Medjugorje – eine unendliche Geschichte?

Muß die Kirche das Ende der „Erscheinungen“ abwarten?

Seit Jahrzehnten wird in der Medjugorje-Anhängerschaft immer wieder die Auffassung vertreten, daß die Kirche kein endgültiges Urteil über jene umstrittenen Marienerscheinungen fällen könne oder dürfe, solange diese noch andauern. Schließlich könne man einen Vorgang erst dann abschließend bewerten, wenn alle Fakten bzw. in diesem Falle alle Visionen vorlägen. media-374336-2

Diese weit verbreitete Auffassung, der sogar manche Medjugorje-Kritiker aufsitzen, klingt auf den ersten Blick logisch, ist aber aus zwei Gründen unzutreffend:

1. Laut Kirchenrecht ist der Ortsordinarius (also der amtierende Diözesanbischof) zuständig für Privatoffenbarungen, die in seinem Bistum vorkommen. Lehnt er ein Erscheinungsphänomen ab, dann ist es damit kirchlich nicht anerkannt. 

Bekanntlich ist der Fall Medjugorje so gelagert, daß der jetzige Bischof Dr. Ratko Peric sich ebenso eindeutig gegen die Echtheit der Medju-Visionen ausspricht wie sein Amtsvorgänger Zanic.

Darüber hinaus hat die (ex-)jugoslawische Bischofskonferenz diesem Erscheinungsort bereits zweimal ausdrücklich ihre Anerkennung verweigert, jeweils nach Abschluß von gründlich arbeitenden Untersuchungskommissionen   –   das kritische Urteil wurde also nicht etwa aus dem Ärmel geschüttelt.

Näheres dazu siehe hier: https://charismatismus.wordpress.com/2013/11/10/medjugorje-kommission-der-bischofskonferenz-entschied-bereits-2009-ablehnend/

bildma12. Die zuständige kirchliche Leitung kann sehr wohl bereits zu einem negativen Ergebnis gelangen, solange angebliche Erscheinungen noch andauern. Angenommen, es zeigt sich, daß in den betreffenden „Botschaften“ theologische Irrlehren oder sonstige Irrtümer (die mit der Vernunft oder der Sittenlehre usw. nicht vereinbar sind) vorkommen, dann ist die Sachlage klar und kein weiteres Abwarten erforderlich. 

Zuständige Bischöfe haben sich mehrfach gegen Erscheinungen ausgesprochen, während diese noch fortdauerten bzw. teils noch jahrelang weiterliefen, etwa in den Fällen San Damiano oder Montichiari.

Besonders strikt war sowohl die bischöfliche wie auch die vatikanische Ablehnung der „Marienerscheinungen“ von Heroldsbach (1949 – 1951); alle Seherkinder wurden seinerzeit exkommuniziert. Allen katholischen Priestern war es unter unter Androhung von Kirchenstrafen verboten, nach Heroldsbach zu pilgern oder die dortigen Phänomene etwa in Predigten gutzuheißen.

Präzise Infos über die haarsträubenden theologischen Irrlehren der Heroldsbacher Botschaften siehe hier: https://charismatismus.wordpress.com/2011/06/08/heroldsbach-und-die-%E2%80%9Ehimmelsvisionen%E2%80%9C/

Wenn der Ortbischof eine bestimmte Erscheinungsstätte ablehnt, welche weit über seine Diözese hinaus von Bedeutung ist, weil z.B. Pilgerscharen aus aller Welt nach dorthin strömen, dann kann sich der Vatikan zusätzlich damit befassen – so wie dies jetzt in der Causa Medjugorje geschieht (und auch betr. Heroldsbach der Fall war).

Dies ändert freilich nichts daran, daß an sich der jeweilige Oberhirte der Diözese kirchenrechtlich zuständig für die Beurteilung einer Privatoffenbarung ist, wobei er sein Urteil in der Regel erst fällt, nachdem eine von ihm eingerichtete Kommission ihre Untersuchungen abgeschlossen hat. Diese Vorgehensweise haben auch die erwähnten Bischöfe Zanic und Peric gewählt.

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster


Was bedeutet die kirchliche Approbation einer Privatoffenbarung genau?

