Münster: Wie der katholische Theologe Ulrich Lüke den Apostel Paulus mißversteht

Von Felizitas Küble

Prof. Dr. Ulrich Lüke, der früher an der Technischen Universität in Aachen lehrte, ist nach seiner Emeritierung Krankenhauspfarrer in Münster geworden. Als Seelsorger im Franziskushospital hält er es offenbar für seine Aufgabe, die wohl meist kranken Meßbesucher durch provokative Predigten zu behelligen. 

Seine in flapsigem Ton gehaltenen Ausführungen legt er schriftlich zum Nachlesen aus, so daß auch unsere Redaktion in den „Genuß“ von etlichen seiner Predigten kam.

So sprach er z.B. am 29. und 20. Juni dieses Jahres über den „Mut zur Praxis“. Gemeint war aber kein Heldentum in puncto Nächstenliebe oder Bekennertum, sondern seine spezielle Auslegung eines Briefabschnitts von Paulus.

Der Völkermissionar schrieb bekanntlich an die Galater, es gäbe „nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht Mann und Frau, denn ihr seid alle einer in Christus“.

Ein in der heutigen Zeit gern zitierter Satz, bei dem freilich zu bedenken ist, daß direkt davor von der Taufe die Rede ist – und darin besteht kein Zweifel: Dieses Grundsakrament schenkt allen Menschen unhängig von Geschlecht, Status oder Herkunft genau dasselbe, nämlich die überreiche Gnade des Höchsten: Gotteskindschaft, Befreiung von der universalen Erbschuld und Eingliederung in die Kirche.

Doch der Prediger beläßt es nicht dabei, sondern macht aus Paulus – so wörtlich – einen „Revolutionär“. 

Schon im nächsten Satz ist von der Forderung nach dem Frauen-Diakonat die Rede, wobei er sich auf die Würzburger Synode beruft, die aber kein Regionalkonzil war und daher auch keine verbindlichen Beschlüsse fassen konnte.

Mehrfach bezeichnet Professor Lüke die eher konservativ Denkenden unter den deutschen Bischöfe als „Angsthasen unter den Mitra-Trägern“ und unterstellt ihnen „Panik“ gegenüber den Forderungen der modernistischen Aktion „Maria 2.0“.

Der Prediger mahnt bei diesen vorwärtsstürmenden Damen zwar ein gemächlicheres Tempo an, will aber im Grunde dasselbe in grün: 

„Warum fängt man nicht mal mit dem Diakonat für Frauen an, stellt denn vermutlich fest, dass die Kirche weder untergegangen ist noch die Botschaft Jesu verraten hat und schaut dann ruhigen Auges, ohne Angstschweiß auf der Stirn und ohne Schaum vor dem Maul (!) weiter in die Zukunft Gottes.“

Das Diakonat erscheint hier lediglich als Etappenziel für weitere Planspiele.

Am Schluß erinnert der Geistliche erneut an die Worte des heiligen Paulus, wonach alle „eins in Christus“ seien.

Was der Prediger aber nicht berücksichtigt, ist die schlichte Tatsache, daß es dem Apostel hier ausdrücklich um die Taufe geht – nicht um die „Amtsfrage“. Immerhin ist es derselbe Paulus, der in seinem Brief an Timotheus schreibt: „Entfache die Gnadengabe, die in dir ist durch die Auflegung meiner Hände.“ (2 Tim 1,6)

Somit ist keineswegs alles, was „aus der Taufe gekrochen ist (Luther), bereits Priester im sakramentalen Sinne, wobei es natürlich sehr wohl ein allgemeines Priestertum der Gläubigen gibt, das durch die Firmung noch befestigt wird.

Auch die „Diakoninnen“ in der frühen Kirche hatten kein sakramentales Amt inne, ebensowenig wie die Witwen, die damals auch eine eigene Segnung bzw. „Witwenweihe“ erhielten. Beide Stände in der Kirche waren nicht im Altarraum tätig, sondern dienten den „Tischen“ (Armenspeisung), dem Gebet und der Katechese (Glaubensunterweisung) außerhalb des Gotteshauses, vor allem beim Unterricht von Katechumenen (Taufkandidaten).

Das sind genau jene Aufgaben (sogar weniger), die längst auch jede Gemeindereferentin und Pastoralassistentin ausüben kann.

Zum Thema Frauenpriestertum siehe hier ein Grundsatzartikel: https://charismatismus.wordpress.com/2019/08/19/warum-keine-priesterweihe-fuer-frauen/


Paderborn: Priester kritisieren Äußerungen zu „Maria 2.0“ von Erzbischof Becker

Stellungnahme aus dem Paderborner Priesterkreis „Communio veritates“:

In den letzten Tagen habe ich mich manchmal gefragt, ob es sich für Priester, die in der Glaubenstradition der Katholischen Kirche stehen und darin leben und sterben wollen, noch lohnt, für die Kirche und in der Kirche von Paderborn zu arbeiten.

Warum? Weil sie von der Diözesanleitung, einschließlich Erzbischof Becker, keinerlei Rückendeckung mehr bekommen, im Gegenteil: Erzbischof Becker fällt ihnen sogar noch in den Rücken, indem er einen Schmusekurs mit den Damen von „Maria 2.0“ beginnt, um auszuloten, „was wir tun können“.

Schließlich gehe es, so wird der Erzbischof im Internet bei „katholisch.de“ zitiert, um „echte Anliegen“ eines „wichtigen Teiles der Kirche“.

