Dieses Logau-Gedicht aus dem 17. Jahrhundert ist von bleibender Aktualität

Heutige Welt-Kunst

Anders sein und anders scheinen,
anders reden, anders meinen,
alles loben, alles tragen,
allen heucheln, stets behagen,
allem Winde Segel geben,
Bös‘ und Guten dienstbar leben,
alles Tun und alles Dichten
bloß auf eignen Nutzen richten:
wer sich dessen will befleißen,
kann politisch heuer heißen.

Friedrich von Logau  (1604 – 55)


Klartext eines Polizisten zur Schulschwänzer-Heuchelei namens #FridaysforFuture

Ein neuer Hashtag #FridaysforFuture dreht in den sozialen Netzwerken massenhaft seine Runde und macht klar: Wer diesen Hashtag nicht sofort unter sein Bild (mit entsprechendem Filter) schreibt, ist ein Außenseiter!

Unter dem Deckmantel des Guten wird auf populistische Art und Weise suggeriert und beigebracht, dass Kinder und Jugendliche jeden Freitag die Schule schwänzen sollen, um für ihre Zukunft und das Weltklima zu demonstrieren.

Doch wie viel Einsatz und Interesse für den Klimaschutz stecken wirklich dahinter?

In Berlin trafen am vergangenen Freitag über 20.000 Schüler zusammen, um für ihre Zukunft zu demonstrieren – oder um einfach nur Selfies mit dem oben genannten Hashtag zu machen. Es erinnert mich nicht nur an das Buch „Die Welle“. Es zeigt von Beginn an, wie sehr sich junge Menschen auf diesen Demonstrationen für ihr Klima interessieren: Kein bisschen.

Warum?

Wenn sie sich wirklich für das Weltklima, die Rettung der Umwelt und ihre Zukunft interessieren würden, dann sollten sie damit anfangen, keine Plakate zu basteln und diese an Holzstöcken mit Tesafilm zu befestigen. Für die Plakate wurden Bäume gefällt, was sie mit ihrem Geld gerade weiter unterstützt haben. Der Tesafilm besteht aus giftigen Stoffen, die nur schwer abbaubar sind. Die Marker, mit welchem akribisch die ganzen Hashtags und sonstige ur-linke Phrasen aufgeschrieben wurden, bestehen alle aus Plastik und Kunststoff und sind gefüllt mit hochgiftigen Inhaltsstoffen, die sehr schädlich für die Umwelt sind.

Aber Hauptsache, die Freitage sind für die Zukunft. Ihre Markenkleidung (Nike, Puma, Adidas, Levis, Chigaco Bulls etc.) wird überwiegend in Taiwan von Kinderarbeitern unter Armutslöhnen hergestellt und dann per Frachter zu uns gebracht. Mit Schiffen, die auf dem Weg zu uns mehr Schadstoffe auspusten als alle Autos in Deutschland in einem einzigen Jahr. Das ist aber irrelevant.

Ganz interessant zu beobachten war übrigens, dass unzählige Jugendgruppen riesige Musikanlagen mitschleppten und auf dieser lautstark „Musik“ abspielten  – schlecht für die Umwelt. Aber an Freitagen, wo es um die Zukunft geht, ist das egal.

Wie wär‘s denn mal damit: in einem internen Schulprojekt neue Bäume auf dem Schulhof sowie in der näheren Umgebung an der Schule anzupflanzen ? Wie wär‘s denn, wenn alle Schüler in ihrem Schulbezirk eine riesige Aufräum-Aktion durchführen würden auf den öffentlichen Straßen unter genau demselben Hashtag auf abertausenden Selfies?

Oder einen Monat ausrufen, in dem jeder Schüler ein Projekt gestalten soll, wie man das Klima aus der eigenen Sicht retten kann und sollte? Ah nein. Ich vergaß: Das macht der ach so interessierten Jugend keinen Spaß.

