. Chr.) in das heutige Coronavirus-Gebiet, nämlich Nord- und Mittel-Italien. In Castelfidardo bei Osimo wurde eine heidnische Kultstätte durch eine der hl. Corona gewidmete Kirche ersetzt.

Bisweilen rankt sich um ihre Gestalt auch abergläubisches  Brauchtum. So soll eine Corona-Anrufung – auch „Kronengebet“ genannt – zum Auffinden verborgener Schätze verwendet worden sein. Als „Gebieterin böser Geister“ war sie in der volksreligiösen Vorstellung ebenfalls bekannt.

Kirchlich wird sie mit einer Palme (Sinnbild für mutiges Bekennertum) oder mit einer Krone dargestellt, denn ihr lateinischer Name bedeutet „Krone“; durch ihren Märtyrertod erreichte sie auch tatsächlich die „Krone“ des ewigen Lebens.

Die frühere österreichische Währung „Krone“ (Vorgänger des Schilling) leitet sich ebenfalls von der hl. Corona ab. Es gibt in der Alpenrepublik auch eine bekannte „Kronenzeitung“.

Katholiken können damals wie heute beten:

Heilige Corona, bitte für uns! Möge der HERR uns durch deine Fürsprache beistehen an Leib und Seele!

Corona-FOTO: Agnes Reichle

 


