David Berger verteidigt die Meinungsfreiheit seines Kontrahenten Akif Pirinçci

Homosexueller Publizist beklagt „Rückfall in die Barbarei“

Akif Pirinçcis Ausdrucksweise ist bekanntlich alles andere als stubenrein  – und seine ständige Provokationssucht ist ebenfalls nichts Neues. Der Schriftsteller türkischer Herkunft ist wegen seiner Rede bei einem PEGIDA-Aufritt (wofür er dort übrigens Protest und Pfiffe erntete) in die Schlagzeilen geraten. Pegida_slide

Bei bei aller berechtigten Kritik an seinen zum Teil oberschrägen Auslassungen hat auch dieser Autor wie jeder Mensch einen Anspruch auf Fairneß. Genau diese wurde aber z.B. durch eine gezielte Fehldeutung seiner (zweifellos dennoch unsinnigen) Äußerungen mit Füßen getreten, auch im Wochenmagazin „Der Spiegel“. (Näheres dazu berichtet Dr. Josef Bordat: https://charismatismus.wordpress.com/2015/10/21/der-spiegel-und-seine-missdeutung-der-kz-aeusserung-von-akif-pirincci/

Ebenso verachtet wird in dieser Causa derzeit das Recht auf freie Meinungsäußerung, das gerade dann Geltung haben muß, wenn jemand sich jenseits des üblichen Meinungsklimas artikuliert. Für angepaßte Sprüche ist kein entsprechendes „Recht“ nötig. Wo bleibt jedoch der Anspruch auf Meinungsfreiheit, wenn Buchhändler nicht nur zum Boykott, sondern sogar zum Verschredern von unliebsamen Werken auffordern?!

Akif Pirinçci hat sich auch gegenüber Schwulen bereits sehr scharf ausgelassen; sein neues Buch von der „großen Verschwulung“ verheißt nichts Besseres. Sachkritik an bestimmten Forderungen des homosexuellen Spektrums (etwa hinsichtlich der „Homo-Ehe/-Adoption“) sieht anders aus. Zwischen Kritik, auch harter Sachkritik einerseits und persönlichen Attacken besteht ein himmelweiter Unterschied.
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Auch der homosexuelle Autor und Philosoph Dr. David Berger (siehe Foto) bekam Pirinçcis Polemik bereits zu spüren. Gleichwohl verteidigt Berger jetzt auf der Webseite „Telepolis“ den derzeit von vielen Seiten hart attackierten deutsch-türkischen Schriftsteller – natürlich nicht dessen Ansichten, aber dessen Recht auf Meinungsfreiheit. 

Groß- und Kleinbuchhändler contra Pressefreiheit

In einem Artikel vom 26. Oktober schreibt Dr. Berger:

„Was ich allerdings im Hinblick auf die Meinungs- und Pressefreiheit noch tausendmal unerträglicher finde als die verunglückten Aussagen Pirinçcis ist der derzeitige Umgang der selbst ernannten Hüter der politischen Korrektheit mit seinen Büchern aus der Vergangenheit, besonders aber der Buchgroßhändler mit seiner aktuellen Neuerscheinung „Die große Verschwulung“.

Da gingen nicht nur kleinere Buchhändler aus dem Land der Dichter und Denker am vergangenen Wochenende durch die Presse, die allen Ernstes ein öffentliches Schreddern der Bücher Pirinçcis veranstalten wollten.

Jetzt haben auch die drei wichtigsten Buchgroßhändler Libri, Umbreit und KNV sein neues Buch über den Zustand der bislang noch nicht unter Naturschutz stehenden Homo-Szene aus dem Programm genommen. Auch Amazon und die Buchketten Thalia und Mayersche haben angekündigt, dass das Buch bei ihnen nicht kaufbar sein wird. Mit dieser groß angelegten Blockade wird es dem Endkonsumenten schlicht nahezu unmöglich gemacht, sich dieses Buch zu kaufen und sich selbst ein Bild davon zu machen.

Sogar die Inquisition ging differenzierter vor

Damit erleben wir derzeit einen in Deutschland nach 1945 nie gekannten Vorfall. So schnell kann man gar nicht schauen, wie Deutschlands wichtigste Buchhändler in voraufklärerische Verdammungspraktiken zurückfallen. picture-45

Selbst die katholische Inquisition hat es sich immer zur Devise gemacht, klar zwischen einem konkreten Werk und den anderen Äußerungen des Autors zu unterscheiden. Ob ein Werk auf den „Index der Verbotenen Bücher“ kam, durfte nur von dem abhängig gemacht werden, was in diesem konkreten Buch stand.“

Abschließend beklagt Berger einen „Rückfall in die voraufklärerische Barbarei von Bücherindex und Zensur“.  –  Er wird sogar noch deutlicher: 

