Lehrt Don Gobbis „Blaues Buch“ eine Realpräsenz Mariens im Altarsakrament?

Von Felizitas Küble

Der italienische Priester und Visionär Don Stefano Gobbi gründete die sog. Marianische Priesterbewegung (MPB), die in vielen Ländern – auch den deutschsprachigen – vertreten ist und deren Anhänger  – sowohl Priester wie Laien –  sich regelmäßig in Zönakeln treffen. 

Don Gobbi  – verstorben am 29. Juni 2011  –  berichtete in seinem Neujahrsbrief 2007 an die „nationalen und regionalen Verantwortlichen der MPB“ von seiner eifrigen Reisetätigkeit, so etwa in 2006 durch vierzehn Staaten; er schilderte Erfolge, die sich sehen lassen können: „Ich habe 90 Städte mit 55 Flügen besucht, habe 110 Zönakel geleitet, an denen 70 Bischöfe, 1750 Priester und 450.000 Gläubige teilgenommen haben.“

Die „Botschaften“ vom Himmel, die der Geistliche erhalten hat, wurden in aufeinanderfolgenden Bänden veröffentlicht, die in der MPB als „Blaues Buch“ bezeichnet werden. Der genaue Titel lautet: „An die Priester, die vielgeliebten Söhne der Muttergottes“ (siehe Foto).

Auf den Seiten 702 und 703 geht es um Einsprechungen, die Don Gobbi angeblich von der himmlischen Mutter zuteil geworden sind, wobei sie das Thema Eucharistie aufgreifen. Maria wird in diesen Botschaften häufig als „Mutter der Eucharistie“ vorgestellt.

Die diesbezügliche Botschaft lautet folgendermaßen:

„Als Mutter bin ich immer neben meinem Sohn. Ich bin es auf dieser Erde gewesen; ich bin es jetzt im Paradies durch das Privileg meiner leiblichen Aufnahme in den Himmel; ich befinde mich weiterhin dort, wo Jesus in jedem Tabernakel der Erde gegenwärtig ist.

Wie sein verherrlichter Leib, der sich außerhalb der Begrenzung von Raum und Zeit befindet, es ihm gestattet, hier im Tabernakel dieser kleinen Bergkirche bei euch zu sein, aber es ihm zur gleichen Zeit auch gestattet, in allen Tabernakeln, die in jedem Teil der Welt verstreut sind, gegenwärtig zu sein, so befindet sich eure himmlische Mutter mit ihrem verherrlichten Leib, der es ihr erlaubt, hier und wo immer auch zu sein, wahrhaftig neben jedem Tabernakel, wo Jesus aufbewahrt wird.“

Diese Aussagen sind zum Teil theologisch mißverständlich, irreführend oder direkt unzutreffend:

1. Die Kirche lehrt eine Realpräsenz (wahre und wirkliche Gegenwart) Christi im Sakrament des Altares, nicht jedoch eine Realpräsenz Mariens. Dieser Eindruck entsteht aber in dieser Botschat aus dem „Blauen Buch“, wenn es heißt, die Madonna befindete sich „weiterhin dort“, wo Jesus „in jedem Tabernakel der Erde gegenwärtig“ sei.

Abgesehen davon, daß es auch leere Tabernakel geben kann und Christus nicht dort, sondern in der hl. Hostie zugegen ist (und dies natürlich auch außerhalb von Tabernakeln), so versteht sich von selbst: Unser HERR ist in der Eucharistie mit Gottheit und Menschsein zugegen – und zwar so, wie ER im Himmel lebt und wirkt: mit seinem verherrlichtem, verklärten Leib und seiner Seele.  – Von einer sakramentalen oder sonstwie vergleichbaren Anwesenheit Mariens ist der Kirche hingegen nichts bekannt.

Zudem war Maria auf Erden keineswegs „immer neben ihrem Sohn“. Abgesehen von der theologischen Mißverständlichkeit dieser Formulierung steht fest, daß sie bei Jesu öffentlichem Wirken und bei seinen Predigten zumeist fehlte.

2. Die Äußerung, Jesu verherrlichter Leib „gestatte“ es IHM, im Tabernakel gegenwärtig zu sein, führt dann zu dem Vergleich: „so befindet sich eure himmlische Mutter mit ihrem verherrlichten Leib, der es ihr erlaubt, hier und wo immer auch zu sein, wahrhaftig neben jedem Tabernakel, wo Jesus aufbewahrt wird“.

