„Abfall“ vom Islam: Schwerverbrechen im Iran

.
Apostasie, der “Abfall“ vom Glauben, gilt im Iran seit der Gründung der Islamischen Republik im Jahr 1979 als ein schwerwiegendes “Verbrechen”, wenn es sich um den Abfall vom Islam handelt.
Die Konversion von Christen zum Judentum ist ebenfalls verboten, der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) ist aber im Iran kein Fall in dieser Richtung bekannt.
Die Konversion zum Islam wird im Iran dagegen sehr stark gefördert.
Mit Apostasie (im islamischen Recht „irtidad“) ist im rechtlichen und im alltäglichen Sprachgebrauch ausschließlich der Abfall vom Islam gemeint.
.
Nach dem im Jahr 2013 in Kraft getretenen „neuen“ Islamischen Strafrecht, ist nach Art. 225.7 und 225.8 “Die Bestrafung für einen (…) [männlichen] Apostaten (…) der Tod”. 

“Die Höchststrafe für abtrünnige Frauen (…) ist lebenslängliche Haft. Während dieser Strafe werden ihr auf Anweisung des Gerichts erschwerte Lebensbedingungen bereitet und es wird versucht, sie zum rechten Weg zu geleiten, und sie wird zum Widerruf ermutigt.”

Der Gründer der Islamischen Republik Iran, Ajatollah Ruholla Khomeini, hat diese “erschwerten Lebensbedingungen” präziser formuliert:

“An den fünf täglichen Gebetszeiten muss sie ausgepeitscht werden, und ihre Lebensqualität und die Menge des Essens, der Bekleidung und des Wassers muss herabgesetzt werden, bis sie Reue zeigt.”

Der Hintergrund für dieses Gesetz ist die klassische islamische Auffassung, dass der Abfall vom Islam ein todeswürdiges Verbrechen gegen Gott und die islamische Gemeinschaft sei.

Mit der Einführung der Scharia im März 1979 ist diese Rechtsauffassung zu geltendem Recht geworden.

Hinrichtung auch ohne kodifiziertes Gesetz möglich

Auch wenn Apostasie aus dem iranischen Strafrecht gestrichen würde, wäre die iranische Justiz nach wie vor verpflichtet, in gleicher Weise weiter zu urteilen. Die Grundlage dafür ist eine Anweisung der iranischen Verfassung, die in Art. 167 festhält:

“Sind solche Gesetze nicht vorhanden, so muss er [der Richter] seinen Urteilsspruch auf der Grundlage der authentischen islamischen Quellen oder der gültigen Fatwas fällen. Er ist nicht befugt, die Eröffnung des Verfahrens oder den Urteilsspruch unter dem Vorwand fehlender, unzureichender, zu allgemein formulierter oder sich widersprechender gesetzlicher Regelungen zu verweigern.”

Die iranische Strafprozessordnung enthält diese Anweisung in § 214 ebenso und fast wortgleich.

In den Jahren nach der Gründung der Revolutionsgerichte 1979 und noch vor der Kodifizierung des allerersten Teils des iranischen Strafrechtes 1982 sind, soweit bekannt, wahrscheinlich mehrere tausend Menschen “auf der Grundlage der authentischen islamischen Quellen oder der gültigen Fatwas” hingerichtet worden.

Darüber hinaus weist die iranische Verfassung in Art. 170 alle Richter an, Regelungen der Regierung dort zu missachten, wo sie “im Widerspruch zu islamischen Gesetzen und Bestimmungen” stehen. Die mit Apostasie befassten Richter der iranischen Revolutionsgerichte sind alle auch islamische Geistliche und daher mit den “islamischen Gesetzen und Bestimmungen” zur Apostasie vertraut.

Rechtliche “Erlaubnis” zum Töten von Apostaten

Apostaten “dürfen” nach Art. 226 des iranischen Strafrechtes ohne Anklage und Gerichtsverfahren – de facto also in Selbstjustiz – getötet werden, ohne dass dem Täter eine Sanktion droht. Wenn der Mörder “irrtümlich” annahm, er töte einen Apostaten, dann entfällt nach Art. 295 des iranischen Strafrechts die sonst vorgesehene Strafe. Der Täter wird nicht hingerichtet, sondern muss lediglich ein “Blutgeld” zahlen. Mordfälle, in denen sich die Täter auf diese Regelung beriefen, sind im Iran mehrfach vorgekommen, sie sind allerdings nicht häufig.

