Pfarrer Spätling fordert Bischof Genn auf, nicht an der Jugendsynode in Rom teilzunehmen

Von Felizitas Küble

Der katholische Geistliche Paul Spätling aus Emmerich hat seinen Bischof Dr. Felix Genn (Münster) in einer öffentlichen Stellungnahme aufgefordert, nicht  – wie geplant – an

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der Jugendsynode teilzunehmen, die im Oktober 2018 in Rom durchgeführt wird, sondern bewußt hierauf zu verzichten.

FOTO: Pfr. Spätling (Dritter von rechts) beim Lebensrechts-Gebetszug 2015 in Münster

Der theologisch konservative Pfarrer, in dessen Familie sich selber ein Opfer sexuellen Mißbrauchs durch einen Priester befindet, erinnert den Oberhirten des Bistums Münster an den „Mut“ des US-amerikanischen Kardinals Tobin und des niederländischen Weihbischofs Musaerts, die eine Einladung zu dieser Synode abgesagt hatten:

„Die Begründung: Bei soviel Mißbrauch von Jungen bis hin zu Bischöfen und Kardinälen verbiete sich zu diesem Zeitpunkt eine Teilnahme.“

Der Priester bemängelt, daß „Papst Franziskus für solche Begründungen leider gänzlich unempfänglich“ sei.

Pfarrer Spätling übt sodann deutliche Kritik an einigen Vorgängen in der Diözese Münster: Aus seiner Sicht laufen die vor vier Jahren von Bischof Genn (siehe Foto) angeordneten Präventionsmaßnahmen zum Schutz von Kindern „ins Leere“:

Er erinnert zum Beispiel an den Fall des Pastors Norbert Happe in Beelen, der pro-homosexuelle Romane in die Pfarrbücherei seiner Gemeinde eingestellt und sie Jugendlichen ausdrücklich empfohlen hat: „Der Bischof verweigert dazu jede Stellungnahme. Und der Pfarrer macht fröhlich weiter“, beklagt Pfr. Spätling. (Näheres über diese Causa in unserem CHRISTLICHEN FORUM: https://charismatismus.wordpress.com/2018/09/17/pfarrer-happe-schenkte-katholischer-buecherei-schwule-sexromane-zum-verleihen/)

Der Autor stellt daher grundsätzlich die Frage:

„Was bewirken des Bischofs Präventionsmaßnahmen? Sind sie nur Show? So habe ich es damals empfunden, als Genn mit viel Presseaufwand Priester und bezahlte Laienkräfte der Diözese in die große „Halle Münsterland“ zusammentrommelte. Wollte er der beste unter den deutschen Bischöfen in dieser Angelegenheit sein? Eine Kampagne fürs Image?“

Im Bistum Münster seien, so Pfr. Spätling weiter, „Klamaukmessen  mit Nebel- und Lichtwerfern“ in Mode, nicht jedoch das biblisch orientierte Predigen über Sexualität und Gottes Gebote, z.B über 1 Kor 6,9, wo der Apostel Paulus schreibt: „Täuscht euch nicht! Weder Unzüchtige noch Götzendiener noch Ehebrecher noch Weichlinge noch Knabenschänder, weder Diebe noch Habgierige, nicht Säufer, nicht Lästerer, nicht Räuber werden das Reich Gottes erben.“

Der Verfasser übt außerdem Kritik an Bischof  Genns Schlagwort vom „Klerikalismus“, der angeblich die Ursache für die Mißbrauchskrise in der Kirche sei. 

Pfarrer Spätling schreibt dazu wörtlich: „Stattdessen gibt Bischof Genn vor, daß für diesen Mißbrauch angeblich der Klerikalismus in der Kirche verantwortlich sei – ganz nach Franziskus.“

Er verweist als Kontrapunkt auf Kardinal Gerhard Müller, „den zwangsemeritierten Präfekten der Glaubenskongregation“. Der vatikanische Würdenträger (siehe Foto) habe der Ablenkungs-Floskel „Klerikalismus“ am 15.9.2018 in Rom eine klare Absage erteilt:

„Nicht der Klerikalismus, „was immer das sein mag“, sondern die Abkehr von der Wahrheit und die moralische Zügellosigkeit seien die Wurzel des Übels. Die Korruption der Lehre ziehe immer die Korruption der Moral nach sich und manifestiere sich in ihr: „Die schwere Versündigung an der Heiligkeit der Kirche ohne Gewissensbisse ist die Folge der Relativierung des dogmatischen Fundaments der Kirche.“

Pfr. Spätling fügt hinzu: „Das heißt im Klartext: Die Ursache für alle diese sittlichen Verfehlungen ist der Glaubensverlust.“

Abschließend äußert sich der Geistliche skeptisch über Werbefeldzüge des Bistums, über „großangelegte Pressekampagnen unseres Bischofs von Münster – Stichwort: „Markenentwicklung – Marketing“ – so diese Millionen an Geldern verschlingende Kampagne. Unser Glaube wird nicht „vermarktet“…

Der Glaube hat ein Fundament. Aber gerade diese Grundlagen des Glaubens werden seit mindestens 50 Jahren von den deutschen Bischöfen sträflich vernachlässigt.“

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet hauptamtlich den KOMM-MIT-Verlag in Münster sowie ehrenamtlich das Christoferuswerk, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.

Ergänzender und aktueller Artikel zu Kardinal Müller: https://charismatismus.wordpress.com/2018/08/30/wurde-mueller-als-glaubenspraefekt-entlassen-weil-er-die-weiche-welle-verweigerte/


Von Bischof Kamphaus bis Papst Franziskus: Soll der Staat die Häftlinge begnadigen?

Warum eine falsche Gnade gnadenlos ist

Wie die „Vorarlberger Nachrichten“ vom 7.11.2016 berichten, hat Papst Franziskus bei einem Treffen mit rd. 1000 Häftlingen im Petersdom die Regierungen in aller Welt zu einer Amnestie bzw. einem allgemeinen Straferlaß für Gefangene aufgerufen. (Quelle: http://www.vorarlbergernachrichten.at/welt/2016/11/06/papst-feiert-messe-mit-ueber-1000-gefangenen.vn)

Das paßt zu seinem Zauberwort von der „Barmherzigkeit“. Aber wie gnadenlos ist in Wirklichkeit eine solche Gnadenpolitik? Foto Michaela Koller

Oder macht sich der Pontifex nicht klar, was es bedeutet, Mörder, Vergewaltiger, Einbrecher, Drogendealer, Kinderschänder etc. zu amnestieren und auf die Menschheit loszulassen?! Sind dann nicht gerade die Schwächsten am meisten gefährdet, die sich am wenigsten gegen Verbrecher schützen und wehren können?