„Es ist gestattet, daran zu glauben“

Von den tausenden „Privatoffenbarungen“ (Erscheinungen, Visionen, „Botschaften“ etc) hat die katholische Kirche sehr wenige (unter 1%) kirchlich „anerkannt„, wie es im deutschen Sprachgebrauch meist formuliert wird. kleines-rituale

Der deutsche Ausdruck „Anerkennung“ klingt allerdings mißverständlich bis irreführend:

Der kirchenamtliche lateinische Begriff heißt „Approbation„, wofür die sprachlich und inhaltlich zutreffendste Übersetzung „Genehmigung“ oder „Billigung“, „Erlaubnis“ wäre. (Anerkennung heißt „Aestimation“, das Verb „anerkennen“ im Lateinischen „laudare“ oder „agnoscere“. Bestätigen heißt „confirmere“.)

Wenn die Kirche also eine Privatoffenbarung „approbiert“, dann „anerkennt“ sie diese nicht etwa in dem Sinne, als ob sie dafür eine lehramtliche „Bestätigung“ bieten könne oder wolle; sie lehrt damit auch keineswegs verbindlich die übernatürliche Herkunft einer „Erscheinung“; es geht vielmehr darum, daß sie dem Kirchenvolk den Glauben daran gestattet, daß sie ihn „billigt“.

Es handelt sich also keineswegs um eine Verpflichtung („Du mußt!“), nicht einmal um eine lehramtliche Empfehlung („Du sollst!“), sondern lediglich um eine Genehmigung („Du darfst!“).

Es geht  – um einem Mißverständnis zu wehren  –   bei der Approbation einer Privatoffenbarung nicht um eine Anerkennung in der Weise, wie manche Gläubige dies auslegen, als hier ob das unfehlbare Lehramt der Kirche sprechen würde und verbindlich entschieden hätte.

Für die Approbation einer Erscheinung ist laut Kirchenrecht ohnehin nicht der Papst zuständig, sondern der Ortsbischof – und gegebenenfalls die Glaubenskongregation, falls der betreffende Bischof die Angelegenheit nach Rom weiterreicht bzw. jene Privatoffenbarung eine weit überregionale Bedeutung erlangt.

Bei der Beurteilung einer Erscheinung ist zudem nicht so sehr das „Lehramt“ des Bischofs gefragt, sondern vor allem sein „Hirtenamt“, denn der Inhalt von Privatoffenbarungen gehört nicht zum Glaubensgut der Kirche, auch nicht im Falle einer Approbation, also einer sogenannten „Anerkennung“. (Dies bekräftigt auch der katholische Weltkatechismus ausdrücklich.

Das sog. „depositum fidei“ (das hinterlegte, überlieferte Glaubensgut) beruht auf der göttlichen Offenbarung (die mit dem Tod des letzten Apostels abgeschlossen ist) und auf der lehramtlichen Verkündigung der Kirche.

Zu dieser „öffentlichen“, amtlichen Verkündigung gehören aber grundsätzlich keine „Botschaften“ aus Privatoffenbarungen (auch nicht aus „anerkannten“).

Die Approbation von Erscheinungen ist im wesentlichenvergleichbar mit einer kirchlichen Druckerlaubnis (Imprimatur): auch diese verpflichtet niemanden, das betreffende Buch zu lesen, sondern gestattet dies lediglich.023_20A

Diese Auslegung bestätigt Kardinal Prosper Lambertini, der spätere Papst Benedikt XIV. (siehe Grafik); er schrieb in seinem 1734 erschienenen Klassiker über die Selig- und Heiligsprechungen:

„Man muss wissen, dass diese Billigung (von Visionen und Privatoffenbarungen) nichts anderes ist als eine Erlaubnis…, sie nach reiflicher Überprüfung zu Belehrung und Nutzen der Gläubigen zu veröffentlichen.“  

(Quelle: Prosper Lambertini, De Servorum Dei Beatificatione et Beatorum Canonizatione II, 32, 11; III, cap. ult., 15)

Papst Benedikt in VERBUM DOMINI

Papst Benedikt XVI. hat sich in seinem „Apostolischen Schreiben“ VERBUM DOMINI vom 30. September 2010 im 14. Kap. (b) ausdrücklich mit dem Thema göttliche Offenbarung und – im Unterschied dazu –  den sog. Privatoffenbarungen befaßt: 

In diesem „nachsynodalen“ (nach einer Bischofssynode in Rom herausgegebenen) päpstlichen Dokument heißt es (Linien von uns markiert):

„Folglich hat die Synode empfohlen, „den Gläubigen zu helfen, das Wort Gottes von Privatoffenbarungen zu unterscheiden“. Diese „sind nicht dazu da, die endgültige Offenbarung Christi … zu „vervollständigen“, sondern sollen helfen, in einem bestimmten Zeitalter tiefer aus ihr zu leben“. 1_0_668126

Der Wert der Privatoffenbarungen ist wesentlich unterschieden von der einer öffentlichen Offenbarung: Diese fordert unseren Glauben an, denn in ihr spricht durch Menschenworte und durch die Vermittlung der lebendigen Gemeinschaft der Kirche hindurch Gott selbst zu uns.

