Dauer-Lockdowns verschärfen das Problem der Schulabbrecher in Deutschland

Von Christa Meves

Welchen Klinikbericht man auch ergoogelt: Die Quintessenz der Ärzte angesichts von Corona heißt einhellig: Zwar bereiten wir uns auf eine Steigerung der am Virus Erkrankten vor, hoffen zwar mit der Bettenzahl bei

fortschreitender Impfung zurechtzukommen, sehen uns aber einer hochbrandenden Schwierigkeit gegenüber: Es fehlt die hinreichende Zahl der betreuenden Fachkräfte und damit auch die nötige Erholphase für die z. Z. vorhandenen Pflegenden im Dauerstress.

Man kann angesichts dieser Klagen nur hoffen, dass endlich ein Missstand, der sich lange schon eingeschlichen hat, nicht länger als unwesentlich abgetan bleibt: Die Fachkräfte, besonders im mittleren Management, fehlen auf der ganzen Linie. Und das ließ sich – im Grunde bereits seit 50 Jahren – für die heutige Situation voraussagen.

Mit dem Fanal der 68er auf den Lippen ging der Trend in die Richtung, sich von allem und jedem zunehmend zu befreien. Wolle man sich zur fortschrittlichen Moderne zählen, so möge man sich hier positionieren, und das hieß z.B.: sich befreien von unwillkommenen Schwangerschaften mithilfe von Abtreibung, befreien von dem Joch einer Ehe auf Lebenszeit, befreien von persönlicher Betreuung der Kinder, befreien zur Selbstverwirklichung statt zur Verantwortung wenigstens für die Allernächsten.

Aber eine solche Einstellung ist eine Anmaßung großen Stils. Das entspricht grundsätzlich nicht der Begrenztheit unserer menschlichen Existenz und ist infolgedessen eine unrealistische Illusion, die langfristig auf jeden Fall negative Folgen heraufbeschwört.

Daraus resultierte eine allgemeine Schwächung der Familie, was letztlich auch den Fachkräftemangel mitverursacht hat. Das Schulversagen von immer mehr Kindern hatte bereits vor Corona von Jahr zu Jahr bei einem erheblichen Anteil aller Schüler in Deutschland zu einem Schulabbruch geführt. Dieser hatte langfristig bei vielen von ihnen eine Steigerung der Langzeitarbeitslosigkeit mitbewirkt.

Heute hat sich nun – so zeigen die jüngsten Zahlen – der langfristige Corona-Lockdown die Anzahl der Schüler, die die Schule ohne Abschluss verlassen, sogar verdoppelt.

Die meisten von diesen waren mit dem Schulpensum nicht mehr zurechtgekommen. Im Gegensatz dazu haben andere Mitschüler das digitale Arbeiten für die Schule zuhause als eine Möglichkeit entdeckt, Spitzenleistungen zu erwirken. Auf diese Weise entstehen wachsende Leistungsunterschiede in den einzelnen Klassen.

Dennoch aber lässt sich Corona nicht als Ursache, sondern lediglich als Offenbarwerden des tiefer gründenden Missstandes verstehen. Nicht erst der Lockdown sollte uns längst dazu genötigt haben, diesen sich fortgesetzt steigernden Zahlen der Schulabbrecher und ihren Ursachen nachzugehen.

Nach meiner praktischen Erfahrung als Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeutin ist ein Mangel an Schulerfolg der häufigste Grund, der Eltern veranlasst, nach fachlicher Hilfe für die betroffenen Kinder zu suchen. Bei deren Behandlung ergab sich eine erhebliche Differenzierung für die Ursachen des Schulabbruchs.

Deshalb möchte ich heute eine kurze Zusammenfassung dieser Erfahrungen versuchen.

Zunächst eine Definition: Als Schulabbruch wird registriert, wenn ein Kind – in welchem Alter auch immer – ohne ein Abschlusszeugnis zumindest der Hauptschule ins Leben geht.

Die Ursachen liegen selten in angeborenen Lernbehinderungen. Diese Fälle werden meist spätestens bei den Schuluntersuchungen erkannt und dem Bereich der zielgerecht behandelnden, gut organisierten Behinderungshilfen zugewiesen.

