FAS: Kirchen laufen dem Zeitgeist hinterher

Scharfe Kritik am Zustand der beiden großen Kirchen in Deutschland hat der Journalist und Autor Markus Günther geübt. Wie er in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (25. Dezember) schreibt, gibt es eine Entfremdung zwischen den Kirchen und den Menschen. zeitungen

Umfragen zufolge akzeptierten die meisten Deutschen die zentralen Inhalte des Christentums nicht mehr. Nur eine Minderheit der Kirchenmitglieder glaube an die Auferstehung der Toten. Viele lehnten auch die Vorstellung von einem Jüngsten Gericht ab.

Die Reaktion der Kirchen darauf hält Günther für falsch: „Der finanzielle Reichtum und die spirituelle Armut führen zu einem blindwütigen Aktionismus, der auf gesellschaftspolitischen Nebenkriegsschauplätzen den Boden gutmachen will, der auf dem zentralen Schlachtfeld des Glaubens verlorengegangen ist.“

Die evangelische Kirche arbeite sich etwa an einem „integrierten Klimaschutzkonzept“ ab. Im Auftrag der EKD hätten sich ferner „geschlechterbewusste Exeget_innen“ Bibeltexte kritisch angeschaut und die Frage aufgeworfen, ob die zwölf Jünger Jesu wirklich Männer waren.

Der Journalist schlussfolgert: „Sosehr sich auch beide Kirchen darin überbieten, dem Zeitgeist nachzulaufen, die Abwärtsbewegung haben sie nicht stoppen können.“

Quelle und vollständiger Text hier: http://www.idea.de/frei-kirchen/detail/vorwurf-kirchen-ueberbieten-sich-darin-dem-zeitgeist-nachzulaufen-99398.html


Glaubenspräfekt Müller und sein erstes Hirtenwort als Bischof von Regensburg

Warnung vor „Verwirrungen im Inneren der Kirche“

Als der katholische Dogmatik-Professor Gerhard L. Müller  am 24. November 2002 zum Bischof geweiht wurde, war auch Kardinal Ratzinger, der spätere Papst Benedikt, bei der Feier anwesend.  0012

Schon in seinem ersten Hirtenwort an das Kirchenvolk hat Müller seinen Hirtenauftrag verdeutlicht und betont, daß er die Gläubigen vor jedem Schaden bewahren will, „der durch Anfeindungen von außen und Verwirrungen im Innern entstehen kann“. 

Er fügt hinzu: „Diplomatische Winkelzüge und das Haschen nach Beifall gehören daher nicht zu den Insignien eines katholischen Bischofs. Seine Verkündigung erweist sich in „Geist und Kraft, damit sich euer Glaube nicht auf Menschenweisheit stützt, sondern auf Gottes Kraft“ (1 Kor 2,4).

Gleich eingangs erinnert der neugeweihte Oberhirte von Regensburg an das eindringliche Mahnwort des hl. Paulus: 

„Gebt Acht auf Euch  und auf die ganze  Herde,  in der Euch der Heilige Geist zu Bischöfen bestellt hat, damit ihr als Hirten für die Kirche Gottes sorgt, die er sich durch das Blut seines eigenen Sohnes erworben hat.“ (Apg 20,28).

Weiter heißt es in dem Antrittsschreiben Müllers an seine Diözesanen:

„Ein Bischof als Nachfolger der Apostel kann nicht für das Linsenmus des Medienlieblings sein Erstgeburtsrecht verkaufen, als „Apostel das Evangelium von Gott und seinem Sohn zu verkünden“.

„Auf Anpassung der Kirche an den Zeitgeist versessen“

Dabei übte er in seinem Hirtenbrief deutliche Kritik an jenen, die „derart auf die Anpassung der Kirche an den Zeitgeist versessen sind, daß sie nicht einmal mehr merken, wie sie die Kirche in ihrer Glaubenssubstanz aushöhlen. Ihre ganze Energie verschwenden sie im innerkirchlichen Machtkampf.“

Dazu stellt Bischof Müller klar:P1020947

„Die Kirche ist in ihrer Verkündigung und Lehre allein dem Evangelium verpflichtet. Und die Kirche legt das Evangelium so aus, daß es die Menschen von heute anspricht. Treue zum Evangelium und zeitgerechte Verkündigung sind die zwei Seiten derselben Münze.“

Er scheut auch nicht davor zurück, einige weitere Stühle mit einer Deutlichkeit geradezurücken, wie man sie sonst nur von Erzbischof Johannes Dyba aus Fulda zu hören und zu lesen bekam:

„Wie Sie alle täglich hören und sehen, ist zur Zeit wieder einmal eine Lawine der Diffamierung gegen das Christentum losgetreten worden. In den Augen der Zeitgenossen soll insbesondere die katholische Kirche als eine Gemeinschaft vorgeführt werden, die hinter den Erkenntnissen der modernen Wissenschaft und der allgemeinen Gesellschaftsentwicklung zurückgeblieben sei.

Der Jugend redet man ein, die Kirche sei etwas von gestern. Für alle negativen Erscheinungen in der Geschichte möchte man die katholische Kirche zum Sündenbock machen  –  etwa nur deshalb, um vom eigenen Versagen abzulenken?

Eine aus der Kulturrevolution der 68er Jahre übriggebliebene Ideologie, die sich selbst als linksliberal anpreist, gibt sich aus als die Wächterin der Errungenschaften des Sozialismus und freigeistiger Aufklärung.“AL-0004

Der neugeweihte Oberhirte von Regensburg weist zudem klar auf jene Doppelmoral hin, welche die Forderung nach Toleranz höchst einseitig propagiert: „Für sich selbst fordert man Toleranz, Christen gegenüber ist man aber höchst intolerant. Doch Toleranz ist ein Prinzip, das nur auf Gegenseitigkeit funktioniert.“

„Tragödien einer Spaß- und Konsumgesellschaft“

Er beschreibt sodann die Krise von Ehe und Familie  – und beklagt den massenhaften „Mord“ (!) im Mutterleib:

„Jeder kennt die Tragödien, die sich hinter den glitzernden Fassaden einer Spaß- und Konsumgesellschaft täglich abspielen. Um nur einige Punkte zu nennen:

Jugendliche, die durch Drogen an Leib und Seele entstellt sind, zerstörte Familien, die Überalterung und der Zusammenbruch der sozialen Sicherungssysteme bei gleichzeitigem Mord von 300.000 unschuldigen Kindern im Jahr schon im Leib ihrer eigenen Mutter, der unerträgliche Zynismus und die Gefühlsabstumpfung derer, die an gar nichts mehr glauben und die zu niemandem mehr Vertrauen haben.“

Bischof Müller erkärt außerdem, daß Ersatzreligionen und Ideologien ohne Gott in die Sackgasse führen:

„Keine Ideologie konnte und kann dem Menschen das geben, was er sucht, braucht und erhofft. Alle Weltanschauungen sind von Menschen erdacht und darum wie alles Menschenwerk zum Untergang verurteilt. Retten kann uns allein Gott, unser Schöpfer und Erlöser. Ohne Gott gibt es keine Zukunft des Menschen.“

Am Schluß bittet er ausdrücklich „nicht um das Vertrauen in mich“, denn wir alle könnten versagen und enttäuschen: „Ich werbe um das Vertrauen in Gott. Die Kirche Jesu Christi ist die Gemeinschaft derer, die all ihr Vertrauen auf den dreifaltigen Gott setzen.“

Müller-Fotos: Bistum Regensburg

 


Die evangelische Landeskirchen schrumpfen trotz (oder wegen?) ihres Anpassungskurses

Mathias von Gersdorff

Hoffentlich lesen Kardinal Reinhard Marx, Erzbischof Heiner Koch und Bischof Franz-Josef Bode die Nachrichen der evangelischen Presseagentur IDEA. Dann hätten sie erfahren, wohin ihre liberalen Ansichten führen: Podium5

Alle evangelischen Landeskirchen sind im Jahr 2014 geschrumpft. Das geht aus einer Umfrage der Evangelischen Nachrichtenagentur idea (Wetzlar) bei den Landeskirchenämtern und der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) hervor.

