Pater Sigls Amsterdam-Mythos um die „stigmatisierten“ Hände der „Frau aller Völker“

Im Internet sind einige Reden von Pater Paul Sigl dokumentiert, in denen dieser führende Anhänger der Amsterdamer „Erscheinungen“ über die dort verehrte „Frau aller Völker“ spricht und diese Privatoffenbarung nach allen Seiten hin beleuchtet.

Am 22. Juni 2002 hielt Pater Sigl in Köln einen Lichtbilder-Vortrag, der unter dem Leitwort stand: „Die leuchtende und durchbohrte Hand der Miterlöserin.“

Nach einigen Bemerkungen zum sog. „dritten Geheimnis“ von Fatima kommt der Geistliche auf sein eigentliches Anliegen zu sprechen, wonach die „stigmatisierten“ Hände der Gottesmutter, die er mehrfach als „Miterlöserin“ bezeichnet, der Menschheit („dem Globus und den Schafen“) das Heil und die Gnade vermitteln würden.  

Die Madonna ist keine Halbgöttin

Damit erweckt Pater Sigl  –  ob gewollt oder nicht  –  den irreführenden Eindruck, als sei die Madonna eine Art Halbgöttin; zumindest betreibt er einen überzogenen Kult um den  –  kirchlich nicht eingeführten   – Titel „Miterlöserin“, wobei er diese Definition zudem garniert mit einer seit 2000 Jahren unbekannten These von den „mystischen Stigmen“ (geheimnisvollen Wundmalen) der Gottesmutter an ihren Händen.

Geben wir hierzu Pater Sigl das Wort: „Das Amsterdamer Gnadenbild zeigt die Frau aller Völker mit mystisch stigmatisierten Händen, aus denen drei leuchtende Strahlenbündel von Gnade, Erlösung und Friede auf den Globus und auf die Schafe niederströmen.“

Sodann vergleicht er die Visionen von Amsterdam mit denen von Akita in Japan und führt aus:

„Die blutende Hand der Frau aller Völker in Akita zeigt uns so augenscheinlich eine entscheidende Wahrheit unseres christlichen Glaubens: Nur die Miterlöserin mit ihrer aus Liebe durchbohrten Hand hat die Macht, als Verteidigerin und Fürsprecherin die Völker vor einer großen Weltkatastrophe zu bewahren. Nur die Miterlöserin mit ihrer aus Liebe mystisch durchbohrten, unsichtbar durchbohrten Hand hat die Macht, als Mittlerin Gnade, Erlösung und Friede zu vermitteln.“

Hierzu stellen wir fest:

1. Die Kirche kennt keine Lehre von einer „mystisch“ oder wie auch immer stigmatisierten Hand der Gottesmutter.

2. Der Titel „Miterlöserin“ kann zwar „mit Mühe“ und x-Erklärungen richtig aufgefaßt werden, ist aber dennoch mißverständlich bis irreführend und daher zu vermeiden.

Genau dies hat auch Papst Benedikt deutlich klargestellt: https://charismatismus.wordpress.com/2012/02/11/papst-titel-miterloserin-fur-maria-verdunkelt-den-wesentlichen-vorrang-christi/

HIER die Chronik der kirchlichen Stellungnahmen zu „Amsterdam“: https://charismatismus.wordpress.com/2011/06/08/die-kirche-und-die-%E2%80%9Efrau-aller-volker%E2%80%9C/

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster

Foto: Dr. Bernd F. Pelz


Amsterdam: „Frau aller Völker“ startete einst mit spiritistischer Sitzung / Seance

Kommentar von Hildegard Alles

In Köln findet also am Samstag dem 23. Juni, wieder die jährliche Großveranstaltung „Zu Ehren der Mutter aller Völker“ statt, wie immer im großen Arena-Stil unter Leitung von Pater Sigl, einem Vortragskünstler par excellence, der am Rednerpult, sich selbst demütig zurückhaltend, dem  Publikum immer wieder dieselben Botschaften der ‚Mutter‘ eindringlich liebevoll ans Herz zu legen weiß.

