Marienverehrung: JA – Wundersucht: NEIN

Warum ich mit Erscheinungsfrömmigkeit nichts anfangen kann…media-373855-2

…sehr wohl jedoch die Gottesmutter verehre und auch gerne „wallfahre“:

Es kommt mir so vor, als würden immer mehr fromme Katholiken ohne die Bestätigung ihres Glaubens durch „Wunder und Zeichen“ nicht mehr auskommen.

Der Zustrom zu charismatischen Gruppen mit wunderhaften Bekehrungen, Heilungen, der Pilgerstrom zu „Erscheinungsorten“ ohne jede Rücksicht, ob die dort geübte Devotion im Einklang mit der Glaubenslehre steht, sprechen eine beredte Sprache.

Offenbar brauchen immer mehr Menschen das emotionale „Durchgeschütteltwerden“ als Motor hinter ihrer Gläubigkeit.

Ich selbst habe keine Zweifel an der Möglichkeit „übernatürlicher Phänomene“, von denen Gläubige berichtecharismatiker_allg_606_pr13_02_ab36d7785en, von denen die Heiligenleben zeugen. Der Glaube kann, wie das biblische Wort sagt, Berge versetzen (Mt 21,18). Eine der häufigsten Wendungen Jesu in der Schrift lautet: „Dein Glaube hat Dich geheilt“. Der Glaube ist also die offene Tür zur Wirklichkeit Gottes.  

Wie kommt es also, daß so viele gläubige Menschen den sichtbaren, erlebbaren, bestaunbaren Beweis suchen?

Was beeindruckt und ergreift sie so, wenn Leute plötzlich nach hinten umfallen, angeblich vom Heiligen Geist berührt? Was bringt Menschen dazu, zu Hunderttausenden Sehern und „Warnern“ zu folgen?

In meinen Augen drückt sich darin allzu oft die Glaubensweise des Hl. Thomas aus: „Ich glaube nur, was ich sehe, höre, rieche, mit meinen eigenen Sinnen wahrnehmen kann, was mir bewiesen wird.“

Auch wenn es so aussieht, als seien die Wallfahrer zu den Erscheinungsorten die Frömmsten unter uns, die Glaubensstärksten, stimmt das wirklich? 

Sind es nicht jene, die Lichtwunder, Heilungswunder, Phänomene jeder Art brauchen, um überhaupt glauben zu können? Wollen sie nicht regelrecht von Jesus Christus und seiner Mutter überzeugt werden durch „Wunder und Zeichen“, verlangen sie nicht danach bis zur Aufgabe jeder Nüchternheit? 1_0_744292

Es ist, als würde man über die Erfahrungen der „Seher/innen“ die Hand in die Wunde legen wollen. Als würde die Zusage „Ich bin bei Euch alle Tage bis ans Ende der Welt“ uns nicht reichen. Zu Thomas hat Jesus gesagt: Du hast gesehen und jetzt glaubst Du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.

Ich kann nicht verhehlen, daß gewisse Formen des Schwärmertums, der Überbegeisterung und fast zwingenden Bekehrungslust mich von Orten und Zusammenkünften fernhalten.

Für mich sind die Verehrungsorte, die Wallfahrtsorte zu Maria und den Heiligen, die wir von alters her besonders wertschätzen, Orte des Gebetes, Orte, wo viele Gläubige sich im Gebet vereinen. Und solche Orte geben uns Kraft und Zuversicht, ja.

Ganz sicher jedoch steht meine Kirche im Dorf, steht meine Gemeinde, wenn sie so betet, keinem Ort in der Welt nach, in der Nähe zu Jesus Christus und seinen Heiligen.  borMedia1836601

Unsere kleine Madonna in unserer Kirche ist ein ebenso gültiges Abbild der Gottesmutter als Begnadete, wie jedes andere in der Welt: so sehr ich sie liebe, die Guadalupa, die Mutter vom Guten Rat, die Immerwährende Hilfe; so sehr auch in meiner Marienverehrung diese Ikonen der Westkirche ihren festen Platz haben: ich verehre immer die Eine, die mich zu Jesus Christus führt.

Und wie sagte die Selige Schwester Blandine Merten: „Herr, gib mir die Gnade, daß ich nicht besondere Orte und Zeiten brauche, um Dich anzubeten und Deinen Willen zu tun!“

Auch wenn ich die „Thomasfrömmigkeit“ als einen gerechtfertigten Weg zum wahren Glauben sehe, so bleibt doch festzuhalten, daß sie, bleibt der reifende Katholik darin stecken, zum Heilshindernis werden kann.

