Was sagen uns Nahtod-Erfahrungen und Visionen über die Realität der Hölle?

Von Felizitas Küble

In gläubigen christlichen Kreisen wird immer wieder der gewiß wohlmeinende Versuch gestartet, die Glaubenslehre von der Existenz der Hölle dadurch zu „beweisen“ oder zumindest nahezulegen, indem auf negative Nahtod-Erlebnisse oder entsprechende Visionen/Erscheinungen verwiesen wird. 

Was ist davon zu halten?

Insgesamt eher wenig. Zum einen sind solche Erfahrungen kein „Beweis“ im eigentlichen Sinne. Nahtod-Erlebnisse sind keine objektiven Jenseits-Trips, da der Mensch noch nicht tot ist, also auch nicht aus einer wirklichen „Ewigkeit“ ins irdische Leben zurückkehrt.

Zweifellos handelt es sich dabei vielfach um Bewußtseinserweiterungen und -überschreitungen  – und insofern um einen Anhaltspunkt dafür, daß der Mensch „unheilbar religiös“ ist. Aber ein Hin-weis ist kein Be-weis.

Daß derartige Erzählungen persönlich-subjektiv ehrlich gemeint sind, kann durchaus angenommen werden, tut aber nichts zur Sache hinsichtlich der objektiven Beweiskraft.

Der springende Punkt ist ohnehin, daß wir auf Erden „im Glauben wandeln, nicht im Schauen“, wie Paulus klarstellt.

Ein Glaube, der krampfhaft nach Erlebnissen und außergewöhnlichen „Beweisen“ sucht, steht auf wackeligen Beinen. Echte Überzeugung ruht in sich selber, gegründet auf der Selbstoffenbarung Gottes in Christus.

Sodann muß man nüchtern sehen, daß diese „Höllen-Visionen“  – ob sie nun auf Nahtoderlebnisse oder auf „Erscheinungen“ zurückgehen – auch inhaltlich/theologisch betrachtet oft seltsam bis irreführend wirken.

Am 26. März 2019 veröffentlichte das erscheinungsbewegte Portal Kath.net eine Story unter dem Titel: „Ich war tot und landete in der Hölle“: http://www.kath.net/news/67423

Darin ist die Rede von dem Nahtod-Schrecken, den Matthew Botsford erlebte: Der US-Amerikaner wurde von einer Kugel getroffen und lag anschließend 27 Tage im künstlichen Koma. Auf dem Weg ins Krankenhaus sei er dreimal wiederbelebt worden.

Er beschreibt, er sei in der „Ewigkeit“ gewesen: „Ich befand mich sofort in einer Art riesigen Höhle, hing mit ausgestreckten Armen wie bei einer Kreuzigung an die Felswand gekettet, unter mir der endlose Abgrund.“

Er spricht von Geruch nach verrottendem Fleisch und davon, daß in der Dunkelheit Augenpaare auftauchen und Krallen, die ihm die Haut vom Körper rissen. In dieses „Höllenverlies“ habe sich aber eine starke Hand ihren Weg geahnt und ihn gerettet. Er sei wieder ins Leben zurückgerufen worden, wozu das Gebet seiner Frau beigetragen habe.

Kath.net hat diese Story – wie zu erwarten war –  völlig unkritisch veröffentlicht.

Doch dazu stellen sich folgende Fragen:

  1. Mister Botsford befand sich nicht in der „Ewigkeit“, wenngleich ihm das subjektiv sicherlich so vorkam und er sich entsprechend „fühlte“ etc. Er wurde aber wiederbelebt, also war er vorher noch nicht wirklich verstorben, sondern befand sich in Todesnähe.
  2. Wäre er im tatsächlichen Jenseits der Hölle gewesen, hätte ihn dort keine „rettende Hand“ herausgeholt, denn eine Befreiung gibt es nur im Zustand der Läuterung, also des „Fegefeuers“.
  3. Für das Fegefeuer ist seine Schilderung jedoch viel zu gräßlich, zudem spricht er selber vom „Höllenverlies“.
  4. Die entscheidende Problematik der Hölle ist die endgültige und ewige Gottesferne  – und nicht sinnliche Strafen und Schreckensdarstellungen wie aus einem Horrorfilm.

Das gilt ähnlich auch für Höllen-Erlebnisse im Zusammenhang mit Marienerscheinungen und Visionen, wie sie von Sr. Faustine über den Vortragsreisenden Helmud Lungenschmid bis hin zu Medjugorje gang und gäbe sind. Auch die vermeintlichen Jenseits-Erfahrungen von Frau Gloria Polo machen im „frommen Lager“ seit Jahren die Runde: Näheres HIER.

Das Wohlfühl-Christentum führt in die Irre

Damit wir nicht falsch verstanden werden:

Die heute weit verbreitete Wohlstandstheologie, das Wohlfühlchristentum und eine einseitige Frohbotschafterei sind ein gefährlicher Irrweg, der die Menschen leichtfertig einlullt und ihnen die nötige Wachsamkeit ausredet.

Das gilt erst recht für die Esoterik, bei der ohnehin alles nach Friede-Freude-Eierkuchen klingt, Harmonie pur – und das „Göttliche“ ist im Menschen von Natur aus selber verankert etc.

Doch die Heilige Schrift und Christi Lehre verkündet einerseits die Frohbotschaft der Erlösung, aber auch den Ernst von Sünde und Gericht, Tod und Teufel, Hölle und ewiger Verlorenheit.

Dennoch überwiegt insgesamt die Glaubensfreude und Zuversicht auf das Heil: „Fürchtet euch nicht“ heißt es nicht ohne Grund so häufig in der Bibel.

Die Alternative zum irreführenden Allerlösungs-Humanitäts-Christentum ist keineswegs das andere Extrem, nämlich Drohbotschaften durch „Seher“ mit einer ständigen düsteren Theologie.

Gerechtfertigt wird diese Panikmache manchmal damit, die Menschen müßten doch gewarnt werden, um der Hölle zu entgehen:  Ganz gewiß –  aber nur mit seriösen Methoden!

Christus sagte im Gleichnis vom ungerechten Prasser: „Sie haben Moses und die Propheten“  – das muß reichen, also Gesetz (Gebote) und Gottes Botschaft (Lehre).

Warum sollte das nicht auch heute gelten?

Zur Höllenvision der Seherkinder von Fatima

Nun könnte der Einwand auftreten, zumal nach dem jüngsten Kinofilm über Fatima, in dem auch die Höllen-Vision der drei Seherkinder vorkommt: 

Aber die drei Kinder von Fatima haben doch auch die Hölle erlebt!

Sehen wir uns also an, was die Seher damals – laut dem Bericht von Lucia (siehe Foto)  –  nach einer Marienerscheinung am 13. Juli 1917 geschaut haben:

„Als die Muttergottes die letzten Worte aussprach, öffnete sie die Hände. Das Strahlenbündel, das von dort ausging, schien in die Erde einzudringen, und wir sahen etwas wie ein grosses Feuermeer, und in ihm versunken schwarze, verbrannte Wesen, Teufel und Seelen in Menschengestalt, die fast wie durchsichtige, glühende Kohlen aussahen.

Sie wurden innerhalb der Flammen in die Höhe geschleudert und fielen von allen Seiten herab wie Funken bei einer grossen Feuersbrunst, gewichtlos und doch nicht schwebend; dabei stiessen sie so entsetzliche Klagelaute, Schmerzens– und Verzweiflungsschreie aus, dass wir vor Grauen und Schrecken zitterten. Die Teufel hatten die schreckliche und widerliche Gestalt unbekannter Tiere, waren jedoch durchsichtig wie glühende Kohle.“   (Quelle: https://fatima.ch/2018/07/13-juli-hollenvision-in-fatima/1314)

Während diese Schweizer Fatima-Seite die Höllen-Vision vom 13. Juli 1917 ausführlich zitiert, hält sich das Fatima-Weltapostolat in Deutschland deutlich zurück und reduziert den „Vorgang“ auf etwa ein Drittel – der Original-Wortlaut wird zudem nur indirekt zitiert: https://www.fatima-weltapostolat.de/fatima-botschaften.html

Zum Sachverhalt ergeben sich folgende Fragen und Einwände: 

1. Ausgerechnet das „Strahlenbündel“ Mariens soll in die Hölle geführt bzw. diese gezeigt haben? Was hat die Gottesmutter mit der ewigen Gottesferne zu tun?  – Und dabei schienen ihre Strahlen „in die Erde einzudringen“ – als ob die Hölle sich im Erd-Inneren befinden würde. Dabei gehört die Hölle – die zudem eher ein Zustand als ein „Ort“ ist – eindeutig in die Dimension der Ewigkeit, also gerade nicht in unsere begrenzte raumzeitliche Welt. Mit anderen Worten: Die Hölle ist nicht den irdischen Naturgesetzen unterworfen.