Unsere Smartphones, Tablets, Laptops, Computer, Kopfhörer, Musikanlagen, Fernseher und sonstige technischen Wunderwerke wurden und werden überwiegend aus dem Ausland zu uns importiert. Hergestellt in Ländern wie Taiwan oder China. Unter Bedingungen, die den Wertvorstellungen unserer westlichen Welt deutlich widersprechen. Übrigens auch importiert via Frachtdampfer. Relevant für unsere neue Vorzeigejugend?

Nein. Aber freitags sind für die Zukunft…..

Den weiteren Artikel des Polizeibeamten David S. finden Sie hier: https://philosophia-perennis.com/2019/03/17/ein-polizist-macht-sich-gedanken-zu-den-fridays-for-future/


Der Hang zum Massenmenschen zeigt sich auch in der Mode immer wieder

Von Christa Meves

Der Begriff Herde wird in der Zoologie in Bezug auf Gruppierungen von Säugetieren, Fischen und Vögeln vielfältig verwendet, um die Struktur dieser Zusammenschlüsse zwecks vermehrtem Existenzerhalt zu beschreiben.

Seit dem Erscheinen des  Standardwerkes von Gustave Le Bon „Die Psychologie der Massen“ wird der Begriff der Herde, des Rudels sowohl in der Soziologie als auch in der Psychologie als eine Triebfeder verstanden, die in Resten auch noch auf die Spezies Mensch zutrifft.

Der Ausdruck wird verwendet, um die Lenkbarkeit von Massen zu verdeutlichen. Das ist erkannt und allgemein anerkannt und soll in diesem kleinen Impuls nicht ausführlich wiederholt werden, sondern lediglich zwecks Bewusstseinserhellung auf dieser Grundlage aufgebaut werden.

Ich möchte stattdessen hier nur ein kleines Beispiel dafür bringen, dass die Realität einer Massenbeeinflussung dieser Art in vielen Einzelbereichen unserer Alltagsmentalität wirksam ist. Dafür habe ich ein Detail unserer Frauenmode als Beleg ausgewählt:

Die Mode gehört ohnehin in unserer Zeit zu einer jener weltlichen Mächte, die unversehens als Götze an die Stelle einer Orientierung am allmächtigen Gott geraten ist. Z. B. ist seit mehr als 40 Jahren  die Hose für Frauen ein voll anerkanntes Bekleidungsstück mit der Ausgestaltung einer außerordentlich variablen Vielfalt, gekrönt von den weltweit zu tragenden Blue Jeans. Ob der Mensch kurz oder lang, ob dick oder dünn, ob alt oder jung ist – wer Anerkennung in der Gruppe erwartet, hat sich mit diesem jakobinerhaften Kleidungsstück anzufreunden.

Heute haben die Jeans ihre Kronenstellung in der Frauenmode allerdings hinter sich.

Seit kurzer Zeit erscheint nämlich stattdessen neu der Rock als das einst allgemein übliche Bekleidungsstück für Frauen – der Mottenkiste enthoben – als einfarbiges Kleid in der Szenerie und ist bereits zur ungeschriebenen Massenvorschrift avanciert.

Ohne Rücksicht auf die körperlichen Unterschiedlichkeiten und der zunehmenden Schwierigkeit auch von Frauen, dem Zwang zu jugendlicher Schlankheit lebenslänglich nachzukommen, fühlen sich die Frauen  genötigt, sich in aller Unbewusstheit nun nach diesem ungeschriebenen Bekleidungsdiktat auszurichten, wenn Sie sich als topfit empfinden wollen.