Ein Beitrag der ANKERPERLENFRAU, die das gediegene und ansprechende Webmagazin “Rosenkranz und Pilgerzeichen” betreibt: http://rosenkranzbeten.info/

Hierzu paßt ein weiterer Text – diesmal von Pater Peter Lippert SJ: http://rosenkranzbeten.info/rosenkranzbeten/du-hast-kein-recht-auf-wunderselige-erlebnisse/


„Gezeichnet vom Krieg“: Der freundliche Herr war einst Soldat in Stalingrad

Heute Nacht ist mir Ehre widerfahren…Ein 90-jähriger hat zu mir gesagt “Bischt a nett’s Mädele” und hat mir einen Luftkuß zugeworfen.

Jetzt bin ich doch selbst schon im Großmutteralter und doch war das “Mädele” wie ein Geschenstalingrad-madonnak.

Der alte Herr war dankbar für einen Dienst. Gezeichnet vom Krieg, die Füße in russischer Gefangenschaft erfroren und amputiert, ein Stalingradsoldat, der heimgekehrt ist, einer von 6000.

Als ich ihn kennengelernt habe, war das ein kurzer Dialog. Ich sah seine Füße und fragte: “Russland?”  –  “Stalingrad” sagte er, “Gefangenschaft”  –  und wir schwiegen.

Er hat keine Angehörigen mehr und hat sich in fremde Obhut begeben. Er macht kein großes Wesen um sich, hat sehr bescheidene Bedürfnisse.

Nur eines ist ihm fast lebenswichtig: niemals darf seine Zimmertüre geschlossen werden. Da kann er böse werden, wenn es versehentlich passiert, weil man es halt so macht.

Nein, er will nie wieder eingesperrt sein. Er braucht den Blick nach draußen, er will sehen, wer da kommt.

Ich habe das Glück und die Ehre, zwei Berufe zu haben, die mich den Menschen sehr nah bringen. Eine Zuhörerin bin ich und seit meiner Jugend höre ich dem Krieg zu in allen seinen grausamen Spielarten und Nachwirkungen. Und immer wieder dieses “Stalingrad”.

Der alte Herr ist meine “Nummer 12″. Zwölf Männer von 6000, die einzigen, die der Hölle aus Kriegswahnsinn und Gefangenschaft “dort” entkommen sind. So viele Geschichten leben in mir weiter, Bilder, Gefühle: in Stalingrad gefallen, verwundet, vermisst…Familien.Bildschirmfoto 2014-11-17 um 07.58.29

Warum begegnet es mir in dieser Häufung und jenseits aller Wahrscheinlichkeit?

Auch das nehme ich als Fügung: die Zeitzeugen sind bald nicht mehr da. Dann bleiben nur noch nüchterne Zahlen, Daten, Fakten, “objektiv” und eingefärbt von den Bewertungen der Nachwelt.

Offenbar muß es auch die andere Form der Tradierung von Geschichte geben. Gesichter, Stimmen, Bilder, Empfindungen, Erschütterung.

Nein, “Nummer 12″, ich werde das in mir behalten und erinnern, das Gesicht, die Stimme, den Luftkuß und das Schweigen. Es ist mir eine Ehre.

Ein Beitrag mit Text und Fotos der ANKERPERLENFRAU, die das inhaltlich und graphisch ansprechende Webmagazin „Rosenkranz und Pilgerzeichen“ betreibt: http://rosenkranzbeten.info/


Getrennte Gottesdienste nach Altersgruppen? Sind Kindermessen wirklich „kindgerecht“?

Einspruch der „Ankerperlenfrau“

Im Sonntagsgottesdienst fehlen die Kinder!  – Fehlen sie nur, weil immer weniger Familien sich am Sonntag mit einem Gottesdienst “das Wochenende verderben wollen” oder werden sie etwa künstlich oder besser mutwillig ferngehalten?afc127c26a

Immer, wenn ich in fremden Gemeinden zur Heiligen Messe gehe, setze ich mich in die erste Reihe hinter den “Kinderbänken”. In alten Kirchenstühlen gibt es sie noch: drei bis sechs Reihen auf beiden Seiten nur für Kinder. Meistens sind sie leer. Und jedes einzelne Mal tut es weh.