Die Mehrzahl der Betroffenen mit Schulabbruch fußt hingegen umweltbedingt auf psychischen Ursachen. Nicht selten wird der Zensurenabfall durch eine für diese Kinder unerträgliche Schulsituation ausgelöst. Sie empfinden sich bei unserem Zensurensystem bald schon als Loser und sind dadurch dem abweisenden Urteil der Mitschüler ausgesetzt. Dieses wird meistens von einem primitiven Konkurrenzverhalten bestimmt.

In solchen Fällen findet dann auch nicht selten Mobbing statt, zumal wenn das Kind darüber hinaus schüchtern und im äußeren Outfit wenig angepasst erscheint. Verständnis für die wachsende Not dieser Lernschwachen fehlt in solchen Fällen oft im Umfeld.

In jüngster Zeit ergab die Therapie, dass die Ursache des sich einschleifenden Schulversagens gelegentlich auf einem Trauma aufbaut, mit dem das Kind nicht fertiggeworden ist. Solche seelischen Verletzungen haben ihre Ursache zwar meistens im häuslichen Bereich, können gelegentlich aber auch schulischer Art sein.

Mir wurde neuerdings einige Male berichtet, dass sexualisierte Mitschüler auf der Toilette andere Kinder zu sexuellen Handlungen zu verführen suchten. Von den Tätern zu Geheimhaltung aufgefordert, werden diese Opfer dann nicht mit ihren Schuldgefühlen fertig.

In anderen Fällen ist im häuslichen Bereich durch die drohende Scheidung von Eltern, die sich unablässig streiten, bei dem Kind Dauerangst entstanden. Das schränkt seine Konzentrationsfähigkeit ein, weil diese Kinder – meistens sind das Mädchen – fürchten, dass die Eltern sich scheiden lassen. Diese Kinder fallen dann meist in die Rubrik „Schulphobie“, was die längst besorgten Eltern dann natürlich noch mehr alarmiert und die ganze Not in die Krankheits-Schiene entgleiten lässt.

Bei Kindern mit einer erheblichen Vitalität entsteht aber nicht nur eine gesteigerte Mutlosigkeit, sondern es wächst auch der eigentlich gesunde Impuls, einer solchen unerträglichen Situation zu entfliehen, meist zunächst durch eine protestierende Verweigerung des Schulbesuchs, aber im traurigsten Fall dann auch durch direkte Flucht, zumindest wenn der Schulabbruch im Jugendalter geschieht.

In der letzten Zeit gab es auch nach Facebook-Kontakten mit Mädchenfängern ein Lolita-Schicksal mit Totalabbruch zur Ursprungsfamilie …

Das sind natürlich keineswegs die z. Z. gesteigerten Fälle insgesamt. Bei einem Großteil der Schulversager wird von den Eltern versucht, einem drohenden Schulabbruch entgegenzuwirken: Das auf dem Gymnasium versagende Kind wird auf die Realschule umgeschult und nach weiteren Jahren der Vergeblichkeit auf die Hauptschule, ehe die Eltern entweder therapeutische Hilfe suchen oder einfach resignieren.

Das erste Gebot der Hilfe muss durch eine möglichst frühe Beachtung des schulisch scheiternden Kindes erfolgen. Das ist die Funktion der Schulpsychologen und bedarf dringend der Beratung aller Erziehenden, die mit diesem Kind beschäftigt sind. Die Probleme lassen sich z. B. leicht lösen, wenn das Kind zu früh eingeschult worden ist, weil es ein Spätentwickler ist. Dann müssen konstruktive Vorschläge zu Anregung und Aufschub gemacht werden.

Der Hauptteil des Schulversagens beruht aber laut Erfahrung doch eher auf der Lebenssituation im privaten Bereich: ADHS, die immer häufigere Tatsache, dass einzelne Kinder nicht die Fähigkeit haben, ihre Unruhe zu bezwingen. Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom hat das ein aufmerksamer Psychiater in den USA treffend definiert.

Gewiss kann diese Schwierigkeit durch all die eben genannten Ursachen entstanden sein. Aber die Hauptursache bei den Schulversagern besteht darin, dass die Kinder ein Defizit in der Ausgestaltung ihrer natürlichen seelischen Entwicklung haben erleiden müssen, die sie jetzt per unbewussten Selbstheilungsversuchen in ein wirres Suchen nach Zufriedenheit treibt, was dann als Verhaltensstörung sichtbar wird.

