Regensburg: Wolfgangspredigt von Bischof Rudolf Voderholzer am 31. Oktober 2019

Am 31. Oktober begeht die Kirche den Gedenktag des hl. Wolfgang (924 – 994 n. Chr.), der Patron des Bistums Regensburg ist.

Am Abend feierte die Diözese zusammen mit Bischof Rudolf Voderholzer ein Pontifikalamt zu Ehren des Heiligen in der Basilika St. Emmeram. Die Krypta der Kirche bewahrt den Schrein mit den Reliquien des Heiligen.

Es ist schon zur Tradition geworden, dass der Regensburger Oberhirte (siehe Foto) am Wolfgangstag eine wegweisende Predigt hält, in der er besonders auf Fragen eingeht, die in der Kirche aktuell die Runde machen. 

Wir dokumentieren hier seine diesjährige Predigt. Die Zwischenüberschriften und Fettdruck-Hervorhebungen dienen der Übersichtlichkeit für unsere Leser:

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn!

Das Wirken des heiligen Wolfgang und des heiligen Emmeram führt uns geschichtlich in die Zeit der Anfänge des Christentums in unserer Heimat, in die Zeit der Erst-Evangelisierung, die immer auch vorbildlich bleiben wird für die stets notwendige Neu-Evangelisierung.

Die Amazonas-Synode, die vor einigen Tagen in Rom zu Ende ging, befasste sich mit der Situation einer Kirche, die in vergleichbarer Weise am Anfang steht wie die Kirche in unseren Breitengraden nach der Völkerwanderungszeit.

Unter theologischer Rücksicht erregten im Blick auf die Amazonas-Synode vor allem zwei Themen Aufmerksamkeit: Die Frage der Inkulturation, also die Art und Weise der Übernahme von vorchristlichen Formen der Frömmigkeit, konkret in unserem Fall der Verehrung naturaler Fruchtbarkeit in Form der personifizierten Mutter Erde, der „Pacha-Mama“; und dann die – vor allem von europäischen Beobachtern noch einmal forcierte – Frage der Zulassung bewährter verheirateter Männer zum priesterlichen Dienst.

Bei näherer Betrachtung laufen beide Themen auf dieselbe Frage zu: Bringt die christliche Botschaft etwas Neues oder bestätigt und heiligt sie nur das schon überliefert Vorhandene? Und wenn die christliche Botschaft etwas Neues beinhaltet, worin besteht es?

Was ist das Neue an der christlichen Botschaft?

Auf diese Frage hat schon im 2. Jahrhundert Irenäus von Lyon eine wunderbare Antwort gegeben, indem er sagte: „Alle Neuheit hat Christus gebracht, indem ER sich selbst brachte.“ Jesus Christus ist in seiner Person die Neuheit, und ER ist in seiner Person auch die nie versiegende Quelle der stetigen Erneuerung der Kirche und jedes einzelnen. Denn als der auferstandene und einst wiederkommende Gottessohn ist ER in der Kraft des Heiligen Geistes jeder Phase der Geschichte gleichzeitig und sogar voraus.

In seiner Neuheit kommt er den Fragen, der oft unausdrücklichen Sehnsucht aller Menschen und ihrer „natürlichen“ Religiosität entgegen, reinigt sie zugleich, erhöht sie und gibt ihnen die unüberbietbar göttliche Antwort. In Christus sind alle Religionen „aufgehoben“ – „aufgehoben“ in einem dreifachen Sinn: Außer Kraft gesetzt, erhöht und bewahrt.

Anknüpfung und Bruch zugleich

Deswegen geschieht Inkulturation immer in Anknüpfung und Bruch zugleich. Origenes, ebenfalls ein Theologe der frühen Kirchengeschichte, verwies in seiner Auslegung des Auszugs Israels aus Ägypten zum Beispiel darauf, dass die Israeliten die goldenen Gefäße und Statuen ihres bisherigen Gastlandes mit ihrem Pharaonenkult und der Jenseitsfixierung zwar mitnahmen, dass sie sie aber nicht als solche verwendeten, sondern einschmolzen und umformten zu den heiligen Geräten zur Verehrung und Anbetung des Gottes Israels.

ER ist der Gott des Bundes mit den Menschen und gibt ihnen in den Zehn Geboten Orientierung für ein Gott gefälliges Leben.

Der heilige Bonifatius und die Eichen

Der heilige Bonifatius, der zwischen unseren heiligen Bistumspatronen Emmeram, Erhard und Wolfgang gewirkt und unserem Land zum Evangelium auch noch viele Bistumsgründungen geschenkt hat; Bonifatius, der Apostel Deutschlands, hat auch nicht etwa den Kult der Germanen eins zu eins übernommen.

Bonifatius hat die Donar-Eiche, den Kultbaum der germanischen Götterwelt, nicht umtanzt und nicht umarmt, sondern er hat sie gefällt und aus ihrem Holz ein Kreuz gezimmert und eine Petruskapelle gebaut.

Ein wunderbares Bild für die Einpflanzung der Neuheit des Evangeliums in Kontinuität und Diskontinuität mit dem Bisherigen!

Die trügerische Hoffnung auf eine Gottheit, die nur vor Blitz, Donner und der Bedrohung durch Riesen schützt, wurde so ersetzt durch den Gott der Liebe, der vor dem Tod der Seele bewahrt und wirklich den Himmel aufreißt.

