Heute pilgerten Grafschafter nach Telgte

Von Felizitas Küble

Die Grafschaft Glatz war eine besonders katholisch geprägte Gegend in Schlesien mit einigen Wallfahrtsorten, die dort heute noch Pilger anziehen.

Vertriebene Katholiken und ihre Nachkommen aus der Grafschaft treffen sich jährlich in Telgte, einem kleinen, aber viel besuchten Marienwallfahrtsort im Münsterland.

Dort findet stets am Freitagabend eine Lichterprozession statt, teils durch das Städtchen Telgte, manchmal auch an den Emswiesen entlang wie diesmal, wobei der Flußlauf durch Wald und Fluren malerisch eingebettet ist; außerdem ist es eine Glaubenslandschaft mit Bildstöcken und einem großen Kreuzweg.

Am Samstag gibt es einen Festgottesdienst, verschiedene Veranstaltungen, Beichtgelegenheiten und eine feierliche Schlußandacht in der städtischen Clemenskirche, die sich direkt neben der Gnadenkapelle befindet, wo seit Jahrhunderten die Pieta (schmerzhafte Mutter mit dem Christusleichnam auf ihrem Schoß) verehrt wird. 

Die schlesischen Grafschafter haben ihre alte, leider verlorene Heimat nicht vergessen;  zugleich haben sie in Westfalen und besonders im Münsterland ein neues Zuhause gefunden – eine ebenfalls katholisch geprägte Region. Diesmal trafen sie sich bereits zum 72. Mal in Telgte.

Die Lichterprozession begann mit einer Andacht mit Gebeten, Marienliedern und einer Predigt von Diakon Norbert Kriesten aus Gummersbach, die unter dem Motto stand: „Der Engel des HERRN brachte Maria die Botschaft“. Dieses uralte Gebet  – der Angelus  –  wurde auch gemeinsam gesprochen. 

Danach zogen die ca. 140 Pilger  – darunter viele Priester  – mit einem großen Vortragskreuz, einer Fahne mit der Telgter Madonna und einer Marienstatue auf einem Tragegestell auf den Emswiesenweg vorbei an den Stationen des Kreuzwegs und den „Bäumen der Freundschaft“, denn Telgte pflegt Städtepartnerschaften mit amerikanischen, polnischen und russischen Städten. 

Der Gebetszug endete vor der wunderbar renovierten Marienkapelle. Dort hielt Prälat Franz Jung vor Geistlichen und Gläubigen eine Ansprache an die Gläubigen.

Der Großdechant aus Münster berichtete von seiner unlängst erlebten Reise durch die Grafschaft Glatz im heutigen Polen, an der sich weitere heimatverbundene Grafschafter beteiligten. Danach spendete er seinen priesterlichen Segen.

Die Pilger zogen sodann in die nahegelegene Clemens-Kirche, wo eine kurze Abschlußandacht stattfand. An den Gottesdiensten und der Lichterprozession nahm  – wie bereits im Vorjahr –  auch der Propst von Telgte (Pfr. Dr. Michael Langenfeld) teil.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.

Fotos: Felizitas Küble

 


Die Schatzkiste „Gotteslob“ kreativ erschließen

Fortbildungsseminar zum neuen Gesangbuch erfolgreich

„Was lange währt, wird endlich gut“, sagt der Volksmund. Nach rund zehn Jahren Vorbereitungszeit ist ein neu gestaltetes katholisches Gebet- und Gesangsbuch entstanden, das „Altes und Neues sehr gut vereinbart“, wie Pater Thomas Lemp, Leiter des Pastoral-Theologischen Instituts (PTHI), meint. Foto1

„Die Zeit bleibt natürlich nicht stehen und so singen sich manche Lieder im Laufe der Jahre ab“, sagt der Pallottinerpater über die Notwendigkeit des neuen „Gotteslob“.