Diese offensichtliche Gleichsetzung ist deshalb ein Irrtum, weil Christus als GOTT eine Allgegenwart besitzt: Nur GOTT allein ist allgegenwärtig, es handelt sich um eine spezifisch göttliche Wesenseigenschaft. Somit genügt es keineswegs, einen verklärten Leib zu haben (den nach der Auferstehung sowieso alle Seligen im Himmel haben werden). Der „springende Punkt“ für Jesu Gegenwart im Altarsakrament ist sein göttliches (!) Wesen.

Maria hingegen ist ein Geschöpf, wenngleich das edelste und heiligste von allen, die „Gesegnete unter den Frauen“ und die erste Dienerin des Ewigen („Siehe, ich bin die Magd des HERRN“ lautet ihr eigene biblische Selbstbezeichnung).

Daher kann Maria keineswegs allgegenwärtig sein – und somit von sich aus auch nicht „realpräsent“ in oder neben jedem Tabernakel.

Sodann heißt es weiter in jener „Botschaft Mariens“ an Don Gobbi: „Mein Unbeflecktes Herz wird für Christus zum lebendigen, schlagenden und mütterlichen Tabernakel der Liebe, der Anbetung, des Dankes und der dauernden Sühneleistung.“

Welche „dauernde Sühneleistung“ vollbringt Marias Unbeflecktes Herz denn im Himmel – noch dazu „für Christus“?

CHRISTUS allein ist die „Sühne für unsere Sünden“, wie Bibel und Kirchenlehre bezeugen und verkünden – geschweige bedarf es einer menschlichen Sühneleistung „für“ Christus, eine zumindest höchst irreführende Bemerkung – gemeint ist vermutlich eine Sühneleistung „an“ Christus „für“ die Kirche im Sinne des hl. Paulus – aber dann müßte es auch so ausgedrückt werden.


Regensburg: Christkindl-Andacht mit Bischof Rudolf Voderholzer zur Heiligen Nacht

Zu Beginn der Heiligen Nacht hat Bischof Rudolf Voderholzer die „Christkindlandacht“ in der Karmelitenkirche St. Josef in Regensburg als eucharistische Andacht gefeiert; sie bildet den Abschluss einiger Andachten in der Adventszeit, mit denen sich die Gläubigen auf das Christfest vorbereiten.

Sehr viele Christen waren gekommen, um das weihnachtliche Geheimnis in der anhebenden Nacht zu feiern: die Ankunft Christi in einem Stall. Viele Gläubigen mussten auf Stehplätzen verweilen.

Der Regensburger Oberhirte und das Kirchenvolk hielten Anbetung vor dem göttlichen Erlöser im Altarsakrament.

Danach wurde durch die gesungene Ankündigung der Geburt des HERRN als Höhepunkt der Welt- und Heilsgeschichte erläutert:

„ER, das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt. Heute feiern wir den Tag seiner Geburt, das hochheilige Weihnachtsfest. Heute singen wir mit allen, die glauben: Christus ist uns geboren: Kommt, wir beten ihn an.“  

Unter dem Schall der Posaunen, Trompeten und der Tuba begleiteten Meßdiener/innen eine Christkind-Figur zum Altar; sie fand ihren Platz auf dem Altar unterhalb des Altarsakraments und unterhalb des Kreuzes.

Zum Abschluss sangen die Gläubigen das bekannteste Weihnachtslied der Welt: „Stille Nacht, heilige Nacht“.

Quelle (Infos, Foto): Pressestelle im Bistum Regensburg


Papst Benedikt über die Sünden in der Kirche

Am 25. März 2005 hielt Papst Benedikt eine Betrachtung beim Kreuzweg im römischen Kolosseum. Angesichts der 9. Station – Jesus fällt zum dritten Mal unter dem Kreuz – erklärte das Oberhaupt der katholischen Kirche folgendes:

Was kann uns der dritte Fall Jesu unter dem Kreuz sagen? Wir haben an den Sturz des Menschen insgesamt gedacht, an den Abfall so vieler von Christus in einen gottlosen Säkularismus hinein.

