Amelie Fried liefert im CICERO skeptische (Nach-)Fragen zur „sexuellen Revolution“ der 68er

In der Oktober-Ausgabe des Kulturmagazins CICERO befaßt sich die erfolgreiche -Buchautorin, Literatur-Journalistin und TV-Moderatorin Amelie Fried kritisch mit jenen „sexuell befreiten Zonen“, die uns die Sexwelle der 60er und 70er Jahre hinterlassen hat.

Unter dem Titel „Frau Fried fragt sich…was aus der sexuellen Revolution geworden ist“  heißt es einleitend:

„Früher galt der Ruch des Verbotenen bei allem was mit Sex zu tun hatte. Dann brach die sexuelle Revolution aus und alles war auf einmal erlaubt. Die Folgen sind bis in die Gegenwart zu spüren.“

Gemälde: Evita Gründler

Allerdings. Im Zuge der vielgerühmten „Befreiung“ vom früheren vermeintlichen „Muff“ und den „alten Zöpfen“  gerieten verbindliche Werte und Normen an den Rand oder gleich ganz in Vergessenheit.

Romantik, zarte Rücksichtnahme, Sehnsucht und das Geheimnisvolle in der Liebe wurden verdrängt durch schnellen Sex und hemmunglose Lustbefriedigung auf Kosten von Treue und Verantwortung.

Amelie Fried erwähnt jene vor-revolutionäre, quasi brav-bürgerliche Zeit, als „Geheimnisse noch ergründet werden mußten“ und manches schlicht verboten war oder zumindest als anrüchtig galt:

„Dann brach die sexuelle Revolution aus. Die Pille kam auf den Markt, die Frauen verbrannten ihre BHs (und liefen fortan leider ohne herum), Schulmädchen-Report und Sexualkunde-Atlas machten es sich zur Aufgabe, dem verklemmten Volk lustvolle Sexualität nahezubringen. Plötzlich war alles erlaubt, wurde alles gezeigt und über alles geredet.“ 

Doch die Sexwelle führte auf Dauer zu Überdruß und Lustlosigkeit, weil Lust ohne verbindliche Liebe nicht glücklich macht – und neben dem Glück auch die Lust flöten geht.

Die realistisch analysierende A. Fried stellt auch dies glasklar fest:

„Und heute? Gähnende Langeweile in den Betten. Die Praxen der Sexualtherapeuten überfüllt. Den Menschen fehlt es nicht mehr an Sex, sondern an Lust. Wer spürt noch Verlangen nach etwas, das im Übermaß angeboten wird? Der Reiz des Verbotenen ist weg, Sex zur Verhandlungssache geworden.“

Aber nicht nur das  –  es entstand ein erheblicher Erwartungsdruck an den Einzelnen,  der nicht nur im Beruf, sondern auch im Bett „funktionieren“ sollte, was den seelischen Streß bestimmt nicht senkte.

Sexualität mutierte mitunter fast zum Leistungssport, was vor allem der nachfolgenden Generation ein Zerrbild der leiblichen Liebe präsentierte.

Hierzu schreibt die TV-Moderatorin ebenfalls flotten Klartext:

„Richtig leid tun mir unsere Kinder. Ihre Eltern rennen zu Hause nackt herum und fragen ständig, ob sie das erste Mal schon hinter sich und auch bestimmt ein Kondom verwendet haben. (…) Kein Wunder, dass die Kids genervt den Rückzug aus der sexuell befreiten Zone antreten. Sie binden sich früh oder verweigern sich komplett.

Sex hat einfach zu viel Ähnlichkeit mit Schule: Man soll super gut darin sein, und die Eltern wollen über alle Fortschritte informiert werden. Macht keinen Spaß mehr.“

Den Fried-Artikel gibts bei CICERO online: http://www.cicero.de/salon/was-aus-der-sexuellen-revolution-geworden-ist/52459