Prof. Andreas Wollbold und Dr. Gero Weishaupt zur DBK und „Amoris laetitia“

Mathias von Gersdorff

Am 8. Februar 2017 veröffentlichte die katholische „Tagespost“ ein Interview mit dem Priester und Pastoraltheologen Prof. Andreas Wollbold (siehe Foto) zur Erklärung der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) über das päpstliche Schreiben „Amoris laetitia“. Wollbold, Prof. Dr. Andreas

Das DBK-Papier öffnet wiederverheirateten Geschiedenen die Kommunion in Einzelfällen. Das Schreiben erzeugte viel Irritation, weil es der Tradition und diversen Lehrschreiben der Kirche wie etwa „Familiaris consortio“ widerspricht.

Zusätzlich sorgte es für Unverständnis, dass die Bischofskonferenz implizit zu wissen vorgibt, wie Papst Franziskus „Amoris laetitia“ interpretiert sehen will. Dazu erklärte Bischof Konrad Zdarsa von Augsburg, Bischöfe hätten den Papst nicht zu interpretieren.

Kath.net veröffentlichte eine Zusammenfassung des Interviews von Prof. Wollbold mit der „Tagespost“. Der entscheidende Absatz zur Problematik der wiederverheirateten Geschiedenen lautet:

„Der Pastoraltheologe kritisiert dann, dass sowohl im Schreiben „Amoris laetitia“ als auch im Bischofswort die kirchenrechtliche Klarheit fehle. Das Schreiben der Bischofskonferenz behandle nur das „forum internum“. Hier ist der geschützte Raum von Gewissen, Beichte und Seelsorge gemeint, der nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sei. papst_letzter_tag_01

Für die Öffentlichkeit selbst gelte aber laut Wollbold nach wie vor das „forum externum“ und damit auch Kanon 915 des CIC, nachdem wiederverheiratete Geschiedene an den Orten, wo ihre Situation bekannt sei, nicht zur Kommunion zugelassen werden dürfen.“

Der kath. Kirchenrechtler Dr. Gero Weishaupt kommentierte die Stellungnahme von Prof. Wollhold folgendermaßen:

„Genauso sehe ich das auch: Can 915 gilt nach wie vor. Denn die objektive Seite der Sünde des Ehebruches ist für den Kommunionspender wahrnehmbar. Die subjektive Seite freilich nicht.

Man muss hier deutlich zwischen innerem Gewissensbereich und äußerem Rechtsbereich unterscheiden, d.h. zwischen der subjektiven Seite und der objektiven Seite der Sünde. Letztere bleibt bei innerer Nichtanrechenbarkeit der Sünde, aber bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung der ehebrecherischen Status unverändert und verbietet damit die Zulassung zur Kommunion.“
ehe
Aus diesen beiden Texten wird verständlich, was das Dokument der Bischofskonferenz (gewollt oder ungewollt) bezweckt:

Der innere Gewissenbereich wird im DBK-Papier im Grunde zu einem äußeren Rechtsbereich gemacht, über welchen der Priester im Beichtstuhl urteilen muss. Das ist schlichtweg ein Ding der Unmöglichkeit, denn der Priester kann nicht ins Gewissen anderer Menschen hineinblicken. Das DBK-Papier fordert also etwas von den Beichtvätern, was sie gar nicht leisten können.

Abgesehen davon setzt das DBK-Papier das Kirchenrecht außer Kraft. Dieses ist aber für die Priester verbindlich.

Durch das DBK-Papier wird auch die Morallehre der Kirche insoweit außer Kraft gesetzt. Im Papier wird zwar darauf hingewiesen, dass der Ehebruch eine schwere Sünde ist, dass man sich zum Empfang der Kommunion nicht im Zustand der schweren Sünde befinden darf etc., doch aufgrund der oben genannten Gründe bleibt die Morallehre wirkungslos.

Die Stellungnahme von Professor Wollhold ist deshalb so wertvoll, weil sie klare Kriterien für die Beurteilung der Interpretationen von Amoris laetitia und ihre Durchführung bietet.

Unser Autor Mathias von Gersdorff aus Frankfurt leitet die Aktion „Kinder in Gefahr“ und betreibt u.a. die Webseite http://mathias-von-gersdorff.blogspot.de/

Info-Hinweis: Kardinal Müller hat zwar ähnlich wie Bischof Zdarsa erklärt, Bischöfe sollten Papstschreiben nicht interpretieren, allerdings bezog sich diese Bemerkung nicht auf die DBK-Erklärung, wie in Medienberichten als Eindruck entstand, da sie schon vorher erfolgte.


