Warum eine Legalisierung von Cannabis unverantwortlich wäre

Von Christa Meves

In Bezug auf die Drogenpolitik müssen wir hierzulande mit einer neuen Etappe rechnen; denn so lässt es sich aus den USA vernehmen: Hier ist eine neue breitflächige Bemühung um die Legalisierung von Cannabis virulent geworden.  

Mit der Begründung, dass Cannabis sich angeblich als Mittel gegen Schmerzen bewährt habe, wird die totale Freigabe der Droge angestrebt. Diese positive Begründung prescht dabei mit einem Argument vor, das offenbar bewusst auf Täuschung beruht.

Ungeschminkt gehen sogar die Investoren der Wallstreet auf diese Argumentation ein – und sie werden offenbar unterstützt von einer Gruppierung von Milliardären, die ihre Gelder zur Verfügung stellen, um der Legalisierung das positive Gewicht in der Bevölkerung zu verleihen.

Dabei wird keineswegs damit zurückgehalten, dass man das Aufblühen einer Cannabisindustrie zu einem neuen lukrativen Wirtschaftszweig zu machen sucht. Der Milliardär Soros – längst berüchtigt, mit seinen kapitalistischen Impulsen, Strippen zu ziehen – stehe auch bei dieser neuen Akzentuierung an der Spitze (1).

Hier bei uns ist die Politik bereits seit einigen Jahren dabei, der angeblichen Heilpflanze Cannabis zu unkontrolliertem Aufblühen zu verhelfen. Ja, in Norddeutschland ist schon 2018 eine große Ernte in den von der Regierung zugelassenen Feldern eingebracht worden und selbst der extrem trockene Sommer habe diesen Pflanzen angeblich nicht geschadet, so heißt es in den Berichten. (2).

Wie in den USA hat auch bei uns der Cannabis-Konsum als gerauchtes Hasch seit 1969 kontinuierlich und seit dem Jahr 2000 sogar in erschreckender Weise zugenommen.

Wie selbstmörderisch die Tendenz in dieser Entwicklung ist, darüber lässt sich als psychotherapeutische Fachfrau nur ein weiteres trauriges Zeugnis ablegen.

Hierzulande ist es nicht selten, dass – bereits von der 12-Jährigkeit ab – Kinder und Jugendliche sich gegenseitig mit Hasch eindecken und in ihren Gruppen gemeinsam konsumieren. Bisweilen entsteht dann bald das Bedürfnis, die gehobene Stimmung, in welche die Kinder sich versetzt fühlen, erneut zu erleben. Durch die Bemühungen darum driften sie dann in den ständigen Genuss der Droge ab.

Oft bleibt diese Gegebenheit den Eltern unbekannt, sodass ein spätes Eingreifen es ihnen nicht mehr ermöglicht, ihrem Sohn oder ihrer Tochter herauszuhelfen. Sie bleiben bis ins Erwachsenenalter hinein davon abhängig. Manche gehen natürlich dann total in die Sucht, bleiben aber selten bei dieser Droge, sondern gehen zum Gebrauch stärkerer Rauschmittel über…

In der Öffentlichkeit sind Gefahren dieser Art niemals mit der nötigen Intensität diskutiert worden. Von Anfang bis Ende lautete grundsätzlich der Trend: Diese Droge diene durchaus einer harmlosen und deshalb begrüßenswerten modernen Steigerung der Lebensqualität.

Aber das ist ein verhängnisvoller Irrtum, wenn nicht gar Verführung: In zunehmendem Maße lässt sich immer häufiger registrieren, dass per Brief, Mail oder Telefon folgender Hilfeschrei auftaucht: „Ich bekomme jetzt immer wieder Panikattacken, ohne dass dafür ein äußerer Anlass besteht.“ – Und es wird beschrieben: „Ich fange an zu zittern, mein Herz rast, ich starre auf eine wie unwirkliche Umwelt.“

Je öfter diese Zustände in Erscheinung treten, umso länger dauern sie. Ein junger Mann schildert ungeschminkt, dass er durch diese Attacken seine Ausbildung habe abbrechen müssen. Er habe nicht mehr die nötige Konzentrationsfähigkeit gehabt. Und erst auf eine Rückfrage hin ergibt sich, dass der junge Mann seit seinem 15. Lebensjahr regelmäßig – gemeinsam mit seinem Freund – Hasch konsumiert.