BILDER: Frauen können auch ohne großen Ausschnitt schick aussehen – hier eine Rednerin beim „Tag der Heimat“ in Münster – unten die Präsidentin von Estland (ebenfalls bei einem Vortrag in Münster)

Neuerdings muss ein voller Busen unter  einem stramm sitzenden Stoff erahnbar sein. Dieses Oberteil hat in eine Wespentaille einzumünden, was immer seltener ohne künstliche ärztliche Saugaktionen zu schaffen ist. Voller Busen, dadurch in machtvoller Präsentation verstärkt, erweist sich als Unabdingbarkeit einer modischen weiblichen Identität, um sich gesellschaftlicher Anerkennung hinreichend gewiss zu fühlen.

Damit nicht genug: Ein enger, kurzer Saum hat jetzt zwar unter knappem Stoff  weitere  anziehende Körperteile, die Oberschenkel, erahnbar zu machen, indem er das Knie nicht bedeckt. Das führt natürlich dazu, dass in Sitzhaltung eine Verschiebung nach oben entsteht, die die Damen beim Sitzen zu streng zusammengehaltenen Oberschenkeln nötigt, was sich in den Talkshows einhellig erleben lässt.

Am erstaunlichsten erscheint es mir nun aber, dass die ungeschriebene Verpflichtung, unbedingt mit der Mode zu gehen, noch in einem längst schon installierten Massenmerkmal selbst bei dieser neuen Bekleidungsform, der Rückkehr zum Kleid, anscheinend völlig unbewusst weiter verpflichtend bleibt: dem weit geöffneten Halsausschnitt.

Dieser pflegt zwar eine erhebliche Quantität der Anwendung, aber eine wenig variable Form zu haben. Er trägt grundsätzlich die Form eines auf dem Kopf stehenden spitzen Dreiecks, das in der sichtbar werdenden Busenwölbung endet. Der auf diese Weise befreite nackte Hals hat mit ähnlicher Unabdingbarkeit präsentiert zu werden wie die entblößten Beine.

Hier herrscht bereits schon seit einigen Jahrzehnten eine merkwürdige Einheitlichkeit.

Die Designer dieses Modeartikels hatten vermutlich ein sicheres Gespür für seine beste Verkaufbarkeit. Diese hat grundsätzlich der Stimmung der Bevölkerung in der  jeweiligen Phase des Zeitgeistes zu entsprechen, sonst kommt der Artikel nicht an.

Die Erfinder dieses kultiviert und schön erscheinenden Modestücks haben  lediglich ein Gespür dafür, dass die Zeit der schamlos exhibierten sexuellen Lockungs-Methode vorüber ist. Sie brauchen auch kein biologisches Wissen über die sexuellen Auslöser, sondern eher die Erfahrung, dass zart Verhülltes diese Naturgewalt oft sogar erfolgreicher aktiviert als verderbt schamlose Präsentation…

Und zu bedenken ist heute schließlich darüber hinaus, dass feministischer Fortschritt darin besteht, nun per Gesetz Männer als Sexisten zu verklagen, die auf das Verhüllte einen Blick  (oder gar mehr?) riskieren …

Welche Wirrnis mit verschleierten Absichten wird unserer Gesellschaft in der Zukunft voller Unbewusstheit bevorstehen?

Etwa so: Die Einheitlichkeit im Halsausschnitt  ist zwar z. Zt. ungeschriebenes Gesetz bisher nur bei Frauen, ist aber in zunehmendem Maße durch Verschwinden des Schlipses und der Verschlossenheit des Kragens dahinter sogar bei fortschrittlichen Männern im Kommen.  

Wird Rilkische Befreiungssehnsucht gegen die damalige, in rigiden Normen erstarrte Gesellschaft – „Einmal wieder den Kragen offen tragen“ – heute zu einem unterschwelligen Ausdruck männlicher Unterwerfung unter das Diktat feministischer Machtvollendung?

