Kath. Theologe aus Ägypten warnt vor dem Islam und wurde ungarischer Staatsbürger

Pater Henri Boulad kritisiert kirchliche Asyl-Erklärungen

Der ägyptische Theologe und Jesuitenpater Henri Boulad hat aus Sympathie für die einwanderungskritische Politik von Präsident Viktor Orbán die ungarische Staatsbürgerschaft angenommen.

Prinzipiell sei eine Unterstützung von Flüchtlingen und Armen „richtig“, aber „ein wenig klarer Kopf würde dabei auch gut tun“, sagte der 85-jährige Geistliche in einem Interview mit der ungarischen Wochenzeitung „Heti Valasz“, dessen Wortlaut das österreichische Magazin „Kirche In“ auf Deutsch veröffentlichte. Die Aufnahmefähigkeit Europas habe „ihre Grenzen“.

Der langjährige ägyptische Jesuiten-Provinzial und Direktor des „Jesuit Cultural Center“ in Alexandria kritisierte eine „bedingungslose Zuwanderung“ und warnte vor einer künftigen muslimischen Bevölkerungsmehrheit in Europa. Er „bewundere“ Papst Franziskus, sei aber mit ihm in der Frage der Migration und des Islam „nicht einverstanden“.

Zurückhaltend bewertet der ehem. Caritas-Chef für Ägypten, der von 1991 bis 1995 Vize-Vorsitzender von „Caritas Internationalis“ für Nordafrika und den Nahen Osten war, die Flüchtlingshilfe der katholischen Kirche. Der Ordensmann erklärte: „Ich meine, dass der Westen und der Papst die wahre Natur des Islam nicht kennen.“

Nach dem Selbstverständnis des Islam sei „ein friedliches Zusammenleben auf längere Zeit unmöglich, oder nur unter der Bedingung, dass sich die Christen als zweitrangige Bürger zufrieden geben.“

Maßgebliche Politiker in Europa, aber auch die katholische Kirche unterschätzen aus seiner Sicht die von den beherrschenden Strömungen Islam ausgehende Gefahr. Politische Korrektheit, so der Jesuitenpater, „demoliert den Westen: sie macht es unmöglich, dass wir die wirkliche Gefahr des Islam begreifen“.

Quelle und Fortsetzung der Meldung hier: http://de.radiovaticana.va/news/2017/05/12/%C3%A4gypten_jesuit_wird_ungar_wegen_orbans_migrationspolitik/1311701


Bischof Damian begrüßt die weiteren koptisch-katholischen Annäherungen

Pressemitteilung des Koptischen Bischofs für Deutschland, Anbe Damian:

Bei der ersten Auslandsreise des koptisch-orthodoxen Patriarchen Papst Tawadros II. im Mai 2013, unmittelbar nach seiner Amtsübernahme als Oberhaupt der koptisch-orthodoxen Kirche und als Nachfolger des Heiligen Evangelisten Markus, besuchte er das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche Papst Franziskus im Vatikan. Diese Begegnung war voller christlicher Liebe, Vertrauen, gegenseitigem Respekt und Anerkennung.

Papst Tawadros II. sprach überzeugend davon, dass Seine Heiligkeit Papst Franziskus von den Gnaden des Heiligen Geistes erfüllt sei. Im Herzen und in Taten fing er an, mit Ernsthaftigkeit die restlichen vorhandenen Barrieren zwischen den Schwesterkirchen abzubauen, in der koptischen Heiligen Synode dies zu thematisieren, zu diskutieren und zu behandeln. Ebenfalls offenbarte er seine ernsthaften Absichten, die großen Christus-Feste, gemeinsam mit der katholischen Kirche am selben Tag zu feiern.

Seine Heiligkeit Papst Tawadros II. entsprach damit meinem Herzenswunsch, dass möglichst bald die volle Gemeinschaft der beiden Schwesterkirchen realisiert werden kann.

