Zur Causa Kavanaugh (USA): Wo bleibt die rechtsstaatliche Unschuldsvermutung?

Von Dr. Edith Breburda

Nicht zufällig erklärte das Oxford -Wörterbuch post-truth zum Schlagwort des Jahres 2016. Wir leben in einem Zeitalter der Post-Truth-Wissenschaft. Damit will man sagen, dass Werte wie Ehrlichkeit, Wahrheit und Seriosität nicht mehr viel mit Forschung zu tun haben.

Doch nicht nur auf diesem Gebiet wurden moralische Aspekte über Bord geworfen. Viele waren entsetzt, als der US-Senat eine Anhörung über den zum Bundesrichter vorgeschlagenen Barett Kavanaugh durchführte. Bisher galt man immerhin so lange als unschuldig, bis das Gegenteil erwiesen wurde.

Doch Ende September 2018 scheint dies keine Rolle mehr zu spielen. Im Gegenteil, der Kandidat galt als schuldig und sollte seine Unschuld beweisen. Man verlangte von ihm, das zu tun, was eigentlich die Aufgabe des Anklägers war.

Amerikaner fragten sich insofern, ob sie Ende September ihre Verfassung verloren haben und ob nun eine bloße Anschuldigung reicht, um hochgebildete Experten und ihre Familie zu denunzieren. Selbst der Präsident vermerkte dazu: „Es ist eine beängstigende Zeit für junge Männer in Amerika. Man kann angeklagt werden, bevor man seine Unschuld beweisen konnte [1].“

Viele Amerikaner waren sehr entrüstet darüber, dass der Vorwurf einer sexuellen Nötigung als Waffe missbraucht wurde. Man fällte bereits ein Urteil vor dem Prozess und ruiniert die ganze Karriere und das Ansehen eines bisher unbescholtenen Juristen.

Am Ende interessieren nur noch Emotionen und nicht der Befund der herbeigerufenen Staatsanwältin Mitchell, die erklärte, dass sie die Vorwürfe der Anklägerin für nicht als hinreichend belastbar hält, um sie weiter zu verfolgen.

Der nominierte Richter Kavanaugh ist konservativ und würde damit einer Mehrheit im Obersten Gerichtshof in Schlüsselfragen wie z.B. Abtreibung zum Erfolg verhelfen. Fachlich ist er bestens für die Stelle geeignet.

Doch seine Pro-life-Anschauung ist jenen, die seine Ansichten nicht teilen, ein Dorn im Auge. Deshalb versuchten linke Aktivisten, Kavanaughs Benennung mit einer Schmutzkampagne zu stoppen.

Man vergisst allzuleicht, dass ein Richter nicht nach seinen eigenen Ansichten handeln darf, sondern das zu tun hat, was die Verfassung verlangt  – und bisher konnte niemand als schuldig angesehen werden, ohne daß ein eindeutiger Beweis vorliegt. Das, was man dem Kandidaten vorwirft, ist außerdem kein Fahndungswürdiges Verbrechen, das erfordert würde, dass die US-Bundespolizei FBI ermittelt.

Ganz zu schweigen davon, dass der Beschuldigte damals noch nicht volljährig war. Eine Untersuchung des FBI ist auch nicht dazu da, ein Urteil zu fällen. Das muss letztendlich der Senat tun und sollte dazu normalerweise nicht allzu lange benötigen. Langwierige Prozesse hinsichtlich des vom Präsidenten gewünschten Kandidaten gibt es erst, seitdem Präsident Trump das Land regiert.

Viele missbrauchten die geplante Ernennung zum Obersten Richter auf Lebenszeit als ein Politikum. Doch wenn Senatoren aus konservativen Staaten weiterhin den Nominierungsprozess hinauszögern, könnte ihnen das schaden bei den anstehenden Midterm Elections, die im November 2018 das Repräsentantenhaus und ein Drittel der Senatoren wählen.

Zudem werden nachweisliche sexuelle Verfehlungen, die einen Demokraten aus dem Bundestaat Minnesota betreffen, und die keine 36 Jahre zurückliegen, unter den Teppich gekehrt. Diese Doppelmoral verärgert viele Amerikaner. Denn wenn es sich um einen Republikaner handelt, bleiben all die Zeugnisse der vielen Frauen, die Kavanaughs Versicherung der Unschuld bestätigen,  unberücksichtigt.