Müssen wir nicht auch daran denken, wie viel Christus in seiner Kirche selbst erleiden muss? Wie oft wird das heilige Sakrament seiner Gegenwart missbraucht, in welche Leere und Bosheit des Herzens tritt er da oft hinein?

Wie oft feiern wir nur uns selbst und nehmen ihn gar nicht wahr? Wie oft wird sein Wort verdreht und missbraucht? Wie wenig Glaube ist in so vielen Theorien, wie viel leeres Gerede gibt es?

Wie viel Schmutz gibt es in der Kirche und gerade auch unter denen, die im Priestertum ihm ganz zugehören sollten? Wie viel Hochmut und Selbstherrlichkeit?

Wie wenig achten wir das Sakrament der Versöhnung, in dem er uns erwartet, um uns von unserem Fall aufzurichten?

All das ist in seiner Passion gegenwärtig. Der Verrat der Jünger, der unwürdige Empfang seines Leibes und Blutes, muss doch der tiefste Schmerz des Erlösers sein, der ihn mitten ins Herz trifft. Wir können nur aus tiefster Seele zu ihm rufen: Kyrie, eleison – HERR, rette uns (vgl. Mt 8, 25).

HERR, oft erscheint uns deine Kirche wie ein sinkendes Boot, das schon voll Wasser gelaufen und ganz und gar leck ist. Und auf deinem Ackerfeld sehen wir mehr Unkraut als Weizen. Das verschmutzte Gewand und Gesicht deiner Kirche erschüttert uns.

Aber wir selber sind es doch, die sie verschmutzen. Wir selber verraten dich immer wieder nach allen großen Worten und Gebärden.

Erbarme dich deiner Kirche: Auch mitten in ihr fällt Adam immer wieder. Wir ziehen dich mit unserem Fall zu Boden, und Satan lacht, weil er hofft, dass du von diesem Fall nicht wieder aufstehen kannst, dass du in den Fall deiner Kirche hineingezogen selber als Besiegter am Boden bleibst.

Und doch wirst du aufstehen. Du bist aufgestanden – auferstanden und du kannst auch uns wieder aufrichten. Heile und heilige deine Kirche. Heile und heilige uns.

Quelle und weiterer Text hier: https://de.zenit.org/articles/kreuzweg-im-romischen-kolosseum-2005/


Medien und Kirchenveränderer verärgert über Papst Franziskus: der Wind dreht sich

Von Prof. Dr. Hubert Gindert

Die Anfrage der sieben Bischöfe in Rom, ob der Mehrheitsbeschluss der Deutschen Bischofskonferenz zur Kommunion für konfessionsverschiedene Ehepaare mit dem Glauben und der Einheit der Kirche in Einklang steht, hat in Deutschland zu erheblichen Veränderungen geführt:

Die Eucharistie und ihr Zusammenhang mit den übrigen Sakramenten ist in den Mittelpunkt gerückt worden. Die bisherige wohlwollende Berichterstattung über Papst Franziskus hat sich geändert. Die Instrumentalisierung des Papstes für kirchenpolitische Zwecke geht sowohl innerkirchlich wie seitens der Medien dem Ende zu.

BILD: Hubert Gindert leitet den Kongreß „Freude am Glauben“ und das „Forum Deutscher Katholiken“

Hatten die bisherigen „Sympathisanten“ die deutlichen Worte des Papstes, z.B. gegen Abtreibung, Genderideologie und die Existenz des Teufels überhört, so werden nun seine Aussagen zu Ehe und Familie, zur Homosexualität etc. hervorgeholt, um aufzuzeigen, dass Reformen mit Franziskus schwierig sind.

Erzbischof Charles J. Chaput hat in seinem Beitrag „Warum ein deutscher Sonderweg gefährlich wäre“ (vgl. Tagespost vom 30.5.) den engen Zusammenhang von Eucharistie mit den anderen Sakramenten in sechs Punkten verdeutlicht: „Da ist zum einen die globale Bedeutung der Kontroverse und zum anderen der lehramtliche Inhalt der Debatte. Wer wann und wo die Eucharistie empfangen darf, sind keine rein deutschen Fragen“.

Regina Einig und Guido Horst lassen im Artikel „Die Stunde der Kirchenrechtler“ (Tagespost, 14.6.) den Kirchenrechtler Christoph Ohly zu Wort kommen. Der eigentliche Streitpunkt ist die Frage des „Notstandes“, der im Kirchenrecht (Can. 844) geregelt ist.