2. Die Schauer-Darstellungen von Sr. Lucia sind völlig „sinnlich“ geprägt, komplett am vermeintlich äußeren Geschehen und Anschein orientiert – kein Wort davon, daß die Hölle im Zustand der GOTTESFERNE besteht, stattdessen fantasieanregende Panik-Schilderungen mit überflüssigen bis irreführenden Einzelheiten. Unklar ist auch, warum die Dämonen die „widerliche Gestalt unbekannter Tiere“ aufweisen sollen. Auch die gefallenen Engel – also die Teufel – sind nun einmal keine Tiere, sondern Geistwesen!

Einmal abgesehen davon, daß eine solche Panik-Attacke wohl nichts für kleine Kinder ist, was nicht nur psychologisch zu verstehen ist, sondern auch theologisch: Denn Kinder sollen früh genug lernen, in erster Linie aus Liebe zu Gott und den Menschen (und nicht aus einer sinnenhaften Schreckens-Angst vor der Hölle) gläubig und gerecht zu leben.

In formaler Hinsicht sei darauf hingewiesen, daß es sich bei dieser Höllen-Vision nicht um die „Botschaften“ von Fatima handelt (die 1930 bischöflich genehmigt wurden), sondern konkret um das „erste Geheimnis“, das Sr. Lucia aber erst über zwanzig Jahre nach jener Erscheinung erstmals niederschrieb bzw. ihrem Oberhirten brieflich mitteilte.

Da die Approbation (Billigung der Fatima-Botschaften) aber vorher erfolgte, ist die Höllenvision  – genau genommen – gar kein Bestandteil des „anerkannten“ Bereichs, denn die Kirche kann nur etwas erlauben, was ihr bekannt ist – nicht aber  vorwegnehmend etwas billigen, was sie erst hinterher erfährt.

Aber selbst wenn es anders wäre, wenn Lucia dieses „1. Geheimnis“ (Höllenvision) zeitnah  – nämlich Anfang der 20er Jahre  – der kirchlichen Untersuchungskommission mitgeteilt hätte, würde dies keinen Katholiken zum Glauben verpflichten, da auch die kirchlich genehmigten Privatoffenbarungen nicht verbindlich sind.

Eine Approbation „gestattet“ es den Gläubigen lediglich, den Botschaften und Geschehnissen ihre Zustimmung zu schenken – sie können auf diese Zustimmung aber ebenso gut verzichten.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt; ihre Mailanschrift: felizitas.kueble@web.de


Kirchliche „Anerkennung“ einer Erscheinung bedeutet: „Es ist gestattet, daran zu glauben“

Von Felizitas Küble

Von über zweitausend Erscheinungen, Visionen und ähnlichen „übernatürlichen“ Kundgaben hat die katholische Kirche im Laufe der Jahrtausende ganze 16 Stück gebilligt, das sind weniger als 0,1 Prozent – und auch diese „anerkannten“ Privatoffenbarungen sind für Katholiken nicht verbindlich, geschweige verpflichtend. 

Der Ausdruck „Anerkennung“ kann zwa richtig verstanden werden, aber unter Umständen mißverständlich klingen. Manche meinen nämlich, eine Anerkennung sei wie eine Art Amtsstempel, der die übernatürliche Herkunft einer bestimmten Erscheinung sicher verbürgt oder lehramtlich bestätigt.

In Wirklichkeit lautet der offzielle kirchliche Ausdruck für diesen Vorgang aber „Approbation“ – und dieser lateinische Begriff heißt übersetzt: Erlaubnis, Genehmigung oder Billigung  –  nicht aber Bestätigung.

Wenn also eine Erscheinung approbiert wird, ist es dem Kirchenvolk gestattet, daran zu glauben.

Papst em. Benedikt XVI. hat dazu in seinem Apostolischen Schreiben ‪„Verbum Domini“ Stellung bezogen:

„Die kirchliche Approbation einer Privatoffenbarung zeigt daher im wesentlichen an, dass die entsprechende Botschaft nichts enthält, was dem Glauben und den guten Sitten entgegensteht; es ist erlaubt, sie zu veröffentlichen, und den Gläubigen ist es gestattet, ihr in kluger Weise ihre Zustimmung zu schenken.“

Hier die amtliche Übersetzung der vatikanischen Kleruskongregation (siehe Kapitel 14): http://www.clerus.org/bibliaclerusonline/de/h35.htm

Wortwörtlich derselbe Abschnitt („...erlaubt….gestattet...“) findet sich auch in einer Verlautbarung der Glaubenskongregation mit dem Titel Normen für das Verfahren zur Beurteilung mutmaßlicher Erscheinungen und Offenbarungen“ (3. Kapitel) von Kardinal Levada aus dem Jahre 2011: http://www.vatican.va/roman_curia/congregations/cfaith/documents/rc_con_cfaith_doc_20111214_prefazione-levada_ge.html  

Diesen bewährten kirchlichen Standpunkt erwähnte bereits Kardinal Prosper Lambertini, der spätere Papst Benedikt XIV. (siehe Foto), in seinem 1738 erschienenen Standardwerk über Selig- und Heiligsprechungen: 

„Man muss wissen, dass diese Billigung (von Visionen und Offenbarungen) nichts anderes ist als eine Erlaubnis …, sie nach reiflicher Überprüfung zu Belehrung und Nutzen der Gläubigen zu veröffentlichen.‪“

Den Ausdruck „gestattet“ wählte auch der Bischof von Fatima, Dom José, als er die Erscheinungen von Fatima 1930 genehmigte.

In bewährter Tradition bestätigte er in seiner Approbations-Formel keine „übernatürliche“ Herkunft, sondern bezeichnete die Marienerscheinungen zurückhaltend-sachlich als „glaubwürdig“  – gemeint ist damit eine menschliche Glaubwürdigkeit, keine dogmatische Sicherheit. Der Oberhirte erwähnte sodann, die  Verehrung Mariens als „Unsere liebe Frau von Fatima“ sei damit offiziell gestattet.

Kardinal Gerhard Müller erklärte am 3. März 2017 hinsichtlich einer kirchlichen Approbation: „Selbst wenn sich die Kirche für ein solches Phänomen ausgesprochen hat, ist kein Katholik verpflichtet, dorthin zu gehen oder daran zu glauben.“

Er fügte hinzu: „Es gibt vielleicht einige Privatoffenbarungen, aber sie ersetzen nicht die einzige Offenbarung Gottes durch Jesus Christus.“

Der katholische Dogmatiker Prof. Dr. Joseph Schumacher aus Freiburg (siehe Foto) erläutert ebenfalls, daß Privatoffenbarungen von der Kirche ‪„niemals als Gegenstand allgemeiner Glaubenspflicht‪“ vorgelegt werden.

Ihre kirchliche Billigung besage nur, dass in den Botschaften nichts zu finden ist, was dem Glauben und der Sitte widerspreche, daß sie daher veröffentlicht und geglaubt werden dürfen.

Er fährt fort: ‪„Die Approbation gehört nicht in den Bereich des Lehramtes, sondern des Hirtenamtes. Daher sind auch approbierte Privatoffenbarungen für die Gläubigen nicht verpflichtend.

Die Kirche könnte sie gar nicht verpflichtend machen, selbst wenn sie es wollte, denn die kirchliche Unfehlbarkeit bezieht sich nur auf die Bewahrung und Interpretation der öffentlichen Offenbarung.“

Aus diesem Grunde ist es den Gläubigen selbstverständlich gestattet, kirchlich ‪„anerkannte“  bzw. approbierte Erscheinungen auf sachbezogene Weise kritisch zu bewerten.
Prof. Schumacher dazu: ‪„Maßvolle Kritik an den Privatoffenbarungen und ihre begründete Ablehnung sind möglich und durchaus mit dem Glauben zu vereinbaren, wenn sie nur mit der gebotenen Bescheidenheit, vernünftig und ohne Mißachtung vorgetragen werden.“


Bestätigt die kirchliche „Anerkennung“ einer Erscheinung ihre „Übernatürlichkeit“?

Von Felizitas Küble

In erscheinungsbewegten Kreisen wird immer wieder die Meinung geäußert, wenn die Kirche eine Privatoffenbarung anerkenne, bestätige sie damit gleichsam amtlich, daß es sich bei diesem Phänomen um einen übernatürlichen Vorgang handelt, also um ein vom Himmel bewirktes Ereignis. 