Der Maßstab für die Wahrheit einer Privatoffenbarung ist ihre Hinordnung auf Christus selbst. Wenn sie uns von ihm wegführt, dann kommt sie sicher nicht vom Heiligen Geist, der uns in das Evangelium hinein- und nicht aus ihm herausführt.

Die Privatoffenbarung ist eine Hilfe zu diesem Glauben, und sie erweist sich gerade dadurch als glaubwürdig, dass sie auf die eine öffentliche Offenbarung verweist. 

Die kirchliche Approbation einer Privatoffenbarung zeigt daher im wesentlichen an, dass die entsprechende Botschaft nichts enthält, was dem Glauben und den guten Sitten entgegensteht; es ist erlaubt, sie zu veröffentlichen, und den Gläubigen ist es gestattet, ihr in kluger Weise ihre Zustimmung zu schenken. Foto: Kloster Ettal

Eine Privatoffenbarung kann neue Akzente setzen, neue Weisen der Frömmigkeit herausstellen oder alte vertiefen. Sie kann einen gewissen prophetischen Charakter besitzen (vgl. 1Thess 5,19-21) und eine wertvolle Hilfe sein, das Evangelium in der jeweils gegenwärtigen Stunde besser zu verstehen und zu leben; deshalb soll man sie nicht achtlos beiseite schieben. Sie ist eine Hilfe, die angeboten wird, aber von der man nicht Gebrauch machen muss. Auf jeden Fall muss es darum gehen, dass sie Glaube, Hoffnung und Liebe nährt, die der bleibende Weg des Heils für alle sind.“

Damit wird erstens bestätigt,

A. daß die kirchliche Approbation einer Privatoffenbarung lediglich eine „Erlaubnis“ beinhaltet, die den Gläubigen die Zustimmung dazu „gestattet“

B. daß jene freiwillige Zustimmung der Gläubigen, falls sie erfolgt, zudem in einer „klugen Weise“ geschehen soll.

Unklug wäre es nämlich, wenn man einer Privatoffenbarung in einer übereifrigen Weise zustimmen würde, etwa so, als ob sie zum Glaubensgut der Kirche gehöre oder gar ein Dogma sei  –  oder als ob sie etwa der „Maßstab des Katholischen“ sei, als ob man damit gar das „Katholischsein“ anderer Menschen bemessen könnte.

Auch kirchlich genehmigte Erscheinungen sind kein „fünftes Evangelium“  –  geschweige gar das erste.

Sie sind vielmehr ein Angebot der Kirche für jene, denen eine solche Privatoffenbarung helfen kann, ihren Glauben zu vertiefen. An kirchlich nicht genehmigten Erscheinungen soll man hingegen nicht hängen, erst recht nicht an jenen, die eindeutig abgelehnt wurden (zB. Heroldsbach).

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster


Gab es in Sievernich „Botschaften des Himmels“ an die Seherin Manuela?

Tragischer Tod des Ortspfarrers, der seine Meinung änderte

Im vorigen Jahrzehnt  sorgte die kleine Ortschaft Sievernich im nordhrein-westfälischen Landkreis Düren überraschend für Schlagzeilen, denn dort soll einer Anwaltsgehilfin und Familienmutter namens Manuela Strack die Madonna, ja sogar Christus selbst erschienen sein  –  noch dazu über fünf Jahre lang: von Juni 2000 bis Oktober 2005. sievernich

Zudem wurden der  –  in einem Nachbardorf wohnenden  –  Seherin angeblich Visionen etlicher Heiliger zuteil, darunter Pater Pio, Teresa von Avila, Sr. Faustine, außerdem Papst Pius XII.; auch die hl. Erzengel Gabriel und Michael sollen sich mehrfach gezeigt haben.

Zu den teilweise vorher angekündigten „Erscheinungen“ kamen mehrmals tausende von Pilgern und Neugierige aus nah und fern in das unscheinbare Eifeldorf mit seinen ca. 450 Einwohnern.