„Im Namen der Verteidigung der politischen Korrektheit, stößt man – überheblich lächelnd und sich dabei auch noch lobwürdig glaubend – der Freiheit ein Messer in den Rücken.“

Der Publizist ruft jenen politisch überkorrekten Buchhändlern schließlich zu: „Ihr streicht von Eurem Programm die „große Verschwulung“ und zelebriert ganz offen die totalitäre Verdummung! Schämt Euch!“

Das ist exakt der springende Punkt: Es gibt hierzulande mitunter einen geradezu totalitären Eifer im Kampf gegen (angebliche oder tatsächliche) „Diskriminierung“. Meist bleibt neben der Meinungsfreiheit auch die einfachste Fairneß auf der Strecke. Umso besser, daß Dr. Berger so glasklar gegen eine diese intolerante Gleichschaltung Position bezieht.

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Der „Spiegel“ und seine Mißdeutung der KZ-Äußerung von Akif Pirinçci

Von Dr. Josef Bordat

Akif Pirinçci hat auf einer Pegida-Veranstaltung in Dresden eine Rede gehalten, in der er offenbar  –  ich habe sie nicht gehört und werde das auch nicht tun  –  eine Äußerung getan, in der von KZs die Rede ist. Das lässt aufhorchen. Auch mich. 038_35

Im Spiegel erfahre ich, er habe KZs für Politiker gefordert: “Es gäbe natürlich auch andere Alternativen, mit Politikern umzugehen, die bereit sind Flüchtlinge aufzunehmen, deutete er an. ‘Aber die KZs sind ja leider derzeit außer Betrieb’”.

Ich denke, das ist eine Fehldeutung der Äußerung, die ich mir dann doch mal  –  neugierig wie ich bin  –  durchgelesen habe. Akif Pirinçci berichtet über einen Fall, in dem ein Politiker einem Flüchtlingsgegner die Ausreise aus Deutschland empfohlen habe.

Was Pirinçci tatsächlich geäußert hat

Er sagt dann: “Offenkundig scheint man bei der Macht die Angst und den Respekt vor dem eigenen Volk so restlos abgelegt zu haben, dass man ihm schulterzuckend die Ausreise empfehlen kann, wenn er gefälligst nicht pariert. Es gäbe natürlich auch andere Alternativen. Aber die KZs sind ja leider derzeit außer Betrieb.” (Die Transkription fand ich im Focus.)

Akif Pirinçci meint, wenn ich ihn richtig verstehe, die Bundesrepublik befände sich heute in einer ähnlichen Situation wie Nazi-Deutschland in den 1930ern, als die “Macht” Juden zur Ausreise anhielt, ehe dann die Vernichtungslager im besetzten Osten Europas errichtet wurden. Er meint offenbar, die “Macht” richte sich heute gegen Flüchtlingsgegner und er unterstellt der “Macht”, zu einer ähnlichen Eskalation willens, aber eben “derzeit” noch nicht bereit zu sein. Akif Pirinçci hält seinen historischen Vergleich konsequent durch.

Er fordert nicht KZs, sondern unterstellt dies der „Macht“

Das ist konsequent unangemessen, konsequent falsch, konsequent irre, aber Akif Pirinçci fordert für Niemanden KZ-Haft, sondern unterstellt der “Macht”, eben diese KZ-Haft Flüchtlingsgegner künftig antun zu wollen, sobald dies eben wieder möglich sein werde. Das “leider” schiebt er dabei dem Denken der “Macht” unter, ohne sich das Bedauern zu eigen zu machen.

Im Gegenteil: Es handelt sich um die Unterstellung einer zynischen Haltung der “Macht”, die Akif Pirinçci – als Flüchtlingsgegner und insoweit potentielles Opfer – ausdrücklich ablehnt (die – bei Lichte betrachtet – aber auch völlig aus der Luft gegriffen ist).

Also: Akif Pirinçci fordert keine KZ-Haft für Politiker, sondern unterstellt ihnen, die momentane Unmöglichkeit einer solchen für Flüchtlingsgegner zu bedauern und zukünftig diesbezüglich Abhilfe schaffen zu wollen. Was jetzt moralisch verwerflicher und strafrechtlich einschlägiger ist, kann ich nicht sagen. Ich halte beides für eine unsinnige Entgleisung.

Aber auch Menschen, die eine Menge Unsinn erzählen, haben das Recht, fair behandelt zu werden. Insbesondere gehört zur fairen Behandlung die genaue Bestimmung von Art und Umfang des Unsinns. Auch, wenn es ins schier Unermessliche geht.

Quelle: https://jobo72.wordpress.com/2015/10/20/akif-pirinccis-kz-aeusserung/