Der im iranischen Strafrecht verwendete Rechtsbegriff aus den klassischen islamischen Rechtswissenschaften (fiqh) heißt “mahdur ad-dam”. Dieser Ausdruck bezeichnet eine Person, deren “Blut wertlos ist”. Diese Rechtsauffassung steht zwar im krassen Gegensatz zu internationalen Rechtsstandards. Dennoch ist sie Teil des iranischen Strafrechts.

“Ehrenmorde”

Bei der Ermordung durch den eigenen Vater oder väterlichen Großvater sieht das iranische Strafrecht nach Art. 220 eine ähnliche Regelung selbst dann vor, wenn sich der Mörder nicht darauf beruft, dass sein Opfer ein Apostat war. Dem Mörder droht keine Hinrichtung, sondern höchstens ein Blutgeld, wenn es von den Erben des Opfers gefordert werden sollte.

Prozesse dieser Art werden oft durch Selbstanzeigen eröffnet. Alle Beteiligten sind Familienangehörige – fordert niemand das Blutgeld, so ist der Täter ganz offiziell straffrei. Bei “Ehrenmorden” dieser Art wird in der Regel gar kein Prozess eröffnet, wenn aus der Familie niemand Klage erhebt.

Rechtspraxis

In der Rechtspraxis hat es seit mehreren Jahren keinen international bekannt gewordenen Fall mehr gegeben, bei dem ein Urteil offiziell mit Apostasie begründet wurde. Die IGFM ist der Auffassung, dass dies eine Folge der kritischen Berichterstattung durch internationale Medien ist.

Nach Informationen der IGFM wurden ehemalige Muslime ohne Angabe von Gründen verhaftet, ohne Kontakt zur  Außenwelt in Haft gehalten, misshandelt und gefoltert. Viele Apostaten sind von Angehörigen staatlicher Organisationen wie den Basij und den “Wächtern der Islamischen Revolution” (Pasdaran) eingeschüchtert, angegriffen und körperlich misshandelt worden.

Einige Apostaten sind nach der Verhaftung “verschwunden”. Die staatlichen Behörden verfolgen nicht alle Apostaten gleichermaßen hart. Das liegt möglicherweise daran, dass sich im Iran sehr viele Menschen vom Islam abgewandt haben.

Helfen Sie Iranern, die wegen ihres Glaubens verfolgt werden

Wie viele Iraner dem Islam den Rücken zugekehrt haben, weiß niemand, denn das offene Bekenntnis kann schwerste Konsequenzen nach sich ziehen. Die Zahl der „Abgefallenen“, vor allem der Religionslosen ist nach Einschätzung vieler Beobachter vermutlich relativ hoch. Der Iran gilt bei vielen, die die Region kennen, als „das islamische Land mit den leersten Moscheen“. Nach außen hin erzwingt das Regime aber Lippenbekenntnisse zum Islam. Geheimdienst, Polizei und islamische Milizen schüchtern Konvertiten regelmäßig ein – auch durch lange Haftstrafen, Verbannung an entlegene und lebensfeindliche Orte im Iran und durch Peitschenhiebe. Bitte beteiligen Sie sich an Appellaktionen für solche Gefangenen.


Glaubenstreue Bischöfe sollen Farbe bekennen

Mathias von Gersdorff

Kaum ein Tag vergeht, ohne dass ein deutscher Bischof über die Medien einen Angriff auf den Glauben und das Lehramt loslässt.

Am 12. Februar war der Magdeburger Bischof Gerhard Feige an Reihe. Er hält die Frage einer Priesterweihe von Frauen weiter für offen: „Dies rigoros abzulehnen und lediglich mit der Tradition zu argumentieren, überzeugt nicht mehr.“

Bischof Feige hat eine genaue Vorstellung, wie die Priester*innen sein sollen: „Weniger archaisch-bürgerlich als dynamisch-alternativ“.

Das ist die vorläufig jüngste Stellungnahme dieser Art in einer langen Reihe.

In den letzten Tagen haben sich zudem deutsche Bischöfe gegen das Priesterzölibat ausgesprochen (Peter Kohlgraf, Mainz), für die Segnung von Homo-Paaren (Franz-Josef Bode, Osnabrück) und für eine Neubewertung der Homosexualität (Franz-Josef Overbeck, Essen).

Kardinal Marx will gleich die ganze Sexualmoral umkrempeln.

Die normalen Gläubigen, also jene, die das Lehramt ernst nehmen und ihr Leben danach ausrichten, gewinnen den Eindruck, dass in Deutschland bald kein katholischer Stein mehr auf den anderen bleiben wird.

Der treu gebliebene Katholik befürchtet, dass es angesichts eines weitgehenden Glaubensabfalls eines großen Teils des deutschen Klerus kein Zurück mehr gibt. Die Gefahr, dass sich die katholische Kirche Deutschlands von der Weltkirche abspaltet und quasi eine völlig neue Religion erfindet, wird als real empfunden.

