Gebt acht, dass man euch nicht irreführt!

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Heutige liturgische Lesung der kath. Kirche: Lk 21,5 ff
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In jener Zeit, als einige darüber sprachen, dass der Tempel mit schönen Steinen und Weihegeschenken geschmückt sei, sagte Jesus: Es wird eine Zeit kommen, da wird von allem, was ihr hier seht, kein Stein auf dem andern bleiben; alles wird niedergerissen werden.
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Sie fragten ihn: Meister, wann wird das geschehen, und an welchem Zeichen wird man erkennen, dass es beginnt?
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ER antwortete: Gebt acht, dass man euch nicht irreführt! Denn viele werden unter meinem Namen auftreten und sagen: Ich bin es!, und: Die Zeit ist da. – Lauft ihnen nicht nach!
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Und wenn ihr von Kriegen und Unruhen hört, lasst euch dadurch nicht erschrecken! Denn das muss als erstes geschehen; aber das ist noch nicht das Ende.
 

Biblischer Dienst oder geistlicher Missbrauch?

Wenn „Heilung“ zum Unheil und „Befreiung“ zur Manipulation führt

Die private pfingstbewegte Initiative „Liebe Gottes Dienst“ aus Zwickau wird vom Ehepaar Martin und Dana Leistner geführt.

Schon auf ihrer gleichnamigen Startseite erfahren wir typisch  schwarmgeistige Schwerpunkte ihrer Tätigkeit, nämlich das Gebet um eine „Geisttaufe“, die Austreibung von Dämonen und die Krankenheilung.

Eine Telefonnummer oder Anschrift sucht man auf dieser und den anderen Blogs des Ehepaars vergeblich (deren „Impressum“ schweigt sich darüber aus): http://www.liebegottes.de/

Jene Menschen, die hier und in anderen charismatischen Gruppen nach „Heilung und Befreiung“ suchen, kommen oft aus der Esoterik und dem Okkultismus/Spiritismus.

Sie ersehnen einem Ausweg aus ihren inneren Nöten und werden dann von derartigen Initiativen in weitere Probleme hineingeführt – nur sind diese Schwierigkeiten anders geartet als die vorherigen (aber oft noch schlimmer!).

Recht häufig sind die Vorsteher solcher Hauskreise und Gruppen selber in der Esoterik gewesen und haben danach eine angebliche „Geisttaufe“ erlebt, die sie als Bekehrung zum christlichen Glauben (miß)verstehen.

So schreibt auch das Ehepaar Leistner auf ihrer Startseite:

„Wir sind selbst durch einen jahrelangen Befreiungsprozess gegangen und wissen, was geistlicher Kampf ist und welche Durchbrüche man dabei erleben kann. Wir durften durch die Gnade des Herrn schon viele Zeichen und Wunder in der Kraft des Heiligen Geistes erleben.

Preis dem Herrn für die vielen Siege, die er uns gegeben hat! Wir predigen also nicht in Theorie, sondern aus persönlicher Erfahrung. Aufgrund der Ereignisse, die wir durchgehen mussten, können wir nun anderen Menschen helfen.“

Es wird freilich nicht  „nur“ um besondere charismatische Geistesgaben gebetet; sondern auch um den „Zehnten“ gebeten. Die Anhänger sollen also vom Einkommen den zehnten Teil spenden. Dazu heißt es:

Errettung, Heilung und Befreiung, der Dienst für Jesus, ist umsonst. Das kann kein Mensch bezahlen. Der Herr gibt es umsonst, wir sollen es umsonst weiter geben. Aber den Dienst auszuführen, das kostet uns etwas: Seine eigenen Wünsche hinten anstellen, Zeit und Aufwendungen. Wenn es Dir möglich ist, dann unterstütze unseren Dienst doch auch durch Opfer und Zehnten. Jeder Arbeiter ist seines Lohnes wert. Mit Deinen Gaben hilfst Du uns, dass wir weiter machen können, dass wir weiter anderen Menschen in ausweglos erscheinenden Situationen als des HERRN Werkzeuge helfen können.“

Auf einem weiterem Blog namens „Lebensentscheidung“ wird im Impressum folgendes mitgeteilt: „Es hat jahrelange Arbeit gebraucht, diese Webseiten zu erstellen und das Betreiben dieser Homepage und unser Dienst kostet Geld. Das Evangelium ist gratis, aber die Ausführung kostet uns Finanzen.“ (Quelle: http://www.lebensentscheidung.de/impressum.html)

Auf ihrer Internetseite veröffentlicht das Ehepaar Leistner zudem Jubelberichte über geheilte Personen – z.B. hier: http://www.liebegottes.de/erlebnisberichte/Liebe_Gottes_Dienst_Sommerbericht_2019.pdf

Demnach wird Menschen mit Selbstmordgedanken der „Suizid-Dämon“ ausgetrieben.

In der bekannt extrem-charismatischer Art bzw. Unart wird hinter jeder Ecke der Teufel erspäht und die Betroffenen angeblich vom ihm „befreit“ (nachdem man sie zuvor als „besessen“ zugetextet hat).

Auch sonst geht es aufregend zu bei den „seelsorglichen“ Diensten dieser Initiative – wir zitieren erneut:

„Eine Frau kam zu uns mit dem Anliegen, Hilfe zu erfahren, befreit und geheilt zu werden.Während dem Seminar saß sie versteift auf ihrem Stuhl. Sie hatte Mühe, von Gott zu empfangen, was ER für sie hatte. So zog sich der Heilige Geist zurück.

