Berlin: Alevitische Gemeinde feiert Jubiläum und dankt dem deutschen Staat

Von Michael Leh

Bundespräsident Joachim Gauck hat das „Newroz“-Frühlingsfest der Alevitischen Gemeinde in Berlin besucht. In seiner Ansprache würdigte er zugleich das 25-jährige Bestehen des alevitischen Verbandes. Foto 2 - Gauck und Mat sn

Die Aleviten hätten viel errreicht und seien als Religionsgemeinschaft anerkannt, sagte Gauck. In neun Bundesländern gebe es mittlerweile regulären alevitischen Religionsunterricht an Grundschulen.

Die Aleviten hätten bei uns Rechte erlangt, die ihnen „anderswo“ verwehrt seien, erwähnte der Bundespräsident, ohne ihr Herkunftsland Türkei beim Namen zu nennen.

FOTO: Bundespräsident Joachim Gauck und der Bundesvorsitzende der Alevitschen Gemeinde, Hüseyin Mat (links), beim alevitischen Newroz-Fest in Berlin.

Der Bundesvorsitzende der Alevitischen Gemeinde, Hüseyin Mat, erklärte: „Wir können hier unseren Glauben frei ausüben und erfahren Anerkennung und Würdigung. Ich möchte mich ganz herzlich beim deutschen Staat dafür bedanken: Danke Deutschland!“

Die Alevitische Gemeinde zu Berlin ist die älteste alevitische Organisation außerhalb der Türkei, erklärte deren Vorsitzender Ahmet Taner. Sie sei 1979 einige Monate nach dem Massenmord an Aleviten in der türkischen Kreisstadt Maras als Reaktion auf dieses Verbrechen gegründet worden. Foto 3 Geschenk an Gauck

FOTO: Als Gastgeschenk überreichten die Alevitendem  Bundespräsidenten ein Bildnis des anatolischen Mystikers Hadschi Bektasch, der im 13. Jahrhundert lebte und von den Aleviten verehrt wird. Links neben Gauck: Die stellv. Generalsekretärin der Alevitischen Gemeinde, Melek Yildiz. 

In Deutschland sei den Aleviten eine Wertschätzung entgegen gebracht worden, die sie „in dieser Form als Glaubens- und Kulturgemeinschaft nicht kannten“, sagte Taner.

Die stellvertretende Generalsekretärin der Alevitischen Gemeinde Deutschland, Melek Yildiz, betonte: „Die freiheitlich demokratische Grundordnung ist für uns von unschätzbarem Wert.“

Deutschland sei für viele Aleviten ein „Ort der Freiheit und eine Heimat“. Die Rechte, die sie hier genössen, seien ihnen in ihrem Herkunftsland Türkei bis heute verwehrt. In Deutschland leben 700.000 Aleviten.

Beim Besuch des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan im Februar hatten die Aleviten eine große Protest-Kundgebung am Brandenburger Tor abgehalten. In einem Offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel warfen sie Erdogan einen „antidemokratischen und diktatorischen Regierungsstil“ vor.

Unser Autor Michael Leh (von dem auch die beiden Fotos stammen) ist politischer Journalist und lebt in Berlin

 

 


Berlin: Kundgebung erinnerte an Brandanschlag gegen Aleviten in der Türkei

Von Michael Leh

In Berlin haben die aus der Türkei stammenden Aleviten mit einer großen Demonstration des Brandanschlags in der anatolischen Stadt Sivas im Jahr 1993 gedacht. Damals zündete ein sunnitisch-islamistischer Mob ein Hotel an, wodurch 35 Menschen, unter ihnen viele alevitische Künstler und Intellektuelle, ums Leben kamen.

Mehrere mutmaßliche Täter konnten nach Deutschland fliehen, wo sie bis heute unbehelligt leben – zum Teil als anerkannte Asylanten. PAZ28_5_Aleviten_cd1012fb09

Die Aleviten werfen Deutschland vor, mutmaßliche Täter des „Massakers von Sivas“ zu schützen. Nach Angaben der Alevitischen Gemeinde Deutschland leben mindestens neun Tatverdächtige in der Bundesrepublik.

Einer von ihnen sei eingebürgert worden, andere hätten Asyl erhalten. Einige der mutmaßlichen Täter sind in der Türkei zum Tode verurteilt worden, doch gelang ihnen die Flucht ins Ausland  –  die Aleviten vermuten: mit staatlicher Hilfe.

Mutmaßliche Täter leben unbehelligt in Deutschland

Unter Berufung auf die Todesurteile ersuchten mindestens neun mutmaßliche Täter in Deutschland um Asyl – oder zumindest Schutz vor Abschiebung in die Türkei – und zwar alle mit Erfolg. Alle Tatverdächtigen in Deutschland sind auf freiem Fuß.

Die Aleviten kennen Namen, auch Adressen. Einer zum Beispiel, Vahit K., soll in Berlin-Gesundbrunnen in der Prinzenallee Geschäfte betreiben, ein anderer in Mannheim leben.

Der grüne Bundestagsabgeordnete Memet Kilic, selbst Alevit, hat versucht, mit Fragen im Bundestag Licht in das auch juristische Dunkel zu bringen. Konkrete Antworten werden jedoch meist unter Verweis auf den Datenschutz verweigert.

Im Gespräch mit der Preußischen Allgemeinen Zeitung äußert Kilic die Vermutung, Tatverdächtige könnten dem Verfassungsschutz als
V-Männer dienen. Die nach Deutschland Geflohenen seien hier von der islamischen Gemeinschaft Milli Görüs unterstützt worden. Milli Görüs wiederum werde vom Verfassungsschutz beobachtet.