In Amsterdam werden die Gebetstage noch immer unter  dem Leitwort  „Zu Ehren der Frau aller Völker“ veranstaltet. Dort sind die Gebetstage zusammengeschrumpft zu Meetings mit weniger als 1000 Teilnehmern in einer anspruchslosen Halle und ohne den einfühlsam deklamierenden Pater Sigl.

Ist er in Amsterdam nicht mehr gut genug? Dort macht man jetzt Eindruck mit Rednern von höherem Kaliber –  wie dem Laien-Theologen und Mariologen Prof. Dr. Mark Miravalle und dem ehem. CIA-Mitarbeiter Prof. Dr. Richard Russell, der nun als Experte auftritt. Der niederländische Episkopat hält sich von der Veranstaltung fern!

Das Folgende wird den ahnungslosen Anhänger vielleicht aus der Ruhe bringen, aber es sollte einmal gesagt werden:

Der Ursprung der auf den Gebetstagen verehrten ‚Mutter‘ oder ‚Frau‘ kann zurückgeführt werden auf Seances in 1943, auf denen im Beisein von Ida’s Seelenführer, Pater Frehe, Ida’s Hände über die Landkarte von Europa glitten und die verschiebenden Frontlinien andeuteten.

Ab 1944 gab Ida bei solchen Zusammenkünften mehrmals an, Maria gesehen zu haben. Ab 25. März 1945 vermehrten sich  Mariaerscheinungen in hohem Tempo, bis ‚Maria‘ sich am 16. November 1950 in der 24-sten Botschaft an Ida offenbarte als die ‚Frau aller Völker‘.

Es bedarf keiner besonderen Erleuchtung, um einzusehen, dass eine Gestalt, die  beim Befragen des ‚Omens‘ hervortritt, nicht die wahre Jungfrau Maria ist, sondern eine Pseudo-Maria aus der Unterwelt.

Den gutmeinenden Gläubigen wird auf den Gebetstagen und in dem berühmten Büchlein mit den Botschaften der Frau aller Völker in einer schönen Geschichte beigebracht, dass Ida Peerdeman’s „erste“ Begegnung mit der Frau aller Völker am 25. März 1945 stattfand, bei der Ida „eine weibliche Figur im langen weißen Gewand aus einer lichtvollen leeren Tiefe hervortreten sah.“

Der Ursprung dieser weiblichen Figur ist schlichtweg zurückführbar auf  die Seance-Maria.

Die anfängliche ‚Maria‘ aus der Unterwelt hat sich weiter entwickelt. Sie hat in Amsterdam ein eigenes Sekretariat, das mit den modernsten Mitteln an der Verbreitung arbeitet. Sie wird weltweit auf Gebetstagen verehrt. Auf den Gebetstagen steht ihr blumengeschmücktes Gemälde zur Verehrung auf der Bühne, in Köln wurde es beweihräuchert.

Ihre Botschaften wurden in viele Sprachen übersetzt; ihre Anrufung wird vielerorts in das Rosenkranzgebet integriert.

Sie stellt sich vor als Höhepunkt der „marianischen Epoche“, was auf den Gebetstagen verkündet wird. Sie möchte die „Miterlöserin“ sein und stellt sich leidend vor das Kreuz. Sie nennt sich die Miterlöserin, Mittlerin und Fürsprecherin und will als solche dogmatisch anerkannt werden.

Sie hat eine ganze Truppe von Befürwortern hinter sich, die den Heiligen Vater mit Petitionen für die Proklamation des dreifachen Dogmas bestürmen. Zu bedenken ist aber, dass diese ‚Frau‘ und ‚Mutter‘ ihre acte de présence auf einer Seance gab!

Die séances werden vermeldet in dem 2008 herausgegebenen Buch God’s predikers: Dominikanen in Nederland von Prof. Dr. Marit Monteiro, einer niederländischen, in Religionsgeschichte spezialisierten Historikerin. Die Autorin basiert ihr Buch auf extensive Archiv-Forschung.  