Fortschritte in der gegenseitigen Tauf-Anerkennung

Der Gegenbesuch Seiner Heiligkeit Papst Franziskus in Ägypten am 28./29.04.2017 hat enorme politische, pastorale und ökumenische Auswirkungen zur Folge. Er war für das ganze Land Ägypten im Allgemeinen und für die koptische Kirche in besonderer Weise, ein Segen, eine Ehre und eine Freude. Die Energie und die Herzlichkeit der beiden brüderlichen Päpste haben dazu motiviert, die zügige Unterzeichnung der gegenseitigen Taufanerkennung vorzunehmen.

Seit vielen Jahren, auf Anweisungen Seiner Heiligkeiten Papst Kyrillos VI., Papst Shenouda III. sowie Papst Tawadros II. werden keine katholischen Taufen wiederholt, wenn Katholiken in die koptische Kirche aufgenommen werden wollen, z.B. durch Eheschließungen.

Jedoch ist es erforderlich, die koptische heilige Synode als die höchste Autorität unter der Leitung Seiner Heiligkeit Papst Tawadros II. bei einer bilateralen Vereinbarung miteinzubeziehen, ebenfalls ist es angebracht, die anderen altorientalisch-orthodoxen Schwesterkirchen, d.h. die syrische, armenisch-apostolische, äthiopische, eritreische und die indisch-orthodoxe Kirche in diesem Anliegen zu konsultieren.

Wir begrüßen die Herzlichkeit und die Liebe sowie das Vertrauen und die gegenseitige Anerkennung der beiden Schwesterkirchen von Rom und Alexandria durch die bereits vollzogenen christologischen Vereinbarungen (12.2.1988) und erinnern an die Zeit der vollständigen Einheit bis zum Jahr 451 n.Chr. Dies ist unser gemeinsames Ziel für die Kirche unseres Herrn Jesus Christus.

Dabei darf zu keinem Zeitpunkt die eigene Identität und Tradition aufgegeben werden, die das Blut unserer Märtyrer gekostet hat. Wir wünschen daher eine Gemeinschaft in der gewachsenen Vielfalt.

Wir ermutigen unseren Papst Tawadros II., weiterhin zielstrebig zu sein und seine Energie einzusetzen, für die vollständige Einheit der Schwesterkirchen im Sinne der Heiligen Schrift und der Überlieferung unserer Heiligen Väter, unter Mitwirkung und Zustimmung der ehrwürdigen, heiligen, koptischen Synode unter seiner Leitung.

Ich wende mich daher an meine hochverehrten Metropoliten und Bischöfe, sowie dem koptisch-orthodoxen Klerus sowohl in Ägypten als auch im Ausland, die Einheit unserer koptisch-orthodoxen Kirche zu stärken und unserem Oberhaupt Papst Tawadros II., Vertrauen, Respekt, Loyalität und Anerkennung bei seinem Leitungsdienst zu gewährleisten.

Möge unser Gott, Herr und Erlöser Jesus Christus die Kraft und die Freude seiner glorreichen Auferstehung allen Beteiligten schenken.

 

 

 


IGFM appelliert an den Papst: Bei Ägyptenreise Kopten-Diskriminierung ansprechen

Papst Franziskus soll bei seinem Besuch in Ägypten seinen Einfluss nutzen und sich für die Freiheit und Gleichberechtigung aller Ägypter einsetzen. Dazu ruft die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) auf.

„Franziskus kennt die Schrecken der Militärdiktatur aus seiner Heimat Argentinien – wer könnte stärker als Franziskus dazu berufen sein, sich für die Freiheit und gegen Willkür und Folter einzusetzen als er?“, appelliert IGFM-Vorstandssprecher Martin Lessenthin.

Die ägyptische Wirtschaft ist in erheblichem Maß auf christliche Touristen angewiesen. Der Papstbesuch sei vor diesem Hintergrund auch ein „Geschenk an die ägyptische Regierung“. Franziskus habe dadurch einen erheblichen Spielraum. „Diese Chance darf nicht ungenutzt verstreichen!“, appelliert die IGFM.

„Der Papst soll die Demokratieaktivisten nicht links liegen lassen. Er ist frei von den Zwängen, denen die deutsche Kanzlerin ausgesetzt ist“, unterstreicht Lessenthin. Angela Merkel war bei ihrem Ägyptenbesuch im März dafür kritisiert worden, dass sie der Regierung bescheinigt habe, dass die Christen angeblich „eine sehr gute Situation für die Ausübung ihrer Religion“ hätten.