Natürliche, kindgemäße seelische Entfaltung ist für die Kinder heute grundsätzlich immer schwieriger geworden, je weniger die natürlichen Bedürfnisse der Kinder vom prägenden Säuglingsalter ab als notwendige Bausteine in Rechnung gestellt werden. Ja, häufig werden sie überhaupt gar nicht mehr als solche erkannt.

Das Kind als primäre Generalaufgabe der Mutter ist im Zeitgeist mehr oder weniger verschwunden. Top ist die Frau heute, die sich selbst verwirklicht. Mutterschaft wird durch einen verhängnisvollen Zeitgeist in eine traurige Falle der Wertlosigkeit ins Abseits verschoben.

Diese Frauenverführung zur Fehleinstellung macht die häufigsten Fälle der Kinder unter den Schulversagern aus, die deswegen keineswegs etwa die intellektuell weniger Begabten trifft, sondern vor allem die seelisch Sensitiven, weil diese am ehesten zu beeinträchtigen sind.

Sie alle enden nun natürlich nicht allein in direkter Flucht und mit in einem Verschwinden aus dem bisherigen Umfeld, im Untertauchen in zweifelhaften Gruppierungen bis zur Verwahrlosung und Kriminalität. Bei manchen reicht die Vitalität, sich als Selfmademan auf mehr oder weniger krummen Wegen eine eigene Existenz zu erbasteln. Ein erhebliches Potenzial taucht in der permanenten Arbeitslosigkeit unter, mit einem Status, mit dem man sich recht und schlecht von Job zu Job durchbringt oder im Krankgeschriebenwerden versackt.

Jeder, der mir bis zu dieser Bilanz gefolgt ist, wird erkennen, dass wir in dieser Hinsicht für unsere gesellschaftliche Zukunft dringend einer Veränderung der allgemeinen Lebenseinstellung bedürfen. Kindern als Garanten gesunder Zukunft aller einen gewichtigen Platz einzuräumen, ist unumgänglich. Sie sind nun einmal kostbare Geschenke auf Zeit, die eines erheblichen Langzeiteinsatzes bedürfen, wenn im Erwachsenenalter der gesunde Status von Liebes- und Arbeitsfähigkeit erreicht werden soll.

Bewusstsein darüber sollte jedem jungen Paar per Belehrung vermittelt werden, bevor es Familie gründet. Denn Glück mit süß schmeckenden Früchten oder Unglück mit früh verkümmerten Trauben ist die grundsätzliche Entscheidung für jede Familie samt Großeltern.

Wir haben hier leichtfertig an den Grundpfeilern gesellschaftlicher Existenz gesägt. Wir müssen versuchen, ein tiefes Verantwortungsgefühl für die Notwendigkeit liebevoller, konstanter, persönlicher Betreuung zu aktivieren, wenn wir Hoffnung auf Zukunft sowohl in der einzelnen Familie als auch ein konkurrenzfähiges Niveau der Gesellschaften erreichen wollen – statt fortschreitendem Niedergang ausgesetzt zu sein.

Der Fachkräftemangel ist also Symptom einer allgemein gefährlich unguten Ausrichtung! Auf Erfolg darf grundsätzlich nur hoffen, wer Gottes Schöpfungsordnung beachtet.

Unsere Autorin Christa Meves ist Psychotherapeutin für Kinder und Jugendliche; die Bestseller-Autorin hat über 120 Bücher geschrieben und leitet den Verein „Verantwortung für die Familie“


Warum bei ADHS-gestörten Kindern nach den Ursachen geforscht werden soll

Von Christa Meves

Die Beschäftigung mit ADHS geht heute kaum noch an Eltern von Grundschulkindern vorüber. Im Allgemeinen meint man, es handle sich um eine neue seelische Erkrankung – besitzt dieses Verhalten doch immerhin einen erklärenden Namen: Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitätssyndrom. Was also ist das?

Ein Fall auf jüngstem Forschungsstand mag der Information dienlich sein.