Die „Botschaften des Himmels“ an die damals 35-jährige Ehefrau gehören freilich nicht zu den kirchlich anerkannten Privatoffenbarungen wie zB. Lourdes oder Fatima.

Doch nach wie vor pilgern erscheinungsbewegte Kreise in jene Pfarrgemeinde im Bistum Aachen, in der heute noch spezielle Andachten  und Gebetstage stattfinden, die sich mehr oder weniger auf jene Visionen Manuelas beziehen.

Angeblich soll die Gottesmutter, die am 3. Oktober 2005 zum letzten Mal erschienen sei, der Seherin versprochen haben, immer in Sievernich anwesend zu sein“, wie die Fanseite Sievernich.eu versichert. „Auch Prophezeiungen gehören zu den Botschaften“, heißt es dort außerdem.

Wenn sich das „Jesuskind“  in eine Madonna verwandelt…

Zudem wird von einem „eucharistischen Zeichen“ berichtet:

„Während der Anbetung des ausgesetzten Allerheiligsten Altarssakramentes beim Gebetstreffen am 8. November 2004 in Sievernich sahen viele Leute 15 Minuten lang vor der heiligen Hostie das kleine Jesuskind. Mit der Wegnahme der Hostie aus der Monstranz durch den Priester verschwand auch das Jesuskind.“

Rückfrage: In der heiligen Hostie ist Christus laut kirchlicher Lehre so gegenwärtig, „wie er im Himmel ist“, somit ist ER sakramental zugegen als der verherrlichte Gekreuzigte und Auferstandene.

Wie paßt dazu aber sein angebliches Erscheinen als „Jesuskind“ vor  oder in der hl. Hostie? Welchen Sinn soll dies „Zeichen“ wohl ergeben?

Theologisch noch viel merkwürdiger erscheinen einige weitere Mirakel, die Pilger bei Manuelas Gebetstreffen in der Pfarrkirche erlebt haben wollen, indem sich nämlich das Jesuskind gleichsam in die Madonna „verwandelte“. So berichten es z.B. die Zeugnisse Nr. 32, 38 und 45 in der erwähnten Fanseite. 

„E.S. aus Vettweiß“ (Zeugnis Nr. 45) schildert ein derartiges“Hostienwunder“ vom 6.2.2006:

„Einmal sah ich die schemenhafte Gestalt eines Kindes mit einem ausgestellten Kleid. Das Bild änderte sich und es zeigte sich das Profil einer Frauengestalt (bis einschl. Schulter) mit langem Haar über die rechte Schulter fallend, auf welchem leuchtende Sterne sichtbar waren.“

Hierzu erübrigt sich jeder Kommentar.

„Geheimnisse“ von oben…

Typischerweise ist  –  wie auch in Medjugorje  –  viel von himmlischen „Geheimnissen“ die Rede, die in Sievernich als „Schlüssel“ bezeichnet werden.

Hierzu schildert die erwähnte Webseite Folgendes unter dem Stichwort „Die drei Schlüssel“:

Am 7. Oktober 2002 sagte die Gottesmutter zu Manuela: „…Meine kleine Gebetsperle, hier überreiche ich dir die Schlüssel meines geliebten göttlichen Sohnes Jesus Christus. Schweige darüber, schweige! Die Schlüssel dienen dir als Waffe gegen alle Finsternis. Du weißt nun, was geschieht. … Nur deinem Heiligen Vater in Rom, meinem geliebten Hirten, gebe die Schlüssel. Bitte schweige, man wird dir keinen Glauben schenken. Doch so wird sich alles erfüllen.“ 

Doch der Himmel bietet nicht nur „Geheimnisse“, er stellt offenbar auch „Forderungen“; hierzu heißt es:

„Die Gottesmutter wünscht in Sievernich einen Immaculata-Brunnen zur Linderung der Leiden. Dringendster Wunsch des Himmels ist aber, dass in Sievernich ein Geistliches Zentrum entsteht. Jesus selbst sagte am 19.05.2003: „Dieser Ort ist Mir und Meiner Mutter vorbehalten. Ich will, dass Menschen an diesem Ort ein Zentrum errichten, welches der Kirche, Meinem Leib, und somit Mir dient. Dient dem Vater im Himmel, Mir, dem Sohn, und Seiner Mutter treu und redlich. Dort soll geschehen, was Ich euch lehrte, was euch die Kirche sagt…Was Ich will, geschieht, Ich siege!“

Eine blasphemische „Dreieinigkeit“

Angesichts der AussageDient dem Vater im Himmel, Mir, dem Sohn, und Seiner Mutter treu und redlich“ fragt man sich, ob hier eine häretisch-neue „Dreieinigkeit“ suggeriert wird, die aus Gott-Vater, Christus und Maria besteht?  –  Warum ist der Heilige Geist nicht erwähnt? Weshalb nimmt die Madonna  –  selbst lediglich ein  Geschöpf des Ewigen (wenngleich das heiligste von allen)  –  quasi dessen Stelle ein?