Plötzlich spürte ich stark die Kraft Gottes in meinem Körper und dann betete ich für sie mit dieser Salbung und legte ihr die Hände auf.

Plötzlich begann sie, zusammenzubrechen und die Mauern fielen ab und sie begann, zu weinen. Sie kauerte nun auf ihrem Stuhl. Die Frau, die vorher so stolz auf ihrem Stuhl saß und Mühe hatte, zu entspannen. Denn daskonnte sie ohne die Kraft Gottes nicht. Sie mußte vorher alles kontrollieren. Ihre Haltung war sehr angespannt und kontrolliert.

Aber nun: ZERBRACH die Kraft Gottes die dämonischen MAUERN und FESTUNGEN in ihr. Sie kauerte nieder und schluchzte. Die Teilnehmer schauten auf sie. Dann betete ich für ihre Knie, denn sie hatte Schmerzen und war krank. Daraufhin begannen, ihre Knie zu schlottern und zu zittern, vom Heiligen Geist berührt.

Nun wachten wirklich alle in der Versammlung auf, denn was hier passierte, war „OFFENBAR“. Es war die KRAFT GOTTES, die Leute berührte, wachrüttelte, heilte und befreite.“

Zu diesem befremdlichen Vorgang erübrigt sich jeder weitere Kommentar.

Freilich ist dieses schwarmgeistig-panische Vorgehen auch noch steigerungsfähig, denn das Ehepaar Leistner empfiehlt euphorisch den selbsternannten Exorzisten James Michael Stanton, der sich als „Apostel“ bezeichnet und derzeit auf den Philippinen aktiv ist.

Dabei werden selbst Kinder mit diesem „Befreiungsdienst“ behelligt (siehe Bilder), wie eine geistesverwandte Homepage aufzeigt: http://www.gemeindeamschlossberg.de/238843003

Auch dieser Herr Prophet ging – wie oft in diesen Kreisen  – einst selber „durch einen sehr langen Befreiungsprozess“: http://www.lebensentscheidung.de/heilungbefreiung/james_michael_stanton_remnant_warrior_christian_ministries.html

Außerdem heißt es begeistert, James Stanton lehre, wie man „Freisetzung von Gebundenheiten“ erfahren könne. Das habe aber „sehr viel Widerstand vom Feind hervorgerufen“.

Gewiß doch, denn nun folgt die übliche fanatische Dämonisierung kritischer Stimmen:

„Sein Dienst wurde wegen der sehr grossen Salbung, die ihm Gott gegeben hat, und der kompromisslosen Lehre von Satan sehr angegriffen, wobei leider auch einige Christen und Gemeinden sich vom Feind gegen ihn benutzen lassen haben. Bitte lassen Sie sich nicht beeinflussen und lesen Sie auch solche verleumdenden Berichte nicht! Diese Menschen will der Feind benutzen, um Ihnen Ihre Segnungen zu stehlen, die Gott für Sie hat.“

In seinem Heilungsveranstaltungen geht es richtig rund, denn dabei wirkt eine „enorme Salbung Gottes, die das satanische Joch bei vielen Anwesenden zerbricht“:

„Zahlreiche Menschen wurden schon in seinem wertvollen Dienst geheilt und von dämonischen Ketten befreit. Viele Zeichen und Wunder und grosse Machttaten geschahen….Das konnten wir in den Versammlungen mit James mächtig erleben.“

Neben Heilung und Befreiung, Zeichen und Wundern gibt es ein fünftes charismatisches Zauberwort, nämlich „Durchbruch“.

Gemeint ist damit eine Art „Geisttaufe“ in verschiedenen Formen, sei es durch ekstatisches Zungengebet, „Ruhen im Geist“ (Rückwärtskippen in Trance), Visionen oder sonstige außergewöhnliche Manifestationen des vermeintlichen „Heiligen Geistes“.

Wie ich von Betroffenen immer wieder erfahre (auch in dieser Woche von mehreren Aussteigern), führen solche Praktiken nicht selten zu schwerwiegenden psychischen und spirituellen Problemen, mit denen die Opfer dann allein gelassen werden  – oder noch schlimmer: immer weiter in diesen irrgeistigen Teufelskreis hineinschlittern.

Derartige Vorbgänge sind kein wirklicher „biblischer Dienst“, sondern geistlicher Missbrauch zu Lasten der Gläubigen, denn sie bewirken keine echte Heilung und Befreiung, sondern häufig neue Gebundenheiten, Panikstimmung und weitere theologische Abwegigkeiten.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt

 


Warum keine Priesterweihe für Frauen?

Von Felizitas Küble

Gerade deshalb, weil die Kirche Christi keine Willkürherrschaft ausüben will und darf, eben weil sie nicht nach eigener Lust und Laune und Machtvollkommenheit agiert und reagiert, sondern sich dem Willen Gottes verpflichtet fühlt, muß die Kirche das Priestertum auch weiterhin den Männern vorbehalten.

Für die Kirche ist nicht der Zeitgeist verbindlich, sondern der Heilige Geist, nicht weltliche Wünsche, sondern die göttliche Offenbarung, die Selbstmitteilung Gottes in der Bibel und in der Heilsgeschichte.