Johannes Paul II. habe damals „in seiner eucharistischen Enzyklika bewusst von einer geistigen Notlage im Hinblick auf das Heil der Christen gesprochen und damit die bisherige Interpretation der Kirche, dass dies in Zeiten der Verfolgung oder des Gefängnisses gegeben ist, bestätigt. Die konfessionsverschiedene Ehe… würde nicht darunter gezählt, da es sich bei ihr nicht um eine Notlage handelt und die fehlende Einheit in der kirchlichen Gemeinschaft eine regelmäßige gemeinsame Kommunion ausschließt“.

„Was den Unterschied zwischen Notlage und geistlichem Bedürfnis angehe“ – das von der Mehrheit der deutschen Bischofskonferenz aufgeführt wird – „so ist das Bedürfnis kein Rechtsgrund, erläutert man im Vatikan“.

Die Sicht der Mehrheit der deutschen Bischofskonferenz nach dem Schreiben aus Rom drückt Bischof Gerhard Feige so aus: „Die Enttäuschung ist bei vielen groß. Der Schaden noch nicht abzusehen… Verbitterung und Resignation machen sich breit“, erklärte er im „Nachruf auf eine unsägliche Entwicklung“.

Kardinal Walter Kasper ist „zornig“. Er sieht einen „Loyalitätsbruch in der Kurie“. „Kardinal Marx meldet weiteren Gesprächsbedarf an“ (Konradsblatt Nr. 25/2018, S. 3). Die immer wieder vorgebrachte Dreiviertel-Mehrheit, auf die gepocht wird, zeigt, dass nicht die Frage, ob der Beschluss der Bischöfe dem Glauben und der Einheit der Kirche entspricht, im Mittelpunkt steht, sondern wie weit „Demokratie in der Kirche“ und der Relativismus in das Kircheninnere eingedrungen sind.

Jetzt wird Papst Franziskus in der säkularen Presse, die ihn bisher für ihre kirchenpolitische Zwecke instrumentalisiert hat, angegriffen.

So schreibt die Süddeutsche Zeitung: „Der Brief aus Rom zeigt: Papst Franziskus mag radikal sein, wenn es um Flüchtlinge und die Globalisierungskritik geht – in innerkirchlichen Fragen ist er viel weniger ein Reformer, als viele erhofften… So hat er gerade erst bekräftigt, dass Frauen nicht die Priesterweihe empfangen können.“

Die Frankfurter Rundschau kritisiert: „Der Papst hat sein eigenes Reformprogramm schwer, wenn nicht irreparabel beschädigt. Der erste Testfall dezentraler, an regionalen Gegebenheiten angepasster Regeln ist krachend gescheitert, die Protagonisten – allen voran Kardinal Marx als Vorsitzender der Bischofskonferenz – wurden böse desavouiert.“

Die Augsburger Allgemeine Zeitung schreibt am 15. Juni: „Priester wenden sich gegen Vatikan – Geistliche aus dem Bistum für Kommunion auch für Protestanten“. 58 Mitglieder der Priesterinitiative der Diözese Augsburg erklären: „Es schmerzt uns, dass diese Chance durch unsägliche Querelen und durch ein völlig unvermitteltes Nein aus Rom zunichte gemacht wurde.“

In der gleichen Zeitung lautet am 18.6. eine Überschrift: „Familien nur mit Mann und Frau – der Papst schließt Homosexuelle aus“.

Jetzt, wo sich zeigt, dass Papst Franziskus auf die Wünsche der Kirchenveränderer nicht eingeht, wird er zum Gegenstand von Kritik. Der Wind dreht sich.


Wir trauern um Pfarrer Otto Wohlleber

Von Felizitas Küble

Noch vor zwei bis drei Wochen habe ich mit ihm telefoniert – und er gab mir am Schluß des Gesprächs wie üblich seinen priesterlichen Segen: Pfarrer Otto Wohlleber aus der fränkischen Kirchengemeinde Mistendorf. 

Zudem spielte mir der bodenständige, freundliche und unkomplizierte Priester fast immer am Klavier ein Lied vor, das ich mir selber wünschen konnte  – meist wählte ich ein glaubensfrohes Kirchenlied oder ein Fahrten-/Wanderlied wie z.B. „Wem Gott will rechte Gunst erweisen“.