Quelle und Fortsetzung des Artikels von Michael Leh hier: http://www.preussische-allgemeine.de/nachrichten/artikel/massenmord-bleibt-ungesuehnt.html


Alevitischer Aufruf zur Distanzierung von der islamischen Scharia

Gemäßigte islamische Glaubensrichtung verteidigt Grundgesetz und Rechtsstaat gegen die Scharia

Gemeinsame Pressemitteilung von Vereinen und Verbänden der Alevitischen Gemeinden in Bayern:

Die Scharia (der politische Islam) ist das Haupthindernis der Integration von Islamangehörigen und die Hauptgefahr des friedlichen Zusammenlebens unterschiedlicher Kulturen, Religionen und Glaubensrichtungen.

Die Distanzierung von der Scharia ist der Hauptschlüssel für die notwendige Integration und Partizipation von unterschiedlichen Religions- und Glaubensgemeinschaften in unserer Gesellschaft.

Laut Artikel 1,1 des Grundgesetzes ist die Würde des Menschen unantastbar. Diese Ewigkeitsklausel unseres Grundgesetzes wird von der Scharia und ihren Anhängern nicht beachtet, weil diese deren Meinung nach „nicht von Allah, sondern von Menschen gemacht worden“ sei. Diese ruft zu Recht bei den Menschen in Deutschland berechtigte Ängste hervor.

„Scharia ruft berechtigte Ängste hervor“

Die islamistische Scharia stellt für die elementaren Grundrechte, wie z.B. Achtung der Menschenwürde, Gleichberechtigung von Mann und Frau, Freiheit der Meinungsäußerung sowie der Religionsfreiheit eine große Gefahr und Bedrohung dar. Unsere Werte müssen von überzeugten Demokraten mit Selbstbewusstsein vertreten und gleichzeitig der Verzicht auf die Scharia energischer einfordert werden.

Verbänden und Vereinen, die sich für die Integration, Partizipation und das friedliche Zusammenleben mit unterschiedlichen Religions- und Glaubensangehörigen in unserer Gesellschaft einsetzen wollen, müssen sich aktiv von der Scharia distanzieren und sich gleichzeitig uneingeschränkt zum Grundgesetz bekennen.

Dafür setzt sich Dr. Aydın Fındıkçı seit Jahren ein. Aus diesem Grund wird er von den Anhängern der islamistischen Scharia öffentlich verleumdet, beleidigt, beschimpft und sogar als „islamfeindlich“ bezeichnet.

„Die Scharia ist nicht vereinbar mit dem Grundgesetz“

Mit unserer gemeinsamen Erklärung möchten wir uns der Forderung Dr. Aydın Fındıkçıs anschließen, mit ihm solidarisieren und folgende Botschaften übermitteln:
1. Die Scharia ist nicht mit dem Grundgesetz vereinbar.
2. Wir lehnen anachronistische Glaubenssätze ab.
3. Wir setzen uns für die demokratischen und freiheitlichen Werte sowie für die Gleichstellung der Geschlechter ein.
4. Die Kooperation und Unterstützung der öffentlichen Stellen mit Anhängern der Scharia leistet keinen Beitrag zur Integration und friedlichem Zusammenleben von unterschiedlichen Religions- und Glaubensgemeinschaften in unserer Gesellschaft.

Die Unterzeichner dieser Erklärung bekennen sich uneingeschränkt zum Grundgesetz und distanzieren sich mit aller Deutlichkeit von der Scharia.

Ingolstadt, den 7. Mai 2013.

Unterzeichner:
1. Alevitisches Kulturzentrum Ingolstadt, Seeholzer Str. 22, 85053 Ingolstadt
2. Alevitische Gemeinde München e.V. Neuherbergstr. 2, 80937 München
3. Alevitische Gemeinde Neufahrn und Umgbung e.V.,Gottfried-von-Cramm-Str. 7,85375 Neufahrn
4. Alevitische Jugend München, Neuherbergstr. 2, 80937 München
5. Alevitische Gemeinde Krumbach, Dr. Schlögelstr. 10, 86381 Krumbach
6. Alevitisches Kulturzentrum Und Cem Haus Augsburg E.V., Jörg-Breu-Str. 9, 86154 Augsburg
7. Alevitisches Kulturzentrum Augsburg, Bozener Str. 4a, 86165 Augsburg
8. Alevitischer Kulturverein Landshut, Tuchwalkerstr. 5, 84034 Landshut
9. Alevitischer Kulturverein Günzburg, Stadtberg 29, 89312 Günzburg
10. Alevitische Gemeinde Hof, Gabelsbergerstr. 1, 95028 Hof
11. Alevitisches Kulturzentrum Mainburg, Bahnhofstr. 9a, 84048 Mainburg
12. Alevitisches Kulturzentrum Nürnberg, Rehdorferstr. 6, 90431 Nürnberg
13. Alevitischer Kulturverein Plattling, Silostr. 6, 94447 Plattling
14. Aleviten Kulturzentrum Miesbach e. V., Tiefenbachstr. 5 D-83734 Hausham
15. Alevitisches Kulturzentrum Rosenheim, Schönfeldstr. 19, 83022 Rosenheim
16. Alevitisch-Bekt. Kulturbund, Grabenstr. 6, 90552 Rothenbach-Pegniz
17. Alevitisches Kulturzentrum Schweinfurt, Johann-Georg-Gademann Str. 7, 97424 Schweinfurt
18. Alevitischer Kulturverein Memmingen e.V., Mittereschweg 1, 87700 Memmingen
19. Şahhaydar Kılıç: Mitglied des Ausländerbeirats München
20. Hüseyin Çelik: Generalsekretär des Diplinärausschußes Föderation der Alevitschen Gemeinde in Deutschland

Vorsitzende: Ercan KARA,  Seeholzer Str. 22, D-85053 Ingolstadt
Mail: ercan.kara@arcor.de