Allgäu: Gebetsstätte Wigratzbad bald mit neuer Leitung durch die „Familie Mariens“

Von Felizitas Küble

Die erscheinungsbewegte Gemeinschaft „Familie Mariens“ wird ab 1. September 2021 die Leitung und Pilger-Seelsorge an der Gebetsstätte Wigratzbad (siehe Foto) im Allgäu übernehmen, wie das Bistum Augsburg sowie die charismatische Nachrichtenseite „Kath.net“ vor fünf Tagen berichter hat: https://www.kath.net/news/74939

Für „Kath.net“ ist diese Meldung zweifellos höchst erfreulich, was sich auch in den Leserkommentaren zeigt, die sich fast alle in Begeisterung wiegen und diese bischöfliche Entscheidung großartig bis „überfällig“ finden.

Der Hintergrund ist hierbei folgender:

Vor zehn Jahren wollte der damalige Augsburger Bischof Konrad Zdarsa den zunehmenden schwarmgeistigen Umtrieben in Wigratzbad Einhalt gebieten.

Einige der dortigen Seminare und Veranstaltungen mit selbsternannten Sehern, Stigmatisierten, „Sühneseelen“, Heilungspriestern, indischen Wanderpredigern und sonstigen „Begnadeten“ uferten immer mehr aus. Dabei wurde fleißig der charismatische „Hammersegen“ verteilt, also das „Ruhen im Geist“ (Rückwärtsfallen in Trance). Die psychischen Folgen dieses Phänomens erfahre ich seit langem durch Kontakte mit Aussteigern und Geschädigten.

Das bischöfliche Ordinariat kritisierte zudem, etliche Referenten kämen ohne Anerkennung ihres Herkunftsbistums als Exerzitienleiter nach Wigratzbad.

In jener schwarmgeistigen Phase erhielt ich teils erschütternde Erlebnisberichte von Gläubigen, die in Wigratzbad Opfer geistlicher Übergriffe wurden.

Betroffen war davon z.B. unsere CF-Autorin Cordula Mohr, eine Familienmutter aus Rheine, die im Herbst 2005 dort in einer Beichte bei einem indischen Pater sogar sexuelle Belästigungen erfuhr und die diesen Vorfall später der Mißbrauchsstelle des Bistums Münster anzeigte. (Näheres dazu hier: https://charismatismus.wordpress.com/2019/01/31/missbrauch-der-beichte-was-ich-einst-im-zimmer-eines-indischen-paters-erlebte/)

Zudem gab es ein diözesanes Verbot des Buches „Sieg der Sühne“. In diesem Werk des erscheinungsbegeisterten Publizisten Alfons Sarrach wurde manches aus der Wigratzbader Entstehungsgeschichte sehr dick aufgetragen oder verstiegen interpretiert.

(Siehe zu den damaligen Vorgängen unsere Stellungnahmen: https://charismatismus.wordpress.com/2011/06/08/alfons-sarrach-und-wigratzbad/ und hier: https://charismatismus.wordpress.com/2011/06/05/neues-uber-wigratzbad/)

Um die wundersüchtigen Spektakel in dieser diözesanen Gebetsstätte einzugrenzen, wurde der damalige Direktor Thomas Maria Rimmel im Frühjahr 2011 abgelöst. An seine Stelle berief Bischof Zdarsa einen bodenständigen Pfarrer namens Nikolaus Maier.

Der neue Leiter sorgte für eine gediegene Pilger-Pastoral, würdige Meßfeiern und solide Exerzitien, Andachten, Wallfahrten, Seminare usw.

Auch der überlieferten Liturgie steht der 52-jährige Geistliche wohlwollend gegenüber. Direkt neben der Wallfahrtsstätte befindet sich das traditionsorientierte Priesterseminar St. Petrus, das die „alte Messe“ zelebriert. Organisatorisch sind beide Werke aber jeweils selbständig – sie befinden sich lediglich auf einem benachbartem Gelände.

Inzwischen waltet im südbayerischen Bistum Augsburg ein neuer Bischof seines Amtes, nämlich Bertram Meier, der bislang auch durch reformfreudige Vorschläge (etwa zur Einführung von „Diakoninnen“) aufgefallen ist.