Stattdessen macht es Schule, Politiker, die sich für Kavanaugh aussprechen, notfalls mit Gewalt, einzuschüchtern. Senatoren erhalten Todesdrohungen und werden auf öffentlichen Plätzen niedergeschrieen.

Mittlerweile hat das FBI keine Anhaltspunkte, dass die Anschuldigungen gerechtfertigt sind. Im Gegenteil, die Anklägerin kann keine Beweise liefern, und die Menschen, die sie am besten kennen wie ihr ehemaliger Freund, bezeichnen sie als notorische Lügnerin.

Einige Politiker fordern Konsequenzen. In einem Rechtsstaat sollte es nicht möglich sein, ungestraft in einen Prozess einzugreifen, ohne auch nur die geringsten Beweise für eine Anschuldigung zu haben.

Anmerkung: (1) Tageszeitung „Die Welt“: Beängstigende Zeit für junge Männer in Amerika. Politik Ausland. 2.10.2018.

Unsere Autorin Dr. med. Edith Breburda ist Bioethik-Expertin, Schriftstellerin und Veterinär-Medizinerin (Tierärztin); sie lebt in den USA.  – Ediths Homepage: http://scivias-publisher.blogspot.com/
Ergänzender Artikel hier: https://papsttreuerblog.de/2018/10/09/kavanaugh-der-testballon/

Thanksgiving Day in den USA: Staatl. Feiertag, Erntedank und Familienfest

Zum heutigen Thanksgiving Day (kirchliches Erntedankfest, zugleich staatlicher Feiertag) veröffentlichte die US-amerikanische Bischofskonferenz (USCBB) eine Stellungnahme. Kleidung USA

„Am 24. November macht unser Land eine Pause und dankt für den reichen Segen, den es empfangen hat. Traditionell begehen Mitglieder vieler Religionen seit der Zeit vor der Gründung unseres Landes diesen Tag im Zeichen der Dankbarkeit”, heißt es in der Botschaft der katholischen Oberhirten.

“In der heutigen Zeit ist Thanksgiving ein Fest, an dem Familien zu einem gemeinsamen Abendessen zusammenkommen”, so die Bischöfe weiter: „In vielen Pfarreien ist dies auch ein Tag, an dem freiwillige Helfer Mahlzeiten für Menschen in Not verteilen. Wir beten für alle, die vom Reichtum unseres Landes abgehängt wurden: Gott möge ihnen Trost schenken und sie sollen Möglichkeiten finden, an der Hoffnung Amerikas teilzuhaben”.

Anlässlich des Feiertags sollen die Gläubigen vor allem auch an “ältere und hilfsbedürftige Menschen denken“:

“Wir sind Millionen Amerikaner in den Städten und auf dem Land, die den Kopf neigen, um ‚Danke’ zu sagen. Trotz unserer Unterschiede stehen wir alle in der Schuld Gottes und wollen ihm gemeinsam danken!”

Quelle: Fidesdienst  –  Foto: Dr. Edith Breburda


Altes und neues Heidentum: Nervenkitzel und okkulte Faszination um Halloween

Von Dr. Edith Breburda

Halloween war ursprünglich ein heidnisches Fest der Kelten. Man nannte es „Fest der Toten„. Auf Altären und Türschwellen brachte man den „wandernden Verstorbenen“ Nahrung und Opfergaben dar.  Dr. Breburda

In der „Nacht der Magie“ sollte man nach Einbruch der Dunkelheit nicht unterwegs sein. Die meisten Leute verkleideten sich als das andere Geschlecht, um die Geister, die in dieser Nacht umher schweifen, in die Irre zu führen.

Diese Beschreibung findet man auf einer Webseite der Naturreligion, die den 31. Oktober noch heute begeht.

70% der Amerikaner feiern zur Zeit immer noch dies alte keltische Fest. Viele wissen wohl gar nicht, worum es sich handelt. Anstatt der dicken Kürbisse, die ausgehöhlt wurden, damit sie den Schutzgeistern ähneln, stellt man heute dünne Kürbisse vor die Türe, um den Kinder zu symbolisieren, dass es keine Süßigkeiten mehr gibt, die eigentlich nur Diabetes verursachen.