Solche Erfahrungen sind keineswegs einzigartig. Spätestens nach einem Jahrzehnt von Hasch-Konsum treten die negativen Folgen meist direkt hervor: Die Leistungsfähigkeit, ja, schon die Motivation dazu sinkt kontinuierlich ab. Ein lebenserhaltender Job muss immer wieder gewechselt werden, Eltern und Großeltern haben ihre Subventionen längst eingestellt, weil sie das Ausbleiben von Ausbildungserfolgen zum Verzagen gebracht hat.

Regelmäßig pflegen die Beziehungen von den Hasch-Konsumenten zu scheitern, weil es nicht betroffenen Freundinnen oder Freunden nicht gelingt, den Abhängigen von seinem Konsum abzuhalten. Sogar das verzweifelte Selbsterkennen und die Überweisung in Fachkliniken, in denen Heilungsmöglichkeiten angeboten werden, führt nur selten langfristig aus diesem Elendszustand heraus.

Wie bei allen anderen Abhängigkeiten dieser Art findet über kurz oder lang in einer Belastungssituation doch ein Rückfall statt. Dieser macht dem verzweifelten Kampf gegen die Abhängigkeit dann ein Ende. Danach tritt Resignation ein und damit ein Aufgeben des Versuchs, die Haschsucht doch noch loszuwerden.

Nicht selten geschieht sogar Schlimmeres: nämlich sich aus Existenznot am Drogenhandel mit dunklen Wegen nach Holland zu beteiligen. Endphase ist in solchen Fällen das Gefängnis; denn zumindest die Wiederholungstat wird hierzulande immerhin noch meist in dieser Weise geahndet.

Wie herausfinden aus diesem Elend?

Ich habe meinen Kampf gegen dieses maßlos große Unglück bereits 1970 mit der Frage begonnen: „Woher dann all die Engel nehmen, die sich eines solchen gescheiterten Menschen annehmen?“ (4)

Wie es z. B. eine in unserem ECCM ausgebildete Sozialarbeiterin, Sonja Fritzsch, tat und dann sogar ihren Kampf mit Büchern dokumentierte. Eins davon trägt den Titel: „Tränen der Mütter“. Aber auch sie hat diese zum Teil sogar erfolgreiche Arbeit allein in dem Wissen leisten können, dass bei solchen Teufeleien nur durch des HERRN Hilfe vom Abgrund weggeholt werden kann.

Das „HERR erbarme sich“ bleibt aber in endlosen Fällen vieler letztlich verführter junger Menschen heute der Weisheit letzter Schluss.

Anmerkungen: (1) Cannabis-Legalisierung- wer profitiert davon?
(2) Erste Cannabisernte in Ebersbach
(3) Cannabis verändert DNA stärker als Tabak
(4) Rauschgiftsucht hat eine lange Vorgeschichte. In: MEVES,Ch.: Wunschtraum und Wirklichkeit, Freiburg 1972

Unsere Autorin Christa Meves ist Psychatherapeutin und Bestseller-Autorin; sie leitet den Verein „Verantwortung für die Familie“, bei dem sich online weitere Infos und Artikel finden: http://www.vfa-ev.de/newsl.htm

CANNABIS-Information der DROGEN-Beauftragten der Bundesregierung: https://www.drogenbeauftragte.de/presse/pressekontakt-und-mitteilungen/2016/2016-2-quatarl/aktuelle-who-studie-zum-thema-cannabiskonsum.html?L=0


Kolumbien: Bereits 7-j. Kinder nehmen Drogen

Drogenkonsum und Abhängigkeit von Medikamenten ist unter den Minderjährigen in Medellin weit verbreitet. Im Verwaltungsbezirk Antioquia wurde der Einstieg in den Cannabis-Konsum bereits im Alter von sieben Jahren festgestellt. Scannen0008

Einer der Gründe ist auch die Tatsache, dass Eltern und Erwachsene nicht ausreichend informiert sind. Wie aus einer Verlautbarung der Drogenentzugs-Klinik ESE Hospital Carisma hervorgeht, “gelingt es Familien oft nicht, diese Gefahr zu erkennen und sie wissen nicht, von welchen Substanzen die eigenen Kinder abhängig sind –  und wenn sie es schließlich bemerken, besteht bereits eine Abhängigkeit”.