Diese Präsentation einer irrgeistigen „Dreieinigkeit“ kommt in den „Botschaften“ recht häufig vor, z.B. am 2.10.2000: „Seid ohne Furcht, seid in Gott! Denn wo imner der Vater ist, der Sohn, die Mutter, da flieht, was nicht zu uns gehört!“  – Oder bei der nächstfolgenden Vision am 6.11.2000: „Wenn ihr betet, so sprecht mit dem Vater, mit dem Sohn, mit der Mutter.“  – Fast wörtlich dasselbe  bei der Erscheinung vom 5.2.2001: „Seht Kinder, ihr sprecht mit demVater, mit dem Sohn, mir mir, der Mutter.“  

Am 4.2.2002 soll die Madonna der Visionärin verkündet haben: „Nur Gott, der Vater und Jesus, Sein Sohn, dürfen angebetet und verehrt werden.“ – Auch hier fehlt erneut der Heilige Geist  –  einmal abgesehen davon, daß die Heiligen und Engel sehr wohl „verehrt“ werden dürfen.

Es entsteht  – zumindest unterschwellig  –  der theologisch haarsträubende Eindruck, als sei der Heilige Geist als Gottheit gar nicht existent bzw. gleichsam durch die Gottesmutter ersetzt worden. Wird also die dritte Person der göttlichen Dreifaltigkeit in seiner Stellung durch ein menschliches Geschöpf verdrängt?

Dazu paßt folgende gotteslästerliche Passage aus dem Bericht Manuelas von ihrer Vision am 15.10.2001: „Die heilige Jungfrau segnete uns und verschwand im Licht. Es blieben die Engel knieend vor ihr bzw. vor dem Licht in der Anbetung.  – Somit wird hier behauptet, daß Engel die Madonna „anbeten“  – eine klar blasphemische Aussage!

Soviel zur Einführung dieser mehr als fünf Jahre dauernden „Offenbarungen“. 

„Alle Nationen rufe ich zu mir“d7896

Weiteres Infos und Zitate bieten zwei Bücher des Fe-Verlags, wobei der zweite, im Mai 2005 erschienene Band unter dem Titel „Alle Nationen rufe ich zu mir“ (siehe Abbildung) sich auf die späteren Botschaften Manuelas bezieht, beginnend ab Februar 2003.

Auf S. 20 berichtet diese Publikation von einer „Erscheinung“ der Gottesmutter am 3.2.2003. Dabei soll die Himmelskönigin mit einem Rosenkranz aus blauen Rosen erschienen sein, legte der Visonärin eine weiße Rose in ihre  –  gleichsam zu einer Schale geformten  –  Hände und sprach mit „sanfter, aber mahnender Stimme“:

„Ich kann es diesmal nicht verhindern, daß der Kelch meines Sohnes sich über die Menschheit neigt. Euch aber werde ich unter meinen schützenden Mantel bergen. Betet, betet, betet!“ (S. 20)

Wie dürfen wir diese merkwürdige „Botschaft“ verstehen? Was heißt „diesmal nicht“?  Und warum wird der Kelch Christi mit einer Drohbotschaft verknüpft? Geht es nicht um den „Kelch des Heiles“?  –  Und werden nur erscheinungsbewegte Sievernich-Gläubige unter dem Schutzmantel der Gottesmutter geborgen sein? Soll das etwa eine spezielle „Auslese“ des Himmels sein?

„Ich durfte ihren linken Fuß berühren“

Zwei Jahre später, am 3.1.2005, spürte Manuela in der Pfarrkirche „eine große Hitze“, worauf ihr die Madonna „links nebem dem Altar“ erschienen sei: „Sie neigte ihren Kopf seitlich herab und weinte leise.“   –  Das Weinen wird nicht begründet, später segnete die angebliche Himmelsmutter einige Kranke. Abschließend schreibt die Seherin über diese Vision: „Ich durfte ihren linken Fuß berühren.“ (S. 66/67)

Am 7. April 2003 spricht Christus laut Sievernich-Buch (S. 23) aus einer blutbefleckten Hostie zu Manuela  –  und würdigt sie als „meine kleine Blume“, wobei „seine Stimme männlich, sanft, einfühlsam, sehr klar, leise und einfach wunderbar“ klang. Na wunderbar!

