Luxemburg: Soll die Euthanasie künftig als „natürlicher Tod“ gelten?

Die Regierung des Beneluxstaates Luxemburg will die „Tötung auf Verlangen“ sowie den ärztlich assistierten Siuizid (Selbstmord) künftig als „natürliche Tode“ klassifizieren. Medienberichten zufolge verabschiedete der Regierungsrat kürzlich einen entsprechenden Gesetzentwurf. Dieser muss nun vom Parlament beraten werden.

Im März 2009 hatte Luxemburg die Tötung auf Verlangen und den ärztlich assistierten Suizid legalisiert.

Mit der Einstufung als „natürliche Todesursache“ könnten Hinterbliebene künftig einfacher Anspruch auf die Auszahlungen von Lebensversicherungspolicen der Euthanasierten und Suizidenten gelten machen, heißt es zu Begründung.

Quelle: ALFA-Newsletter


Bundesärztekammer verteidigt Verbot des ärztlich assistierten Selbstmords

Der Präsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, hat sich für den Erhalt des „Verbots der geschäftsmäßigen Förderung der Selbsttötung“ (§ 217 StGB) ausgesprochen.

„Ein Arzt überschreitet eine Grenze, wenn er seinem Patienten durch die aktive Tötung oder durch die Verfügungsstellung eines Medikamentes direkt zum Tode hilft“, erklärte Montgomery im rbb-Inforadio. „Aufgabe eines Arztes ist es nicht, Menschen zu töten oder ihnen den Weg in den Tod zu ebnen“.

Aufgabe von Ärzten sei es stattdessen, „einem Menschen den unausweichlichen Vorgang des Sterbens so erträglich wie irgend möglich zu machen“. Dazu gebe es heute Palliativmedizin.

Für Ärzte müsse klar sein, „dass wir als Helfende, als Heilende ans Bett treten und nicht als Tötende“, so Montgomery. Mit Blick auf die Verhandlung beim Bundesverfassungsgericht betonte er, er sei zuversichtlich, dass der gefundene Kompromiss, der auf einem guten und vertrauensvollen Arzt-Patient-Verhältnis aufbaue, vom Gericht bestätigt werde.

Quelle: ALfA-Newsletter


CDL begrüßt Entscheid von Minister Spahn: Staat darf kein Handlanger des Todes sein

Das Bundesverwaltungsgericht (BVerwG) hat im März 2017 in einem ebenso überraschenden wie irritierenden Urteil entschieden, dass bei dem Wunsch Schwerstkranker auf Selbsttötung der Zugang zu einem verschreibungspflichtigen Betäubungsmittel wie Natrium-Pentobarbital in „extremen Ausnahmefällen“ durch das zuständige Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) nicht verwehrt werden darf. 

Bis Ende April 2018 lagen dort bereits 104 Anträge zur Genehmigung vor, über die bislang jedoch nicht entschieden wurde (20 Antragsteller sind zwischenzeitlich verstorben, sodass konkret derzeit 84 Anträge zur Entscheidung vorliegen).

Nach einem durch das BfArM in Auftrag gegebenen Rechtsgutachten ist die Entscheidung des BVerwG nicht verfassungskonform (Rechtsgutachten des Verfassungsrechtlers Prof. Di Fabio).

Im Ergebnis wird dem Bundesgesundheitsministerium angeraten, dem BfArM Weisung zur Ablehnung der Anträge zu erteilen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat im Rahmen seiner Ministerkompetenz nun das BfArM in einem Schreiben angewiesen, den ausnahmsweisen Erwerb von Betäubungsmitteln zur Verwirklichung des Suizides nicht zu genehmigen und damit dem Urteil des BVerwG nicht zu folgen.

Die Bundesvorsitzende der Christdemokraten für das Leben (CDL), Mechthild Löhr (siehe Foto), begrüßt die Entscheidung des Bundesgesundheitsministers und nimmt für die CDL wie folgt Stellung:

„Die CDL dankt dem Bundesgesundheitsminister für die Entscheidung, dass das BfArM keine Betäubungsmittel zur Verwirklichung der Selbsttötungsabsicht von Schwerstkranken zur Verfügung stellen solle.