Ein Tip für den Leser mit niederländischen Sprachkenntnissen: Seite 423 kann eingesehen werden wie folgt:

Gods Predikers: Dominicanen in Nederland (1795-2000) – M …

books.google.com/books/about/Gods_Predikers.html?id…8_gC

Gods Predikers: Dominicanen in Nederland (1795-2000). Front Cover. M. Monteiro · 0 Reviewshttp://books.google.com/books/abo

Buchcover erscheint, klicken auf Voorbeeld weergeven »   –  abrollen bis Seite 423.

Weitere  Linkhinweise von Hildegard Alles:

http://stichtingvaak.blogspot.nl/
Dieser Link ist aktuell, verfaßt in holländisch, u.a. über „Bischof Punt umarmt Vassula Ryden“  und englische Texte,  wenn vorhanden auch in Deutsch.
 
http://www.stichtingvaak.com
Dies ist das Gesamtangebot unserer früheren drei monatigen Zeitschrift AVE in holländisch, war kurzzeitig offline, aber jetzt zurúck unter neuer www…..(statt .nl jetzt .com)



Fragwürdiger Amsterdamer „Gebetstag“ am 23. Juni 2012 in Köln

Am kommenden Samstag, den 23. Juni, wird in Köln-Deutz der  –  in einer großen Halle durchgeführte  –  Gebetstag der Frau-aller-Völker-Anhänger veranstaltet, der früher in Amsterdam, danach in Heroldsbach (!) und nun seit einigen Jahren in Köln stattfindet  –  erneut mit persönlicher Beteiligung von Kardinal Joachim Meisner: Auch diesmal fungiert der Kölner Erzbischof  als Hauptzelebrant und Prediger.

Die Großveranstaltung steht unter dem Motto „Zu Ehren Mariens, der Mutter aller Völker„.  Mit dem Ausdruck  „Mutter aller Völker“ soll die kirchlich umstrittene Bezeichnung „Frau aller Völker“ umgangen werden.

Daß es hier gleichwohl um die Verherrlichung und Verbreitung der Amsterdamer „Botschaften“ geht, steht außer Frage.

Das Erscheinungs-Bild der sog. Frau aller Völker, die sich bezeichnenderweise direkt vor das Kreuz Christi stellt, findet man bei den Gebetstagen stets im Großformat im Altarraum, jeweils reichlich mit Blumen geschmückt. Auch beim jetzigen Werbeprospekt ist dies wieder klar erkennbar.

Die erscheinungsbewegte Versammlung der Amsterdam-Anhänger beinhaltet diesmal zwei religiöse Schwerpunkte:

Zum einen die Verkündigung der Amsterdamer Erscheinungen, zum anderen die „Botschaften Jesu an die hl. Faustyna Kowalska“ mit Ansprachen (Zitaten aus dem „Tagebuch“), Lichtbildern und speziellem Rosenkranz zur „Göttlichen Barmherzigkeit“ nach Sr. Faustyna  –  obgleich zwischen den beiden Privatoffenbarungen kein direkter Zusammenhang besteht.

Wie steht es nun mit der kirchlichen Position zu den Amsterdamer Botschaften der „Frau aller Völker, die einst Maria war(wie sie sich dort selber bezeichnete)?

Manche Katholiken betonen, daß die „Erscheinungen von Amsterdam“ kirchlich anerkannt seien, weil Ortsbischof  Punt von Haarlem diese befürwortet.

Dabei wird übersehen, daß diese Visionen  jahrzehntelang nicht „nur“ vom zuständigen Bischof, sondern  auch von der vatikanischen Glaubenskongregation sowie von unserem Papst (als er noch Kardinal Ratzinger war) amtlich abgelehnt wurden.

Hier seien einige Beschlüsse erwähnt:

Das Hl. Offizium in Rom (die Vorgängerin der Glaubenskongregation) erklärte am 6.4.1957, daß der Bischof von Haarlem „sehr weise und vernünftig“ vorgegangen sei, als er sich gegen die Echtheit der  Erscheinungen aussprach und die Verbreitung ihrer „Botschaften“ untersagte.  Der römische Offizium stellte fest, daß „Schriften und Broschüren über diese Sache keine kirchliche Genehmigung erhalten können“.

