Von der Jugendbewegung bis zu Papst Benedikt: „Die Kirche erwacht in den Seelen“

Von Felizitas Küble

Papst em. Benedikt ist offensichtlich geradezu fasziniert von einem berühmten Satz des großen Theologen und Priesters Romano Guardini: „Die Kirche erwacht in den Seelen.“

Er hat diese Aussage an entscheidenden Stellen öffentlich zitiert:

Zunächst in seiner Abschieds-Ansprache an die Kardinäle vom 28.2.2013, dem letzten Tag seiner Amtszeit  – ein höchst trauriger Anlaß freilich, was gerade bei den Irrungen und Wirrungen im Pontifikat des jetzigen Papstes Franziskus immer deutlicher wird.

Die Vatikanzeitung Osservatore Romano hat diesen Satz Guardinis damals sogar als Titel ausgewählt:  http://www.osservatoreromano.va/de/news/die-kirche-erwacht-in-den-seelen

Benedikt sagte in dieser Rede, die Kirche sei „keine erfundene Institution…, sondern eine lebendige Wirklichkeit… Die Kirche lebt durch die Zeit weiter …und ihr Herz ist Christus.“ – Der Heilige Geist belebt die Kirche, so daß sie „wirklich aus der Kraft Gottes lebt“.

Die Kirche sei „in der Welt, aber nicht von der Welt“. Er fügte hinzu: „Deshalb ist auch die andere Formulierung von Guardini wahr und beredt: ‚Die Kirche erwacht in den Seelen.‘“ 

Stirbt die Kirche in den Seelen?

Der ehemalige Pontifex erwähnte diesen Leitsatz Guardinis auch in seinem kürzlich veröffentlichten Grundsatzartikel zur Missbrauchskrise: https://charismatismus.wordpress.com/2019/04/13/papst-benedikt-zu-ursachen-des-missbrauchs/

Darin heißt es über das Geheimnis der Kirche:

„Unvergessen bleibt der Satz, mit dem vor beinahe 100 Jahren Romano Guardini die freudige Hoffnung ausgesprochen hat, die sich ihm und vielen anderen damals aufdrängte: „Ein Ereignis von unabsehbarer Tragweite hat begonnen; die Kirche erwacht in den Seelen.“

Er wollte damit sagen, daß Kirche nicht mehr bloß wie vorher ein von außen auf uns zutretender Apparat, als eine Art Behörde erlebt und empfunden wurde, sondern anfing, in den Herzen selbst als gegenwärtig empfunden zu werden – als etwas nicht nur Äußerliches, sondern inwendig uns berührend.

Etwa ein halbes Jahrhundert später fühlte ich mich beim Wiederbedenken dieses Vorgangs und beim Blick auf das, was eben geschah, versucht, den Satz umzukehren: „Die Kirche stirbt in den Seelen.“

In der Tat wird die Kirche heute weithin nur noch als eine Art von politischem Apparat betrachtet. Man spricht über sie praktisch fast ausschließlich mit politischen Kategorien, und dies gilt hin bis zu Bischöfen, die ihre Vorstellung über die Kirche von morgen weitgehend ausschließlich politisch formulieren.“

Damit hat Benedikt XVI. seine große Sorge um die Kirche zum Ausdruck gebracht: Stirbt sie in den Seelen?

Zugleich kritisiert er Tendenzen „bis hin zu Bischöfen“, die Kirche als „eine Art von politischem Apparat“ zu betrachten. Wenn diese oberflächliche Mentalität, die Kirche nicht als Werk des HERRN zu sehen, sondern eher als weltliche Einrichtung mit religiösem Anstrich, nicht überwunden wird, dann erstirbt die Kirche tatsächlich immer mehr in den Seelen.

Jugendbewegung und liturgische Erneuerung

Dabei waren die Zeiten auch nicht rosig, als der katholische Religionsphilosoph Guardini diesen berühmt gewordenen Satz formulierte. Die Phase nach dem 1. Weltkrieg war z.B. von wirtschaftlichen Nöten und politischen Turbulenzen geprägt.

Auch in der Kirche gab es gewisse Auflösungstendenzen infolge des theologischen Modernismus, der vielfach nur formal überwunden wurde. Zugleich gab es auf der anderen innerkirchlichen Seite manche Erstarrungen in äußere Formen und Gewohnheiten.