Nun wird oft der Einwand vorgebracht, daß sich der Standpunkt des Alten und Neuen Testamentes insoweit aus einer verständlichen Anpassung an damalige Zeitumstände ergibt, die sich aber mittlerweile im Laufe der Frauenemanzipation geändert hätten.

BILD: Kardinal Gerhard Müller  – damals Bischof von Regensburg  – weiht einen jungen Diakon zum Priester

Doch eben dieses Gegenargument einer damaligen Anpassung an die Umwelt trifft nicht zu, genau das Gegenteil ist wahr:

Israel kannte keine Priesterinnen, obwohl diese bei den heidnischen Völkern weit verbreitet waren, oft im Zusammenhang mit Fruchtbarkeitskulten oder der Verehrung angeblich hellseherisch begabter „weiser“ Frauen usw.  –  Hätte sich also das von Gott erwählte Volk den Zeitumständen angepaßt, dann hätte es dort ebenfalls Priesterinnen gegeben.

Das zweite Argument, die Hebräer bzw das Volk Israel seien eben frauenfeindlich gewesen, ist noch unsinniger, auch hier stimmt exakt das Gegenteil:

Im  –  vielfach  kulturell durchaus hochstehenden  –  römischen Recht (das damals weltweit bewundert wurde)  besaßen die Frauen keinen Personen-Status; dieser kam allein dem männlichen römischen Bürger zu, nicht jedoch den Sklaven, Kindern und Frauen (!); diesen wurde lediglich ein „Sachwert“ als „Eigentum“ des römischen Hausherrn zugestanden. Dieser durfte übrigens auch entscheiden, ob er Neugeborene behält, aussetzt oder gleich ermordet.

Ein derartiges, uns heute mit Recht unverständlich erscheinendes, tatsächlich frauenfeindliches Rechtssystem war in Israel undenkbar. Der Einwand, im Alten Bund seien Ehebrecherinnen gesteinigt worden, zieht nicht, weil es männlichen Ehebrechern genauso erging (im Unterschied zum später entstandenen Islam).

Die sicherlich äußerst harte Todesstrafe sollte die Unantastbarkeit der Ehe schützen, doch enthielt sie keine Benachteiligung der Frau. Vielmehr dient die Ein-Ehe eindeutig dem Schutz der Frau vor Verstoßung durch männliche Willkür.

Zudem standen homosexuelle Handlungen von Männern im Alten Israel grundsätzlich unter Todesstrafe, nicht jedoch lesbisches Verhalten von Frauen; dieses wurde zwar abgelehnt, aber nicht mit der Todesstrafe geahndet. Es gab also auch Rechtsfälle einer Quasi-Benachteiligung der Männer.

 

Die Frau im Alten Israel besaß  –  verglichen mit der weiblichen Situation im damaligen Heidentum  –  eine recht hohe Stellung:

Es gab eine Reihe Prophetinnen, darunter Mirjam, Hulda oder Hanna; es gab die Volksführerin und „Richterin“ Deborah (bevor Könige eingesetzt wurden, bezeichnete man die Führer Israels als „Richter“), es gab Retterinnen und Volksheldinnen wie Esther und Judith. Also wurde das weibliche Geschlecht im Alten Bund beileibe nicht ins stille Kämmerlein verbannt.

Aber aufschlußreicherweise gab es bei den Hebräern keine Priesterinnen, auch keine Levitinnen (Altardienerinnen)  – obwohl dergleichen in der damaligen heidnischen Völkerwelt gang und gäbe war. Mit aller Selbstverständlichkeit hat sich das von Gott erwählte Volk hier von seiner Umgebung deutlich abgegrenzt, also gerade nicht angepaßt.

Daher ist es logisch, davon auszugehen, daß es sich hier um den Wunsch und Willen Gottes handelt, der dies dem Volk seines Bundes geoffenbart hat. Frauen als Staatschefin („Richterin“)? Kein Problem  – aber Frauen als Priesterin?  – Nein!

Diese heilsgeschichtlich klar erkennbare Linie wurde im Neuen Testament fortgeführt  – und zwar von Christus selbst, der seinem Menschsein nach ein Jude war und der von sich sagte, er sei nicht gekommen, um das Gesetz Gottes aufzulösen, sondern zu erfüllen. Er hatte in seiner Nachfolge zwar auch Jüngerinnen, aber zu seinen 12 Aposteln hat er ausschließlich Männer erwählt, wobei die Zwölferzahl symbolisch für die zwölf Stämme Israels steht – und damit erneut die Brücke zum Alten Bund herstellt.

Hierbei zieht der Einwand, Christus habe sich diesbezüglich lediglich seiner Umwelt angepaßt, erst recht nicht, denn unser Erlöser hat durch Wort und Tat seine herausragende Frauenfreundlichkeit unter Beweis gestellt und war damit seiner Zeit  – sowohl der heidnischen wie der jüdischen –  weit voraus. Folglich hat seine Wahl der männlichen Apostel nichts mit einer Verachtung von Frauen zu tun, sondern mit dem heilsgeschichtlichen Plan des Höchsten.

An diesen im AT und NT erkennbaren Willen Gottes ist die katholische Kirche als Stiftung Christi gebunden  – wenn sie hiervon abweicht, würde sie ihren göttlichen Erlöser verraten und den Weg der Wahrheit verlassen.