Nachdem viele Amsterdam-Fans trotzdem weiter für die  „Frau aller Völker“  warben und eine erneute Untersuchung forderten, erklärte das Hl. Offizium am 25.8.1961, daß das „Nein“ des Vatikans endgültig sei:

Das Hl. Offizium sieht keine Veranlassung, seine nach reiflicher Überlegung erlangte Entscheidung zurückzuziehen; sie betrachtet die ganze Frage als abgeschlossen. Der Oberste Hirte bittet daher die verehrten Professoren darum, Abstand von einer neuerlichen Untersuchung zu nehmen, da es sich – unter Einbeziehung der vollen Kenntnis der Fakten – um eine Verfügung des Hl. Stuhls handelt.“

Am 25.5.1974 stellte die Glaubenskongregation erneut  fest:

Als Folge weiterer Entwicklungen undnach einer neuen und gründlicheren Prüfung des Falles befestigt die Glaubenskongregation mit dieser Notifikation das bereits von kompetenten kirchlichen Autoritäten ausgesprochene Urteil und fordert Priester und Laien auf, alle Formen von Propaganda für die angeblichen Erscheinungen und Botschaften derFrau aller Völker“ einzustellen.“

Diese Notifikation wurde von Kardinal Joseph Ratzinger am 2.4.1987 nochmal bestätigt, indem er die Botschaften der „Frau aller Völker“ ablehnte und sowohl ihre Verehrung wie auch die Anrufung zur „Frau aller Völker“ untersagte.

Das Ja des niederländischen Bischofs Punt zu den Amsterdamer „Erscheinungen“ steht also im Widerspruch zum jahrzehntelangen kirchlichen Nein sowohl seiner Vorgänger wie auch des Vatikan.

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster

Nähere Infos über die kirchlichen Ablehnungen von Amsterdam hier: http://de.gloria.tv/?media=24933

 


Papst Benedikt: Der Titel „Miterlöserin“ verdunkelt den wesentlichen Vorrang Christi

Was sagen Heilige Schrift, Tradition und kirchliches Lehramt zur „Miterlöserschaft“ Mariens?

In einigen erscheinungsbewegten Kreisen wird vermehrt dafür geworben, daß die Kirche bzw. der Papst ein neues marianisches Dogma verkünden solle, nämlich den Titel „Miterlöserin“ (Co-Redemptrix) für die Gottesmutter.

Manche fügen zwei weitere Ehrenbezeichnungen hinzu, nämlich „Fürsprecherin und Mittlerin„, weil dies in den innerkirchlich umstrittenen“Marienerscheinungen“ von Amsterdam gefordert wurde.

(Wobei das Vertrauen auf die Fürsprache Marias ohnehin seit jeher zur kirchlichen Verkündigung, Liturgie und Volksfrömmigkeit gehört, also unstrittig ist. Auch der Titel „Mittlerin“  ist  –  in recht verstandener Weise  –  in Gebet und Theologie nichts Außergewöhnliches.) Wetzlar-DSC_0640-2 - Kopie

In den angeblichen „Botschaften“ von Marpingen im Saarland wurde das Dogma „Maria Miterlöserin“ ebenfalls gewünscht; zudem von der selbsternannten „Seherin“ Anne aus Gütersloh (sog. „Anne-Botschaften“): dort soll Christus selbst dies in einer Vision zugunsten seiner Mutter verlangt haben.   –  Bei den „Marienerscheinungen“ von San Damiano wurde ebenfalls die kirchliche Verkündigung der „Miterlöserin“ gefordert. (Diese drei Privatoffenbarungen sind alle kirchlich nicht anerkannt.)