In dieser Situation sollten jene deutschen Bischöfe, die sich an das kirchliche Lehramt halten, in der Öffentlichkeit Farbe bekennen; sie müssen den Gläubigen Orientierung geben und sie im Glauben unterstützen.

Bekennermut ist gefragt, denn einfach stumm zu bleiben, kann in die endgültige Katastrophe der Spaltung und der Apostasie führen.

Unser Autor Mathias von Gersdorff aus Frankfurt leitet die Aktion „Kinder in Gefahr“ und veröffentlicht zeitkritische Beiträge u.a. hier: http://mathias-von-gersdorff.blogspot.com/


Sudan: Verfolgte Christin Meriam Ibrahim konnte mit Familie ausreisen

Glückliches Ende einer fast einjährigen Tortur

Die Nachricht löste rund um die Welt große Freude aus: Am Donnerstagmorgen traf die jungen sudanesischen Mutter Meriam Yahia Ibrahim zusammen mit ihrer Familie wohlbehalten in Rom ein.  (Das Foto zeigt sie mit ihrem Ehemann.)

Der italienische Vize-Außenminister Lapo Pistelli holte sie persönlich in Sudan ab, wo sie seit einem Monat Zuflucht in der amerikanischen Botschaft gefunden hatte.

Die qualvolle Odyssee der heute 27-jährigen Christin begann mit ihrer Verhaftung im September 2013. Nachdem sie der „Apostasie“ (Abfall vom Islam) und fälschlich des Ehebruchs beschuldigt wurde, verurteilte ein Gericht sie zum Tod durch den Strang sowie zu 100 Peitschenhieben.

Zunächst jedoch brachte sie am 27. Mai in angekettetem Zustand ihr zweites Kind zur Welt. Nach einer Welle internationaler Proteste revidierte ein Berufungsgericht das Urteil.

Am 26. Juni wurde Meriam aus dem Gefängnis entlassen und zur US-Botschaft in Khartoum gebracht. Ein erster Ausreiseversuch scheiterte, angeblich wegen fehlerhafter Dokumente.

Entgegen ursprünglichen Befürchtungen der als Ärztin ausgebildeten Mariam hat die kleine Maya einem Bericht der englischen Daily Mail zufolge keine Schäden von den schwierigen Umständen der Geburt davongetragen hat. Endgültige Klarheit hierüber werden weitere Untersuchungen bringen. Die Familie wird sobald wie möglich aus Italien weiter in die USA reisen.

Quellen: Open Doors, BBC, Daily Mail


Algerien: Christen durch Anti-Missionsgesetz benachteiligt – Ex-Muslime werden enterbt

Ein 2006 in Kraft getretenes Anti-Missionsgesetz beschränkt die Religionsausübung nicht-islamischer Bürger. Es verbietet Christen, mit Muslimen über ihren Glauben zu sprechen. Kirchen werden von staatlicher Seite überwacht und immer wieder geschlossen.

Viele Christen   werden durch das Anti-Missionsgesetz zu Gefängnis- oder Geldstrafen verurteilt. Trotzdem wächst in Algerien die Gemeinde der Gläubigen. Vor allem im Norden Algeriens entscheiden sich viele Berber (Kabylen) für ein Leben als Christ.

Diese Entscheidung bedeutet für einen Algerier, dass er sich der Verfolgung aussetzt. Die algerischen Christen werden täglich damit konfrontiert. Sie erleben verbale und körperliche Gewalt, Verleumdungskampagnen in den Medien bis hin zu Zwangsscheidungen von Ehepaaren.

Kürzlich wurde Mecheri, ein Berber und Christ aus dem Norden, von seinem eigenen Bruder vor Gericht gestellt. Da Mecheri sich zum christlichen Glauben bekennt, leitete sein Bruder ein Enterbungsverfahren gegen ihn ein.

Hintergrund ist ein Gesetz aus dem Jahre 1984. Es besagt, dass jemand, der dem Islam den Rücken kehrt, keinen Anspruch auf seinen Anteil vom Erbe eines Muslims hat.

Kurz nachdem Mecheri Christ wurde, stellte man ihn unter Anklage. Er wurde der Apostasie (des Glaubensabfalls) beschuldigt und auf die örtliche Polizeibehörde bestellt. Dort sollte er sich zu Mohammed und Allah bekennen. „Das kann ich nicht, weil ich Christ bin“, sagte Mecheri dort und wird seitdem noch argwöhnischer beobachtet und kontrolliert.

Quelle: Christliches Hilfswerk „Open Doors“