Die Christgläubigen sind Hausgenossen Gottes

Heutige liturgische Lesung der kath. Kirche: Eph 2,19-22:

Brüder! Ihr seid jetzt nicht mehr Fremde ohne Bürgerrecht, sondern Mitbürger der Heiligen und Hausgenossen Gottes.
Ihr seid auf das Fundament der Apostel und Propheten gebaut; der Schlußstein ist Jesus Christus selbst.
Durch IHN wird der ganze Bau zusammengehalten und wächst zu einem heiligen Tempel im HERRN.
Durch IHN werdet auch ihr im Geist zu einer Wohnung Gottes erbaut.

Regensburg: Bischof eröffnete Wolfgangswoche

Das Priesteramt und die Bedeutung der Frauen

Am Sonntag hat Bischof Rudolf Voderholzer in der Regensburger Basilika St. Emmeram die Wolfgangswoche eröffnet. Dazu wurde der Schrein des Bistumsheiligen aus der Wolfgangskrypta erhoben und von Diakonen in das Kirchenschiff getragen (siehe Foto).

Die gesamte Woche über werden Gottesdienste zu Ehren des Heiligen gefeiert, der zu seiner Zeit „vorausschauend, klug und gegen manche Widerstände“ das Bistum in die Zukunft geführt hat, wie es Bischof Voderholzer formulierte.

Die Wolfgangswoche, die von Bischof Rudolf Graber ins Leben gerufen wurde, mündet in die Feier der Priesterweihe.

Am 29. Juni wird Bischof Voderholzer im Dom St. Peter sechs Männer weihen. Ihnen wünschte der Oberhirte, dass sie ihren Dienst immer tiefer verstehen. Das Priesteramt sei keine „Machtposition“, sondern ein „Dienst an der Freude“.

„Christus hat ausschließlich Männer als Apostel berufen“ – das betonte der Regensburger Bischof in seiner Predigt. Sie vergegenwärtigen Christus in besonderer Weise. Dabei habe dies aber von Anfang an „die Bedeutung von Frauen in der Kirche nicht geschmälert“.

Bischof Voderholzer erinnerte beispielsweise an die Gottesmutter, der höchste Verehrung zuteil wird, an die Bedeutung der Frauenorden als Orte der Bildung und Erneuerung oder an Frauen wie die Regensburgerin Maria Theresia Gerhardinger, die gemeinsam mit dem späteren Bischof Wittmann Großes leistete.

Mann und Frau: „wunderbarer Zusammenklang“

All diese Beispiele zeigen, wie sich Frauen seit Beginn der Kirche mit ihren unterschiedlichen Fähigkeiten eingebracht haben. Sie tun dies auch heute, wie der Bischof hervorhob, wenn Frauen in Politik, Wissenschaft, caritativen Aufgaben oder im Bildungsbereich für das Evangelium wirken.

Die Beziehung Christi zu seiner Braut, der Kirche, werde vergegenwärtigt in der Ehe zwischen Mann und Frau.

Die Gegensätzlichkeit und Verwiesenheit der beiden Geschlechter bilde wie die Männer- und Frauenstimmen in der Musik einen „wunderbaren Zusammenklang, eine Symphonie“, so Bischof Voderholzer: „Nur die Frau kann den Mann zum Vater, nur der Mann die Frau zur Mutter machen.“

Lesen Sie hier die PREDIGT des Bischofs in voller Länge:

Bischof Dr. Rudolf Voderholzer zur Eröffnung der Wolfgangswoche am Sonntag, 23. Juni 2019:

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn!

Am kommenden Freitagabend wird der scheidende Domkapellmeister Roland Büchner zum letzten Mal in dieser Funktion in der Domstadt die Domspatzen, unseren Domchor, im Rahmen eines Konzertes dirigieren.

Anlässlich der Feier von 50 Jahre Städtepartnerschaft Regensburg Brixen wird im Audimax der Universität Joseph Haydns Oratorium „Die Schöpfung“ gegeben, und die Domspatzen werden zusammen mit dem Domchor Brixen, namhaften Solisten und dem Kammerorchester Regensburg musizieren.

Die Schöpfung von Joseph Haydn gehört zu meinen Lieblingsstücken aus der klassischen Musik und ich freue mich schon sehr auf diesen Abend gegen Ende in einer ereignisreichen Wolfgangs-Woche, am Vorabend der Priesterweihe und dann der Feier von „150 Jahre Vollendung der Domtürme“.

Das Libretto dieses Oratoriums „Die Schöpfung“ orientiert sich ganz am Ersten Schöpfungsbericht aus dem Buch Genesis. Besonders beeindruckend ist, wie die Erschaffung des Lichtes in Töne umgesetzt wird. Unter den vielen bemerkenswerten musikalischen Akzenten ragt dann für mich heraus, wie Haydn die Krone der Schöpfung, den Menschen, geschaffen als Mann und Frau, musikalisch ehrt. Das Duett Adam und Eva und der Lobpreis der Ergänzung, der gegenseitigen Verwiesenheit von Mann und Frau, ihre gegenseitige Attraktivität zur Eröffnung von Geschichte bewegt mich immer wieder tief. Es ist geradezu eine Hymne auf die Schöpfung des Menschen als Mann und Frau.

Schon vom musikalischen her wird deutlich, dass es schön und gottgewollt ist, dass es nicht nur Männerstimmen, sondern auch Frauenstimmen gibt, und dass Bass und Tenor auf der einen und Alt und Sopran auf der anderen Seite einen wunderbaren Zusammenklang, eine Sym-Phonie ergeben.