Am bekannsten ist der energische Wunsch nach diesem Dogma  jedoch im Zusammenhang mit den sog. Amsterdamer „Botschaften„:

Am 15. April 1951 soll sich die „Madonna“, die dort als „Frau aller Völker, die einst (!) Maria war“ erscheint, vor das Kreuz gestellt und der „Seherin“ Ida Peerdemann das Folgende gesagt haben:

„Der Sohn kam in die Welt als der Erlöser der Menschen. Das Erlösungswerk war das Kreuz. Er war vom Vater gesandt. Nun aber will der Vater und der Sohn die Frau in die ganze Welt senden. Sie ist ja dem Sohn auch früher vorausgegangen und gefolgt. Darum stehe ich jetzt auf der Welt, auf der Erdkugel. Das Kreuz steht dort fest verankert, eingepflanzt. Nun stellt sich die Frau davor als die Mutter des Sohnes, die mit Ihm dieses Erlösungswerk vollbracht hat. Dieses Bild spricht eine deutliche Sprache und soll jetzt schon in die Welt gebracht werden, weil die Welt das Kreuz wieder braucht. Die Frau aber steht als die Miterlöserin und Fürsprecherin vor dem Kreuz.“

Hierzu wollen wir gern zwei Punkte klarstellen:

1. Christus ist prä-existent: als Sohn Gottes existiert er vor aller Zeit (vor seiner Menschwerdung): „Ehe Abraham ward, bin ich“, sagte Jesus von sich selbst. ER ist die zweite Person der dreieinigen Gottheit. Daher ist ihm „die Frau“ keineswegs „vorausgegangen“, denn Maria ist ein Geschöpf, entstanden in der Zeit;  Christus hingegen ist Gott selbst, geboren aus dem Vater vor aller Zeit.

2. Das Bild einer Madonna, die sich vor das Kreuz stellt, weil sie angeblich „mit ihm“ (Christus) dieses „Erlösungswerk vollbracht“ habe, ist theologisch abwegig und widerspricht sowohl der Form wie dem Inhalt nach der Heiligen Schrift, die uns berichtet, daß Maria unter dem Kreuze stand, als ihr göttlicher Sohn, der einzige Erlöser des Menschengeschlechtes, sich für das Heil der Welt hingab.

Die Vorstellung einer direkten und eigentlichen „Miterlöserschaft“ der Madonna gehört nicht zur überlieferten kirchlichen Mariologie; selbst der Ausdruck „Miterlöserin“ war bis ins hohe Mittelalter unbekannt; er ist erst in der frühen Neuzeit stärker zum Vorschein gekommen.  

Gemälde: Evita GründlerIm Hoch- und Spätmittelalter wurde die Gottesmutter vor allem als Fürsprecherin, Beistand und Hilfe der Christen verehrt, zudem als „Schutzmantel-Madonna“  und oft als Mitleidende, als „Schmerzensmutter“  unter dem Kreuz oder vor der Grablegung: erinnern wir uns an die zahlreichen Pieta-Darstellungen in Kirchen und Kapellen, die Maria mit ihrem verstorbenen Sohn auf ihrem Schoß zeigen.

Der große Franziskaner-Theologe Bonaventura bezeichnete die Gottesmutter gerne als Advokatin  bzw. als „Anwältin des Menschengeschlechtes“.

Dem Titel „Miterlöserin“ fehlt die Beheimatung in der kirchlichen Tradition, also die Kontinuität, die Beständigkeit in der Lehrverkündigung, ganz zu schweigen von einem Vorhandensein in der apostolischen Überlieferung oder wenigstens im Frühchristentum (Kirchenväterzeit, Spätantike).

Ein solches Eingebettetsein ist aber für eine Dogmatisierung nicht nur wünschenswert, sondern unerläßlich. Ohne eine nachweisbare Überlieferung bis in die Frühzeit der Kirche führt kein Weg zu einem Dogma.

Selbst für das allgemeine katholische Glaubensgut gilt das bekannte Prinzip, das der spätantike Kirchenlehrer Vinzenz von Lerin aufstellte: „Katholisch ist das, was immer, was überall und was von allen geglaubt wurde.“   – „Katholisch“ bedeutet schon rein sprachlich betrachtet soviel wie „allumfassend“.

Angesichts dieses „Traditions-Befundes“ kann es demzufolge kaum jemals zu einem Dogma „Maria Miterlöserin“ kommen.

