Die Kardinäle Sarah und Müller kommen am 21. November in die Abtei Weltenburg

Der Fe-Medienverlag lädt ein zur Buchvorstellung mit den Kardinälen Robert Sarah und Gerhard Müller ins Weltenburger Kloster St. Georg im Bistum Regensburg.

Am Donnerstag, dem 21. November 2019, gibt es um 18 Uhr ein Pontifikalamt mit Kardinal Müller in der  – idyllisch an der Donau gelegenen  –  Abteikirche.
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Um 19.30 Uhr wird Kardinal Müller (siehe Foto) gemeinsam mit Kardinal Sarah dessen neues Werk vorstellen  – es ist bereits der dritte Gesprächsband –  und im Gartensaal des Klosters eine Laudatio halten.
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Es geht um die Neuerscheinung: „Herr, bleibe bei uns. Denn es will Abend werden“ (Fe-Verlag, Kißlegg).
Im Anschluss daran stellt sich Kardinal Sarah den Fragen der Journalisten und er wird Bücher signieren.

Zu dieser Buchpräsentation ist jedermann herzlich eingeladen. Nützen Sie die Gelegenheit, diese beiden profilierten Würdenträger der katholischen Weltkirche direkt zu erleben und mehr über ihre theologische und persönliche Sicht auf Glaube und Kirche zu erfahren.

Das Kloster Weltenburg liegt am Eingang des Donaubruchs etwa 30 km von Regensburg entfernt (Kloster Weltenburg, Asamstr. 32 in 93309 Kelheim).

Weitere Infos zum Gesprächsband von Kardinal Sarah mit Nicolas Diat: Herr bleibe bei uns, denn es will Abend werden:

Unsere Welt befindet sich am Rande des Abgrunds: Glaubenskrise, Untergang des Abendlandes, moralischer Relativismus und entfesselter Kapitalismus. Im Bewusstsein der Tragweite der aktuellen Krise zeigt Kardinal Robert Sarah auf, dass es möglich ist, einer höllischen Welt ohne Hoffnung zu entrinnen.

Im Gespräch mit Nicolas Diat widmet er sich den Krisen unserer heutigen Zeit und lehrt uns, dass der Mensch auf seinem Lebensweg eine Erhebung der Seele erfahren muss, um besser aus dieser Welt zu scheiden, als er sie betreten hat.

Hierzu erklärt der afrikanische Kurienkardinal Sarah:

„Dem Untergang des Abendlands liegt eine kulturelle Krise und eine Identitätskrise zugrunde. Der Westen hat vergessen, wer er ist, weil er nicht mehr weiß, wer ihn so geformt und begründet hat, wie er war und wie er ist.

Diese Selbstvergessenheit führt zweifellos zu einer Dekadenz, welche neuen, barbarischen Zivilisationen die Türen öffnet.“ 

HIER zur Buchbestellung beim Fe-Verlag: https://www.fe-medien.de/herr-bleibe-bei-uns


Sind wir auch heute wie Schafe, die keinen Hirten haben?

Wieviele Christen sind in Wahrheit schon Heiden geworden?

PREDIGT von Pater Lukas Steinebrunner OSB (siehe Foto) aus der Benediktinerabtei Weltenburg am vorigen Sonntag

Liebe Schwestern und Brüder in Christus, unserem HERRN,

in der heutigen 2. Lesung aus dem Brief an die Epheser spricht der heilige Apostel Paulus diese als die Fernen an. Er setzt sie damit in den Gegensatz zu den Nahen, zu denen sich der Apostel selbst rechnet. Aus der Perspektive des Judentums, aus der Paulus an die Gemeinde von Ephesus schreibt, waren die Heiden  –  also die Nichtjuden –  in der Ferne.

Seit Christus hat diese Differenzierung keine Berechtigung mehr. Christus hat für alle seine Blut vergossen. Durch sein Kreuz versöhnt er alle mit Gott in einem einzigen Leib. ER ist der Friede und versammelt sie alle wie die Schafe einer Herde. Christus vereinigt beide  – Juden und Heiden – in seiner Kirche, all jene, die sich zu ihm durch Glauben und Taufe bekennen.

Als die Kirche vor knapp 2000 Jahren entstand, sich aus den Menschen zusammenfügte, ruhte sie auf der geistigen Entscheidung des Einzelnen zum Glauben, auf dem Akt der Bekehrung.

Sicher hoffte man anfangs darauf, dass sich diese Gemeinschaft von Heiligen schon hier auf Erden als eine Kirche ohne Fehl und Makel auferbauen lasse. Doch musste man sich in schweren Kämpfen zur Erkenntnis durchringen, dass immer auch der Bekehrte, der Christ, anfällig für die Sünde blieb und bleibt, dass die Sünde, dass schwere Vergehen auch in dieser von Gott gestifteten christlichen Gemeinschaft möglich war und ist.