Die katholische Jugendbewegung versuchte eine Verinnerlichung und Durchgeistigung des kirchlichen Glaubens und Lebens. Führend war dabei der Schülerbund „Neudeutschland“ und die stark von Guardini geprägten „Quickborn“-Gruppen.

Auch der seliggesprochene Karl Leisner  –  ein junger Priester und Märtyrer der NS-Zeit  – lebte aus dem Geist der Jugendbewegung und dem damit verbundenen „Erwachen der Kirche in den Seelen“: http://www.karl-leisner.de/karl-leisners-beschaftigung-mit-dem-grosen-religionsphilosophen-romano-guardini/

Zugleich strebte die „Liturgische Erneuerung“ eine Vertiefung der eucharistischen Frömmigkeit an; sie betonte die „liturgische Haltung“, womit vor allem die bewußte innere und äußere Wertschätzung und Teilnahme an der hl. Messe gemeint war. Die kirchliche Liturgie sollte das Zentrum der persönlichen Spiritualität bilden.

Professor Romano Guardini bildete eine lebendige Brücke zwischen der Liturgischen Erneuerung und der kath. Jugendbewegung.

In seinem 1922 erschienenen Buch „Vom Sinn der Kirche“ heißt es daher gleich eingangs: „Ein religiöser Vorgang von unabsehbarer Tragweite hat eingesetzt: Die Kirche erwacht in den Seelen.“

 


Neujahrsempfang der nordrhein-westfälischen AfD-Fraktion im Düsseldorfer Landtag

Von Felizitas Küble

Die Landtags-Fraktion der AfD hat Mitglieder und Interessenten der Partei für den 11. Januar 2018 zu einem Neujahrsempfang in den Düsseldorfer Landtag eingeladen. Das Publikum war bunt gemischt; ich unterhielt mich z.B. angeregt mit einem jüdischen Besucher und einem muslimischen Studenten aus Afrika, die beide der AfD nahestehen.

Der AfD-Vorsitzende von NRW, Thomas Röckemann, begrüßte einzeln jeden der über 200 Teilnehmer persönlich.

Die Eröffnungsrede hielt Markus Wagner (siehe Foto), AfD-Fraktionsvorsitzender im Düsseldorfer Landtag. Der AfD-Parlamentarier erläuterte in seiner Ansprache die konservativen und freiheitlichen Positionen seiner Partei.

Er beschwerte sich über Benachteiligungen, die seine Fraktion im Landtag erlebt, vor allem aber auch darüber, daß es in der CDU immer mehr zeitgeistangepaßte „Progressive“ gäbe. Er meinte, unter einem Franz Josef Strauß (CSU-Chef und bayerischer Ministerpräsident) wären solche C-Vertreter „rausgeflogen“. 

Durch den Linksrutsch der Union vor allem unter ihrer Vorsitzenden Merkel sei die AfD die einzig wirklich konservative parlamentarische Kraft in Deutschland.

Der Fraktionschef wandte sich gegen die „Diesel-Zerstörung“, kritisierte die von Merkel herbeigeführte „Energiewende“ und den damit verbundenen Anstieg der Stromkosten. Große Skepsis äußerte er auch über die vor allem von den Grünen forcierte Einführung von Elektro-Autos, die uneffektiv und zudem umweltschädlich seien.

Hingegen begrüßte er das von der schwarz-gelben Landesregierung eingeführte Polizeigesetz, das überfällig gewesen sei, zumal die Innere Sicherheit schon zu lange vernachlässigt worden sei.

BILD: Fraktionschef Wagner im Gespräch mit einem afrikanischen Studenten und dem Vize-Vorsitzenden der AfD in Münster

Er erklärte zudem, nur durch den Druck einer starken AfD könne es gelingen, die CDU von links wieder in die politische Mitte zu rücken.

Zum Thema Linksextremismus sagte Wagner, diesen müsse man auch dadurch bekämpfen, daß man ihm staatlicherseits finanziell das Wasser abgrabe.

In diesem Zusammenhang erwähnte er das frühere Gesetz, wonach linke Gruppen nur dann Fördergelder von Behörden erhalten, wenn sie sich ausdrücklich zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung bekennen. Dies sei jedoch unter der schwarz-roten Koalition unter Druck der SPD wieder abgeschafft worden.