Durch das Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes vom vergangenen Jahr sollte eine staatliche Institution verpflichtet werden, sich zum Handlanger des Todes zu machen, indem sie leidenden Menschen Tötungsmittel zur Verwirklichung ihrer Suizid-Absicht an die Hand gibt. Diesen gefährlichen Irrweg hat der Bundesgesundheitsminister nun korrigiert.

Oberste staatliche Pflicht ist der unbedingte und uneingeschränkte Schutz des Rechtes auf Leben. Es ist nicht staatliche Aufgabe, möglichst günstige Bedingungen für eine „würdige und schmerzlose“ Selbsttötung zu schaffen und sich damit selbst zum Suizidhelfer zu machen, indem die Selbsttötung quasi auf Antrag durch eine staatliche Institution auch noch aktiv „genehmigt“ wird.

Übrigens hat das hierzu vorgesehene, aus der Tiertötung stammende, tödlich dosierte Betäubungsmittel Natrium-Pentobarbital in US-Todeszellen häufig Verwendung gefunden.  

Niemand, ganz besonders nicht der Staat, kann und darf sich anmaßen, zwischen einem „sinnvoll möglichen“ oder einem „wertlosen“ Leben zu entscheiden und somit das Weiterleben eines Menschen mehr und mehr zu einer von zwei Handlungsalternativen zu machen, die auch noch verhandelt werden müssen.

Suizid ist kein „Dienstleistungsangebot der gesundheitlichen Versorgung“, wie die Bundesregierung in ihrer Antwort auf die kleine Anfrage der FDP aus Mai 2018 zum selben Thema aus unserer Sicht völlig richtig schreibt.

Auch eine Erwerbsgenehmigung in „extremen Ausnahmefällen“ würde zu einer Situation führen, in dem der ärztlich assistierte Suizid als eine normale ärztliche Leistung empfunden wird.“


Chef der Bundesärztekammer kritisiert BVerwG-Urteil zur „Sterbehilfe“/Euthanasie

„Die Büchse der Pandora geöffnet“

Der Präsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, hat scharfe Kritik an dem vom Bundesverwaltungsgericht in Leipzig gefällten Urteil (BVerwG 3 C 19.15) geübt, nachdem Patienten in „extremen Ausnahmesituationen“ ein Recht auf Betäubungsmittel zur Selbsttötung hätten.  Medizin

„Dass eine so grundsätzliche ethische Frage wie die der ärztlich assistierten Selbsttötung auf einen bloßen Verwaltungsakt reduziert werden soll, ist mir völlig unverständlich“, erklärte Montgomery:

„Man muss sich doch die Frage stellen, ob das Bundesverwaltungsgericht Leipzig tatsächlich die wirklich grundlegenden Diskussionen im Deutschen Bundestag wie auch die entsprechenden Beschlüsse zur Sterbebegleitung wahrgenommen hat.

Zu welchen Verwerfungen dieses Urteil in der Praxis führen wird, zeigt allein die Frage, ob das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) nun zu einer Ausgabestelle für Tötungsmittel degradiert werden soll. Und welcher Beamte im BfArM soll denn dann entscheiden, wann eine ,extreme Ausnahmesituation’ vorliegt? Eine solche Bürokratieethik ist unverantwortlich.“

Am vergangenen Donnerstag hatte das Bundesverwaltungsgericht entschieden, „das allgemeine Persönlichkeitsrecht umfasse auch das Recht eines schwer und unheilbar kranken Patienten, zu entscheiden, wie und zu welchem Zeitpunkt sein Leben beendet werden soll, vorausgesetzt, er kann seinen Willen frei bilden und entsprechend handeln.“ 

Das RECHT hilft der JUGENDDaraus könne sich „im extremen Einzelfall ergeben, dass der Staat Zugang zu einem Betäubungsmittel nicht verwehren darf, das dem Patienten eine würdige und schmerzlose Selbsttötung ermöglicht“, heißt es in einer Pressemitteilung des Gerichts.

„Schlag ins Gesicht der Suizid-Prävention“

Nach Einschätzung der Deutschen Stiftung Patientenschutz ist das Urteil „ein Schlag ins Gesicht der Suizidprävention in Deutschland“. Deren Vorstand Eugen Brysch sagte der KNA, Leiden sei weder objektiv messbar noch juristisch allgemeingültig zu definieren.