Der hl. Paulus schreibt in seinem „Brief an die Römer“ bzw. die römische Christengemeinde: Tust du aber Böses, so fürchte dich; denn die Obrigkeit trägt das Schwert nicht umsonst; sie ist Gottes Dienerin und vollzieht das Strafgericht an dem, der Böses tut.“ (Röm 13,4) 

Dabei ging es Paulus nicht konkret um die Todesstrafe, sondern grundsätzlich um das sog. „Gewaltmonopol“ des Staates, um seine ureigene Aufgabe, für Recht und Ordnung zu sorgen, Unrecht zu ahnden, Verbrechen zu bestrafen und die Gesellschaft vor Übeltätern zu schützen, weil nur so ein geregeltes Zusammenleben der Menschen möglich ist.

Etwas ganz Anderes, nämlich echt Mutiges wäre es gewesen, wenn der Papst islamische, kommunistische oder sonstige Diktaturen aufgefordert hätte, die politischen Gefangenen und inhaftierten verfolgten Christen freizulassen. Auf solch einen Appell warten wir schon lange!

Aber diese bestenfalls weltfremde, eigentlich direkt gefährliche Begnadigungs-Idee von Franziskus ist nicht neu. Es gibt dazu ein ähnliches Beispiel, das zwar älter, aber sehr aufschlußreich ist:

Bischof Kamphaus und die RAF-Terroristin Möller

Der Limburger Oberhirte Franz Kamphaus, bundesweit bekannt für seine links-katholischen und theologisch liberalen Ansichten, forderte im Herbst 1994 öffentlichkeitswirksam die Begnadigung der RAF-Terroristin Irmgard Möller, die wegen dreifachen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt war. Der Staat solle „ein Zeichen der Friedfertigkeit setzen“. Der Bundespräsident kam diesem Ruf aus Limburg tatsächlich nach. 039_36A - Kopie

Doch die vorzeitig haftentlassene Frau Möller setzte genau das entgegengesetzte „Zeichen“ und erklärte frank und frei in Interviews, ihr damaliger Mordanschlag in Heidelberg sei „legitim“ gewesen: „Aber ja, gar keine Frage!“

Dem Staat wurde seine weiche Welle sogar als eigensüchtige Taktik ausgelegt, denn die nach wie vor verblendete Begnadigte erklärte: „Ich glaube nicht, daß der Staat humanitär sein kann. Er hat einfach abgewogen: Wo bin ich ihm lästiger? Drinnen oder draußen?“   –  Dazu paßt das Sprichwort: Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen!

Doch Bischof Kamphaus beließ es damals nicht bei seinem Appell für Irmgard Möller, sondern erklärte in einem KNA-Interview, lebenslange Haftstrafen seien sowieso abzulehnen. Er gab zu bedenken, „daß viele Menschen durch eine Gefängnisstrafe erst richtig in ein kriminelles Milieu geführt werden“.

Seltsame Logik allerdings: Wenn „viele Menschen“ im Knast erst so richtig kriminell werden, wie kann man sie dann vorzeitig freilassen?!  Dann wäre „lebenslänglich“ erst recht nötig, um weitere Verbrechen zu verhindern.

Wie wir sehen, hat der Limburger Oberhirte im römischen Pontifex nun einen würdigen Nachbeter für seine „gnädigen“ Ansichten gefunden.

Foto: Michaela Koller


Ein christliches Kinderbuch, das positiv aus dem Rahmen fällt

Besprechung von Felizitas Küble

Fromme Kinderbücher gibt es wie Sand am Meer, aber vielfach bieten sie auch verschickene Macken. Diese Erzählung „Die Jungen von Nain“ von Günter Mayer vermeidet die oft anzutreffenden Nachteile vieler typischer Kinderbücher aus dem religiösen Spektrum. Es hat zum Beispiel den Vorteil, daß es eine allzu kindliche, naive Sprache vermeidet und doch komplett verständlich verfaßt ist.  index

Zudem fehlt gottlob jener betuliche, „tantenhafte“ Stil, mit dem Autoren bisweilen glauben, den „Ton“ der kleinen Leser zu treffen. Wieder andere Verfasser flüchten sich in reichlich fantasievolle, „fabel-hafte“ Geschichten in der Meinung, das entspräche genau der Denkweise   – genauer: der Fabulierweise  – von Kindern.

Natürlich ist diese Vermutung nicht unbedingt falsch, doch gerade der christliche Glaube sollte nicht ins Märchen- und Wolkenhafte verschoben werden, erst recht nicht, wenn es um biblische Geschichte(n) geht.

Aber gerade dies ist  – neben dem flüssigen und anschaulichen Stil – der große Vorteil dieser Erzählung, die das Evangelium, aber auch Abschnitte aus der Apostelgeschichte lebendig werden läßt: „Die Jungen von Nain“ bringt dem jungen Leser die Heilige Schrift nahe, aber auch das kulturelle und politische Umfeld, in dem Christus lebte und wirkte. Viele Besonderheiten, zB. jüdische Bräuche, Rituale und Begriffe sind im Buch zur Kenntlichmachung kursiv gesetzt und werden im Anhang des Buches erläutert.

Außerdem nennt diese spannende Geschichte um die beiden Jungen von Nain, die miteinander befreundet sind und die Christus mehrfach persönlich begegnen, am Seitenrand die jeweiligen Bibelstellen, die in die Geschichte hineinverwoben sind.

Es ist dem Autor prima gelungen, aus zahlreichen Ereignissen des Evangeliums eine einheitliche, in sich stimmige Erzählung zu entwickeln, die mehrere Höhepunkte aufweist, zB. die Totenerweckung des jungen Kleopas durch Christus; später erlebt Eutychus ein ähnliches Wunder durch den Apostel Paulus.  IMG_1061

Eine wichtige Rolle spielt auch die Geschichte von der Brotvermehrung Jesu, dann natürlich seine Verurteilung, Hinrichtung und Auferstehung, aber auch die beginnende Predigttätigkeit der Apostel und Jünger, wobei Eutychus den Evangelisten Markus näher kennenlernt und mit ihm zusammen als Märtyrer stirbt.

So dient das Neue Testament in geschickter Weise als Hintergrund für einen ebenso fesselnden wie fundierten Kinder- und Jugendroman, der neben spannender Dramatik auch viele Kenntnisse vermittelt; er will die Kinder dazu anregen, selber in der Bibel zu lesen, um ihren Glauben besser kennenzulernen; deshalb auch die Randvermerke, die häufig im Buch vorkommen.

Daß sich der Autor jahrzehntelang ehrenamtlich in der katholischen Jugendarbeit eingesetzt hat, macht sich in dieser Geschichte positiv bemerkbar, vor allem in der frischen Sprache und der bodenständigen, anschaulichen Erzählweise.