Mann und Frau sind aufeinander verwiesen. Nur die Frau kann den Mann zum Vater, nur der Mann die Frau zur Mutter machen.

Man hat Haydn hin und wieder angekreidet, dass er die Schöpfung – ganz im Geiste der Aufklärung – zu optimistisch darstellt und den Bruch, der durch die Sünde die gute Schöpfung beeinträchtigt und belastet, auch das Verhältnis der Geschlechter zueinander überschattet, zu wenig berücksichtigt. In der Tat wird nur ganz am Schluss des Oratoriums die Gefahr angedeutet, dass der Mensch seine Freiheit auch missbrauchen kann.

Aber das stellt den Wert und die Größe dieses Werkes nicht infrage. Denn es ist und bleibt unsere Glaubensüberzeugung, dass die Sünde die Gottebenbildlichkeit des Menschen nicht aufgehoben hat. Seiner Erlösungsbedürftigkeit kommt Gott selbst in der Menschwerdung seines Sohnes entgegen.

Das Oratorium ist eine Auslegung, eine Predigt über die Gutheit von Gottes Schöpfung als Grundlage der Geschichte des Heils. Und in dieser Schöpfung spielt die Polarität von Mann und Frau, ihre Gegensätzlichkeit und Verwiesenheit aufeinander, eine fundamentale Rolle.

In dieses Gegenüber zeichnet sich gerade auch noch einmal der Fortgang der Heilsgeschichte ein. Das Alte Testament durchzieht wie ein roter Faden die Glaubensüberzeugung, dass sich das Miteinander Gottes zu seinem Volk verhält wie die Beziehung von Braut und Bräutigam. „Wie der Bräutigam sich freut über die Braut, so freut sich Dein Gott über Dich“ (Jes 62,5), darf der Prophet Jesaja dem Volk Israel ausrichten.

Dieses Gegenüber wird vertieft in der Beziehung Christi zur Kirche. Christus lässt mehrfach im Evangelium erkennen, dass in ihm der Anspruch Gottes des Vaters erfüllt und er der Bräutigam des neuen Bundesvolkes ist.

Diese realsymbolische Vergegenwärtigung der Beziehung von Christus zu seiner Kirche in der Ehe zwischen einem getauften Mann und einer getauften Frau ist bekanntlich auch der Grund, weswegen die Kirche die Ehe als eines der sieben Sakramente betrachtet; also als eines der von Gott geschenkten Zeichen seiner Gegenwart und Nähe. Und weil das kirchliche Dienstamt in der Nachfolge der Apostel zuallererst in der Vergegenwärtigung dieses Voraus Christi seiner Kirche gegenüber besteht, hält sich die katholische Kirche ebensowenig wie die orthodoxe Kirche für berechtigt, von der Praxis Jesu abzuweichen, nur Männer für diese Aufgabe für geeignet zu halten.

Widerspricht dem nun aber nicht die 2. Lesung aus dem Galaterbrief, die wir gerade gehört haben? Ist nicht die darin enthaltene Aussage, es gebe nicht mehr Mann und Frau – „männlich und weiblich“ sagt die neue Übersetzung –, eine klare Weisung hin zur Öffnung der Weiheämter auch für Frauen, wo es doch nicht mehr darauf ankomme, ob jemand Mann oder Frau sei?

Doch hier gilt es, genau hinzuhören. Der Kontext des Galaterbriefes ist die Auseinandersetzung des Apostels mit dem Wunsch der Galater, wieder unter das jüdische Gesetz zurückzukehren. Ihnen gegenüber ruft Paulus das Geschenk, die Gnade der Taufe in Erinnerung. Die Taufe hebt alle soziologischen und nationalen Unterschiede auf.

In der Kirche gibt es keine Fremden und keine Ausländer. Und auch die Herrschaft des Mannes über die Frau ist abgelöst durch eine gegenseitige Unterordnung und eine gemeinsame Unterordnung unter Christus. Zielsatz des Abschnittes ist: Ihr alle seid „einer“, „unus“, nicht „eins“, ihr seid „einer in Christus“. Durch die Taufe werden wir zu einem Leib mit den vielen Gliedern auferbaut, zum Leib Christi, dessen Haupt der Herr selbst ist. Und als Getaufte sind wir zur Freiheit befreit.

Die Worte des Paulus wären missverstanden, wenn man sie so deuten würde, als habe Paulus die Geschlechterpolarität aufgehoben und die Tatsache geleugnet, dass Gott den Menschen als Mann und Frau geschaffen hat.

Paulus sagt denn auch nicht: Es gebe nicht mehr Braut noch Bräutigam, oder, es gebe nicht mehr Vater und Mutter. Im Gegenteil. In anderen seiner Briefe zieht er die in die Schöpfung hineingelegte Unterschiedenheit von Mann und Frau und ihre Verwiesenheit aufeinander heran, um das Geheimnis der Liebe zwischen Gott und seiner Schöpfung, zwischen Christus und der Kirche zu verdeutlichen.

Die Zuordnung des geistlichen Dienstamtes mit seiner seinsmäßigen Aufgabe der Christusrepräsentation hat von allem Anfang an die Bedeutung von Frauen in der Kirche nicht geschmälert.