Der Christ ist auf Erden noch kein Vollendeter, weder moralisch noch spirituell. Und diesem Sinne bleibt auch das irdisch Sichtbare und Wahrnehmbare der Kirche unfertig bis zur Vollendung in Gott.

Es gab in den ersten Jahrhunderten allerdings eine bedeutende Grundgemeinsamkeit: Kirche war eine Gemeinschaft von Überzeugten. Eine Gemeinschaft von Menschen, die bestimmte geistige Entscheidungen auf sich genommen hatten. Und genau dadurch hoben sich die Christen von denen ab, die sich dieser Entscheidungen verweigerten.

Schon im Mittelalter änderte sich das aber massiv. Kirche und Welt wurden nahezu identisch. Christsein beruhte im Grunde nicht mehr auf der Entscheidung und Überzeugung des Einzelnen, sondern war politisch und kulturell vorgegeben.

Liebe Schwestern und Brüder,
die äußere Deckung von Kirche und Welt ist besonders in unseren Breiten geblieben. Die Überzeugung jedoch, dass uns in der Kirche Heilswirklichkeit geschenkt ist, in der Kirche, in der uns Christus durch seinen Heiligen Geist vereint und uns den Zugang zum Vater eröffnet hat, ja dass Kirche ein Ort göttlicher Huld ist, diese Überzeugung ist gefallen.

Wir denken noch zu sehr in den Kategorien der Volkskirche. Christentum und Kirchenmitgliedschaft erscheinen uns noch als nahezu selbstverständlich. Die Zahl der Taufscheine und die Höhe der Kirchensteuereinnahmen jedoch können keine Kriterien zu Beurteilung von Glaubensstärke und christlicher Prägung einer Gesellschaft sein.

Setzen wir hingegen als Kriterien die persönliche Glaubensentscheidung und Überzeugung an, ist das Erscheinungsbild der Kirche heute ein gegenteiliges.

Nicht wie sich einst die Kirche aus Juden und Heiden formte, die zu Christen geworden sind, sondern eine Kirche, in der sich zwar noch alle Christen nennen, von denen aber schon viele in Wahrheit zu Heiden geworden sind, weit weg, fern vom Glauben, fern von Gott. Weniger aus Abneigung oder bewusster Distanzierung, vielmehr aus Gleichgültigkeit und Unkenntnis.

Andere können sich zwar noch bedingt mit ihrer Kirche identfizieren, nehmen auch noch -wenn auch nur sporadischam kirchlichen Leben teil, doch Glaubensbekenntnis, religiöse Bildung und persönliche Überzeugung sind zumeist nur wenig ausgebildet.

Liebe Schwestern und Brüder,
im Strom medialer Meinungsmache werden wir hin und her getrieben. Der Mainstream bestimmt die Richtung, egal wohin er läuft, Hauptsache trendi. Wir sind wie die Menschen geworden, von denen Markus im Evangelium berichtet: denn sie waren wie Schafe. die keinen Hirten haben.

Das aber ist dann die Stunde selbst ermächtigter Leithammel, leider darunter zu oft Theologen, leider zu oft auch Priester. Ein kleiner schreiender Ideologenzirkel, der es aber immer wieder schafft mit entsprechender Medienpäsenz die Gläubigen vor der Karren ihrer Ideologien zu spannen. Sie aber spalten die Herde, zerstreuen und versprengen die Schafe. Und die Schafen werden ihnen wie belämmert hinterhertrotten.

Mit Hilfe von Presse, Funk und Fernsehen hämmern gewisse Grüppen immer wieder auf den gleichen kirchlichen Themen herum, schon seit Jahrzehnten. Und es zeigt sich mittlerweile deutlich: Wer viel hämmert, ist irgendwann behämmert.

Der größte Irrtum unsere Zeit ist wohl, dass man meint, die Wahrheit und das Gute definieren sich über die Mehrheitsmeinung. Erst vor Kurzem habe ich einen Lesenbrief gelesen. Rhetorisch war er in seiner Sprachgestalt vielleicht nicht schlecht, vom Inhalt her jedoch schwer krank. Gegebenheiten und Zusammenhänge, die auf göttlicher Offenbarung beruhen und als solche in der Kirche durch die Zeit hindurch tradiert worden sind, können nicht  –  wie der Autor des Leserbriefes zwar schreibt  –  als ein nur von Menschen gemachtes Rechtssystem verstanden werden.

Das ist falsch: Was auf göttlicher Offenbarung beruht, ist göttliches Recht, und damit der Veränderbarkeit durch den Menschen entzogen. Was schon immer als Unrecht und Sünde von Gott her definiert ist, wir Unrecht und Sünde bleiben, wenn es heute auch die Zustimmung der Mehrheit fände.