Ohne einen gewissen Bruch mit dem Vergangenen ist die Neuheit Christi nicht zu gewinnen.

Pacha-Mama und die Ökumene

Darauf verweist uns nicht zuletzt die Lehre der Reformatoren, denen die katholische Inkulturationsbereitschaft immer schon zu weit ging. Ohne die Thesen Martin Luthers – noch dazu in ihrer dialektischen Zuspitzung – in Gänze zu übernehmen, sollte doch die Ökumene-Sensibilität davor bewahren, heidnische Skulpturen ohne geistig-geistliche „Umschmelzung“, ohne „Durchkreuzung“, wenn Sie so wollen, in den Raum der Kirche zu tragen.

Es war jedenfalls nicht ersichtlich, dass die entsprechenden Figuren die Verwandlung und Reinigung von einer naturalen Frömmigkeit hin zur heilsgeschichtlich ausgerichteten Marienfrömmigkeit durchlaufen hatten – entsprechend den Bemühungen früherer katholischer Missionare.

Dazu aber mahnt uns, wie ich finde, der heute wie immer zeitgleich mit dem Wolfgangsfest von den lutherischen Schwestern und Brüder im Glauben begangene Reformationstag. Andernfalls liefert man den biblizistisch ausgerichteten und oft extrem reformatorisch-dialektisch argumentierenden evangelikalen und pentekostalen und in ganz Lateinamerika sehr aktiven und erfolgreichen Missionaren noch Argumente gegen die katholische Kirche.

Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen

Und was die Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen all derjenigen angeht, die in die besondere Nachfolge Jesu gerufen wurden: Diese Lebensform, die die Lebensform Jesu und der Apostel war, sie war zu allen Zeiten und an allen Orten eine Provokation und eine Zu-mutung! Zuallererst schon in Palästina zur Zeit Jesu selbst. Jesus selbst wurde als „Eunuch“ beschimpft und verspottet (vgl. Mt 19).

Und doch ist gerade diese Lebensform Ausdruck der Neuheit Christi, lebendiges Glaubenszeugnis für den Anbruch des Gottesreiches, Ausdruck des Vertrauens auf die Kraft geistlicher Fruchtbarkeit, Zeichen der Hoffnung auf eine größere, alles Innerweltliche übersteigende Erfüllung.

Der heilige Wolfgang hat genau vor diesem Hintergrund die Disziplin der Klöster zu erneuern begonnen und mit der Einführung der vom Kloster Gorze ausgehenden Reform auf diesen Aspekt der Neuheit Christi gepocht, einer Neuheit, die sich im Leben der Kirche Ausdruck verschafft.

Räumlich entlegene Zweitrangigkeit?

Nun raten offenbar die Teilnehmer der Synode, die übrigens in der katholischen Kirche – im Unterschied zu den Synoden der evangelischen Kirche – ein Beratungs- und kein Beschluss-Organ ist, dem Papst, über eine Entkoppelung von Priesteramt und Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen in einigen wenigen Ausnahmefällen in räumlich entlegenen Regionen der Weltkirche zur Ermöglichung einer häufigeren Eucharistiefeier nachzudenken.

Dies ist freilich nicht besonders originell oder gar neu, und in seiner Zielsetzung durchschaubar. Denn es gibt in der weltumspannenden einen und deshalb katholischen Kirche keine kirchlich zweitrangigen Regionen. Und in einer so bedeutenden Frage kann und wird es auch keine nur regionalen Lösungen geben.

„Lasst Euch nicht verwirren!“

Allen jungen Männern, die den Ruf Jesu in die besondere Nachfolge hören und jetzt verständlicher Weise verunsichert sind, rufe ich zu: Lasst Euch nicht verwirren!

Die Lehre des Zweiten Vatikanischen Konzils steht und ist gültig: Die Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen ist als die Lebensform Jesu und der Apostel dem Priesteramt in vielfacher Hinsicht angemessen. Sie ist auch ein Kriterium auch der Ernsthaftigkeit der Nachfolgebereitschaft und – gelebt in brüderlicher Kollegialität in der Gemeinschaft des Presbyteriums – eine vielfach bewährte Quelle geistlicher Fruchtbarkeit.

Ich bin der festen Überzeugung: Wo die Sehnsucht nach der Eucharistie, Hunger der nach der „geistlichen Speise“, nach dem „Brot vom Himmel“ wirklich groß ist, dort wird auch die Bereitschaft wachsen, dem Ruf in die Ganzhingabe im Priesteramt zu folgen – sei es in Amazonien, sei es in Mitteleuropa.

Mann und Frau in gleicher Würde

Zur Neuheit des Christlichen gehört auch eine vertiefte Sicht der Einheit und Unterschiedenheit von Mann und Frau bei gleicher Würde und unterschiedlicher Sendung und Berufung.