Dem Antrag der AfD-Landtagsfraktion auf Wiedereinführung des früheren Gesetzes habe die CDU nicht zugestimmt.

Nach diesem Impulsreferat folgte eine ausführliche Ansprache des Historikers und Buchautors Dr. Karlheinz Weißmann. Der Geschichtswissenschaftler hielt bereits im April 2018 in Münster eine Rede bei der AfD: https://charismatismus.wordpress.com/2018/04/26/dr-weissmann-ueber-den-kulturbruch-der-68er-revolte-und-die-fatalen-folgen/

HIER folgt der Bericht über seinen jetzigen Vortrag in Düsseldorf: https://charismatismus.wordpress.com/2019/01/12/historiker-karlheinz-weissmann-sprach-beim-afd-neujahrsempfang-in-duesseldorf/

 

 


Abtreibung: Mord mit weißen Handschuhen

Die Abtreibung eines ungeborenen Kindes wegen einer möglichen Behinderung ist Mord an einem Unschuldigen. Diese Ansicht vertrat Papst Franziskus am 16. Juni bei einer Ansprache im Vatikan.

Die erste Reaktion auf die Behinderung sei oft „Das machen wir weg“, sagte der Papst laut KNA: „Mord an Kindern – um ein ruhiges Leben zu bewahren, wird ein Unschuldiger plattgemacht.“ 

Dieses Verhalten sei vergleichbar mit der Euthanasie der Nationalsozialisten. „Heute tun wir dasselbe mit weißen Handschuhen“, erklärte Papst Franziskus.

Quelle und vollständige Meldung hier: https://www.idea.de/frei-kirchen/detail/papst-vergleicht-abtreibung-mit-euthanasie-der-nationalsozialisten-105664.html

 


Yom ha-Shoah: Holocaust-Gedenktag in Israel

In Israel wird heute Yom ha-Shoah, der Holocaust-Gedenktag, begangen. Am gestrigen Vorabend des Gedenktages fand die zentrale Gedenkzeremonie in der Holcaustgedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem statt.

In seiner Ansprache erklärte der israelische Staatspräsident Reuven Rivlin, es gäbe in Israel zwei Positionen gegenüber der Shoah:

Einerseits würde diese lediglich zu einem von Rassismus geprägten Ereignis von vielen in der Geschichte erklärt, bei dem die Juden Opfer Opfer geworden seien, wie an anderen Orten andere.

Der andere Ansatz betrachte die Welt nur noch durch die Brille der Shoah und sähe die Hauptaufgabe des Staates Israel darin, eine neue Shoah zu verhindern.

Beide Ansätze seien jedoch falsch. Der erste ignoriere die Singularität der Shoah und auch des Antisemitismus, der seit 2.000 Jahren existiere. Die Shoah sei nicht als Verbrechen gegen die Menschheit geplant worden, sondern mit dem Ziel das jüdische Volk in Gänze zu vernichten.

Der zweite Ansatz dagegen laufe Gefahr, die Welt einzuteilen, in die Gerechten unter den Völkern einerseits und antisemitische Nazis andererseits. Jede Kritik an Israel werde pauschal zu Antisemitismus erklärt. Ein solcher Ansatz gefährde die Gesellschaft nach innen, aber auch die Beziehungen nach außen. Das Judentum existiere nicht erst seit der Shoah, und es sei nicht die Angst gewesen, die das jüdische Volk 2000 Jahre lang im Exil am Leben gehalten habe.

Rivlin erklärte, das Gedenken an den Holocaust und die Lektionen, die aus dem Völkermord am jüdischen Volk gelernt werden könnten, basierten auf drei zentralen Säulen: Selbstverteidigung, ein gemeinsames Schicksal und Menschenrechte:

„Jeder Mensch ist nach Gottes Ebenbild geschaffen. Dies ist eine heilige Pflicht, der sich das jüdische Volk nicht entziehen kann und will. Immer. In jeder Lage. Deshalb können wir auch nicht schweigen angesichts der Schrecken, die sich in weiter Ferne ereignen und ganz sicher nicht derer, die auf der anderen Seite des Zauns stattfinden.“

Heute morgen, um 10 Uhr Ortszeit ertönte, wie in jedem Jahr, im ganzen Land die Sirene zur Erinnerung an die Opfer der Shoah. Während der zwei Minuten, die der Sirenenton anhält, kommt das Leben in Israel zum Stillstand.