Bei dieser Einsprechung soll Jesus der Seherin u.a. folgendes gesagt haben:

„Meine Kleine, bevor Ich die Welt mit Meinen Füßen betrat, liebten die Pharisäer Meinen Vater nicht mehr. Sie waren genussüchtig und korrupt… Meine Kleine, wie ist es heute? Kurz vor meiner Wiederkunft in Herrlichkeit schaue Ich auf meine Nachfolger. Wer liebt Mich heute noch?“ (S. 24)

Die Pharisäer waren alles andere als „genußsüchtig und korrupt“  –  eine solche Charakterisierung würde eher auf die Sadduzäer (deren damalige Gegner also!) zutreffen, die sich der römischen Herrschaft weitgehend angepaßt hatten.

Hingegen legten die Pharisäer äußersten Wert auf Gesetzestreue, auf Fasten und Askese  –  das Problem war jedoch, daß sie dabei vielfach hochmütig wurden, daß sie bewundert werden wollten und daß sie das einfache, weniger gesetzeskundige Volk verachteten.

Zudem waren es keineswegs „die“ Pharisäer, die vom rechten Weg abkamen, es gab unter ihnen auch positive Persönlichkeiten (zB. Nikodemus).

Abgesehen davon verwundert der Ausdruck „Kurz vor meiner Wiederkunft in Herrlichkeit“.

Laut Neuem Testament erscheint in der Endzeit zunächst der Antichrist, erst danach ist mit dem zweiten Kommen Christi zu rechnen, wobei der HERR den Antichristen besiegt. Was soll also das Reden von seiner „kurz“ bevorstehenden „Wiederkunft“?

Mysteriöse Mirakel: Rosenblätterregen…

Am 1. März 2004 will Manuela  u.a. erlebt haben, wie ihr die Madonna mit einem „weißen Rosenkranz , der aus weißen Rosen bestand“ erschien:

„Sie beugte sich zu mir und ich durfte ihr Skapulier küssen. Dann schwebte sie über meinen Kopf und von ihr ging ein Blütenblätterregen auf alle herab. Es waren Rosenblätter, die etwas gebogen waren, welche innen weiß und außen blau waren. Bevor sie uns berührten, lösten sie sich auf. “ (S. 38 f.)

Am 6. Januar 2005, dem Hochfest der Erscheinung des HERRN, hörte die Seherin die Stimme der hl. Theresa von Avila. Dabei habe diese Mystikerin ihr ein „Gebet vorgesprochen“, in dem es u.a. heißt:

„Du wirst mir das Gold Deines ewigen Königreiches schenken. Ich bete dich an. Du wirst mich mit kostenbaren Steinen schmücken, den Tugenden des Himmels. Ich bete Dich an, Herr Jesus. Du wirst auf mich schauen und mir Dein göttliches Geschmeide anlege,n die ewige Treue.“ (S. 69)

Es gibt keine absolute Heilsgewißheit

Die katholische Kirche lehrt eindeutig als Dogma (Konzil von Trient), daß es für die Christgläubigen, die sich ernstlich um die göttlichen Gebote bemühen,  zwar eine Heilshoffnung oder Heilszuversicht, aber keine absolute Heilsgewißheit gibt, denn GOTT allein ist allwissend, unser zeitliches und ewiges Leben liegt in Seiner Hand.

Zudem können wir nicht voraussehen, ob wir Christus und unserem Glauben bis zum Tod die Treue halten werden.

Hier wird nun aber ein Gebet präsentiert, in dem Christus nicht etwa  –  wie sich das gehören würde  –  demütig angefleht wird, uns in seiner Gnade einst die ewige Herrlichkeit zu gewähren, sondern dies wird vielmehr dreist „angekündigt“ („Du wirst…“), wobei gar davon die Rede ist: „Du wirst mir Dein göttliches Geschmeide anlegen…“

Eine derart verstiegene, hochmütige Vermessenheit widerspricht der katholischen Lehre und jeder gesunden Frömmigkeit.

