Deutsche Katholiken in Südosteuropa: Als die Kirche in den Seelen erwachte…

Von Stefan P. Teppert

Viele Aufbruchsbewegungen prägten den deutschen Katholizismus der Zwischenkriegszeit in der Weimarer Republik. Das Einfache, Spontane und Naturgemäße wurde wiederentdeckt, die Kirche sollte nicht nur äußeres Gefüge sein, sondern Gemeinschaft stiften und „in den Seelen erwachen“ (nach einem bekannten Wort von Romano Guardini).

Viele dieser Anregungen von der Volksbildung über liturgische Erneuerung bis hin zur Jugendbewegung wurden auf die Deutschen in Südosteuropa übertragen.

Diesen Transfer, die Rezeption, die spezifischen Probleme in den Nachfolgestaaten der Donaumonarchie 1919 bis 1939 wollte eine Tagung am 27. Juli 2019 im Haus der Donauschwaben in Sindelfingen aufzeigen und analysieren.

Dass eine Tagung aber keine Ergebnisse liefern, sondern nur Probebohrungen leisten und Gespräche anregen könne, gab ihr Organisator und Leiter Prof. Dr. Dr. Rainer Bendel (siehe Foto) gleich bei seiner Begrüßung der Teilnehmer zu bedenken.

Als Projektleiter der Arbeitsgemeinschaft katholischer Vertriebenenorganisationen, Lehrbeauftragter für Kirchengeschichte an der Universität Hohenheim und Vorsitzender des Instituts für Kirchen- und Kulturgeschichte der Deutschen in Ostmittel- und Südosteuropa hatte Bendel das Programm konzipiert und unter der Trägerschaft des St. Gerhardswerks Stuttgart, des Gerhardsforums München und des Vereins Haus der Donauschwaben in Sindelfingen ermöglicht.

Mit einem Rückblick auf die liturgische Bewegung in enger Verquickung mit der Jugendbewegung bot Bendel auch einen fundierten Einstieg in die Thematik, warf Fragestellungen auf, hob Strukturen und Perspektiven hervor, etwa zu Stellung und Selbstwahrnehmung der Kirche in der Gesellschaft und im politischen Umbruchsprozess sowie davon abhängige Richtungsansätze und Problemlösungsmodelle in den verschiedenen Ländern Südosteuropas.

Dass die Liturgie zum Auslöser für eine tiefgehende, aber auch heterogene Erneuerungsbewegung in der Kirche wurde, zeigen ihre beiden Protagonisten Ildefons Herwegen und Romano Guardini.

Bernhard Strehler und Klemens Neumann gewannen in Schlesien Bedeutung für den Ursprung des Quickborn mit seinem Abstinentenverein, seiner Begeisterung für das Singen, das Natur- und Volksverbundene.

Auch der Heimgarten in Neisse wurde zum Impulsgeber für die Jugendbewegung, zum Ideengeber und Träger für ein neues Volksbildungskonzept mit verändertem Gemeindeverständnis und dem neuen Selbstbewusstsein einer freien, sich in die Ordnung fügenden Persönlichkeit.

So bereitete der Rückgriff auf verschüttete kulturelle Traditionen einen Aufbruch der kritischen Gläubigkeit vor, der seine Vollendung im Zweiten Vatikanischen Konzil fand.

Bendel skizzierte die unterschiedlichen Auswirkungen dieser vom reichsdeutschen Katholizismus ausgehenden Erneuerung bei den noch weitgehend barock und durch den Volkstumskampf geprägten Katholiken Ungarns, der Sathmarer und Banater Schwaben in Rumänien sowie im jugoslawischen Banat und der Batschka.

Auf religiöse Aufbrüche im Jugoslawien der Zwischenkriegszeit konzentrierte sich im Anschluss Dr. Angela Ilić (siehe Foto) vom Institut für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas (IKGS) an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU).

In einer ersten, von 1918 bis 1929 währenden Phase, eingeleitet durch die Gründung des erträumten, aber letztlich enttäuschenden südslawischen Staates, herrschten starke Zentralisierungstendenzen aus Belgrad, die zur Proklamation der Königsdiktatur und der Auflösung des Nationalparlaments führten.

In dieser Phase mussten sich die Kirchen in Jugoslawien durch die nach dem Weltkrieg erfolgten Grenzziehungen komplett neu organisieren.

Während einerseits starke Magyarisierungsbestrebungen eine Entfremdung der Priester von ihren Gläubigen bewirkte, wurde die röm.-kath. Kirche andererseits zum wichtigen Akteur bei der Abwehr von Slawisierungstendenzen und der Erhaltung der Minderheitenidentitäten auf lokaler Ebene.

Die deutschsprachigen Protestanten suchten ebenfalls nationale Selbstbestimmung und gründeten ihr eigenes Seniorat, später ihre eigene Kirche im Königreich Jugoslawien mit Dr. Philipp Popp an der Spitze der Landessynode.

Zugleich gewann die serb.-orth. Kirche zahlenmäßig und territorial mehr Macht und Einfluss.

In der zweiten, von 1929 bis 1941 dauernden Phase wurden staatlicherseits kirchenfeindliche Verträge mit allen Religionsgemeinschaften angestrebt. Trotzdem gelang es den Kirchen, Freiräume zu wahren.