So eignet sich das Buch nicht allein zum Selberlesen ab 8 Jahren, sondern auch zum Vorlesen in Elternhaus und Gruppe. Es ist nicht nur für Kinder und Jugendliche interessant, sondern auch eine lehrreiche Lektüre für Erwachsene, die ihr biblisches Wissen und ihre Allgemeinbildung vertiefen wollen.

Der Autor hat sein Erzählbuch ausdrücklich Günter Stiff gewidmet, dem jugendbewegten katholischen Schriftsteller und Gründer des KOMM-MIT-Verlages sowie des Christoferuswerks in Münster.

Das lesenswerte Buch eignet sich ideal als Geschenk vor allem zur Erstkommunion und kann portofrei für 9,90 € bei uns bestellt werden: felizitas.kueble@web.de (Tel. 0251-616768)


Neue Irrtümer der „Madonna“ von Medjugorje

Von Felizitas Küble

Allmonatlich verbreitet die Medjugorje-Bewegung per Newsletter eine sog. „Privatbotschaft der Muttergottes“ an Mirjana Dragicevic-Soldo. Die „Seherin“ erhält schon seit Jahrzehnten stets am 2. Tag jedes Monats eine Offenbarung des Himmels, die recht häufig merkwürdige theologische Aussagen enthält – so auch diesmal in der „Botschaft“ vom 2. März 2015, die wir hier im vollen Wortlaut wiedergeben (die Linien stammen zwecks Hervorhebung von uns): media-372515-2

„Liebe Kinder! Ihr seid meine Stärke, ihr, meine Apostel, die ihr durch eure Liebe, Demut und stilles Gebet es möglich macht, dass mein Sohn kennen gelernt wird. Ihr lebt in mir. Ihr tragt mich in eurem Herzen. Ihr wisst, dass ihr eine Mutter habt, die euch liebt und die gekommen ist, um euch die Liebe zu bringen.

Ich schaue euch im himmlischen Vater an – eure Gedanken, eure Schmerzen, eure Leiden – und ich bringe sie meinem Sohn dar. Fürchtet euch nicht, verliert die Hoffnung nicht, weil mein Sohn auf Seine Mutter hört.

Seitdem Er geboren wurde, liebt Er, und ich möchte, dass diese Liebe alle meine Kinder kennen lernen, damit jene zu Ihm zurückkehren, die Ihn wegen ihrer Schmerzen und ihres Nichtverstehens verlassen haben, und Ihn all jene, die Ihn nie gekannt haben, kennen lernen.

Deshalb seid ihr da, meine Apostel, und ich als Mutter mit euch. Betet für die Festigkeit des Glaubens, denn aus dem festen Glauben kommen Liebe und Barmherzigkeit. Durch Liebe und Barmherzigkeit werdet ihr all jenen helfen, denen nicht bewusst ist, dass sie die Finsternis anstelle des Lichtes wählen. Betet für eure Hirten, denn sie sind die Stärke der Kirche, die euch mein Sohn hinterlassen hat. Durch meinen Sohn sind sie die Hirten der Seelen. Ich danke euch.“

Hierzu stellen wir fest:

1. Die mehrfache Würdigung der „Seherkinder“ (die übrigens längst erwachsen sind) als „meine Apostel“ ist zumindest mißverständlich, denn der Ausdruck „Apostel“ gilt in der Kirche regulär für die 12 Apostel sowie den Apostel Paulus. Missionarisch aktive Weltchristen (Nicht-Priester) bezeichnet die Kirche mitunter als „Laienapostel“.

Foto: Dr. Bernd F. Pelz

Foto: Dr. Bernd F. Pelz

2. Maria erscheint angeblich in Medjugorje, „um euch die Liebe zu bringen“.  – Ist hierfür eine Privatoffenbarung nötig? – Christus selbst ist in seiner Person Gottes Liebe, ER hat sie uns verkündet und vorgelebt; in seiner Kirche und den sieben Sakramenten erfahren wir die Güte des HERRN. Weshalb sollte es hierzu eines Erscheinungsphänomens bedürfen?

3. Der Aufruf, sich nicht zu fürchten und die Hoffnung nicht zu verlieren, weil „mein Sohn auf seine Mutter hört“, ist theologisch völlig irreführend. Würde Christus nicht auf Maria hören, hätten wir dann etwa Anlaß zur Furcht und Hoffnungslosigkeit? – Eine völlig absurde Vorstellung!

4. Geradezu hanebüchen, ja gotteslästerlich ist die Behauptung der Medju-„Madonna“ über unseren Erlöser: „Seitdem Er geboren wurde, liebt Er“.  – Hat Christus etwa in den 9 Monaten vor seiner Geburt bzw. nach seiner Empfängnis nicht geliebt? – Zudem ist der Heiland präexistent: ER lebte als GOTT bzw. Gottes Sohn schon vor seiner Menschwerdung  – und ER hat selbstverständlich vor seiner Inkarnation schon geliebt: sowohl Gott-Vater und den Heiligen Geist  – wie auch seine Geschöpfe. Aus Liebe zu ihnen ist ER Mensch geworden, also liebte ER uns schon vorher.

5. Aus dem „festen Glauben“ kommen nicht nur „Liebe und Barmherzigkeit“, sondern alles weitere, was für das ewige Heil ebenfalls erforderlich ist: Vor allem die Einhaltung der göttlichen Gebote, die Nachfolge Christi und die guten Werke.

 


Warum die Kirche seit jeher mit Erscheinungen und Visionen vorsichtig ist

Alle großen Heiligen warnen vor Erscheinungen. Sie wissen, dass die gefallenen Geister dem Menschen um ein Vielfaches überlegen sind, und ihnen ohne jede Schwierigkeit etwas vorgaukeln können.

Eine gewichtige Stelle findet sich im 2. Korintherbrief des hl. Apostels Paulus: „Denn diese Leute sind Lügenapostel, hinterlistige Arbeiter, die sich als Apostel Christi ausgeben. Und das ist kein Wunder  –   selbst der Satan erscheint als Engel des Lichtes.“ slider3-640x360

Auf diese Stelle nimmt der hl. Ignatius Bezug, wenn er vom Teufel in der Lichtgestalt spricht:

„Dem bösen Engel, der sich in einen Engel des Lichtes umwandelt, ist es eigen, mit der frommen Seele einzutreten und mit sich selbst wieder auszutreten, das heißt, er pflegt erst gute und heilige Gedanken, die einer solchen gerechten Seele entsprechen, einzuflößen, und dann versucht er langsam beim Weggehen, die Seele in seine versteckten Trügereien und schlechten Absichten hineinzuziehen.“ (Zweite Woche, Regel 4).