Die Krönung des theologisch Verrückten wird aber auf S. 81/82 geboten:

Am 4. April 2005 erlebte die Visionärin wieder eine Erscheinung der Gottesmutter („sie stand barfuß auf einer Wolke“)  –  Manuela befand sich hierbei in der Kirchenbank. Dabei soll die Himmelsmutter ihr wörtlich Folgendes gesagt haben:

„Das Wort ist Fleisch geworden. Dies sei der Festtag dieses Ortes. Meinen lieben Sohn werde ich bald zu mir in den Himmel nehmen. Er wird euer Fürsprecher sein.“

Hier werden die theologischen Verhältnisse auf den Kopf gestellt: Unser Erlöser war es, der die Madonna zu sich in den Himmel holte; zudem ist ER nicht etwa nur unser „Fürsprecher“, sondern unser Gott, unser Retter und Richter, die selige Jungfrau hingegen ist unsere Fürbitterin am Thron ihres göttlichen Sohnes.

„Unkirchliche Gesinnung“ und „Hochmut“?

Abschließend heißt es im erwähnten Sievernich-Buch allgemein zu kirchlich anerkannten (approbierten) Privatoffenbarungen, daß  sie Katholiken grundsätzlich nicht verpflichten, daß der Glaube daran lediglich „erlaubt“ ist  –  soweit völlig zutreffend. Das Schlußkapitel bzw. „Nachwort“ (ab S. 95) ist aus unserer Sicht ohnehin der mit Abstand beste Teil dieses Taschenbuchs.

Nach jener trefflichen Feststellung folgt allerdings eine seltsam erscheinende Bemerkung:

„Allerdings wäre es ein Zeichen unkirchlicher Gesinnung und geistlichen Hochmuts, wenn jemand eine kirchlich approbierte Erscheinung ablehnt.“ (S. 109)

Diese steile Behauptung entspricht durchaus nicht dem kirchlichen Standpunkt, wonach die Anerkennung einer Erscheinung lediglich eine Erlaubnis darstellt („Du darfst“), keine Verpflichtung („Du mußt“), nicht einmal eine amtliche Aufforderung („Du sollst“).

Die anerkannten Privatoffenbarungen gehören nicht zum „Glaubensgut“ der Kirche, geschweige sind sie ein  Dogma; sie sind kein Bestandteil des Verkündigungsauftrag der Kirche; sie sind folglich von vornherein kein Gegenstand des sog. „authentischen“ (ordentlichen) Lehramts der Kirche (geschweige des außerordentlich-dogmatischen).

Daher ist es  – objektiv betrachtet  –  unbegründet, Kritikern eine „unkirchliche Gesinnung“ oder gar „geistlichen Hochmut“ vorzuhalten, zumal die Kirche selbst eine solche (Ab-)Wertung nicht vornimmt. Niemand ist unkirchlich oder gar „hochmütig“, weil er die kirchliche Erlaubnis, an eine anerkannte Privatoffenbarung glauben zu  d ü r f e n , für sich nicht in Anspruch nehmen möchte.

Einmal abgesehen davon, daß die Sievernich-Visionen ohnehin nicht zu den kirchlich anerkannten Privatoffenbarungen gehören.

Der Ortspfarrer änderte seine Einstellung

Auf Seite 10 des Sievernich-Buches heißt es über den Ortspfarrer von Sievernich:

„Inzwischen ist Pfarrer Heribert Kleemann, ohne dessen wohlwollende Begleitung sich die Gebetstreffen n Sievernich kaum hätten so entwickeln können, tot. Er verunglückte am Samstag, denm 19. Juni 2004 (…) tödlich und verbrannte in seinem Fahrzeug. Die Wege Gottes sind unergründlich.“

Unerwähnt bleibt hier, daß dieser Geistliche, der jahrelang auch Seelenführer der Seherin war, mittlerweile eine kritische Distanz zu jenen Geschehnissen entwickelte, nachdem er sich jahrelang sehr positiv über Manuela Strack geäußert hatte, vielfach auch öffentlich (z.B.: „eine absolut glaubwürdige Frau“, „in keinster Weise fragwürdig“).

In den Aachener Nachrichten wurde sein Meinungsumschwung freilich erwähnt; dort hieß es überdies, der Priester sei „mit dem Auto frontal gegen einen Baum gefahren“.  –  Näheres hier.