Schwärmerisches Halleluja-Christentum will am Kreuz vorbei zum „Sieg“ gelangen

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Insofern war es naheliegend, daß sich der Blog auch einmal mit der wachsenden charismatischen Bewegung und den damit verwandten Strömungen befaßt.
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Der Autor Josef Jung bezeichnet diese Richtung in einem älteren, aber sehr lesenswerten Artikel kurzerhand als „Hurra-Katholizismus“: https://www.thecathwalk.de/2016/07/18/die-falsche-mission/
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Wir nennen dieses Phänomen im CHRISTLICHEN FORUM mitunter das „Halleluja-Christentum“ (es ist ja genauso im Protestantismus präsent, dort sogar noch stärker) oder sprechen schlicht von religiöser „Schwärmerei“.
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Dieser Text von Jung erregt derzeit einige Gemüter, denn auch in traditionelleren Kreisen gibt es durchaus Befürworter der Charismatik oder zumindest MEHR-Versteher (Verteidiger der MEHR-Konferenz und ähnlicher Gruppen).
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Vielleicht ist Cathwalk im Titel von Jungs Beitrag etwas zu stark mit der Tür ins Haus gefallen: „Die falsche Mission: „Warum Hurra-Katholizismus“ gefährlich ist“.
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Gleichwohl ist seine kritische Analyse durchaus treffsicher und in wesentlichen Punkten berechtigt. 
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Eingangs erklärt er, wie auch „romtreue“ Kreise sich zunehmend des Erfolges wegen mit „Methoden der modernen Film- und Popindustrie“ anfreunden. Er fügt hinzu: „Was sich eigentlich abstößt, soll sich vermischen: Tradition in der Moral und Moderne in der Methode.
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Allerdings meint er, diese Kombination habe auf Dauer keinen Bestand, weil sie einander fremde Bereiche zusammenfügen wolle.
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Grundsätzlich bzw. theologisch hat der Verfasser zwar recht, aber äußerlich-formal leider nicht: Es hat sich gezeigt, daß bei dieser Verschmelzung – die nicht zuletzt durch Medjugorje vorangetrieben wurde –  nicht etwa der „Lack ab“ ist (wie ich selber auch vor zwanzig Jahren noch erhoffte), sondern vielmehr mit wachsendem Erfolg zu rechnen ist.
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Der Autor meint sodann:
„Die Inszenierung kann – wegen ihrer Methoden – nur eines sein: Show. Und das ist das große Problem. Gefährlich wird diese Show, weil sie mit dem Anspruch auftritt, rechtgläubig zu sein und dadurch emotionalen Druck aufbauen kann. Wahrheit mit Gefühl zu verbinden birgt eine kaum zu überschätzende Gefahr. Die Inszenierung ist oberflächlich, über den Seelenzustand soll man aber in der Tiefe sprechen. Es kommt zusammen, was nicht zusammen gehört. Wahr kann etwas nur sein, wenn es vernünftig ist und mit der Wirklichkeit übereinstimmt. Das Gefühl kann hier genauso täuschen wie helfen. Es ist wie der Apostel Paulus sagt: „Der Glaube kommt vom Hören“ – nicht vom Fühlen.“
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Hierzu kann man nur sagen: Gut gebrüllt, Löwe!  – und ein weiteres Pauluswort hinzufügen: Wir wandeln im Glauben, nicht im Schauen!
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Trotzdem unterschätzt Kritiker Jung dieses Halleluja-Christentum, wenn er meint, es beruhe auf oberflächlichen Show-Effekten. Dann wäre das Problem halb so wild, dann hätte er zudem recht, daß sich diese (Mode-)Welle irgendwann von selber auflöst.
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Doch bei der Charismatik  – und das gilt weitgehend auch für die MEHR-Konferenz – geht es (wie der vielsagende Name schon andeutet) um   m e h r  als nur einen emotionalen Event, nicht etwa nur um ein popartiges Festival mit „frommer“ Hochstimmung auf Wolke 7. Das wäre zwar auch schon bedenklich, befände sich aber noch im eher harmlosen Vorfeld des Schwarmgeistigen.
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Das grundsätzliche Problem liegt vielmehr darin, daß sich die starke Sehnsucht nach dem religiösen „Erleben“, gleichsam nach einem emotionalen „Gottesbeweis“, leicht in eine Art Sucht steigern kann, die gerade kein Zeichen eines starken, sondern eines schwachen (!) Glaubens darstellt – denn ein in sich ruhender, ein wirklich fester Glaube benötigt keine ständigen „Bestätigungen“ durch Gefühlserfahrungen oder „außergewöhnliche“ Phänomene.
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Wenn Christen sich in diese irrgeistige Haltung hineinbegeben, verwechseln sie  – ohne dies zu bemerken  – gerne ihre Gefühlserlebnisse mit „Gotteserfahrungen“, sie verlagern den Glauben insgesamt von der objektiven auf die subjektive Ebene.
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Natürlich ist auch eine bodenständige, nüchterne Frömmigkeit nicht frei von Glaubenserfahrungen – und soll es auch nicht sein. Aber diese bilden nicht das Fundament des Glaubens, sondern sind eine „Zugabe“ von oben, die dankbar angenommen, aber nicht erwartet, geschweige verlangt wird.
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Sehr treffsicher stellt der Autor sodann  in puncto Halleluja-Christentum Folgendes fest:
„Der Glaube rückt zudem gefährlich nahe in den Bereich des Totalitären, wenn Zweifel und Widerspruch nicht erlaubt sind. Als „Praise-the-Lord-Anhänger“ kann man Menschen gefügig machen, indem man sie emotional beeinflusst. Das ist immer dann der Fall, wenn man fühlen soll, was Gott will – statt auf objektive Kriterien zu achten und diese mit dem eigenen Leben zu verbinden.“
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Seit Jahrzehnten melden sich bei mir geistlich und seelisch geschädigte Personen aus der Charismatik, auch in dieser Woche wieder ein halbes Dutzend. Oft werden mir bis tief in die Nacht erschütternde Lebensgeschichten erzählt, nicht selten sind es Tragödien mit psychischen, sprituellen und gesundheitlchen Langzeitfolgen.
Hierzu gibt es im CHRISTLICHEN FORUM dutzende Artikel über geistlichen Missbrauch (ein Themenkreis, im Grunde eine Zeitbombe, welche die konservative Schwärmerszene fast völlig ignoriert): https://charismatismus.wordpress.com/category/geistlicher-pastoraler-missbrauch/
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Dabei geschieht genau das, was der Verfasser äußert, daß nämlich die Spiritualität in die Nähe des „Totalitären“ abgleiten kann, weil man mit „emotionalem Einfluß“ Menschen gefügig machen kann.
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Ich nenne es anders, meine aber im Grunde dasselbe: Es handelt sich häufig um eine verderbliche Mischung aus Schwarmgeisterei und Fanatismus, Sentimentalität und Panikmache, um eine Achterbahn der Gefühle, die viele Gläubige in Abhängigkeit von selbsternannten Propheten und falschen Heilungsversprechen führt.
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Dazu kommt die „Magie der großen Zahl“ – oder mit anderen Worten: Es gibt bekanntlich nichts Erfolgreiches als den Erfolg.
Hierzu schreibt der erwähnte Verfasser ebenfalls: „Die anscheinend vollen Kirchen und Events werden mitunter herangezogen, um den Weg zu rechtfertigen. Wer Erfolg hat, muss sich nicht hinterfragen lassen.“
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Eben das ist der springende Punkt: Kritische Rückfragen sind nicht angesagt, wenn 10.000 Leute die Halle füllen, das haben gefälligst alle Leute ganz toll zu finden!