Noch Mitte des 18. Jahrhunderts untersagte das Hl. Offizium (Vorläufer der vatikanischen Glaubenskongregation) ausdrücklich den Ausdruck „Miterlöserin des Menschengeschlechtes“ bei der Zensur einer Franziskaner-Schrift. Danach war dieser Titel zwar erlaubt, er gehört aber bis heute nicht zur amtlichen kirchlichen Verkündigung.

Es gibt freilich durchaus eine „un-eigentliche“ Miterlöserschaft der Madonna hinsichtlich ihrer einzigartigen Mitwirkung am göttlichen Erlösungswerk, beginnend von der übernatürlichen Empfängnis des HERRN bis hin zu Marias Treue unter dem Kreuz; deshalb ist die selige Jungfrau zugleich das ideale Vorbild und Urbild der Kirche  – und die geistliche Mutter der Christgläubigen. Radio Vatikan

Im KKK (Katechismus der Kath. Kirche) heißt es unter Nr. 967, daß Maria dem Erlösungswerk ihres Sohnes „voll und ganz zustimmte“; dadurch sei sie das „Vorbild des Glaubens und der Liebe“ geworden und damit „das Urbild der Kirche“.

Klar ist also in der katholischen Verkündigung, daß Maria  auf geschöpflicher Ebene  aktiv mitwirken durfte am Heilswerk des Ewigen  – freilich in völliger Abhängigkeit von Christus und ermöglicht durch die Gnade Gottes selbst; insofern ist die Gottesmutter zweifellos die vorzüglichste  „Mithelferin“ und „Mitarbeiterin“ unseres göttlichen Erlösers.

Maria ist nun freilich selbst eine Erlöste; sie ist aufgrund ihrer makellosen Empfängnis in einzigartiger Weise die Voraus-Erlöste, Erst-Erlöste und Voll-Erlöste des Neuen Bundes  – sie nimmt unter allen Erlösten also den höchsten Rang ein, doch ändert dies nichts daran, daß auch die Madonna zur erlösungsbedürftigen Menschheit gehört. Dies wird besonders am Dogma von der makellosen Empfängnis deutlich – hier folgt der  Wortlaut des Immaculata-Dogmas:

„Die Lehre, daß die allerseligste Jungfrau Maria im ersten Augenblick ihrer Empfängnis aufgrund einer besonderen Gnade und Auszeichnung des allmächtigen Gottes im Hinblick auf die Verdienste Jesu Christi, des Erlösers der Menschheit, von jedem Makel der Erbsünde bewahrt blieb, ist von Gott geoffenbart und muß deshalb von allen Gläubigen fest und unabänderlich geglaubt werden.“

Die Kirche hat mit diesem Dogma verdeutlicht, daß die Auszeichnung der makellosen Empfängnis ein besonderer Akt der „Gnade“ Gottes ist, der im Hinblick auf die „Verdienste Christi“ geschah, welcher der Erlöser des Menschengeschlechtes ist  – vorzüglich der Erlöser Mariens, seiner Mutter.

Die Madonna war sich dieser hohen Begnadigung bewußt, wie die Heilige Schrift bezeugt, denn sie jubelt in ihrem dankbaren Lobgesang, dem Magnificat, über „Gott, meinen Retter„.

Der Ewige ist auch  i h r  Erlöser, ihr Heiland, wobei sie sich als „die Magd des HERRN“ versteht und stets auf Christus verweist, so auch bei der Hochzeit zu Kana, als Jesus sein erstes öffentliches Wunder wirkte, indem er Wasser in Wein verwandelte. 

Foto: Dr. Bernd F. PelzVorher sprach die Madonna zu den Knechten: „Was ER euch sagt, das tut!“  – Dies ist im Grunde das Leitwort aller kirchlichen Verkündigung: Was Christus euch sagt, das tut!

Der Ausdruck „Miterlöserin“ für die Madonna ist weitgehend mißverständlich und stark auslegungsbedürftig  – und er könnte leicht irreführend wirken, als ob mit diesem Titel die einzige Erlöserschaft Christi, des Sohnes Gottes, zumindest indirekt infrage gestellt würde.