Als seine hochbetagte Mutter, die ihm den Haushalt führte, noch lebte, sang sie mit ihrer glockenhellen Stimme fromme oder fröhliche Lieder ins Telefon und ihr Sohn lieferte im Hintergrund die Musik dazu. Er machte gerne Scherze über seinen Nachnamen „Wohlleber“ (Wie es mir geht? – Gottlob genauso, wie es mein Name verrät!)  –  und seinen kurzen Vornamen Otto schätzte er sehr, gerade weil er heutzutage nicht mehr stark verbreitet ist.

Von Edeltraud Ringelmann, einer seiner Schwestern, erfuhr ich, daß unser lieber Freund nachts an Herzinfarkt verstorben war. Am nächsten Tag   – es war der 20. Juli – fand sie ihn tot im Bett vor.

Beim Requiem (Totenmesse) am 26. Juli in der großen Otto-Kirche von Bamberg war das Gotteshaus voll mit Gläubigen; es konzelebrierten 13 Priester am Altar, darunter ein Vertreter von Erzbischof Dr. Ludwig Schick.

Der Bamberger Oberhirte hat den theologisch konservativen Priester am 15. Dezember 2011 zum „Geistlichen Rat“ ernannt  –  und dies vor allem deshalb, weil sich Pfarrer Wohlleber sehr intensiv um den „Steinknock“ kümmerte, einen uralten eucharistischen Wallfahrtsort in der Nähe seiner Pfarrgemeinde. (Näheres über diese Pilgerstätte in unserem Bericht vor fünf Jahren: HIER)

Die heilige Messe war für diesen Geistlichen, der im Alter von 72 Jahren in die Ewigkeit abberufen wurde,  Zentrum und Höhepunkt seines priesterlichen Lebens und Wirkens. Auch in seinen Predigten sprach er gerne über das Altarsakrament. Er erteilte den Erstkommunion-Unterricht selber und gab den Kindern gerne bei passender Gelegenheit seinen Einzelsegen in der Kirche.

Der konservative Priester zelebrierte die heilige Messe in seiner Pfarrkirche „St. Maria Himmelfahrt“ stets zum HERRN hin – genauer: im Aufblick zum barocken Hochaltar.

Er sprach die Wandlungsworte seit Jahrzehnten auf Latein („pro multis“) und verwendete grundsätzlich den „Römischen Kanon“ (1. Hochgebet), der mit dem überlieferten Ritus („alte Messe“) am stärksten verwandt ist und den Opfercharakter der hl. Messe betont. Natürlich wurde die hl. Hostie in Wohllebers Pfarrkirche an der Kommunion-Kniebank ausgeteilt – und seine Ministranten bestanden allesamt aus Jungen.

Mit seiner Bescheidenheit hat es der Ruhestandspfarrer dann manchmal fast übertrieben, wie mir schien. Er wollte nie im Mittelpunkt stehen, sondern möglichst weit am Rande – und keinerlei „Wirbel“ um seine Person erleben.

Wenn bei ihm ein Geburtstagsfest anstand, wollte er am liebsten „weglaufen“. Ich habe ihn öfter gedrängt, an diesem Tag in seiner Pfarrei zu bleiben, damit die „Schäflein“ ihm gratulieren können.

Fast 35 Jahre lang war er Pfarrer in Mistendorf unweit von Bamberg. Die Kirchengemeinde schrieb in ihrem Nachruf (veröffentlicht im aktuellen Bistumsblatt vom 30. Juli 2017):

„Seine ganze Sorge galt seiner ihm anvertrauten Gemeinde. Er machte nie großes Aufsehen um seine Person, sondern ihm war wichtig: Alles zur größeren Ehre Gottes.“

Seine Bescheidenheit zeigte sich auch darin, daß ich erst nach seinem Tode erfuhr, daß er die Denkmalschutz-Medaille durch den bayerischen Kultursminister Zehetmaier erhalten hat. Dabei waren wir jahrzehntelang per Du befreundet und führten zahlreiche, oft lange Telefonate, wobei niemals eine persönliche Mißstimmung aufkam, was an seiner friedlichen und gemütvollen Art lag.