Diese – übrigens irrige – Ansicht wird nicht allein von Privatleuten vertreten, sondern wurde z.B. auch von der theologisch relativ anspruchsvollen, traditionell orientierten Internetseite „Katholisches.info“ geäußert.

So heißt es dort in einem Artikel  vom 10. April 2014 (der sich kritisch mit einem Text aus unserem CHRISTLICHEN FORUM befaßt), die Kirche habe die „Offenbarungen an die Seherkinder von Fatima anerkannt“ (was ohnehin unstrittig ist); sie seien aber „keineswegs etwas Privates“.

Weiter heißt es an die Adresse der Kirche gerichtet: „Wer eine solche Botschaft als übernatürlich anerkennt, kann, sofern er nicht schizophren denkt, unmöglich zugleich behaupten, es müsse sich aber keiner dran halten.“

Sodann schreibt ein anderer Autor am 21.3.2014 auf demselben Portal, Fatima sei „vom portugiesischen Episkopat 1930 als übernatürlich anerkannt worden“.

In Wirklichkeit wurde diese Privatoffenbarung vom Bischof von Fatima, Dom José (nicht vom dortigen „Episkopat“), in einem Pastoralschreiben lediglich gebilligt; das Wort „übernatürlich“ kommt in der Approbations-Formel nicht vor.

Vielmehr heißt es in bewährter kirchlicher Ausdrucksweise, die Visionen der Hirtenkinder seien „glaubwürdig“ und die  Verehrung Mariens als „Unsere liebe Frau von Fatima“ sei damit offiziell „gestattet„.

Drei Jahre später  –  am 3. Mai 2017 – klingt es in einem weiteren Artikel auf derselben Webseite „Katholisches.info“ schon etwas zurückhaltender und damit richtiger:

„Die Kirche reagiert vorsichtig, zurückhaltend und behutsam. Sie hat keine Eile, weil die göttliche Offenbarung mit Christus abgeschlossen ist und „Sonderoffenbarungen“ ihr nichts mehr hinzufügen können, was nicht schon gesagt ist.

Es handelt sich dabei, ob anerkannt oder nicht, bei allen Phänomen seither um Privatoffenbarungen, denen kein offizieller Charakter zukommt und die – selbst bei kirchlicher Anerkennung – von keinem Gläubigen geglaubt und anerkannt werden müssen.“

Also schön – immerhin etwas dazugelernt!

Und nun zur Sache selbst, wobei vorweg die Frage zu klären ist:  Was bedeutet eine kirchliche „Anerkennung“?

Der Ausdruck ist ungenau, denn der amtliche kirchliche Fachbegriff „Approbation“ beinhaltet keineswegs eine Anerkennung im Sinne einer Bestätigung, sondern bedeutet sowohl inhaltlich wie sprachlich vielmehr: Erlaubnis, Billigung, Genehmigung.

Wenn die Kirche also eine Privat- bzw. Sonderoffenbarung billigt, gestattet sie es den Katholiken, an diese Erscheinung zu glauben, verpflichtet sie aber nicht dazu.

Manche Apparationisten (Erscheinungsbewegten) wollen diesen schlichten Sachverhalt nicht gerne wahrhaben, sondern deuten eine Approbation als vermeintliche Bestätigung der „Übernatürlichkeit“.

In Wirklichkeit „bestätigt“ die Kirche aber lediglich, daß es erlaubt ist, an die betreffende Privatoffenbarung zu glauben – punktum.

Kardinal Gerhard Müller erklärte am 3. März 2017 wörtlich hinsichtlich einer kirchlichen Approbation: „Selbst wenn sich die Kirche für ein solches Phänomen ausgesprochen hat, ist kein Katholik verpflichtet, dorthin zu gehen oder daran zu glauben.“

Er fügte noch hinzu: „Es gibt vielleicht einige Privatoffenbarungen, aber sie ersetzen nicht die einzige Offenbarung Gottes durch Jesus Christus.“


Die Welt auf der Suche nach dem Wunder…

Von Felizitas Küble

Die neue Ausgabe der Illustrierten „Stern“ schreibt seitenlang über außergewöhnliche Vorgänge und Wunder-Phänomene in der christlichen und außerchristlichen Welt.

Vor wenigen Tagen ist im Kino ein aus Frankreich stammender Spielfilm mit dem Titel „Die Erscheinung“ angelaufen (siehe Foto), der sich über zwei Stunden hinzieht und dennoch nicht die Spannung verliert, zumal er manche Elemente einer Detektiv-Story und eines Thrillers aufweist.

Freilich geht es dem Streifen letzten Endes eher um dramaturgische Effekte und psychologische Hintergründe, weniger um eine theologisch gründliche Antwort auf die Frage, ob die Marienerscheinung, die einer jungen Frau im Süden Frankreichs widerfahren sein soll, himmlischen oder anderweitigen Ursprungs ist.

Vieles, was typisch für solche Ereignisse ist, wird in diesem Spielfilm realistisch gezeichnet: die Schar naiver bis verzückter Anhänger, die mit dem Pilgerstrom verbundene Geschäftemacherei, die Anziehungskraft des „Wunderbaren“ auch in unserer angeblich so „säkularen“ Gesellschaft, sodann die grundsätzlich kritische Haltung der Kirche gegenüber „Privatoffenbarungen“.

Dies ist sicherlich ein positiver Punkt in diesem melodramatischen Film „Die Erscheinung“:

Die distanzierte Einstellung des Vatikan angesichts spektakulärer Vorgänge wird klar aufgezeigt. Die Haltung der Kirche beruht auf ihrer gründlichen Erfahrung von zweitausend Jahren – zudem ergänzt durch den fundamentalen Lehrsatz, wonach die Offenbarung Gottes mit dem Tod des letzten Apostels abgeschlossen ist.

Daher sind sogenannte „Privatoffenbarungen“ für die Gläubigen nicht verbindlich; das gilt auch für kirchlich gebilligte Erscheinungen  –  für die anderen erst recht.

So gesehen ist es  nur folgerichtig, daß der Vatikan – wie in diesem Film dargestellt – sogar einen agnostischen, also eher ungläubigen Reporter aus dem weltlichen Milieu in seine Untersuchungkommission beruft, die ansonsten aus Medizinern, Theologen, Historikern und Psychiatern besteht.

Die Kirchenmänner denken sich: Dieser nüchterne Kriegsberichterstatter aus Syrien, der das harte Leben kennt und sich nichts vorflunkern läßt, soll der Wahrheit dieser Erscheinung auf den Grund gehen und alles akribisch  und detektivisch untersuchen.

Tatsächlich hat die Kirche von über zweitausend angeblichen „Privatoffenbarungen“ bislang lediglich 16 positiv beschieden, das sind nicht einmal 1%. Bekannt sind davon vor allem Fatima, Lourdes und Guadalupe.

Wobei das geläufige deutsche Wort „Anerkennung“ keine präzise Übersetzung des kirchlichen Begriffs „Approbation“ darstellt; dieser bedeutet übersetzt nämlich nicht „Anerkennung“ (im Sinne einer Bestätigung), sondern Erlaubnis, Genehmigung, Billigung  – mit anderen Worten: Es ist den Katholiken im Falle einer Approbation „gestattet„, an die betreffende Erscheinung zu glauben, doch besteht hierzu keinerlei Verpflichtung.

Eine approbierte Erscheinung ist nicht nur kein Dogma, sie gehört auch nicht zur amtlichen kirchlichen Verkündigung, ist also kein Bestandteil des „depositum fidei“ – so heißt das der Kirche hinterlegte „Glaubensgut“, also die Gesamtheit ihrer Lehraussagen. Diese beruhen auf zwei Säulen: Der Heiligen Schrift und der apostolischen Überlieferung, also Schrift und Tradition. Das kirchliche Lehramt bildet gleichsam das schützende „Dach“ über diesen beiden Säulen.  

Erscheinungen sind weder Stützpfeiler noch Dach, geschweige ein Fundament des Glaubens – sondern im Falle ihrer Billigung können sie ein persönlicher Ansporn für die Gläubigen sein, ein Impuls für die Glaubenspraxis, aber kein Bestandteil der kirchlichen Verkündigung.

 


HEEDE: Marienerscheinungen im Emsland?

Von Felizitas Küble

Am 1. November 2017 erinnerte der katholische Schriftsteller Michael Hesemann auf dem erscheinungsbewegten Portal „Kath.net“ an die wundersamen Ereignisse in der emsländischen Dorfgemeinde Heede am Allerheiligenfest 1937, also mitten in der Nazizeit: http://www.kath.net/news/61509

Unter dem Titel „Ein deutsches Fatima?“ würdigt der Autor die über hundert Marienerscheinungen auf dem dortigen Friedhof und den umliegenden Grundstücken; er erwähnt, daß Heede vom zuständigen Osnabrücker Bischof Bode als Gebetsstätte anerkannt sei. 