Ein Vater berichtet: Die Lehrerin seines ältesten Sohnes im dritten Grundschuljahr habe um einen Besuch der Eltern in der Schule gebeten. Bei dem Jungen sei – wie übrigens bei der Mehrzahl der Kinder in dieser Klasse – nach einer Expertenuntersuchung ADHS festgestellt worden. Die Eltern seien deswegen ersucht worden, jeweils für ihre Kinder fachliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Seitdem würden die meisten Eltern ihren Kindern unter kinderärztlicher Observanz eine Substanz mit Inhaltsstoffen wie z. B. Methylphenidat in täglicher Einnahme verabreichen. Bei diesem Medikament handelt es sich allerdings – wie jeder Mensch durch Googeln herausfinden kann – um eine Aufputschdroge, die zunächst vor allem bei Arbeitsstress von Studenten in den USA Erfolge gezeitigt hatte. Unverzüglich werden deswegen Substanzen dieser Art tonnenweise in Deutschland für Schulkinder zur Verfügung gestellt  und – wie man meint – mit einigem Erfolg.

Allerdings ist damit für viele Verantwortungsträger das Problem nicht vom Tisch. Ist eine solche Gabe – über längere Zeit in Kinderhirne hineingegeben  – überhaupt vertretbar? Ist sie der unausgereiften Hirnentwicklung der Kinder wirklich dienlich und nicht vielleicht sogar mit noch nicht erkennbaren Nachwirkungen sogar schädlich?

Vorab Professor Manfred Spitzer aus Ulm belegt das z. B. wissenschaftlich seit vielen Jahren (vgl. https://www.amazon.de/ADHS-Das-Zappelphilipp-Syndrom-Manfred-Spitzer/dp/3902533498).

International branden darüber die unterschiedlichen Vorstellungen unter den Forschern immer noch in einer verwirrenden Fülle hoch, ohne für die praktische Lösung des Problems befriedigend und hilfreich zu sein.

Der Vater meines Beispiels ließ sich jedenfalls in einer verantwortungsbewussten sachlichen Weise beunruhigen und übergab das Problem in die Hände einer bewährten Kinderpsychotherapeutin. Diese schlug den Eltern im Verbund mit dem Kind lediglich eine Veränderung in dessen Alltags-Dominanzen vor:

Sportgeräte wurden angeschafft, und der Vater selbst begab sich nach Feierabend mit seinem Sohn zusammen unter die Fußballspieler. Der einseitige Schwerpunkt des Jungen, der auf hoher Schiene eher mit abstrakten intellektuellen Fragen beschäftigt war, wurde so auf ein gutes Mittelmaß seiner Betätigungen verändert.

Gemeinsamkeiten, besonders mit dem Vater, z. B. Abenteuerwanderungen im Umfeld, Ruderpartien am Wochenende etc. wurden gemeinsam geplant und durchgeführt. Die Unruhe hatte ihre Ursache in diesem Fall in der Unausgewogenheit der Alltagsbeschäftigungen dieses Kindes. Das entsprach nicht ganz ausreichend der Entfaltungsstufe im Grundschulalter.

Nach wenigen Wochen schon zeigte sich, dass der Junge seine Schulaufgaben mit der nötigen Konzentration zustande brachte. Dieser therapeutische Erfolg ist kein Einzelfall. Meine Erfahrung als Kinderpsychotherapeutin hat mich gelehrt, das zu verabreichende „Medikament“ gegen motorische Unruhe sollte heißen: mehr Beschäftigung in dualer Weise mit der hauptsächlichen Bezugsperson – und das keineswegs unter Ausschluss einer lustvollen sportlichen Betätigung.

Hinzugefügt werden muss aber auch, dass praktisch arbeitenden Kinderpsychotherapeuten die motorische Unruhe als ein Symptom einer diagnostizierbaren Verhaltensstörung schon seit vielen Jahrzehnten bekannt ist und sich nicht selten mithilfe von Verhaltensänderungen aus der Welt schaffen lässt.

Notwendig dazu ist eine Diagnose des Hintergrunds vom Erscheinungsbild der Störung.

Denn grundsätzlich beruht die Unruhe auf dem völlig unbewussten Versuch des Kindes, das Gefühl von etwas Unzureichendem in ein seelisches Gleichgewicht zu bringen.

Noch einmal sei betont: Die Motivation für dieses diffuse Suchverhalten liegt absolut nicht im Bewusstsein des Kindes. Deshalb fühlt es sich gequält, wenn ratlose Erwachsene es immer wieder nach dem Warum seiner Auffälligkeit fragen.

Der nächste Schritt für den Therapeuten heißt deshalb, eine genaue Vorgeschichte des Kindes zu erfragen und seine momentane Situation in seinem Umfeld zu ergründen. In den meisten Fällen setzt das eine gründliche Beratung der fast immer verständigen Eltern voraus.