IDEA berichtet, auch die katholische Kirche hätte im Jahr 2014 Mitglieder verloren: „Um 2,05 Millionen auf 23,94 Millionen ging die Zahl der Mitglieder von 2004 auf 2014 zurück. Damit verlor die katholische Kirche im Zehnjahresvergleich 7,9 Prozent ihrer Mitglieder, die Protestanten verzeichneten ein Minus von 11,7 Prozent.“

Die evangelische Seite hat also prozentual deutlich mehr Mitglieder verloren. Ein zeitgeistangepaßter Kurs ist offenbar nicht in der Lage, Mitglieder zum Verbleib in ihrer Kirche zu überzeugen.

Eigentlich logisch: Der herrschende Kurs der beiden deutschen Volkskirchen spricht vor allem liberal eingestellte Menschen an. Doch diese legen viel Wert auf Freiheit und vielerlei Alternativen. Das deutsche System der Kirchensteuer spricht im Grunde die falsche Zielgruppe an.

Viele jener Personen, die aus ihren Kirchen austreten, tun das möglicherweise nicht, weil sie atheistisch oder unreligiös geworden sind. Sie wollen sich lediglich nicht an eine bestimmte Kirche binden, der sie einen monatlichen Beitrag spenden.  Oder sie lehnen eine starre Finanzierungsform ab. Sie wollen selber entscheiden, wo und wann sie Geld geben. 026_23A

Und sicherlich gibt es auch viele konservative Christen, die keine Kirchensteuer zahlen wollen und aus der Kirche austreten. Genauso wie die Liberalen wollen auch sie selbst entscheiden, wen sie finanziell unterstützen.

Konservative behaupten in der Regel, die Kirchen müssten ein klareres Profil zeigen, um die Austrittswelle zu bremsen.

In der Tat zeigten statistische Studien aus den Vereinigten Staaten, dass „konservative“ Kirchen (im Sinne von moraltheologischer Strenge, klarer Sprache, Kritik an der modernen Welt usw.) stärker wachsen und ihre Mitglieder besser an sich binden können als „liberale“. 

Die Argumentation hat aber einen Haken: Diese Kirchen definieren durch ihren deutlichen Kurs von vornherein, wen sie als Mitglied haben wollen und wen nicht; sie können oder wollen gar nicht alle um um sich scharen.  Nicht viel anders sieht es im Grunde in der katholischen Kirche aus, wenn es keine Zwangssteuer gäbe.

In den Vereinigten Staaten setzt man auf Freiwilligkeit der Gläubigen bei der Finanzierung der Kirchenausgaben. Auf dem Höhepunkt der Finanzkrise spendeten die katholischen US-Bürger 300 Milliarden Dollar an kirchliche Einrichtungen.

Rein ökonomisch betrachtet ergibt also dieses System einen Sinn: Dank dieser Freiheit wächst in den Vereinigten Staaten die Anzahl von Menschen, die sich katholisch nennen (egal ob liberal, konservativ, traditionalistisch oder sonst etwas).

Wenn man die Zahl von Kirchenmitgliedern und die Geldeinnahmen maximieren will, wäre wohl das US-amerikanische Modell auch in Deutschland das Beste.(Hierzulande scheint die Glaubens- und Lehramtstreue sowieso keine allzu große Rolle zu spielen).

Doch es ist unwahrscheinlich, dass Kardinal Marx & Co. das deutsche Finanzierungsmodell ändern, denn eine Abschaffung der Kirchensteuer würde zunächst ihre eigene finanzielle Macht schmälern.
.
Unser Autor Mathias von Gersdorff leitet die Aktion „Kinder in Gefahr“ in Frankfurt und betreibt die Webseite „Kultur und Medien online“; aktuelle kirchenpolitische Kommentare schreibt er hier: http://mathias-von-gersdorff.blogspot.de/

Bistum Essen: Der „Dialogprozess“ bietet eine Kirche nach dem Zeitgeschmack

In diesen Tagen feiern wir den 100. Geburtstag des unvergessenen großen Franz Josef Strauß. Man muss mit seiner Politik nicht immer übereingestimmt haben, aber etwas hatte er bestimmt: nämlich Grundsätze.  flyerstralsund2

Dies kann man seinem Namensvetter auf dem Essener Bischofsstuhl nicht immer nachsagen. Kaum war Franz Josef Overbeck neuer Oberhirte in unserem Bistum geworden, äußerte er sich im April 2010 in einer Talkshow bei „Anne Will“ kritisch über Homosexualität, was zu heftigen Kommentaren in der Medienwelt führte. 

Doch diese „konservative Welle“ war von denkbar kurzer Dauer. Ob dieser Vorgang auch heute noch, gut 5 Jahre später, in jener Weise geschehen würde?  – Ich glaube kaum.

Der sog. „Dialogprozess“ im Bistum Essen, federführend von Bischof Overbeck und seinem Generalvikar Klaus Pfeffer verantwortet, sprach sich bereits für die Gleichstellung und Anerkennung von Homosexuellen und deren Lebensgemeinschaften aus.

„Zukunft auf katholisch?“

Entsprechende Aussagen und Informationen findet man in der amtlichen Dokumentation „Zukunft auf katholisch – lebendige Kirche im Dialog“. Radio Vatikan

Unter dem Stichwort, die Kommunionbank sei keine Richterbank  –  übrigens: gibt es im Bistum Essen überhaupt noch Kommunionbänke?  –  wurde der Wandel in der Gesellschaft zum Anlass genommen, eben diese Neuausrichtung auch in der katholischen Kirche zu verdeutlichen.

Die Zauberworte „Freude und Hoffnung“ aus Artikel 1 der Erklärung „Gaudium et spes“ des 2. Vatikanischen Konzils muss für diesen Wandel herhalten. Als ob Katholiken sich 1960 Jahre zuvor sich nicht auch mit den Menschen dieser Welt mitgefreut hätten über die schönen Seiten des Lebens  –  und als ob sie nicht auch  mitgelitten hätten, wenn sich eine persönliche oder gesellschaftliche Katastrophe ereignete.

Doch eine Veränderung des Glaubens aufgrund solcher Ereignisse war nie die Folge solcher Mitfreude und Anteilnahme am Wohl und Wehe von Mensch und Welt. Die Impulse des Konzils wollten sicher keine Umkrempelung der Glaubensinhalte der Kirche erreichen. Aber genau dies wird nun unter dem Deckmantel der Konzilsdokumente anzustoßen versucht.

Liturgie als Tummelplatz für Experimente?

Die Konzils-Konstitution über die heilige Liturgie „Sacrosanctum Concilium“ verlangt, dass die lateinische Sprache weiterhin Kultsprache bleibt und dass kein Priester die Liturgie eigenmächtig verändern darf. media-FZMqzvujo1V-2

Was passiert jedoch im „Dialogprozess“?  – Liturgische Vielfalt und Experimente werden vom Bischof ausdrücklich befürwortet; die Liturgie dürfe aber andererseits, so heißt es,  zu keinem „Streitort für Rechtgläubigkeit“ werden – und alles, was in diese Richtung geht, wird vom Bischof und seinem Generalvikar rundum abgelehnt.