In jüngster Zeit nimmt die Zahl der Jugendlichen zu, die von Medikamenten abhängig sind oder Cannabis konsumieren. Wie aus den Statistiken des ESE Hospital Carisma hervorgeht wird in Antioquia vor allem Kokain konsumiert, gefolgt von Cannabis und Opiaten.

Die Entzugsklinik bietet seit 1973 Therapien bei Abhängigkeit von Medikamenten an und brachte nun ein Pilotprojekt auf den Weg, das durch Aufklärungskampagnen unter Minderjährigen zur Prävention beitragen soll und Experten dafür ausbildet.

Quelle: Fidesdienst


Medienkompetenz gefragt: Wenn Smartphone & Co. zum Suchtmittel für Kinder werden

Von Prof. Dr. Albert Wunsch

Kaum aus der Schule, dem Kino oder der Dusche, sofort muss aufs Handy oder Smartphone geschaut werden. So befindet sich das High­tech-Teil, wenn es nach der Regel des Nachwuchses ginge, beim Essen oder den Hausaufgaben –  in direktem Blickkontakt. Sie wollen sich mit Sohn oder Tochter beim Abholen von der Abend-Fete im Auto etwas unterhalten?  Keine Chance, weil Ohrstecker plus Multi-Gerät jegliche Kommunikation vereiteln. albert_wunsch

Mehr als 300.000 Kinder und Jugendliche in Deutschland sind laut Experten gefährdet, eine Internetsucht zu entwickeln. Jedes fünfte Kind ist pro Tag länger als vier Stunden online. Der Trend zeigt steil nach oben.

So weisen bereits knapp fünf Prozent der 12- bis 17-Jährigen eine riskante Nutzung des Internets auf, mit deutlichen Zeichen einer Abhängigkeit. Das geht aus einer repräsentativen Studie des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag der Krankenkasse DAK hervor, die soeben in Berlin präsentiert wurde.

Der Nachwuchs lebt im Online-Modus, schaut alle paar Minuten auf den Bildschirm, spielt stundenlang am Computer und findet dies ganz normal.

Nach 5 bis 6 Stunden Medienabstinenz zittern die Hände von Kindern wie bei Drogensüchtigen.

Nach der Forsa-Studie reagiert mehr als jedes fünfte Kind ruhelos und gereizt auf Einschränkungen in der Onlinenutzung. Viele Kinder nehmen sich zwar vor, nur eine bestimmte Zeit online zu bleiben. Doch rund die Hälfte der Kinder hält diese Grenze nicht ein.

Jedes zehnte Kind, so die Eltern, nutzen das Internet, um vor Problemen der wirklichen Welt zu fliehen. Mehr als 1000 Eltern von 12- bis 17-Jährigen sind in der Studie zur Internetnutzung ihrer Kinder telefonisch befragt worden. Damit ist es nach Angaben der DAK die erste Untersuchung, die sich bei dem Thema ausschließlich an Eltern und ihre Einschätzung wendet. I-Phone

Auffällig ist, dass etwa die Hälfte der befragten Eltern ihren Kindern keine zeitlichen Vorgaben für die Internetnutzung macht. Und so verbringen 54 Prozent der 12 bis 17-Jährigen an Werktagen mehr als zwei Stunden im Internet, jedes fünfte Kind bereits mehr als vier Stunden. An den Wochenenden schnellt die Nutzungsdauer nach oben, da verbringt bereits jedes fünfte Kind mehr als sechs Stunden pro Samstag oder Sonntag im Netz. Das Internationale Zentralinstitut für Jugend- und Bildungsfernsehen empfiehlt, ab einem Alter von elf Jahren maximal eine Stunde am Tag vor Computer oder Spielekonsole zu sitzen, ab 14 Jahren 1,5 Stunden.

Und wenn Eltern hier doch regelnd eingreifen wollen, schalten die Kinder auf schroffe Abwehr und zeigen deutliche Entzugs-Erscheinungen, wenn ihnen der permanente Blick auf den Mini-Bildschirm fehlt.

Diverse Geräte einschalten und unterschiedlichste Programme händeln zu können, ist kein Beleg für Medienkompetenz. Aber mit Herz, Verstand und in Verantwortung den Ausschaltknopf zu betätigen, drückt echte Medien-Kompetenz aus.