Aber die Palette dieser Möglichkeiten ist groß und vielfältig. Tritt die Unruhe erst in jüngster Zeit auf, so hat sie ihre Ursache manchmal auch im Mitempfinden einer umfänglichen, als lebensbedrohlich erlebten Unsicherheit in der allgemeinen Situation des Kindes. Viele Kinder empfinden z. B. bereits die nachhaltig sichtbare Entfremdung der Eltern voneinander als gefährlich. Sie befürchten eine baldige Scheidung. Nicht selten reicht das zur Auslösung des Symptoms.

Aber nicht weniger massiv liegt die Ursache in unzureichend vollzogenen Prägungsvorgängen der Entfaltung notwendiger Lebenstriebe in den frühen Lebensjahren der Kinder oder auch in zu frühen Kollektivierungen. Eine pointierte Diagnose und mehr Nähe zur Hauptbezugsperson sind hier maßgebliche Schritte zur Heilung.

Von dieser Sichtweise aus stellt sich oft sogar verhältnismäßig rasch eine seelische Beruhigung des Kindes ein und damit auch seine neu erwachte Freude, in großer Menge neugierig und aufmerksam zu lernen, was es in dieser Welt auch nur zu lernen gibt.

Es lohnt sich, so lässt sich erfahren, die wahren Ursachen des Fehlverhaltens zu ergründen und von dieser Basis aus anzugehen, statt es vorschnell beim oberflächlichen Kurieren an den Symptomen zu belassen. Denn die Gefahr von Nachwirkungen auf das unausgereifte Gehirn des Kindes ist damit nicht ausgeräumt.

Wie oft haben Pharmazie und Medizin die Unschädlichkeit eines Medikaments später als einen folgenreichen Irrtum eingestehen müssen!

Unsere Autorin Christa Meves ist Bestsellerautorin sowie Psychotherapeutin für Kinder und Jugendliche; außerdem leitet sie den Verein „Verantwortung für die Familie“.

 


Wachsende Überforderung unserer Lehrer: Grundschulpädagogik in der Krise

Von Christa Meves

Die Zahl der Entwicklungsstörungen von Kindern zwischen 5 bis 7 Jahren stieg hierzulande in den vergangenen 10 Jahren um 26,5 % an. Mehr als 82 % der diagnostizierten Entwicklungsstörungen betreffen die Sprech- und Sprachentwicklung, gefolgt von Störungen der motorischen Entwicklung. 2017 wurde bei 41,3 % der 5 bis 7-jährigen Jungen und 27,9 % der Mädchen eine Entwicklungsstörung diagnostiziert (1).

Solche Zahlen als Ergebnis jüngerer Studien scheinen in ihrer Abstraktheit in unserem Leben wenig Neues zu bedeuten. An solche Abwärtsentwicklungen sind wir längst gewöhnt. Sie begannen sukzessiv in den letzten drei Jahrzehnten des vorigen Jahrhunderts.

„Schließlich sind ja immer noch gesunde Kinder vorhanden, immer noch besteht in allen Ländern ein Schulbetrieb“, meinen schulferne Beschwichtiger.

Aber hoppla: allerdings mit immer mehr Kindern in einer Klasse, weil immer weniger junge Menschen den Lehrerberuf ergreifen. Dürfen wir das alles  – gleichsam zurückgelehnt – weiter so hinnehmen?

Wenn man Kontakte mit Grundschullehrern hat, lässt sich feststellen, dass in deren Augen nicht selten eine bedenkliche Resignation, ein Entmachtet-Sein aufscheint, offenbar weil sie wenig Aussicht haben, dem Bildungsauftrag der Behörde, für den sie ausgebildet wurden, gerecht zu werden. 

Eine ältere Lehrerin berichtete mir, dass sie einst mit Begeisterung und mit Erfolg in Grundschulen gearbeitet habe, dass sie nun aber mit den Klassen des letzten Jahrzehnts selbst das Hauptziel, die Beherrschung der Grundlagen: Lesen, Schreiben und Rechnen bis zum Alter von 10 Jahren, immer seltener habe erreichen können:

„Seit die antiautoritäre Erziehung den Tenor der Schulpläne beherrschte, wurde es bald schwieriger, allein nur den Lärmpegel in der Klasse so zu senken, dass man mit einer gewissen Konzentration der meisten Kinder rechnen konnte. Wir Lehrer verloren einfach unsere vorher vorhandene Autorität, und damit vervielfältigte sich die Unaufmerksamkeit der Schüler. Die Kinder steckten sich damit gegenseitig geradezu an, und damit schoss die Undiszipliniertheit immer mehr in die Höhe. Und diese für ein Lernklima ungute Situation hat sich jetzt noch in dramatischer Weise verschärft.