Manche kirchlichen Würdenträger oder Theologen sehen das freilich anders: einige vielleicht wegen einer gewissen Anhänglichkeit an die Amsterdamer „Botschaften“, andere eher aufgrund spekulativer theologischer Überlegungen.

(Was die kirchliche Stellung zur Amsterdamer Privatoffenbarung der „Frau aller Völker“  betrifft, so verweisen wir auf unsere folgende Dokumentation)

Zu den Befürwortern des Titels „Miterlöserin“ gehört beispielsweise der St. Pöltener Bischof Klaus Küng: Er erklärte am 22.8.2009 in einer Predigt im bekannten Wallfahrtsort Mariazell, die Gottesmutter verdiene mit Recht den Titel „Miterlöserin“.

Papst Benedikt XVI. beurteilt dies allerdings anders. Er würdigt zwar durchaus die wohlmeinenden Intentionen bzw. Absichten vieler Miterlösungs-Anhänger, aber gut gemeint ist eben nicht immer gut gemacht.

In dem im Jahr 2000 erschienenen Buch „Gott und die Welt“ (Interview mit Peter Seewald) äußerte sich der damalige Kardinal Joseph Ratzinger im Abschnitt „Von den Dogmen“  wie folgt zum Thema „Maria Miterlöserin“ (Taschenbuch-Ausgabe: S. 329 f):

„Die Antwort der Glaubenskongregation darauf lautet, daß das, was damit gemeint ist, in anderen Titeln Marias schon auf bessere Weise ausgesagt ist, während die Formel „Miterlöserin“ sich von der Sprache der Schrift und der Väter zu weit entfernt und daher Mißverständnisse hervorruft.

Was ist richtig daran? Nun, richtig ist, daß Christus nicht außerhalb von uns oder neben uns stehenbleibt, sondern mit uns eine tiefe, neue Gemeinschaft bildet. Alles, was sein ist, wird unser, und alles, was unser ist, hat er angenommen, so daß es sein wurde:

Dieser große Austausch ist der eigentliche Inhalt der Erlösung, die Entschränkung des Ich und das Hineinreichen in die Gemeinschaft mit Gott.

Weil Maria die Kirche als solche vorwegnimmt und sozusagen Kirche in Person ist, ist dieses „Mit“ in ihr exemplarisch verwirklicht.

Aber über diesem „Mit“ darf man nicht das „Zuerst“ Christi vergessen. Alles kommt von ihm, wie besonders der Epheser- und der Kolosserbrief sagen; auch Maria ist alles, was sie ist, durch ihn.

Das Wort „Miterlöserin“ würde diesen Ursprung verdunkeln. Eine richtige Intention drückt sich in einem falschen Wort aus.

Für die Dinge des Glaubens ist gerade die Kontinuität mit der Sprache der Schrift und der Väter wesentlich; die Sprache ist nicht beliebig manipulierbar.“

Ähnlich sieht es der Präfekt der römischen Kongregation für Selig- und Heiligsprechungen, Erzbischof Angelo Amato:

In einem Interview mit der italienischen Zeitung ‘Avvenire’erklärte der Kurien-Erzbischof im Juli 2008, eine Dogmatisierung der Gottesmutter als „Miterlöserin“ sei weder biblisch noch patristisch (von der Lehre der Kirchenväter her gesehen) noch überhaupt theologisch gerechtfertigt.

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster


Die Mutter aller Irrgläubigen ?

Die „Frau aller Völker“ und die fremden Religionen

Bekanntlich nehmen an den großen Kundgebungen zugunsten der Verehrung der Amsterdamer Erscheinung „Frau aller Völker“ auch Moslems oder Anhänger sonstiger fremder Religionen teil. Das mag auf den ersten Blick verwundern, auf den zweiten weniger.

Hierzu ein Beispiel: In der der offiziellen Internetpräsenz der „Frau aller Völker“-Bewegung (www.devrouwe.net) findet sich folgender Vortrag von Pater Paul Maria Sigl, demgeistlichen Leiter der Gemeinschaft ‚Familie Mariens, der Miterlöserin‘, die sich den Amsterdamer „Botschaften“ besonders verbunden fühlt.