Fürchten diese Kirchenoberen, dass die Menschen wieder die Schönheit der früheren Liturgie wertschätzen lernen, wenn man jenen Gläubigen, die den liturgischen Humbug des Dialogpapiers überhaupt nicht bejahen, diese Form des Meßritus gewährt – und dies immerhin auf ausdrückliche Anordnung von Papst Benedikt XVI.

Denn eines steht fest: Die überlieferte Liturgie ist auf jeden Fall rechtgäubig und katholisch. Wenn man genau das wieder fördern würde, wäre es mit den eigenen Mätzchen im Altarraum schnell zu Ende.

Kirchen schließen und „neue Räume“ eröffnen…?

Ungefähr ein Viertel der Kirchen im Bistum Essen wurde in den letzten Jahren geschlossen oder umgewidmet. Und obwohl dem Bischof bewusst ist, dass hier sensibel mit den Gefühlen der Gläubigen  umgegangen werden muss, scheut er sich nicht, in Rahmen des „Dialogprozesses“ zu fordern, dass Gottesdienste an neuen und ungewöhnlichen Orten gefeiert werden sollen. chrkn

Also erst werden katholische Kirchen massenhaft geschlossen, weil man angeblich keine Verwendung mehr für sie hat  – um sich dann aber neue Räume zu schaffen, die weiteres Geld kosten, das man doch angeblich gar nicht hat. Die Logik dieses Unternehmens ist mir nicht klar. Ich befürchte aber, dass genau damit noch mehr Katholiken der Kirche und unserem Glauben entfremdet werden.

Papst Franziskus muss auch immer wieder herhalten, um den neuen Kurs im Bistum Essen zu unterstützen. Dabei hat er meines Wissens keinen Versuch unternommen, Glaubensinhalte umzukrempeln und die Kernpunkte der katholischen Lehre den „Bedürfnissen“ der heutigen Gesellschaft anzupassen.

Ein wohlmeinender Ansatz, nämlich die Kirche im Bistum Essen zielsicher durch diese Zeit der Umbrüche zu führen  – und es ist sicher nicht alles in Bausch und Bogen zu verdammen, was heute in der Gesellschaft geschieht  – kann mit einem Preisgeben oder Umändern von Glaubensinhalten gewiß nicht zu einem guten Ende geführt werden.

Dieses Hängen der Fahne nach dem Wind zeugt nicht von Charakterstärke und Prinzipienfestigkeit. Was wohl Franz Josef Strauß dazu sagen würde?

Der Autor des Beitrags ist Dipl.-Theologe und unserer Redaktion persönlich bekannt.


Warum die Einführung der Homo-Ehe zur Religionsunterdrückung führen würde

Mathias von Gersdorff

Wer der Meinung war, das Zeitalter der Ideologien sei mit dem Untergang des Sowjet-Kommunismus beendet, wird eines Besseren bzw. Schlechteren belehrt: 0653a-bildungsplan-demo-1-2-1448b12b252812529

Einer Verbindung von zwei Menschen gleichen Geschlechts den Namen Ehe zu geben, was seit eh und je etwas ganz anderes bedeutet hat, ist schlichtweg ideologische Verblendung.

Mehr noch, es ist ein ideologisch gesteuerter Wille, eine grundlegende Institution  –  die Familie  – , die von Anbeginn der Menschheit existiert und die grundlegend für das normale Zusammenleben der Menschen ist, mutwillig zu zerstören.

Erstaunlich in dieser Hinsicht ist, wie sich die beiden großen Kirchen in Schweigen hüllen. (Die Deutsche (katholische) Bischofskonferenz hat sich immerhin in einer Pressemitteilung dagegen ausgesprochen, aber nicht weiter versucht, Einfluss in der öffentlichen Debatte zu gewinnen). Sie scheinen die Gefahren für sich nicht zu sehen oder nicht sehen zu wollen  – und diese sind durchaus groß. b (8) - Kopie
Käme es nämlich zu einer Öffnung der Ehe, würde dies zwangsläufig zu einer Unterdrückung oder gar Verfolgung von Kirche und Religion führen. Das wäre unvermeidlich, denn der Abschluss einer Ehe hat Folgen in vielen Rechtsgebieten, wie etwa Familienrecht, Steuerrecht, Arbeitsrecht usw. Falls die Öffnung der Ehe für Homosexuelle durchgesetzt wird, würde es dazu führen, dass ein einziges Wort (Ehe) zwei völlig unterschiedliche Dinge meint, je nachdem, ob man die zivile oder die kirchliche Bedeutung des Wortes annimmt. Es würde also ein Druck auf die Kirchen entstehen, sich der zivilen Bedeutung anzupassen.

Doch nicht nur das: Die Öffnung der Ehe für Homosexuelle hätte die Änderung von Hunderten, wenn nicht gar Tausenden von Gesetzen zur Folge. Alle Gesetze, in denen die Ehe irgendeine Rolle spielt, würden automatisch eine völlig neue Bedeutung erhalten, wie etwa Adoptionsrecht, Krankenversicherung, Erziehungsrechte, Altersversorgung usw.

Kirchliche Einrichtungen würden vor einem Dauerdilemma stehen. Kölner Dom 12-2010

Noch konnten die Kirche bislang ihre Sonderstellung in Deutschland verteidigen, so dass zum Beispiel Angestellte im kirchlichen Bereich besonderen Regelungen unterworfen sind. Doch die Offensive gegen diese Kirchenprivilegien wird immer stärker. Ihre (partielle) Abschaffung wird inzwischen von Grünen, Linken und FDP gefordert.

Abgesehen davon, schwindet in der Gesellschaft das Verständnis für diese kirchliche Sonderstellung. Selbst bei unveränderten rechtlichen Bestimmungen würde es den Kirchen zunehmend schwer fallen, Akzeptanz zu finden. 

Eine Zusammenarbeit zwischen kirchlichen und staatlichen Einrichtungen in etlichen Feldern wird sowieso nicht mehr möglich sein, es sei denn, die christlichen Kirchen passe sich den Umständen noch mehr an, als bislang schon geschehen  – und geben ihr christliches Profil endgültig preis.

Unser Autor Mathias von Gersdorff leitet die Frankfurter Aktion „Kinder in Gefahr“ und die Webseite „Kultur und Medien online“


Wandlungen der EHE: Wenn der Begriff bleibt, aber der Inhalt sich ändert…

Von Lucia Tentroptentrop_neu

Wie ändert man möglichst unauffällig ein gesellschaftliches System?  –  Indem man über die Umdeutung bedeutsamer sprachlicher Begriffe das kollektive Bewusstsein ändert.

Es ist unglaublich, wie unreflektiert wir den auf natürlichen Grundlagen beruhenden, Jahrtausende alten Begriff „Ehe“ mit neuen Inhalten zu füllen bereit sind, weil es politisch angesagt ist und Anpassung die sachliche Diskussionen ersetzt.

Wie brav haben wir unter unserem kulturell gewachsenen Begriff „Bildung“ die Entwicklung unserer positiven geistig-seelischen Kräfte bis in die Kitas hinein durch Computer- und Medienkenntnisse ersetzt!

Das neue System ist clever: Mit der Hülle des alten Begriffs wahrt es dessen numinose Bedeutung, von der sich ja materielle Ansprüche ableiten lassen, aber wenn man die Verpackung öffnet, ist etwas Anderes darin.

Wie lange wird angesichts unserer unterwerfungslustigen Gesellschaft mein mit religiöser Beteuerung geleisteter Eid auf unser Grundgesetz noch gültig sein? 