Auch die Botschaft des Staates Israel in Deutschland hat eine Zeremonie zum Yom ha-Shoah veranstaltet. Angehörige der Botschaft reisten in die Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Bergen-Belsen, wo der Gesandte der Botschaft, Avi Nir-Feldklein, einen Kranz niederlegte.

Quelle: Israelische Botschaft in Berlin


Pfarrer Paul Spätlings Ansprache vom 19.1. auf der PEGIDA-Kundgebung in Duisburg

Wortlaut der Rede, die dem Priester ein Predigtverbot einbrachte:

Ich danke erstmal dem Vorstand, daß ich hier sprechen darf. Ich bin hier zum ersten Mal in Duisburg bei der PEGIDA. Ich bin aus diesem Grund hier, weil man bei der PEGIDA-Demonstration in Köln die Lichter ausgestellt hat am Kölner Dom – und ich halte das für sehr, sehr betrüblich: deswegen, weil es der Herr Dompropst am Vorabend des großen christlichen Festes der Erscheinung des HERRN, der heiligen Drei Könige getan hat.  DSC_0568

Es ist ein großer Festtag gerade in Köln, weil dort die Gebeine der hl. Drei Könige im Dom sind und der Dom für diese hl. Drei Könige gebaut worden ist.

Die hl. Drei Könige haben das Licht gesehen, das Licht Christi vom Stern  –  und dieses Licht ist ein Symbol – und dieses Licht wird einfach hier ausgeschaltet, nur weil Menschen friedlich zusammenkommen und gegen die Islamisierung Europas stehen.

Wenn ich mich nicht irre, haben die Christen Europas schon fast 1400 Jahre gegen den Islam kämpfen müssen, weil er in Europa eingefallen ist. Immer wieder hat sich Europa verteidigt, hat sich die Christenheit verteidigt – und jetzt seit etwa 20, 30 Jahren sollen wir das nicht mehr tun?

Gehört denn der Islam zu Deutschland? – Das ist doch ein unmögliches Wort, was die Frau Merkel dort gesagt hat.

Wenn ein großer spanischer Dichter Cervantes, der den „Don Quijote“ geschrieben hat, wenn er als junger Mann mit 21 Jahren bei der Schlacht von Lepanto seinen linken Arm verloren hat – Entschuldigung: seinen rechten Arm – und ist dann ein ganz großer Dichter geworden. Was hat der Mann auf sich genommen, damit die Türken von Europa ferngehalten würden?!Cervantes

Und dieser Dichter Cervantes ist abgebildet auf einem 20-Cent-Stück aus Spanien des Euro. Vielleicht schauen Sie mal drauf, vielleicht haben Sie ein Bild schon bekommen.

Ich hoffe nicht, daß Frau Merkel und andere den Antrag stellen, daß diese Münze verschwindet.

Ich danke ganz herzlich für Ihr Gehör und bitte dann, daß wir in Ruhe, Ordnung und Frieden den Marsch für Deutschland machen.

Ton-Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=ZEkld1nR6rQ

HINWEIS: Wegen dieser Wortmeldung wurde der Priester mit einem allgemeinen Predigtverbot durch den Bischof von Münster belegt. Näheres hier: https://charismatismus.wordpress.com/2015/01/20/munster-bischof-felix-genn-entzieht-pfarrer-paul-spatling-die-predigtbefugnis/

Anders als im Bistum Münster: Bischof Koch von Dresden empfiehlt fairen und sachlichen Umgang mit PEGIDA: https://charismatismus.wordpress.com/2015/01/25/bistum-dresden-bischof-heiner-koch-empfiehlt-fairen-umgang-mit-pegida/

Weiterer Artikel zur Causa Spätling: http://www.blu-news.org/2015/01/27/pegida-demo-mit-gottes-segen/

QUELLE für das 1. Foto: Dr. Bernd F. Pelz  – 2. Foto: http://bilder-notizen.blogspot.de/2015/01/rede-des-katholischen-pristers-paul.html

 


„Marsch für das Leben“ in Berlin: Geistliches Wort von Generalvikar Michael Fuchs

Hier folgt der vollständige WORTLAUT der Schlußansprache von Prälat Michael Fuchs, dem Generalvikar des Bistums Regensburg und amtlichen Vertreter von Bischof Dr. Rudolf Voderholzer beim Marsch fürs Leben am 19. September 2014:baby

Liebe Schwestern und Brüder im Glauben,
liebe Teilnehmerinnen und Teilnehmer am „Marsch für das Leben“,
liebe Freunde des Lebens!