Neben Maria, der Mutter Jesu, der in der Kirche von den Uranfängen her höchste Verehrung zuteilwurde, gab es im Umfeld Jesu etliche Frauen, die ihm folgten, die ihn unterstützten und die vor allem am Karfreitag viel mutiger und treuer zu ihm standen als die Männer. Jesus hat sich über viele gesellschaftliche Schranken hinweggesetzt und einen ganz unbefangenen Umgang mit Frauen gepflegt. Wir wissen, wie ihm das nicht nur einmal zum Vorwurf gemacht wurde. Umso mehr muss es aber doch zu denken geben, dass er – das bezeugen alle Evangelien, und ich verstehe nicht, wie man das bezweifeln kann – dass er ausschließlich Männer als Apostel berufen hat. Sie sollten ihn in besonderer Weise vergegenwärtigen: Wer euch hört, hört mich. Wer auch aufnimmt mich auf und den, der mich gesandt hat.

Dies hat seinen Grund in der sakramentalen Struktur der Kirche. Noch einmal: Beim geistlichen Dienstamt geht es nicht zuerst um eine Funktion, die beliebig ersetzbar wäre, sondern um die Darstellung einer Seinswirklichkeit.

Die Kirche ist nicht eine Gewerkschaft, nicht eine Partei und auch nicht ein (gar noch monarchisches) Staatswesen, das im letzten nur eine irdische Wirklichkeit ist, eigene Zwecke und Ziele verfolgt und von gewählten Repräsentantinnen und Repräsentanten vertreten wird.

Die Kirche ist, wie wir es vom Apostel Paulus gehört haben, „einer“, ein Leib, der „Leib Christi“ zur Vergegenwärtigung seines Wortes und seiner heilbringenden Erlösungstat am Kreuz. In dieser Kirche gibt es verschiedene Dienste und Ämter. Und von Anfang haben Frauen sich in der Kirche mit all ihren Gaben und Fähigkeiten eingebracht. Soziologisch gesehen haben Frauen in der Antike und im Mittelalter vor allem durch die Kirche Entfaltungsmöglichkeiten bekommen.

Der Stand der Witwen etwa bot Schutz vor der im römischen Reich selbstverständlichen Wiederverheiratungspflicht. Die Frauenorden waren über die ganze Geschichte hinweg Orte der Bildung und der Innovation gerade auch in gesellschaftlichen Entwicklungen. Wer hat denn das Krankenpflegewesen, das Kindergartenwesen, die Mädchenschulen usw. erfunden?

Ich erinnere hier nur an die selige Mutter Maria Theresia Gerhárdinger, eine Stadtamhoferin. Zusammen mit dem späteren Bischof Wittmann hat sie wahrhaft Großes geleistet und gezeigt, wie die verschiedenen Dienste und Ämter in der Kirche zusammenwirken, wenn sie sich nicht in eine ungeistliche und unfruchtbare Konkurrenzsituation hineindrängen lassen, sondern im Hören auf Gottes Wort zum Heil der Menschen arbeiten.

Und so gibt es auch heute in der Politik, in der Wissenschaft, im Bildungsbereich, im sozialcaritativen Bereich, usw. usw. eine Fülle von Aufgaben, in denen wir in der Verschiedenheit und im Reichtum der unterschiedlichen Begabungen und Charismen für das Evangelium wirken können und wo gerade auch Frauen ihre Begabungen einbringen können.

Im Blick auf das geistliche Dienstamt, das ja beileibe nicht allen Männern, sondern den von Christus berufenen, zukommt, schärft uns das heutige Evangelium ein:

Es geht zuallererst um das Zeugnis. Petrus als exemplarischer Jünger bekennt Jesus als den Messias Gottes. Das Einstehen für den Glauben und das Bekennen des Glaubens an den gekreuzigt-auferstandenen Herrn ist erste und wichtigste Aufgabe. Dass dies nicht unbedingt der Selbstverwirklichung dient und einem nicht in erster Linie Beifall und gesellschaftlichen Ruhm einbringt, dafür gibt es tagtäglich Beispiele.

Und der Herr sagt es ausdrücklich: Wenn einer hinter mir hergehen will, verleugne er sich selbst und nehme er sein Kreuz auf sich.

Deutlicher kann das Besondere und Spezifische des Christseins und der Kirche nicht zum Ausdruck gebracht werden. Sich ganz in den Dienst Christi stellen, und ihn mit seiner ganzen Existenz bezeugen, das ist der Anspruch an die, die zum apostolischen Dienst gerufen sind. „Sie werden auf den schauen, den sie durchbohrt haben.“

In dieser Woche bereiten sich sechs Diakone auf die Priesterweihe vor.

Nehmen wir sie ins Gebet, dass sie das Amt, das ihnen übertragen wird, als Dienst der Vergegenwärtigung Christi immer tiefer verstehen lernen und ausüben, nicht als Machtposition, sondern als Dienst an der Freude, als Dienst der Vergegenwärtigung Christi, des Bräutigams seiner Kirche, als Dienst der Vergegenwärtigung Christi als Haupt des „einen“ Leibes, der die Kirche ist in ihren vielen Gliedern, die alle berufen sind, Männer und Frauen, den Armen sein Evangelium zu verkünden, Amen.

Quelle: Bistum Regensburg

 


Christus zum niedergeschlagenen Apostel Paulus: Laß Dir an meiner Gnade genügen!