Ägypten ist die Heimat der Kopten, der größten christlichen Gemeinschaft des Nahen Ostens. Das Staatsoberhaupt, der frühere Feldmarschall Abdel Fattah al-Sisi, ist seit seiner Machtübernahme im Jahr 2014 durch viel beachtete symbolische Gesten auf die Kopten zugegangen. An den Grundproblemen der christlichen Minderheit hat sich nach Beobachtung der IGFM aber wenig geändert. Im Bildungssystem, im öffentlichen Sektor und in weiten Teilen der Gesellschaft gebe es eine drückende Diskriminierung und viele Vorbehalte.

Der Grund für die Probleme der Kopten ist nach Auffassung der IGFM aber keineswegs eine aktive Politik der Regierung, um die christlichen Minderheit zu diskriminieren. Die Ursache liege vielmehr in einem immer stärker werdenden islamischen Fundamentalismus, den die Regierung ignoriere.

Das extreme Gedankengut sei der Nährboden, auf dem der islamische Extremismus immer stärker werde. Das Regime bekämpfe jedoch ausschließlich die politischen Strömungen des Islamismus, die eine aktuelle Bedrohung der Macht des Militärs darstellen. Das sind vor allem die Muslimbrüder. Unpolitische, aber viel radikalere Gruppen als die Muslimbrüder verbreiten derweil mit Erfolg ihr menschenrechtsfeindliches Weltbild. Sie säen Hass gegen Andersgläubige und alle, die für Demokratie einträten, kritisiert die IGFM.

Weitere Infos: http://www.igfm.de/Ägypten


Unionsfraktion mahnt: Kirchen sollen zu Ostern an verfolgte Christen erinnern

Für gläubige Christen in aller Welt ist das Osterfest einer der höchsten kirchlichen Feiertage.

Hierzu erklären der kirchen- und religionspolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Dr. Franz Josef Jung, und der Vorsitzende des Stephanuskreises, Heribert Hirte:

Dr. Franz Josef Jung: „Die fürchterlichen Anschlägen auf koptische Christen in Ägypten in der heiligen Woche vor Ostern zeigen einmal mehr, wie sehr das Recht auf Religionsfreiheit weltweit bedroht ist. Anschläge auf Angehörige egal welcher Religion sind feige Taten gegen die Menschlichkeit und gegen unsere Freiheit.

Feiertage wie Ostern gehören zum Fundament christlicher Kultur. Wenn dieses verletzt wird, verletzt man alle Christen weltweit. Es wäre zu wünschen, dass die Kirchen in Deutschland ein Zeichen der Solidarität setzten und in ihren österlichen Fürbitten an bedrängte und verfolgte Christen weltweit erinnerten.

Wir fühlen in diesen Tagen mit den Kopten, den Angehörigen der Opfer und allen Menschen in Ägypten, die sich gegen religiösen Terrorismus stellen. Es ist wichtig, dass die Regierungen der betroffenen Länder begreifen, dass die Religionsfreiheit ein Schlüssel für ein friedliches Zusammenleben ist und entsprechende Signale in die Bevölkerung senden. Es ist daher richtig, gemeinsam konsequent gegen Extremisten vorzugehen. Der Papst-Besuch Ende April in Ägypten wird angesichts der Anschläge nun eine besonders vielsagende Bedeutung erhalten.“

Heribert Hirte: „Wir stehen fest an der Seite unserer Glaubensbrüder und -schwestern, die in diesen Tagen nicht ohne Angst in eine Kirche gehen können und sich nicht trauen, ihre Freude über die Auferstehung Jesu Christi auf offener Straße zu zeigen. Das geht nicht nur koptischen Christen in Ägypten so, sondern vielen, die in ihrer Heimat einer religiösen Minderheit angehören.

Zum einen stehen die staatlichen Einrichtungen in der Verantwortung, diesen Gläubigen mehr Sicherheit zu bieten. Zum anderen muss die Bevölkerung in diesen Staaten noch stärker für das Menschenrecht der Religionsfreiheit sensibilisiert werden. Das gilt vor allem für die junge Generation im Nahen Osten, die unter dem Eindruck des islamistischen Terrors steht, der zwischen Christen und Muslimen einen tiefen Graben zieht.

