Bayern: ABC-Kreis kritisiert Lockerung des Arbeitsrechts in der evangelischen Kirche

Evang. Einrichtungen müssen christlich geprägt sein

Die Öffnung der evangelischen Kirche und ihrer Diakonie für Nicht-Christen stößt beim Arbeitskreis Bekennender Christen in Bayern (ABC) auf deutliche Kritik. „Evangelische Einrichtungen verdienen die Bezeichnung evangelisch nur dann, wenn sie von Menschen getragen werden, die dem Evangelium von Jesus Christus vertrauen“, erklärte ABC-Sprecher Hans-Joachim Vieweger nach einer Vorstandssitzung des ABC in Nürnberg.

Die Arbeitsrechtliche Kommission der Evang.-Lutherischen Kirche in Bayern hatte am 2. Mai 2017 eine Lockerung der sog. ACK-Klausel mit Wirkung zum 1. Juli 2017 bekannt gegeben; zuvor hatten dem auch Landeskirchenrat und Landes­syno­dalausschuss zugestimmt.

Demnach können künftig auch Nicht-Christen in einigen Berufsgruppen und unter bestimmten Bedingungen in Kirche und Diakonie arbeiten. Begründet wurde das mit dem „leergefegten Arbeitsmarkt für soziale Berufe“.

Für besonders problematisch hält der ABC, dass die Neuregelung für Erzieher/innen sowie für Pflegekräfte gelten soll. Es sei ein eklatanter Widerspruch, wenn man für „katechetische Unterweisung“ evangelisch sein müsse, dies aber beispielsweise für Erzieherinnen und Erzieher nicht gelten solle. „Gerade in den Kindergärten geht es um elementare christliche Bildung, die glaubwürdig nur von Christen geleistet werden kann, nicht von Muslimen oder Atheisten“, so Vieweger. Auch für Pflegekräfte in Diakonieeinrichtungen müsse es selbstverständlich sein, dass sie mit Menschen beten.

Sollte es nicht genügend Christen geben, die für Stellen in Kirche und Diakonie bereitstehen, müsse sich die Kirche notfalls von Einrichtungen trennen. „So sehr es schmerzt: Es wäre ehrlicher und letztlich auch heilsamer für Kirche und ihre Diakonie, ihren rückgehenden Einfluss in der Gesellschaft anzuerkennen und sich entsprechend zu bescheiden“, so der ABC-Vorsitzende Dekan Till Roth.

ABC-Sprecher Vieweger, der auch Mitglied der evangelischen Landessynode ist, erinnerte in diesem Zusammenhang an den gerade beschlossenen Prozess „Profil und Konzentration“ der bayerischen Landeskirche: „Wir wollen doch gerade unser christliches Profil schärfen und uns auf die Arbeitsbereiche konzentrieren, in denen christliches Profil deutlich wird. Vor diesem Hintergrund sind die aktuellen Beschlüsse absolut kontraproduktiv.“

Positiv ist nach Einschätzung des ABC, dass das christliche Profil in kirchlichen und diakonischen Einrichtungen dadurch geschärft werden soll, dass es verpflichtend Seminare und Willkommenstage geben soll, um neue Mitarbeiter mit dem diakonisch-christlichen Profil vertraut zu machen.

Der ABC-Kreis im Internet: http://www.abc-bayern.de


Die Strategien des Linkskatholizismus

Mathias von Gersdorff

Seit Ende 2013 haben linkskatholische Theologen und Organisationen mit neuer Kraft und Entschlossenheit ihre alten Positionen in der Öffentlichkeit vorgebracht: Schleifung der Sexualmoral, Neubewertung der Homosexualität, moralische Unbedenklichkeit der Verwendung von künstlichen Verhütungsmitteln, Akzeptanz außerehelichen Geschlechtsverkehrs, positive Einstellung zu nichtehelichen Partnerschaften usw. 0653a-bildungsplan-demo-1-2-1448b12b252812529

Diese Theologen und sowie Organisationen à la „Wir sind Kirche“ oder das „Zentralkomitee der deutschen Katholiken“ führen eine Protest-Kampagne gegen das katholische Lehramt. Sie wünschen sich ein nicht verbindliches Lehramt und eine Entwertung des Priesterstandes, um so die Kirche zu demokratisieren.