Unsere Autorin Lucia Tentrop ist Theologin, Musikerin, Malerin und Pädagogin; sie lebt in Berlin; hier ihre Homepage: www.lucia-tentrop.de

 


Kardinal M. del Val: „Wenn Gott zufrieden ist, braucht uns nichts anderes zu kümmern.“

Kardinal Rafael Merry del Val (siehe Bild) war unter Papst Leo XIII. zunächst im diplomatischen Dienst des Vatikan tätig (schon seit Vater war Botschafter). image

Der glaubenstreue Geistliche wurde vor über 100 Jahren vom hl. Pius X. zum Kardinalstaatssekretär ernannt, war also nach dem Papst der ranghöchste Würdenträger der katholischen Weltkirche.

Zuverlässig unterstützte er den Pontifex bei der Bekämpfung des theologischen Modernismus. Auch damals ging es (wie im Grunde seit 2000 Jahren) letzten Endes um die grundsätzliche Frage, ob die Kirche sich den angeblichen „Erfordernissen“ der Zeit und den Wünschen der „Welt“ anpassen soll  – oder unbeugsam an der Lehre Christi festhält.

Hierzu erklärte Kardinal Merry del Val:

 „Handeln wir niemals, um der Welt zu gefallen. Haben wir den Mut, die Kritik und die Missbilligung der Welt zu ertragen; wenn Gott zufrieden ist, braucht uns nichts anderes zu kümmern.

Wir müssen den Mut haben, die Wahrheit zu bezeugen und keiner Herausforderung auszuweichen. Wir müssen den Mut haben, dem Lächerlichen die Stirn zu bieten, denn oft erntet unsere Aufgabe den Spott der Welt. Tut das aus Liebe zu unserem HERRN und um ihm nachzueifern.“

HIER nähere Infos über das Leben und Wirken dieses glaubensstarken Kardinals: http://www.clairval.com/lettres/de/2007/09/20/1190907.htm


Hl. Paulus: „Paßt euch nicht dieser Welt an“

Heutige liturgische Lesung der kath. Kirche: Röm 12,1-2:

Angesichts des Erbarmens Gottes ermahne ich euch, meine Brüder, euch selbst als lebendiges und heiliges Opfer darzubringen, das Gott gefällt; das ist für euch der wahre und angemessene Gottesdienst.

Paßt euch nicht dieser Welt an, sondern wandelt euch und erneuert euer Denken, damit ihr prüfen und erkennen könnt, was der Wille Gottes ist: was ihm gefällt, was gut und vollkommen ist.

 


„Konservativer Aufbruch“ startet in der CSU: jung, dynamisch, glasklar, professionell und überfällig

Von Peter Helmes

CSU und CDU haben  –  wie nahezu alle Parteien  –  über viele Jahre hinweg ihre innere Struktur sowie ihr äußeres Erscheinungsbild geändert.

Allein mit „Rechtsruck“ oder „Linksruck“ oder (grünem) „Neo-Liberalismus“ ist das nicht hinreichend zu beschreiben. Eher schon so: Unbedingter Machterhalt durch Anpassung, in trautem, aber fatalem Einklang mit dem Aufgeben fundamentaler Grundwerte und den bisher geltenden Überzeugungen.  fahne1

Für jedermann deutlich erkennbar ist die Abwendung vom „C“ in der Union, ersetzt durch ein neues, grünes Glaubensbekenntnis: Natur statt Gott.

Als es sich ursprünglich um ein reines Bekenntnis zur Bewahrung der Schöpfung handelte, wie das die wirklich naturverbundenen, konservativen Gründer der Grünen (Gruhl, Springmann etc.) einmal wollten, war das begrüßenswert.

Wenn aber dieses Bekenntnis zu einem Ersatzglauben mutiert, indem die Natur zum neuen Götzen erhoben wird, müßten bei einer christlich-demokratischen und –sozialen Partei alle Alarmglocken schrillen. Aber Fehlanzeige!

Stattdessen saugen beide  Parteien  –  da sind sie wirklich „Schwestern“  –  die „hehren“ Ziele der Ökobewegung auf wie ein trockener Schwamm.

Grün hat fertig…

Opfer dieser Abwendung von christlichen, abendländischen Grundwerten sind zynischerweise die Verursacher dieser „Wende“: die Grünen selbst. Sie haben fast alle Parteien mit ihren gefährlichen Ideen durchsetzt und sich letztlich dadurch überflüssig gemacht. Ihre Altvorderen haben sich inzwischen überholt, haben abgedankt oder „retteten“ sich in neue Positionen (z. B. Claudia Roth ins Amt der Bundestagsvizepräsidentin). 42252-3x2-teaser190x127

Das Konzept, den Menschen bedingungslos der Natur unterzuordnen und seine Bedeutung auf ein „rein biologisches Gattungswesen unter anderen Lebewesen“ zu reduzieren, ging schief.

Dieser grüne Plan stammt aus der Zeit, in der das „grüne Kalb“ der Öko-Bewegung, der ehemals „hochheilige Marxismus“, weltweit scheiterte und in eine neue, „grüne“ Ideologie umgewandelt werden mußte  –  unter Beibehaltung aller marxistischen Kernsätze.

Ökologie als weltfremde Ersatzreligion

Daß wir als Menschen Teil der Natur sind, ist unbestritten. Daß der Mensch sich aber der von den Grünen neu definierten „Natur à la Marx“ unterordnen soll  –  ein solches Konzept, das unserem christlichen Schöpfungsauftrag widerspricht, mußte über kurz oder lang politisch scheitern, weil es an der wahren Natur des Menschen vorbeizielt. Gemerkt haben wir dies allerdings sehr spät, vielleicht zu spät.
CIMG0769

Die Grünen führen jetzt buchstäblich ein Schattendasein: Sie stehen im Schatten der Alt-Parteien, und ihre aktuelle Führungsriege steht samt und sonders im Schatten ihrer Vorgänger  –  was übrigens zu der eher belustigenden Feststellung führt, daß die Parteibasis sich vernehmbar nach Trittin & Genossen zurücksehnt.

Die neue grüne Führung wird aber  –  wie das in der Politik üblich ist  –  den Kampf um Posten und Pfründen nicht aufgeben, und sei es um den Preis der eigenen Verrenkung. „Wir tun so, als ob wir aus der Niederlage gelernt hätten“, raunen sie in ihren Hinterzimmern. Ihr grünes, messianisches Sendungsbewußtsein werden sie aber weiter pflegen.

Keinen grünen Träumen nachhängen

Und deshalb müssen wir wachsam sein  –  oder zumindest aufwachen. Politik darf  sich nicht einer „schwammig definierten Natur“ hinwenden, der sich der Mensch – unter Preisgabe aller bürgerlichen Freiheiten  –  zu unterwerfen hat.

Die Werte  „Freiheit-Gerechtigkeit-Solidarität“ dürfen nicht ideologisch verzerrt, manipuliert und vor allem nicht beliebig uminterpretiert werden von grünen Weltverbesserern, deren Arroganz der Macht den Bürger zum grünen Sklaven machen will.

Soweit zu den Grünen. Das nicht rechtzeitig erkannt zu haben, ist eines der größten Versäumnisse der Union. Für die, die dies nicht merken (wollen): Die Erkenntnisse aus der Entwicklung der und zur „grünen Bewegung“ sind für uns höchst wichtig. Denn nur so kann man verstehen, auf welch´ abenteuerlichen Weg sich CSU und CDU begeben, wenn sie weiter grünen Träumen nachhängen.

Schwarz-Grün: CSU und CDU zahlen einen hohen Preis

Auch wenn die Unionsparteien unter prägender Führung von Angela Merkel und Horst Seehofer Stimmengewinne bei den Bundestagswahlen erzielt haben, so müssen sie sich darüber klar sein, daß der Preis hierfür sehr hoch war. Beide Parteien werden ihn auch noch auf viele Jahre hin weiterzahlen müssen: 032_29A

Die unkritische Übernahme vieler Grundpositionen der Grünen (Atom-Ausstieg, CO2-Emissionsgesetz, Familie, Abtreibung usw.) und von Positionen  der Sozialdemokraten (politische Mindestlohnforderung als erster Schritt einer Zerstörung der Tarifautonomie zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften, KITA, Wehrpflicht u.v.m.) hat die Grundwerte „Freiheit-Gerechtigkeit-Solidarität“ sowohl inhaltlich als auch in ihrer Rangfolge völlig verändert. 