Wir müssen dem gezielt mit interreligiösen Bildungsprogrammen entgegenwirken. Das gilt im Übrigen auch für Deutschland: Sowohl junge Muslime, als auch Deutsche müssen akzeptieren, dass in einem freien demokratischen Land wie unserem Platz für mehrere Glaubensüberzeugungen ist.“

Gemälde: Evita Gründler


Blutiger Palmsonntag für Kopten in Ägypten

Zu Beginn der Karwoche fanden am Palmsonntag zwei Gottesdienste in den beiden nordägyptischen Städten Tanta und Alexandria ein jähes Ende. Sprengsätze rissen jüngsten Meldungen zufolge über 40 Menschen in den Tod.

Die Anschläge reihen sich ein in eine Serie tödlicher Angriffe auf Christen in dem Land am Nil. Am 20. Februar hatte der IS in einem Video alle ägyptischen Christen als „Ungläubige“ bezeichnet, die sterben müssten. „Kairo wird befreit werden“, hieß es dort unter anderem.

Im Januar und Februar wurden auf dem Nord-Sinai sieben Christen kaltblütig in ihren Wohnungen ermordet. Wegen der Zunahme der Gewalt und der Ankündigung weiterer Bluttaten auf dem Nordsinai flohen fast alle Christen aus der Stadt Al Arish.

Nach Einschätzung des christlichen Hilfswerks Open Doors sollen Anschläge wie am Palmsonntag die Christen in Angst und Schrecken versetzen und womöglich gewaltsame Gegenreaktionen provozieren. Doch trotz des großen Leids, das die ägyptischen Christen immer wieder erleben, reagieren sie nicht mit Hass und Gewalt.

Stattdessen setzten sie nach dem letzten Attentat auf eine Kairoer Kirche am 11. Dezember 2016 (29 Tote) ein besonders Zeichen: „Heute Nacht haben wir in unserer Kirche für die gebetet, die die Bombe in der Kirche versteckt haben. Wir Christen in Ägypten beten für unsere Verfolger, damit sie Christus kennen lernen.“

Quelle: Das überkonfessionelle christliche Hilfswerk Open Doors


Ökumenische Pilgerreise mit Bischof Damian zur Koptischen Kirche in Ägypten

Von Christian Hohmann

„Einfachheit und Schönheit gehen gut zusammen“, betont Bischof Anba Thomas, als er uns durch das Anaphora-Zentrum der Koptischen Kirche führt. Es liegt an der Autobahn, die von Kairo nach Alexandrien führt und in unmittelbarer Nähe zum Wadi Natrun mit seinen berühmten Wüstenklöstern liegt.

Anaphora besticht durch seine Einfachheit und Schönheit. Eine blühende Oase und ein Tagungszentrum mitten in der Wüste. Neben einem Bibeldorf und einem Zentrum für traumatisierte Mädchen und junge Frauen  gibt es hier ein berufsbildendes Ausbildungszentrum und Öko-Landwirtschaft. Freiwillige aus der ganzen Welt arbeiten hier mit Menschen zusammen, die aus der ärmsten Region Ägyptens, aus Oberägypten, stammen.

Dort liegt das Bistum von Bischof Thomas. Es sind vor allem junge Frauen und einige Männer, die hier eine Ausbildung absolvieren, um dadurch ihren Familien helfen zu können.

„Hinter jedem Mädchen steht eine Geschichte“, sagt Bischof Thomas leise und fährt fort: „In jedem Menschen sollten wir Gottes Schönheit entdecken und mit diesem Bewusstsein andere Menschen aufrichten. Wir bilden auch Führungskräfte aus, um unsere Gesellschaft zu verändern.“

Ägypten leidet unter Armut, Analphabetismus und unter einer hohen Arbeitslosigkeit, wozu auch der deutliche Einbruch des Tourismus beigetragen hat. Die zahlreichen und großzügig angelegten Ferienanlagen am Golf von Suez, die wir auf dem Weg zum St. Pauluskloster sehen, stehen weithin leer. Trotzdem wird eifrig weitergebaut in der Hoffnung, demnächst Touristen aus China und aus Russland zu gewinnen.