Das Problem vieler Eltern scheint zu sein, dass sie selbst den sinnvollen Umgang mit diesen Geräten nicht erlernten und/oder die offensichtlichen Gefahren nicht erkennen (wollen). Denn auch Erwachsene haben reichlich Probleme, zum rechten Zeitpunkt den Ausschalter von Medien-Geräten zu betätigen.

So rufen in den meisten Familien die Umgangsgewohnheiten des Nachwuchses mit diesen zum Status-Symbol geworden Geräten nach Regelungen. Aber was sollte geregelt werden? Geht es um Nutzungszeiten, Inhalte oder Einsatzfelder? Wo ist ein Maßstab zu finden? Wie kommen Vereinbarungen zustande? Und welche Konsequenz setzt ein, wenn der Nachwuchs die Vereinbarungen ‚vergessen’ hat oder einseitig für ungültig erklärt? IMG_1061

Sich selbst als ‚liberal’ bezeichnende Eltern könnten sich verwundert die Augen reiben und fragen, was sie denn damit zu haben. Schließlich gehört der Einsatz von High­tech-Geräten zum modern Leben. Kinder bzw. Jugendliche müssen halt damit ihre Erfahrungen machen. So wächst Medienkompetenz. Da sollten wir unseren Kindern keine Vorschriften machen. Und die Zeiten autoritärer Ansagen sind nun mal vorbei. Das zukünftige Leben ist halt digital.

Da diese Haltung heute sehr weit verbreitet ist, hier eine kurze Verdeutlichung:

Wer so den Begriff ‚liberal’ zu nutzen sucht, zeigt nicht nur Inkompetenz im Ungang mit einem für die Menschheit wichtigen Begriff, sondern klammert gleichzeitig aus, das Freiheit ohne Verantwortung schnell zu Egoismus, Willkür und (Selbst-)Zerstörung führt. Denn die – zu häufig auch in anderen Erziehung-Feldern – beobachtbare Grundhaltung: ‚Da halte ich mich raus, das soll halt jeder selber wissen, ich möchte keine Position beziehen’, ist im Grunde eine pädagogische Bankrotterklärung gegenüber den uns anvertrauten Kindern und Jugendlichen.

Kein vernünftiger Mensch käme auf die Idee, Kindern das Fahrradfahren auf Autobahnen oder Jugendlichen den Umgang mit gefährlichen Substanzen im Chemie-Labor per Selbstüberlassung erlernen zu lassen. Mit großer Gewissheit würde auch niemand zulassen, dass Kinder ständig einen ‚Flachmann mit Hochprozentigem’ in der Tasche oder in der Hand tragen würden. Aber beim Suchtmittel Smartphone wird auf Ignoranz geschaltet.

Kinder und Jugendliche benötigen keine abtauchenden Väter und Mütter, sondern Anleitung, Begleitung und Rückmeldungen, ob diese nun korrigierend oder verstärkend sind. Und je mehr Gefahren im Umgang mit Dingen zu erwarten sind, je umfangreicher sind Einübungsfelder und Schutzmaßnahmen notwendig.

Moderne Medien zu verteufeln ist genauso unsinnig, wie sie zu vergöttern. Der verantwortliche Umgang entscheidet darüber, ob eine Handlung verwerflich oder förderlich, schlecht oder gut ist, dem Zusammenleben dient oder dieses zerstört. Dies sind die Basis-Kriterien wirklicher Medien-Kompetenz.

Wer ständig online ist, verliert den Zugang zu sich selbst

Eine ständige mediale Präsenz schadet nicht nur der Gesundheit der Kinder und Jugendlichen, sondern genau so den nach Jahren Erwachsenen, ob es dabei um reale Kontakte in Familie oder Freundeskreis geht. Zusätzlich machen die – hoffentlich verantwortlich handelnden – Eltern zu häufig einen fatalen Transferfehler: Sie schließen von der eigenen privaten und beruflichen Anwendung der Geräte pauschal darauf, dass Kinder sie genauso sinnhaft und dosiert nutzen wie sie. prolifeusa