Allerdings ist dies sogar in Heroldsbach der Fall, der kirchlich am meisten abgelehnten Privatoffenbarung aller Zeiten.

Auch hier wurde vom Bistum Bamberg – bei bleibendem NEIN zu den angeblichen Erscheinungen  – eine Gebetsstätte eingerichtet, was zwar ein gewisses „pastorales“ Zugeständnis an die anhaltenden Pilgerscharen darstellt, aber gleichwohl nicht mit einem kirchlich anerkannten Wallfahrtsort bzw. einer gebilligten Erscheinungsstätte vergleichbar ist. 

So ist auch Heede kirchlich keineswegs approbiert (genehmigt, gutgeheißen), sondern wird lediglich – wie in ähnlichen Fällen auch –  sozusagen toleriert.

Allerdings wird die feinsinnige Unterscheidung zwischen „Gebetsstätte“ und „Wallfahrtsstätte“ von den Gläubigen oftmals nicht beachtet, weshalb diese diplomatisch sein sollende „Regelung“ in der Praxis mißverständlich bis irreführend ist. 

Zurück zu Heede, wo vor über 80 Jahren die Gottesmutter erschienen sein soll, wobei sie sich als „Königin des Weltalls“ und „Königin der Armen Seelen“ präsentierte und zukünftig unter diesen Titeln verehrt werden wollte. 

Hier stellt sich die z.B. die Frage, ob „Königin“ der Armen Seelen denn eine theologisch sinnvolle Formulierung darstellt.

Die Gottesmutter ist Helferin und Fürsprecherin der Christgläubigen, also sicherlich auch der Seelen im jenseitigen Läuterungszustand. Den Ausdruck „Königin“ könnte man landläufig aber auch so verstehen, als ob sie die „Erste unter Gleichen“ wäre. Die Madonna ist gewiß nicht die oberste „Arme Seele“, sondern lebt in der himmlischen Herrlichkeit.

Außerdem ist dieser Titel in der kirchlichen Tradition nicht präsent; weder findet er sich in der Lauretanischen Litanei noch in amtlichen Dokumenten. 

Ähnliches gilt für die Bezeichnung „Königin des Weltalls“, mag sie auch von Pius XII. einige Male verwendet worden sein. Eine fundierte Überlieferungsgeschichte existiert für einen solchen marianischen Ehrentitel jedenfalls nicht.

Es gibt eine Reihe von Büchern über Heede, darunter jenes von Heinrich Eizereif (siehe Foto), das aber – wie die meisten Publikationen dazu – unkritisch berichtet. Die Marienstatue auf dem Titelbild ist nach den Aussagen der vier jugendlichen Visionärinnen entstanden (zunächst waren es fünf Sehermädchen, aber eine von ihnen ist schon früh „abgesprungen“).

Was an dieser Darstellung etwas verwundert, ist die Tatsache, daß die „Madonna“ ihre linke Hand (vom Betrachter aus gesehen) auf die Erdkugel hält  – über dem Globus befindet sich aber ein Kreuz. So stellt sich die Frage, warum diese „Maria“ die Erde und das Kreuz Christ gleichsam mit ihrer Handfäche „trennt“.

Bei der letzten Heede-Vision am 3. November 1940 verabschiedete sich die angebliche Gottesmutter von den Sehermädchen folgendermaßen: „Nun, liebe Kinder, zum Abschied noch den Segen! Bleibt Gott ergeben und brav! Betet oft und gern den Rosenkranz! Nun ade, liebe Kinder. Auf Wiedersehen im Himmel!“ 

Abgesehen von der bieder-naiven Sprache (z.B.“brav“) fällt auf, daß von Christus nicht die Rede ist. Zudem entsteht der Eindruck, als habe die Erscheinung den Kindern eine „unschlagbare“ Heilsgewißheit vermitteln wollen: „Auf Wiedersehen im Himmel!“  

Als Christen dürfen wir, wenn wir uns um die Nachfolge Christ ernsthaft bemühen, gewiß von Zuversicht und Heils-Hoffnung getragen sein, aber nicht von einer verstiegenen Heils-Sicherheit. Schließlich können wir nicht im vorhinein wissen, ob wir bis zuletzt dem Glauben treu bleiben und ob wir wirklich einst im Frieden Christi sterben.

Zum Phänomen Heede möchte ich mich gelegentlich in weiteren Beiträgen äußern und zusätzliche kritische Punkte ansprechen. Dieser Artikel soll lediglich als „Einleitung“ dazu dienen.

 


Dokument: Die Glaubenskongregation zur „Frau aller Völker, die einst Maria war“

Jahrzehntelang haben sich die zuständigen Bischöfe in Holland gegen die Glaubwürdigkeit der „Marienerscheinungen“ von Amsterdam gestellt, ebenso der Vatikan mit der seinerzeit von Kardinal Joseph Ratzinger geleiteten Glaubenskongregation (dies geschah freilich auch bereits unter seinen Vorgängerpräfekten).

Dennoch trieb die Verehrung der „Frau aller Völker“ nicht nur in Europa, sondern weltweit reichliche Blüten bzw. Sumpfblüten.   

Trotz eindeutiger kirchlicher Ablehnungen hat der niederländische Bischof Punt im Jahre 2002 diese offensichtlich irrgeistige Privatoffenbarung approbiert (genehmigt).

Als Bischof Luis A. Tagle von Imus (Philippinen) am 25. Oktober 2004 bei der römischen Glaubenskongregation u.a. anfragte, was von der Verehrung dieser „Frau aller Völker“ zu halten ist, erhielt er am 20. Mai 2005 von der Glaubenskongregation (CONGREGATIO PRO DOCTRINA FIDEI  = CDF) bzw. Erzbischof Amato eine Antwort, in der kirchliche Besorgnis ausgedrückt wird hinsichtlich jenes bekannten Amsterdamer Gebets, das sich an die sogenannte „Frau aller Völker, die einst Maria war“ wendet. (Einen Monat vor der Briefabfassung war Kardinal Ratzinger zum Papst gewählt worden; sein Nachfolger als Glaubenspräfekt war Kardinal Levada, dessen Sekretär hieß Erzbischof Amato, der Verfasser des erwähnten Schreibens.)

Unsere holländische Gastautorin Hildegard Alles hat diesen Vorgang und seine irreführende Auslegung durch FaV-Anhänger bereits im CHRISTLICHEN FORUM geschildet: https://charismatismus.wordpress.com/2017/09/02/der-vatikan-und-die-anhaenger-der-frau-aller-voelker-die-einst-maria-war/

Wir dokumentieren hier zudem vollständig das Schreiben der Glaubenskongregation (soweit es die Causa Amsterdam betrifft) in einer deutschen Übersetzung von Hildegard Alles; eine autorisierte vatikanische Übersetzung liegt nicht vor. (Linien zur Hervorhebung von uns). Darunter setzen wir den englischen Originaltext:

Eure Exzellenz,

… Hinsichtlich der Verehrung der “Frau aller Völker“ und der Marienerscheinungen, die die verstorbene Seherin Ida Peerdeman erfahren hat, möchte ich Eurer Exzellenz mitteilen, dass, obwohl die genannten Erscheinungen von Seiner Exzellenz, Hochwürden  Joseph Maria Punt, Bischof von Haarlem (Holland) in einer Mitteilung vom 31. Mai 2002 gebilligt wurden, die Kongregation für die Glaubenslehre ihre Besorgnis ausgesprochen hat bezüglich  eines bestimmten Aspekts dieser Verehrung, wobei im öffentlichen Gebet die Heilige Jungfrau Maria angerufen wird als “Frau aller Völker“, „die einst Maria war”.

In der Tat, dieses  Dikasterium hat in einem Brief an Seine Exzellenz, Hochwürden François Bacqué, Apostolischer Nuntius in den Niederlanden, darauf hingewiesen, dass die marianische Verehrung genährt und entwickelt werden muss in Übereinstimmung mit den Anweisungen des Heiligen Vaters in „Redemptoris Mater“ und „Rosarium Virginis Mariae“ und nicht infolge von Privatoffenbarungen bzw. der Hervorhebung  eines ‘neuen’ Namens, wie ‘Frau aller Völker, die einst Maria war´.