Jetzt wird es nun auch noch durch die Migration immer schwerer, dass die Kinder direkte Anweisungen überhaupt noch befolgen: ‚Bitte schreibt die Worte, die ich Euch an die Tafel schrieb, jetzt noch einmal in Eure Hefte‘, ordnete ich jüngst in einer Klasse mit Drittklässlern an. Da sprang ein Mädchen auf und rief laut: ‚Das machen wir nicht!‘ Sie erreichte damit, dass fünf weitere muslimische Schülerinnen hochsprangen, während die anderen die Stifte fallen ließen.

Ich holte die Aufrührerin nach vorn und sagte freundlich zu ihr – sie war erst vor kurzem der Klasse hinzugefügt worden: ‚Aber jetzt bist du hier in unserer Schule und da muss man tun, was der Lehrer sagt.‘ Daraufhin erwiderte sie: ‚Mein Vater hat gesagt, ich soll nicht etwas abschreiben, was die Lehrerin auf die Tafel schreibt.‘

In der Klasse war inzwischen eine allgemeine Unruhe entstanden. Einige hatten ihre Butterbrote herausgeholt, andere für den Heimweg ihren Rucksack schon geschlossen, und ich schaffte es nicht, dass dieser schlichte Lernversuch zur Durchführung kam.“

Und die Lehrerin fuhr fort:

„Das ist nur ein einziges Beispiel einer allgemeinen Situation der Wehr- und Hilflosigkeit von uns Lehrern. Ich habe meinen Elan, meine Freude am Beruf verloren. Werde ich die letzten fünf Jahre bis zur Pensionierung noch durchhalten können, zumal die Belastung mich weitgehend schlaflos macht und meine Magenprobleme immer häufiger werden? Ich muss nun wohl doch einen Antrag auf vorgezogene Entlassung aus dem Schuldienst stellen.“

Trauer, tiefe Trauer stand während dieses Berichts in den Augen der bewähren Grundschullehrerin.

Ganz ohne Frage ist durch den Zustrom der Migranten eine Verschärfung der ohnehin höchst bedenklichen Lage in der Schulpädagogik entstanden.

Aber wie die jüngsten Zahlen einmal mehr belegen, sind die neuen Probleme lediglich ein Zusatz in einer allgemein schwer bedenklichen Situation.

Die so häufig gewordene motorische Unruhe, heute als ADHS (Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom) benannt, ist lediglich eine der Schwierigkeiten, die es der heutigen Kindergeneration fast sogar schon verunmöglicht, per Schule in die Kultur des jeweiligen Landes hineinzuwachsen und in ihr heimisch zu werden.

Die Erstsymptome der Verhaltensstörungen lassen immer weniger Kinder aus. Ablenkbarkeit und trotzige Selbstbehauptung steigern sich zu Widersetzlichkeit und Aggressivität. Inversive Symptome wie Nägelkauen, Haarereißen, Zähneknirschen und Einnässen, orale Symptome wie Nasch- und Stehlsucht sind mittlerweile in einem erschreckenden Ausmaß im Grundschulalter vorhanden.

Weil bei diesen Kindern in ihrem Umfeld offenbar ein gesundes Wachstum von Seele und Geist  –  meist durch Unwissenheit der Erwachsenen – oft schon im Kleinkindalter behindert worden ist, sind sie gekennzeichnet durch ein wirres, aus dem seelischen Defizit herausquellendes Suchen nach dem Richtigen, ohne zu wissen, was sie suchen.

Doch sie suchen allemal das Nest, in dem sie sich geschützt entfalten können, und die Bedingung dafür ist, dass die für den jeweiligen Nachwuchs Verantwortlichen gemeinsam dafür so lange auf dem Posten stehen, bis die Sprößlinge „flugfähig“ sind!

