Gewalt in Syrien: Christen im Kreuzfeuer zwischen allen Fronten

Studie beleuchtet Situation der christlichen Minderheit

Während seit Beginn des kriegerischen Konflikts in Syrien fast 100.000 Menschen ums Leben kamen, dokumentiert ein von der Organisation „Open Doors International“ herausgegebener Bericht auf 78 Seiten anhand objektiver Daten die besondere „Angreifbarkeit“ der dortigen christlichen Gemeinden und die verheerenden Auswirkungen davon. imm012_10A

Verantwortlich für die Herausgabe der Studie mit dem Titel „Vulnerability Assessment of Syria’s Christians“ ist der Experte für geopolitische Fragen, Nicholas Heras, der auf wissenschaftliche Weise die Faktoren der „Angreifbarkeit“ auflistet, die auf Christen in Syrien einwirken.

Im Unterschied zu anderen Minderheiten wie etwa Alawiten und Kurden, die sich auf die Seite der Rebellen stellen, ist die Position der Christen eher komplex und unklar, heißt es in dem Bericht.

Anfangs hatten viele Christen an den Kundgebungen gegen das Assad-Regime teilgenommen, bei denen mehr Freiheit und Demokratie gefordert wurde, bevor sich der Konflikt auf das ganze Land ausbreitete.

Die Open-Doors-Studie berichtet auch von Christen, die in den Reihen der Aufständischen (Free Syrian Army) kämpfen. Auf der anderen Seite sollen viele Christen von den Selbstschutzgruppen rekrutiert worden sein, welche die eigenen Dörfer und Siedlungen vor den Überfällen der aufständischen Milizen schützen wollen.

Wie aus der Analyse hervorgeht, gab es in der ersten Phase des Konflikts keine gezielten Übergriffe auf Christen als solche. Im Laufe der Zeit haben radikal-islamische Tendenzen dazu geführt, daß Morde, Entführungen, Vergewaltigungen und Gewalt gegen Christen seitens der radikalen Opposition zunahmen, was zu Panik unter den Christen führte.

Christen sind Übergriffen beider Seiten ausgesetzt

Der Bericht von Open Doors sammelt Informationen verschiedener Quellen zur Gewalt gegen Christen und beschreibt die Faktoren, die christliche Gemeinden in der blutigen Spirale besonders angreifbar machen, angefangen bei ihrer Ansiedlung in strategischen Zonen (Damaskus, Homs und Aleppo sowie Gebiete an der Grenze zum Libanon und zur Türkei), an zentralen Orten des Bürgerkriegs.

Christen  –  so der Bericht  –  zahlen den Preis dafür, dass „sie sich im Kreuzfeuer des Konflikts befinden und der Gewalt von beiden Seiten ausgesetzt sind“.

Sie sind eine „einfache“ Zielscheibe für alle kriminellen Gruppen, die vom Chaos profitieren. Sie leiden besonders unter Feindseligkeiten und Misshandlung in Flüchtlingscamps. Sie sind immer öfter Ziel von Übergriffen islamistischer Banden. Es gibt im Vergleich zu anderen ethnischen und religiösen Gruppen mehr Flüchtlinge und Vertriebene aus christlichen Gemeinden.

Quelle: vatikanischer Fidesdienst