Aus der heutigen liturgischen Lesung der kath. Kirche: 2 Kor 12,1-10:

Damit ich mich wegen der einzigartigen Offenbarungen Christi an mir nicht überhebe, wurde mir ein Stachel ins Fleisch gestoßen: ein Bote Satans, der mich mit Fäusten schlagen soll, damit ich mir nichts einbilde.
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Dreimal habe ich den HERRN angefleht, dass dieser Bote Satans von mir ablasse.
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ER aber antwortete mir: Laß Dir an meiner Gnade genügen; denn sie erweist ihre Kraft in der Schwachheit.
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Viel lieber also will ich mich meiner Schwachheit rühmen, damit die Kraft Christi auf mich herabkommt.
Deswegen bejahe ich meine Ohnmacht, alle Misshandlungen und Nöte, Verfolgungen und Ängste, die ich für Christus ertrage; denn wenn ich schwach bin, dann bin ich stark.

Ehe, Priestertum und Schöpfungsordnung im Lichte des Evangeliums

PREDIGT von Bischof Dr. Rudolf Voderholzer (Oberhirte von Regensburg) zur Eröffnung des Kongresses „Freude am Glauben“ am 14. Juni in Ingolstadt:

Liebe Schwestern und Brüder im HERRN!

Das Messformular „Maria, Mutter der Schönen Liebe“ sieht als Evangelium die Verkündigungsperikope vor, die uns der Herr Diakon gerade wieder neu vorgetragen hat.

Es ist uns aus dem Ave-Maria und dem Angelus-Gebet zutiefst vertraut.

Dieses Evangelium ist nicht nur, zusammen mit der entsprechenden Überlieferung des Matthäus-Evangelisten, der biblische Beleg für die jungfräuliche, geist-gewirkte Empfängnis des messianischen Gottessohnes, es ist auch das ideale Evangelium für die Eröffnung des Kongresses „Freude am Glauben“ und es führt uns hinein in die Mitte auch des Kirchenverständnisses und der sakramentalen Struktur der Kirche.

Der Gruß des Engels, den wir im Deutschen –  gemäß dem lateinischen „Ave Maria“  – mit „Gegrüßet seist du Maria“ zu sprechen gewohnt sind, heißt im griechischen Original „chaire“, wörtlich: „Freue Dich“, „Freue Dich, Maria!“

Das ist nicht unwichtig, sondern verbindet die Berufung der Gottesmutter mit der Geschichte Gottes mit seinem Volk Israel.

Freue dich, Tochter Zion, denn der HERR ist mit dir

Der Engel Gabriel grüßt nämlich Maria mit denselben Worten, mit denen einst der Prophet Zefanja das als „Tochter Zion“ personifizierte Israel aufgemuntert und zur Freude aufgerufen hatte: „Freue dich, Tochter Zion… der HERR ist in deiner Mitte.“

Die Bible de Jérusalem, die vielleicht beste Übersetzung der Bibel in die Landessprachen, empfiehlt denn auch diese wörtliche Übertragung: „Freue Dich, Maria.“

Und in manchen französischen Gemeinschaften wird das Ave Maria gebetet als „Réjouie-toi Marie“. Auch im Englischen übersetzt die Jerusalemer Bibel: „Rejoice, Marie.“ Freue Dich, Maria.

Unser Evangelium will uns damit sagen: Maria, die Frau aus Nazareth, ist der heilige Rest Israels in Person, die Tochter Zion. Sie ist der wahre Tempel, der Ort, den Gott sich zur Wohnstatt gemacht hat. Auf sie schaut der große und heilige Gott, dem doch alles gehört und der trotzdem angewiesen sein will auf ein gläubiges Herz, das sich ihm öffnet und zur Verfügung stellt.

Im Dom zu Regensburg, meiner Kathedrale, haben wir, wie Sie vielleicht wissen, eine mittelalterliche Verkündigungsgruppe, und der Engel Gabriel, der seine Botschaft auf einem schwungvollen Spruchband bei sich hat, strahlt über das ganze Gesicht; viele Besucher kommen eigens in den Dom, um ihn zu sehen, den „lachenden Engel“, den Inbegriff der Freude und frohmachenden Botschaft.

„Chaire!“  – Freue dich Maria  –  und an Ostern singen wir: Freue dich mit ihr, erlöste Christenheit. Freut Euch im Glauben, auch ihr Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Kongresses, die wir alle wie Maria mitwirken dürfen am Heil und an der Erlösung; freut euch, denn der Glaube ist nicht eine Last, sondern Quelle des Trostes und der Freude!

Diese gesamtbiblische Einordnung der Verkündigungsperikope führt uns freilich noch tiefer in die Zusammenhänge unseres Glaubens hinein.

MARIA führt zu einer „Theologie der Frau“

Mit dem Thema „Tochter Zion“ ist nämlich ein wesentliches Element der biblischen Überlieferung angesprochen, eine Theologie der Frau, ohne die das Alte und auch das Neue Testament nicht zu verstehen sind.

Die Offenbarung Gottes, sie zeichnet sich nämlich nach dem Zeugnis der Heiligen Schrift ein in die geschöpfliche Beziehung des Gegenübers von Mann und Frau.

Das Hohelied der Liebe ist nur der Höhepunkt der Glaubensüberzeugung, dass in der ehelichen Gemeinschaft von Mann und Frau die angemessenste Analogie für das Verhältnis Gottes zu seinem Volk Israel gegeben ist.