Auch hat man Sorgen vor Allergenen in den „Treats„. So verteilen verantwortungsbewußte Amerikaner Kugelschreiber, Spielzeug oder sonstwie nützliche Gegenstände an die von Haus zu Haus herumziehenden Kinder. Die verkleideten Kinder sagen auch nicht mehr: „Trick or Treat„. Heute heißt es: „Trick or Toys“ (vgl. Wisconsin State Journal v. 27. Oktober 2014).  Bsp-7

Früher war der Tag, an dem man „Die Herren der Toten“ ehrte, in den USA so verrufen, dass man ein Feier-Verbot verhängte.

Im Mai 1977 schrieb Bill Schnoebelen im „National Geographic“: „Am 31. Oktober, dem Keltischen Fest der Samhain, wurden früher Menschen und erstgeborene Kinder geopfert.“  –   Es ist eine Nacht, in der boshafte Geister ihr Unwesen treiben und ihre einstigen Wohnstätten wieder aufsuchen, schreibt CBN.COM, ein Christliches Network.

Am Anfang des 7. Jahrhunderts führte Papst Gregor I. „Halloween“ ein. 601 erließ er ein Edikt. Man wollte heidnische Sitten und Gebräuche der Menschen christlich umformen. So wurde das Fest Allerheiligen auf den 1. November gelegt und der Abend vor Allerheiligen (Al Hallows Eve) wurde zu Halloween.

Viele Amerikaner lächeln über all das und tun es als altmodisch ab. Sie feiern Partys und denken sich nichts. Aber einige sind doch der Meinung, in dieser Nacht leichter mit dem Übernatürlichen in Verbindung treten zu können (M. Synder, Halloweens heidnische Wurzeln, 16. 10. 2014).

Viele sind sich nicht bewußt, wie sehr heidnische Kulte und die New-Age-Bewegung bereits unsere Gesellschaft unterminiert haben. Der Atheismus, die Amoral, ein fehlender Glaube, ja eigentlich die Nivellierung des Bösen selbst scheint daran nicht ganz unschuldig, analysiert Jeanne Ewing die Lage in ihrem Bericht ‚Fascination and Trappings of the Occult and their unexpected consequence“ (in Society/Aletia vom 25. Oktober 2014) DSC_1185-3

Die heutige Gesellschaft ist fasziniert von Zombies, Vampiren, Hexen und Zauberern. In ihren Augen handelt es sich sogar um friedliche Dinge, die einen Hauch von etwas Heiligem, ja Göttlichem in sich tragen. Sie sind alles andere als langweilig.

Wenn Halloween näher rückt, steigert sich diese Faszination für Okkultes, für dunkle Künste und Magie. Es scheint verführerisch, weil wir ja eigentlich etwas tun, was wir dennoch als Verbot ansehen. Der Nervenkitzel, den wir verspüren, reizt uns. Wenn wir uns vor etwas fürchten, sind wir plötzlich hellwach. Ehrlich gesagt genießen auch einige die Angst, die aus lauwarmer Routine reißt, schreibt Ewing.

Die Geister, die ich rief  –  hat uns nicht schon Goethe davor gewarnt?   –  Die Macht des Bösen, die unseren Seelen schadet, davon berichtet schon die Bibel.

Ewing berichtet aus eigener Erfahrung. Sie besuchte eine katholische Schule in den USA. In der Mittelstufe wurde sie neugierig und wollte alles Übersinnliche erforschen. Sie wollte in die Tiefen des Unbekannten vordringen und bat um die Gabe des Hellsehens. Eine Wahrsagerin sollte ihr die Zukunft voraussagen. Sie studierte Astrologie.

All die magischen Gepflogenheiten, an denen sie teilnahm, spielte sie als harmlos herunter und sagte sich, sie wolle ja nur hineinschnuppern. Sie las Bücher über Geister und Spukhäuser. Verschwiegen wurde ihr Leben, in dem die Dunkelheit herrschte. Sie dachte über sich selbst, sie sei sehr aufgeklärt.

Foto: mexiko-lexikon.de/

Foto: mexiko-lexikon.de/

Unbewußt rutschte sie ins teuflische Reich ab, wie sie es später nannte. Langsam und fast unbemerkt wandte sie sich von Gott ab. Teuflische Alpträume quälten sie fast jede Nacht. Damit verbunden wackelte ihr Bett sehr heftig, schreibt Ewing. Bruder und Vater wurden terrorisiert. In der Nacht schwebten sie über ihren Betten.