Nehmen wir zur Erklärung ein Beispiel: Mit Recht brandmarken wir die Aktionen des Nazi-Regims gegen das von ihnen so bezeichnete „lebensunwerte Leben“. Wir benennen es schon richtig, wenn wir von Mord sprechen. Und es bleibt Mord, ob es damals im Namen eines tyrannischen Diktators geschah oder heute mit breiter Zustimmung des Volkes oft mit der fadenscheinigen Begründung, Leid ersparen zu wollen. Wir können nicht über den Lebenswert eines anderen Menschen entscheiden.

Wir haben nicht das Recht auszusortieren, zu selektieren. Und wenn auch eine eventuelle Behinderung oder Krankheit schon vorgeburtlich diagonstiziert würde. Es ist ein Mensch, dessen Würde und Recht auf Leben unantastbar sind.

„Es ist beschämend“, stellte der Erzbischof von Freiburg und Vorsitzender der deutschen Bischofkonferenz Robert Zollitsch vor einigen Tagen in einer Predigt fest, „es ist beschämend, dass jährlich in Deutschland weit über 100.000 Kinder abgetrieben werden und nicht leben dürfen“.  – Und es bleibt, was es ist: Mord. Ob mit Beratungsschein oder ohne.

Die Menschen irren umher, wie Schafe die keinen Hirten haben. Alles scheint möglich. Alles scheint erlaubt. Man müsse die Entscheidung mit seinem Gewissen vereinbaren können. Doch ein Gewissen muss auch ausgebildet sein, muss sich an Werten orientieren können, muss unterscheiden können zwischen gut und böse.

Und das Gewissen kann auch irren, kann blind, geblendet und verbildet sein. Jesus hatte Mitleid mit den hirtenlos umherirrenden Schafen. Und was hat er gemacht? Markus berichtet: Und er lehrte sie lange, ER selbst sagt von sich: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.

Liebe Schwestern und Brüder,
wir haben Hirten, die Sorge tragen für den rechten katholischen und apostolischen Glauben, den Papst, die Bischöfe, in der Verantwortung vor Gott für die Kirche Jesu Christi. Christus selbst hat ihnen in der Nachfolge der Apostel den Hirtendienst anvertraut, die die Herde leiten und die Schafe auf die grüne Weide des Glaubens und zum Ruheplatz des ewigen Lebens führen wollen. Jesus lehrte diese Menschen. Das ist der Auftrag der Hirten auch heute.

Zu den Aposteln sagte der HERR: „Wer Euch hört, hört mich“  – „Geht zu allen Völker und lehrt sie alles zu befolgen, was ich euch geboten habe.“ –  Sind wir noch bildungsfähig? Wollen wir überhaupt belehrt werden?

Der große Theologe Romano Guardini hat einst formuliert: „Die Kirche ist das Gewissen in einer säkularisierten Welt.“  – Kirche muss deshalb quer zur Gesellschaft stehen, muss gegen den Mainstream schwimmen, darf sich nicht dem Weltgeist anschmiegen. Das war sie auch in den ersten Jahrhunderten. Eckig, kantig, mit Profil, Stein zum Anstoß, nicht gesellschaftskonform, sondern evangeliumskonform, Salz der Erde und Licht der Welt, so dass Kirche wieder einen Geschmack bekommt.
 
Es kommt auf das Mitglauben und Mittun jedes einzelnen an. Persönliche Glaubensentscheidung und Überzeugung, die sich im Leben bewährt: Nicht tun, was man halt so tut, nicht denken, wie mal halt so denkt. Gefordert ist die bewusste Entscheidung für ein Leben aus dem Glauben. Aus diesem Glauben heraus die verschieden Lebensbereiche zu gestalten, wie das Zusammenleben mit den Mitmenschen, Ehe und Geschlechtlichkeit, Beruf und Arbeit, Eigentum und Wahrheit.

Leicht ist das nicht, viel Gegenwind, bisweilen Sturm, man wird angegriffen und verletzt werden.

Hatte aber nicht die Kirche ihre wirklichen Blütenzeiten und Höhepunkte gerade da, wo Menschen bereit waren für den Glauben, für ihre Überzeugung Unanehmlichkeiten auf sich zu nehmen, teils Kerker, Folter, Tod;  wo Menschen bereit waren, Zeugnis abzugelegen, Zeugnis für die Wahrheit, Zeugnis für Jesus Christus?

Und genau dort, in den Stunden tiefster Ohnmacht und Leiden waren sie dem HERRN am nächsten.

Liebe Schwestern und Brüder heute. Die Menschen irren wie hirtenlose Schafe durch den Wald der vielen Meinungen. Wir brauchen wieder klare christliche und katholische Postionen in Kirche und Welt, entschiedener Glaube und persönliche Überzeugung. Dann kann Kirche wieder werden, wie sie von ihren Ursprüngen her gedacht ist: Gott nah.

Fotos: P. Lukas Steinebrunner OSB, Dr. Bernd F. Pelz