So war es doch einigermaßen verwunderlich, in diesem Zusammenhang von einer namhaften kirchlichen Stimme in der Bild-Zeitung zu hören, dass der Unterschied zwischen Mann und Frau einzig und allein in einem Y-Chromosom bestehe:

Wörtlich war zu lesen, ich zitiere: „Kann man zum Beispiel an einem Y-Chromosom den Zugang zum Priesteramt festmachen, indem man das mit dem Willen Jesu begründet?“ -Und: „Die allermeisten Menschen verstehen das nicht mehr und glauben es auch nicht. Ich bin ebenfalls mehr als nachdenklich.“ [1]

Verlockende Enge statt christlicher Weite

Anstatt, wie es Aufgabe und Verpflichtung eines Bischofs wäre, geleitet vom „sensus ecclesiae“, also in kirchlichem Geist, die verbindliche Lehre der katholischen Kirche zu vertreten, sie zu erschließen und vor dem Hintergrund einer philosophisch-theologischen Anthropologie nachvollziehbar zu machen, wird der Blick verengt auf die Genetik und unterstellt eine Quasi-Gleichheit der Geschlechter.

Immerhin, so ist zu entgegnen, lässt Gott, der Schöpfer, der den Menschen als Mann und Frau geschaffen hat, aus dem „kleinen Unterschied“ im genetischen Ursprung die unser Menschsein zutiefst bestimmende und prägende Geschlechterdifferenz entstehen.

Und ER hat auf der gegenseitigen Anziehung von Mann und Frau die Weitergabe des Lebens und damit nichts weniger als die Zukunft der Geschichte begründet. Und schließlich hat Jesus Christus die Ehe von Mann und Frau zur Würde eines Sakramentes erhoben. Auch dies ist ein Ausdruck der christlichen Neuheit!

Ein Aspekt der Neuheit freilich, der, wie wir alle wissen, vielfach angegriffen, unterhöhlt und infrage gestellt und entweder ins Althergebrachte oder aber Beliebige aufgelöst wird.

Synodaler Weg und die Frage nach dem Sinn der Teilnahme

Sollte mit dem genannten biologistischen Argument das Argumentations-Niveau des bevorstehenden Synodalen Weges vorgezeichnet sein, dann sehe ich ehrlich gesagt wenig Sinn darin, dabei mitzumachen.

Papst Franziskus hat in seinem Schreiben an das Pilgernde Gottesvolk in Deutschland vom 29. Juni uns in geistlicher Leidenschaft den Primat der Neu-Evangelisierung ans Herz gelegt.

Er rät uns allen dringend, ich zitiere: „eine Haltung einzunehmen, die darauf abzielt, das Evangelium zu leben und transparent zu machen, indem sie mit ‚dem grauen Pragmatismus des täglichen Lebens der Kirche bricht, in dem anscheinend alles normal abläuft, aber in Wirklichkeit der Glaube nachlässt und ins Schäbige absinkt.“ Und der Papst weiter: „Pastorale Bekehrung ruft uns in Erinnerung, dass die Evangelisierung unser Leitkriterium schlechthin sein muss, unter dem wir alle Schritte erkennen können, die wir als kirchliche Gemeinschaft gerufen sind in Gang zu setzen; Evangelisieren bildet die eigentliche und wesentliche Sendung der Kirche.“[2]

Das war das Programm der Apostel, das war das Programm des heiligen Bonifatius, des heiligen Wolfgang und all der vielen Glaubenszeuginnen und –zeugen bis herauf in unsere Tage. Und es ist auch das einzig sinnvolle und zielführende Programm für die Gegenwart und die Zukunft der Kirche.

Heiliger Wolfgang, bitte für uns!

Quellenangaben:

[1] https://www.katholisch.de/artikel/23403-overbeck-nachdenklich-priesteramt-an-einem-y-chromosom-festmachen;

https://www.bild.de/bild-plus/regional/ruhrgebiet/ruhrgebiet-regional-politik-und-wirtschaft/essen-so-hat-das-amt-des-ruhrbischofs-franz-josef-overbeck-veraendert-65644676,view=conversionToLogin.bild.html

[2] Papst Franziskus, Brief vom 29. Juni 2019, Nr. 6

Quelle: Bistum Regensburg


Die Amazonas-Synode spiegelt den Konflikt zwischen Glaube und Zeitgeist

Mathias von Gersdorff

Die seit dem 6. Oktober tagende „Amazonas-Synode“ im Vatikan sorgt für nicht geringe Irritationen und Perplexitäten unter den Katholiken.

Grund dafür war zuerst der Duktus des Arbeitsdokumentes (Instrumentum laboris), das sich fast wie ein Pamphlet der Grünen liest und deutliche Sympathien für die (heidnischen) Lebensgewohnheiten der indigenen Völker in der Amazonasregion zeigt.

Weiterer Unmut entstand nach der Bekanntgabe der Teilnehmer an der Synode. Es finden sich die Namen der radikalsten Vertreter der Befreiungs-, der ökologischen und der indigenen Theologie.

Diese theologischen Richtungen plädieren für einen völlig neuen Weg der katholischen Kirche und einen drastischen Abschied von der katholischen Tradition und dem Lehramt. Und nun kommen immer wieder Berichte über heidnische Praktiken rund um die tagende Synode und von heterodoxen Stellungnahmen in der Synodenaula.

Wie konnte es zu dieser Situation kommen? Was ist los in Teilen der katholischen Kirche?