Der Titel des Vortrag lautet vielsagend: „Die Liebe – Der Weg der Mutter zu Einheit und Friede

Pater Sigl hielt diese Rede auf dem 7. Internationaler Gebetstag in Amsterdam vom 6. bis 8. Mai 2005; sie beginnt mit den Worten:

Spüren wir nicht alle hier an diesem marianischen Gebetstag, dass die Liebe Gottes über uns ausgegossen wird und uns zu einer einzigen Familie vereint?

Zu unserer Freude sind jetzt am Nachmittag auch unsere protestantischen und orthodoxen Glaubensbrüder gekommen, zudem auch Juden, Muslime und sogar Buddhisten und Hindus. Sie alle sind hierher zur Mutter aller Völker gekommen, die sie mit ausgebreiteten Armen voll Liebe willkommen heißt und sie förmlich umarmt.“

Wie kann die wahre Gottesmutter jene „förmlich umarmen“, die ihren göttlichen Sohn nicht anerkennen, nämlich Moslems, Buddhisten und Hindus?

Aber dogmatische „Unterschiede“ scheint diese Erscheinungsfrau „aller Völker“ ohnehin nicht zu kennen, denn Pater Sigl fährt wie folgt fort und zitiert aus ihren „Botschaften“:

Sie ist ja die eigentliche „Gastgeberin“, die ausnahmslos alle ermutigt: Wer oder was ihr auch seid, kommt zur Frau aller Völker!“ (6.4.1952) – Wer oder was ihr auch seid, ich darf für euch die Mutter, die Frau aller Völker sein.“ (31.5.1954).“

Der nächste Abschnitt klingt auf den ersten Blick etwas vernünftiger, offenbar soll er die womöglich etwas „erstaunten“ Katholiken beruhigen:

Wenn jetzt bald Herman de Vries, ein protestantischer Pastor, zu uns sprechen wird oder P. Peter Fadi Esber, ein Legat des griechisch-orthodoxen Patriarchates aus Syrien, wenn wir einen Film-Ausschnitt über „Maria und den Islam“ des türkischen Regisseurs Mohamed el Fers sehen werden oder Rasamée, einer Buddhistin aus Thailand zuhören, dann darf dies nicht mißverstanden werden, als wäre dies eine Vermischung der verschiedenen Glaubensbekenntnisse und als wäre es gleichgültig, zu welchem Glauben wir uns bekennen. Nein, keineswegs!“

Wenn also die Verschiedenheit der „Glaubensbekenntnisse“ (sic!) nicht gleichgültig sei (wie das Lippenbekenntnis verkündet), so läßt uns Pater Sigl doch wissen, daß es in der Praxis keine Rolle spielt, ob jemand der islamischen, buddhistischen oder hinduistischen Religion angehört, denn die Madonna „beschützt“ laut P. Sigl auch Hindus und Buddhisten – und sie „heilt“ auch die „Muslime“.

Sehr praktisch, dann erübrigt sich wohl jeder Religionswechsel. Aber sicher, schließlich ist die Amsterdamer Maria doch „die Mutter aller Völker“ – und damit wohl auch aller Religionsanhänger.

Pater Sigl bestätigt dies wieder im Originalton:

Vielmehr wird jeder einzelne von ihnen Zeugnis ablegen von seiner persönlichen Liebe zu Maria als seiner Mutter. Dabei werden wir alle von Freude und tiefer Dankbarkeit ergriffen werden, wenn wir davon hören, mit welcher Zärtlichkeit die Gottesmutter auch Protestanten ihre mütterliche Liebe und Führung spüren läßt. Wie sie Hindus und Buddhisten beschützt und tröstet – und wie sie auch Muslime heilt. Wie könnte es anders sein?! Sie ist doch die Mutter, die Mutter aller Völker!“

Felizitas Küble, Leiterin des KOMM-MIT-Verlags und des Christoferuswerks in Münster

Weitere Infos über die kirchliche Stellung zu „Amsterdam“ hier in einer Ausarbeitung von Hildegard Alles: http://de.gloria.tv/?media=24933