Wir Priester in unserer Sorge um den Glauben der Kirche haben ja keine echten Anliegen und sind auch kein wichtiger Teil der Kirche. „Maria 2.0“ ist wichtiger.

Wie will EB Becker das eigentlich machen: „ausloten, was wir tun können“ … „in einem echten Miteinander zu überlegen, welche gemeinsamen Ziele wir realistischerweise vor Ort erreichen und umsetzen können“ – mit einer durch und durch häretischen Bewegung?

„Maria 2.0“ fordert radikal die Öffnung des Ordo in allen drei Stufen für Frauen. Nach Ordinatio sacerdotalis ist das, wie jeder, der ehrlich ist, weiß, nicht möglich. Warum sagt das EB Becker nicht klar und deutlich, sondern verweist lediglich auf eine weltkirchliche Entscheidung? Aber da ist nichts mehr zu entscheiden. Die Entscheidung ist gefallen.

Seltsam klingt es für mich, wenn „Maria 2.0“ die Abschaffung des Zölibates fordert. Die Damen brauchen ihn doch gar nicht zu halten. Es ist doch komisch: Es ärgern sich die am meisten über diese Lebensform, die gar nichts damit zu tun haben.

Sieht man im Zölibat die Ursache für den sexuellen Missbrauch? Dann müsste man konsequenterweise auch die Orden abschaffen (jedenfalls alle männlichen), denn zu den Ordenregeln gehört unverzichtbar – neben Armut und Gehorsam – lebenslange Keuschheit, also der Zölibat, und es waren auch Ordensangehörige, die sich teilweise schwerster Verfehlungen schuldig gemacht haben.

Wie will man „ausloten, was wir tun können“, wenn es um die Sexualmoral der Kirche geht? – Mit einer Art Salamitaktik: Hier schneiden wir mal ein Stück (versuchsweise) ab, dort können wir noch ein Scheibchen abschneiden, da auch noch eins …?

Was heißt es, wenn EB Becker betont, die „lebendige Weitergabe des Glaubens und eine menschenfreundliche Kirche“ seien wichtige gemeinsame Ziele? „Weitergabe“ setzt voraus, dass ich etwas zum Weitergeben habe. Weitergabe setzt Tradition voraus.

Die Damen von „Maria 2.0“ aber wollen eine radikal neue Kirche. Eine Kirche, die – losgelöst von ihren Traditionen, auch den verbindlichsten und ältesten – sich dem Zeitgeist und dem Geschmack der Menschen anpasst und letztlich nicht mehr den Anspruch erheben kann, katholisch-apostolisch zu sein.

Sogar die hl. Messe haben sie für ihre Ziele missbraucht. Und durch die Trennung von der Gemeinde-Eucharistie bei ihrer Aktion haben sich die Damen – buchstäblich – selbst „exkommuniziert“.

Und was ist „eine menschenfreundliche Kirche“? Was versteht EB Becker darunter? Was meint „Maria 2.0“ damit? Haben sie wirklich darin ein gemeinsames Ziel?

Das Ziel von „Maria 2.0“ ist nicht nur eine „menschenfreundliche“, sondern vor allem eine „menschengefällige“ Kirche. Denkt EB Becker auch so? Dann liegt er grundfalsch.

Denn das erste Ziel der Kirche ist es, Gott zu gefallen, nicht den Menschen. Das ist die große Sünde der Kirche der letzten Jahrzehnte: „menschenfreundlich-menschengefällig“ sein zu wollen, das heißt die Wahrheit abzuschleifen zum Gefallen der Menschen, den Menschen mehr zu gefallen als Gott.

Die Katholische Kirche, die mit ihrer Tradition und ihren Werten der ganzen Welt ihren Stempel aufgedrückt hat, buhlt um den Beifall der Welt, statt der Welt gegenüberzutreten wie die großen Propheten Israels, auf deren Schultern sie steht.

Wenn ein Elija wiederkäme, ein Jesaja, ein Jeremia – was würden sie wohl sagen zu der Kirche von heute? Und was würde Jesus sagen? Bei Lukas 6,26 steht es: „Weh euch, wenn euch alle Menschen loben; denn ebenso haben es ihre Väter mit den falschen Propheten gemacht.“

Zum Schluss noch etwas sehr Bedrückendes:
Da EB Becker sich zum Schmusekurs gegenüber „Maria 2.0“ entschlossen hat, steht in Zukunft jeder Priester der Erzdiözese Paderborn, der in der Glaubenstradition der Kirche bleiben will und deshalb „Maria 2.0“ ablehnt, im Gegensatz zu seinem Bischof, und wer gar noch in Predigt und persönlichem Zeugnis gegen „Maria 2.0“ kämpft, kämpft gegen seinen Bischof. Traurig, aber wahr!

Dennoch – es lohnt sich, weiter für die Kirche und in der Kirche zu arbeiten; denn EB Becker ist nicht identisch mit der Kirche von Paderborn. Und kämpfen müssen wir vor allem mit dem Gebet, denn wir sehen uns einer Macht gegenüber, gegen die wir allein nicht ankommen.

Quelle: http://communioveritatis.de/ein-verheerender-schmusekurs?fbclid=IwAR1Ntnq-obZl_bGPF6C1nUxoQTKBFJYZAPkNXWA73WjdEc9GakVdaU3Rktg