Die frühere Rangfolge lautete: Erstens Freiheit zuerst! Zweitens Gerechtigkeit für alle Bürger und dann drittens Solidarität!

Heute lautet diese Rangfolge: Erstens „Solidarität!“  –  alle vier Jahre bei den Wahlen  –  und nur bei den Wahlen, bitteschön (gemeint ist die Solidarität der Wähler mit den Regierenden aus den Reihen der CDU/CSU. Keinesfalls bedeutet es: Solidarität der Regierenden mit jedem einzelnen Bürger).

Dann zweitens „Gerechtigkeit“: „Wir sorgen für Gerechtigkeit durch Umverteilung der Gelder aus dem Staatshaushalt“. Und wenn da nichts mehr umzuverteilen ist, weil „Europa“ die Deutschen auffordert, die anderen Pleite-Länder mit Billionen-Beträgen „im Boot“ zu halten, dann gibt es halt nichts mehr, was von oben nach unten an den einzelnen Bürger durchsickern könnte bei diesen „wichtigeren“ Zahlungspflichten“ (EU-Rettungsschirm, Kosten des Afghanistan-Einsatzes, Bankenrettung, Euro-Rettung, Schuldentilgung usw.).

Griechenland-„Rettung“ blockiert besseres Gesundheitswesen

Vergleicht man die Summen, die jährlich von unserem Staat an hilfsbedürftige Mitmenschen ausgeschüttet werden (Kranke, Alte, Arbeitslose, kinderreiche Familien usw.), dann sind diese sozialen Hilfen prozentual gesehen lediglich „Peanuts“ gegenüber den internationalen Zahlungen.

750 Milliarden Euro für Griechenland! Mit nur einer Milliarde Euro aus dieser Hellas-Hilfe, die in Wirklichkeit noch viel höher sein dürfte, wäre das Gesundheitssystem gerettet, und die Ärzte könnten ihre Patienten endlich wieder „bestens“ und nicht  –  wie heute  –  „gerade eben ausreichend“ mit Medikamenten und Operationen versorgen!

Hätten für die Rettung Griechenlands nicht statt 750 Mrd. vorerst auch 749 Milliarden Euro gereicht?  –  So hätten wir im Gesundheitswesen keinen menschenverachtenden Sparzwang mehr! Die deutschen Zahlungsverpflichtungen bezüglich Europa und der Welt sind auch im Vergleich zu den Zahlungen an die hilfsbedürftigen Mitbürger erdrückend hoch!  reichstag_flaggen_368s

Der einzelne Bürger bleibt auf der Strecke  –  und das gilt nicht nur für die „Hartz-IV-Zahlungen“ an sozialbedürftige Dauerarbeitslose, das gilt insbesondere für die staatlichen Ausgaben z. B. für dringend nötige öffentliche Investitionen  –  die führende Industrienation der Welt leistet sich marode Straßen, Brücken, Schulgebäude etc.

Vor allem aber stehen mehr Ausgaben an für Bildung, Ausbildung und Förderung all der jungen Menschen, die perspektivlos in eine düstere Zukunft blicken mit drohender Jugendarbeitslosigkeit, mangelnden Studienplätzen und katastrophalen Zukunftsaussichten.

Programmatischer Paradigmen-Wechsel der Union

Aber beim früher an erster Stelle stehenden Grundwertbegriff der Freiheit eines jeden Bürgers zeigt sich der Paradigmenwechsel innerhalb der CDU und der CSU besonders deutlich:

Im früher geltenden Freiheitsbegriff gab es zwei Dimensionen: die „Freiheit von“ (z.B. von Gewalt, Krieg, Zwang, Ungerechtigkepc_piit, Not, Hunger, Armut, Unterdrückung usw.) und die „Freiheit zu“ (Eigenverantwortung, selbständiges, staatlich gewolltes und tatkräftig unterstütztes freies Unternehmertum, Freiheit zu schöpferischer Tätigkeit, Freiheit, sich politisch permanent und zu jedem Zeitpunkt erfolgreich von unten nach oben persönlich einbringen zu können usw.).

Die „Freiheit zu“ wurde überall mehr und mehr eingeschränkt, z.B. durch höchste bürokratische Hürden, die niemand mehr erfolgreich und zeitgerecht überwinden kann, durch eine Hochsteuerpolitik, die dem Einzelnen jede Motivation nimmt, selbständig tätig zu werden und seine Ideen zu realisieren  –  aber ohne diese innovativen Ideen kommt unsere Wirtschaft über kurz oder lang zum Erliegen!

„Leistungsgesellschaft“ ist eine Vokabel aus den Abgründen des alten kapitalistischen Un-Menschen und per se von Übel. Mit einer völlig verfehlten, aber den Umverteilungszwecken nützlichen Steuerpolitik wird aus der Leistungs- eine Umverteilungsgesellschaft, ein neuer Sozialismus.

Schwarz-rot-grüne Bevormundungspolitik

Was der „alte“ Sozialismus nicht schaffte, versuchen nun Gutmenschen von Rot/Grün und auch von einem vermerkelten und verdrehhoferten Schwarz zum Erfolg zu führen  –  teilweise offen, aber auch subkutan, unterschwellig.

Die Große Koalition aus CDU/CSU/SPD ist sich  –  im Schulterschluss mit der so gut wie gar nicht vorhandenen Opposition aus Grünen und Linkspartei  –  in allen zentralen Punkten der Bevormundungspolitik einig. 

Und ihre freiheitsfeindlichen, neosozialistischen Werte und Ziele dienen nur der Entmündigung und der Unterdrückung der ehemals freien Bürger: „Big brother is watching you“ – von den Aktivitäten der NSA, vom Datenmißbrauch bis hin zur permanenten Überwachung aller Bürger in unserer Republik!

Innerparteiliche „Freiheit“ zum Abnicken

Und nicht zuletzt ist die Freiheit zur ständigen Mitwirkung bei der Themenfindung und Diskussion von politisch bedeutsamen und anstehenden Problemlösungen gesellschaftlich generell, aber vor allem auch innerhalb der Parteien auf einen Nullpunkt gesunken.

Bei Parteitagen nicken die Delegierten die vom Parteivorstand vorformulierten Anträge lediglich gehorsam und untertänigst ab – immer darauf achtend bzw. beobachtet, die „political correctness“ sorgfältig einzuhalten. Politische Inhalte werden von oben nach unten vorformuliert und durchgewinkt – eine unter Seehofer in die CSU fast einbetonierte Art von Staatsraison. So zerstört man demokratische Grundordnungen und eine lebendige Streitkultur. 159481-3x2-teaser296

Dieses Verhalten und ähnliche Verhaltensweisen der „Eliten“ in Berlin und München führten bei vielen Bürgern zu einer Politikverdrossenheit nach dem Motto: „Die da oben machen ja doch, was sie wollen!“

Und so kommt es, daß sich die demokratische Mitwirkung des Einzelnen fast nur noch auf die Stimmabgabe bei Wahlen konzentriert. Und gerade bei den Nichtwählern zeigt sich, daß etwa jeder vierte noch nicht einmal mehr seiner legitimen Stimmabgabe zutraut, demokratisch etwas im Lande zum Besseren wenden zu können.