BILD: Vor Jahrhunderten gehörte ein hochgestellter Kragen, der bis zum Kinn reichte, zur vornehmen Damenmode, doch ein freier Hals ist gesünder

Mode ist nun einmal grundsätzlich ein unbewusster Ausdruck der Massendenkungsart in der zeitbedingten Bevölkerung und  zeigt sich infolgedessen auch in einer obligatorisch zu tragenden Bekleidung. Deshalb lässt diese Form der Rückkehr zum Kleid viel Interessantes, Neues über den Weltgeist 2019 vermuten, vielleicht sogar etwas Positives, ja, sogar eine Rückkehr zu mehr Kultiviertheit erwarten?

Vor allem aber lässt sich allein schon bei Kleinigkeiten unseres Alltags erkennen, in welchem hohen Ausmaß wir unbewusst suggestibel der Vereinheitlichung durch Massentrends unterliegen. Wie stark und mächtig erweist sich also selbst in den hochzivilisierten Gesellschaften unsere Herdennatur! Wie kommt hier überall unser Überlebensbedürfnis als die Machtstruktur der Naturkräfte in uns zum Ausdruck!

Es ist das allgegenwärtige Bedürfnis nach Schutz in der Gruppe, das uns heimlich durchschlagend motiviert! Wir können keineswegs von einer „Instinktreduktion“  bei der Spezies Mensch sprechen, wie Arnold Gehlen das vor 70 Jahren kühn behauptete! Schon bei der Anpassung zum vereinheitlichten Halsausschnitt lässt sich entdecken, dass diese Annahme nicht stimmt!

Ich habe Ihnen unsere Anfälligkeit, einfach unnachdenklich im Strom mitzuschwimmen, einmal verdeutlichen wollen – damit wir uns  bereits an  diesem  so ungewichtigen Teil der Mode, z. B.  dem offenen, spitz endenden Halsausschnitt,  unserer so allgemein großen Beeinflussbarkeit bewusst werden; denn dann kann uns unsere ebenfalls mögliche, massenhafte Verführbarkeit als Gefahr ins Blickfeld kommen und uns zu nachdenklichem Widerstand dagegen anregen.

Was von  dieser vereinheitlichenden  Mode passt eigentlich zu mir  selbst – als einem Unikat unter den Milliarden Wolfs-Rudeln und Schafherden? Unsere persönliche Eigenart zu entfalten – das sollte unser Weg und unser Ziel zu ausgereiftem Menschsein werden, meine ich. Im Grunde ist diese Erkenntnis uralt. Wir finden die Auseinandersetzung mit unserer Schafherde-Natur z. B. ausführlich bei Jesus Christus  im Johannesevangelium:

„Ich bin die Tür der Schafe… Der Dieb kommt nur, um zu stehlen und zu schlachten und zu verderben. Ich bin gekommen, damit sie (meine Schafe) das Leben haben … Ich bin der gute Hirte“ (Joh 10, 7-11).

 


Kardinal Müller beklagt eine innerkirchliche Konversion zur Welt anstatt zu Gott

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Kardinal Gerhard Müller (siehe Foto) hat unlängst der Webseite „The Catholic World Report“ ein Interview zur Frage der Interkommunion gegeben.
Hier geht´s zum Original: klicken
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Die Reaktionen des Kardinals sind sehr lesenswert und liefern ein klares Bild von der Lage innerhalb der Katholischen Kirche in Deutschland.
Auf die CWR-Frage, warum viele deutsche Bischöfe an den dauernden Spannungen beteiligt sind, antwortet der ehem. Glaubenspräfekt folgendes:
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„Eine Gruppe deutscher Bischöfe mit ihrem Vorsitzenden an der Spitze sehen sich selbst als Trendsetter der katholischen Kirche auf dem Weg in die Moderne; sie betrachten die Säkularisierung und Entchristlichung Europas als unabänderliche Entwicklung.  
Aus diesem Grund ist die Neu-Evangelisierung – das Programm von Johannes Paul II. und Benedikt XVI.  –  ihrer Ansicht nach ein Kampf gegen den Verlauf der Geschichte, der dem Kampf Don Quichotes gegen die Windmühlen ähnelt. 
Sie suchen nach einer Nische, in der die Kirche in Frieden überdauern kann. Deshalb müssen alle Glaubenslehren, die dem „Mainstream“ und dem gesellschaftlichen Konsens widersprechen, erneuert werden.