Hier ist die ganze Diabolität des teuflischen Wirkens noch einmal zusammengefasst:

Der Teufel tritt mit der frommen Seele ein, das heißt er sagt und bekennt das, was auch der frommen Seele zusagt und sie anzunehmen bereit ist, er tritt aber mit sich selbst wieder aus. Wenn er geht, hat er das Augenmerk der Seele ganz auf sich gerichtet und zwar so, dass es der Mensch in der ganzen Zeit nicht gemerkt hat.

Foto: Dr. Bernd F. Pelz

Foto: Dr. Bernd F. Pelz

Zur Frage, ob es sich nur um Phantasie oder um dämonisches Einwirken handelt, soll M. E. Grialou zur Sprache kommen:

„Meistens handelt es sich (…) nur um ein gewisses Einwirken des Satans auf die überreizte Phantasie, auf die durch Krankheit geschwächten Sinne oder auf Personen mit Veranlagung zur Schwermut. In diesen Fällen bemüht sich der Satan, Phantasiegebilde vorzugaukeln.

Anfangs nutzt er die körperliche Schwäche der betreffenden Personen oder ihr Verlangen nach außerordentlichen Gnaden aus und verleitet sie zu Abtötungen, die sie total erschöpfen.

Durch zunehmende physische Schwäche findet er in den Sinneskräften eine größere Empfänglichkeit für die von ihm bewirkten Vorspiegelungen und Sinneseindrücke. Der Teufel kann seine Macht umso besser ausüben, je weniger sich diese Menschen von der Vernunft leiten lassen.“

Theresia von Avila äußert sich in derselben Weise:

„Manchmal, ja oft kann es Einbildung sein, besonders bei Leuten mit kranker Phantasie oder bei Melancholikern – ich meine solche, die an besonders starker Schwermut leiden. Bei Menschen dieser beiden Gruppen darf man dem meiner Meinung nach kein Gewicht beimessen, auch wenn sie sagen, dass sie es sehen und hören und verstehen.

Man sollte sie aber nicht dadurch beunruhigen, dass man sagt, es sei der Satan; sondern sie anhören, wie man Kranke anhört. (…) Es ist freilich unumgänglich, die Sache insofern zu beachten, als man der betreffenden Person das innere Gebet untersagt und mit allen Kräften darauf hinwirkt, dass sie dem ganzen kein Gewicht beimisst; denn der Satan pflegt kranke Seelen dieser Art zu seinem Vorteil zu gebrauchen  –  wenn nicht zu ihrem eigenen Schaden, so doch zu dem von anderen.“ media-375643-2

Es stellt sich die Frage, wie weit der Teufel himmlische Erscheinungen nachäffen darf. Grialou gibt hier klare Antwort:

„Die übernatürlichen Gnadenerweise Gottes nachzuahmen, ist ein schwierigeres Kunststück. Doch auch daran wagt sich der Satan. Es gibt nicht viele außerordentliche Gnaden, die nicht ihr trügerisches Gegenbild fänden. Sobald sie der Satan beobachtet, scheut er keine Mühe, deren fühlbare Wirkungen zu reproduzieren.

Selbst wenn der Betrug sofort entdeckt wird, hinterlässt er bei seinem Opfer das Gefühl des Unbehagens. (…) Wird der Trug nicht bemerkt, kann er den Menschen in Irrtümer stürzen, die für ihn und seine ganze Umgebung gravierende Auswirkungen haben!“

Dies bestätigt auch Johannes vom Kreuz, der die Meinung vertritt, dass es keine außerordentliche Gnade gibt, die der Satan nicht nachahmen dürfte:

Wenn (die Seele) etwa durch einen guten Engel echte Visionen erhält (…), so gibt Gott doch auch dem bösen Geist Erlaubnis, ihr entsprechende falsche Visionen vorzuspiegeln, die, wie es häufig geschieht, eine unvorsichtige Seele zu täuschen vermögen.“ (Nacht, II 23,7)

Wer immer also von irgendwelchen Erscheinungen hört, muss um dieses Wirken des Satans Bescheid wissen, sonst wird er Opfer der größten Leichtgläubigkeit. (…)

Man muss man immer wieder an die Worte Christi denken: „Es werden falsche Messiasse und falsche Propheten auftreten und Scheinwunder wirken!“

Auszüge aus einem Beitrag von Pater Andreas Steiner FSSPX im „Mitteilungsblatt“ der Piusbruderschaft vom April 2008  – Pius-Webseite: http://pius.info/

 


Was not tut: Klarheit und Wahrheit des Glaubens statt Anbiederung an die Welt

Von Benno Lauscher

„Katholiken in Deutschland für Abschaffung der Fastenzeit“  –   So könnte das Ergebnis einer Meinungsumfrage lauten, die von den Deutschen Bischöfen in einigen Jahren vielleicht in Auftrag gegeben wird.

Ein übler Scherz?  –  Immerhin wurden in den letzten Monaten im Auftrag des Heiligen Vaters weltweit Katholiken befragt, wie sie es mit der kirchlichen Ehe- und Sexualmoral halten.  imageCATKHONR

In einer 20-seitigen Pressemitteilung der Deutschen Bischofskonferenz vom 3. Februar 2014 wurden die Ergebnisse der auch in Deutschland erfolgten Umfrage publiziert. Darin heißt es:

„Die Lehre der Kirche wird dort, wo sie bekannt ist, meist nur selektiv angenommen … Die kirchlichen Aussagen zu vorehelichem Geschlechtsverkehr, zur Homosexualität, zu wiederverheirateten Geschiedenen und zur Geburtenregelung finden … kaum Akzeptanz oder werden überwiegend explizit abgelehnt.“

Ob die besagte Umfrage wirklich repräsentativ ist, wird von Fachleuten bezweifelt. Aber auch wenn das katastrophale Ergebnis der Umfrage die Wirklichkeit nur verzerrt widerspiegelt, ist die Diskrepanz zwischen Lehre und Leben, zwischen dem Willen Gottes und dem Verhalten seiner Geschöpfe schlimm genug.

Reaktion der deutschen Bischöfe

Schlimmer ist freilich die offizielle Reaktion der Deutschen Bischofskonferenz auf das Resultat der Umfrage, das sie nicht etwa mit angemessenem Bedauern und Entsetzen publiziert  –  sondern mit kaum unterdrückter Genugtuung!

Haben die deutschen Bischöfe (wie auch die Priester und Laienfunktionäre) in ihrer Mehrzahl die gesunde Lehre aufgegeben (vgl. 2. Timotheusbrief 4,3)?bild-jesus-oben

Deshalb scheint es ihnen deutlich Vergnügen zu bereiten, alle Welt darüber ins Bild zu setzen, wie wenig sich die deutschen Katholiken um die Ehe- und Sexualmoral kümmern. Wobei „alle Welt“ buchstäblich zu nehmen ist. Denn die deutschen Bischöfe sandten das Umfrageergebnis nicht nur diskret nach Rom, sondern veröffentlichen es, entgegen den Absichten des Vatikans, im Internet: in deutscher, englischer und italienscher Sprache!