Die auf den Abschluss eines Konkordats der röm.-kath. Kirche in Serbien mit dem Vatikan erfolgende Krise zeigte jedoch deren eingeschränkte Handlungsspielräume. Die Nähe der Protestanten zum Nationalsozialismus suchten die Katholiken zu meiden.

Als Kriegsverlierer sei es für die Deutschen und Deutschsprachigen im südslawischen Staat allgemein schwierig gewesen. Man könne auch nicht, so Ilić abschließend, über echte Aufbrüche sprechen, sondern nur über regional sehr unterschiedliche Zeichen und Versuche dazu, weil die meiste Energie zur Erkämpfung und Bewahrung der Muttersprache und der Erhaltung der eigenen Identität zur Verfügung stehen musste.

„Ottokár Prohászka und die ungarische Politik“ war das Thema von Dr. Zoltán Tefner (siehe Foto), einem Mitglied der Jakob-Bleyer-Gemeinschaft in Budapest.

Tefner untersuchte, inwiefern und warum der 1858 in Neutra/Nyitra in der heutigen Slowakei in eine mährisch-deutsche Beamtenfamilie geborene katholische Geistliche Prohászka zum Politiker werden konnte, obwohl er für diese Beschäftigung weder Lust noch Berufung verspürte, weil der Staat mit seinen irreligiösen Machtinteressen den Intentionen der Religion widerspricht.

Triebfeder Prohászkas war einerseits die patriotische Idee von Ungarn als unabhängiger, von Österreich getrennter Nationalstaat, andererseits die sozialpolitische Berufung des Katholizismus, wie sie durch Papst Leo XIII. verkündet worden war. Weitere Beweggründe waren sein Antijudaismus und Antimilitarismus. Er wollte das Christentum im Sinne der Freiheit, des Fortschritts und des Sozialismus voranbringen, gewissermaßen eine Synthesen mit diesen Weltanschauungen herstellen.

Sein Leben lang quälte ihn der Argwohn, dass er infolge seiner amtlichen Pflichten charakterlos werden könnte, zugleich wusste er aber auch, dass sich ein Charakter nur im weltnahen Leben ausbildet. Entsetzt von den Gräueln des Ersten Weltkriegs, begrüßte er danach das soziale Programm der Károlyi-Regierung vor allem mit ihrer Bodenverteilung.

Größte Sorgen bereitete Prohászka die seelische und administrative Verstümmelung des ungarischen Christentums durch die Pariser Friedensschlüsse. Mit Ekel und Passivität beobachtete der 1905 zum Bischof ernannte Pazifist von seiner Residenz in Székesfehérvár das Treiben des terroristischen Regimes unter dem Kommunisten Béla Kun, um sich dann der Regierung von Reichsverweser Miklós Horthy anzudienen.

Prohászka wurde Abgeordneter in der Nationalversammlung, setzte sich in Reden für die Kriegsgefangenen und die unteren sozialen Schichten, für ein modernes christliches Ungarn ein, lehnte es aber ab, zum Ministerpräsidenten gewählt zu werden oder sich auf Parteikämpfe und Machtstreit einzulassen. Im parlamentarischen Leben sind seine Hoffnungen nicht in Erfüllung gegangen. Desillusioniert von den mentalen und moralischen Schwächen des politischen Lebens zog er sich zurück und widmete sich fortan bis zu seinem Tod 1927 überwiegend rein religiösen Inhalten.

Als neuer Vorsitzender des Vereins Haus der Donauschwaben kam Raimund Haser (siehe Foto) zwischen zwei anderen Terminen vorbei, um ein Grußwort zu sprechen. Haser ist nicht nur Mitglied des 16. Landtags von Baden-Württemberg, sondern auch Präsidiumsmitglied im BdV auf Bundes- und Vorstandsmitglied auf Landesebene.

In der CDU-Landtagsfraktion fungiert er als Sprecher für die Angelegenheiten der Vertriebenen. Darüber hinaus ist er Mitglied des Stiftungsrates des Naturschutzfonds Baden-Württemberg und der Donauschwäbischen Kulturstiftung des Landes.

In seiner Ansprache plädierte Haser dafür, dass Heimat zwar Identität ermöglichen müsse, aber niemals zur Ausgrenzung des Anderen führen dürfe. Die Bereitschaft, unter einem großen Dach zusammenzugehören, sei genau das, was wir heute in Europa brauchen.

Haser versprach, gut auf das Haus der Donauschwaben aufzupassen, bedankte sich beim seit Monaten ohne Geschäftsführerin auskommenden Restteam für das opferbereite Engagement zur Aufrechterhaltung des Programms und lud die Gäste ein, die Veranstaltungen im Hause auch künftig zu besuchen.

Der Musikhistoriker Dr. Franz Metz (siehe Foto), Geschäftsführer des Gerhardsforums in München, sprach über Kirchenmusik und Chorgesang der Donauschwaben in der Zwischenkriegszeit, der letzten Entwicklungsstufe in ihrer 300jährigen Ansiedlungsgeschichte.

In dieser Epoche gab es zahlreiche Fortschritte und Höhepunkte, beispielsweise die Gründung des Banater Deutschen Sängerbundes 1922 in Perjamosch, zu dessen Zwecken „edle Geselligkeit“ und „vaterländische Gesinnung“ gehörten, auf dessen Fahne „Lied, Volk, Heimat“ zu lesen war, der aber fern der Politik stehen wollte.

