P. Lothar Groppe über das Fronleichnamsfest: „Unsere Zeit braucht Bekenner“

Die konservative Wochenzeitung „Junge Freiheit“ ist dem Christentum grundsätzlich wohlgesonnen, vor allem der katholischen Kirche.

Allerdings gilt das weniger für den dort schreibenden Kolumnisten „Pankraz“, der insofern deutlich aus dem Rahmen fällt, auch mit seiner unqualifizierten Attacke auf das Fronleichnamsfest, in der JF veröffentlicht unter dem bezeichnenden Titel: „Pankraz, T. von Aquin und die frommen Kannibalen“ vom 31.5.2013.

P. Lothar Groppe

P. Lothar Groppe

Der bekannte Publizist Lothar Groppe SJ (siehe Foto) wandte sich per Leserbrief an die „Junge Freiheit“ und protestierte gegen die antikatholischen Verunglimpfungen des „Pankraz“; die Zuschrift wurde dort leicht gekürzt abgedruckt.

Wir veröffentlichen hier nun den vollständigen Text des Jesuitenpaters: 

„Welcher Teufel hat Pankraz geritten, gegen das Fronleichnamsfest zu polemisieren? Bei den „frommen Kannibalen“  hat er  – hoffentlich nur unbewußt  –  bei Herrn Hitler Anleihe bezogen, der in  seinen „Tischgesprächen“ gegen die grauenhafte christliche Religion wetterte,  „die ihren eigenen Gott auffrißt“.

„Kein richtiges Fest, sondern ein Unfest“?  – Nach Pankraz stiftet es “keinen Frieden, sondern eher Unfrieden und zwar völlig überflüssiger Weise. Seine Wurzeln sind dubios, seine Rituale verworren und aggressiv nach innen wie nach außen.“

Was er über das Fest zu berichten weiß, offenbart seine profunde theologische Unkenntnis. Wenn „kein Historiker weiß, was den Anstoß dazu gab“, widerspricht er sich selber im nächsten Satz, in dem er Thomas von Aquin und Papst Urban IV. zitiert, die sich für die Einführung des Fronleichnamsfestes einsetzten.

Pankraz nennt Thomas von Aquin einen „bequemen Herrn, der üppige Festmähler liebte.“  –  Ein Blick in eine Lexikon hätte ihn vor dieser peinlichen Charakterisierung bewahrt. Im Dominikanerorden galt vom Fest Kreuzerhöhung am 14. September bis einschließlich Karsamstag, ausgenommen Sonn- und Festtage, strenges Fasten.

Der „bequeme Herr“ starb bereits mit 49 Jahren, weil er in unermüdlicher Arbeit theologische und philosophische Werke geschaffen hat, welche die Jahrhunderte überdauerten. Im Lexikon für Theologie und Kirche werden ihm acht Druckseiten eingeräumt. Ein Hüne von Gestalt, scherzte er bisweilen über seine krankheitsbedingte Leibesfülle.

Fronleichnamsprozessionen sollen verdeutlichen, dass der Gottmensch Jesus Christus HERR der Welt ist, der das Leben seiner Jünger prägen soll. Es handelt sich nicht, wie Pankraz meint, um das „polemisch-trotzige öffentliche Herumzeigen intimster Glaubensgeheimnisse.“

Dem Autor fehlt offenbar der Sinn für das Göttliche. Paulus schreibt im 1. Korintherbrief: „Wir verkünden Christus als den Gekreuzigten, für Juden ein empörendes Ärgernis,  für Heiden eine Torheit,  für die Berufenen aber, Juden wie Griechen,  ist Christus Gottes Kraft und Gottes Weisheit“ (1, 23 f.).

Fronleichnamsprozessionen sind ein Glaubensbekenntnis der Katholiken, das die Gläubigen in der Gewißheit bestärkt, dass sie nicht allein sind. Im „Dritten Reich“ sangen wir am Jugendbekenntnissonntag ein Lied, das den überwiegenden Teil der katholischen Jugend im Glauben und Bekennermut bestärkte:

„Laßt die Banner wehen über unsern Reihen,
alle Welt soll sehen, daß wir neu uns weihen,
Kämpfer zu sein für Gott und sein Reich,
mutig und freudig den Heiligen gleich.
Wir sind bereit, rufen es weit,
Gott ist der HERR auch unsrer Zeit.“

1937 wurde meine Mutter von der Gestapo vorgeladen: „Sie waren in der vergangenen Woche bei der Fronleichnamsprozession. Sie wurden dabei fotografiert. Was haben Sie dazu zu sagen?“  –  Meine Mutter entgegnete: „Da haben Sie wenigstens mal eine schöne Frau fotografiert.“  – Nun wußte die Gestapo natürlich, dass meine Mutter die Frau des im Volk angesehenen „Schwarzen Generals“ war. Deshalb wurde sie nicht weiter behelligt.

In unserer weitestgehend entchristlichten Welt halten sich auch Christen häufig religiös lieber „bedeckt“. Albert Camus glaubt in „Der Fall“, den Grund zu kennen, weshalb sich so viele scheuen, öffentlich für ihre religiöse Überzeugung einzutreten: „Ihre Menschenfurcht ist übergroß. Aber unsere Zeit kann keine Duckmäuser brauchen; sie bedarf der Bekenner.“