Als Ausgangspunkt: Hans Küng

Der Theologe Hans Küng beschreibt in seinem 2015 erschienenen Buch „Sieben Päpste“ das, was er als Grundübel der katholischen Kirche ansieht: Die Bildung eines effizienten und schlagfertigen Apparates im Vatikan unter dem Pontifikat von Innozenz III. (Papst von 1198 bis 1216), also der Vatikanischen Kurie.

Alle Progressisten sind mehr oder weniger der Auffassung, dass damals die katholische Kirche mehr oder weniger (es gibt nämlich erhebliche Schattierungen) zu einem Apparat geworden ist, der den Geist erstickt.

In der Kirche stehe angeblich seitdem nicht mehr der direkte und uneingeschränkte Glaube im Mittelpunkt, sondern das Kirchenrecht, die lehramtlichen Dokumente, der Machtanspruch des Papstes, die Kirchenverwaltung.

Diese Karikatur kann nur bei Personen entstehen, die die Kirche nicht als eine übernatürliche Institution, deren Leben von der göttlichen Gnade geleitet wird, ansehen. Dann kann man leicht zur Auffassung gelangen, das real existierende Leben der Kirche hätte genauso gut einen völlig anderen Weg nehmen können, als ob Gott nicht letztlich die Geschichte leiten würde.

Der heutige Progressismus will im Grunde die Kirchengeschichte korrigieren. Dies geschieht auf zwei Wegen, dem europäischen und dem südamerikanischen Weg.

Die europäische (progressistische) Vision von Kardinal Marx & Co.:

Was der europäische Reformkatholizismus will, ist bekannt: Die Anpassung der Kirche an den Zeitgeist. Dem Zeitgeist messen die Progressisten Autorität zu. Er besitzt sogar Deutungshoheit darüber, wie das Leben und der Glaube in der Kirche sein sollen.

Aus diesem Grund werden die Thesen des Zeitgeistes bereitwillig übernommen: Die Kirche hat demokratisch zu sein, die Sexualmoral soll sich an den Ansichten der Welt anpassen, der Feminismus hat die Strukturen der Kirche zu bestimmen etc.

Heute soll der Ökologismus die prägende Idee in der Kirche sein.

Die Tradition, die Kirchengeschichte, das Lehramt, die Dogmen, die Volksfrömmigkeit werden als unnötigen Ballast angesehen, der den Glauben erstickt. Vielmehr soll sich die Kirche ständig neu erfinden: Liturgisch, glaubensmäßig, moraltheologisch.

Die lateinamerikanische (befreiungstheologische) Vision von Kardinal Humes & Co.:

In Südamerika hat der Progressismus einen anderen Weg genommen, weil er stark vom Marxismus beeinflusst wurde. Die sog. „Befreiungstheologie“ ist die Übernahme der Methode des Klassenkampfes in die katholische Kirche. Die Befreiungstheologie verteidigte die Notwendigkeit eines Klassenkampfes der Armen gegen die Reichen, genauso wie der klassische Marxismus.

Weil der katholische Glaube keine „Klassen“ kennt, wurde die Befreiungstheologie vom Vatikan verurteilt (u.a. durch die Instruktion der Glaubenskongregation Libertatis nuntius im Jahr 1984).

Sie lebte aber in den Köpfen vieler Theologen fort und durchlief eine erstaunliche Metamorphose. Auf der Basis der Befreiungstheologie entstanden eine „Feministische Theologie“, eine „Ökologische Theologie“, eine „Indigene Theologie“ etc.

Allen liegt die Grundthese zugrunde, dass eine herrschende Schicht die große Mehrheit der Menschen unterdrückt.

Die „Indigene Theologie“ ist aus kulturrevolutionärer Perspektive die radikalste: Sie besagt, dass die ganze Kolonisierung und Evangelisierung Lateinamerikas ein einziger Akt der Unterdrückung war. Wohlgemerkt: Auch die Evangelisierung. Denn diese habe legitime religiöse Gewohnheiten zerstört. Ebenso habe man den Eingeborenen eine europäische Weltanschauung aufgedrückt.

Auf diese Weise leben die Urvölker seit 500 Jahren kulturell und religiös unterdrückt.

Eine europäische Version dieser These würde behaupten (und der NS-Ideologe Rosenberg tat dies auch), den Germanen hätte man ihre Naturverbundenheit samt ihrem Kult zur „Mutter Erde“ und zu den anderen Gottheiten unzulässig weggenommen.

Was verbindet den europäischen und den lateinamerikanischen Progressismus?

Obwohl sich rein äußerlich europäischer und lateinamerikanischer Progressismus sehr unterscheiden, sind sie theologisch eng verwandt: Beide lehnen Tradition und Lehramt ab. Beide sind der Auffassung, der Glaube müsse sich völlig ungebunden entfalten und brauche keine Kurie, kein Kirchenrecht, keine Dikasterien, keine Hierarchie.

Was denkt die „Mitte“?

Die oben beschriebenen Strömungen sind radikal, bilden aber keine Mehrheit. Die meisten Bischöfe versuchen, in einer Äquidistanz (gleicher Abstand) zu Tradition und zur Anpassung an die Welt zu leben.

Doch wegen der allgemeinen Krise der Kirche (Missbrauchsfälle, Krise der Berufungen, schwindende Zahl von Gläubigen etc.) wirkt diese Mehrheit im Auftreten sehr schwach und blass. Deshalb ist heute der Einfluss der Progressisten, auch der Radikal-Progressisten, sehr stark. Sie treten mit großer Autorität auf und kaum einer wagt es, ihnen zu widersprechen.