Tief beeindruckt sind wir alle von den Zeugnissen, die wir am Anfang gehört haben; von dem Weg, den wir jetzt – mit mancher Begleitmusik – zurückgelegt haben. Tief beeindruckt sind wir, dass wir viele geworden sind.

Aber was heißt das: Beeindruckt sein?

Es geht uns tief an. Da fliegt nicht etwas oberflächlich vorbei, ein Event, ein Slogan, ein Hit. Nein, es dringt tief in unser Herz und packt uns von innen her.

Kinder haben diese Gabe, beeindruckt zu sein, von klein auf. Sie saugen alles auf, sind authentisch und auch schlechte Lügner. Und wenn sie etwas ahnen von der Größe Gottes, von jemandem, der uns alle übersteigt und uns gleichzeitig schützt und trägt, dann staunen Kinder, und Mund und Augen stehen offen, um alles aufzunehmen.iMA00584401

Vielleicht hat deswegen Jesus die Kinder so als Vorbild in die Mitte gestellt, wie wir eben im Lukasevangelium gehört haben: Menschen wie ihnen gehört das Reich Gottes.“

Das BILD zeigt Prälat Michael Fuchs mit Sternsingern (Foto: Bistum Regensburg)

Mit jedem Kind kommt ein Stück Himmel auf die Erde, und wir können von diesem Himmel mit zwei Händen und zwei Beinen lernen, von diesen offenen Augen und Mündern.

Wir können lernen, nicht Augen und Ohren zu verschließen vor der Lebenswirklichkeit und unseren Mund auch aufzutun, wo es nötig ist. Und wir können anpacken mit unseren Händen und losgehen, losmarschieren.

Beeindruckt sind wir vom großen Wunder des menschlichen Lebens, das Gott schenkt und das im Mutterleib empfangen wird und aufblüht. Beeindruckt und schockiert sind wir, wie bei uns mit den ungeborenen Kindern und mit Menschen, die eingeschränkt sind oder an Krankheiten leiden, umgegangen wird.

Wie hilflos und orientierungslos ist unsere Gesellschaft, die sich modern nennt, die von der Solidarität mit den Kleinen, den Schwachen und Kranken spricht und gleichzeitig das Recht auf Leben nach und nach zu einem Recht auf Töten pervertiert und mancher Druck gar eine Pflicht vortäuscht.PICT0129

Ich möchte Ihnen daher an dieser Stelle von Herzen danken für dieses Zeugnis, das Sie mit diesem Marsch für das Leben geben. Und wir dürfen zuversichtlich sein: Wir werden mehr, und wir werden sichtbarer.

  1. Hören wir daher nicht auf, weiter zu sammeln, Menschen zu sammeln, die mitstaunen über die Würde jedes Menschen und die aufstehen, wenn Menschen auf Grund ihres Alters oder ihres Gesundheitszustandes bedroht sind. Sammeln wir weiter Menschen, und wenn es zwei sind. Sie sagen, zwei sind nicht viele? Dann schauen wir doch auf Jesus: Mit zwei hat er angefangen. Bald waren es 12, dann 72, dann tausende Kinder, Frauen und Männer. Und es gab nicht wenige, die nicht gleich voll dabei waren, die neugierig da standen, nachfragten, Nikodemus etwa, der eine ganze Nacht lang mit Jesus redete, oder die Frau am Jakobsbrunnen.
  2. Ein zweites: Konzentrieren wir unsere Aktionen. Es gibt soviele kleine Aktionen, Hilfsmaßnahmen, Zeugnisse, Proteste, Gebete. Alles ist gut in dieser Richtung. Aber es ist auch nötig, von Zeit zu Zeit unsere Kräfte zu bündeln. Dieser Marsch für das Leben ist ein gutes Zeichen dafür.
  3. Dann fällt mir auf, dass wir häufig unsere Argumente sortieren, dass wir streng rationell begründen und sauber darlegen, warum jedes Kind von der Befruchtung an Mensch ist und warum auch jeder leidende Mensch bis zum Schluss seine volle Würde behält und unsere Hilfe und Nähe benötigt, nicht unseren Giftbecher. Diese Rationalität ist nötig, weil der Einsatz für das Leben vernünftig und gut begründet ist. Aber vergessen wir das Herz nicht und reden wir von Herz zu Herz. Wer beeindruckt ist, beeindruckt auch andere. Wer betroffen ist, kann auch andere ins Herz treffen. baby_hand_abtreibg_cdl11_a4357ad790