Eine Konsequenz davon ist die Forderung, die Kommunion auch Nicht-Katholiken zu spenden – zudem jenen Katholiken die nicht im Stand der Gnade sind.
Ebenfalls auf der Agenda stehen: homosexuelle Paare, die Relativierung der Unauflöslichkeit einer sakramentalen Ehe, Einführung der „viri probati“ und damit Abschaffung des priesterlichen Zölibats, Zustimmung zu sexuellen Beziehungen vor und außerhalb der Ehe.
Das sind ihre Ziele und um sie zu erreichen, sind sie willens, sogar die Spaltung der Bischofskonferenz hinzunehmen.
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Die Gläubigen, die die katholische Lehre ernst nehmen, werden als konservativ gebrandmarkt, aus der Kirche gedrängt und der Diffamierungskampagne liberaler und anti-katholischer Medien ausgesetzt. 

Für viele Bischöfe ist die Wahrheit der göttlichen Offenbarung und des katholischen Glaubensbekenntnisses nur eine weitere Variable in der innerkirchlichen Machtpolitik….Es handelt
sich hier um einen eklatanten Prozess der Protestantisierung…

Die Verweltlichung der Bischöfe und Priester im 16. Jahrhundert war die Ursache für die Teilung der Christenheit…Die Krankheit jener Zeit soll jetzt die Medizin sein, mit der die Teilung überwunden werden soll?
Die Unkenntnis des katholischen Glaubens war damals katastrophal, besonders bei den Bischöfen und Päpsten, die sich selbst mehr der Politik und der Macht widmeten, als die Wahrheit Christi zu bezeugen. 

Heute ist es für viele Menschen wichtiger, von den Medien akzeptiert zu werden, als die Wahrheit, für die wir auch leiden müssen. Petrus und Paulus haben für Christus das Martyrium in Rom erlitten, dem Machtzentrum ihrer Zeit; sie wurden von den Herrschern dieser Welt nicht als Helden gefeiert, sondern eher wie Christus am Kreuz verspottet. Wir dürfen die martyrologische Dimension des Petrus-Amtes und des Bischofsdienstes nie vergessen.“
 
Zur Frage des CWR, wie er den Zustand des Glaubens in Deutschland und in Europa beurteile und ob er denke, daß Europa sich im Sinn seiner früheren christlichen Identität erholen werde, sagte Kardinal Müller:

„Es gibt viele Leute, die ihren Glauben ausleben, Christus und seine Kirche lieben und ihre ganze Hoffnung auf Gott setzen – im Leben und im Tod. Aber unter diesen gibt es einige, die sich von ihren Hirten verlassen und betrogen fühlen. In der öffentlichen Meinung populär zu sein ist heute ein Kriterium für einen angeblich guten Bischof oder Priester.

Wir erleben die Konversion zur Welt anstatt zu Gott, entgegen den Worten des Apostels Paulus: „Will ich denn Menschen gefallen oder Gott? Wenn ich Menschen gefallen wollte, wäre ich kein Knecht Christi.“

Übersetzung und vollständige Fassung des Müller-Interviews hier: https://beiboot-petri.blogspot.com/2018/06/kardinal-muller-spricht-klartext-zum.html

Müller-Foto: Bistum Regensburg


Papst Franziskus: Schwimmt gegen den Strom – aber nicht so wie Kardinal Müller ?

Von Felizitas Küble

Bei der Generalaudienz vom vergangenen Mittwoch hat Papst Franziskus lautet einem CNA-Bericht erläutert, daß Verfolgung zum Christstein gehört, daß Jesus selber einst verfolgt wurde und daß die christliche Hoffnung die Stärke der Märtyrer sei.