Dass sich diese Forderungen gegen den verbindlichen Glaubensschatz der Kirche richten, ist ihnen egal. Sie wollen im Grunde eine neue Kirche gründen. Normalerweise müsste die kirchliche Autorität öffentlich erklären, dass diese Auffassungen nicht katholisch sind.

Im Vorfeld der Familiensynode ist deutlich geworden, dass auch einige Bischöfe öffentlich Forderungen stellen, die nicht im Einklang mit der Lehre der Kirche stehen. Das betrifft vor allen die Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen zur Kommunion sowie eine gewisse Akzeptanz von homosexuellen Lebensweisen und Partnerschaften. flyerstralsund2

Dieser Kampf gegen das katholische Lehramt ist nur eine von zwei Strategien, die der deutsche Linkskatholizismus verwendet, um seine Vision einer neuartigen Kirche zu erreichen.

Diese „kämpferische“ Strategie hat zwei wichtige Nachteile: Gegen sie bildet sich schnell eine Gegenreaktion und sie hat stets das Image eines deutschen „Sonderweges“, der im Konflikt mit Rom und der katholischen Weltkirche steht.

Das ist auch genau das, was man in den letzten Monaten beobachten konnte: Stets bildete sich Protest gegen arrogante Forderungen aus Deutschland, die Lehre der Kirche über Ehe, Familie und Sexualmoral zu schleifen. Die afrikanischen Bischöfe haben sogar schon Widerstand bei der Familiensynode im Herbst 2015 angekündigt, sollte die deutsche Delegation versuchen, ihre abstrusen Vorstellungen durchzusetzen. cropped-ZIM_5640

Der Linkskatholizismus besitzt eine zweite Strategie:

Man müsse die tatsächlichen Lebensverhältnisse zur Kenntnis nehmen. Die „gesellschaftlichen Realitäten“ hätten sich eben verändert. So argumentierte jüngst der neue Erzbischof von Hamburg, Stefan Heße. Laut katholisch.de sagte er: „Wir müssen auf die Vielfalt der Lebensformen schauen, die nun einmal da sind“.

Kirchliches Arbeitsrecht als Hebel einer Kehrtwende

Zum neuen kirchlichen Arbeitsrecht, das nicht mehr die automatische Kündigung in Fällen von Wiederheirat nach Scheidung, nach Abschließen einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft oder nach dem Austritt aus der Kirche vorsieht, sagte Erzbischof Heße: „Anders könnten wir gar nicht weitermachen, weil wir sonst zu wenig qualifizierte Mitarbeiter bekämen, um unsere Einrichtungen zu betreiben.“

Ähnlich äußerte sich der Direktor des Münchner Diözesan-Caritasverbands, Hans Lindenberger, nachdem eine lesbische Leiterin eines Caritas-Schülerhorts im oberbayerischen Holzkirchen ihren Arbeitsplatz behalten darf. Sie ging eine eingetragene Lebenspartnerschaft mit einer Frau ein. zeitungen

Die Süddeutsche Zeitung schrieb dazu: „Prälat Lindenberger zeigte sich erleichtert über die Fortsetzung des Beschäftigungsverhältnisses. Die Hortleiterin sei ihrem Arbeitgeber gegenüber stets loyal gewesen und habe keinen Anlass für ein Ärgernis gegeben.“

Offensichtlich besitzt der Prälat kein Gespür für die Ernsthaftigkeit des Vorfalls: Nach außen wird vermittelt, dass die (deutsche) katholische Kirche ihre Haltung zu praktizierter Homosexualität verändert hat.

Im Kielwasser dieser Entwicklung rudern auch die katholischen Schützenverbände mit ihren ca. 300.000 Mitgliedern: „Der Verband orientiere sich am neuen kirchlichen Arbeitsrecht, wonach Wiederheirat oder eine eingetragene Lebenspartnerschaft nur noch in schwerwiegenden Fällen Konsequenzen hätten“, so die katholische Nachrichtenagentur KNA.