Umso erstaunlicher wirkt nun seine jetzige Personalentscheidung in Wigratzbad, denn liberale Oberhirten haben mit Erscheinungen, Visionen und Charismatik normalerweise nichts am Hut dies ist eher eine typische Gefährdung für das konservative bis traditionalistische Spektrum.

Als wäre es nicht schon merkwürdig genug, der seriösen Arbeit von Direktor Maier in der Gebetsstätte „Maria vom Sieg“ ein Ende zu setzen, erscheint der Führungswechsel noch rätselhafter angesichts der Tatsache, daß ausgerechnet die kuriose Gemeinschaft „Familie Mariens“ mit der künftigen Leitung betraut wird.

Die 1968 gegründete Vereinigung, die aus Priestern und Nonnen besteht, wurde zwar im Jahre 2008 von der römischen Kleruskongregation anerkannt, allerdings unter der Voraussetzung, daß sie ihren Namen ändert: So wurde aus der „Familie Mariens, der Miterlöserin“ die Kurzform „Familie Mariens“.

Den früheren Namen hat der leitende Pater Paul M. Sigl in einem seiner älteren Bücher verwendet: „Die Frau aller Völker – Miterlöserin, Mittlerin, Fürsprecherinherausgegeben von der Familie Mariens der Miterlöserin – Der wohl ziemlich leichtgläubige Geistliche war einst dem straffällig gewordenen Sektierer Seidnitzer auf den Leim gegangen (Näheres dazu hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Gebhard_Paul_Maria_Sigl).

Der usprüngliche Titel dieser Kommunität kommt nicht von ungefähr, sondern von den Amsterdamer Erscheinungen, in welchen die angebliche Madonna bereits in den 50er Jahren vom Papst verlangte, ein neues Dogma zu verkünden, wonach sie Fürsprecherin, Mittlerin und Miterlöserin sei.

Diesem verstiegenen Ansinnen ist seitdem kein Papst nachgekommen (woran sich aus theologischen Gründen auch in Zukunft nichts ändern wird), was mit dem kirchlich umstrittenen Titel „Miterlöserin“ zusammenhängt. Hingegen würde „Fürsprecherin“ dogmatisch keinerlei Probleme aufwerfen; der Ausdruck „Mittlerin“ wäre – je nach Auslegung – zumindest erklärungsbedürftig. (Einer unserer Artikel zur „Miterlöserin“ hier: https://charismatismus.wordpress.com/2012/02/11/papst-titel-miterloserin-fur-maria-verdunkelt-den-wesentlichen-vorrang-christi/)

Auf dem Amsterdamer „Gnadenbild“ sieht man die sog. „Frau aller Völker“, wie sie sich direkt vor das Kreuz stellt und damit Christus buchstäblich verdeckt; bekanntlich stand die echte Gottesmutter tapfer und treu u n t e r dem Kreuz unseres Erlösers.

Allerdings existierte in Wigratzbad seit Jahrzehnten eine seltsame Neigung zu eben jenen Erscheinungen der „Frau aller Völker“ (FaV). Schon in den 70er und 80er Jahren wurde unter Anleitung von Pater Johannes Schmid – der auch selber Visionen bzw. Privatoffenbarungen gehabt haben will – gerne eben jene Anrufung nach Rosenkränzen und Andachten gebetet, in welcher von der „Frau aller Völker, die einst Maria war“ die Rede ist.

Bekanntlich hat die Glaubenskongregation jenen Text korrigiert, so daß seitdem statt zur FaV zur „seligen Jungfrau Maria“ gebetet werden soll – doch manche hartnäckigen Anhänger von Amsterdam halten sich nicht an diese kirchliche Vorgabe. Bisweilen werden die gedruckten Gebetszettel sogar handschriftlich verschlimmbessert, was man auch hier im hohen Norden bei diversen Gebetsgruppen erleben kann. Abgesehen davon hat der Vatikan die Amsterdamer Privatoffenbarungen sowieso nie gebilligt.

Der internationale Leiter jener „Familie Mariens“, die demnächst in Wigratzbad das Sagen hat, ist nach wie vor Pater Paul Maria Sigl. Neuer Direktor der Gebetsstätte wird sein Mitbruder Pater Florian M. Kerschbaumer, der dabei von Ordensschwestern – ebenfalls aus der „Familie Mariens“ – unterstützt werden soll.