Er sagte: „Im Evangelium spricht der Herr davon, dass die Verkündigung des Reiches Gottes auf Widerstand und Feindschaft stößt.“

Christsein heiße, gegen den Strom zu schwimmen, erklärte der Papst weiter  – und zwar „aus Treue zur Botschaft Christi“. Daher sei der Gläubige gesandt wie „Schafe mitten unter die Wölfe“ (Mt 10,16).

Das sind zweifellos klare und erfreuliche Worte.

Nun hätten wir gerne gewußt, warum Papst Franziskus die Amtszeit von Kardinal Gerhard Müller als Präfekt der Glaubenskongregation nicht verlängert hat, obwohl dieser theologisch konservative Würdenträger erst 69 Jahre alt ist (für leitende kirchliche  – zumal kuriale –  Hierarchie-Verhältnisse ist das jung)  –  und obgleich es bislang üblich war, die Amtszeit von Glaubenspräfekten zu verlängern (auch Kardinal Joseph Ratzinger versah jahrzehntelang dieses Aufgabe).

In einem Artikel auf ZEIT-online vom 1. Juli wird der katholische Theologie-Professor Wolfgang Beinert zitiert. Der bekannte Autor, der eher dem liberalen Spektrum angehört, stellt fest, die päpstliche Ablösung Müllers sei eine „Strafe“: „Das ist eine Entlassung ins Nichts.“

Tatsächlich hat Kardinal Müller, der weiter im Vatikan bleiben möchte, kein anderes Amt erhalten.

Freilich wäre jede Ersatzlösung gleichsam ein Abstieg, denn das Amt des Glaubenspräfekten ist theologisch nach dem Papst das zweithöchste in der katholischen Weltkirche. Wer es verliert, kann die Hierarchie-Treppe nur noch herunterfallen (es sei denn, er wird Papst – wie bei Ratzinger-Benedikt).

Allerdings hat Franziskus die Stellung dieses Amtes nunmehr indirekt geschmälert, insofern er einen – bislang zudem unbekannten –  Mann aus der zweiten Reihe (nämlich Müllers Sekretär Luis Ladaria Ferrer) zum neuen Präfekten dieser Kongregation ernannte.

Wollte der Papst damit möglicherweise zu verstehen geben, daß sich die theologische und kirchliche Bedeutung dieses „Wächteramtes“ ab jetzt im Sinkflug befindet?

Dies umso mehr, als Franziskus entsprechende Signale bereits früher setzte. KNA-Chefredakteur Ludwig Ring-Eifel erinnert daran:

„Schon im ersten Jahr seines Pontifikats hatte Papst Franziskus in einem offiziell nie bestätigten Gespräch mit lateinamerikanischen Ordensleuten gesagt, was er von der dogmatisch reglementierenden Rolle der Glaubenskongregation hielt: Wenn man von der Behörde wegen unkonventioneller Seelsorgemethoden einen mahnenden Brief erhalte, sollte man den höflich beantworten, dann aber weitermachen wie bisher, so seine damalige Empfehlung.“

Übrigens hat Kardinal Müller in einem Interview mit der „Allgemeinen Zeitung“ selber eingeräumt, daß er seine Amtsentlassung nicht erwartet habe; zudem habe der Papst ihm keine Gründe vorgelegt –  wenn man von dem rein formalen Gesichtspunkt absieht, er wolle angeblich in Zukunft allgemein die Laufzeiten für Leitungsämter in der Kurie auf fünf Jahre eingrenzen.

Als der Papst vor einigen Wochen drei Mitarbeiter der Glaubenskongregation feuerte, geschah auch dies zur Überraschung Müllers – und ohne Angabe von Gründen.

Was nun aber den Aufruf von Franziskus an die Gläubigen, gegen den Strom zu schwimmen und der Botschaft Christi unbeirrbar treu zu bleiben, betrifft:

Genau dies hat Kardinal Müller getan – wie der Papst darauf reagierte, ist bekannt. Und wo bleibt die Auflösung dieses Widerspruchs? Weshalb diese offensichtliche Kluft zwischen Theorie und Praxis?