Das St. Paulus-Kloster am Roten Meer gilt als das älteste christliche Kloster überhaupt und geht zurück auf Paulus von Theben, der als erster Wüsten-Eremit im 4. Jahrhundert hier 90 Jahre lang gelebt hat und im Pauluskloster auch begraben ist.

Hier feiern wir – eine ökumenische Pilgergruppe – zusammen mit Bischof Anba Damian einen koptischen Gottesdienst in einer der vier alten Kirchen des Klosters. Sehr herzlich werden wir vom Abt des Klosters, Bischof Anba Daniel, zu einem einfachen Mittagessen in ein Pilgerhaus auf dem Klostergelände eingeladen.

Zur Zeit ist Fastenzeit. Daher ist es eine große Ausnahme, dass wir als Pilgergruppe im Kloster nicht nur begrüßt, sondern auch bewirtet werden. Bischof Daniel beherbergt in diesem Pilgerzentrum vor allem ältere Menschen und Menschen mit wenig Einkommen, um ihnen eine Möglichkeit zu bieten, Erholung und seelische Stärkung zu finden.

„Unsere Klöster sind die Lunge der koptischen Kirche“, betont Bischof Damian. Sie sind geistliche Zentren, die nicht nur von Pilgergruppen regelmäßig aufgesucht werden, sondern in den letzten Jahren einen enormen Zulauf zu verzeichnen haben.

In den vier Klöstern im Wadi Natrun gibt es jeweils mehr als 100 Mönche. In der Regel müssen die Mönche, bevor sie überhaupt ins Kloster eintreten können, einen Beruf erlernt oder ein Studium abgeschlossen haben.

In der Nähe des Paulus-Klosters befindet sich das Antonius-Kloster, das älteste dauerhaft bewohnte christlichen Kloster – ebenfalls aus dem 4. Jahrhundert. Dort zeigt uns Bischof Anba Youstos, der als Abt dem Antoniuskloster vorsteht, eine große Solaranlage außerhalb der Klostermauern. Damit können sie zwei Drittel des Energiebedarfes im Kloster decken. Eine Wasserquelle innerhalb der Klosteranlage trägt dazu bei, dass die Mönche ihren täglichen Bedarf an Trinkwasser zur Verfügung haben und nur wenig Wasser zusätzlich mit Hilfe von Tankwagen für die Bewässerung im Bereich der klostereigenen Landwirtschaft heranholen müssen.

Ohne Sicherheitsbegleitung ist eine solche Pilgerreise zur Koptisch-Orthodoxen Kirche in Ägypten zur Zeit noch nicht möglich. Auf dem Weg zurück nach Kairo werden wir von zwei Sicherheitsfahrzeugen begleitet.

Im koptischen Viertel von Kairo (Alt-Kairo) empfangen uns die Schwestern des St. Georgs-Klosters mit Obst und Gebäck. Jede Woche versorgen sie Menschen, die unter Armut leiden, mit Kleidung, Essen und medizinischer Hilfe. Ihr Kloster untersteht direkt der Aufsicht des koptischen Patriarchen, Papst Tawadros II., der seinen Sitz gegenüber der St. Markus-Kathedrale in Kairo hat.

Ein besonderer Moment ist die Audienz bei Papst Tawadros. Das Gruppenbild für die Pressestelle des Patriarchats arrangiert der Papst selber. Unserer Gruppe gegenüber betont er das ökumenische Miteinander der Christen heute. Dass während unseres Aufenthalts koptische Christen, darunter auch ein Priester und Kinder auf der Sinaihalbinsel von IS-Terroristen ermordet worden sind, erwähnt er nicht.

Wie bedroht koptische Christen in Ägypten sind, sehen wir in der Kirche St. Peter und Paul, die sich direkt neben der St. Markus-Kathedrale befindet. Die heftigen Auswirkungen des Anschlags vom 11. Dezember 2016 sind noch zu sehen. Neue Holztüren wurden inzwischen eingesetzt, auch das Dach, das durch die Druckwelle nach oben weg geflogen war, ist erneuert worden. Damals starben 29 Menschen durch die Tat dieses Selbstmordattentäters.