Was für einen Zustand haben wir stattdessen jetzt? Jetzt brauchen wir in der Tat in später Stunde einen Jona, der in dieses Ninive geht und ruft: „Es sind noch 40 Tage, dann wird Ninive untergehen!“ (2)

Seit vollen 50 Jahren ließ sich diese Entwicklung voraussagen, weil sich einmal mehr eine schon beschädigte Gesellschaft anmaßte, sie könnte sich nun ganz einem neuen Zeitgeist verschreiben, der allein zu wissen meint, was gut und was böse ist, und der vorgibt, das mithilfe von Grenzenlosigkeiten des eigenen Verhaltens erreichen zu können.

Wenn dabei aber unumstößliche Naturordnung missachtet wird, so geht das schief – auf der ganzen Linie! Aus der Geschichte schon lässt sich das lernen.

Wie einst bei Ninive kann uns nun nur noch Umkehr und Aufbruch der Bevölkerung sowie das Erbamen Gottes mit all den Eltern, die auch heute immer noch das Beste für ihre Kinder wollen, aus dieser Fäulnis heraushelfen.

Anmerkungen:
(1) Newsletter des Vereins VFA: 2/2019
(2) Die Bibel: Jona 3,4

Unsere Autorin Christa Meves ist Psychotherapteurin für Kinder/Jugendliche und bekannte Bestseller-Autorin; sie leitet den Verein „Verantwortung für die Familie“, bei dem sich online weitere Infos und Artikel finden: http://www.vfa-ev.de/newsl.htm

 


Das Spielen eines Instruments verbessert die Hörwahrnehmung bei Kindern

Instrumentalunterricht wirkt ADHS und Legasthenie entgegen

Wie sich das frühe Erlernen eines Musikinstruments langfristig auf die Gehirnentwicklung von Kindern auswirkt, erforschen Privatdozentin Annemarie Seither-Preisler vom Institut für Psychologie der Uni Graz und Privatdozent Dr. Peter Schneider von der Neurologischen Universitätsklinik Heidelberg.

Ihre neuesten Erkenntnisse, wie man begabte Kinder noch besser fördern und andererseits Entwicklungsdefiziten entgegenwirken kann, haben die Beiden zusammen mit dem Grazer Musikologen Univ.-Prof. Dr. Richard Parncutt in der aktuellen Ausgabe des „Journal of Neuroscience“ publiziert.

Bekommen beide Ohren dieselbe Information, arbeiten die rechte und die linke Hörrinde des Gehirns bei musikalisch geübten Kindern praktisch synchron. Bei untrainierten Kindern geraten sie minimal aus dem Takt, bei Kindern mit ADHS konnten die Wissenschafter in ihrer aktuellen Studie sogar eine markante Zeitverschiebung zwischen beiden Hirnhälften feststellen.

Außerdem war bei dieser Gruppe die Ausreifung der Hörfunktionen in der Hirnrinde deutlich verlangsamt, während junge Musiker einen Entwicklungsvorsprung zeigten.

„Diese Entdeckung könnte erklären, warum auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörungen, ADHS und Lese-Rechtschreib-Schwäche häufig gemeinsam auftreten“, unterstreicht Seither-Preisler die Bedeutung der neuesten Ergebnisse.

Einige der Probleme der betroffenen Kinder dürften auf eine unzureichende Zusammenarbeit beider Hemisphären zurückzuführen sein, mit negativen Folgen für Aufmerksamkeit, rasche Sprachverarbeitung sowie die Lese-Rechtschreibfähigkeit.

„Eine musikalische Ausbildung wirkt genau diesen Defiziten entgegen“, betont Dr. Peter Schneider. Die Ergebnisse zeigen nämlich, dass Kinder, die ein Instrument lernen, besser zuhören können, aufmerksamer sind und weniger Probleme haben, Hyperaktivität und Impulsivität zu kontrollieren.

Darüber hinaus schneiden sie in Lese- und Rechtschreibtests besser ab als musikalisch ungeübte Gleichaltrige. „Es wäre daher förderlich, neue Formen von Musikerziehung für Kinder mit ADHS und Lese-Rechtschreib-Schwäche anzubieten“, raten die Wissenschafter.

Quelle (Text/Foto) und Fortsetzung des Artikels hier: https://www.klinikum.uni-heidelberg.de/pressemitteilungen.136514.0.html?ifab_modus=detail&ifab_id=5035