 


FAS: Kirchen laufen dem Zeitgeist hinterher

Scharfe Kritik am Zustand der beiden großen Kirchen in Deutschland hat der Journalist und Autor Markus Günther geübt. Wie er in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (25. Dezember) schreibt, gibt es eine Entfremdung zwischen den Kirchen und den Menschen. zeitungen

Umfragen zufolge akzeptierten die meisten Deutschen die zentralen Inhalte des Christentums nicht mehr. Nur eine Minderheit der Kirchenmitglieder glaube an die Auferstehung der Toten. Viele lehnten auch die Vorstellung von einem Jüngsten Gericht ab.

Die Reaktion der Kirchen darauf hält Günther für falsch: „Der finanzielle Reichtum und die spirituelle Armut führen zu einem blindwütigen Aktionismus, der auf gesellschaftspolitischen Nebenkriegsschauplätzen den Boden gutmachen will, der auf dem zentralen Schlachtfeld des Glaubens verlorengegangen ist.“

Die evangelische Kirche arbeite sich etwa an einem „integrierten Klimaschutzkonzept“ ab. Im Auftrag der EKD hätten sich ferner „geschlechterbewusste Exeget_innen“ Bibeltexte kritisch angeschaut und die Frage aufgeworfen, ob die zwölf Jünger Jesu wirklich Männer waren.

Der Journalist schlussfolgert: „Sosehr sich auch beide Kirchen darin überbieten, dem Zeitgeist nachzulaufen, die Abwärtsbewegung haben sie nicht stoppen können.“

Quelle und vollständiger Text hier: http://www.idea.de/frei-kirchen/detail/vorwurf-kirchen-ueberbieten-sich-darin-dem-zeitgeist-nachzulaufen-99398.html


Glaubenspräfekt Müller und sein erstes Hirtenwort als Bischof von Regensburg

Warnung vor „Verwirrungen im Inneren der Kirche“

Als der katholische Dogmatik-Professor Gerhard L. Müller  am 24. November 2002 zum Bischof geweiht wurde, war auch Kardinal Ratzinger, der spätere Papst Benedikt, bei der Feier anwesend.  0012

Schon in seinem ersten Hirtenwort an das Kirchenvolk hat Müller seinen Hirtenauftrag verdeutlicht und betont, daß er die Gläubigen vor jedem Schaden bewahren will, „der durch Anfeindungen von außen und Verwirrungen im Innern entstehen kann“. 

Er fügt hinzu: „Diplomatische Winkelzüge und das Haschen nach Beifall gehören daher nicht zu den Insignien eines katholischen Bischofs. Seine Verkündigung erweist sich in „Geist und Kraft, damit sich euer Glaube nicht auf Menschenweisheit stützt, sondern auf Gottes Kraft“ (1 Kor 2,4).

Gleich eingangs erinnert der neugeweihte Oberhirte von Regensburg an das eindringliche Mahnwort des hl. Paulus: 

„Gebt Acht auf Euch  und auf die ganze  Herde,  in der Euch der Heilige Geist zu Bischöfen bestellt hat, damit ihr als Hirten für die Kirche Gottes sorgt, die er sich durch das Blut seines eigenen Sohnes erworben hat.“ (Apg 20,28).

Weiter heißt es in dem Antrittsschreiben Müllers an seine Diözesanen:

„Ein Bischof als Nachfolger der Apostel kann nicht für das Linsenmus des Medienlieblings sein Erstgeburtsrecht verkaufen, als „Apostel das Evangelium von Gott und seinem Sohn zu verkünden“.