Deshalb wird Eure Exzellenz gebeten, die oben genannten Ratschläge zu berücksichtigen und die Mitglieder der Katholischen Bischofskonferenz der Philippinen darüber zu informieren, dass die Glaubenskongregation keiner katholischen Gemeinschaft Christgläubiger erlaubt, zur  Gottesmutter zu beten unter dem Titel „Frau aller Völker“ mit dem Zusatz „die einst Maria war“. (…)

Ich nehme diese Gelegenheit wahr, um Ihnen meine aufrichtige Hochachtung auszusprechen und verbleibe mit brüderlichen guten Wünschen, 

Mit freundlichen Grüßen im Herrn
Angelo Amato, SDH, Titular-Erzbischof von Sila, Sekretär

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Englisch-sprachiger ORIGINAL-Text:

CONGREGATIO
PRO DOCTRINA FIDEI, 00120 Cita del Vaticana
20 May 2005
Prot. N. 511/93. 242/06 – 21006

Your Excellency,

…With regard to the devotion known as „Lady of all Nations“ and the Marian apparitions experienced by the late visionary Ida Peerdeman, I wish to advise your Excellency that although the said apparitions have received approval from His Excellency, the Most Reverend Joseph Maria Punt, Bishop of Haarlem (Holland), in his communication of 31 May 2002, the Congregation for the Doctrine of the Faith has expressed concern regarding one particular aspect of that devotion whereby official prayers invoke the Blessed Virgin Mary as „Lady of All Nations“ „who once was Mary“.

In fact, this Dicastery, in a letter to the His Excellency, The Most Reverend François Bacqué, Apostolic Nuncio to the Netherlands, has indicated that Marian devotion must be nourished and developed in accordance with the indications given by the Holy Father in „Redemptoris Mater“and „Rosarium Virginis Mariae“ and not according to private apparitions nor according to the emphasis on a „new“ name, such as „Lady of All Nations who once was Mary“.

Therefore, your Excellency is requested to take into consideration the above mentioned advisory and inform the members of Catholic Bishop’s Conference of the Philippines that the Congregation for the Doctrine of the Faith does not permit any Catholic community of Christ’s Faithful to pray to the Mother of God under the title of „Lady of All Nations“ with the added expression „who once was Mary“.

I take this opportunity to express my sincere respect and with fraternal good wishes,
I remain Yours cordially in the Lord
Angelo Amato, SDH, Titular Archbishop of Sila, Secretary

 


Kardinal Müller: Die Zukunft der Kirche hängt nicht von Fatima oder Lourdes ab

Nach Ansicht von Kurienkardinal Gerhard Müller übertreiben manche Katholiken die Bedeutung von Privatoffenbarungen, „als ob sie fast ein Dogma seien“.

Gegenüber der italienischen Nachrichtenagentur ANSA wies der Präfekt der vatikanischen Glaubenskongregation darauf hin, daß auch die von der Kirche approbierten (erlaubten, „anerkannten“) Erscheinungen für die Gläubigen nicht verbindlich sind:

„Selbst wenn sich die Kirche für ein solches Phänomen ausgesprochen hat, ist kein Katholik verpflichtet, dorthin zu gehen oder daran zu glauben.“

In puncto Medjugorje erklärte der Kirchenmann und frühere Oberhirte von Regensburg, die Klärung dieser Ereignisse werde weitere Zeit benötigen, doch im Moment gehe es darum, die pastorale Situation zu regeln. Hinsichtlich der dortigen Visionäre sagte der Glaubenspräfekt: 

„Was die Rolle der Seher anbelangt, muß ich als Katholik sagen, daß wir uns auf Jesus Christus konzentrieren sollen.“ 

Er fügte grundsätzlich hinzu: „Es gibt vielleicht einige Privatoffenbarungen, aber sie ersetzen nicht die einzige Offenbarung Gottes durch Jesus Christus.“

Für die Kirche sei Medjugorje nicht von Bedeutung  –  und auch betreff der kirchlich gebilligten Erscheinungsstätten gelte, daß sie religiös hilfreich sein können, aber die „Zukunft der Kirche“ hänge nicht von Fatima oder Lourdes ab.

Quelle für die Zitate (italienisch): http://www.ansa.it/sito/notizie/topnews/2017/03/03/medjugorje-mueller-troppe-esagerazioni_f2c6e8b5-e3e8-47c0-9e90-42d3a47b93d2.html

Foto: Bistum Regensburg


Sind die Verheißungen von FATIMA erfüllt? – Hat sich Rußland bereits bekehrt?

Von Felizitas Küble

Die weltbekannten Erscheinungen von Fatima (Portugal) aus dem Jahre 1917 sind seit 1930 kirchlich approbiert (genehmigt, gebilligt). Diese Befürwortung des damaligen Bischofs von Leira-Fatima erlaubt es den Gläubigen, den Marienbotschaften ihre Zustimmung zu schenken, verpflichtet sie aber nicht dazu. 2732900420_68d28f8a20

Die Offenbarung Gottes ist laut kirchlicher Lehre mit dem Tod des letzten Apostels abgeschlossen, weshalb sog. „Privatoffenbarungen“ – auch im Falle einer „Anerkennung“  –  für die Gläubigen nicht verbindlich sind; jene gebilligten Erscheinungen sind nicht nur kein Dogma, sie gehören auch nicht zum „Glaubensgut“ der Kirche, sind also kein integraler Bestandteil ihrer amtlichen Verkündigung.

Im Zusammenhang mit dem Fatima-Phänomen gibt es mittlerweile eine Reihe von Bittschriften und Petitionen, in welchen die Kirchenführung aufgefordert wird, die von Fatima geforderte Weihe Rußlands an das Unbefleckte Herz Mariens zu vollziehen, um damit eine Bekehrung Rußlands und ein Zeitalter des Friedens einzuleiten.

Vatikan: Rußlandweihe erfolgte 1984 durch Johannes Paul II.

Der Vatikan hingegen weist dieses Ansinnen zurück mit der Begründung, jene Weihe sei bereits vor über 20 Jahren von Papst Johannes Paul II. vorgenommen worden, weshalb die entsprechenden Forderungen gegenstandslos seien.

Zu diesem Streitpunkt folgen nun einige Infos von beiden Seiten:vierge_pellevoisin

Die Hauptseherin von Fatima ist die Ordensfrau Sr. Lucia, die hochbetagt im Jahre 2005 verstarb.

Schwester Lucia gab ab den 30er Jahren bekannt, daß sie auch nach den kirchlich approbierten Erscheinungen von Fatima weitere Botschaften des Himmels erhalten habe, darunter eine Marienvision vom 13. Juni 1929 mit u.a. folgendem Inhalt: „Die Zeit ist gekommen, wo GOTT den Heiligen Vater bittet, in Vereinigung mit allen Bischöfen der Welt die Weihe Rußlands an mein Unbeflecktes Herz vorzunehmen, wobei ER verspricht, es (Rußland) durch dieses Mittel zu retten.“   

In weiteren Äußerungen Lucias wurde zudem als Folge dieser Weihe „eine Zeit des Friedens“ angekündigt.

Das Thema Rußlandweihe spielt aktuell nach wie vor in vielen katholischen Veröffentlichungen eine beträchtliche Rolle.

„Kath.net“: Ankündigungen Fatimas bereits eingetroffen

So gibt z. B. die bekannte katholische Nachrichtenseite „Kath.net“ in einem Artikel mit dem Titel „Geistliche Luftbrücke Moskau-Fatima“ am 19. August 2016 zu verstehen, daß die Abschaffung des Kommunismus in der Sowjetunion eine Erfüllung der Fatima-Verheißung sei:

„Pater Werenfried van Straaten, viele Gläubige in Russland und weltweit waren davon überzeugt, dass die Geschehnisse der Wendejahre eng mit der Botschaft von Fatima in Verbindung stehen…

Der Moskauer Putsch am 19. August, der das Ende der Sowjetunion einleitete, fiel genau auf den Jahrestag der vierten Marienerscheinung in Fatima. Die Nachricht von der Zerschlagung des Putsches erreichte die Welt am 21. August, an dem die kirchliche Liturgie den Gedenktag „Maria Königin“ feiert.

Als Dank für die friedliche Revolution und den Fall des Kommunismus initiierte „Kirche in Not“ zusammen mit katholischen wie orthodoxen Kirchenvertretern und mehr als 150 russischen Fernseh- und Radiosendern am 13. Oktober 1991 eine Liveübertragung der Wallfahrtsfeierlichkeiten aus Fatima.“

Vielfache Kritik an „fehlender Weihe Rußlands“

Traditionell orientierte Gruppierungen denken häufig anders über diese angeblichen Zusammenhänge.