Und ich frage mich, wie die wenigen Kinder, die bei ihren Eltern irgendwo unter “ferner liefen” sitzen, ohne Gleichaltrige eingekeilt zwischen “Beobachtern”, sich wohl fühlen mögen  –  die Sicht versperrt, bei jeder Selbstvergessenheit gemaßregelt von um ihr Image besorgten Eltern.

Allerdings ist der Platz unter lauter Erwachsenen immerhin ein Platz in der zur Eucharistiefeier versammelten Gemeinde. Von dieser Gemeinschaft werden Kinder nämlich immer häufiger ausgeschlossen.

Wie ist das eigentlich gekommen, mit den scheinbar “kindgerechten” Kindergottesdiensten parallel zur Heiligen Messe der Erwachsenen? In Kindergärten, Unterkirchen und Gemeindezentren? imageCATKHONR

Wie konnte flächendeckend geschehen, daß junge Kinder nur noch in den Genuß von didaktischen Vorlagen “Kindergottesdienst” unter Anleitung (meist weiblicher) Fachpersonen und ehrenamtlichen Laien kommen?

Wie kommt es, daß Kinder zunehmend nicht mehr den Kultus der Katholischen Kirche, die Liturgiefeier, die Feste im Jahreskreis, erleben dürfen?

Um zu beschreiben, wie ich das bewerte und warum ich das verheerend finde, muß ich persönlich werden und von meinen (sehr lebendigen) Kindheitserfahrungen schreiben.

Ich hatte das Glück, in einer Generation aufzuwachsen, in der es nichts so zahlreich gab wie  –  Kinder. (Bei meinem Übergang ins Gymnasium 1972 waren wir (in einem der drei Gymnasien einer saarländischen Kleinstadt) fünf Klassen à 40 Kinder.)

Obwohl in der Diaspora aufgewachsen, waren wir 2 – 3 Reihen Kinder in der Kirche. Ich kann nicht behaupten, daß wir besonders brav oder wohlerzogen waren, und doch hielten die Erwachsenen uns “Lümmel” in den ersten Bänken aus.

Sobald man “kindergartenreif” war, also mit 3 – 4 Jahren, saß man bei den Kindern. Gewöhnlich bei älteren Geschwistern.

Die Kleinsten saßen nach Eingewöhnung in der ersten Bank, mit zunehmendem Alter rückte man nach hinten, was als Ehre erlebt wurde. Vierte Bank war schon für die Großen.

Jeder hatte so seine Marotten: ich stellte mich immer auf die Fußbank (um größer zu sein) und wippte hin und her, bis an die Grenze des Gleichgewichts  –  und wie man sich denken kann, verlor ich es auch. avatar92

Meine Freundin sortierte ihre Gesangbuchbilder, was immer zur Folge hatte, daß Buch oder Bilder herunterfielen und wir zu mehreren unter der Bank verschwanden, um danach zu angeln.

Hatte man unter der Woche Krach mit jemandem, fiel auch mal ein Buch “versehentlich” runter. Bei den Jungs drüben ging’,s auch immer munter zu (da wurden Quartettkarten gezeigt oder Pannini getauscht…).

Das Schlimmste, was passieren konnte, war, daß des Pfarrers Schwester sich zwischen uns setzte, wenn zu viel gekichert wurde oder daß der Pfarrer sich unterbrach, wild schaute und sagte “Finger auf den Mund”.

Ganz selten kam mal eine Mutter und holte eines von den Kleinen zu sich auf den Schoß. Da wir auch samstags Schule hatten, war es ganz natürlich, “die Anderen” sonntags in der Kirche zu treffen.

Mit Eltern im Auto heimfahren, war irgendwie peinlich: man wollte, wie sonst, zu Fuß oder mit Fahrrad nach Hause und mit den Mitschülern palavern, noch an der Pferdekoppel vorbei, oder sehen, was nachmittags im Kino kam.

Kurzum, wir waren sicher eine Herausforderung für die Andacht der Erwachsenen, aber man hat uns ertragen und als vollkommene Glieder der Gemeinde groß werden lassen.

Quelle und FORTSETZUNG dieses anschaulichen und lebensnahen Beitrags der Ankerperlenfrau siehe HIER: http://rosenkranzbeten.info/rosenkranzbeten/geben-sie-gedankenfreiheit-sire/

Ergänzender BEITRAG vom katholischen Frauenblog BEIBOOT PETRI: http://beiboot-petri.blogspot.de/2014/07/kindergottesdienste-tantum-ergo-und.html