„Auf Anpassung der Kirche an den Zeitgeist versessen“

Dabei übte er in seinem Hirtenbrief deutliche Kritik an jenen, die „derart auf die Anpassung der Kirche an den Zeitgeist versessen sind, daß sie nicht einmal mehr merken, wie sie die Kirche in ihrer Glaubenssubstanz aushöhlen. Ihre ganze Energie verschwenden sie im innerkirchlichen Machtkampf.“

Dazu stellt Bischof Müller klar:P1020947

„Die Kirche ist in ihrer Verkündigung und Lehre allein dem Evangelium verpflichtet. Und die Kirche legt das Evangelium so aus, daß es die Menschen von heute anspricht. Treue zum Evangelium und zeitgerechte Verkündigung sind die zwei Seiten derselben Münze.“

Er scheut auch nicht davor zurück, einige weitere Stühle mit einer Deutlichkeit geradezurücken, wie man sie sonst nur von Erzbischof Johannes Dyba aus Fulda zu hören und zu lesen bekam:

„Wie Sie alle täglich hören und sehen, ist zur Zeit wieder einmal eine Lawine der Diffamierung gegen das Christentum losgetreten worden. In den Augen der Zeitgenossen soll insbesondere die katholische Kirche als eine Gemeinschaft vorgeführt werden, die hinter den Erkenntnissen der modernen Wissenschaft und der allgemeinen Gesellschaftsentwicklung zurückgeblieben sei.

Der Jugend redet man ein, die Kirche sei etwas von gestern. Für alle negativen Erscheinungen in der Geschichte möchte man die katholische Kirche zum Sündenbock machen  –  etwa nur deshalb, um vom eigenen Versagen abzulenken?

Eine aus der Kulturrevolution der 68er Jahre übriggebliebene Ideologie, die sich selbst als linksliberal anpreist, gibt sich aus als die Wächterin der Errungenschaften des Sozialismus und freigeistiger Aufklärung.“AL-0004

Der neugeweihte Oberhirte von Regensburg weist zudem klar auf jene Doppelmoral hin, welche die Forderung nach Toleranz höchst einseitig propagiert: „Für sich selbst fordert man Toleranz, Christen gegenüber ist man aber höchst intolerant. Doch Toleranz ist ein Prinzip, das nur auf Gegenseitigkeit funktioniert.“

„Tragödien einer Spaß- und Konsumgesellschaft“

Er beschreibt sodann die Krise von Ehe und Familie  – und beklagt den massenhaften „Mord“ (!) im Mutterleib:

„Jeder kennt die Tragödien, die sich hinter den glitzernden Fassaden einer Spaß- und Konsumgesellschaft täglich abspielen. Um nur einige Punkte zu nennen:

Jugendliche, die durch Drogen an Leib und Seele entstellt sind, zerstörte Familien, die Überalterung und der Zusammenbruch der sozialen Sicherungssysteme bei gleichzeitigem Mord von 300.000 unschuldigen Kindern im Jahr schon im Leib ihrer eigenen Mutter, der unerträgliche Zynismus und die Gefühlsabstumpfung derer, die an gar nichts mehr glauben und die zu niemandem mehr Vertrauen haben.“

Bischof Müller erkärt außerdem, daß Ersatzreligionen und Ideologien ohne Gott in die Sackgasse führen:

„Keine Ideologie konnte und kann dem Menschen das geben, was er sucht, braucht und erhofft. Alle Weltanschauungen sind von Menschen erdacht und darum wie alles Menschenwerk zum Untergang verurteilt. Retten kann uns allein Gott, unser Schöpfer und Erlöser. Ohne Gott gibt es keine Zukunft des Menschen.“

Am Schluß bittet er ausdrücklich „nicht um das Vertrauen in mich“, denn wir alle könnten versagen und enttäuschen: „Ich werbe um das Vertrauen in Gott. Die Kirche Jesu Christi ist die Gemeinschaft derer, die all ihr Vertrauen auf den dreifaltigen Gott setzen.“

Müller-Fotos: Bistum Regensburg