Wir erfahren, dass er sich einen Tag zuvor erkundigt hatte, wann in der St. Georgs-Kirche Gottesdienst gefeiert wird mit dem Hinweis darauf, dass er am Christentum interessiert sei. Gemeinsam beten wir für die Opfer und ihre Angehörigen und für die große Zahl der verletzten Menschen. Doch die sich derzeit vollziehende Flucht koptischer Christen aus dem Sinai zeigt, dass die Lage für die Christen in Ägypten sehr  besorgniserregend ist und sie immer wieder bedroht werden.

Christian Hohmann ist Regionalpfarrer des Amtes für Mission, Ökumene und kirchliche Weltverantwortung (MÖWe

Foto: C. Hohmann  –  Gemälde: Evita Gründler


IGFM: Die Kanzlerin soll sich für inhaftierte Bürgerrechtler in Ägypten einsetzen

Bundeskanzlerin Angela Merkel soll bei ihrem Staatsbesuch in Ägypten Menschenrechtsverletzungen und die Lage der Minderheiten ansprechen und sich für die Freilassung von Demokratie-Aktivisten einsetzen.  IGFM_Logo_blau_R32 G90 B165

Dazu ruft die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) auf. Die IGFM kritisiert, dass die ägyptische Regierung die Ursachen des Terrors vollständig ignoriere. Selbst in staatlichen Institutionen wie der weltberühmten Al-Azhar Universität könnten Scharfmacher ungehindert Menschenrechtsverletzungen an Andersgläubigen und Frauen propagieren.

Außerdem treibe die Regierung durch willkürliche Massenverhaftungen und Folter selbst völlig Unbeteiligte in die Arme der Islamisten, erklärt die IGFM.

Gewaltbereite Islamisten haben seit der Machtergreifung des Militärs am 3. Juli 2013 in Ägypten Duzende Anschläge verübt. Hunderte Menschen verloren ihr Leben.

„Die Regierung antwortet auf diese Herausforderungen ausschließlich mit Massenverhaftungen, systematischer Folter und militärischer Gewalt. Eine inhaltliche Auseinandersetzung mit den Islamisten fehlt völlig“, kritisiert IGFM-Vorstandssprecher Martin Lessenthin (siehe Foto). Die Probleme verschärften sich zusehends.

Willkür und Folter führen zu RadikalisierungLessenthin-Martin-IGFM-100

Folter und Indoktrination in den Gefängnissen mache aus Häftlingen und deren Angehörigen extremistische Feinde der Demokratie. Als Beispiel verwies die IGFM auf den Selbstmordattentäter vom 11. Dezember 2016, der sich im Herzen Kairos in der koptischen St.-Peter-und-Paul-Kirche in die Luft sprengte. Er ermordete 29 Menschen – überwiegend Frauen und Kinder – und verletzte über 40 weitere, zum Teil schwer. Ursprünglich hatte der Attentäter keinerlei Nähe zum radikalen Islam.

Der damals 19-jährige Mahmoud Shafiq geriet 2013 zufällig in die Nähe einer Demonstration von Muslimbrüdern. Die Polizei verhaftete ihn wahllos. Obwohl die Behörden rasch überzeugt waren, dass Mahmoud kein Mitglied der Muslimbrüder war, ließen sie ihn ein Jahr lang zur Abschreckung in „Präventivhaft“.

Wie tausende andere Häftlinge folterte ihn erst die Polizei und dann das Gefängnispersonal. Bei seiner Freilassung war der junge Mann nicht mehr derselbe. Was die Ideologie der Islamisten vorher nicht geschafft hatte, erreichten Willkür und Folter des ägyptischen „Sicherheits“-Apparates, beklagt die IGFM.