Wozu?  –  Offensichtlich als Ventil, „um politischen Druck in Richtung Rom zu leiten und Spielräume für pressure groups auszuloten“ (Die Tagespost vom 6.2.2014).

Statt die gesunde Lehre zu verkünden…

Aufgabe der Hirten wäre es doch, darüber nachzusinnen, weshalb die meisten Katholiken sich nicht an der kirchlichen Lehre ausrichten. Ist ihnen diese nicht deshalb unbekannt, „weil niemand sich die Mühe macht, ihnen die Orientierungshilfen der katholischen Kirche und ihrer Lehre angemessen zu vermitteln“? DSC05476 - Kopie (2)

Die Bischöfe müssen einräumen: „Die kirchliche Lehre über Ehe und Familie … spielt in der Jugendarbeit eine nur geringe Rolle. Nur vereinzelt wird in Predigten auf das katholische Familienbild Bezug genommen.“

Angesichts dieses peinlichen Befunds ist der Hinweis heuchlerisch, die Misere liege an der unverständlichen Sprache, in der die kirchlichen Dokumente abgefasst seien. Heuchlerisch, weil diese Dokumente gar nicht für den „Endverbraucher“ bestimmt sind, sondernd für die Bischöfe, Priester und die übrigen Katecheten.

An diesen liegt es  –  läge es  –  die Lehre der Kirche dem jeweiligen Publikum verständlich darzulegen. Dazu kommt es eben in den meisten Fällen gar nicht, weil die Lehrenden selber nicht hinter der Lehre stehen: „Als glaubwürdige Multiplikatoren fallen sie aus.“

…fordert man die Änderung der Lehre

Weil den Hirten die Lehre der Kirche über Ehe und Familie lästig fällt, ist das besagte Umfrageergebnis für sie nicht Anlass zur Selbstkritik und zum Entschluss, in Katechese, Jugendarbeit und Ehepastoral für eine authentische Verkündigung zu sorgen  –  sondern Anlass dazu, die „An-passung“ der Lehre an die Unmoral der Gläubigen zu fordern.

Dem Bischof von Trier, Stephan Ackermann, kommt das zweifelhafte „Verdienst“ zu, als erster in aller Deutlichkeit diese Ungeheuerlichkeit auszusprechen: Die Katholiken halten sich nicht an die Moral, also ist die Moral zu ändern!

Am 6. Februar 2014 veröffentlichte die Allgemeine Zeitung in Mainz die Ansichten des Bischofs: „Wir können die katholische Lehre nicht völlig verändern“  (die Betonung liegt auf „völlig“!), aber es seien Kriterien zu erarbeiten, anhand derer dann im Einzelfall das, was bisher Sünde war, inskünftig in Ordnung sei: zum Beispiel vorehelicher Geschlechtsverkehr und Ehebruch.

Die Quelle der Moral

Die simple Logik des Bischofs lautet also: Weil die Mehrzahl der Katholiken die Lehre der Kirche nicht mehr akzeptiert, muss man diese den Menschen anpassen?

Seit wann ist das Evangelium an die (heidnischen) Lebensgewohnheiten der Menschen anzupassen, die heute so und morgen anders sind? Müssen nicht vielmehr, wie ein Amtskollege dem Bischof von Trier entgegenhielt, die Getauften sich am Evangelium messen? Seit wann macht die Mehrheit die Wahrheit?

„Die Wahrheit hat nichts zu tun mit der Zahl der Leute, die von ihr überzeugt sind“ (Paul Claudel).

Aber vermutlich gibt es nach Ansicht von Bischof Ackermann gar keine allgemeingültige Wahrheit?  – So sieht es der Liberalismus, der sich seit dem 18. Jahrhundert außerhalb und seit dem II. Vaticanum innerhalb der Kirche in den Köpfen festgesetzt hat.

Nach dieser durchaus gottlosen Auffassung ist nicht das ewige Gesetz Gottes (lex aeterna) die Quelle der Moral, sondern der autonome Mensch. Daher gibt es keine objektiv, immer und überall geltenden Normen.

Was gut und böse ist, legt der Mensch in seinem freien Gewissensentscheid fest (Situationsethik). Bischof Ackermann scheint diese Auffassung zu vertreten, die seit dem II. Vaticanum von den meisten „katholischen“ Moraltheologen in der einen oder anderen Spielart verbreitet wird.

Das Ende der Moral

Was folgt aus dem dezidiert liberalistischen Ansatz, den der Trierer Bischof zu vertreten scheint? Das Ende der christlichen Moral!

„Wir müssen das Verantwortungsbewusstsein der Menschen stärken“, führt der Bischof aus (niemand wird das bestreiten), um dann anzufügen: „…ihre Gewissenentscheidung dann aber auch respektieren.“  slider3-640x360

Müssen wir das? Und wenn jemand dazu gelangt, seinem Nachbarn die Frau wegzunehmen oder ein Kind im Mutterschoß zu töten – ohne dass ihm sein Gewissen Vorwürfe macht? Müssen wir diesen Gewissensentscheid dann auch respektieren? Der Liberalismus lässt die Sitten der Menschen, wie man tagtäglich sehen kann, ins Bodenlose absinken.

Vor wenigen Tagen hat das belgische Parlament beschlossen, die aktive Euthanasie an Kindern zu legalisieren  –  zurück in die Barbarei! Vielleicht wird zu Lebzeiten von Bischof Ackermann, so ist zu hoffen, keine Mehrheit der Katholiken eine derartige Abscheulichkeit gutheißen.

Doch was wird er sagen, wenn sich die meisten Katholiken an das „Menschenrecht“ der Abtreibung gewöhnt haben (dank von der deutschen Kirche unterstützten Einrichtungen)? Oder wenn die Katholiken nichts mehr einzuwenden haben gegen das „Recht“ auf aktive Euthanasie von schwerkranken alten Menschen?

Ist dann die kirchliche Lehre wieder an die Mehrheit anzupassen? Mit welcher Begründung will der Liberale sich gegen solche Auffassungen wenden, wenn das autonome Gewissen des Menschen die oberste Instanz in moralischen Fragen ist?

Folgen der bischöflichen Äußerungen

Die Ausführungen Bischof Ackermanns sind aus dem Mund eines katholischen Bischofs  –  salva reverentia  –  eine Ungeheuerlichkeit.

Der eine oder andere Amtsbruder hat ihm widersprochen, am deutlichsten Kardinal Walter Brandmüller: Wer eine Änderung der katholischen Sittenlehre verlange, „begibt sich in Widerspruch zum Wort Gottes“.