Besagte Gemeinschaft konzentriert sich zwar auf die Amsterdamer Erscheinungen, steht aber auch Medjugorje sehr nahe – und überdies dem charismatischen Seminarhaus St. Ulrich in Hochaltinge ebenfalls; dort haben die Patres Sigl und Kerschbaumer von der „Familie Mariens“ seit Jahren ihre Exerzitien durchgeführt.

Zudem gehört P. Kerschbaumer zur Anhängerschar der skurrilen „Liebesflammen“-Visionen aus Ungarn. Die italienische „Mystikerin“ Luisa Piccarreta mit ihren Privatoffenbarungen in 36 Bänden (!) steht bei der „Familie Mariens“ ebenfalls in hohen Ehren.

Dazu kommen die Auftritte Kerschbaumers im charismatischen Umfeld von Haus „Maria Trost“, wobei sich die Frage stellt, ob die Leitung dort noch bei Trost ist angesichts etlicher Enthusiasten wie z.B. Mija Barada unter den Referenten – oder auch die kirchlich nicht anerkannte Exerzitienleiterin Sr. Margarita Valappila (Bistum Fulda): https://www.gg-immanuel.de/events-mehr/

Damit schließt sich der Kreis bzw. die Umarmung zwischen Pseudo-Mystik einerseits und katholisch gestricktem Schwärmertum andererseits, eine kirchengeschichtlich neue Kombination, die vor allem durch Medjugorje und charismatische Heilungsprediger – die häufig aus Südindien (Kerala) stammen – immer weitere Kreise gezogen hat.

Als wäre all dies nicht schon bedenklich genug, stützt sich die vom Bischof künftig mit der Pilgerleitung beauftragte „Familie Mariens“ mit ihrem Kult um die Frau aller Völker ausgerechnet auf jene Erscheinungen, zu denen der Vatikan noch unlängst erneut seine eindeutige Distanz betont hat:



Garabandal endgültig widerlegt: Der blinde Joe Lomangino ist verstorben

Über 50 Jahre mit Garabandal-Seherin Conchita befreundet

Der blinde Amerikaner Joe Lomangino ist im Alter von 84 Jahren am gestrigen Mittwoch, den 18. Juni 2014, verstorben. Diese Nachricht wurde heute vom Garabandal-Zentrum Lindenhurst in New York (USA) per Internet bzw. Mail verbreitet. weisselberg_memoriam

Plötzlich und unerwartet kam der Tod Lomanginos nicht, da er seit dem Jahr 1999 an einer Herzschwäche litt und in den letzten Monaten aus Gesundheitsgründen keine Besucher mehr empfangen konnte.

Ich wünsche ihm, dass er in Frieden heimgegangen ist  –  und mein Mitgefühl gilt seiner Familie. (R.I.P.)

Drei Stufen: Warnung – Wunder – Strafgericht

Es darf im Zusammenhang mit dieser Todesnachricht nicht unerwähnt bleiben, dass der Name Joe Lomangino untrennbar mit den in „Garabandal“ angekündigten Ereignissen von „Warnung – Wunder – Strafgericht“ verbunden war.

Besonders das Ereignis der „Warnung“, welches dem „Großen Wunder“ innerhalb eines Jahres vorausgehen sollte, wurde in den letzten Jahrzehnten immer wieder spektakulär angekündigt.

Die drei Ereignisse wurden von vielen Verlegern, Gutachtern und (Laien-)Theologen für echt befunden und oftmals gegen jede kritische Nachfrage energisch verteidigt.

Weiterhin wurden seitens derAnhänger z.B. der hl. Pater Pio, hl. Mutter Theresa, hl. Maria Maravillas, Mutter Angelica (EWTN ), hl. Josemaria Escrivá, Kardinal Ottaviani, Papst Paul VI., hl. Papst Johannes Paul II. und weitere Persönlichkeiten als zustimmende Zeugen der angekündigten Ereignisse genannt.

Joe Lomangino war über fünfzig Jahre mit der Hauptseherin Conchita Gonzales befreundet, die er im Jahr 1963 in Garabandal kennengelernt hatte.

Die Hauptseherin kündigte ihm seine Heilung an

Am „St. Josephs-Tag 1964“ wurde ihm von Conchita Gonzales schriftlich (!) mitgeteilt, dass er am Tag des „Großen Wunders“ wieder sehen wird.