In diversen katholischen Internetseiten wird behauptet, die Weihe Rußlands sei in Wirklichkeit „immer noch nicht erfolgt“, beispielsweise hier: https://wegwahrheitleben.wordpress.com/2010/12/13/die-geheimnisse-von-fatima-iv-die-weihe-russlands-ist-noch-immer-nicht-erfolgt/

Die traditionalistische Webseite „Katholisches.info“ vom 14.10.2013 schreibt dazu in ähnlicher Weise Folgendes: picture-45

„Die 2005 in Coimbra verstorbene letzte Seherin von Fatima, die Karmelitin Schwester Maria Luzia vom Unbefleckten Herzen beharrte darauf, daß mit der Weihe der Welt an das Unbefleckte Herz Mariens 1984 durch Johannes Paul II. der Wunsch der Gottesmutter noch nicht erfüllt worden sei, da Rußland nicht erwähnt wurde.“

(Es trifft zu, daß Rußland in jener Weiheformel von 1984 nicht namentlich erwähnt (sondern allenfalls angedeutet) wurde. Die Behauptung, Lucia habe diese Weihe nicht als gültig angesehen, wird in diesem Artikel allerdings nicht belegt.)

Der seit Jahrzehnten Fatima-aktive Pater Nicolas Gruner schrieb am 1. Mai 2014 ebenfalls, die Weihe Rußlands sei noch nicht erfolgt. Näheres hier: https://poschenker.wordpress.com/2014/06/30/pater-nicolas-gruner-weihe-russlands-an-das-unbefleckte-herz-mariens-aktion-bittschrift-an-den-papst/

Rom: Sr. Lucia bestätigt die Rußlandweihe

Völlig anders äußert sich hingegen das offizielle Web-Portal des Vatikan hierzu. Dort heißt es: 

„Schwester Lucia bestätigte persönlich, daß dieser feierliche und universale Weiheakt dem entsprach, was Unsere Liebe Frau wollte („Sim, està feita, tal como Nossa Senhora a pediu, desde o dia 25 de Março de 1984“: „Ja, es ist so geschehen, wie es Unsere Liebe Frau am 25. März 1984 erbeten hatte“: Brief vom 8. November 1989)“

In Übereinstimmung damit berichtete vor drei Jahren der „Schweizer Fatima-Bote“ (Nr. 56) folgendes:Vat_Flagge

„Nach seiner Rückkehr von Rom wagte Pater Luis Kondor am 11.Mai 1984 Sr. Lucia im Karmel von Coimbra zu fra­gen: „Ist die Weihe wirklich vollzogen worden, wie dies Unsere Liebe Frau erbeten hatte?“. –  Sie antwortete: „Ja, diese Weihe wurde vom Himmel ange­nommen“. „Und wel­ches Zeichen werden wir dafür, Schwester, erhalten?“ – „Schauen sie in den Osten von dort wird die Antwort kommen“.

Und sie kam tatsächlich. Schwester Lucia bestätigte auch die Nachricht über die Bekehrung Russlands, die sie aus einer glaubwürdigen Quel­le erhalten hatte: Russland hat offiziell den Weg des gottlosen Kommunismus aufgegeben und ist zur Religionsfreiheit zurückgekehrt.“

Der in diesem Artikel erwähnte Pater Louis Kondor war der amtliche Leiter des Seligsprechungsverfahrens für die beiden anderen Fatima-Seher Jacinta und Francesco; zudem stand er jahrzehntelang im Kontakt mit Sr. Lucia und war zuständig für die Veröffentlichung ihrer Erinnerungen.

Rückschau der Fatima-Seherin: Verheißungen sind erfüllt

Im Jahre 2006 erschien von offiziöser Seite eine aufschlußreiche Buchbroschüre (siehe Foto): „Schwester Lucia –  Die Botschaft von Fatima“.  – Der Untertitel lautet: „Wie sehe ich die Botschaft durch die Zeit und durch die Ereignisse?“Titel

Nach einer Aufforderung ihres Ordensgenerals hatte Schwester Lucia noch im hohen Alter eine Art Rückschau auf die damaligen Ereignisse vorgenommen und dabei notiert, wie sie die Botschaft von Fatima durch die vergangene Zeitspanne hindurch beurteilt und aus ihrer jetzigen Sicht beleuchtet.

In dieser Veröffentlichung, die von ihrem Karmel-Kloster in Coimbra herausgegeben und mit Imprimatur ihres Bischofs von Leira-Fatima versehen wurde, geht es auch um das umstrittene Thema der Weihe und die damit verbundene Verheißung einer Bekehrung Rußlands und einer Zeitspanne des Friedens.

Dazu schreibt Sr. Lucia auf Seite 52 hinsichtlich der von ihr zitierten Erscheinungs-Botschaft „Der Heilige Vater wird mir Rußland weihen, das sich bekehren wird“ Folgendes:

„Das Wort „das sich bekehren wird“ kommt vom Wort „Bekehrung“. Das heißt, es wird einen Wechsel geben vom Bösen zum Guten. (…) Diese Weihe erfolgte öffentlich durch den Heiligen Vater Johannes Paul II. in Rom am 25. März 1984 vor dem Gnadenbild unserer Lieben Frau. (…)

Nachdem der Heilige Vater alle Bischöfe der Welt angeschrieben hatte mit der Bitte, sie mögen sich in diesem Weiheakt mit Seiner Heiligkeit vereinigen, ordnete er an, dass das Gnadenbild  eigens nach Rom gebracht werde, um zum Ausdruck zu bringen, dass er die Weihe vor diesem Bild vollziehe, weil Unsere Liebe Frau von Fatima darum gebeten hatte.“

Schwester Lucia: „Es gibt immer noch Blinde…“

Auf S. 54 bekräftigt Sr. Lucia ihre Sicht der Dinge, wonach der Weiheakt vollzogen und die Bekehrung Rußlands erfolgt sei, wobei sie etwas ungnädig über die Skeptiker bzw. „Blinden“ urteilt: P1020947 - Kopie

„Nach all dem gibt es immer noch Blinde, die nicht sehen oder nicht sehen wollen und sagen: Aber es gibt immer noch Kriege in dieser Welt und unsere Herrin hat doch den Frieden versprochen.“

Zu diesem Einwand äußert sich die Hauptseherin von Fatima folgendermaßen:

„Ja, unsere Herrin hat den Frieden versprochen im Blick auf alle Kriege in der Welt, die durch den gottlosen Kommunismus entfacht wurden, nicht aber im Blick auf die Bürgerkriege, die es immer gab und geben wird.“

Neue Definition: „Bekehrung bedeutet Umwandlung zum Guten“

Auf S. 55 geht Sr. Lucia erneut auf Ihre spezielle Deutung der Bekehrungs-Verheißung von Fatima ein:

„Das Wort „wird sich bekehren“ heißt: Es wird eine Umwandlung vom Bösen zum Guten erfolgen. Oder es wird eine Verwandlung geben.“

Damit dürfte klar sein: Schwester Lucia geht davon aus, daß die Verheißung einer Bekehrung Rußlands und einer Periode des Friedens bereits in Erfüllung gegangen ist.

Hierzu stellen sich aus meiner Sicht folgende Fragen bzw. Einwände:  131223-stern-von-bethlehem_b87bfae72c

  1. Unter Bekehrung wird unter gläubigen Katholiken zweifellos eine Umkehr bzw. Hinwendung zur katholischen Kirche verstanden. Dies würde bedeuten, daß Rußland  –  also zumindest die Mehrheit des Volkes bzw. der meisten Orthodoxen und sonstigen Christgläubigen  –  sich wieder der katholischen Kirche anschließt. Die bescheidenste Mindestanforderung wäre eine allgemeine Hinwendung der Bevölkerung zum christlichen Glauben (selbst wenn dies die schismatisch-orthodoxe Version wäre). Aber nicht einmal hiervon kann annähernd die Rede sein. Eher gewinnt man den Eindruck: In Rußland blüht weniger der Glaube als vielmehr der Aberglaube (Esoterik, Magie, Okkultismus, Geistheilertum, Schwärmerei)  –  von diversen politischen Problemen und verheerenden Mißständen ganz zu schweigen.
  2. Wenn Sr. Lucia erklärt, unter „Bekehrung“ sei eine „Umwandlung vom Bösen zum Guten“ zu verstehen, so ist dies bestenfalls an den Haaren herbeigezogen. Einen solchen Zustand  –  also auch den Fall des Kommunismus  –  kann man gewiß als deutliche politische Besserung einordnen, hat aber mit einer „Bekehrung“ im eigentlichen Sinne schlichtweg nichts zu tun. Niemand käme zum Beispiel auf die fantasievolle Idee, aus dem bloßen Ende des „DDR“-Kommunismus zu schlußfolgern, in den neuen Bundesländern habe dadurch zugleich eine „Bekehrung“ stattgefunden.  – Dazu kommt: Die „drei Geheimnisse“ sollen den Seherkindern am am 13. Juli 1917 mitgeteilt worden sein. Damals gab es noch kein kommunistisches System in Rußland (siehe Ausdruck „Oktoberrevolution“ 1917), die orthodoxe Konfession war noch Staatskirche. Eine „Bekehrung Rußlands“ konnte also zu jenem Zeitpunkt nur eine allgemeine Konversion des Volkes zur katholischen Kirche bedeuten.
  3. Aus der Fatima-Verheißung geht eindeutig hervor, Rußland werde sich bekehren und der Welt werde „eine Zeit des Friedens gewährt“. Die von Lucia erwähnte Einschränkung, dies beziehe sich allein auf jene Kriege, die der „gottlose Kommunismus“ verursache, ist im Wortlaut der Fatima-Botschaft nicht enthalten. (Zudem ist der Kommunismus  –  genau genommen  –  nicht nur „gottlos“ wie zB. der Atheismus, sondern antigöttlich – er bekämpft aktiv den Gottesglauben!)