Der Kardinal scheint dem Bischof indirekt den Rücktritt nahezulegen: „Wenn ein mit der Verkündigung im Namen der Kirche Bevollmächtigter zu der Überzeugung kommen sollte, die Lehre der Kirche nicht authentisch vertreten zu können, verlangt es die intellektuelle Redlichkeit, die Konsequenzen zu ziehen.“

Für Modernisten ein „Fressen“  –  für alle ein Skandal

Auch wenn es Widerspruch gibt, sind die Aussagen des Bischofs ein Skandal im biblischen Sinn: Sie verwirren die Geister und verführen zur Sünde. pic_526a50cce0863

Die Liberalen innerhalb und außerhalb der Kirche haben sich freilich mit Wohlgefallen auf die Äußerungen Bischof Ackermanns gestürzt und sie in Windeseile weltweit verbreitet. „Endlich reißt ein Bischof die Dämme ein und wirft die veraltete Lehre der Kirche über Bord!“

Schon wagen sich weitere Kleriker aus der Deckung und geben bekannt, dass sie die Lehre der Kirche für überholt halten, von den Laienfunktionären ganz zu schweigen.

Aber was sollen die Gläubigen denken und all jene, die nach der Wahrheit suchen? Wer sich nach den Geboten Gottes zu richten bemüht, sich insbesondere der standesgemäßen Keuschheit verpflichtet weiß und eine christliche Ehe und Familie führt, steht in einer hedonistisch-relativistischen Zeit ohnehin als Exot da. Satt diese kleine Herde zu ermutigen, fallen ihr gewisse Bischöfe in den Rücken.

Wenn die Hirten schweigen, blöken die Schafe…

Es sind übrigens gerade junge Menschen, die in ergreifender Weise Bischof Ackermann widersprechen. Eine Studentin aus Wien schreibt in einem offenen Brief:

„Ihr Statement «Wir müssen das Verantwortungsbewusstsein der Menschen starken, ihre Gewissensentscheidung dann aber auch respektieren» verwirrt mich zutiefst: Gilt das auch für Pädophile? Ich hingegen glaube, dass man Pädophilen schon sagen muss, dass sie zwar sexuelle Wünsche in sich haben, aber die damit prinzipiell noch nicht gut sind, sondern sie zum Schlechten verleiten. Kreuzkuppel

Die Kirche stellt objektive Normen in eine haltlose Gesellschaft, die nicht jedem schmecken, aber allen gut tun, dem Einzelnen und der Gesellschaft.

Hochverehrter Herr Bischof: Seien Sie uns doch ein guter Hirte, nicht ein Mietling, der die Herde verlässt aus lauter Angst vor den Medien! Ich wünsche mir väterliche Priester, denen etwas an den Schafen liegt, die ganz eins sind mit der Kirche und mutig ihre Lehre ohne Abstriche predigen und erklären. Nur dann ist sie stimmig und wird auch von Kirchenfernen verstanden.

Priester sollen nach meinen Vorstellungen keine schwächlichen Kumpeltypen ohne Ecken und Kanten sein, sondern Väter, die unbeeindruckt vom Zeitgeist die heilsbringende Lehre der Kirche verkünden.“

Aufruf des hl. Paulus an alle Verkünder des Evangeliums

Zum Glück gibt es noch gute Hirten. Auf sie wird hören, wer die Wahrheit liebt. Man erkennt die guten Hirten daran, dass sie die gesunde Lehre verkünden – gelegen oder ungelegen –, wie es der hl. Paulus von ihnen verlangt:

„Ich beschwöre dich vor Gott und Jesus Christus, dem künftigen Richter der Lebenden und Toten, bei Seiner Wiederkunft und bei Seinem Reich: Verkünde das Wort, tritt auf, sei es gelegen oder ungelegen. Rüge, mahne, weise zurecht in aller Geduld und Lehrweisheit.

Denn es kommen Zeiten, da man die gesunde Lehre nicht erträgt, sondern sich zum Ohrenkitzel nach eigenen Gelüsten Lehrer beschafft. Von der Wahrheit aber wird man das Ohr abwenden und sich Fabeleien zuwenden.

Du aber sei wachsam, ertrage alle Mühsal, vollbringe das Werk eines Künders des Evangeliums, tu deinen Dienst voll und ganz, sei nüchtern.
Ich habe den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, den Glauben bewahrt. Im übrigen harrt meiner die Krone der Gerechtigkeit, die mir der HERR, der gerechte Richter, an jenem Tage geben wird. Aber nicht bloß mir, sondern allen, die Seine Wiederkunft lieben.“
(2 Timotheusbrief 4,1-8)

 


Die Erscheinungs-„Madonna“ von Medjugorje und die Auferstehung unseres Leibes

Von Christian Schenk

Seit dem 24. Juni 1981 soll die Muttergottes Sehern in Medjugorje, einer Ortschaft in der Herzegowina, erscheinen  –  und bis heute hat sie der Welt durch diese Seher angeblich unzählige Botschaften, die stets veröffentlicht werden, übermittelt.

Doch woran erkennen wir, ob es wirklich die Muttergottes ist, die dort erscheint?

„Es tarnt sich ja selbst der Satan als ein Engel des Lichtes“ (2 Kor 11,14), schreibt der Apostel Paulus. Und in der Geheimen Offenbarung lesen wir: „Es sind Dämonengeister, die Wunderzeichen tun“ (Offb 16,14). 1_0_744292

„Liebe Brüder, traut nicht jedem Geist“, ermahnt uns daher eindringlich der Apostel Johannes, „sondern prüft die Geister, ob sie aus Gott sind; denn viele falsche Propheten sind in die Welt hinausgezogen“ (1 Joh 4,1).

Ein entscheidendes Kriterium für die Beantwortung der Frage, ob es die Muttergottes ist, die in Medjugorje erscheint, bildet die Untersuchung, ob die Botschaften dieser Erscheinung mit den Lehren und Geboten Gottes im Einklang stehen. 

Einst sprach Moses im Namen Gottes zum Volk des Alten Bundes:

„Alles, was ich euch heute befehle, sollt ihr genau befolgen, nichts hinzutun und nichts davon wegnehmen! Steht etwa in deiner Mitte ein Prophet oder ein Traumseher auf und bietet dir ein Wahrzeichen oder ein Wunder an, und es geschieht tatsächlich das Zeichen oder Wunder, aufgrund dessen er dich aufforderte: Lasst uns anderen Göttern nachlaufen, die ihr nicht kennt, und sie verehren, dann darfst du auf die Worte jenes Propheten oder Träumers nicht hören. 