Foto: Dr. Bernd F. PelzJoe Lomangino war nicht von Geburt an blind. Ein Unfall hatte ihm im jugendlichen Alter von sechzehn Jahren beide Augäpfel zertrümmert. Conchita Gonzales bezog sich in der schriftlichen Mitteilung an Lomangino auf eine „Botschaft“ der „Gottesmutter“, die sie bei den Pinien in Garabandal erhalten haben will.

Lomangino lebte nach dem „St.-Josephs-Tag 1964“ in Erwartung der Erfüllung dieser „verheißungsvollen Botschaft“.

Zur Unterstützung der Verbreitung der Garabandal-Botschaften gründete er das Magazin „Needles“ und im Jahr 1968 das „Garabandal-Zentrum“ in Lindenhurst, New York / USA.

In den Anliegen der Verbreitung der Botschaften aus Garabandal hielt Lomangino Vorträge, unternahm Auslandsreisen, so daß Garabandal ein sehr wichtiger Teil seines Lebens wurde.

Garabandal-Anhänger: Selbstkritik ist angesagt

Die richtigen Schlüsse aus dem Tod von Joe Lomangino, welche Bedeutung sein Tod in Bezug auf die „Botschaften“, sowie die  –  nicht nur Pater Pio zugeschriebenen  –   Aussagen und Briefe zu „Garabandal“ jemals hatten, müssen die Anhänger jetzt sehr selbstkritisch ziehen.

Gleiches trifft selbstverständlich auch auf das niveaulose und vom zuständigen Bischof verworfene „Garabandal-Warnungs-Anhängsel“ aus Irland zu, sowie andere angebliche Erscheinungsstätten und deren „Seher“ (Medjugorje, Manduria, Naju, JNSR, Don Gobbi, Vassula Ryden, Christina Gallagher, Little Pebble usw), die sich nach „Garabandal“ ebenfalls ins „Warnungs“-Kielwasser begaben und sich damit rühmten, von was auch immer die Fortsetzung oder Erfüllung zu sein.

So schrieb z.B. der verstorbene Schriftsteller und „Medjugorje-Anhänger“ Alfons Sarrach (ein laisierter Priester) noch im Jahre 2009 in der August-Ausgabe seiner Publikation „Der Christ von Morgen“:  media-375643-2

„Garabandal gehört zu den großen mystischen Ereignissen des 20. Jahrhunderts neben Fatima und Medjugorje.“

Wie die Garabandal-Anhänger guten Willens jetzt wissen, war diese Feststellung nicht nur knapp daneben  –  sondern voll daneben!

Auf Garabandal bezogen bedeutet der Tod von Joe Lomangino:

„Garabandal“ war niemals die Fortsetzung oder Erfüllung von „Fatima“, sondern ein Szenario von „ganz unten“, das über viele Jahrzehnte Generationen beschäftigt, alle Jahre wieder leichtgläubige Schwärmer in seinen Bann gezogen und in helle Aufregung versetzt hat.

Erscheinungen als Täuschungen entlarvt

Ich wünsche mir deshalb, dass es eine ehrliche Aufarbeitung durch die Anhänger gibt, da es sich bei den Erscheinungen und „Botschaften“ aus „Garabandal“ unzweifelhaft um Täuschungen handelt, die sich nach über fünfzig Jahren mit dem Tod von Joe Lomangino endgültig als falsch erwiesen haben. 0023

So könnte selbst aus der Aufarbeitung dieser Falschprophetie noch eine erkenntnisreiche Mahnung und echte „Warnung“ werden, in Zukunft nüchterner und kritischer mit solchen „Erscheinungen“ umzugehen und eine gesunde Skepsis walten zu lassen, besonders von Seiten der Laien, die oftmals auf sehr einfache Weise mit „Botschaften“ zu begeistern sind.

Hilfreich können in diesem Zusammenhang die kritischen Artikel und Beiträge sein, die zu diesem Thema hier im „Christlichen Forum“ veröffentlicht und im Kommentarbereich kontrovers diskutiert wurden:
1. https://charismatismus.wordpress.com/2011/06/10/garabandal/
2. https://charismatismus.wordpress.com/2014/01/06/eine-kritische-betrachtung-zu-garabandal/

Trotzdem gibt es für mich als Garabandal-Kritiker und Verfasser dieses Artikels keinen Grund zu triumphieren, denn geirrt oder getäuscht hat sich bestimmt schon jeder einmal.