Im MDR erklärte Brysch, die Richter hätten den Staat de facto verpflichtet, Sterbehilfe für Patienten zu organisieren: „Das Gericht hat die Büchse der Pandora geöffnet.“

Kritik kam auch von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU): „Staatliche Behörden dürfen nicht zum Handlanger der Beihilfe zur Selbsttötung werden. Das untergräbt unser Bemühen, Selbsttötung durch Hilfe und Beratung zu verhindern“, zitiert die KNA den Minister.

Würde und Selbstbestimmungsschutz seien ohne Lebensschutz nicht denkbar. Gröhe kündigte an, sein Ministerium werde die noch ausstehende schriftliche Urteilsbegründung genau prüfen und „alle Möglichkeiten nutzen, den Tabubruch staatlicher Selbsttötungshilfe zu verhindern“.

Quelle: Newsletter der ALfA (Aktion Lebensrecht für alle)


CDL zur heutigen Bundestagsdebatte: Jede Beihilfe zum Selbstmord unter Strafe stellen

Hat der Sensburg-Entwurf in Parlament eine Chance?

Der Arbeitskreis „Ethik in der Medizin“ der „Christdemokraten für das Leben“ (CDL) kommentiert die heutige Debatte zur „Sterbehilfe“ in einer ersten Stellungnahme:imagesCA4JYFAC
 
Der Bundestag hat heute in einer sehr offenen Debatte über vier Gesetzentwürfe zur Regelung der Sterbehilfe in Deutschland die folgenden kritischen Eckpunkte erkennen lassen: 
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Der Gesetzesentwurf Künast (und andere) begehrt ausdrücklich die gesetzliche Möglichkeit der organisierten oder geschäftsmäßigen Hilfe zur Selbsttötung. Verbieten will er nur die gewerbsmäßige Förderung der Selbsttötung.  Er deckt damit sehr klar die Konsequenzen auf, die allen kranken und schwachen Menschen drohen, die sich gegen das organisierte angebliche Mitleid nicht (mehr) wehren können.
 
Der Gesetzesentwurf Hintze (und andere) plädiert für eine ärztliche Hilfestellung bei der Lebensbeendigung. Er ist deshalb so verwerflich und abzulehnen, weil mit ihm versucht wird, den Arzt   –   und dabei im Zweifel gerade den, der den Kranken besonders gut kennt und ihn bisher mit dem Ziel der Heilung behandelt hat  –  zum Komplizen und Mittäter bei der Tötung seines Patienten zu machen. Dabei wird in Kauf genommen, dass das positive Bild des Arztberufes ruiniert und jedes Vertrauen in den Arzt, der bis zuletzt auf der Seite des Lebens stehen muss, zerstört wird.be2004_38_551
 
Der Gesetzesentwurf von Brand/Griese (und anderen), der derzeit besonders in der CDU/CSU-Fraktion mit prominenten Namen als Unterstützern beworben wird und von den Medien besondere Aufmerksamkeit erhält, beschreibt zwar die gegenwärtige Gefährdungslage gut und deutlich, zieht aber daraus u. E. leider gerade nicht die entsprechenden Konsequenzen, weil er nur die geschäftsmäßige Beihilfe zum Suizid unter Strafe stellen will.
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Das genügt aus den unten ausführlicher genannten Gründen nicht, sondern jede Form der einzelnen „privaten“ (sei sie ärztlich assistiert oder durch nahestehende Personen) erfolgten Suzidbeihilfe bleibt weiter unkontrolliert straffrei und gewissermaßen Privatsache.
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Den drei Gesetzesentwürfen ist gemeinsam, dass es bei der jetzigen Rechtslage der Straffreiheit der Beihilfe zum Selbstmord verbleiben soll. Damit verstärken sie tatsächlich die Gefahr, die erkennbar von Angehörigen, Nahestehenden und Ärzten und im Antrag Künast zusätzlich von Sterbevereinen ausgeht und deren Konkretisierung absehbar ist.