Fehlhaltung führt zur Aufweichung des kirchlichen Lebens

Offensichtlich wird schrittweise die Auflösung der katholischen Kirche in etlichen Bistümern Deutschlands vorangetrieben. Man muss kein Experte in Infinitesimalrechnung sein, um zu begreifen, dass der Limes dieser Strategie das Ende des katholischen Lebens anstrebt. Radio Vatikan

Das neue kirchliche Arbeitsrecht ist das ideale Instrument, um langsam die katholische Kirche in Deutschland von ihrer Vergangenheit zu entkernen. Das neue Arbeitsrecht sieht keinen Automatismus vor. Es soll „von Fall zu Fall“ entschieden werden, ob ein Angestellter in irregulärer Situation noch haltbar ist.

In „konservativen“ Bistümern wird man noch mehr oder weniger nach den alten Richtlinien vorgehen, während „liberale“ Bistümer Homosexuelle und Wiederverheiratete sogar noch fördern werden, um sich ein modernes Image zu verschaffen. Drei bayerische Bistümer, nämlich Passau, Regensburg und Eichstätt, wollen das neue kirchliche Arbeitsrecht gar nicht einführen.

Der Linkskatholizismus hat stets vermieden, dass sich diese beiden Strategien vermischen. Eine Verbindung beider Strategien würde sich explosiv auswirken: Würde eines Tages eine (falsche) theologische Begründung nötig sein, um eine unorthodoxe Praxis aufrecht erhalten zu können, würde es zu einer Häresie und damit zu einer Kirchenspaltung kommen.

In einer solchen Situation könnten Protagonisten und Antreiber schnell zu Getriebenen werden: Auch Heinrich VIII. und Martin Luther wollten anfangs keine Kirchenspaltung, doch eines Tages waren sie nicht mehr die Herren der Lage…

Unser Autor Mathias von Gersdorff leitet die Frankfurter Aktion „Kinder in Gefahr“ und die Webseite „Kultur und Medien online“


Fatale Folgen einer Einführung der „Homo-Ehe“ für die christlichen Kirchen

Mathias von Gersdorff0653a-bildungsplan-demo-1-2-1448b12b252812529

Wer der Meinung war, das Zeitalter der Ideologien sei mit dem Untergang des Sowjet-Kommunismus beendet, wird eines Schlechteren belehrt: Einer Verbindung von zwei Menschen desselben Geschlechts den Namen „Ehe“ zu geben, was seit eh und je etwas ganz anderes bedeutet hat, ist schlichtweg verblendet.
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Mehr noch: Es ist ein ideologisch gesteuerter Wille, eine grundlegende Institution, die Familie, die von Anbeginn der Menschheit existiert und die fundamental für das normale Zusammenleben der Menschen ist, mutwillig zu zerstören.
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Erstaunlich in dieser Hinsicht ist, wie sich die beiden großen Kirchen in Schweigen hüllen; die Deutsche (katholische) Bischofskonferenz hat sich immerhin in einer Pressemitteilung dagegen ausgesprochen, aber nicht weiter versucht, Einfluss in der öffentlichen Debatte zu gewinnen. Sie scheinen die Bedrohung für sich nicht zu sehen oder nicht sehen zu wollen. Und diese Gefahren sind durchaus groß. Käme es nämlich zu einer Öffnung der Ehe, würde dies zwangsläufig zu einer Religionsverfolgung führen.b (8) - KopieDas wäre unvermeidlich, denn der Abschluss einer Ehe hat Folgen in sehr vielen Rechtsgebieten, wie etwa Familienrecht, Steuerrecht, Arbeitsrecht usw.

Falls die Öffnung der Ehe für Homosexuelle durchgesetzt wird, würde es dazu führen, dass ein einziges Wort (Ehe) zwei völlig unterschiedliche Dinge meint, je nachdem, ob man die zivile oder die kirchliche Bedeutung des Wortes nimmt. Es würde ein Druck auf die Kirchen entstehen, sich der zivilen Bedeutung anzupassen.