In einem Interview äußert Uwe Buermann, ein pädagogisch-therapeutischer Medienberater: „Wenn wir das denken, dann versündigen wir uns an unseren Kindern, weil wir im einzelnen gar nicht genau wissen, was sie damit machen und was sie genau wollen. Medienkompetenz erwerben die Kinder nicht am Computer, sondern in der Familie und in der Schule, wo sie an das Wissen und die gesellschaftlichen Werte herangeführt werden. Nur so kommen sie in die Lage, Medien angemessen zu verwenden.“

In welchem Umfang Eltern aber in einer Mischung aus Begrenztheit und Trägheit manchen Medienkonsum-Missbrauch direkt – wenn auch unreflektiert – ermöglichen, wird an folgenden beispielhaften Geschehnissen deutlich.

Da klagt Vater B innerhalb eines Beratungsgespräches, dass der Sohn bis mitten in der Nacht auf seinem Zimmer per Smartphon oder PC im Internet surfen würde. Alle Ermahnungen seinen bisher folgenlos geblieben. Da ich wusste, dass er Elektro-Ingenieur von Beruf war, fragte ich ihn leicht schmunzelnd: ‚Und weshalb hat das WLAN keinen Schalter’? – Da erhielt eine Erzieherin, als sie in Reaktion auf ein kräftiges Pflaster zwischen Daumen und Zeigefinder die 5jährige Kati fragte, was denn da passiert sei, die Antwort: ‚Papa und ich haben zu lange mit der Wii gespielt, da fing die Hand auf einmal zu bluten an.“

Auch Schulen mogeln sich zu oft aus ihrer Mitverantwortung

Keine oder halbherzige Regeln prägen meist den Umgang mit Handy, Smartphone und Co. auch in der Schule. Mal gibt es relativ klarere Regeln, welche aber im Alltag durch Ignoranz – der gebannte Blick unters Pult bei gleichzeitig aktivem Fingereinsatz bleibt ja sehenden Lehrkräften nicht verborgen – außer Funktion gesetzte werden. Das Handlungsmuster des Wegsehens belegt dann, dass der Einsatz des Multigerätes während des Unterrichts folgenlos bleibt.

Existiert z.B. die klare Regeln, dass im Unterricht subversiv zum Einsatz gekommene Smartphones im Schulsekretariat für 3 Tage eine Auszeit erhalten, stehen am Nachmittag die Eltern in der Schule, um das Gerät abzuholen, weil Schulen ja kein fremdes Eigentum konfiszieren dürfen und Wegschließen als unpädagogische Maßnahme diskreditiert wird. Meist ist dann die Folge, dass Sohn oder Tochter am nächsten Tag triumphierend erneut das Superteil im Unterricht zum Einsatz bringen.

Es gibt noch viel zu wenig Schulen, die mit den Eltern vertraglich vereinbarten, dass zum Unterrichtsbeginn alle Smartphones und weitere Wertgegenstände in ein persönliches Schließfach und erst nach dem Unterricht wieder dort heraus kommen.

Dann wird der Unterricht nicht ständig gestört, die Konzentration liegt beim Lehrstoff und nicht in medialen Scheinwelten, in den Pausen finden wieder echte Sozial-Kontakte statt und Anzeigen im Sekretariat: ‚Mein Smartphon wurde durch XY beschädigt, mir wurden folgende Wertsachen geklaut’ gehen auf Null. Dazu der Leiter einer solchen Schule in Wiene: ‚Wir haben uns viele zu lange mit kaum umsetzbaren Zwischenlösungen aufhalten lassen. Jetzt besteht Klarheit, die allen gut tut. Und das Thema Medienkompetenz ist bei uns eine Querschnittsaufgabe, nicht nur im Umfeld der Arbeit mit den Schul-Rechnern’.

Ein Kinder-Handy für wichtige Telefonate ab der weiterführenden Schule reicht völlig aus. Für den Einsatz dieser Medien hier einige Eckpunkte, die mit Sohn oder Tochter – möglichst vor dem Erwerb – zu klären und schriftlich festzuhalten sind: Die Einsatzzeiten über Tag werden kontingentiert. Führen echte Sozialkontakte und Draußen-Spielzeiten ein Schattendasein, kommt das Mutigerät für einige Stunden ins Aus. In der Zeit von 20 / 22 Uhr bis nach dem Frühstück haben Handys & Co. Nachruhe. Dazu kommen die Geräte in eine Ablage in der Gardarobe. Falls sich ein PC im Kinderzimmer befindet – was keinesfalls empfehlenswert ist – wird dass WLAN-System ebenfalls für die Nacht ausgeschaltet oder das Netzwerkkabel zum Smartphon gelegt.