Keine Straffreiheit für Beihilfe zum Selbstmord

Der Gesetzesentwurf der CDU-Bundestagsabgeordneten Prof. Patrick Sensburg, Thomas Dörflinger, Hubert Hüppe u.a. zeigt nicht nur die Gefahren auf, welche jetzt eine eindeutige Aussage des Gesetzgebers nötig machen. Er greift auch die richtige Lösung auf und verlangt konsequenterweise, daß jede Beihilfe zur Selbsttötung wie auch die Anstiftung und der Versuch dazu staatlicherseits unter Strafe gestellt werden muß.  Logo Christustag
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Das ist auch nach dem, was hier bereits dargelegt wurde, eine zwingende Konsequenz. Nur so nämlich kann der notwendige Lebensschutz für jedermann und vor allem für schwache, kranke und lebensmüde Personen durch einen geeigneten Rechtsrahmen zweifelsfrei gewährleistet werden.
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Deshalb unterstützen wir als Christdemokraten für das Leben diesen Gesetzentwurf und hoffen, daß die Abgeordneten des Deutschen Bundestages mit der beabsichtigten Neuregelung der „Sterbehilfe“ tatsächlich ein Zeichen der uneingeschränkten Solidarität für Menschen am Lebensende setzen  –  und nicht den Suizid und die straffreie, aktive Mitwirkung durch Ärzte, Pflegende oder Angehörige zur neuen Handlungsalternative am Lebensende machen.
 
Zu unseren Kritikpunkten im Einzelnen:
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Ein Suizid ist hierzulande keine generell begrüßenswerte, positive Tat, die gesellschaftliche Anerkennung oder Unterstützung erwarten kann. Durch jede Selbsttötung, auch in subjektiv als ausweglos empfundener schwerer Lebenssituation, wird der Respekt vor dem menschlichen Leben zunächst relativiert und kann dadurch immer weiter verloren gehen.
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Auch folgt der fehlenden Wertschätzung des eigenen Lebens ein Mangel an Respekt vor dem Leben anderen. Welches Leben ist lebenswert, welches weniger oder welches gar nicht mehr?
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Wenn das Grundgesetz im 2. Absatz von Art. 2 feststellt, daß jeder das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit hat, spricht es von aktuellen und zukünftigen Zuständen oder Entwicklungen, aber nicht von einem Recht, das eigene Leben zu beenden. Daß Suizidprävention (bei durchschnittlich 10.000 Selbstmorden pro Jahr) daher heute auch eine wichtige gesellschaftspolitische Aufgabe ist, zeigt dies ebenfalls.

Selbsttötung ist weder „frei“ noch „autonom“

Der Suizid ist in aller Regel keine „autonome“ oder „freie“ Tat. Vielmehr geht die Suizidforschung von einem sehr hohen Prozentsatz depressiv erkrankter Suizidenten aus. Suizid ist nie nur „privat“, sondern stets auch eine „soziale“ Tat, die oft aus dem starken subjektiven Eindruck sozialer Ausgrenzung, Ablehnung oder Isolation resultiert. Nachgewiesen sind auch die verstörenden Auswirkungen einer solchen Tat auf das soziale Umfeld. 
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Eine Selbsttötung löst regelmäßig Bestürzung und Fassungslosigkeit aus. Bei Angehörigen, Freunden, Arbeitskollegen, Mitschülern und sogar bei Fernstehenden entstehen oft dauernde Schuldgefühle, weil sie die Gefährdung des Betroffenen nicht erkannt und seinen Tod nicht verhindert haben. Für Familien hat die Tat oft schwere gesundheitliche, gesellschaftliche, aber auch finanzielle Folgen.
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Der Suizid ist keinesfalls das normale Lebensende. Er wird stets als ein Geschehen außerhalb der Norm begriffen und bei allem Verständnis für den Betroffenen auch als ein radikales Gefühl der Wertlosigkeit des Suizidwilligen sich selbst wie anderen gegenüber.

Der Staat muß Menschenleben schützen

DSC00254Das Recht auf Leben ist im Grundgesetz im Art. 1 als oberstes Menschenrecht festgeschrieben, das der Staat zu schützen hat. Das Grundgesetz beschreibt zwar in Art. 2 Abs. 1 das Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit, macht aber die Einschränkung, daß dieses Recht nur insoweit besteht, als nicht die Rechte anderer verletzt werden und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstoßen wird.
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Daß Selbsttötung im Recht bisher nicht positiv bewertet wird, beweist schon der § 216 StGB, der die Tötung auf Verlangen unter Strafe stellt. Darin bringt unsere Rechtsordnung auch heute schon unübersehbar seine Mißbilligung des Suizids zum Ausdruck. Nach derzeitiger Rechtslage ist sie möglich, denn Beihilfe zum Selbstmord ist nicht unter Strafe gestellt.
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Daß dennoch hierüber so intensiv diskutiert wird, ist zunächst auf das in den letzten Jahren vermehrt zu beobachtende Auftreten von sogenannten Sterbevereinen zurückzuführen. Deren Tätigkeit wird allgemein als unethisch abgelehnt, zumal sie im Verdacht stehen, mit der Beihilfe zum Selbstmord  –  also mit dem Tod  –  Geschäfte zu machen.
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Da es indessen nicht gelang, eine Formel zu finden, mit der eine organisierte oder geschäftsmäßige Beihilfe zum Selbstmord zuverlässig unterbunden und strafrechtlich sanktioniert werden kann, verlagerte sich die Diskussion auf die Frage, wie Beihilfe zur Selbsttötung positiv beschrieben und so die unerwünschten Nebenerscheinungen vermieden werden könnten. Das kommt natürlich allen jenen, die dem Suizid als „Menschenrecht“ einen positiven Wert zusprechen, sehr entgegen.