Die Bodenhaftung nicht verlieren

In einer Zeit, in der „Erscheinungsstätten“ wie Pilze aus dem Boden schießen, angebliche „Botschaften“ des Himmels inflationsartige Verbreitung finden (siehe zB. Medjugorje ) und sich dabei wichtigtuerisch geradezu überschlagen, können Katholiken nicht vorsichtig genug sein, um nicht „trunken“ vor lauter „Botschaften“ die Bodenhaftung zu verlieren.

Das zeigen auch die Worte von Glenn Hudson, der noch am 24. April 2014 den Kritikern die abgehobene Empfehlung erteilte, sich bei der „Gottesmutter“ für Bedenken zu entschuldigen und um Vergebung zu bitten. (Original Glenn Hudson: „To all those who doubted our Blessed mother’s promise and words … pray to her for forgiveness!“)

Einen Irrtum zuzugeben: das ist ein respektables Zeichen innerer Größe und zeugt von Einsicht.

Im Irrtum unbelehrbar, uneinsichtig zu verharren und sich nicht eingetroffene Ereignisse irgendwie wieder hinzubiegen und passend zu machen, ist dagegen ein Zeichen von Belehrungsresistenz, Verblendung und Verstocktheit, mit dem niemand dem Himmel einen Gefallen erweist. Eher ist das Gegenteil der Fall, denn der Himmel und der wahre Glaube werden vor aller Welt lächerlich gemacht.

Dabei sind jene Laien besonders eifrig, die sich einer „kirchenrettenden Restarmee“ zugehörig fühlen, Papst Franziskus öffentlich als „falschen Propheten“ verunglimpfen (irischer Warnungs-Unfug der „MDM“ ) oder die alberne Überzeugung verbreiten, mit dem Besuch einer nicht anerkannten Erscheinungsstätte in Bosnien-Herzegowina einen besonderen Geist der Einsicht und Erkenntnis empfangen zu haben. Welchen Wert der Empfang dieser „erhellenden Geister“ hat, wissen wir jetzt – wieder einmal!

Halten wir uns an die eine wahre und zeitlose Botschaft, die vom HERRN selber kommt: „Kehrt um, und glaubt an das Evangelium!“ (Mk 1,15 )

Daran sollten wir uns als Katholiken orientieren und in diesem Geist auch schwierige Zeiten in Kirche und Welt durchstehen, bis ER – wie ER es versprochen hat   –  wiederkommt in Herrlichkeit! (vgl. Mt 24,3-31)

Der Autor dieses Beitrags schreibt bei uns unter dem Kürzel GsJC seit Jahren kompetente Artikel und Leserkommentare

 


Alfons Sarrachs Buch über Antonie Rädler und die Visionen von Wigratzbad

Pressemeldung des Christoferuswerks vom 24.3.2011

Sieg der Vernunft über den „Sieg der Sühne“?

Ordinariat Augsburg verbietet Alfons Sarrachs Buch über Wigratzbad

Ein Dekret des bischöflichen Ordinariats Augsburg vom März 2011 schlug hohe Wellen im Blätterwald und in „marianischen“ Kreisen, hatte die kirchliche Amtsstube doch ein weiteres Erscheinen des Buches „Sieg der Sühne“ von Alfons Sarrach im Verlag „Kirche heute“ untersagt.

Darin geht es um die südbayerische Gebetsstätte „Maria vom Sieg“ in Wigratzbad (Allgäu), um ihre Entstehung und um „mystische“ Ereignisse, die mit der Gründerin Antonie Rädler und ihren Visionen verknüpft sind.

Ein solch amtliches „Bücherverbot“ fällt in der nachkonziliaren Kirche, die keinen „Index“ mehr kennt, stark aus dem Rahmen des Üblichen. Insofern erstaunt es wenig, wenn Sarrach-Anhänger in erscheinungsmarianischen Web-Portalen wie etwa „Kath.net“ darauf verweisen, daß das Augsburger Ordinariat  keine Verbote gegenüber fragwürdigen Werken modernistischer Theologen ausspreche; dadurch sieht man den Gleichheitsgrundsatz verletzt.