Diesem Sängerbund waren 1925 schon 67 deutsche Gesangvereine des Banats beigetreten, man beteiligte sich bei der 200-Jahr-Feier der Ansiedlung 1923, beim Zehnten Allgemeinen Deutschen Sängerfest in Wien 1928, ein Jahr später in Frankfurt a. M.

Metz stellte dann eine Reihe von Musikerpersönlichkeiten vor, darunter den Musikprofessor Hans Eck aus Komlosch (1899-1965), auf den ein Gesangbuch mit dazugehörigem Orgelbuch zurückgeht, das in der Temeswarer Diözese heute noch benutzt wird.

Stefan Ochaba aus Brünn (1904-1948) kam 1924 nach Pantschowa und Werschetz, wo er als Kirchenmusiker, Chorleiter, Pädagoge und Komponist tätig war. Viele seiner Kompositionen, seine Noten- und Instrumentensammlung wurden durch die Partisanen Titos zerstört.

Der Kirchenmusiker, Dirigent und Karansebescher Bürgermeister Fritz Pauck (1886-1965) war auch Obmann des Banater Deutschen Sängerbundes, ihm wurde die päpstliche Auszeichnung „Pro ecclesia et Pontifice“ überreicht.

Für Bischof Augustin Pacha komponierte er ein „Ecce Sacerdos“. Ein letzter Versuch, für die Banater Kirchenmusik etwas zu tun, bevor die kirchliche Organisation unter dem Druck der kommunistischen Diktatur zusammenbrach, war die Veröffentlichung der „Katholischen Kantorlehre“ in Temeswar 1944 durch die Ordensschwester Dr. Hildegardis Wulff (1896-1961).

Der Referent konnte mit seinen Beispielen die Vernetzungen der Banater Kirchenmusik mit Entwicklungen im deutschen Sprachraum, die multiethnische Zusammensetzung der Chöre sowie die Stimmungsänderung während des Dritten Reichs und der kommunistischen Diktatur veranschaulichen.

Zuletzt widmete sich Tobias Schmidt (siehe Foto), ein Kirchenmusiker in Ulm, der in Rottenburg studiert und an seiner Masterarbeit schreibt, zwei Temeswarer Persönlichkeiten im Umbruch der Zeit: den Domkapellmeistern Desiderius Jarosy und Desiderius Braun. Jarosy, 1882 in Lenauheim geboren, war von Kindheit an mit Kirchenmusik und dem kirchlichen Leben vertraut.

Zunächst Lateinschüler am Piaristengymnasium in Pécs, absolvierte er das Szegediner Gymnasium und das Temeswarer Priesterseminar, wurde 1905 zum Priester geweiht, nach Budapest versetzt. 1906 wurde er Domkapellmeister in Temeswar und Chorleiter des Temeswarer Philharmonischen Vereins.

1910-14 lehrte Jarosy an der Budapester Musikhochschule und war Musikprofessor an der Deutschen Lehrerbildungsgesellschaft. 1914 übernahm er das Direktorat der Temeswarer Druckerei und war Schriftleiter und Herausgeber der Banater Musikzeitung. Jarosy, von dem das Diktum stammt, dass von einer eigenständigen Banater Musikkultur keine Rede sein könne, tat zugleich unglaublich viel, um eine solche zu etablieren.

1914 wurde er mit dem Ritterkreuz des Franz-Joseph-Ordens ausgezeichnet und 1925 zum Päpstlichen Kämmerer ernannt. Er starb 1932 in Erlau und ist auf dem Lenauheimer Friedhof bestattet. Am Temeswarer Dom erinnert eine Gedenktafel an ihn.

Von seinem Nachfolger als Domkapellmeister (1927-40) Desiderius Braun stammt die Biografie „Leben und Wirken des Desiderius Jarosy“. 1927-31 hatten beide das Amt gemeinsam versehen. Von Braun stammt auch der erste Band der Banater Musikgeschichte (1937), deren zweiten Band er nicht mehr vollenden konnte. Er starb 1940. Zu seinem Gedenken wurde auf der Empore des Temeswarer Doms eine Tafel angebracht.

Prof. Bendel kennzeichnete diese beiden Beispiele für das kirchenmusikalische Wirken in Temeswar als ungarisch fühlend, aber ethnisch deutsch und verglich sie mit dem deutschstämmigen Komponisten Ferenc Erkel (1810-1893), dem Vater der immer noch viel aufgeführten ungarischen „grand opera“ und dem Schöpfer der ungarischen Nationalhymne.

Fotos: Stefan P. Teppert

 


Plädoyer für die katholische Jugendbewegung

Rezension von Felizitas Küble

Buch-Daten: P. Gerold Schmitz: Die Katholische Jugendbewegung. Vom Aufbruch zum Abstieg. 4,50 €, Sonderpreis nur 1,95 € hier: https://www.fe-medien.de/Die-Kath-Jugendbewegung

Der Autor untersucht den Werdegang der Katholischen Jugendbewegung „von den Anfängen bis zu den Neuaufbrüchen“, so verkündet es der Untertitel.

Mit „Neuaufbrüchen“ sind konservative, kirchentreue  Jugendinitiativen gemeint, die sich in Abgrenzung zum Bund der deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) entwickelten.