Die natürliche und unvertauschbare Zuordnung und Komplementarität von Mann und Frau wird im Zusammenhang des Glaubens gnadenhaft überhöht und zur Darstellung der Heilswirklichkeit erhoben.

Jesus stellt sich in diese aus dem Glauben Israels herkommende Tradition und offenbart sich selbst als der Bräutigam des Volkes, bei dessen Anwesenheit doch nicht gefastet werden darf (vgl. Mk 2, 19).

Die Theologie des Ehesakramentes beruht auf dieser Glaubenseinsicht, ist doch die Ehe von einem getauften Mann und einer getauften Frau Sakrament, heiliges Zeichen, Darstellung der Liebe Christi zu seiner Kirche (vgl. Eph 4, 24).

Und auch die Zuordnung des Weihesakramentes zum männlichen Geschlecht beruht auf dieser ins Licht des Glaubens erhobenen natürlichen Zeichenhaftigkeit. Der Priester repräsentiert in seiner ganzen Person Christus als „Bräutigam“ der Kirche.

Hier geht es nicht um die Darstellung der naturalen Fruchtbarkeit der stetig sich abwechselnden Jahreszeiten.

CHRISTUS hat Männer als Apostel berufen

Jesus hat bewusst nur Männer als Apostel berufen, als Stammväter des neuen Israel, die ihn dann zu vergegenwärtigen hatten auch im christlichen Kult.

Das hat nichts zu tun damit, dass man sich in der Antike weibliches Priestertum nicht vorstellen konnte. Im Gegenteil: Die Religionen und Kulte Griechenlands und Roms kannten vor allem ein weibliches Priestertum. Ihr Dienst war oft verbunden mit der Tempelprostitution als Darstellung der Fruchtbarkeit der Erde im ewigen Kreislauf von Werden und Vergehen.

Davon setzt sich gerade die in der Bibel bezeugte Offenbarung ab mit ihrem Verweis auf die Geschichtsmächtigkeit Gottes, der nicht durch die naturale Fruchtbarkeit wirkt, sondern durch Menschen, die auf ihn hören, durch ein Volk, das er sich als Eigentum erwählt hat und das in der gesamten biblischen Überlieferung weiblich konnotiert ist, als Tochter Zion, die in Maria eine individuelle, von Gott in besonderer Weise begnadete Person wird.

Die Glaubensüberzeugung von der Schöpfung des Menschen im Gegenüber von Mann und Frau, Geschlechterpolarität und ihre Positivität, ist somit so etwas wie die Grammatik der heilsgeschichtlichen Offenbarung.

Sie ist nicht nur Ausdruck des Wesens des Menschen, sondern auch die Bildseite der Sakramentalität der Kirche. Das schließt selbstverständlich nicht aus, dass die Kirche und alle ihre Glieder jedem Menschen mit Hochachtung begegnen, ganz gleich, welche biologischen oder psychischen Besonderheiten er hinsichtlich seines Geschlechtes aufweist. Jeder Mensch ist ein Geschöpf Gottes.

Die grundsätzliche Infragestellung der in der Schöpfung gegebenen Bezogenheit von Mann und Frau aufeinander hat aber nicht nur erhebliche anthropologische Folgen, sondern auch theologische, insbesondere sakramenten-theologische.

„Als MANN und FRAU schuf ER sie“

Deshalb ist das letzte Woche veröffentlichte Schreiben der römischen Bildungskongregation mit dem Titel „Als Mann und Frau schuf er sie. Für einen Weg des Dialogs über die Genderfrage“ so außerordentlich wichtig.

Es war ja seit langem angekündigt gewesen und fasst die wichtigsten Lehraussagen von Papst Franziskus zu dieser für das Menschenbild wichtigen Frage zusammen. Ich hoffe, dass es bald auch in deutscher Übersetzung vorliegt.

Dass es die Bildungskongregation ist, die das erste der angekündigten Dokumente zu dieser Frage veröffentlicht, hängt mit der von Papst Franziskus schon oft kritisierten „ideologischen Kolonisierung“ zusammen, durch die gerade über den Weg der Erziehung der Kinder und Jugendlichen die Schöpfungswirklichkeit untergraben wird.

Wörtlich heißt es in diesem Dokument mit Papst Franziskus:

Die Gender-Ideologie „fördert Erziehungspläne und eine Ausrichtung der Gesetzgebung, welche eine persönliche Identität und affektive Intimität fördern, die von der biologischen Verschiedenheit zwischen Mann und Frau radikal abgekoppelt sind. Die menschliche Identität wird einer individualistischen Wahlfreiheit ausgeliefert, die sich im Laufe der Zeit auch ändern kann.“

Liebe Schwestern und Brüder!

Das Münster in Ingolstadt ist der Gottesmutter der Schönen Liebe geweiht.

Auch dieses Patrozinium verbindet Altes und Neues Testament. Denn das Wort von der Mutter der schönen Liebe stammt aus dem Buch Jesus Sirach und ist dort der Sophia, der göttlichen Weisheit in den Mund gelegt (vgl. Sirach, 24, 18).

In Maria, so hat es die christliche Tradition erkannt, ist die Mutter der schönen Liebe als unsere Schwester und Mutter geschichtliche Realität geworden.

Ihrer Fürsprache vertrauen wir auch diese Tage des Kongresses Freude am Glauben 2019 an. Dreimal wunderbare Gottesmutter! Bitte für uns!

Quelle: Bistum Regensburg