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den katholischen KOMM-MIT-Verlag in Münster und das Christoferuswerk, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.

 

 

 


Kardinal Müller will „Botschaften“ und charismatische Phänomene kritisch prüfen

Am vergangenen Dienstag teilte das vatikanische Presseamt mit, daß Kardinal Gerhard Müller am 14. Juni 2016 ein Schreiben an die Bischöfe der katholischen Weltkirche richten wird, in dem er sich vor allem über Privatoffenbarungen sowie charismatische Bewegungen und Phänomene äußere und Richtlinien für ihre Beurteilunge vorlege.

Dabei geht es Medienberichten zufolge vor allem um das Verhältnis von Amt und Charisma, von kirchlicher Hierarchie und „charismatischen Gaben“.Scannen0008

Das angekündigte Dokument der Glaubenskongregation trägt den lateinischen Titel Iuvenescit Ecclesia („Die Kirche verjüngt sich“).

Wie die französische Tageszeitung „La Croix“ schreibt, will die wichtigste vatikanische Kongregation in Zukunft charismatische Gruppierungen stärker beaufsichtigen und Privatoffenbarungen, von denen Mitglieder aus entsprechenden Gruppen häufig berichten, sorgfältiger untersuchen lassen.

Kardinal Müller sagte in einem Interview mit der Vatikanzeitung, Charismatiker seien in etwa wie „ungeplante Kinder“, die ebenfalls geliebt würden, deren „grundstürzende“ Neuheiten aber „verstörend“ wirken könnten, weshalb sie der „Reinigung“ bedürften.

Auf „Katholisch.de“, dem Portal der deutschen Bischofskonferenz, heißt es dazu unter dem Titel „Kirche will Privatoffenbarungen strenger prüfen“, es gehe darum, charismatische Gruppierungen zukünftig „genauer zu beobachten“: http://www.katholisch.de/aktuelles/aktuelle-artikel/medien-kirche-will-privatoffenbarungen-strenger-prufen2732900420_68d28f8a20

„Katholisch.de“ schreibt sodann zutreffend, daß „Privatoffenbarungen, etwa Marienerscheinungen“, die von der Kirche anerkannt wurden, „keine allgemeine Glaubensverbindlichkeit“ aufweisen; sie sind weder Dogma noch gehören sie zum amtlichen Glaubensgut der Kirche.

Tatsächlich sind „Privatoffenbarungen“ (Erscheinungen, Visionen, „Botschaften“, übernatürliche Einsprechungen etc.) von der Offenbarung Gottes nicht nur graduell, sondern grundsätzlich zu unterscheiden, denn die göttliche Offenbarung ist laut beständiger Lehre der katholischen Kirche mit dem Tod des letzten Apostels abgeschlossen.

Daher sind auch jene Erscheinungen, welche von der Kirche approbiert (gebilligt, zugelassen, bejaht) wurden, keineswegs glaubensverbindlich bzw. nicht verpflichtend für die Gläubigen. Von den nicht-anerkannten oder gar ausdrücklich abgelehnten Privatoffenbarungen soll sich das Kirchenvolk ohnehin fernhalten.

Weitere Hinweise zu diesem Themenkreis hier: https://charismatismus.wordpress.com/2014/03/27/prof-joseph-schumacher-zur-kirchlichen-approbation-von-privatoffenbarungen/


Was bedeutet die kirchliche Anerkennung einer „Offenbarung“ bzw. Erscheinung?

Pfarrer Dr. François Reckinger befaßt sich mit dem Stellenwert kirchlich approbierter („anerkannter“, genehmigter) Privatoffenbarungen unter dem Titel „ErschePfarrer Dr. F. Reckingerinungen und Visionen: ihre Bedeutung und ihre Problematik“; der Beitrag erschien im Sammelband „Maria – Mutter der Kirche“, bestehend aus den Vorträgen der 12. Theologischen Sommerakademie Dießen 2004 (Hrsg.: Gerhard Stumpf, Landsberg 2004, ISBN 3-9808068-3-9, S. 201-258).

Wir zitieren aus dem Beitrag von Pfr. Reckinger die erwähnten Abschnitte über die tatsächliche Bedeutung einer kirchlichen Approbation:

Von Pfr. Dr. François Reckinger

Um diese Frage zu beantworten, ist es notwendig zu wissen, wie es zur derzeitigen Anerkennungspraxis gekommen ist. Visionen und Auditionen geschahen zu allen Zeiten, und die Berichte darüber machten ihren Weg, wirkten weiter mit mehr oder weniger Erfolg und führten teilweise zur Errichtung von Kirchen und Wallfahrtszentren. 

Dasselbe geschah ebenso mit erfundenen Visionsberichten, Wundern und Reliquien. Die Bischöfe wachten mehr oder weniger aufmerksam und wirksam darüber, notfalls auch gemeinsam bei Partikularkonzilien innerhalb der betroffenen Kirchenprovinzen.vierge_pellevoisin

Zu einer grundsätzlichen Regelung kam es erstmals auf dem 5. Laterankonzil 1516, eigentümlicherweise in einem Dekret, das nur die Ordensleute betrifft [1] – so als sei man davon ausgegangen, dass nur unter ihnen Visionen und Offenbarungen vorkämen. 

Ein halbes Jahrhundert später dehnte das Trienter Konzil das Verbot auf alle Kirchenglieder aus und verfügte, dass ohne Billigung des zuständigen Bischofs keine ungewohnten Bilder, neuen Wunderberichten oder neuen Reliquien zugelassen werden dürfen.

In zweifelhaften oder schwierigen Fällen muss sich der Ortsordinarius mit dem Metropolit und den übrigen Mitbischöfen auf dem Provinzialkonzil beraten. Dabei darf „nichts Neues oder bisher in der Kirche Ungewohntes“ ohne Rücksprache mit dem Papst zugelassen werden [2]. Diese Bestimmung ist bis heute in Kraft.

„Anerkennung“ beinhaltet eine Aufhebung des Verbotes

Von daher wird deutlich, was „Anerkennung“ in diesem Zusammenhang bedeutet: die Aufhebung des Verbotes, öffentlich über ein bestimmtes neues Wunder zu reden und zu schreiben, in einem bestimmten, sorgfältig geprüften Fall. Es wird nichts gesagt von positiver Anerkennung in dem Sinn, dass der neue Wunderbericht nunmehr der öffentlichen Diskussion in der Kirche entzogen sei.   023_20A

Diese Deutung bestätigt Kardinal Prosper Lambertini, der spätere Papst Benedikt XIV. (siehe Foto), in seinem 1734 – 1738 erschienenen kanonistischen Werk über die Selig- und Heiligsprechungen:

„Man muss wissen, dass diese Billigung (von Visionen und Offenbarungen) nichts anderes ist als eine Erlaubnis …, sie nach reiflicher Überprüfung zu Belehrung und Nutzen der Gläubigen zu veröffentlichen.“

Im Unterschied zu den „Offenbarungen, wie sie den Aposteln und Propheten zuteil wurden“, kommt den später erfolgten und von der Kirche anerkannten Offenbarungen lediglich Wahrscheinlichkeit zu:

„Daraus folgt, dass jemand unbeschadet seines vollen … katholischen Glaubens den vorgenannten Offenbarungen keine Zustimmung leisten und sich von ihnen distanzieren kann, sofern dies mit der nötigen Zurückhaltung, nicht grundlos und ohne Geringachtung geschieht“ [3].