Eine lebendige Demokratie lebt von der permanenten Mitwirkung all ihrer Bürger. Die Bundesrepublik ist demnach ein langsam absterbender, demokratischer Staat, ein Pulverfaß vieler unzufriedener und scheinbar machtloser Bürger, die zahlenmäßig von Wahl zu Wahl immer bedeutender werden  –  entweder als Nichtwähler oder als Wähler von Splitterparteien. Diese größer werdende Zahl der sich ohnmächtig fühlenden Bürger wird eines Tages nicht mehr bereit sein, „demokratische Spielregeln“ einhalten zu wollen. Die Zeitbombe tickt!

Zurück zu altbewährten Werten

Würden CDU und CSU jetzt aufwachen, sich endlich rückbesinnen auf ihre christlichen Wurzeln sowie auf ihre freiheitsgarantierenden Grundwerte und sich rasch der großen Gruppe unzufriedener Demokraten in wohlwollender Diskussionsbereitschaft öffnen, dann könnte es ihnen gelingen, zurückzufinden zu ihrer alten, inhaltlich so wertvollen politischen Seele, die stets ihre christlichen Werte verteidigte und in den Mittelpunkt ihrer aktiven Politik stellte.

Andernfalls wird die Union schon bald erleben, daß andere Parteien deutlich an Stimmen hinzugewinnen könnten  –  auf Kosten des Unions-Stimmenanteils. Die CSU hat dies bei der letzten Wahl zum Europaparlament bereits kräftig zu spüren bekommen. (Auf Konsequenzen daraus unter Seehofer darf allerdings gewartet werden.) 0022

Hier lohnt es sich, einmal aufmerksam zur SPD zu schielen, deren linker Flügel  –  abgespalten von der „alten“ Sozialdemokratie  –  nahezu geschlossen zur „Linken“ hinüberwechselte und dort führende Rollen übernahm (Lafontaine, Maurer & Genossen). 

Mit einem Stimmenanteil von vielleicht je 20 – 25% würden sowohl CDU/CSU als auch SPD nur noch als „Große Koalition“ oder mit mindestens zwei, drei kleineren Koalitionspartnern in der Lage sein, unser Land zu regieren. Aber eine solche „Patchwork“-Regierung wäre  –  ähnlich wie in Italien  –  erheblich geschwächt in ihrer politischen Durchsetzungskraft bei überlebenswichtigen, nationalen Fragen, was bis zu einer Regierungsunfähigkeit gehen könnte mit wiederholt drohenden Neuwahlen. Eine solche Instabilität gäbe unserer Demokratie den Rest!

Zeitgeist und Konturlosigkeit

Die Union, noch immer gut für rund vierzig Prozent der Wählerstimmen, ist dabei, sich an der Zwanzig-Prozent-Partei SPD und deren Wurmfortsatz „Die Grünen“ zu messen. Das muß schon deshalb schiefgehen, weil CDU und CSU nie echte Programmparteien, nie ein geschlossener politischer Kampfverband waren, nie ein programmatisches Kampfbild hatten wie z. B. den Traum vom Sieg der Arbeiterklasse.

Die Union war stets eine Machtpartei – auf festem Fundament, das gerade eben durch Beliebigkeit unterhöhlt wird. Diese Rolle konnte sie in den letzten sieben Jahrzehnten nur wahrnehmen, weil sie stets versucht hat, die unterschiedlichen Gesellschaftsgruppen zu integrieren und sich nie auf nur eine Seite der Gesellschaft zu schlagen.

Christsozialdemokratische Kehrtwende

Die Union verliert nicht nur Positionen, sondern vor allem Mitglieder  –  auch in Bereichen, die früher einmal Hochburgen der Union waren. Längst geschliffen vom christsozialdemokratischen Zeitgeist!

Seit der Vorsitzübernahme der CDU durch Helmut Kohl wurde an der „Wende“ gebastelt und gedreht. Aber statt der erwarteten „Wende zu den bewährten Werten“, die Kohl vor seiner Wahl versprochen hatte, gab es eine eindeutige Wende nach links, unterstützt durch Heerscharen ehemals sozialistisch erzogener Kader.  image

Der Trend war gesetzt, die Union marschierte nach links, erleichtert durch eine mehr und mehr versagende SPD und in den letzten Jahren unterstützt durch eine zunehmend orientierungslso wirkende CSU. Die „Modernisierer“ witterten ihre Chance und nahmen sie wahr, insbesondere seit Merkel Vorsitzende der CDU und Seehofer Vorsitzender der CSU geworden war.

Nach all den Richtungswechseln der CDU (und der CSU besonders), nachdem zentrale Markenkerne der Partei geräumt wurden, soll mir  ´mal jemand klarmachen, wieso die Partei immer noch Bedarf sieht, sich „moderner“ zu geben! (Was ist das überhaupt, „moderner“?) Bei aller Buntheit der Gesellschaft  –  muß man selbst bunter werden, um erkennbar zu bleiben? Aber nur wenn ich erkennbar bin, weiß man, wo ich stehe.

Seit der Vorsitzübernahme der CDU durch Helmut Kohl wurde an der „Wende“ gebastelt und gedreht. Aber statt der erwarteten „Wende zu den bewährten Werten“, die Kohl vor seiner Wahl versprochen hatte, gab es eine eindeutige Wende nach links, unterstützt durch Heerscharen ehemals sozialistisch erzogener Kader. Der Trend war gesetzt, die Union marschierte nach links, erleichtert durch eine mehr und mehr versagende SPD.

Die „Modernisierer“ witterten ihre Chance und nahmen sie wahr, insbesondere seit Merkel Vorsitzende der CDU geworden war.

CSU mit Horst Drehhofer: zeitgeistkonform

Wer sich Anbiederung zum Programm macht, braucht sich nicht über mangelnde Erkennbarkeit zu wundern. Beliebigkeit kann niemals ein Parteiziel sein. Aber die Union ist drum und dran, „Anbiederung“ zum Programm zu erheben. Und erhält dabei Rückendeckung  –  man glaubt es kaum  –  ausgerechnet vom CSU-Vorsitzenden Horst Seehofer, dem nicht von ungefähr der Schimpfname „Drehhofer“ verliehen wurde.

Anders ausgedrückt: Die Union erklärt, sie wisse, wen sie gewinnen wölle. Sie weiß nur  nicht, wie. Sie will „die jungen Menschen, die Frauen und die Ausländer“ gewinnen und die Partei „jünger, weiblicher und bunter“ machen. Aber die „alten“ Mitglieder wissen nicht mehr, was ihre Partei eigentlich will.

Wer spricht noch von Familie, von Bildung, Wahrung deutscher Interessen und Interessen Deutschlands, von Nation, von innerer und äußerer Sicherheit, von abendländischen Werten usw.? Die Alten fremdeln, die Neuen kommen gar nicht erst.

Integration der Bürger innerhalb der deutschen Gesellschaft war der Erfolgsschlüssel der Union  –  weshalb sie auch lange darauf bestand, daß sich Ausländer in diese Gesellschaft integrieren und nicht wir uns den Ausländern anzupassen haben.

Und wenn der neue Generalsekretär der CDU, Tauber, unter Beifall Seehofers verkündet (Focus 18/2014): „Wir wollen die Union für Zuwanderer werden“, wird die Tradition der Union auf den Kopf gestellt. Kann das eine erfolgversprechende Strategie der Unionsparteien sein – Konturlosigkeit um jeden Preis?

Falsche Appeasement-Politik

Auch wenn es die Altvorderen nicht hören wollen und die Erkenntnis bitter ist: In den letzten zwanzig Jahren „wollten“ sich  –  wollten die Mitglieder dies wirklich?  –  die Unionsparteien  mit jeder Reform „für neue Herausforderungen öffnen“, für neue und moderne Entwicklungen. Eilfertig sind sie jeder „Öffnung“ nachgelaufen, dem Zeitgeist hinterhergehechelt und haben ihr Programm „reformiert“.