Rechtsempfinden der Menschen gegen Suizidbeihilfe

Nach der Statistik gibt es in Deutschland etwa 10.000 vollendete Selbstmorde pro Jahr und etwa 100.000 Selbstmordversuche. Noch vor wenigen Jahren ergab eine Umfrage, daß 93 % der deutschen Bevölkerung die Beihilfe zum Selbstmord für strafbar hielten.

Die Hilfe von Sterbevereinen nehmen jährlich etwa 200 – 300 Personen in Anspruch, also eine im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung verschwindend geringe Zahl, aber das waren bzw. sind jene Personen, um die es angeblich zunächst ging.
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Die Debatte dreht sich nur formal vorrangig um diese geschäftsmäßigen „Sterbehelfer“. Im Mittelpunkt der Diskussion stehen, wie jetzt auch die Bundestagsdebatte zur 1. Lesung des § 217 StGB zeigt, die Frage, ob Ärzte, Angehörige und Pflegende jederzeit straffrei und aktiv am Suizid mitwirken können.
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Aufgrund der lebhaften Diskussionen in Politik und Medien zu diesen Fragen und der damit erfolgten Aufklärung über den tatsächlichen Rechtszustand, nämlich die Straffreiheit der Beihilfe, ergibt sich nunmehr eine ganz andere Sachlage. Damit ist die heutige Situation nicht mehr mit der früheren, seit 1871 geltenden, zu vergleichen, als Beihilfe zur Selbsttötung noch weit überwiegend als verboten angesehen wurde oder ein ethisches Tabu war. zeitungen
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Inzwischen werden auf allen Vertriebswegen (Presse, Radio, Fernsehen und Internet) von interessierter Seite mögliche Suizidmethoden publiziert, schlimme Einzelschicksale geschildert, um darzustellen, was man auch gar nicht bestreiten kann, daß es leidende Menschen in aussichtsloser, todesnaher Situation gibt, die sich selbst nicht mehr umbringen können und dafür nach der Hilfe eines Dritten verlangen.

Das Leiden ist Bestandteil unseres Lebens

Die Tatsache, daß Leiden unabdingbar zum menschlichen Leben gehört, wird ausgeblendet und stattdessen die Forderung erhoben, daß diese leidenden Menschen für ihr Vorhaben „Sterbehilfe“ von anderen bekommen sollen.
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Hauptargument ist, man dürfe in schwierigen Situationen aus Mitleid am Sterben eines Lebensmüden mitwirken. Bei genauer Betrachtung ergibt sich, daß es in vielen Fällen weniger um Mitleid geht als um die eigene Betroffenheit über die Situation des anderen, die man nicht länger aushalten will.
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Das wiegt dann schwerer als die Situation dessen, der tatsächlich oder auch nur angeblich Beihilfe zum Selbstmord verlangt. Diese Haltung ist allerdings kein echtes Mitleid, sondern bedeutet Verweigerung der Solidarität ausgerechnet dann, wenn sie am nötigsten ist.
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Es ist ja längst bekannt und wird auch in der Diskussion nicht ernsthaft bestritten, daß die meisten Selbsttötungswünsche ihren Grund entweder in einer psychischen Krankheit haben oder aber im Empfinden des Betroffenen, nicht mehr wertgeschätzt, nicht mehr geliebt zu werden, zu nichts mehr nutze zu sein, anderen nur noch zur Last zu fallen, und ihnen darüber hinaus beachtliche Kosten und Mühen zu bereiten.