Was ist neu an der heutigen Situation? Die Umgürtelung ist gesprengt.

Nun könnte man sagen, dass diese Bildung von Strömungen oder Parteiungen seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil sehr ausgeprägt ist: Die einen wollen alles umkrempeln. Die anderen wollen, dass sich nichts ändert. (Eine dritte Gruppe wünscht, dass man zu Zeiten von Pius XII. zurückkehrt. Sie sind aber in der Synode gar nicht vertreten).

Heute ist aber neu, dass die unterschiedlichen Sektoren in der Kirche wie isolierte Inseln leben. Die Umgürtelung, die es noch unter Figuren wie Kardinal Lehmann gab, existiert es nicht mehr. Jeder Gruppe lebt sozusagen für sich allein.

Das führt dazu, dass die radikalen Wortführer, die von Lehramt und Tradition nichts halten, immer offener agieren und sich noch mehr radikalisieren.

Der Konsens darüber, was katholisch ist und was nicht, zerbricht zunehmend. Nichts ist mehr verbindlich, so scheint es. Die zentrifugalen Kräfte wachsen. Inzwischen wird offen über mögliche Schismen gesprochen, was noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen wäre.

Die Perspektiven:

Allein die Tatsache, dass manche Oberhirten laut über das Frauenpriestertum nachdenken, wie etwa Bischof Peter Kohlgraf von Mainz, zeigt, dass die Lage äußerst kritisch ist.

Aus dem lateinamerikanischen Progressismus hört man Forderungen wie etwa eine Entschuldigung der Kirche wegen der Evangelisierung der Indianer. Sie seien von Gott direkt „getauft“ worden und hätten in einem paradiesischen Zustand gelebt. Der Westen hätte all das zerstört und Jesus Christus wäre demnach kein notwendiger Retter mehr.

Hier geht es nicht „nur“ um Häresien, sondern um offene Apostasie, also komplette Abkehr vom Christentum.

Was ist das Ergebnis: Die Amazonas-Synode ist ein „Va-Banque-Spiel“.

Was kann daraus folgen? Der Progressismus scheint aus der Amazonas-Synode ein Va-Banque-Spiel gemacht zu haben. Also „Alles oder nichts“. Vieles deutet darauf hin, dass sie endgültig Fakten schaffen wollen, koste es, was es wolle.

Das gilt für Lateinamerikaner wie auch für Europäer.

Was sollten die lehramtstreuen Katholiken tun?

Mit hoher Geschwindigkeit bewegt sich die Kirche in die Anarchie.

Erstens: In einer solchen Situation muss der Einzelne zusehen, dass er seinen Glauben sturmfest macht: Durch das Gebet, durch die Sakramente, durch die Vertiefung der katholischen Wahrheiten.

Durch das andächtige Beten des Glaubensbekenntnisses!

Zweitens: Er muss sich auch entschlossen und kraftvoll zur katholischen Kirche bekennen und fest halten an seinem Glauben von der Unzerstörbarkeit der Kirche, die Christus ihr verheißen hat (vgl. Mt 16,18 ff).

Unser Autor Mathias von Gersdorff aus Frankfurt leitet die Aktion „Kinder in Gefahr“ und betreibt u.a. die Webseite https://www.aktion-kig.eu/kultur-und-medien-online/


Die sterbende Kirche des Westens braucht einen Ruck zu mehr Glaubensstärke

Von Prof. Dr. Hubert Gindert

Wo lebt die Kirche auf? Dort, wo das Christentum authentisch gelebt wird, am stärksten, wo die Christen verfolgt werden: In China, in afrikanischen Ländern, im Iran.

Wo stirbt die Kirche? In den wohlstandsgesättigten Ländern des Westens, z.B. in Deutschland, wo die Menschen aufhören, nach dem Sinn des Lebens zu fragen.

Im Juli wurden die Kirchenaustrittszahlen 2018 veröffentlicht: 216.000 Katholiken haben der Kirche den Rücken gekehrt. Die Reaktion von Bischöfen war nicht der Aufruf: Zurück zu Gott, zum Wort Jesu und zur Lehre der Kirche. Nein! Die kraftlose Antwort war: „Besorgniserregend“.

BILD: Prof. Gindert leitet den Dachverband „Forum Deutscher Katholiken“

Die Frage ist nicht, mit welchen Tricks kann man Katholiken bei der Stange halten, damit sie noch einige Jahre Kirchensteuer zahlen, sondern sie mit der Glaubensentscheidung zu konfrontieren.

Als die Anhänger Jesu in Scharen wegliefen, fragte der HERR die Jünger: „Wollt auch ihr gehen?“ (Joh. 6,68). Darauf Petrus: „Wohin sollen wir gehen? Nur du hast Worte des ewigen Lebens!“

Die Jünger wussten, was sie aufgeben würden, wenn sie sich auch davonmachten. Wer sich entscheidet, muss wissen, wozu er steht oder was er aufgibt. Weil das nicht mehr vorausgesetzt werden kann, sind Katechese und alle Formen der Glaubensunterweisung das Gebot der Stunde!