Doch nicht nur das: Die Öffnung der Ehe für Homosexuelle hätte die Änderung von hunderten, wenn nicht gar tausenden Gesetzen und Verordnungen zur Folge. Alle Gesetze, in denen die Ehe irgendeine Rolle spielt, würden automatisch eine völlig neue Bedeutung erhalten, wie etwa Adoptionsrecht, Krankenversicherung, Erziehungsrecht, Altersversorgung usw. Kirchliche Einrichtungen würden vor einem Dauerdilemma stehen.

Noch konnten die Kirche bislang ihre Sonderstellung in Deutschland verteidigen, so dass zum Beispiel Angestellte im kirchlichen Bereich besonderen Regelungen unterworfen sind.

Doch die Offensive gegen diese Kirchenprivilegien wird immer stärker; ihre (partielle) Abschaffung wird inzwischen von Grünen, Linken und FDP gefordert. Abgesehen davon schwindet in der Gesellschaft das Verständnis für diese Sonderstellung. Selbst bei unveränderten rechtlichen Bestimmungen würde es den Kirchen zunehmend schwer fallen, Akzeptanz zu finden. 

Eine Zusammenarbeit zwischen kirchlichen und staatlichen Einrichtungen in etlichen Feldern würde sowieso nicht mehr möglich sein, es sei denn, die Kirchen passen sich den Umständen noch mehr an, als bislang schon geschehen  –  und geben ihr christliches Profil endgültig preis.

Unser Autor Mathias von Gersdorff leitet die Frankfurter Aktion „Kinder in Gefahr“ und betreibt die Internetseite „Kultur und Medien online“


Die katholischen Bischöfe stehen vor weitreichenden Grundsatzentscheidungen

Von Prof. Dr. Hubert Gindert

Das Bundesverfassungsgericht (BVG) in Karlsruhe fällte am 20.11.2014 ein Urteil im Fall eines Klinikarztes, dem aufgrund von Scheidung und Wiederverheiratung vom kirchlichen Arbeitgeber gekündigt worden war, im Sinne des geltenden kirchlichen Arbeitsrechtes.

Dieses BVG-Urteil hat die Position der katholischen Kirche gestärkt. Karlsruhe hat damit die Einforderung besonderer Loyalitätsverpflichtungen gegenüber Mitarbeiter im kirchlichen Dienst bestätigt. Wer bei der Kirche beschäftigt ist, muss sich an deren Vorgaben und Ideale halten  –  auch im Privaten (vgl. Konradsblatt Nr. 48/2014). paragraph_300x3001

Welche Verpflichtungen bedeutsam sind und für wen sie gelten, bestimmt allein die Kirche. Das BVG argumentiert mit dem Grundsatz der weltanschaulich-religiösen Neutralität des Staates. Das ist Grundlage jeder modernen freiheitlichen Gesellschaft.

Gerichte können sich nur dann über dieses BVG-Urteil hinwegsetzen, wenn ein Arbeitsvertrag „im Widerspruch zu grundlegenden verfassungsrechtlichen Gewährleistungen steht“.

Die Reaktion der Bischöfe auf dieses BVG-Urteil fällt erstaunlich nüchtern aus. Der ständige Rat der deutschen Bischofskonferenz, das sind die Diözesanbischöfe, hat auf seiner Sitzung dieses Urteil beraten.

In den Pressemitteilungen vom 25.11.2014 heißt es:

„Der ständige Rat hat auf seiner Sitzung am 24./25. November 2014 in Würzburg-Himmelspforten über aktuelle Fragen zum kirchlichen Arbeitsrecht beraten. Kirche in Augsburg

Im Mittelpunkt standen die geplanten Änderungen der Loyalitätsverpflichtungen. Gegenstand der Aussprache war auch die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts vom 20. November 2014, die bei den Bischöfen auf ein positives Echo stieß. Die deutschen Bischöfe sehen in diesem Beschluss eine Bekräftigung des kirchlichen Selbstbestimmungsrechts.