Approbation bedeutet „Zulassung“, nicht Bestätigung

Pius X. hat diese Sicht der Dinge in seiner Enzyklika gegen den Modernismus 1907 bestätigt, indem er erklärte, dass nachbiblische Erscheinungen oder Offenbarungen vom Apostolischen Stuhl weder bestätigt noch verworfen, sondern lediglich zugelassen worden sind, in dem Sinn, dass man die Berichte darüber mit bloß menschlichem Glauben annehmen kann [4].

Der Papst erklärte dies im selben Jahr, in dem er das „Fest der Erscheinung der unbefleckten Jungfrau Maria“ am 11. Februar für den gesamten lateinischen Bereich der Kirche vorschrieb. Das bedeutete sicher eine ganz besondere Aufmerksamkeit für den Erscheinungsort Lourdes, entsprechend der Bedeutung, die er inzwischen für die Kirche gewonnen hatte.

Einige Theologen wollten aus dieser und anderen päpstlichen Bekundungen eine besondere Anerkennung von Lourdes und später auch von Fatima ableiten und daraus eine gewisse kirchliche Verpflichtung zur Annahme der entsprechenden Visionen und Botschaften ableiten. 012_9

Aber diese Position lässt sich m. E. nicht halten, einmal weil, wie gesagt, derselbe Papst, der das Fest damals vorgeschrieben hat, zur selben Zeit seine zitierte Erklärung zur Bedeutung der Anerkennung von Erscheinungen abgegeben hat.

Zum anderen geht dasselbe noch deutlicher aus der Tatsache hervor, dass Paul VI., nach allen päpstlichen Gunsterweisen, die Lourdes zwischenzeitlich zusätzlich erhalten hatte, das bis dahin vorgeschriebene Fest 1969 auf einen fakultativen Gedenktag zurückgestuft und dabei Titel und Texte so geändert hat, dass darin nicht mehr von Erscheinung, sondern nur noch von „Unserer Lieben Frau in Lourdes“ und von ihrer erbsündefreien Empfängnis die Rede ist und um Heilung von aller Krankheit des Leibes und der Seele gebetet wird.

Johannes XXIII., der die wohl stärkste Empfehlung der Botschaft von Lourdes ausgesprochen hat, tat dies mittels einer sorgfältigen Wortwahl, die erkennen lässt, dass es sich um Empfehlung und Hinweis handelt, die bewirken sollen, dass die Gläubigen ihre Aufmerksamkeit auf dieses Geschehen richten. Mehr ist nicht gesagt, und es wird die herkömmliche Lehre über den Sinn von Privatoffenbarungen wiederholt [5].

Wenn ich das sage, dann bin ich dabei fest überzeugt, dass die Erscheinungen von Lourdes echt sind. Aber sie empfehlen sich durch ihre eigenen Anzeichen von Glaubwürdigkeit, man braucht dafür keine Glaubensverpflichtung aufgrund päpstlicher Bekundungen zu bemühen.

Im übrigen hat Pius XI. durch die Ritenkongregation 1932 ausdrücklich klarstellen lassen, dass Selig- oder Heiligsprechung einer Person keine Anerkennung der Echtheit ihrer Visionen bedeutet. Er tat es anlässlich der Seligsprechung von Gemma Galgani, bei der er guten Grund dazu hatte, erklärte aber generell, dass dies auch sonst „niemals zu geschehen pflegt“ [6].

Anmerkungen:
[1] Conciliorum Oecumenicorum Decreta … (G. Alberigo/J. Wohlmuth) II, Paderborn 2000, 637.
[2] Ebd. III, 2002, 776.
[3] De Servorum Dei Beatificatione et Beatorum Canonizatione II, 32, 11; III, cap. ult., 15; Übers. nach W. Beinert, Theologische Information über Marienerscheinungen, in: AnzSS 16, 1997, 250-258 (252). [4] ASS 40, 1907, 649.
[5] Radiobotschaft vom 18.2.1959, in: Mar 21, 1959, 102-105 (104): zitiert nach Courth (Anm. 32), 189f.
[6] AAS 24, 1932, 57.

Quelle und vollständiger Text hier: http://www.f-reckinger.de/pdf-dateien/marienerscheinungen.pdf
Internetpräsenz des Autors: www.f-reckinger.de

HINWEISE von Pfr. Dr. Reckinger zur Leserkommentar-Debatte über Begriff und kirchlichen Gebrauch des „Anathema“:

Mein lateinisch-deutsches Wörterbuch gibt an: 1. Weihegeschenk; 2. Verfluchung. Das Lexikon für Theologie und Kirche, 1, Spalte 604, kehrt die Reihenfolge der beiden Bedeutungen um: Anathema „bedeutet etwas (der Gottheit) Anheimgegebenes, und zwar als Weihegabe … oder als ihrem Fluch Verfallenes. Auf der Linie der zweiten Bedeutung verwendet das Neue Testament … das Anathema, um die Grenzen der christlichen Gemeinschaft zu markieren …“

Als Belege werden anschließend die Stellen 1 Kor 12, 3; 16, 22, Gal 1, 8f, vgl. 1 Kor 5, 1-5; und 1 Tim 1, 20 zitiert.

Am aufschlussreichsten erscheint die Stelle 1 Kor 5, 1-5. Dort geht es (nach 5, 1) um einen Mann aus der Gemeinde, der „mit der Frau seines Vaters“ (also wohl mit seiner Stiefmutter) geschlechtlich zusammenlebt. Als demgegenüber zu treffende Maßnahme erklärt Paulus in 1, 4f: „Im Namen Jesu, unseres Herrn, wollen wir uns versammeln, ihr und mein Geist, und zusammen mit der Kraft Jesu, unseres Herrn, diesen Menschen dem Satan übergeben zum Verderben seines Fleisches, damit sein Geist am Tag des Herrn gerettet wird.“

Daraus geht hervor, dass keineswegs eine endgültige Übergabe an den Satan gemeint ist (eine solche steht auch der Kirche, und damit selbst den Aposteln in keiner Weise zu). Absicht und Ziel der Maßnahme ist nach Paulus ja vielmehr, dass „sein Geist am Tag des Herrn gerettet wird“. Das Mittel dazu wird als „Verderben des Fleisches“ benannt. Das kann nur bedeuten: ein Leiden in dieser Welt, das dem betreffenden Sünder durch den vorläufigen Ausschluss aus der Gemeinde erwächst, nämlich den Verlust des als beglückend empfundenen Gemeindelebens und der vielfältigen erfreulichen Kontakte unter den Gemeindemitgliedern.

Im nachfolgenden Abschnitt zählt Paulus eine Reihe weiterer Sünden auf, die, wenn sie von Christen begangen werden, mit derselben Maßnahme beantwortet werden sollen: „Habt nichts zu schaffen mit einem, der sich Bruder nennt und dennoch Unzucht treibt, habgierig ist, Götzen verehrt, lästert, trinkt oder raubt; mit einem solchen Menschen sollt ihr nicht einmal zusammen essen.“

Demnach zielt die Maßnahme gerade nicht auf die ewige Verdammnis der betreffenden Sünder ab, sondern sie soll eine (gewiss drastische, aber damals gerade deswegen möglicherweise effektive) Art sein, derartigen Menschen zur Bekehrung, Vergebung, Wiederaufnahme und ewiger Rettung zu verhelfen.

Genau dasselbe ist beabsichtigt mit der späteren kirchlichen Praxis des Anathema. Seit dem Übergang vom 3. zum 4. Jahrhundert gebrauchten Konzilien (Partikularkonzilien und allgemeine Konzilien) die Formel „anathema sit“, um jene Christen aus der Kirchengemeinschaft auszuschließen, die eine vom Konzil ausgesprochene Glaubenslehre ablehnten. Auch Päpste haben in der Folgezeit dieselbe Formulierung übernommen. Sie erscheint noch in den Kanones des Ersten Vatikanischen Konzils von 1870, nicht mehr dagegen in der Dogmatisierung der Unbefleckten Empfängnis Marias durch Pius IX., 1854, sowie der leiblichen Aufnahme Marias in den Himmel durch Pius XII. 1950. Seither gehört sie der Vergangenheit an. Sinngemäß zu übersetzen ist sie dem Gesagten nach: „… der sei aus der Gemeinschaft der Kirche ausgeschlossen.“

Angesichts des Gesagten ist vor allem festzustellen, dass all dies rein gar nichts mit der Anerkennung und Nichtanerkennung von Marienerscheinungen (und damit mit dem hier zu verhandelnden Thema) zu tun hat. Denn niemals ist die kirchliche Anerkennung einer Marienerscheinung (oder einer sonstigen Erscheinung) unter Verhängung des Anathema erfolgt.