Bedrängte Menschen brauchen eine helfende Hand

Solchen Menschen darf man ihr Leid nicht dadurch vergrößern, daß man sie in ihren Wunsch, möglichst nicht mehr zur Last zu fallen, durch Suizidbeihilfeangebote unterstützt. Sie brauchen vielmehr eine helfende Hand, durch die sie wieder in das normale Leben zurückgeführt und bei früher oder später zum Tode führender Krankheit liebevoll betreut werden. Geschieht dies, wird der Todeswunsch in den allermeisten Fällen sehr bald und dauerhaft aufgegeben.
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Das zeigt, daß Lebensmüde im Zweifel nicht den Tod wünschen, sondern Hilfe in einer Situation, die unerträglich scheint. Der Forderung, Beihilfe zum Suizid aus Mitleid zu leisten, darf deshalb nicht generell straffrei gefolgt werden, zumal diesem Verlangem durchaus eigennützige Gründe zugrunde liegen können. Das gilt keinesfalls nur für Sterbevereine oder geschäftsmäßig erfolgte Mitwirkung, da jeder Einzelfall zählt.

Eigennützige Interessen im Hintergrund möglich

Und auch bei nahen Angehörigen oder sonstigen Nahestehenden gibt es neben dem Mitleid, daß gar nicht bestritten zu werden braucht, die gleich naheliegende Alternative eines persönlichen Interesses, sei es durch Überforderung pflegerischer oder materieller Art, daß der Leidenszustand des Angehörigen mit ihrer Hilfe ein Ende finden möge.
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Wenn die demographische Entwicklung so weitergeht, werden die Alten den Jungen immer mehr zur Last werden. Bei 900.000 Sterbefälle pro Jahr und 2,7 Mio. Pflegebedürftigen bedarf es jetzt größter Anstrengungen, diese Menschen besonders in der letzten Lebensphase jederzeit wertschätzend zu begleiten –  und nicht etwa durch Suizidbeihilfe-Angebote schwachen, kranken oder lebensmüden Personen den Lebensmut zu nehmen.

Lebensschutz dient dem höchsten Rechtsgut

Weder bei behandelnden Ärzten (die dann auch den Totenschein ausstellen können) noch dem persönlichen Umfeld wird im Zweifel ein Staatsanwalt später feststellen können, ob straffreie Beihilfe vorlag oder die schon erwähnte strafbare Tötung auf Verlangen (§ 216 StGB) oder gar Totschlag bzw. Mord. Diese rechtliche Unsicherheit darf in einem Rechtsstaat beim höchsten Rechtsgut nicht hingenommen werden.
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Wenn weiter straffrei Sterbebeihilfe geleistet werden kann, wird u.U. bei nicht mehr äußerungsfähigen Kranken, die den Wunsch nach Sterbebeihilfe in einer Patientenverfügung festgeschrieben haben, sehr bald die Forderung kommen, auch die Tötung auf Verlangen straffrei zu stellen.
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Wenn man Sterbewilligen den Giftbecher hinstellen darf, warum soll man dann z.B. nicht bei Komapatienten mit früher festgestellten Sterbewunsch aktiv „helfen“ dürfen?  –  Die grundsätzliche Rechtsfrage der Strafbarkeit einer Beihilfe zum Suizid sollte jetzt eindeutig geregelt werden.
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Denn es besteht bereits erkennbar die abstrakte Gefahr, daß die bisher straflose Beihilfe zum Selbstmord gerade für kranke und schwache Menschen zunehmend zu einer konkreten Lebensgefahr wird. Hier ist der Staat schon aus Gründen der Gefahrenabwehr gehalten, diesem Problem durch klare Rechtsvorschriften entgegenzutreten.

Christdemokraten für das Leben e.V.
Kantstr. 18 in 48356 Nordwalde
Tel.: 0 25 73 – 97 99 391 / Fax: 0 25 73 – 97 99 392

E-Mail: info@cdl-online.de / Internet: www.cdl-online.de

 


„Sterbehilfe“: CDU-Parlamentarier für komplettes Verbot der Suizid-Mitwirkung

Hedwig von Beverfoerde

Eine langgehegte Hoffnung hat sich erfüllt. Am Dienstag haben die CDU-Abgeordneten Prof. Dr. Patrick Sensburg und Thomas Dörflinger in der Fraktionssitzung einen neuen Gesetzentwurf vorgestellt: 

Foto: Blog "Freie Welt"Ein generelles und ausnahmsloses Verbot der Mitwirkung am Suizid, so wie es auch in unseren europäischen Nachbarländern Österreich, Italien, England, Irland, Polen, Portugal und Spanien besteht.