Bei Malzeiten, Familienfesten und Hausaufgaben erhalten Handys & Co. einen Platzverweis. Mit den Kindern wird gemeinsam ein Passwort für das Gerät festgelegt und geklärt, welche Aktionen, Seiten oder Nutzungsbereiche tabu sind, in welchem zeitlichen Umfang eine Nutzung pro Tag höchstens erfolgen soll und in welchen Abständen mit dem Kind die Nutzungs-Chronik durchgeschaut wird. Danach steht die Klärung von Konsequenzen an, was denn von Sohn oder Tochter eingebracht wird, wenn die Regel verletzt wurde. Erst dann kommt das Gerät zum Einsatz.

Hier ein Facebook-Praxis-Tipp der besonderen Art, wenn vorher keine Regeln geschaffen wurden: „Liebes Kind, diese Woche gibt es jeden Tag ein neues WLAN-Passwort. Es wird grundsätzlich erst dann eingeschaltet, wenn die Schularbeiten fertig sind. Heute steht zusätzlich an: Zimmer aufräumen, abspülen, den Müll raus bringen. Herzlichst deine Mama und Papa.“

Existiert ein gutes Miteinander zwischen Eltern und Kindern, führen solche Regelungen zu spürbaren Entspannungen. Das Kind wurde nicht mit Verboten zugeschüttet, sondern statt dessen die eigene Mündigkeit gefördert. Gibt es einen Nach-Regelungsbedarf, setzen sich die Beteiligten zusammen und klären diesen. So wächst in Freiheit und Verantwortung die Fähigkeit des Kompetenzerwerbs, weit über den Einsatz von Handy, Smartphone und Co. hinaus.

Und wenn der Nachwuchs zu vehement unter Verweis auf Alter und angebliche Freiheitsrechte jegliche elterliche Regelungsversuch zu boykottieren versucht, dann wird die Verhandlungs-Bereitschaft oder Regelungs-Einsicht recht schnell wachsen, wenn mal eine Zeit keine WLAN bzw. Netzwerk-Verbindungen im eigenen Zimmer existiert und das ach so geliebte zweite ICH, welches sich Smartphone nennt, in Schutz-Verwahrung genommen wird.

Hier noch einmal Uwe Buermann: „Echte Medien-Kompetenz, die wir uns alle von Herzen wünschen, beginnt mit Medien-Abstinenz – nicht im Sinne der Bewahrpädagogik, nein, im Sinne der Fähigkeitsbildung, die es braucht, um Medien sinnvoll zu nutzen.“

Anschrift unseres Autors: Dr. Albert Wunsch, 41470 Neuss, Im Hawisch 17

Dr. Albert Wunsch ist Psychologe, Diplom Sozialpädagoge, Diplom Pädagoge und promovierter Erziehungswissenschaftler. Bevor er 2004 eine Lehrtätigkeit an der Katholischen Hochschule NRW in Köln (Bereich Sozialwesen) begann, leitete er ca. 25 Jahre das Katholische Jugendamt in Neuss. Im Jahre 2013 begann er eine hauptamtliche Lehrtätigkeit an der Hochschule für Ökonomie und Management (FOM) in Essen / Neuss. Außerdem hat er seit vielen Jahren einen Lehrauftrag an der Philosophischen Fakultät der Uni Düsseldorf und arbeitet in eigener Praxis als Paar-, Erziehungs-, Lebens- und Konflikt-Berater sowie als Supervisor und Konflikt-Coach (DGSv). Er ist Vater von 2 Söhnen und Großvater von 3 Enkeltöchtern.

Seine Bücher: “Die Verwöhnungsfalle” (auch in Korea und China erschienen), “Abschied von der Spaßpädagogik”, “Boxenstopp für Paare” sowie “Mit mehr Selbst zum stabilen ICH – Resilienz als Basis der Persönlichkeitsbildung” lösten ein starkes Medienecho aus und machten ihn im deutschen Sprachbereich sehr bekannt.

Weitere Infos: www.albert-wunsch.de