Um das Liederbuch kennenzulernen, mit ihm arbeiten zu können und auch das ein oder andere Lied einzuüben, fand kürzlich im PTHI in Friedberg ein Seminar mit rund 30 Teilnehmern statt.

In dieser Fortbildungsveranstaltung wurden u.a. verschiedene Chancen der Gottesdienstgestaltung für die wichtigen Festtage des Kirchenjahres aufgezeigt.

„Insgesamt haben die Texte einen noch stärkeren biblischen Bezug bekommen und sind, wie ich finde, in der Gottesanrede persönlicher geworden“, erläutert P. Lemp. Im Verhältnis zur Vorgängerausgabe von 1975 gibt es nun einen vergleichbar hohen Anteil an „Neuem geistlichen Liedgut“. Ebenso sind viele Gesänge aus Taizé enthalten. Foto2

Das Konzept des „Gotteslobs“ ist sinnvoll aus Sicht des PTHI-Leiters, der selbst auch an dem Seminar teilnahm:

„Das ganze Buch ist ansprechender geworden. In seiner Gestaltung, aber auch inhaltlich. So sind nun auch etliche Meditations- und Besinnungstexte enthalten und der Andachtsteil wurde deutlich verbessert.“

FOTO: Immer wieder werden im Friedberger PTHI pastoraltheologische Veranstaltungen angeboten

Die Andachten  –  von denen einige von Pallottinerpater Alexander Holzbach stammen  –  sind nun modulartig aufgebaut, was einen klaren Vorteil darstellt, da das Gotteslob so einfacher und praktischer als „Gebetsbuch für Zuhause“ genutzt werden kann.

Eine Osterandacht im Kreis der Familie können nun einfach und dennoch individuell gestaltet, gebetet werden. Insgesamt sei das neue Buch sehr praktisch geworden, so der Pallottiner.

Die lange Vorbereitungszeit, die Bischöfe, Berater und Experten aus verschiedenen Bereichen wie Liturgie, Kirchenmusik, Pastoral oder auch Spiritualität benötigt haben, bis das neue Gotteslob schließlich in Druck gehen konnte, hält P. Lemp für durchaus nachvollziehbar.

Rund 100 Fachleute haben an dem neuen Gesangbuch gearbeitet. Die Rechte für einige Lieder mussten zum Teil aus Übersee oder bei den Angehörigen inzwischen verstorbener Komponisten eingeholt werden. Schließlich musste bei jedem einzelnen Stück entschieden werden, ob es weiterhin im Gotteslob bleibt oder ausrangiert wird.

Pater Lemp erklärt: „Manche Lieder wurden ganz gestrichen, bei anderen wurde die Melodie überarbeitet, damit sie leichter zu singen sind. Die Anwendbarkeit zum Beispiel bei dem schönen Tauflied ‚Segne dieses Kind und hilf uns, ihm zu helfen‘ ist aus meiner Sicht besser geworden.“

Während des Seminars, das von Prämonstratenserpater Stefan Kling (Leiter des Amts für Kirchenmusik der Diözese Augsburg) und Pfarrer Ulrich Müller (Liturgiereferent im Bistum Augsburg) geleitet wurde, erläuterten die Referenten auch die Theorie und das Konzept, nach dem die Kommissionen gearbeitet haben.

So erhielten die Teilnehmer ein Gespür dafür, nach welchen Kriterien Stücke aufgenommen, geändert oder ausgelassen wurden. Auch wurden ihnen Möglichkeiten, mit den Zeichnungen  –  die ebenfalls ein Novum des neuen Gotteslobs sind  –  zu arbeiten, vorgestellt.