Mit diesem Sensburg/Dörflinger-Entwurf ist jetzt eine echte Alternative zu den Entwürfen und Positionspapieren der anderen Abgeordnetengruppen vorhanden. Mit dem Sensburg-Entwurf soll es – und das ist das Entscheidende – auch keine Ausnahmen und Privilegien für Angehörige und Ärzte bei Suizidmitwirkung geben.

Damit jedoch ein Gesetzentwurf zur 1. Lesung zugelassen wird, muss er mindestens von 40 MdBs der eigenen Fraktion oder von jeweils einem aus jeder Fraktion unterzeichnet worden sein.

Damit Sie im Informationsgestrüpp die wichtigsten Argumente für ein vollständiges Verbot von Suizidmitwirkung kurz und prägnant präsent haben, sehen Sie sich unser folgendes Kurz-Video an.

Der Medizinethiker Prof. Axel Bauer (Mitglied des Deutschen Ethikrates bis 2012) bringt hier im Interview kurz und verständlich entscheidende Aspekte auf den Punkt.

Weitere Argumente finden Sie hier.


Studie zur „Sterbehilfe“: Assistierter Selbstmord führt bei vielen Angehörigen zu Depressionen und seelischen Belastungen

„Sterbehilfe“-Organisationen versprechen den Angehörigen einen harmonischen Abschied vom Suizidwilligen, der eine „assistierte“ Selbsttötung wünscht.

Doch die Wirklichkeit sieht möglicherweise anders aus, wie die online-Ausgabe des „Ärzteblatts“ aktuell berichtet:

Laut einer Querschnitts-Studie in European Psychiatry (2012; Nr. 27: S. 542–546) leidet jeder fünfte Augenzeuge eines  solch assistierten Todes noch viele Monate später an einer posttraumatischen Belastungsstörung oder seiner Vorstufe. Jeder sechste zeigt Zeichen einer Depression.

Die „Sterbehilfe“-Organisation Exit (Deutsche Schweiz), die anders als Dignitas nicht im Ausland tätig ist, hat nach eigenen Angaben 60.000 Mitglieder, die gewillt sind, jedes Jahr 45 Franken (oder auf Lebenszeit einmalig 900 Franken) zu zahlen. Dafür hält Exit eine letale Dosis Natrium-Pentobarbital bereit, die die Mitglieder abrufen können, wenn sie sich zum „Freitod“ entschieden haben.

Eine EXIT-Begleitung sorgt für einen „sanften, sicheren und würdigen Tod durch Einschlafen … im eigenen Zuhause, umgeben von den engsten Angehörigen“, heißt es auf dem Internetportal des Sterbehilfevereins.(…)

Doch ganz so stressfrei scheint der assistierte Suizid für die Augenzeugen nicht zu sein, wie eine Studie zeigt, die Birgit Wagner am Universitätsspital Zürich durchführte:

Die Autorin schrieb 167 Verwandte und Freunde an, die Augenzeuge der assistierten Selbsttötung bei 111 Mitgliedern von Exit  waren. Insgesamt 85 Personen schickten die Fragebögen zurück, in denen die Forscherin sich nach Symptomen einer posttraumatischen Belastungsstörung, komplizierter Trauer und Depressionen erkundigte.

Ergebnis: 13 Prozent der Augenzeugen des assistierten „Freitods“, der zum Zeitpunkt der Umfrage 14 bis 24 Monate zurücklag, erfüllten die Kriterien einer posttraumatischen Belastungsstörung PTSD. Bei weiteren 6,5 Prozent lag eine unterschwellige PTSD vor.

Bei 4,9 Prozent stellte Wagner eine komplizierte Trauer fest. Zeichen einer Depression fand sie bei 16 Prozent der Zeugen einer assistierten Selbsttötung. Mit Ausnahme der komplizierten Trauer lag die Prävalenz damit höher als in der Schweizer Allgemeinbevölkerung gleichen Alters, schreibt Wagner.

Quelle und vollständiger Artikel hier:  http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/51892