Hinsichtlich des BDKJ schildert der Verfasser die glaubensbegeisterte Aufbruchstimmung Ende der 40er Jahre über Phasen der Ermüdung bis hin zur heutigen Linkslastigkeit und unentwegten Kirchenkritik dieses von Bischöfen bezuschußten Dachverbands.

Der Autor ist Pater des Franziskanerordens und beurteilt die derzeitige Arbeit des BDKJ sehr kritisch. Dabei wird deutlich, daß der schleichende Abstieg dieses „offiziellen“ katholischen Dachverbandes schon Mitte der 60er Jahre begann: Bereits vor 35 Jahren war kaum noch etwas übrig von dem religiösen Elan der Gründerzeit.

Der BDKJ geriet ins Fahrwasser der 68er Revolte und so in ein Distanzverhältnis zur „Amtskirche“. Dennoch wurde der bischöfliche Geldhahn nicht zugedreht, so daß der zeitgeistkonforme Jugendverband, der sich kirchenkritisch bis antikirchlich gebärdet, gut und gerne von den Finanzmitteln der von ihm so vielgescholtenen „Amtskirche“ lebt.

Einige Beispiele: 1971 verweigerten die Bischöfe zum ersten Mal in der Geschichte des BDKJ die Zustimmung zu dessen neuer Bundesordnung. 1984 kam es zum Streit zwischen BDKJ und Bischofskonferenz wegen klassenkämpferischer und obszön-blasphemischer „Songbücher“ der Katholischen Jungen Gemeinde (KJG), eines Teilverbandes des BDKJ.

1989 protestierte der BDKJ gegen Erzbischof Johannes Dyba (siehe Foto), weil dieser – in Abgrenzung zum BDKJ – die „Katholische Jugend Fulda“ ins Leben rief. Der konservative Oberhirte wollte damit den BDKJ in seine Grenzen weisen. Die anderen Bischöfe folgten seinem Beispiel jedoch nicht.

Der BDKJ wandelte sich so von einem glaubensstarken Verband in ein Sammelsurium grün-alternativer Strömungen. Die Zeit markiger „Bekenntnistage“ und glaubensfroher Lieder war abgelaufen. Frömmigkeit wurde ersetzt durch Gesellschaftskritik, Bekenntniseifer durch Revoluzzertum, christliche Inhalte durch sozialistische Parolen.

Der Verfasser beschränkt sich in seinem sowohl sachkundig wie flüssig geschriebenen Buch nicht auf die Darstellung der (Abwärts)Entwicklung im BDKJ – dies wäre wohl ein allzu trostloses Unterfangen. Dem Autor geht es um die „Katholische Jugendbewegung“ im umfassenden Sinn – und diese reicht weit über den BDKJ und die kirchenoffizielle Verbandsarbeit hinaus.

Das Buch schildert den Aufbruch der „Jugendbewegung“ Anfang des Jahrhunderts, beginnend mit dem Wandervogel in Berlin. Im Gefolge dieses Phänomens entstanden verschiedene Richtungen der „bündischen Jugend“ in und außerhalb der christlichen Kirchen.

Die jungen Romantiker stellten keine einheitliche Bewegung dar, sondern eher einen bunten Flickenteppich: vielfältig in seiner Struktur, aber miteinander verbunden durch ein gemeinsames „Lebensgefühl“, das sich in starker Naturverbundenheit, Lagerromantik und Kritik am „Spießbürgertum“ ausdrückte.

Auf katholischer Seite wurde die Aufbruchstimmung der Jugendbewegten lebendig vor allem im Jugendbund „Quickborn“ und im katholischen Schülerbund „Neudeutschland“ sowie dem Mädchenbund „Heliand“. Auch im kirchenoffiziellen „Jungmännerverband“ erhielten Ideen und Lebenswelten der Jugendbewegung einen starken Einfluß, ohne jedoch spezifische katholische Glaubensinhalte zu verdrängen. Die Harmonie zwischen Kirche und Jugendbewegung war gelungen.

Unter der NS-Diktatur wurde die bündische Jugend im allgemeinen und die katholische Jugendbewegung im besonderen massiv verfolgt und verboten.

Aus den Trümmern der NS-Diktatur entstanden wieder jugendbewegte katholische Gruppen. Doch seitens der Kirchenleitung wurde das Einheitsmodell eines Dachverbandes gegenüber dem früheren Nebeneinander selbständiger Bünde bevorzugt. So entstand 1947 der BDKJ.

Wenngleich dieser zunächst glaubenskonservativ ausgerichtet war, zeigte sich bald der Nachteil des Einheitsgedankens, indem sich eine selbstherrliche Kaste hauptamtlicher Berufsjugendlicher herausbildete. Der bürokratische Wasserkopf mit dem Jugendhaus Düsseldorf als Zentrum weitete sich immer stärker aus, verbunden mit einem drastischen Linksdruck und einem zunehmenden Abstand zu Glaube und Kirche.

Erstveröffentlichung dieser Besprechung in der Wochenzeitung JUNGE FREIHEIT


Findet das christliche Abendland zurück zur Schöpfungsordnung Gottes?