Quelle: Palottiner-Pressemeldung

„Gotteslob“-Foto: St. Michaelsbund-Verlag

Pallottiner
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Kirchliches Ablaßbuch: „Abenteuerliche Sonderbarkeiten und Versprechungen“

Zu den „Brigitta-Gebeten“ (7-er und 15-er Reihe) und ähnlichen Andachten mit „Verheißungen“

Seit Jahrhunderten sind sogenannte „Gebete nach der hl. Brigitta“ im Umlauf, die angeblich „große Verheißungen“ mit sich bringen, wobei zugleich damit geworben wird, diese Sonderandachtsformen seien kirchlich anerkannt, ja sogar empfohlen  – so etwa hier:

http://www.betet.info/Brigittagebete.html#Leiden_Jesu_Christi

Diese Behauptungen sind allerdings unzutreffend und irreführend. Hierzu wollen wir gerne Folgendes festhalten:

1. Bereits im alten offiziellen kirchlichen „Ablaßbuch“ (z.B. der Ausgabe von 1939), in dem  eine Auflistung aller (!) gültigen (!) Ablaß-Gebete enthalten ist, fehlen diese Birgittengebete, folglich gehören sie nicht zu den amtlichen Ablaßgebeten. pic_526a50cce0863

Dies ist an sich ohnehin klar wegen der geradezu abenteuerlichen Versprechungen hinsichtlich der Befreiung von Seelen aus dem Fegefeuer bzw. diversen konkreten Heilsverheißungen.

Solche präzisen Zusagen sind schon deshalb unseriös, weil die Kirche über das Purgatorium (Fegefeuer, jenseitiger Läuterungszustand) keine direkte „Amtsgewalt“ ausüben kann, weshalb Ablässe für Verstorbene lediglich fürbitthalber wirken (können). Das hat die Kirche immer so gelehrt.

„Das Gepräge der Falschheit“

Näheres hierzu findet sich in dem altbewährten Buch „Die katholische Lehre von den Ablässen„, verfaßt von Jesuitenpater Josef Hilgers, erschienen in Paderborn 1914.

Dort heißt es auf S. 128 im Kapitel „Über echte und unechte Ablässe“:
„Viele der von den römischen Kongregationen als unecht bezeichneten Ablässe tragen schon durch ihre abenteuerlichen Sonderbarkeiten und überspannten Versprechungen das Geprägte der Falschheit an sich.“ kleines-rituale

Sodann wird dort auf  Seite 130 aus einer amtlichen, damals vom Papst bestätigten Erklärung der Ablaßkongregation von 1899 zitiert:

Als unecht„, so sagt die siebte Regel,sind die Ablässe zu verwerfen, die man in Büchlein (…) verbreitet, in welchen aus nichtssagenden oder sogar abergläubischen Ursachen und aus unsicheren Offenbarungen oder unter trügerischen Bedingungen Ablässe und Gnaden versprochen werden, welche dem kirchlichen Gebrauche zuwiderlaufen und das gewöhnliche Maß überschreiten.“

Kurz darauf heißt es:

„Aus den vielen möge es genügen, auf ein Gebet hinzuweisen, von dem man behauptete, es sei im Grabe unseres Heilandes gefunden und ehedem der hl. Elisabeth von Ungarn, der hl. Mechthildis und Birgitta geoffenbart worden. Dasselbe ist mit all seinen überspannten Versprechungen schon im Jahre 1678 und erst kürzlich wieder durch das Dekret vom 26. Mai 1898 von dieser hl. Kongregation als unecht verworfen worden.“

„Diese Ablässe sind für unecht zu halten“

Das Lehrbuch zitiert außerdem Folgendes aus den kirchenamtlichen Verfügungen:

„In der achten Regel heißt es: „Als erdichtet sind die Versprechungen in Blättern und Büchlein zurückzuweisen, wonach für das eine oder andere Gebet, das die Gläubigen verrichten sollen, eine oder mehrere Seelen aus dem Fegefeuer befreit würden, und die Ablässe, welche diesen Versprechungen noch beigefügt zu werden pflegen, sind für unecht zu halten.“