Geradezu genial bringt Jung die Substanz des Problems auf den Punkt: „Das Kreuz ist unser Weg zum Heil, nicht das Gefühl.“

Genau an diesem Kreuz können sich die Halleluja-Lobpreissänger gleichsam verbeimogeln, wobei dieser Schwärmerweg vielen als besonders starker Glaube erscheinen mag, man also in bester Absicht irregeht, worin aber gerade die verhängnisvolle Tragik liegt.

Diese Gläubigen suchen so sehr die „Tabor-Stunden“, sie wollen die Herrlichkeit des HERRN sehen und erleben, konzentrieren sich auf „Sieg“ und „Segensfülle“ von oben, auf Triumph und Verherrlichung im Glauben, auf „Heilung“ und „Befreiung“ (die Zauberworte des Charismatismus).

Die sogenannte „Heilung“ erscheint wichtiger als das Heil, Befreiung wird vor allem innerseelisch verstanden, das Kreuz im Christenleben (z.B. Krankheit, Schicksalsschläge) in manchen Kreisen sogar als dämonischer Einfluß mißdeutet. 

Als wachsame und bodenständige Christen sollten wir darauf achten, weder links noch rechts in den Straßengraben zu fallen:

Nicht nur der Unglaube ist eine Gefahr, sondern auch der Aberglaube und der Schwarmglaube – nicht nur der Modernismus und Rationalismus ist vom Übel, sondern auch der Irrationalismus und eine ungesunde Wundersucht.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.


Bibel-Lotto und Bibelstechen zu Silvester: Die Hl. Schrift als Orakelbuch?

Von Felizitas Küble

Die Übung des Bibelstechens  –  die Methode  wird auch als „Bibel-Lotto“ bezeichnet  –  ist nicht zuletzt in frommen Kreisen verbreitet, z.B. bei evangelischen Christen, bisweilen auch unter Katholiken.

Gerade an Silvester feiert der Brauch fröhliche Urständ. Manche Gläubige vermuten einen „himmlischen Fingerzeig“, vor allem, wenn sie zuvor bestimmte Fragen gestellt haben.

Der Name „Bibelstechen“ entstand deshalb, weil man mit einem spitzen Gegenstand  –  meist einem Messer  –  eine beliebige, zufällige Stelle aus der Heiligen Schrift aufschlägt und dann auf  jenen Vers oder Abschnitt achtet, den die Messerspitze zeigt; dies wird als Antwort von „oben“ auf offene Fragen oder Lebensprobleme verstanden; manchmal wird diese Methode auch vor schwierigen Entscheidungen angewandt, sei es die Wahl einer Arbeitsstelle oder gar eines Ehepartners usw.

Besonders problematisch ist es, wenn damit eine Art Zukunftsprognose versucht wird.

Unter Völkerkundlern, Parapsychologen und Theologen spricht man von Stichomantie bzw. Bibliomantie oder einfach von Bibelmantik;  „Mantik“ bedeutet Wahrsagen und gehört zum Bereich der (letzten Endes heidnischen) Magie.

Ist das Bibelstechen etwa nicht ein guter Brauch, schließlich ist die Bibel doch das Wort Gottes?!  – Was soll falsch daran sein, die Heilige Schrift als Lebenshilfe einzusetzen?

Als Lebenshilfe soll uns Gottes Wort wichtig sein, aber nicht als Orakel, denn das wäre eine Zweckentfremdung der Bibel für abergläubische Absichten.

Es wäre dies ein Wahrsagen mittels der Bibel, was aber ihrem Sinn widerspricht.

Der hl. Papst Gregor der Große hat das „Bücherstechen“ bereits in der ausgehenden Antike grundsätzlich verurteilt, ob es nun um weissagenden Mißbrauch der Bibel oder sonstige, als heilig geltende Schriften ging, die für eine Zukunftsschau oder „Hellsehen“ zweckentfremdet wurden. Das Wahrsagen durch Bücher wurde auch auf der Synode von Vennes (465 n. Chr.) verboten.