Im Haus der Familie waren Schritte zu höheren, Türen fielen zu und Stimmen riefen ihren Namen. Als sie sah, wie ihre Familie litt, überkam sie eine tiefe Scham. Sie berichtete ihren Eltern, was sie getan hatte, als sie bei Freunden übernachtete. Ihre Eltern rieten Jeanne, zur Beichte zu gehen, um dem Bösen zu widersagen. Sie folgte dem Rat und erlebte eine authentische Heilung. Sie kehrte sich ab von der makabren Faszination des Unbekannten. Später schrieb sie:

Gott will, dass wir uns nur ihm zuwenden und nicht falschen Ideologien oder häretischen Philosophien nachrennen. Er will unsere ganzes Herz, damit wir die Wahrheit und Schönheit seiner bedingungslosen und unerschütterlichen Liebe erkennen„.

Antworten auf unsere irrigen Lebenswege können wir nur in Gott finden. Heute sieht Jeanne, wie sehr das Okkulte unser Leben beherrscht. Sie wünscht sich so sehr, sie hätte eher gewußt, dass man nicht aus Neugierde oder Spaß dem Widersacher die Türe in sein Leben öffnen kann.

Viele ihrer Freunde tun aber genau dieses, ohne eigentlich zu wissen, was sie tun. Heute gibt es viele Katholiken die sich von der Kirche entfernen. Manchmal durch anscheinend „harmlose“ Praktiken wie Yoga und fernöstliche Meditationen, die man akzeptiert, ohne sie zu hinterfragen. Wenn wir jedoch genauer hinsehen, bemerken wir die Irrtümer, mit denen sie befallen sind, schreibt Jeanne.CIMG0769

Heute halten sie und ihr Mann Vorträge über okkulte Praktiken und Zauberei. Auch Videospiele wie „Grand Theft Auto“, ja selbst die Lieder von Lady Gaga oder die Bücher von Harry Potter enthalten okkulte Inhalte.

Leider scheinen wir heute die Infiltration der Medien mit dem Okkulten zu akzeptieren. Unsere Großeltern wären wohl aus ihren Betten gefallen, wenn sie wüßten, womit wir uns heute beschäftigen. Heute sind wir nicht mehr offen genug, diese Phänomene in unserer Kultur bloßzustellen, schließt Jeanne ihren Bericht auf der Webseite „Aletia“.

Ob sie recht hat?  –  Ein Blick in die Zeitung genügt. Im Wisconsin State Journal wurde am 26. Oktober 2014 über ein Ehepaar berichtet, das anderthalb Jahre an einem Spukhaus arbeitete, wo man eine Nacht für 25 Dollars verbringen kann. Ihr Anwesen liegt im sog. „Wisconsin Scaryland“. Das Haus von Guz Kitchell und seiner Frau Sahra ist unter den 200 gelisteten Geisterplätzen des Staates Wisconsin aufgeführt. Dazu gehören Spukhäuser, Ställe, Wälder, Maisfelder und Zombie-Jagdgebiete.

Der 43-jährige Kitchell ist selbständig, er stellt Deodorants her. Seit 2009 verkauft er nebenbei Halloween-Dekorationen für die Vorgärten oder auch als Inneneinrichtungen von Restaurants. Er gründete die Firma Halloween FX Props.

Es ist ein florierendes Geschäft„, sagt er. Die Stadt von Westport, wo sein Haunted House steht, hat diese makabre Attraktion genehmigt. Nur die Nachbarn beschwerten sich. Deshalb konnte das Haus erst dann für den Publikumsverkehr freigegeben werden, nachdem er eine 5 Millionen-Versicherung abgeschlossen hatte.

Soweit haben wir keine Probleme„, betont der Eigentümer. Er betrachtet die Angelegenheit als kontrovers und nennt seine Nachbarn Spaßverderber (Adams B. on Wisconsin: A Deodorant salesman adds to his repertoire. Wisconsin States Journal, 26. Oktober 2014).

Unsere Autorin Dr. med. Edith Breburda (von ihr stammen auch die Fotos) ist Buchautorin, Bioethik-Expertin und Veterinär-Medizinerin (Tierärztin); sie lebt in den USA (Bundesstaat Wisconsin).