Die Kirche stolpert weiter auf dem Weg zum „synodalen Prozess“ mit den bekannten Forderungen, welche die Protestanten schon in Anpassung an die Welt durchgesetzt haben. Das ist das wirklich „Besorgniserregende“.

Eigentlich sind die Austrittszahlen nicht überraschend. Denn 91% der Katholiken versäumen die Eucharistiefeier mit dem Wort Gottes am Sonntag. Wenn diesen Menschen bewusst wird, dass sie die Kirchensteuer sparen können oder ein Anlass (sexuelle Missbrauchsfälle) den letzten Schritt „rechtfertigt“, wird das dünne Band zur Kirche gekappt.

Kardinal Robert Sarah hat einem seiner Bücher den Titel gegeben „Gott oder nichts“. Denn die von den Menschen geschaffenen Götter sind „Nichtse“, z.B. Ruhm, Macht, Sex und alles, was mit dem Mammon gekauft werden kann. Auf der Strecke bleiben die Seelen.

Aber selbst eine geschwächte Kirche ist noch ein Ärgernis. Denn diese „Institution“ bezeichnet Abtreibung noch immer  als „verabscheuungswürdig“, praktizierte Homosexualität „als Sünde“ und die Genderideologie als „teuflisch“.

Daher muss auf dem „synodalen Prozess“ jetzt alles, was aneckt, auf den Prüfstand: Der Zölibat, die Sexualmoral, das fehlende Frauenpriestertum etc.

Da die deutsche Ortskirche dafür nicht zuständig ist, weil diese Fragen nur gesamtkirchlich geregelt werden können bzw. schon entschieden sind, schauen die „Reformer“ wie die Wächter auf das Morgenrot hin zur Amazonassynode, die im Oktober in Rom beginnt. Denn sie könnte der „gesamten Kirche eine radikale Kehrtwende verordnen“ (Guido Horst), „nach der nichts mehr so sein wird, wie es war“ (Bischof Overbeck).

In unserer Zeit wird das Wort Jesu wahr: „Viele falsche Propheten werden auftreten und viele verführen“ (Mt 24,11-12).

Katholiken, die am Wort Gottes und an der Lehre der Kirche festhalten wollen, sind aufgefordert, die „ecclesia militans – die kämpfende Kirche“ wach zu rufen. Überwinden wir die lähmende Decke von Frust, Angst und Bequemlichkeit und zeigen wir, was der Glaube für uns bedeutet: Die Hoffnung auf das ewige Leben bei Gott!

Prof. Dr. Hubert Gindert ist Sprecher des „Forums Deutscher Katholiken“


Öko-Religiöses: Was hat uns Deutschen die Amazonassynode zu sagen?

Glosse von Uwe C. Lay

Die Amazonas-Synode hat noch nicht stattgefunden, aber schon jetzt kann ein erstes Resümee aus dem Vorbereitungstext für uns gezogen werden:

Unser Unglück begann mit dem Germanenmisssionar Bonifatius. Völlig unsensibel für unsere naturverbundende Kultur zwang er unseren Vorfahren die christliche Religion auf, statt zu erspüren, daß es gälte, auf die Weisen der dort beheimateten Religion zu hören:

Im Einklang mit der Natur lebend, aus der spirituellen Kraft der Wälder Germaniens, in Respekt vor allem Leben, denn der Germane fühlte sich doch verschwistert mit allem Leben, nicht ihm als Herr gegenüberstehend, sondern eins mit der Natur – so baute er keine künstlichen Straßen oder lebte in Städten, abgesondert von der Natur  – und diesen so Lebenden trat kulturimperialistisch Bischof Bonifatius entgegen, dort nur Unglauben und Heidentum wahrnehmend.

Und seine erste Tat: Er fällte eine Donar-Eiche, den naturverbundenen Germanen ein heiliger Baum, ihm aber nur Rohmaterial zur Weiterverarbeitung.

Und so begann auch bei uns die Unheilsgeschichte der Naturausbeutung, der Zerstörung des Natürlichen. Die spirituellen Kräfte versiegten und auch der Germane wurde zu einem homo faber, der nun die CO2-Klimakatastrophe hervorbringt – und alles begann mit der gefällten Eiche.

Aber das sind eben die Ausgeburten einer Kirche, die Mission betreibt, statt den Dialog mit den Andersgläubigen zu führen, dabei völlig verkennend, daß der göttliche Vater schon längst bei den Germanen beheimatet war, bevor der erste Missionar zu ihnen kam, die so aber auch die Früchte des dort sich schon inkulturiert habenden Gottes mißachteten, diese wunderbare Kraft der germanischen Spiritualität, von denen zuerst die Missionare zu lernen gehabt hätten.

Umkehr tut not. Wenden wir uns also unserer wahren urgermanischen Religion wieder zu, pflanzen Donar-Eichen und werden wieder  zu natürlich Lebenden in unseren germanischen Hainen, in tiefster Solidarität mit allen Indianern der Welt, die wie wir auch aus der Technikzivilisation aussteigen wollen zu einem wahren Naturleben als Fischer und Hirten, ganz ohne (Wasser-)Kraftwerke, ohne elektrischen Strom  – einfach nur natürlich.  