Unter Berücksichtigung dieser höchstrichterlichen Entscheidung halten die Bischöfe weiter daran fest, dass die ‚Grundordnung des kirchlichen Dienstes‘ auch im Hinblick auf die Loyalitätserwartungen überarbeitet wird. Die Antwort auf die Frage, ob über die ohnehin vorgesehenen Änderungen hinaus weitergehende Nachjustierungen geboten sind, bedarf einer gründlichen Analyse der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts.

Der ständige Rat hat die bischöfliche Arbeitsgruppe unter dem Vorsitz von Kardinal Rainer Maria Wölki (Köln) gebeten, die weiteren Klärungen in Angriff zu nehmen und spätestens bis zum 27. April 2015 eine abschließende Formulierung vorzulegen.“

An dieser Stellungnahme des ständigen Rates ist interessant, in welche Richtung die „Grundordnung des katholischen Dienstes“ im „Hinblick auf die Loyalitätserwartungen“ überarbeitet wird und welche „weitergehende Nachjustierungen geboten sind“.

Michael Jacquemain schreibt: „Die Stärkung dieses Grundsatzes (anerkannte Maßstäbe und konkrete Inhalte des 0022Arbeitsvertrags) durch das BVG fällt in eine Phase, in der sich die katholische Kirche intensiv und kontrovers mit der Frage befasst, wie sie ihr eigenes Arbeitsrecht gestalten will“ (vgl. Konradsblatt, Nr. 48, s.o).

Klaus Nientiedt vermerkt dazu:

„Die Mehrheit der deutschen Bischöfe ist offenbar gewillt, die ‚Grundordnung für den kirchlichen Dienst im Rahmen kirchlicher Arbeitsverhältnisse‘ zu überarbeiten und die Sanktionen bei bestimmten Loyalitätsverstößen abzumildern. Etwa bei wiederverheiratet Geschiedenen, wenn dies mit den jeweiligen Funktionen der betroffenen Personen vereinbar erscheint… Der Druck kommt aus der Kirche selbst. Z.T., weil angesichts der geltenden Bestimmungen manche kirchlichen Arbeitsstellen sich nur mehr schwer besetzen lassen“(Konradsblatt, s.o.). 

Dieser Druck aus dem Innern zeigte sich auch im Verlauf des „Gesprächsprozesses“ 2012 in Hannover zum Thema Diakonie. Prof. Dr. Lothar Roos nahm als Vertreter des „Forums Deutscher Katholiken“ an diesem Gesprächsprozess teil.

Prof. Roos schreibt: „Aufgrund dieser Methodik (die „Tischrunden“) konnte es gar nicht ausbleiben, dass sich am Ende die klassischen ‚Reizthemen‘ als wichtigstes Ergebnis herausstellten: der Umgang mit zivil Geschiedenen und Wiederverheirateten, und damit zusammenhängend, die Forderung, die kirchliche ‚Grundordnung‘ der Gestalt zu ändern, dass man hier ‚großzügiger‘ als bisher handelt“ (vgl. „Am Wesentlichen vorbei“, in „Der Fels“, 11/2012, S. 316).imm012_10A

Die Kirche erbringt Dienstleistungen für die Gesellschaft. Sie ist aber kein Wirtschaftsunternehmen wie jedes andere. Neben den fachlichen Voraussetzungen wird von ihren Mitarbeitern ein christliches Zeugnis bei ihren Tätigkeiten erwartet: „Wo katholisch draufsteht, muss auch katholisch drin sein“.

Eine wesentliche Voraussetzung dafür ist, dass sich die Mitarbeiter mit der Kirche identifizieren und sie sich in ihrem Verhalten an ihre Wertnormen halten. Das fordern zu können, hat das BVG-Urteil bestätigt.