Die Bibel sollte auch nicht als „Partyspiel“ mißbraucht werden – so wird es zB. hier als „Silvester-Orakel“ empfohlen:  http://www.lizzynet.de/wws/30029604.php

Früher waren derartige „Prophezeiungsspiele“  auch in christlichen Häusern verbreitet, was die Sache aber nicht besser macht. Dabei wurde vor allem in der Silvesternacht auf Neujahr die Bibel mit dem Daumen seitlich geöffnet (daher sprach man auch vom „Däumeln“)  – und dann blind auf eine „zufällige“ Stelle gehalten. Was hier zu lesen war, sollte aufschlußreich für das bevorstehende Jahr sein.

In bibelorientierten evangelischen Kreisen sind die sog.  „Losungen“ bekannt, wobei in dem bekannten blauen Losungskalender für jeden Tag des Jahres bestimmte Bibelstellen präsentiert werden, die zuvor durch das Los ermittelt wurden.

Solange damit keine abergläubische Absicht verknüpft wird, solange diese Übung nur als tägliche kurze Bibellese für eine Andacht verstanden wird, ist nichts dagegen einzuwenden.

Anders sieht es aus, wenn z.B.  „Losungskärtchen“ in einem Kästchen gesammelt werden – und dann, wenn man „nicht mehr weiter weiß“, wenn schwierige Entscheidungen anstehen, wird erst gebetet und danach ein Kärtchen gezogen, das als direkte „Antwort des Himmels“ aufgefaßt wird. Eine solche Methode ist unerlaubte Wahrsagerei unter dem Vorwand frommen Betens.

Wenn jemand einwenden möchte, daß wir aber doch in bestimmten Situationen den Willen Gottes „ermitteln“ dürfen, wollen wir bedenken, daß der Schöpfer uns den Verstand gegeben hat, damit wir ihn einsetzen  – zudem haben wir aufgrund der göttlichen Gebote und der Botschaft Christi sowie der kirchlichen Lehre ausreichend klare Orientierungen, um uns im Leben zurechtzufinden.

Zudem können wir vor schwierigen Entscheidungen mit unseren Eltern oder guten Freunden sprechen und Rat erbitten – oder auch einen Seelsorger fragen. Manchmal helfen auch gediegene Ratgeberbücher weiter.

Als Satan von Christus in der Wüste ein „Schauwunder“ herausfordern wollte und hierbei (der Teufel ist ein gewiefter „Theologe“, wie man sieht!) eine Bibelstelle aus dem AT zwar korrekt (!) zitierte, aber für seine falschen Absichten mißbrauchte, hielt ihm Christus ein anderes Wort der Heiligen Schrift entgegen: „Du sollst den HERRN, Deinen Gott, nicht versuchen!“

Daran wollen wir uns orientieren: Es gibt eben keine bestimmte „Methode“, Gott gewissermaßen zum Reden zu zwingen. Der Ewige ist nicht der Erfüllungsgehilfe unserer „Glücksspielchen“, wir dürfen nicht über iHN verfügen wollen  – und ER läßt sich nicht für unsere Zwecke einspannen.

Außerdem kommt folgendes Problem hinzu:

Manche Stellen in der Bibel erscheinen uns mehrdeutig, vor allem, wenn sie aus dem Zusammenhang gerissen werden, was ja beim Bibel-Lotto mehr oder weniger stark der Fall ist. Solche Verse in der Hl. Schrift eignen sich nun besonders, um sie mit unserem Wunschdenken zu befrachten bzw durch unsere subjektiven  Erfahrungen und Vorstellungen hindurch zu betrachten, zumal viele biblische Aussagen sowohl eine wörtliche wie eine symbolische „Bedeutungs-Ebene“ besitzen.

Zudem kann X unter auslegungsfähigen Begriffen wie zB. „Frieden“ oder „Freiheit“ oder „Liebe“ etwas anderes verstehen als Y  – je nach Temperament oder persönlichen Erfahrungen. Wir lesen solche Ausdrücke also durch unsere eigene „Brille“.