Von Christa Meves

Weihnachten 2018 hat seine Tore geöffnet und es scheint, als würde sich die Festlichkeit hierzulande in gewohnter Weise vollziehen: als das übliche Sing- und Schenkfest mit Tannenbaum und Kerzen, mit viel gebratenem Fleisch, pünktlichen Gottesdiensten und Zusammentreffen der Familien, nicht allein in den noch heilen, sondern sogar auch in den zerbrochenen, mit Hin- und Herpendeln der Kinder.

Für mich persönlich schließt sich mit dem kommenden Jahreswechsel fast das 93. Lebensjahr zu. Mit einem erleichterten Seufzer hoffe ich, am Jahresende zu konstatieren, dass das christliche Abendland auch in diesem Jahr offenbar noch nicht total hat zerbrechen müssen, obgleich sich bei wachem Bewusstsein feststellen lässt, dass wir hierzulande immerhin seit mindestens 80 Jahren wie über einem Abgrund zu hängen scheinen.

Was rettete uns bisher? Die kleine Schar der Märtyrer des Hitlerreiches oder Menschen in versteckten Positionen auch, die die Situation bewusst wahrnahmen, die wachten und um Erbarmen hinaufflehten? Gibt es solche Bewahrer der Wahrheit auch heute noch?

Können wir auch im Hintergrund dieses Weihnachtsfestes 2018 solche Hoffnungen haben?

Ja, davon habe ich mich in den letzten Monaten in zunehmendem Maße überzeugen können; denn im öffentlichen Trend ist eine beachtliche Beunruhigung darüber entstanden, ob die Wegrichtung unserer Republik in den vergangenen 40 Jahren richtig und damit zukunftsträchtig gewesen ist. 

Es war nämlich in dieser Zeit in den Wohlstandsländern des Westens ein ständiges Anwachsen der Verstöße gegen Gottes Schöpfungsordnung erfolgt. Daraus resultierte zunächst ein Anwachsen der Gefahr, einerseits persönlich in ungute Situationen zu geraten. Und das geschah andererseits in einer solchen Häufigkeit, dass daraus eine allgemeine Schwächung der Strukturen entstand.

Ja, mehr noch: Daraus erwuchs eine Art geistiger Bewusstseinsminderung, eine allgemeine kurzsichtige Unnachdenklichkeit. Die  Entfesselung der Sexualität z. B., dieses zweitmächtigsten Motors unserer Biologie, hatte eine Entstabilisierung der Ehen, der Familien und damit des Halts der Kinder  zur Folge gehabt. Schulischer Niveauverlust in der jungen Generation z. B.  lässt sich statistisch im Völkervergleich dadurch für Deutschland bereits seit Jahrzehnten ausmachen.

Auch lässt sich öffentlich nun wirklich nicht mehr verschweigen, dass wir hierzulande einen Geburtenschwund zu konstatieren haben, sodass mindestens dadurch generell ein Überleben in der Zukunft infrage gestellt wird.

Doch so hoffnungslos wie im letzten Viertel des vorigen Jahrhunderts ist die Situation am Ende dieses Jahres nicht mehr gegeben; denn die Bevölkerung ist dabei, der Wahrheit ins Gesicht zu sehen.

Und ein Wunder ist entstanden. Immer weniger Bürger sind heute noch bereit, sich in der Politik mit kleinen Änderungen in den Details zufriedenzugeben. Ein Ahnen geht durch die Bevölkerung, dass eine Richtungsänderung von der Tiefe her geschehen muss.

Wo ist Rettung in Aussicht? Ist sie womöglich bereits in der Stille im Wachsen?

Denn eine generelle Umkehr müsste immerhin doch von einer geistigen Einstellungsänderung her ausgehen und zu der Erkenntnis aufblühen, dass wir Menschen allesamt keineswegs autonom sind, sondern an Gottes Band, dass also jeder von uns bei seinen Entscheidungen hinauffragen sollte, ob sie mit Gottes Schöpfungsordnung und mit seinem Willen übereinstimmen.

Anregung dazu lässt sich z. B. in einigen christlichen Printmedien, vorbildlich etwa in der katholischen Tagespost und in der evangelikalen IDEA entdecken. Darüber hinaus gibt es hierzulande z. B. fünf betont christliche Sendestationen: Radio Horeb, EWTN, K-TV im katholischen Bereich, Bibel-TV und ERF im evangelischen Spektrum.

Ich habe im vergangenen Jahr – gezwungen durch meine schwach werdenden, das Lesen und Schreiben behindernden Augen – voller Staunen die Gelegenheit gehabt, beglückt zu erfahren, was hier abseits vom großen Mainstream  für eine durchschlagende Überzeugungsarbeit geleistet wird.

Wie kann das gelingen? Ist doch das Christentum und seine Bibel im modischen Trend so vielfältig herabgewürdigt worden. Und wie sehr gehört es zum Trend,  solche unverständlich erscheinenden Bereiche zum alten Eisen zu werfen!

Anders in diesen christlichen Institutionen: Die Redakteure, die Moderatoren, die zu Vorträgen Eingeladenen stehen hier in einer neuen Phalanx, die diese Crew unversehens wirksam macht; denn die sich hier Einsetzenden sind von der eigenen Erkenntnis über den Sinn  des Menschenlebens begeistert überzeugt und die Gefahr, die Verbindung mit ihrem Schöpfer zu verlieren, treibt sie um.