Die Aachener Zeitung lieferte unter dem Titel „Pastor Kleemann stirbt im Auto“ ergänzend folgende Infos:

„Kleemann war von Gladbach in Richtung Poll unterwegs, als er mit seinem Wagen auf gerader Strecke aus bisher ungeklärter Ursache nach links von der Fahrbahn abkam und frontal gegen einen Baum prallte…Bremsspuren, so ein Polizeisprecher, wurden nicht gefunden.“

Beigesetzt wurde der Geistliche nicht auf dem Friedhof seiner Pfarrei Sievernich, durch die zudem sein Name bekannt geworden war, sondern in seiner Heimatstadt Mönchengladbach.

Schon bevor die „Erscheinungen“ während der Gebetstreffen in der Sievernicher Kirche begonnen hatten, will die Seherin Einsprechungen der Gottesmutter bei ihrer privaten Andacht zuhause in Gürzenich erlebt haben. Dabei soll ihr die selige Jungfrau aufgetragen haben, eine Gebetsgruppe zu gründen, die sich regelmäßig in einer Kirche trifft und von einem Priester geistlich geführt wird.

Am 3.7.2000 hat sich die Madonna laut Manuela angeblich wie folgt geäußert:

„Schau, was ich dir vorbereitet habe. Gehe hin und erfülle meinen innigsten Wunsch, der auch der Wunsch meines göttlichen Sohnes ist. Dies bedetuet Gnade. Gnade für euch, die ihr den Willen Gottes erfüllt. Gnade für die Kirche, das Haus meines göttlichen Sohnes, und Gnade für den Diener meines göttlichen Sohnes, den ich als meinen Sohn in den Priesterstand gerufen habe und weiterhin rufe. Schafft einen göttlichen Tempel in euren Herzen und trefft euch gemeinsam zur Ehre Gottes im Haus meines göttliche Sohnes. Ich werde bei euch sein und ein jeder wird meine Gegenwart spüren, so ist es Gottes Wille.“

Abgesehen davon, daß nicht die Gottesmutter, sondern CHRISTUS selbst es ist, der Männer zum Priestertum beruft, ergibt es schlichtweg keinen Sinn, wenn es heißt, daß sie ihn „weiterhin rufe“ (zum Priestertum)  –  schließlich kann man das Sakrament der Priesterweihe nur einmal empfangen.

Angesichts der Tatsache, daß sich der anfangs so begeisterte Ortspfarrer später von den Erscheinungen der Seherin distanzierte, erhält auch diese Botschaft ihre spezielle „Note“.

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster


Historiker Michael Wolffsohn kritisiert Äußerungen des Verteidigungsministers über Bundeswehrsoldaten

„Thomas de Maizière hat den Soldaten einen Bärendienst erwiesen“

Der emeritierte Historiker Prof. Dr. Michael Wolffsohn (siehe Foto) spricht in einem aktuellen Interview mit der „Südwestpresse“ von einer „vorschnellen Aussetzung der Wehrpflicht“, verlangt bessere Anreize  –  auch finanzieller Art  –   für den Soldatenberuf und übt Kritik am Verteidigungsminister.

Der deutsch-jüdische Geschichtswissenschaftler stellt klar: „Wird den Soldaten die soziale Anerkennung versagt, wie des Öfteren in der jüngeren deutschen Geschichte, bleiben ihnen folglich nicht mehr viele Anreize.“

Zudem weist Prof. Wolffsohn darauf hin:

„Darüber hinaus muss sich die besondere Gefährdung der Soldaten im Zuge der verschiedenen Einsätze auch in ihrer materiellen Absicherung widerspiegeln. Dies ist auch ein Teil der sozialen und wirtschaftlichen Attraktivität einer Armee. Wer aufgrund von klammen Kassen vor den gesteigerten Kosten einer Berufsarmee zurückschreckt, braucht sich nicht zu wundern, wenn die Kasernen irgendwann leer stehen.“

Dies gilt erst recht, wenn den Soldaten kaum politischer Respekt gezollt wird  –  hierzu sagt der Münchner Historiker:

„Der Bundesverteidigungsminister hat den Soldaten jüngst vorgeworfen, sie „gierten“ nach öffentlicher Anerkennung. Ist das nicht das Mindeste, was jemand erwarten kann, der im Berufsleben ein hohes Sterberisiko hat?

Unabhängig davon was der Minister damit ausdrücken wollte, ist es seine Aufgabe, die Soldaten öffentlich zu schützen und nicht sinnlos zu schelten. Mit dieser Aussage hat er den Soldaten einen Bärendienst erwiesen, als er darauf hinweisen wollte, dass sich das gesellschaftliche Ansehen der Bundeswehr in den letzten Jahren deutlich verbessert hat.“