Die wichtigste Ursache des Terrors in Ägypten wird nach Auffassung der IGFM von der Regierung vollständig geleugnet: Es ist der islamische Fundamentalismus. Das Regime bekämpfe ausschließlich die politischen Strömungen des Islamismus, die eine direkte Bedrohung der Macht des Militärs darstellen. Das sind vor allem die Muslimbrüder. Den religiösen Fundamentalismus ignoriere die ägyptische Regierung dagegen, so die IGFM. csm_igfm_poster_art-09_6946dac2d0

So könnten Salafisten unbehelligt vom Staat für Menschenrechtsverletzungen an Frauen und für die Diskriminierung koptischer Christen werben. Sie weigere sich überhaupt anzuerkennen, dass der Terror eine religiöse Komponente hat. Unpolitische aber viel radikalere Gruppen als die Muslimbrüder verbreiten derweil mit Erfolg ihr fundamentalistisches Weltbild.

Exodus von Christen aus dem Sinai

Die Übergriffe auf religiöse Minderheiten verschärfen sich mit großer Dynamik. Islamisten versuchen, die muslimische Bevölkerungsmehrheit gegen die Christen aufzubringen.

Erst am 19. Februar hat die Terrorgruppe „Islamischer Staat Ägypten“ ein Hetz- und Drohvideo veröffentlicht, das den Christen Ägyptens den Krieg erklärt [siehe Medieninfo der IGFM vom 22. Februar 2017]. Vom 23. bis zum 26. Februar 2017 flohen hunderte Kopten aus dem Sinai über den Suezkanal, vor allem in die Stadt Ismailia, die direkt auf der Westseite des Kanals liegt. Etwa 300 Menschen kamen vorläufig auf einem kirchlichen Gelände und in einer Jugendherberge unter.

Präsident al-Sisi ordnete Unterstützung für die Flüchtlinge und Hilfe bei der Umsiedlung an. Schon zuvor hatte eine unbekannte Zahl von Christen aus Angst um ihr Leben den Norden des Sinai verlassen. Viele waren aber geblieben, weil sie nicht wussten, wohin sie fliehen könnten. islam

Der Auslöser für die Massenflucht waren weitere Morde des IS am 23. Februar 2017. Einem 50 und einem 65 Jahre alten Kopten schossen Islamisten vor den Augen ihrer Angehörigen in den Kopf. Einen 45-jährigen Christen entführte der „Islamische Staat“ und verbrannte ihn lebendig.

Die IGFM bittet die Bundeskanzlerin, sich für die Freilassung inhaftierter Bürgerrechtler einzusetzen. Die in Frankfurt ansässige Menschenrechtsgesellschaft weist insbesondere auf drei Gefangene hin:

Aya Hegazy: Die ägyptisch-amerikanische Journalistin gründete eine Organisation mit dem Namen „Belady“, welche sich dafür einsetzt, Straßenkindern zu helfen. Seit Mai 2014 sitzt sie in Kairo im Gefängnis. Sie hatte die ägyptische Regierung scharf kritisiert, weil diese die Probleme von Straßenkindern weitgehend ignoriere. Die Behörden warfen Hegazy daraufhin vor, eine Organisation mit dem Zweck des Menschenhandels und sexueller Ausbeutung von Kindern betrieben zu haben. Ihr Mann und zwei ihrer Kollegen befinden sich mit ihr in Haft.

Alaa Abdel Fattah: Seit der Revolution in Ägypten 2011 kämpft er für Frieden und soziale Gerechtigkeit. Seit 2011 war er bereits mehrfach unter verschiedenen Führern des ägyptischen Regimes inhaftiert. Momentan verbüßt er eine fünfjährige Gefängnisstrafe nach einem Prozess, der von internationalen Beobachtern als unfair erachtet wurde.

Ismail Al-Iskandarani: Der ägyptische Journalist wurde am 29. November 2015 auf einer Reise von Deutschland zurück nach Ägypten am Flughafen mehrere Stunden von den Behörden festgehalten. Nach Durchsuchung seines Laptops und Sichtung einiger von ihm verfasster Artikel über das Sinai-Gebiet und andere politische Themen wurde er einer Befragung unterzogen. Unter dem Vorwand mit der Muslimbruderschaft zu sympathisieren sitzt er bereits seit über einem Jahr in Haft.

Weitere Infos: www.igfm.de/Ägypten