Freilich wundern sich auch weltliche Zeitungen über das Augsburger Dekret; so schreibt etwa die „Schwäbische Zeitung“ hierzu: „Das ist ein einzigartiger Vorgang. Üblicherweise beschränkt sich die Kirche auf die Warnung vor bedenklichen Schriften.“ – Wobei genau genommen auch dies eher selten geschieht.

Das bischöfliche Ordinariat begründet seine Verbotsverfügung damit, daß Sarrachs Deutung der Entstehungsgeschichte von Wigratzbad eine ungesunde Legendenbildung und Wundersucht fördere – und daß die Schrift überdies den Kritikern dieser Privatoffenbarung mit Unheil und Tod drohe: „Aus pastoraler Sicht ist äußerst bedenklich, dass Gegnern von Wigratzbad ein schlimmer Tod verheißen wird.“

„Viele Gläubige“ würden durch Sarrachs Schrift „verunsichert und in die Irre geführt“, erläuterte Pressesprecher Markus Kremser, zumal der Autor die Gründerin Antonie Rädler als Seherin vorstelle, „durch die der Himmel in die Weltgeschichte eingegriffen hat“. – In der schriftlichen Erklärung des Bistums wird darauf hingewiesen, daß Privatoffenbarungen – selbst dann, wenn sie kirchlich „anerkannt“ wären – niemals verpflichtender Inhalt des Glaubens sind. Dies gilt erst recht für Erscheinungen ohne kirchliche Approbation (Genehmigung).

Die Visionen der Antonie Rädler, von Autor Alfons Sarrach als „begnadete Charismatikerin“ bezeichnet, wurden nie amtlich anerkannt. Daher ist Wigratzbad zwar als diözesane „Gebetsstätte“ errichtet worden, aber nicht als Erscheinungsort bestätigt – im Unterschied etwa zu Lourdes, Fatima oder anderen anerkannten Privatoffenbarungen, die jedoch für katholische Gläubige ebenfalls nicht verbindlich sind, da eine kirchliche Anerkennung kein Gebot, sondern lediglich eine Erlaubnis darstellt, die es Katholiken freistellt, daran zu glauben (oder nicht) – es ist ihnen also „gestattet“.

Alfons Sarrach, ein laisierter Priester und Witwer (seine Frau verstarb 2009), verfaßte eine Reihe von Schriften, die sich begeistert für einige „Marienerscheinungen“ aussprechen, die von der Kirchenleitung strikt abgelehnt wurden (Heroldsbach) bzw. denen ausdrücklich die Anerkennung versagt wurde (Marpingen, Marienfried, Medjugorje). Im Fall von Wigratzbad bleibt die Frage der „Echtheit“ in der Schwebe, da nie eine kirchliche Untersuchungskommission eingerichtet wurde und somit kein amtliches Urteil vorliegt.

Bekannt ist freilich, daß die zuständigen Augsburger Bischöfe den Visionen der Antonie Rädler zunächst jahrzehntelang distanziert gegenüberstanden. Dies änderte sich erst mit Bischof Josef Stimpfle, der rein persönlich von der Glaubwürdigkeit der „Seherin“ und der von ihr berichteten „mystischen“ Ereignisse überzeugt war.

Bischof Stimpfle, der am 12. September 1963 sein Amt als Oberhirte von Augsburg antrat, sorgte dafür, daß die Wigratzbader Kapelle „Maria vom Sieg“   im selben Jahr für den öffentlichen Gottesdienst geöffnet wurde. Vorher waren in dem Kirchlein lediglich private Gebete und Andachten gestattet. Diese bischöfliche Erlaubnis war ein Entgegenkommen für die Anhänger von Wigratz, bedeutete aber keine amtliche Anerkennung der „Privatoffenbarungen“ von Antonie Rädler.

Alfons Sarrach beruft sich in seinem Buch „Sieg der Sühne“ auf den Wunsch des 1996 verstorbenen Bischofs Stimpfle, der ihn eindringlich darum gebeten habe, die Entstehungsgeschichte von Wigratzbad zu veröffentlichen. 2009 erschien sein Buch im Verlag „Kirche heute“, der von Wallfahrtsdirektor Dr. Thomas Maria Rimmel geleitet wird.