Freilich erzählte er mir gerne, daß er Mitglied im „Frankenbund“ war, in dem schon seine Ahnen und Urahnen aktiv waren. Er verstand sich ausdrücklich nicht als Bayer, sondern als „wackerer Franke“. 

Interessanterweise würdigte der Freistaat Bayern mit der Denkmalschutz-Medaille nicht „nur“ die Renovationsarbeiten mehrerer Kirchen und der Steinknock-Wallfahrtkapelle, sondern auch folgendes aufschlußreiche Ereignis:

Im Jahre 1970  – damals gab es in manchen Gegenden einen geradezu absonderlichen „Bildersturm“ im Gefolge eines überbordenden Reformeifers – waren die barocken Altäre aus der Kirche in Geisfeld entfernt und verkauft worden. Pfarrer Wohlleber jedoch hat sie in einer Scheune (!) in der weit entfernten Oberpfalz (!) aufgespürt. Der Geistliche führte die Altäre zurück, ließ sie restaurieren und wieder aufstellen.

Staat und Denkmalschutz waren heilfroh darüber  – die kirchlichen Oberen hoffentlich auch?

Am 28. Juni 1970 wurde Otto Wohlleber in Bamberg zum Priester des Ewigen geweiht. Sein Primizspruch lautete: „Helft mir durch eure Fürbitte bei Gott.“

Diese Bitte gilt im Leben und im Sterben  – nach dem Tod sogar erst recht: R.I.P.

Ganz in diesem Sinne heißt es in der Todesanzeige der Familie Wohlleber (siehe Abbildung): „Über den Tod hinaus bleiben wir im Gebet miteinander verbunden.“

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.

Die beiden Fotos (Pfr. Wohlleber, Kirche von Mistendorf) sind Broschüren der dortigen Pfarrgemeinde entnommen


CHRISTUS ist unser göttlicher „Kumpane“

Von Felizitas Küble

Es würde wenig ehrfürchtig klingen, wenn wir sagen, Christus sei unser „Kumpel“, obgleich ER seine Jünger als „Freunde“ bezeichnet hat. Aber „Kumpel“ klingt für den Sohn des lebendigen Gottes wirklich zu flapsig und oberflächlich!

Schaut man sich aber die sprachliche Herkunft dieses Wortes an, sieht die Sachlage anders aus, denn der Begriff kommt vom lateinischen „Cumpane“. 

Dieser Ausdruck leitet sich ab von „Cum Pane“  (Pane = Brot, cum = mit)  –  es ist also jemand, der das Brot mit uns teilt. (Daraus ergeben sich dann auch bekannte Begriffe wie Kompanie und Companion.)

Die Mahlzeit  – vor allem sein Brot – mit jemandem teilen, gilt seit jeher als Zeichen von Freundschaft und Verbundenheit.

Interessanterweise erkannten die Emmaus-Jünger unseren HERRN beim Brotbrechen (Lk 24,31).

Zwar brannte schon vorher ihr Herz, als ER ihnen die Heilige Schrift  –  die Prophetie des Alten Bundes – erschloß und auf sich als Messias bezog. Doch erst als ER mit ihnen zu Tisch saß und das Brot brach, wußten sie: ER ist es, der Heiland des jüdischen Volkes und Erlöser der Welt. Daher bezeichneten die ersten christlichen Gemeinden die heilige Eucharistie als „Brotbrechen“.

Diesen interessanten sprachgeschichtlichen Hinweis erzählte heute in Kurzform der Geistliche bei seiner Predigt vor der Marien-Kirche von Münster-Hiltrup bei der Fronleichnamsmesse. Danach folgte die Prozession (siehe Foto) mit dem Allerheiligsten unter dem Baldachin bzw. „Himmel“ durch die Straßen der Stadt, um Christus als höchsten HERRN zu ehren, der im Altarsakrament wahrhaft zugegen ist.