CIVITAS DEI: Die Herrschaft des HERRN und seiner Gebote

Leben unter dem Blick des Ewigen

Der katholische Priester und Professor Dr. Andreas Wollbold hielt bei der Karlsmesse in Aachen (zelebriert im klassischen Ritus) am 28. Juni 2014 eine aufschlußreiche und gehaltvolle Predigt, deren ersten Teil wir hier dokumentieren:
.
„Unter den Schulheften der hl. Therese von Lisieux (1873 – 1897) findet sich eines mit einem illustrierten Deckblatt. Darauf erkennt man den hl. Karl den Großen inmitten einer Schar von Schülern.
„Charlemagne visitant les écoles. – Karl der Große beim Besuch der Schulen“ lautet die Bildunterschrift. head_carlomagno
In einem begleitenden Text wird der historische Hintergrund erläutert:
Karl der Große gründete viele Schulen, u.a. in seinem eigenen Palast hier in Aachen. Er besuchte sie häufig und befragte die Schüler. Dabei mahnte er sie stets zur rechten Einstellung:
.
„Ihr seid reich und die Ersten des Reiches. Aus diesem Grund meint ihr, Geburt und Wohlstand reichen aus, und diese Schule habt ihr nicht nötig, die euch doch so sehr zur Ehre gereichen würde. Nur äußeren Schmuck, Spiele und Vergnügungen habt ihr im Sinn.
Doch das eine schwöre ich euch: Ich werde eurem Adel und eurem Reichtum keinerlei Beachtung schenken, die euch doch so viel Ansehen einbringen.
Und wenn ihr nicht schleunigst die in Dummheiten vergeudete Zeit wieder durch eifriges Lernen wettmacht, so werdet ihr niemals überhaupt irgendetwas von Kaiser Karl erhalten!“
.
Eine kaiserliche Standpauke erster Güte also! christus
Im Heiligen römischen Reich deutscher Nation dient Adel nicht der Einbildung, Reichtum nicht der Macht und Dünkel nicht der Karriere mit Hilfe von „Vitamin B“.
.
Dieses Reich ist nicht gegründet zur Verteidigung von Privilegien, sondern zur Verbreitung des Reiches Gottes. Dieses Reich ist nicht groß durch die äußere Macht eines Staatsgebietes, in dem die Sonne nicht untergeht. Es ist groß in dem Maß, wie es sich der „civitas Dei“, der Herrschaft Gottes und seines Gesetzes, annähert.
.
Dies zu kennen und sich von ihm formen zu lassen, darum wurde Bildung unter Karl dem Großen groß geschrieben. Nur wer die Lehre Christi kennt, kann auch danach streben, nach ihr zu leben. Darum sind die Großen des Reiches nicht die Einflußreichen, sondern die Frommen und die Gebildeten.
.

DIEU PREMIER SERVI: Gott zuerst gedient!

Nun lassen sich auf dem Bild in Thereses Schulheft drei handschriftlich eingetragene Worte erkennen, und zwar an einer Steinwand im Hintergrund: „Dieu nous voit. – Gott sieht uns.“
.
Sie stammen zweifelsfrei von Therese selbst. Vielleicht hat sie dabei an ihren Vater gedacht, der noch als Junggeselle an der Wand zuhause den Spruch anbrachte: „Dieu premier servi. – Gott zuerst gedient.“
.
Dabei hat sie die tiefste Intuition von Kaiser Karl erfaßt, den Aufbau einer Kultur unter den Augen Gottes. Gott sieht uns. Wir leben unter Gottes Blick. Alles, was wir tun, ja was wir denken, fühlen und planen, es steht ihm vor Augen.
.chrkn
Aus ihm zu leben, sich vor ihm zu verantworten, das allein zeichnet ein christliches Reich aus. Bildung ist conversio ad Deum und aversio a creaturis  –  Bekehrung zu Gott und Abkehr von den Geschöpfen.
.
Denn der Aufbau des Reiches Gottes beginnt mit der Herrschaft Gottes im eigenen Herzen. Was bedeuten dagegen Adel der Geburt oder Reichtum der Familie? Äußere Güter, die zur Abkehr von Gott und zur Vergötzung der Geschöpfe führen können.
.
Tempi passati [diese Zeiten sind vorbei], möchte man vor einer solchen Reichsidee ausrufen. Mittelalter-Nostalgie, ein Zurück hinter die Aufklärung!
Doch wortlos schreibt Therese von Lisieux auch unserer Zeit ihr Menetekel an die Wand: „Dieu nous voit. – Gott sieht uns.“
Hat das, was die Gegenwart prägt, Bestand vor Gottes Augen?
„Beatus vir – selig der Mann – qui […] in sensu cogitabit circumspectionem Dei  –  der mit Verstand bedenkt, daß Gott auf ihn schaut,“ heißt es in der Lesung (Sir 14,2. 15,3f.6). Und der HERR selbst warnt im Evangelium aus Lk 11,33-36: „Gib also acht, daß das Licht in dir keine Finsternis ist.“
.
Sind also die Glanzpunkte unserer Zeit nichts anderes als schwarze Löcher? Finsternis, die selbst das Licht noch schluckt? Weil sie „das Licht, das jeden Menschen erleuchtet, […] nicht erkannte“ (Joh 1,9f.), ja nicht erkennen will?
.
Schauen wir also auf unsere Zeit – stets mit dem Blick auf das „Dieu nous voit. – Gott sieht uns“.
.
QUELLE und FORTSETZUNG der Predigt HIER: http://www.pro-missa-tridentina.org/news/images/hv2014-predigt_karlsmesse_aachen.pdf
.
Weitere INFOS über diese „Karlsmesse“ und die katholische Laienvereinigung PRO MISSA TRIDENTINA: http://www.pro-missa-tridentina.org/news/news_336.htm