Was hat´s gebracht?  – Die Union ist immer mehr nach links gerückt, aber der Erfolg blieb aus. CSU und CDU boten zwar „neue Programme“, aber die „neuen Wählerschichten“ haben ihr eins gehustet. Das Original (Grüne, SPD) zu wählen, scheint allemal besser.

Wenn nun die (gewiß bittere) Erkenntnis der Herren Seehofer und Tauber lauten sollte, die CDU müsse dann eben noch weiter nach links rücken, trifft sie sich bald auf der Ebene der Sozialdemokraten und der Grünen, also in den unteren Etagen.

Die Zusammenhänge anders deuten zu wollen, erinnert fatal an die drei Affen, die nichts sehen wollen, nichts hören wollen und nichts sagen wollen. Falsche Appeasement-Politik hat Europa bereits einmal in eine allerschrecklichste Katastrophe gestürzt. 

Heute verblüfft immer wieder, wie selbst Liberale freudestrahlend für Ideen eintreten, die mit liberalen Grundwerten aber auch gar nichts zu tun haben – und die sich damit, vielleicht unbeabsichtigt, dem Zeitgeist anpassen und somit letztlich zum Totengräber unserer liberalen Grundordnung werden und unsere Freiheit zerstören. Den Sozialismus in seinem Lauf halten solche Esel gewiß nicht mehr auf.

Ausweg aus diesem drohenden Dilemma

Die CDU muß sich auf ihre Tugenden von einst, vor allem auf ihre unverfälschten Grundwerte, rückbesinnen und diese wieder  –  sichtbar für alle  –  in den Mittelpunkt ihres Handelns stellen. Sie muß zum Erhalt einer lebendigen Demokratie wieder zurück an die Basis, zu jedem einzelnen Bürger, in Demut(!) und Pflichterfüllung, aus Nächstenliebe und aus Liebe zu unserem Land und zu unserer Demokratie.Logo Christustag

Wir müssen uns von den Fesseln der uns überbordenden und erstickenden Bürokratie befreien. Eigenverantwortung, Kreativität und Ideenreichtum müssen im Sinne eines unseren Wohlstand sichernden Pluralismus an Ideen und Meinungen schnellstens gefördert und garantiert werden. 

Die Vernunft der Gehirne von achtzig Millionen Bundesbürgern produziert wesentlich bessere, effektivere und innovativere, vielfältigere, wertvollere Ideen als die in Selbstgefälligkeit saturiert im Bundestag sitzende „Pseudo-Elite“, die vorformulierte Kabinettsbeschlüsse abnickt und – von oben diktiert – dem jeweiligen Fraktionszwang unterliegt.

Die Union sollte darüber hinaus ihre Werte-Ordnung und -Definition rückbesinnend auf ihre christlichen Wurzeln zur Parteigründerzeit in die richtige Rangfolge bringen. Das dürfte aber Merkel und Seehofer gewiß schwerfallen. Aber warum sollte es nicht?!

Ein neuer Aufbruch aus der CSU?

In diese Herausforderung, in diese Debatte kommt plötzlich ein neuer Wind:

Seit einigen Monaten macht sich ein neuer Aufbruch bemerkbar – vorwiegend von jüngeren Parteimitgliedern, die den Ernst der Lage erkannt haben (http://www.konservativer-aufbruch.de/).  

Das ist gut so, denn in den Älteren  –  wie dem Autor dieses Artikels, der sich mit allerlei Mühe, aber vergeblich mit der „Aktion Linkstrend stoppen“ an der CDU abgearbeitet hat  –  ist das Feuer fast ausgetreten worden (vielleicht glimmt noch etwas Glut). zeitungen

Der junge „Konservative Aufbruch“ hat das programmatische Defizit der Union erkannt und ein Gründungsmanifest vorgestellt, das den CSU-Oberen kaum viel Freude bereiten dürfte.

Und es bereitet Hoffnung, daß die mediale Berichterstattung ganz ungewohnt positiv ist, darunter auch „große“ Medien wie Handelsblatt, Rheinische Post, Welt am Sonntag, Spiegel, Die Welt, BILD usw.

Journalisten haben ein feines Gespür für alles, was den Zeitgeist beeinflussen könnte.

Keine Rebellengruppe, aber professionell

Zu oft drohte solchen Initiativen in  der beinahe Selbstkritik-unfähigen Union das Aus  –  sei es wegen persönlicher Diffamierung, sei es durch „Rauskauf“ durch ein Ämterangebot oder aus Resignation wegen „Leerlaufenlassens“. Das Arsenal von Partei-Patriarchen, mißliebige, unbotmäßige Mitglieder mundtot zu machen oder aus dem Verkehr zu ziehen, ist schier unerschöpflich.

Phänotypisch eine alsbaldige Meldung der Bayerischen Staatszeitung vom 29. Juni d. J., deren Reporter in der Einleitung zu seinem Artikel leider ein paar Punkte „nicht ganz korrekt“ dargestellt hatte, was David Bendels, Mitgründer des „Konservativen Aufbruchs“, postwendend klarstellte:

„Wir sind keine ´Rebellengruppe`, sondern unsere Initiative setzt sich in einem konstruktiven, innerparteilichen und basisdemokratischen Diskurs dafür ein, dass die CSU auch in Zukunft die Heimat der konservativen Mitglieder unserer Partei bleibt bzw. wieder zu einer solchen wird! Durch inhaltliche Sachdiskussionen! Personalfragen sollten nie im Vordergrund stehen.“

„Konservativer Aufbruch“ startet professionell

Ihm und seinen Mitgründern mißfällt der „linkslastige Abwärtstrend der CSU“. Besser hätte man es nicht auf den Punkt bringen können.

Der neue „Konservativer Aufbruch“ hebt sich durch einige Punkte von den üblichen innerparteilichen, meist gescheiterten „Bewegungen“ ab:

1. Es sind junge Leute, die höchst professionell an die Aufgabe herangehen

2. Sie haben ein klares Grundsatzprogramm, das der CSU ins Fleisch schneidet

3. Auch die Pressearbeit der Gruppe ist professionell, das Medienecho ausgezeichnet – auch und gerade durch die meinungsbildende Presse.

4. Mit steigender Aktivität reagiert die CSU-Führung zunehmend nervös. Es bleibt abzuwarten, wann der erste „Maßnahmen-Schritt“ erfolgt.

Dazu zählen bewährte Funktionärswerkzeuge: z. B. „Einladung zum Gespräch“, Diskreditierung in der Partei (und nach außen), „Abwerbung“ der führenden Aufbruchsaktivisten bzw. Köderung durch wichtige Posten (also Verpassen von Maulkörben), „technische Pannen“ beim Informationsfluß zum Aufbruch. Man wird sehen.

Ich bin durch die Schule von Helmut Kohl und Edmund Stoiber gegangen und könnte ein Buch schreiben über das, was mir dort begegnet ist.

5. Die neue Gruppe zeigt keinerlei Nervösität im Umgang mit der CSU (und den Medien) und sucht nicht die persönliche Konfrontation, sondern nur die programmatische etc.

Im traditionellen Chinesischen Staatszirkus gab es ein Ritual, das den Artisten Glück bringen sollte: Vor jeder neuen Nummer hieß es: „Möge die Übung gelingen!“

Das sollte im Bayerischen Staatszirkus nicht anders sein. Viel Erfolg!

Unser Autor, der freiberufliche Publizist Peter Helmes war viele Jahre Bundesgeschäftsführer der Jungen Union, Hauptgeschäftsführer der CDU/CSU-Mittelstandsvereinigung und er gehörte 1980 zum Bundestags-Wahlkampfstab von Franz Josef Strauß.