Auf S. 131 heißt es:
„Wie demnach derlei Behauptungen als unbegründet angesehen werden müssen, so sind auch die Ablässe, die man solchen Versprechungen beifügt, als unecht und völlig wertlos zurückzuweisen, umso mehr, da sie meistens zu den ungebräuchlichen und alles Maß überschreitenden Ablässen gehören.“

Auf der nächsten Seite  wird konkreter auf die Brigitta-Gebete mit „Verheißungen“ eingegangen –  und zwar im Rahmen einer Aufzählung unechter Ablaßgebete:

„Die Ablässe und extravaganten Verheißungen für das Gebet, welches   – wie man sagt – nach der Offenbarung der hl. Birgitta, der hl. Mechthildis und der hl. Elisabeth in dem Grabe unseres Herrn gefunden worden sei.“

Bei der Fußnote zu dieser Zeile heißt es:

Dieses Gebet, welches auch den Titel trägt „Brief Jesu Christi über die Blutstropfen, welche er auf seinem Gang zum Kalvarienberg vergoß,“ besteht in 7 Vaterunser,  Gegrüßet-seist-Du und Ehre-sei, die man 15 Jahre lang beten soll zu Ehren dieser 28.430 Blutstropfen, aufs neue als Fälschung verworfen durch das Dekret vom 26.5.1898.“

„Die größte Torheit“

Sodann heißt es auf dieser Seite weiter bei der Aufzählung unechter Ablässe:
„…die Ablässe, welche mit den fünfzehn Gebeten verbunden seien, die der Herr der hl. Birgitta von Schweden soll geoffenbart haben; die Versprechen, welche jedem gemacht sind, der während eines Jahres diese Gebete verrichtet, enthalten die größte Torheit und widersprechen den Grundsätzen des Glaubens.“

Rein grundsätzlich ist zu beachten, daß die katholische Kirche ausdrücklich lehrt (und dies auf dem Konzil von Trient bestätigte), daß auch fromme Gläubige keine absolute Heilsgewißheit besitzen. Diese „Gewißheit“ steht nämlich dem allwissenden Gott allein zu.

Nicht ohne Grund schrieb der Völkerapostel Paulus: „Bewirket Euer Heil mit Furcht und Zittern“  (Phil. 2,12).   – Damit wollte der hl. Paulus den damaligen Gläubige zu Philippi sicher keine panische Angst einjagen (gerade Paulus wäre hier der Letzte!), sondern vielmehr nüchtern an die „Furcht Gottes“ erinnern, also an die Ehrfurcht vor dem erhabenen  Gott, der sich nicht vor unseren Karren spannen läßt, auch nicht vor einen vermeintlich „frommen“ Karren.

Wir können unsen Seelenzustand letztlich nicht selbst vollgültig beurteilen, sondern GOTT ist unser Richter.

Deshalb schreibt Paulus an die Korinther: – Wenn sich schon ein Apostel Paulus zwar „nichts bewußt ist“ (keiner schweren Sünde), aber sich gleichwohl seiner „Rechtfertigung“ (Gnadenzustand) nicht gewiß ist, weil er diese Beurteilung GOTT überläßt, dann gilt das erst recht für alle Gläubigen.

Wer sich aufrichtig und ernsthaft bemüht, nach den göttlichen Geboten zu leben, die Sakramente gültig empfängt, Werke der Nächstenliebe vollbringt usw., der darf natürlich eine  hoffnungsfrohe „Heilszuversicht“ haben, aber eben durchaus keine vermessene Heilssicherheit für sich beanspruchen.

Eine absolute Heilsgewißheit kann man auch nicht über den „Umweg“ durch bestimmte Andachtsformen oder Gebete erwerben. Auch hinsichtlich kirchlich genehmigter Andachten (etwa den diversen Skapulieren) hat die Kirche stets vor leichtfertiger Gesinnung bzw.  vor einer „vermessentlichen Heilsgewißheit“ gewarnt.

Felizitas Küble, Leiterin des KOMM-MIT-Verlags und des Christoferuswerks in Münster