Wenn das bischöfliche Ordinariat sich nun gegen die Schrift „Sieg der Sühne“ wendet, beinhaltet dies nicht zwingend eine Ablehnung der Privatoffenbarungen von Antonie Rädler, da unklar ist, ob der zur Euphorie neigende Autor die bereits 1991 verstorbene „Seherin“ in allen Punkten richtig verstand und korrekt auslegte, zumal das Buch erst 18 Jahre nach ihrem Tod erschien.

Da Sarrachs Schrift weder Fußnoten enthält noch über eine Liste der verwendeten Literatur verfügt, fehlt auch die Möglichkeit, die Aussagen des Autors wissenschaftlich mit den Quellen zu vergleichen. Insofern berührt eine kritische Analyse des Sarrach-Buches nicht unbedingt die eigentlichen Vorgänge in und um Wigratzbad.

FRAGWÜRDIGE RACHE-MADONNA

Das Ordinariat Augsburg wirft dem Sarrach-Buch vor, daß es Kritikern der Wigratzbader Privatoffenbarung mit Unheil und Tod drohe.

Tatsächlich äußert sich der Verfasser teilweise auf eher makabre Weise, die einer solchen Auslegung durchaus Anhaltspunkte liefert – vor allem ab Seite 107:

Dort wird ausführlich geschildert, wie es dem Bürgermeister von Hergatz ergangen sei (der als Widersacher von Antonie Rädler vorgestellt wird): Dieser NS-hörige Bürgermeister sei – politisch bedingt – durch Befehl eines SS-Kommandanten aufgehängt und dann „verscharrt“ worden.

Danach heißt es auf S. 108 weiter:
„Übrigens haben die größten Feinde Antonies einen tragischen Tod gefunden. Zu ihnen gehörte auch der Kreisleiter der Partei aus Lindenberg. Er wurde von befreiten Polen aus dem Auto geholt, zu Tode getrampelt und unter die Erde gebracht.“

Auf S.67 wird von einer Marienvision berichtet, die eine Bekannte von Antonie Rädler erlebt haben will. Dabei soll die „Erscheinung“ gesagt haben: „Ich kann die zerschmettern, die gegen diese Sache sind.“ (Gemeint ist der Kapellenbau in Wigratz.)

Ähnlich heißt es auf S. 89 aus dem Munde der „Seherin“ Antonie selbst: „Maria kann alle zerschmettern, die ihr widerstehen.“ – Ob das Geist und Ausdrucksweise der wirklichen Gottesmutter ist? – Gewiß nicht, denn die Mutter des HERRN ist keine „Rache-Madonna“.

Derartige Ausführungen erwecken den Eindruck einer irrgeistigen „Frömmigkeit“, die sich mit dem christlichem Glauben und einer bodenständigen, biblisch orientieren Marienverehrung nicht vereinbaren läßt. Dabei kann die Ablehnung von Erscheinungen ohnehin kein Anlaß für eine „Strafe Gottes“ sein, zumal Privatoffenbarungen nicht verbindlich sind – noch dazu, wo es sich hier nicht einmal um kirchlich anerkannte Visionen handelt.

Als auffällig erweisen sich in Sarrachs Buch „Sieg der Sühne“ auch die zahlreiche Seitenhiebe gegen die „vorkonziliare“ Kirche. Selbstverständlich gab es auch vor dem 2. Vatikanischen Konzil eine Reihe Mißstände und Fehlentwicklungen in der Kirche – wie zu allen Zeiten.

Daß der Verfasser mit seinem „Miesreden“ der vorkonziliaren Kirche allerdings gehörig übertreibt, zeigt sich deutlich auf den Seiten 119 bis 124: Hier behauptet Sarrach, es habe für Antonie Rädler vor allem drei Hürden gegeben, weshalb ihren „Privatoffenbarungen“ von den Bischöfen in Augsburg jahrzehntelang die Anerkennung versagt geblieben sei:
1. weil sie eine Frau ist
2. weil sie dem Laienstand angehört
3. weil sie ein Charisma empfing.

Erst durch das 2. Vatikanum seien Frauen, Laien und Träger von Charismen ins wahre Licht gerückt worden etc. – Dies trifft freilich gerade hinsichtlich „Privatoffenbarungen“ durchaus nicht zu, wie kirchlich längst anerkannte Erscheinungen (z.B. Lourdes, Fatima, Banneux) zeigen, wobei die Betreffenden stets Laien, Empfänger von Charismen und in der Regel weiblichen Geschlechts waren – für die Kirchenleitungen stellte das nie ein Problem dar.