Denn der HERR, euer Gott, stellt euch nur auf die Probe, um zu erfahren, ob ihr den HERRN, euren Gott, aus eurem ganzen Herzen und aus eurer ganzen Seele liebt. Dem HERRN, eurem Gott, sollt ihr nachfolgen, Ihn fürchten, Seine Gebote beobachten, auf Seine Stimme hören, Ihm dienen und Ihm in Treue anhangen!“ (Deut 13,1-5).

„Hütet euch vor den falschen Propheten“

Der göttliche Heiland, Unser HERR Jesus Christus, warnte uns ebenso:

„Hütet euch vor den falschen Propheten; sie kommen zu euch wie (harmlose) Schafe, in Wirklichkeit aber sind sie reißende Wölfe. An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen. Erntet man etwa von Dornen Trauben, oder von Disteln Feigen? Jeder gute Baum bringt gute Früchte hervor, ein schlechter Baum aber schlechte. Ein guter Baum kann keine schlechten Früchte hervorbringen und ein schlechter Baum keine guten. Jeder Baum, der keine guten Früchte hervorbringt, wird umgehauen und ins Feuer geworfen. An ihren Früchten also werdet ihr sie erkennen. header_buch

Nicht jeder, der zu Mir sagt: Herr! Herr!, wird in das Himmelreich kommen, sondern nur, wer den Willen Meines Vaters im Himmel erfüllt. Viele werden an jenem Tag zu Mir sagen: Herr, Herr, sind wir nicht in Deinem Namen als Propheten aufgetreten und haben wir nicht mit Deinem Namen Dämonen ausgetrieben und mit Deinem Namen viele Wunder vollbracht? Dann werde Ich ihnen antworten: Ich kenne euch nicht. Weg von Mir, ihr Übertreter des Gesetzes!“ (Mt 7,15-23).

Der Himmel widerspricht sich nicht. Zum einen würde die Muttergottes niemals etwas verkünden, was der Offenbarung Gottes entgegensteht und zum anderen besitzt das, was Gott einmal geoffenbart hat, ewige Gültigkeit.

„Meine Worte werden nicht vergehen“

Der Apostel Jakobus schreibt über Gott, dass bei Ihm „kein Wechsel ist oder ein Schatten von Veränderung“ (Jak 1,17). Unser HERR selbst spricht: „Himmel und Erde werden vergehen, aber Meine Worte werden nicht vergehen“ (Mk 13,31).

Wenn wir also auf Gott hören wollen, wenn wir nicht „geschaukelt und umhergeworfen“ werden wollen, „von jedem Wind der Lehre im Trugspiel der Menschen, das voll Hinterlist ausgeht auf Täuschung und Verführung“ (Eph 4,14), wenn wir nicht „der Meereswelle“ gleichen wollen, „die vom Winde bewegt und umhergetrieben wird“ (Jak 1,6), dann können wir Erscheinungen, die der göttlichen Offenbarung widersprechen, keinen Glauben schenken.

Wenn wir mit dem Apostel Paulus bekennen: „In der Wahrheit wollen wir stehen“!, dann müssen wir „in Liebe alles hinwachsen lassen auf […] Christus“ (Eph 4,15), Der „die Wahrheit“ ist (Joh 14,6) und von Dem geschrieben steht, dass Er „gestern und heute derselbe“ ist „und in Ewigkeit“, weshalb wir uns „nicht verführen“ lassen dürfen „durch buntschillernde und fremdartige Lehren; denn gut ist es, das Herz mit Gnade zu stärken, nicht mit Speisen, die denen nichts nützten, die sich danach richteten“ (Hebr 13,8f.).

Da die göttliche Offenbarung, wie sie uns in der Heiligen Schrift und in der Apostolischen Überlieferung vorliegt, leicht missverstanden werden kann  –  man betrachte nur die Uneinigkeit in der Schriftauslegung bei den Protestanten!  –  braucht es eine unfehlbare Instanz, die die göttliche Offenbarung stets im richtigen Sinn auslegt.

Diese Aufgabe hat der göttliche Heiland der Kirche übergeben, die Er auf Petrus gebaut (vgl. Mt 16,18) und dem Er alle Seine Lämmer und Schafe übergeben hat, damit er sie weide (vgl. Joh 21,15-17).

„Ich bin bei euch alle Tage“

Den Aposteln, den ersten Bischöfen, versprach der HERR: „Seht, Ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt“ (Mt 28,20). Fünfzig Tage nach der Auferstehung Christi wurde den Aposteln der Heilige Geist gesandt (vgl. Apg 2,1-4).

Der Apostel Paulus bezeichnet „die Kirche des lebendigen Gottes“ darum als „Säule und Grundfeste der Wahrheit“ (1 Tim 3,15).

Es kann also kein Zweifel daran bestehen, dass die Kirche in ihrer Lehrtätigkeit immerdar unfehlbar ist und dass der, der die Kirche ablehnt, Christus selbst ablehnt. Unser HERR erklärte, dass uns jene, die die Kirche nicht hören wollen, wie Heiden und öffentliche Sünder gelten sollen (vgl. Mt 18,17).

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„Warum verfolgst du Mich?“

Wie sehr sich der göttliche Heiland mit der Kirche identifiziert, sehen wir daran, dass Er den Saulus, dem Er erschien, als dieser sich gerade auf dem Weg nach Damaskus befand, um dort die Kirche zu bekämpfen, fragte: „Saul, Saul, warum verfolgst du Mich? […] Ich bin Jesus, Den du verfolgst“ (Apg 9,4f.).

Christus sandte die Apostel  –  und damit die Kirche  –  mit den Worten: „Wie Mich der Vater gesandt hat, so sende Ich euch“ (Joh 20,21).

Hat Er nicht selbst gesagt, dass jene, die die von Ihm Gesandten hören, Ihn selbst hören und jene, die sie missachten, Ihn selbst missachten (vgl. Lk 10,16) ? Der Apostel Johannes schreibt: „Wir aber“  –  damit meint er die Kirche  –  „sind aus Gott. Wer Gott erkennt, hört auf uns; wer nicht aus Gott ist, hört nicht auf uns. Daran erkennen wir den Geist der Wahrheit und den Geist des Irrtums“ (1 Joh 4,6).

Wäre es wirklich die Muttergottes, die in Medjugorje erscheint, so würde sie also nichts lehren, was dem entgegensteht, was uns die Kirche kraft göttlicher Vollmacht zu glauben befiehlt. Die Erscheinung von Medjugorje aber widerspricht der kirchlichen Lehre.