Sie sind je nach Temperament verhalten bis unverblümt emotional davon durchdrungen, die frohe Botschaft der neu zum Licht gebrachten Wahrheit der irrenden Menschheit heute vermitteln zu müssen und das auch zu können –  getragen von der eigenen Sicherheit ihrer Erfahrung. Dadurch werden die Aussagen lebendig und wirksam.

Neu kommt in ihren leuchtenden Augen das Erfülltsein vom Geist der Dankbarkeit für das eigene beschützte und geliebte Lebensgeschenk durch den Schöpfer zum Ausdruck. Das schlägt auf die Zuschauenden und Zuhörenden durch und wird sogar als Anbetung in aufsprießenden Gebetshäusern sichtbar.

Hier wächst die Tiefe einer Weihnachtsstimmung, die der Düsternis unserer internationalen Situation den notwendigen Widerstand und für uns alle neue Hoffnung bietet.

Christa Meves ist Bestseller-Autorin und Psychotherapeutin für Kinder/Jugendliche; sie leitet den Verein „Verantwortung für die Familie“, der weitere Infos und Artikel bietet: http://www.vfa-ev.de/newsl.htm

 


Vom fatalen Umgang der CDU mit der AfD

Von Peter Helmes

Ich zweifle schon lange am Verstand der CDU. Die AfD ist für die Christdemokraten die Schlange, auf die das Kaninchen CDU starrt. Aber die CDU hat keine Idee, wie das Problem gelöst werden soll –  und zieht sich in ihren Bau zurück.

Ich kenne meine Partei seit fast 60 Jahren, habe viele Freunde und Gegner überlebt – aber diese Hilflosigkeit gegenüber der AfD ist nicht erklärbar. Wir in der Werte-Union setzen uns völlig unnötig in eine Falle: Die AfD ist geistig und personell zu weiten Bereichen ein Teil der ehemaligen Union. Viele AfD-Mitglieder waren früher Aktivisten der Union. Und jetzt – nach dem Übertritt zu AfD – sollen sie plötzlich „Nazis“ sein?

Einer der wenigen in der Union, die das erkannt haben, ist der Vorsitzende der Werte-Union, Alexander Mitsch:

„Eine pauschale Verurteilung der AfD-Wähler ist nicht gerechtfertigt und deren Ausgrenzung nicht der richtige Weg“, sagte Alexander Mitsch (Plankstadt), Vorsitzender der konservativen „Werte-Union“ innerhalb der CDU, im Gespräch mit unserer Zeitung. In der AfD gebe es „viele gute Leute, die früher bei der CDU waren, durch deren Linkskurs aber heimatlos geworden sind“.

Letztendlich sei „die Stärke der AfD nur ein Symptom für das inhaltliche Versagen der Merkel-CDU“, sagte Mitsch weiter. Er sehe zwar keine Koalitionen mit der AfD, sagte der Chef der Werte-Union, „aber wenn die AfD mit richtigen Positionen kommt, kann man sie nicht ablehnen, weil uns die nicht passen, die sie vertreten“. Er sei da sehr pragmatisch und gegen eine Kooperationsverweigerung, sagte Mitsch den Stuttgarter Nachrichten (https://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.parteistrategie-cdu-sucht-nach-richtigem-abstand-zur-afd.8cf785ea-bae2-4eb2-ac65-6cfd22e4c94f.html)

Aus den Reaktionen aus der CDU zu Mitsch´s Erklärung kann man jetzt schon ablesen, daß seine Position (derzeit) in der Partei keine Chance hat.  Das ist blinder Aktionismus  – und der hilft „links“. Jedenfalls nicht einer hilflosen CDU! 

Wenn uns die Politik der AfD nicht gefällt – einverstanden! Aber es ist doch unter der Würde christlich-demokratischer Grundeinstellung, die Freunde von einst (von kürzlich) jetzt in die braune Ecke zu stellen!

Ich habe viele persönliche Freunde in der AfD, die jahrzehntelang Seite an Seite mit mir gekämpft haben – für eine konservative Union. Jetzt sind sie zur AfD gegangen. Wenn ich sie treffe, soll ich dann sagen: „Du bist ein Faschist! Mit Dir rede ich nicht?“

Nennen Sie mir einen, der früher in der CDU Verantwortung trug und jetzt in der AfD, und weisen Sie nach, wo er „braun“ geworden ist?

Wir machen es uns verflixt einfach: Die AfD hat eine strategische Lücke im konservativen bzw. „rechten“ Lager entdeckt, weil wir in der Union diese Lücke verschlafen haben. Statt nun darüber nachzudenken, wie man die konservativen Kräfte beider Parteien sinnvoll einsetzen könnte, bestimmt planloses Handeln die Union und mithin auch deren Konservative.

Was offensichtlich niemand sieht: Das Nachlaufen und Nachbeten von dummen Sprüche der CDU-Chefin, die AfD betreffend, bringt uns keinen Schritt weiter, sondern treibt die Konservativen in der Union noch mehr in die Isolierung.

Und Merkel lacht sich ins Fäustchen – von den Laschets, Strobls, Klöckners usw. ganz zu schweigen. Deren Kalkül geht auf: Verächtlichmachung der „Rechten“, Marginalisierung ihres Einflusses in der Partei!