Wie stark war da das Zeugnis der Mutter mit dem Down-Syndrom-Kind vorhin. Sie alle haben es gehört und gesehen. Ich persönlich denke an das diesjährige Fest zum Down-Syndrom-Tag in Neumarkt in Bayern. Das erste Mal habe ich Downys Trompete spielen gehört. Und eine gelernte Service-Fachfrau mit Down-Syndrom hat mir ein Buch über sie signiert.

Mit solchen Leuten brauchen sie nicht über Abtreibung oder Euthanasie reden. Sie geben einfach Zeugnis für das Leben, durch ihr konkretes Schicksal, durch ihre Geschichte, und dieses Zeugnis ist stark.

  1. Und schließlich: Beten wir für das Leben. Beten wir und beten wir. Viele aktive Hilfsorganisationen gibt es, und dies es unendlich wichtig. Aber vergessen wir das Beten nicht. Es ist nicht unnütz, sondern gleichsam die Nabelschnur für unser Tun. Ich weiß, dass es viele  media-390606-2 - KopieGebetsgruppen in diesem Anliegen gibt und noch mehr einzelne Menschen, die dafür beten: für die Kinder, die empfangen werden, für die Mütter und Väter, die guter Hoffnung und gleichzeitig hoffnungslos überfordert sind. Für die Ärztinnen und Ärzte, die ihrem Gewissen folgend Nein sagen und für die, die gegen Geld schuldig werden. Und für viele Beteiligte, die mit ihrer Schuld nicht mehr fertig werden.

Und wenn Sie nicht beten können, weil Sie vielleicht nicht gläubig sind, aber überzeugt von der Würde des menschlichen Lebens, dann staunen Sie über das Wunder, das hier strahlt und das uns oft sprachlos macht angesichts der Größe und Schönheit.

Dieses Staunen, dieses Beeindruckt-Sein verbindet uns alle, die wir heute gemeinsam marschiert sind, und es macht uns stark und zuversichtlich in diesem Marsch für das Leben, den wir nun zuhause in unseren Gemeinden und Gemeinschaften, in unseren Verbänden und Aktionen weitergehen.

Möge Gott diese unsere Schritte für den langen Marsch, der noch vor uns liegt, leiten und segnen. Amen.

Quelle: Bistum Regensburg


Die Ehe steht im Zentrum der Schöpfungsordnung Gottes

Ansprache von Papst Benedikt XVI. über die Bedeutung von Ehe und Familie beim Weihnachtsempfang für das Kardinalskollegium und die Mitglieder der Römischen Kurie am 21.12.2012:

„Da ist zunächst die Frage nach der Bindungsfähigkeit oder nach der Bindungslosigkeit des Menschen. Kann er sich lebenslang binden? Ist das seinem Wesen gemäß? Widerspricht es nicht seiner Freiheit und der Weite seiner Selbstverwirklichung? DSC05476 - Kopie (2)

Wird der Mensch er selber, indem er für sich bleibt und zum anderen nur Beziehungen eingeht, die er jederzeit wieder abbrechen kann? Ist Bindung für ein Leben lang Gegensatz zur Freiheit? Ist die Bindung auch des Leidens wert?

Die Absage an die menschliche Bindung, die sich von einem falschen Verständnis der Freiheit und der Selbstverwirklichung her wie in der Flucht vor der Geduld des Leidens immer mehr ausbreitet, bedeutet, daß der Mensch in sich bleibt und sein Ich letztlich für sich selbst behält, es nicht wirklich überschreitet.

Aber nur im Geben seiner Selbst kommt der Mensch zu sich selbst, und nur indem er sich dem anderen, den anderen, den Kindern, der Familie öffnet, nur indem er im Leiden sich selbst verändern läßt, entdeckt er die Weite des Menschseins.“