Dogmatisch falsche Botschaft aus Medjugorje

Es genügt dazu, die Botschaft vom 24. Juli 1982 zu betrachten, um nachzuweisen, dass es keineswegs die Muttergottes sein kann, die hier erscheint. Die Erscheinung sprach nämlich an jenem Tag:

„Nach dem Tod zerfällt der Leib, der von der Erde genommen wurde. Er wird nie wieder leben. Der Mensch erhält einen verklärten Leib.“ [1]

Es stimmt, dass der Leib nach dem Tod in der Erde zerfällt und die Guten einen verklärten Leib erhalten werden, aber die Ansicht, dass der irdische Leib „nie wieder leben“ wird, widerspricht direkt dem Dogma, wonach der Mensch mit demselben Leib auferstehen wird, den er auf Erden getragen hat. Es handelt sich bei diesen Worten also zweifellos um eine Häresie. 0018

Die Erscheinung leugnet  –  wie schon der Häretiker Origenes  –  „die materielle Identität des Auferstehungsleibes mit dem irdischen Leib“ [2].

Unser HERR dagegen lehrt:

„Es kommt die Stunde, in der alle, welche in den Gräbern sind, die Stimme des Sohnes Gottes hören werden. Es werden hervorgehen, die Gutes getan haben zur Auferstehung des Lebens, die aber Böses getan haben zur Auferstehung des Gerichtes“ (Joh 5,28f.).

Derselbe Leib wird auferstehen

Ludwig Ott verweist in seinem „Grundriss der katholischen Dogmatik“ auf die Heilige Schrift, die „die Identität“ des Auferstehungsleibes mit dem irdischen Leib schon mit den Worten „Auferweckung“ und „Auferstehung“ bezeugt, „denn eine solche [Auferweckung/Auferstehung] ist nur dann gegeben, wenn derselbe Leib, der stirbt und zerfällt, wieder auflebt [3].

In der Heiligen Schrift lesen wir beim Apostel Paulus: „Fleisch und Blut können das Reich Gottes nicht erben; ebenso wenig wird die Verweslichkeit die Unverweslichkeit erben“ (1 Kor 15,50).

Das heißt nichts anderes, als dass Fleisch und Blut nicht aus eigenem Vermögen den Himmel erben, dass nur jene „Kinder Gottes“ werden können, „die nicht aus dem Blute und nicht aus dem Wollen des Fleisches und nicht aus dem Wollen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind“ (Joh 1,12f.).

Denn Paulus schreibt kurz darauf über die Vorgänge am Ende der Zeit, wenn der HERR zum Allgemeinen Gericht wiederkommen wird: […] erschallen wird die Posaune, und die Toten werden als Unverwesliche auferweckt, und wir werden verwandelt werden. Denn dieses Verwesliche [d.h. der irdische Leib] muss anziehen Unverweslichkeit, und dieses Sterbliche [d.h. der irdische Leib] muss anziehen Unsterblichkeit“ (1 Kor 15,52f.).

Ebenso lesen wir in der Heiligen Schrift in einem anderen Brief desselben Apostels:

Dr. Bernd F. Pelz

„Wir erwarten den Erlöser, Unsern Herrn Jesus Christus, Welcher unsern armseligen Leib umgestalten und ihn Seinem verklärten Leib ähnlich machen wird“ (Phil 3,20f.).

Unser irdischer Leib wird verklärt

Aus diesen Worten wird ebenfalls deutlich, dass es der irdische Leib ist, der verklärt wird.

Auch die heiligen Väter, die uns die Apostolische Überlieferung übermittelt haben, sind sich einig: „Die Väter in der Zeit vor Origenes lehren übereinstimmend, dass ‚dieses Fleisch aufersteht und gerichtet wird‘ und dass ‚wir in diesem Fleisch unseren Lohn empfangen werden‘ (Ps.-Klemens, 2 Kor 9,1-5).

Justin bezeugt: ‚Wir erwarten, dass wir unsere toten und in die Erde hineingelegten Leiber wiedererlangen werden, indem wir behaupten, dass bei Gott nichts unmöglich ist‘ (Apol. I 18). […]

Gegen Origenes verteidigen [die Identität des irdischen mit dem auferstandenen Leib] Methodius von Olympus, Gregor von Nyssa, Epiphanius (Hær. 64) und Hieronymus (Adv. Ioannem Hierosolymitanum).“[4]

„Sie werden mit ihren eigenen Leibern auferstehen“

Das kirchliche Lehramt äußerte sich beim IV. Laterankonzil im Jahre 1215 über die Toten: „Sie werden alle mit ihren eigenen Leibern auferstehen, die sie jetzt tragen.“ [5]

Bei Ludwig Ott wird diese Lehre darum als Dogma aufgeführt: „Die Toten werden mit (numerisch) demselben Leib auferstehen, den sie auf Erden getragen haben. De fide.“ [6]

Damit wäre kurz und knapp, aber völlig hinreichend, nachgewiesen, dass die Erscheinung in Medjugorje nicht die Muttergottes sein kann, denn es ist absolut undenkbar, dass die Muttergottes eine Häresie verkünden würde.

Wir müssen in unseren Tagen sehr wachsam sein, denn heute treffen die Worte Christi:

„Es wird eine Zeit kommen, in der ihr euch danach sehnt, auch nur einen von den Tagen des Menschensohnes zu erleben; aber ihr werdet ihn nicht erleben. Und wenn man zu euch sagt: Dort ist Er! Hier ist Er!, so geht nicht hin und lauft nicht hinterher!“ (Lk 17,22f.).

Der Heiland warnt uns: „Gebt Acht, dass man euch nicht irreführt! Denn viele werden unter Meinem Namen auftreten und sagen: Ich bin es!, und: Die Zeit ist da. – Lauft ihnen nicht nach!“ (Lk 21,8).

Zu uns spricht der Apostel Paulus:

„Niemand soll euch verachten, […] der mit Visionen prahlt und sich ohne Grund nach weltlicher Art wichtig macht, sich dabei aber nicht an das Haupt [Christus] hält, von Dem aus der ganze Leib [die Kirche] durch Gelenke und Bänder versorgt und zusammengehalten wird und durch Gottes Wirken wächst“ (Kol 2,18f.).

Anmerkungen:
[1] Medjugorje – Wo der Himmel die Erde berührt. Offizielle Webseite für den deutschsprachigen Raum; http://www.medjugorje.de/botschaften/betrachtung/botschaft-vom-24071982.html?tx_medjumessage_pi1%5Bcontroller%5D=Message&cHash=68b818bb92faeb265ac91e74571fb19c [Zugriff am: 9.1.2014].
[2] Ott, Ludwig, Grundriss der katholischen Dogmatik, Freiburg i. B. 1954, 2. Auflage, Fünftes Hauptstück, Zweites Kapitel, § 7,2a [S. 561].
[3] Ott, a.a.O.
[4] Ott, a.a.O.
[5] Zitiert nach: Ott, a.a.O.
[6] Ott, a.a.O., § 7,2 [S. 561].