Wo bleibt der Aufbruch der CDU?

Haben wir denn definiert, was unsere Position ist? Die Plattform der WerteUnion ist hilfreich, weicht aber der Frage einer Kooperation konservativer Kräfte aus. Stattdessen schwingt die CDU-Führung die Faschismuskeule und läßt Andersdenkenden keine Chance. Toller Laden! Die Tollheit regiert! 

Wenn wir uns schämen, konservativ zu sein, sollten wir das sagen – und dann in der politischen Auseinandersetzung mit Linken schweigen! Wenn wir aber stolz darauf sind, konservativ zu sein, dann sollten wir uns dazu bekennen, Partner suchen und gegen den Zeitgeist kämpfenauch für eine andere CDU!

Unser Autor Peter Helmes ist politischer Publizist, ehem. Bundesgeschäftsführer der JU (Jungen Union) und er schreibt aktuelle Kommentare hier: www.conservo.wordpress.com   


SPD wünscht Posten statt Profil – das Ende einer Volkspartei in Sicht?

Von Peter Helmes

Die SPD wird Koalitionsverhandlungen mit der Union aufnehmen. 56,4 Prozent der 642 Delegierten und Vorstandsmitglieder stimmten auf de Parteitag dafür. Will heißen: Der Mehrheit, wenn auch einer denkbar knappen, ist die Futterkrippe näher als die programmatischen Ziel der SPD – vermutlich, weil Letztere niemand mehr kennt. Eher gilt heute: Posten statt Profil.

Ein Großteil der Parteibasis und der Delegierten versagten der SPD-Führung die Gefolgschaft. Viel fehlte nicht an einem Erfolg der Groko-Gegner, deren Argumente für eine Erneuerung in der Opposition offenkundig auf großen Widerhall in der Partei stoßen.

Sehenden Auges nähert sich die (ehemals) große Traditionspartei ihrem Ende. Die SPD hat sich für den Weg in die Bedeutungslosigkeit entschieden.

Schulz steht für Abbruch

Dies ließ sich gestern leicht am einst gefeierten 100-Prozentstar der SPD festmachen. Schulz war sein Name, der vor etwa 1 Jahr für Aufbruch stand. Jetzt steht er eher für Abbruch.Martin Schulz schaffte es trotz seiner langen Rede nicht, die Delegierten mitzureißen.  

Er brachte immer wieder die Ergebnisse der Sondierungsgespräche in Erinnerung, was aber niemanden zu interessieren schien. Denn genau mit diesem Ergebnis der Sondierungsgespräche kann die SPD nicht punkten. 

Schulz Rede klang nach Pfeifen im Kohlenkeller. Er zählte Stichpunkte aus den Sondierungsergebnissen aneinander, wich aber der Frage nach der SPD-Handschrift aus. Zudem versprach er das Blaue vom Himmel, Dinge, die er nicht halten kann: z.B. die Härtefallregelung zum Familiennachzug für Flüchtlinge mit subsidiärem Schutz. (Kommt so gewiß nicht.)

Kluft zwischen Parteiführung und Basis

Und so entstand beim unbefangenen Beobachter eher der Eindruck, hier würden zwei verschiedene Organisationen tagen: Die Parteioberen und ihr schmaler werdender Anhang, die sich mit glaubhaften wie fadenscheinigen Argumenten der Union andienen, auf der einen Seite, und auf der anderen Seite kämpften (mit Leidenschaft) vor allem die Jüngeren mit ihrer wachsenden Schar von Anhängern, die von einer Erneuerung der SPD nicht nur redet, sondern diese durchsetzen will.

Allenfalls schaffte es Andrea Nahles, die Delegierten leidenschaftlich anzusprechen – mit einem Hinweis auf „die Bürgerinnen und Bürger“: „Die zeigen uns den Vogel!“, rief sie, und meinte die Bürger, wenn die SPD nicht umsetzte, was sie könne, weil sie nicht alles bekomme: „Das ist doch Blödsinn, verdammt nochmal!“ Und damit endete auch schon das bißchen Schwung.

Das knappe und blamable Abstimmungsergebnis verrät die Skepsis in der Partei. Die Zweifel an einer erneuten – aber nach Meinung vieler Delegierten gewiß nicht erneuerten – Großen Koalition sind unüberhörbar. Und so ist noch längst nicht ausgemacht, ob ein Koalitionsvertrag, egal was drin steht, am Ende von den Mitgliedern abgesegnet wird.

Skeptisches Medien-Echo

„Lauwarme Unterstützung“  –  „Ein Pyrrhussieg für Martin Schulz “ –  „Mit halber Kraft“  –  so oder ähnlich lauten heute (22.1.18) denn auch die Überschriften zu den Kommentaren der verschiedensten Gazetten über den SPD-Parteitag. Von neuem Elan keine Spur.