Solange Ordensangehörige das Rückgrat kirchlicher Einrichtungen stellten, war das gesichert. Aber die Zahl der Frauen und Männer, die sich zu einem Leben in Armut, Keuschheit und Gehorsam verpflichten, nimmt in Deutschland dramatisch ab. In den Frauengemeinschaften hat sich die Mitgliederzahl innerhalb von 20 Jahren halbiert. Auf 1000 Todesfälle pro Jahr kommen derzeit 60 Neueintritte. 84% der Ordensfrauen stehen im Rentenalter. Bei den Männern sieht es kaum anders aus (vgl. Konradsblatt, s.o.).

In der säkularisierten Gesellschaft Deutschlands, in der 90% der Katholiken nicht einmal am Sonntag den Weg zur Kirche finden und in welcher der Glaube im Elternhaus, Religionsunterricht, aber auch in Katechese und Predigt immer weniger weitergegeben wird, wachsen keine Ordensberufungen.

In der Kirche geht es nicht um Quantität, sondern um Qualität. Die kirchlichen Einrichtungen stehen mit ihrem Arbeitsrecht und den Loyalitätsansprüchen an ihre Mitarbeiter in der säkularisierten Gesellschaft vor der Entscheidung, das zu tun, was Papst Benedikt am 25. September 2011 in Freiburg deutlich gemacht hat: 75743_14122011

„Um ihrem eigentlichen Auftrag zu genügen, muss die Kirche immer wieder die Anstrengung unternehmen, sich von dieser ihrer Verweltlichung zu lösen und wieder offen auf Gott hin zu werden… d.h. natürlich nicht, sich aus der Welt zurückzuziehen, sondern das Gegenteil“ (Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls, Nr. 189, S. 148/150).

Wenn nicht mehr ausreichend Mitarbeiter in unserer Gesellschaft zu finden sind, die sich mit der Lehre der Kirche, ihren Wert- und Moralvorstellungen identifizieren können, stehen die Bischöfe vor einer weitreichenden Entscheidung:

  • Entweder sie schrauben ihre Loyalitätsanforderungen hinsichtlich der Lebensweise ihrer kirchlichen Mitarbeiter herunter und gleichen sie einer Wellness- und Spaßgesellschaft an. Damit verlieren kirchliche Einrichtungen ihr eigenes Profil. Sie werden austauschbar mit Einrichtungen der Kommunen oder des Staates etc.
  • Oder sie bestehen weiterhin auf den bisherigen Anforderungen an die Mitarbeiter, weil sie überzeugt sind, dass sie damit ihrem Auftrag entsprechen und den Menschen und der Gesellschaft so am besten dienen. Eine solche Entscheidung müsste dazu führen, dass die katholische Kirche in Deutschland jene kirchlichen Einrichtungen aufgibt, die nicht mehr mit loyalen, kirchlich gesinnten Mitarbeitern zu betreiben sind. Das ist kein Rückzug, sondern die Konzentration der Kräfte auf kirchliche Einrichtungen, von denen eine neue Faszination ausgeht. imm003_1

Die erste Aufgabe der Kirche ist der Missionsauftrag, d.h. die Verkündigung des Evangeliums. Wenn das vorhandene Geld aufgrund des Kirchensteueraufkommens, das die Finanzierung von kirchlichen Kindergärten, Schulen, Krankenhäusern etc. ermöglicht, aber innere Reformen und die Trennung von Einrichtungen, die ihren christlichen Geist verloren haben, erschwert, dann steht dieses Geld dem eigentlichen Auftrag der Kirche im Weg.

Ist es dann nicht besser, diese Mittel z.B. Ländern in Afrika zur Verfügung zu stellen, wo Priesterseminare und Ordenshäuser überfüllt sind und Schulen und Krankenhäuser dringender gebraucht werden als bei uns?

Es sind zudem jene Länder, die schon heute Priester und Ordensleute stellen, damit der primäre Auftrag der Kirche in Glaubensverkündigung, Eucharistiefeier und Sakramentenspendung bei uns noch aufrecht erhalten werden kann.

Prof. Dr. Hubert Gindert ist Herausgeber der Monatszeitschrift DER FELS und Vorsitzender des Dachverbands „Forum deutscher Katholiken“