Unser Autor Uwe C. Lay ist Theologe, Publizist und Konvertit; vor seinem Übertritt in die katholische Kirche war er als evangelischer Vikar tätig.


Kardinal Müller bekräftigt Zölibat der Priester

Nun hat sich Kardinal Gerhard Müller präzise, scharfsichtig und pointiert zu Wort gemeldet… Verschiedene Medien haben den neuesten Beitrag des ehem. Präfekten der Kongregation für die Glaubenslehre dokumentiert: Die Lektüre lohnt sich…

Kardinal Müller benennt viele Schwächen, aber ein eklatantes Defizit des Amazonien-Arbeitspapiers. Wenn über den priesterlichen Dienst gesprochen werde, so widmeten sich die Verfasser den „soziologischen Notwendigkeiten der globalen Welt oder den traditionellen Organisationsformen amazonischer Volksstämme“.

Hätte Christus erst eine Umfrage veranstaltet, dann wäre er der Kreuzigung entgangen – und die „soziologischen Notwendigkeiten“ für einen politischen Befreier hätten auch bestanden. Der HERR wäre dann auf einem Schlachtross nach Jerusalem eingezogen und nicht auf dem Fohlen einer Eselin. Er hätte auch nicht die Bergpredigt gehalten, sondern eine kämpferische Rede.

Der Aufstand der Massen hätten die römischen Besatzer vielleicht vertrieben…Aber Erfolg ist keiner der Namen Gottes, das wusste auch der jüdische Religionsphilosoph Martin Buber….

Die Kirche sei, so Kardinal Müller, als Stiftung Christi nicht befugt, sich aus „soziologischen Notwendigkeiten“ heraus neue Weihe-Ämter auszudenken oder den Zölibat abzuschaffen. Wenn in Südamerika sich eine Tür für „viri probati“ öffne, dann würde das auch in Deutschland begeistert aufgenommen, „wo der Zölibat keine gesellschaftliche Akzeptanz mehr hat und viele verheiratete Theologen bereitstünden, um als Priester die Lücken im zölibatären Klerus zu füllen“.

Kardinal Müller bekräftigt zudem: „Die Substanz der Sakramente entzieht sich der Vollmacht der Kirche. Und man kann nicht mit isolierten Elementen aus Schrift und Tradition und bei Nichtunterscheidung von dogmatisch verbindlichen Entscheidungen und Entwicklungen in Nebensachen sich jeweils ein neues Modell von Priestertum zusammenbasteln.

Nicht die von Pastoralstrategen entwickelten Priesterbilder sind wichtig, sondern nur das eine Bild Christi, des Hohepriesters des Neuen Bundes, das der Seele des Geweihten unauslöschlich eingeprägt ist und in dessen Namen und Kraft die Bischöfe und Priester die Gläubigen heiligen, lehren und leiten (Presbyterorum ordinis 2; 12).“ 

Quelle und vollständiger Artikel aus CNA hier: https://de.catholicnewsagency.com/article/der-zolibat-ist-der-lebensstil-jesu-christi-0622


Kardinal Müller kritisiert Amazonassynoden-Pläne und Frauenpriestertums-Vorschläge

In einem Beitrag hat der ehemalige Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Müller (siehe Foto) u.a. geschrieben: „Der sog. synodale Weg des kirchlichen Establishments in Deutschland zielt auf eine weitere Verweltlichung der Kirche“.

Zudem werde er „kirchenpolitisch vernetzt mit der Synode für Amazonien und als Hebel zum Umbau der Weltkirche angesetzt“.

Zur Amazonien-Synode im Oktober merkt Müller an:

„Man benutzt die neutral und schön klingende Vokabel von der ‚heilsamen Dezentralisierung‘ und der Ent-Romanisierung der katholischen Kirche, meint aber die Alleingeltung einer Amazonasmythologie und westlichen Ökotheologie statt der Offenbarung und die Alleinherrschaft ihrer Ideologen statt der geistlichen Autorität der Nachfolger der Apostel im Bischofsamt“.

Deutlich wendet sich der Kardinal gegen Vorschläge, Frauen zu Weiheämtern zuzulassen:

„Da das Lehramt des Papstes und der Bischöfe keine Vollmacht über die Substanz der Sakramente hat, kann auch keine Synode mit und ohne den Papst, auch kein ökumenisches Konzil oder der Papst allein, wenn er ex cathedra spräche, die Weihe von Frauen zum Bischof, Priester und Diakon ermöglichen. Dies stünde in einem Gegensatz zur definierten Lehre der Kirche. Sie wäre ungültig”.

Quelle und vollständiger Text bei Vatican News: https://www.vaticannews.va/de/kirche/news/2019-07/kardinal-mueller-kritisiert-kirchliche-reformprojekte.html


Die kirchliche Amazonas-Synode zwischen Befreiungstheologie und Öko-Sozialismus

Mathias von Gersdorff

Dass die Amazonas-Synode ein progressistisches Festival werden würde, ahnte man bereits. Stichwort „Abschaffung des Zölibats aus pseudo-pastoralen Gründen“.

Doch es fehlte noch an konkreten Hinweisen, um dies zu dokumentieren. Diese werden nun allmählich geliefert.

Die Jesuiten-Universität Georgetown in Washington, bekannt für ihre extravaganten theologischen Experimente, veranstaltet eine Konferenz zur Vorbereitung der Amazonas-Synode. 