Ganz typisch für die  derzeitigem Kommentare schreibt der Münchener Merkur dazu: „…Das gequälte Ja des Sonderparteitags zu Verhandlungen für eine neue GroKo war kein selbstbewusster Aufbruch in ein neues Kräftemessen mit einer schwächer werdenden Kanzlerin, sondern eine Kapitulationserklärung aus Angst vor dem Untergang. Verzagt und weinerlich marschiert die Partei in die dritte Koalition unter Angela Merkel…“

Die SPD ist auf ihrem entscheidenden Parteitag den eigentlichen Fragen ausgewichen. Viele Schicksalsfragen hat die SPD erst einmal vertagt. Dazu gehört vor allem die Frage, wie lange die SPD Martin Schulz noch als Parteichef ertragen wird – und in welcher Rolle. Und die wichtigste, wie eine Drohung über der Partei hängende Frage, ob ihr Anspruch, Volkspartei sein zu wollen, nicht viel zu gewagt ist, da ihr immer mehr Anhänger und Wähler weglaufen, wurde erst gar nicht gestellt – und harrt der Antwort bis zum greifbar nahen Ende der SPD. 

Ein nicht unwichtiger Nebeneffekt, wenn die SPD tatsächlich wieder in die Regierung zurückkehrt: Die AfD-Fraktion wird durch eine Regierungsbeteiligung der SPD im Bundestag Oppositionsführerin.

Das bietet der Partei neue Chancen – und läßt die Grünen verzweifeln. Sie werden sich in ihrem Drang nach Wahrnehmung und Anerkennung an zwei gegensätzlichen Polen zerreiben: Kampf gegen die verhaßte AfD einerseits und Opposition gegen Schwarz-Rot andererseits. Damit aber schaffen die Grünen kein eigenes Profil.

Erstveröffentlichung dieses Beitrags von Peter Helmes hier: https://conservo.wordpress.com/2018/01/22/futterkiste-statt-prinzipientreue-die-glaubwuerdigkeit-der-spd-ist-dahin/


Schweiz: „Aufbruch“ mit unfairer Umfrage und Falschbehauptungen gegen Bischof Huonder

Von Felizitas Küble

Auch bei den reformkatholischen Eidgenossen gibt es wieder einmal einen „Aufbruch“ – hin zu einer zeitgeistigen Kirche natürlich.

Im Zuge dieser Neuorientierung soll der Bischof von Chur, Vitus Huonder (siehe Foto), mal eben mittels Medienmacht und „Straße“ bzw. Demonstration am kommenden Sonntag zum „Rücktritt“ (Amtsverzicht) gedrängt werden, hat er sich doch  –  man faßt es nicht!  –  erlaubt, die katholische Glaubens- und Sittenlehre ungeschmälert zu verkünden, sei es gelegen oder (den Modernisten) ungelegen.

Soweit sind diese abstrus wirkenden Vorgänge  –  man denke etwa an die Causa Limburg  –  mittlerweile wohl schon als „normal“ anzusehen.

Allerdings fällt folgende Umfrage selbst für linkskatholische Verhältnisse aus dem Rahmen, weil sie einfachste Erfordernisse einer fairen Fragestellung außer Acht läßt.

Die Anti-Huonder-Webseite „Aufbruch“ veranstaltet eine  –  derzeit noch laufende  –  Online-Umfrage zum Thema „Soll der Churer Bischof Huonder zurücktreten?“

Abgesehen davon, daß ein Bischofs-RÜCKTRITT kirchenrechtlich gar nicht möglich ist (er kann lediglich dem Papst seinen Amtsverzicht anbieten, so daß dann die Entscheidung darüber in Rom liegt), läßt es tief blicken, wie das Aufbruchs-Portal seine schlußendliche Frage einleitet:

„Kaum eine Woche vergeht, in der es Bischof Vitus Huonder nicht durch verletzende Vorschläge in die Schlagzeilen schafft.

So brüskierte der Churer Bischof kürzlich erst Homosexuelle und Geschiedene mit seinem ausgrenzenden Vorschlag, sie sollten mit verschränkten Armen zur Kommunion gehen und statt der Hostie einen Segen erhalten.

Wenige Tage später trommelte Huonder für die Abtreibungsinitiative, die die Abtreibung zur Privatsache erklärt und die Kosten aus dem Leistungskatalog der Krankenkassen streichen will. Die Frage drängt sich auf: Soll der Churer Bischof Vitus Huonder zurücktreten? Stimmen Sie ab.“

Pech allerdings für diese Zeitgeist-Surfer, daß das bisherige Abstimmungs-Ergebnis (zum  jetzigen Stand am 6.2. um 10,15 Uhr) nicht so recht zu diesen Vorgaben passen will:

Eine  –  wenngleich knappe  –  Mehrheit von 52% der weit über 500 Teilnehmer fordert den Bischofs-Rücktritt nämlich gerade  n i c h t.

(Siehe hier: http://www.aufbruch.ch/4001)

Abgesehen davon enthält schon die (ohnehin alles andere als neutrale) Einleitung zur online-Frage zwei faustdicke Falschbehauptungen:

Der Churer Bischof hat keineswegs „Homosexuelle und Geschiedene“ aufgefordert, sie sollten am „Tisch des HERRN“ statt der heiligen Kommunion einen Segen empfangen (also statt einem Sakrament ein Sakramentale erhalten), sondern er bezog dies auf geschieden-Wiederverheiratete (also keineswegs auf bloß Geschiedene) und auf praktizierende Homosexuelle (also keineswegs etwa auf jene, die ihre gleichgeschlechtlichen Neigungen nicht ausleben).

Aber Fairneß und Korrektheit spielen im Kampf gegen einen unliebsamen Bischof offenbar keine Rolle.

Foto: Radio Maria (Schweiz)