Helmes betreibt die liberal-konservative Internetseite www.conservo.wordpress.com

 


Kirche/Staat: Kretschmanns Wunschkirche nach rotgrünem Muster

Mathias von Gersdorff

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann und der Europarlamentarier Sven Giegold  –  beide von Bündnis 90 / Grüne  – haben am 6. Juni 2014 der Öffentlichkeit ihre „Religionspolitischen Thesen“  präsentiert. stuttgart 009a

Im Thesenpapier bekennen sie sich zu einem „kooperativen Verhältnis“ zwischen Staat und den Kirche und lehnen einen laizistischen Staat, der nichts von Kirche und Religion wissen, entschieden ab. 

FOTO: Mathias von Gersdorff als Redner bei der Stuttgarter Elternrechts-Demonstration

Die Grünen sind dabei, ihr Verhältnis zu den Kirchen zu definieren. Die Kommission „Weltanschauungen, Religionsgemeinschaften und Staat“ wurde vom Bundesparteivorstand dazu gebildet.

Der Appell Kretschmanns und Giegolds steht im scharfen Kontrast zu manchen Strömungen bei den Grünen, die sich einen Laizismus nach französischem Vorbild wünschen.

Wer die heftigen Auseinandersetzungen rund um den „Bildungsplan 2015“ verfolgt hat, wundert sich möglicherweise, wenn er hört, Kretschmann wolle eine gute Kooperation zwischen Kirche und Staat fördern.

Laut Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung haben die Kirchen auf das entsprechende Arbeitspapier praktisch keinen Einfluß gehabt, während die Überlegungen mancher Lobbygruppen nahezu wörtlich übernommen worden sind.

Die Kirchen als sinnstiftende Gemeinschaften… 

Dennoch betont Kretschmann stets, er sei katholisch. Außerdem ist er Mitglied des „Zentralkomitees der deutschen Katholiken“. Überhaupt ist die Überlegung bei manchen Grünen, ein besseres Verhältnis zu den (christlichen) Kirchen, anzustreben, nicht ganz neu. Immer wieder flackerte die Diskussion auf, wenn über mögliche Koalitionen mit der Union diskutiert wurde. Jesus am Kreuz - Dom St Peter

Kretschmann und Giegold befürworten durchaus eine starke Einmischung der Kirchen in das öffentliche Leben Deutschlands. Keineswegs sollen sie sich in das rein Private zurückziehen. Sie sollen sogar den Staat kritisieren und ihn so vor „Allmachtsphantasien“ bewahren.

Der Staat soll die Kirchen als Teil der Zivilgesellschaft ansehen und sogar fördern, um die Religionsfreiheit zu gewähreisleisten. Die Kirchen sollen als wichtige sinnstiftende Gemeinschaften angesehen werden, die nicht nur positiv die Gesellschaft prägen können, sondern auch auf den Transzendenzbezug des Menschen hinweisen.

Der Laizismus wird stark angegriffen: „Der Laizismus ersetzt hingegen tendenziell Religion durch Zivilreligion und maßt sich damit an, den Freiheitsraum der Bürger_innen ganz oder teilweise schon auszugestalten. Die extremste Spielart einer solchen Zivilreligion ist der Nationalismus.“

Dieses Wohlwollen den Kirchen gegenüber bedeute allerdings nicht, daß „die Standpunkte und Lebensäußerungen der Religionsgemeinschaften für uns nicht sakrosankt oder unkritisierbar sind.“

Der Teufel steckt im Detail…

Im zweiten Teil des Thesenpapiers erläutern Kretschamnn und Giegold, wie sie sich nun die Kooperation zwischen Kirche und Staat vorstellen. Hier erkennt man die wahre Stoßrichtung des Papiers.

So wird gefordert, daß die sogenannten Stillen Feiertage, also kirchliche Feiertage wie etwa Karfreitag, die einen besonderen Schutz genießen und an denen beispielsweise keine Tanzveranstaltungen stattfinden dürfen, abgeschafft werden. pic_526a50cce0863

Das kirchliche Arbeitsrecht sollte nach Ansicht von Kretschmann und Giegold gelockert werden: „Wir setzen uns als Christen in unseren Kirchen dafür ein, daß eine lesbische Ärztin oder ein geschiedener wiederverheirateter Erzieher sehr wohl in kirchlichen Einrichtungen arbeiten können, weil wir der Überzeugung sind, daß ihre Mitarbeit den kirchlichen Verkündigungsauftrag nicht in Frage stellt.“

Da sie der Überzeugung sind, der Islam gehöre zu Deutschland, fordern sie die Einführung des islamischen Religionsunterrichts in den Regelschulen, auch im Hinblick auf die „Verbreitete Angst vor dem Islam“. Der Blasphemieparagraph 166 StGB sollte abgeschafft werden.

Auffällig an diesen Forderungskatalog ist die Tatsache, daß gerade in diesen Punkten das Christentum in Deutschland in der Lage ist, auf Konfrontation zum modernen Zeitgeist zu gehen. Gotteslästerungen führen regelmäßig zu wütenden Protesten. Die ganzen Themengebiete Homosexualität, sexuelle Vielfalt, Gender-Theorie widersprechen dermaßen der kirchlichen Lehre und dem christlichen Menschenbild, daß sich hier eine tiefe Kluft zwischen Christentum und „Welt“ aufreißt.

Dem Zeitgeist unterordnen?

Wenn diese Inhalte zudem Bestandteil des Schulunterrichts werden sollen, kommt es zu Protesten, wie sie in Baden-Württemberg schon seit Monaten stattfinden. Und das kirchliche Arbeitsrecht ist ein Signal an den Staat, daß manche ihrer Gesetze eben nicht mit dem Christentum konform sind, wie beispielsweise die staatliche Anerkennung von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften. kleines-rituale

Würden sich die christlichen Kirchen auf diese Forderungen einlassen, so würden sie sich endgültig dem Zeitgeist unterordnen. Nicht nur ihr Profil, sondern auch ihre Substanz wäre verloren.

Solche Kirchen hat es schon gegeben. So ließ Stalin die Orthodoxe Kirche in der Sowjetunion wieder aufleben, nachdem sie von dem Geheimdienst KGB unterwandert wurde. In der DDR waren weite Teile der Evangelischen Kirche dem kommunistischen Staat ergeben.

Was Kretschmann im Grunde anstrebt, sind Kirchen, die vielleicht mal Kritik üben, sich aber der geltenden Staatsideologie anpassen. Für die Grünen gehört die Gender-Ideologie (sexuelle Vielfalt usw.) zum Kern ihrer Staatsdoktrin.

Weil Kretschmann eben diese Auffassung vertritt, fällt es ihm nicht schwer, auf der einen Seite eine „Kooperation zwischen Kirche und Staat“ hochzupreisen, auf der anderen Seite die Gegner des „Bildungsplanes 2015“ zu bekämpfen. Die letzteren gehören nämlich zu denjenigen Christen, die noch der Überzeugung sind, in gewissen Fällen müsse man kämpfen und in scharfer Konfrontation zum Staat gehen.

Solche Christen mag Kretschmann nicht. Christen sollen für die Abschaltung der Atomkraftwerke, für die Abrüstung oder für die Gleichberechtigung der Frauen in der Dritten Welt kämpfen, aber nicht gegen die Einführung eines Homo-Unterrichts im ersten Grundschuljahr.

Unser Autor Mathias von Gersdorff ist katholischer Publizist, Leiter der Frankfurter Aktion „Kinder in Gefahr“ und betreibt das Webmagazins „Kultur und Medien heute“

Erstveröffentlichung dieses Beitrags in der Wochenzeitung „Junge Freiheit“

2. Foto: Bistum Regensburg