Die „Katholische Nachrichtenagentur“ (KNA) berichtet dazu: „Das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat sprach sich für klare Ziele aus. „Der umfassende Schutz der ausgegrenzten Armen und der geschundenen Schöpfung haben absolute Priorität“, erklärte Hauptgeschäftsführer Michael Heinz.“

Konkret bedeutet das: Angeblich pastorale Ziele werden verpackt in einem Programm zum Schutz einer „ausgegrenzten sozialen Schicht“ und zum Schutz einer angeblich „geschundenen Schöpfung“.

Dem europäischen Leser mag diese Verknüpfung fremd vorkommen. In reformkatholischen Kreisen Lateinamerikas ist diese Verbindung aber durchaus üblich. 

Hier geht es um eine Fortentwicklung der klassischen Befreiungstheologie (Übernahme der Methode des Klassenkampfes für kommunistische Ziele unter dem Deckmantel der katholischen Religion) hin zu einer Verschmelzung mit dem neuheidnischen und sozialistischen Ökologismus.

Insbesondere in Lateinamerika gingen diese beiden Strömungen in den letzten 30 Jahren (zumal nach der Verurteilung der Befreiungstheologie im Jahr 1984 durch Kardinal Ratzinger) eine Allianz ein: Nicht nur das sog. Proletariat demnach in der Marktwirtschaft ausgebeutet, sondern auch die Umwelt.

Die Befreiungstheologie versteckte sich nach der Verurteilung durch die Glaubenskongregation im Gewand des Umweltschutzes. Das alte Ziel behielt sie aber stets im Auge, also die Errichtung einer katholisch getarnten, sozialistischen Gesellschaft. 

Eine Überwindung dieser „Ausbeutung“ gelingt nach dem Verständnis der Progressisten durch die Aufhebung des Privateigentums und die Einführung eines marxistischen Systems. Eine solche Gesellschaft wird die Menschen zu ihrem primitiven „Urzustand“ führen, in der sie zwar bar jeglicher Zivilisation, aber im Einklang mit der Natur leben. Im Grunde eine Art Naturreligion mit katholischem Anstrich.

Dass hier marxistische politische Ziele unter kirchlichem Gewand angestrebt werden, ist offensichtlich. 

Die marxistische Revolution kann aber noch viel universeller ausgerufen werden. Wieso soll sie nur für die Amazonas-Anrainer gelten?

KNA schreibt nämlich: „Die Rechte der indigenen Völker werden regelmäßig mit Füßen getreten, wenn am Amazonas für unsere Autos Erdöl gefördert, für unsere Kraftwerke Kohle abgebaut, oder für unseren Fleischhunger Rinder gemästet werden“, ergänzte Thomas Wieland, der für Adveniat an der Konferenz in Washington teilnimmt.“

Hier werden klassisch sozialistisch-populistische Assoziationen hergestellt, nämlich das Bild des Südens, welches vom reichen Norden ausgebeutet wird. Ein typisches Klischee der 1960er und 1970er Jahre.

Die Wahrheit ist eine ganz andere: Dank marktwirtschaftlicher Reformen (die man von Ländern des „Nordens“ kopiert hat) und Investitionen des „verhassten Nordens“ haben die lateinamerikanischen Staaten die wirtschaftliche und technologische Anpassung an die Industrieländer gefunden. Dies geschah durch den wirtschaftlichen Anschluss an kapitalistische Länder wie die USA, Deutschland und Japan. 

Solange die Länder Lateinamerikas sich in der Peripherie kommunistischer Diktaturen wie die Sowjetunion oder Kuba aufhielten, waren sie unterentwickelt und erreichten minimale Wachstumsraten. Das gilt vor allem für die Anrainer-Staaten des Amazonas. 

Erst durch marktwirtschaftliche Reformen in den 1980er und 1990er Jahren konnten massenhaft arme Menschen in den Mittelstand aufsteigen. Dies erwähnen die Progressisten in Europa niemals, denn sie wollen das (Zerr-)Bild eines unterentwickelten und armen Lateinamerikas pflegen. 

In Berkeley wird auch Kardinal Reinhard Marx sprechen. KNA schreibt über ihn: „Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, hat die politische Bedeutung der Amazonas-Synode im Herbst unterstrichen.“

Damit ist sozusagen die „Katze aus dem Sack“. Es geht vor allem um Politik und zwar um sozialistische Politik. Es geht nicht um die Bekehrung der Völker zur katholischen Kirche oder um die Verbreitung des katholischen Glaubens im Amazonas-Gebiet. 

Nein, in der Amazonas-Synode geht um die Schaffung eines neuen sozialistischen, ökologistischen und antieuropäischen Paradigmas: Eine primitive Kirche in der Wildnis als Modell für die Universalkirche. Und eine Abkehr des benediktinischen Ideals von Kirche, das dieVerbreitung des katholischen Glaubens stets mit der Förderung des zivilisatorischen Fortschritts der Menschheit verknüpfte.

Unser Autor Mathias von Gersdorff aus Frankfurt leitet die Aktion „Kinder in Gefahr“ und schreibt seine aktuellen Beiträge u.a. hier: http://mathias-von-gersdorff.blogspot.com/