HIER gibt es übrigens einen Kanon (eignet sich vor allem als Tischgebet) mit dem Titel „KumPane –  der das Brot mit mir teilt: http://www.familiengebet.de/index.php?id=79

 


Gespräch nach der hl. Messe mit einem ex-muslimischen Flüchtling aus dem Iran

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Heute erreichte uns folgender Erlebnisbericht einer katholischen Familienmutter aus dem Münsterland, die wir seit langem persönlich kennen; die Schilderung kann vielleicht auch andere Leser(innen) dazu animieren, mit wohlmeinenden Zuwanderern bzw. Flüchtlingen ins Gespräch zu kommen und ihnen zugleich unseren Glauben freimütig zu bezeugen:
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Unsere Kirche war am gestrigen Sonntag wegen einer Verabschiedung des Patoralreferenten vollbesetzt  –  und meine Tochter und ich bekamen nur noch in der ersten Reihe einen Platz. Somit waren wir bei der Kommunionausteilung ganz nah dran und konnten die letzten Gläubigen noch sehen.  Kreuzkuppel
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Es kam ein arabisch aussehender Mann nach vorne und nahm die hl. Hostie an, ließ sie jedoch in seinen Händen und ging in die Bank zurück. Ich erschrak sehr, weil ich nicht wusste, was er wohl mit dem Allerheiligsten vorhatte.
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Ich wurde immer besorgter und wandte mich nach der hl. Messe an unseren zweiten Pastoralreferenten. Dieser konnte mir auch nicht richtig helfen, unterstützte mich aber dabei, den Pastor aufzusuchen und es diesem mitzuteilen.
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Das wollte ich dann sofort machen, weil er sich vielleicht noch an jenen Mann erinnern würde. Als wir dann über den Kirchplatz liefen, sahen wir den Araber mit einer Frau wieder, und beide gingen zum offenen Treffen in das Gemeindezentrum.
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Ich dachte bei mir: Nun speche diese Beiden selbst an  –  und tat es auch. Wir haben uns freundlich begrüßt und schnell herausgefunden, dass beide Englisch sprechen. Somit konnte ich ihnen mit meinem Schul-Englisch mehr oder weniger mühsam erklären, dass man die hl. Hostie nicht mitnehmen darf. Er sagte, er würde erst in der Bank kommunizieren. Ich erklärte ihm: „Der Priester muss sehen, wie die Hostie eingenommen wird. Das ist sehr wichtig.“
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Ebenfalls erzählte ich, es sei ein heiliges, gesegnetes Brot. (Ich kannte auf Englisch nicht die genauen liturgischen Begriffe dafür.) Die Beiden haben es dann sofort verstanden.
Er erzählte mir, dass er ursprünglich aus dem Iran kommt, dort wegen der Diktatur in den Libanon flüchtete und von dort nach Deutschland – und daß er seit einigen Jahren dem Christentum anhängt. Zuvor war er Moslem. Es stellte sich im Gespräch heraus, dass er und seine Begleitung noch nicht getauft sind.  Logo Christustag
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Da erschrak ich und machte ihm klar, wie wichtig die Taufe sei und dass er ungetauft nicht zur hl. Kommunion gehen dürfte. Ja, es war ihm  und der Frau an seiner Seite wichtig, die Taufe zu erhalten, gab er mir zu verstehen.
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In dem Moment kam der Pastor an uns vorbei. Ich sprach ihn aus meiner Sorge um die ungeklärte Situation bei diesen Beiden an und er sagte mir nur, er sei in Eile und fügte betreff der Beiden hinzu: „Sie müssen es auch wollen!“  –   Ich erwiderte, dass es ziemlich klar sei, dass sie die Taufe wünschen. Er ging dann mit den Worten, man solle sich einen Termin zum Gespräch im Pfarrbüro machen lassen.
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Bei den Flüchtlingen war jedoch eine gewisse Hilflosigkeit zu spüren. Ich nahm Beide aus dem Pfarrsaal mit nach draußen und zeigte ihnen, wo der Pastor und das Pfarrbüro zu finden sind. Zudem gab ich meine Telefonnummer heraus, falls noch Fragen wegen der Taufe oder sonstige Anliegen bestehen.
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Der junge  Mann, der immer noch Mohammed heißt, zeigte mir Fotos aus dem Libanon, wo er vor einer uralten Kirche stand. Dann verabschiedeten wir uns freundlich. Es war eine besondere Begegnung, die aus meiner inneren Besorgnis heraus entstanden war. Ich wurde auch an die Apostel erinnert, die hinauszogen waren, um zu taufen im Namen des Vaters und des Sohnes und des Hl. Geistes.
1. Foto: Petrusbruderschaft