SAH SICH DIE „SEHERIN“ ALS „HIMMELSKÖNIGIN“…?

Manche der von Sarrach geschilderten „mystischen Erlebnisse“ der „Charismatikerin“ Antonie Rädler hinterlassen sehr wohl theologische Fragezeichen, wobei offen bleiben mag, ob der Autor ihre Visionen immer vollständig richtig wiedergibt.

So berichtet Sarrach auf S. 26 über Antonie Rädler, die eine relig. Traumvision erlebt hatte: „Das bewegte sie zu solch tiefer Reue, daß sie bereit war, viele Male ihr Leben hinzugeben, um die Sünden der Welt zu sühnen.“

Dies ist theologisch falsch: Wir Menschen könnten tausend Tode sterben, aber damit gewiß nicht „die Sünden der Welt sühnen“. – Um dies zu erlangen, genügte ein einziges Opfer, ein vollkommenes nämlich: das des Gottmenschen selbst, der am Kreuz ein immer gültiges, vollendetes Erlösungsopfer darbrachte für das Heil der Welt.

Freilich können Gläubige sich als „Mitarbeiter der Wahrheit“ erweisen (so lautete einst der bischöfliche Wahlspruch Ratzingers) – und sie sollen sich am Heilswirken Christi und der Kirche beteiligen. Doch das eigentliche Erlösungs- und Sühnewerk bleibt dem Gottmenschen Jesus Christus vorbehalten, denn „in seinem Namen ist das Heil – und es ist den Menschen kein anderer Name unter dem Himmel gegeben, durch den sie selig werden.“ (Apg. 4,12)

Auf S. 27 schildert Sarrach folgende Vision von Antonie Rädler:
„In der Nacht stand plötzlich die Gottesmutter vor ihr, legte ihr in überströmender Liebe die Hände aufs Haupt und sagte: „Nimm Deine Zuflucht allein zu mir. Komm und diene mir!“

Sollen wir unsere Zuflucht tatsächlich „allein“ zur Gottesmutter nehmen – und nicht auch und vor allem zum göttlichen Erlöser?

Sarrach betrachtet folgendes Ereignis als eine „mystische Vermählung“ der Seherin Antonie mit Christus (S. 29): er berichtet über ein visionäres „Christuserlebnis“ während einer hl. Messe in der Stadtpfarrkirche von Wangen:

„Ich sah mich auf einem Weg vorwärts schreiten. Plötzlich stand ein König vor mir in wunderbarem Licht und großer Majestät. Er legte mir die Hand aufs Haupt mit den Worten: „Sei mein! Ich will dich mir vermählen!“ und küßte mich auf die Stirn. – Erst dachte ich, ein irdischer König werbe um meine Hand. Plötzlich aber erkannte ich in ihm Jesus, den König der Könige.“

Die Vision setzt sich sodann folgendermaßen fort (S.30):
„Plötzlich stand der Heiland in unbeschreiblicher Schönheit vor mir, küßte mich mit den Worten auf die Stirn „Sei mein und bleibe mein!“. Dann führte er mich an seiner Seite in himmlische Regionen mit unzähligen mannshohen Lilien, wie ich sie auf Erden noch nie gesehen hatte. Eine unübersehbare Menschenmenge schloß sich uns an und sang in tausend Chören, von herrlicher Musik begleitet „Heil dem König und der Königin!“ – Wir nahten uns einem Schloß, dessen Tore sich uns öffneten. Der himmlische Vater winkte uns in überströmender Freude zu und hieß uns willkommen.“

Diese merkwürdige „Schauung“ wirft eine Menge theologischer Fragezeichen auf, sieht sich die „Seherin“ doch als eine Art Gemahlin Christi, gar als himmlische Königin, der die Heiligen zujubeln – und die der göttliche Erlöser selbst „an seiner Seite“ (!) durch himmlische Regionen geleitet – wobei „König und Königin“ von Gott-Vater empfangen werden, der sie in „überströmender Freude“ herbeiwinkt und willkommen heißt.

Zeigt sich hier nicht ein irrgeistiger Hochmut, eine verstiegene Anmaßung, die der wahren Demut und dem christlichem Realismus widerspricht?

Felizitas Küble, Vorsitzende des Christoferuswerks in Münster