Das ist weiter kein Problem, sondern ganz  natürlich  – aber im Falle des „Bibelstechens“ vermischt sich unsere „Brille“, unser bewußtes oder vielleicht eher unterschwelliges Wunschdenken allzu leicht mit dem, was wir dann als „Gottes Wille“ interpretieren, nachdem wir eine bestimmte Bibelstelle „gestochen“ haben und diese wie wie ein Orakel (miß)verstehen. Es liegt auf der Hand, daß dies schon rein  psychologisch gesehen problematisch ist!

Gott hat uns in Taufe und Firmung mit den Gaben des Hl. Geistes beschenkt, wobei zu den Sieben Gaben des hl. Geistes (die schon das Alte Testament bei Jesaja erwähnt)  auch die Gabe des Verstandes zählt; seien wir Gott dankbar dafür und widerstehen allen Formen des Aberglaubens, denn er ist ein Feind des wahren Glaubens – und nicht etwa der Unglaube allein!

Der Aberglaube ist sogar die gefährlichere Bedrohung, weil sie oft nicht als solche erkannt und mit Gläubigsein verwechselt wird, was fatal (verhängnisvoll) ist.

Hier noch eine passende Anekdote zum Thema, wohl nicht echt, aber gut erfunden:

Ein schwäbischer Pietist pflegte den Sonntag mit Bibelstechen zu beginnen. Beim ersten Stich geriet er an Mt  27,5: „Und Judas ging hin und erhängte sich.“ –  Klingt wenig erfreulich, also ein erneuter Anlauf. Nun wurde es dem ernsten Bibelforscher noch unbehaglicher: „Gehe hin und tue desgleichen!“ (Lk 10,37)  – Das dritte Stechen ließ den frommen Mann an Gottes weiser Führung verzweifeln: „Was Du tust, das tue bald!“ (Joh 13,27).

Felizitas Küble, Leiterin des KOMM-MIT-Verlags und des Christoferuswerks in Münster


Papst predigte gegen Aberglaube und Magie

Der Papst erteilte magischen Praktiken eine Absage – diese seien „nicht christlich“, so Franziskus bei seiner Generalaudienz am Mittwoch. 

In seiner Katechese auf dem Petersplatz ging der Papst auf die Predigt des hl. Paulus in Ephesus ein. In der bedeutenden antiken Stadt hatte das Wirken des Völkermissionars zu großen Veränderungen geführt: Es gab Taufen und Bekehrungen – und die Menschen begannen, Glaube von Aberglaube zu unterscheiden.

So habe der Apostel in Ephesus die Unvereinbarkeit des Christusglaubens mit magischen Praktiken betont, sagte Papst Franziskus:

„Wenn du Christus wählst, kannst du nicht auf einen Magier zurückkommen. Der Glaube ist vertrauensvolle Hingabe in die Hände eines zuverlässigen Gottes, der sich nicht durch okkulte Praktiken, sondern durch Offenbarung und bedingungslose Liebe zeigt.“

Auch heute noch hingen viele Menschen am Aberglauben, selbst unter Christen seien solche Irrtümer verbreitet, schlug der Papst die Brücke in die Gegenwart. Der Papst richtete sich an seine Zuhörer:

„Wie viele von euch lassen sich die Karten legen oder aus der Hand lesen? In großen Städten greifen praktisch veranlagte Christen immer noch auf solche Dinge zurück, auch heute. ,Warum glaubst du an Christus und gehst zum Magier?‘ – ,Ich glaube an Jesus, gehe aber zufällig auch zu solchen Leuten..‘ – Aber Magie ist nicht christlich! Solche  Zukunftsbefragungen sind nicht christlich! Denn: Die Gnade Christi bringt dir alles – bete also und vertraue dich dem HERRN an!“

Die Verkündigung des Paulus in Ephesus habe auch noch andere Auswirkungen gehabt, fuhr der Papst fort:

Der Silberhandel in der berühmten Stadt, die den Tempel der Göttin Artemis bzw. Diana beherbergte, sei eingebrochen. Die Händler hätten mit den Silberstatuen der Göttin ein regelrechtes Geschäft gemacht. Als ihre Einnahmen sanken, organisierten diese Geschäftsleute einen Aufstand gegen die Christen.

Quelle und vollständiger Text hier: https://www.vaticannews.va/de/papst/news/2019-12/papst-franziskus-generalaudienz-apostelgeschichte-04-12-2019.html?utm_source=newsletter&utm_medium=email&utm_campaign=NewsletterVN-DE