Der Film „Die Passion Christi“ im Zwielicht

Von Felizitas Küble

Immer wieder erhält unsere Redaktion Anfragen von Lesern über Mel Gibsons Kassenschlager „Die Passion Christi“. Der Film, der nach seinem Kino-Erfolg auch in einigen TV-Sendern ausgestrahlt wurde, erntete im frommen Spektrum (ob katholisch oder evangelisch) größtenteils Zustimmung.

Der evangelikale Hänssler-Verlag brachte sogar einen großformativen Bildband mit farbigen Film-Szenen heraus, außerdem Videos, DVDs, Buchbroschüren etc.

Vielleicht war der Wunsch hier Vater des Gedankens, durch diesen Film möglichst an jene „Massen“ heranzukommen, die zwar gerne in die Kinos strömen, aber selten in die Kirchen. Der große Erfolg gab dieser Erwartung durchaus recht  – doch die Frage bleibt: Erfüllte der Film als solcher jene theologischen Maßstäbe, die aus christlicher Sicht unabdingbar sind?

Zunächst könnte man positiv festhalten, daß es gerade im Zeitalter eines allzu weich gezeichneten Jesus-Bildes, in dem unser Erlöser vorwiegend als Softy, Feminist, Weisheitslehrer und Sozialromantiker vorgestellt wird, nur gut sein kann, wenn die weniger „weichen“ Seiten der biblischen Botschaft zur Sprache kommen, vor allem der Opfertod Christi, sein Gehorsam bis zum Tod am Kreuz, das stellvertretende Sühneleiden Christi.

Gerade dieser Opfergedanke  –  und allgemein die Kreuzes-Theologie  –   wird in Katechese, Predigt und Liturgie leider immer mehr verdrängt, so daß hier tatsächlich Nachholbedarf besteht.

Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht

Insofern ist die Konzeption des Films, sich auf die Passion des HERRN zu konzentrieren, nicht unbedingt fehl am Platze sein. Gleichwohl enthält dieser Ansatz eine Reihe von „system-immanenten“ Gefahren und Schieflagen, denen der Gibston-Streifen auch tatsächlich zum Teil erlag. christus

Er wird vor allem dem inhaltlichen Anspruch des christlichen Glaubens nicht ausreichend gerecht. Mit einer kurzen Einblendung der messianischen Jesaja-Stelle („Er starb für unsere Sünden“) zu Beginn des Films ist es nicht getan. Insgesamt wird durch Ablauf und Gestaltung zu wenig verdeutlicht,  w a r u m  Christus so grausam leiden mußte. Das „Wie“ des Leidens steht vor allem im Vordergrund, weniger das „Warum“.

Der Film „ertrinkt“ geradezu in ausgewalzten Szenen voller Grausamkeiten, nicht allein beim Kreuzestod, vor allem bei der Geißelung Christi, die kein Ende zu nehmen scheint.

Man braucht kein „Sensibelchen“ sein, um die Frage zu stellen: Ist das „Zuglotzen“ bei dieser Zurschaustellung des Leidens Jesu mit der Ehrfurcht vor Gott noch vereinbar? Nicht ohne Grund hält sich das Neue Testament bei der „Berichterstattung“ über die Passion des Gottmenschen sehr zurück, sie verzichtet auf jede detaillierte Schilderung. Das gilt für alle vier Evangelien, ebenso für die Apostelbriefe usw.

Konnte Regisseur Mel Gibson, der zahlreiche Actionfilme gedreht hat, hier seinem persönlichen Hang nach gewalttätigen Szenen nicht widerstehen?

Zu viele außerbiblische Einflüsse

Das erwähnte Problem mag auch damit zusammenhängen, sich Gibson in seinem Passionsfilm nicht in erster Linie auf die Evangelien stützt, sondern auf Visionen der Ordensfrau Anna Katharina Emmerich sowie auf  eigenen Einfälle und Einblendungen , die zum Teil magisch-düster anmuten (zB. eine merkwürdige Mann-Weib-christusTeufelsgestalt als Versucher am Ölberg oder Christi „Beobachtung“ des sich versteckenden Verräters Judas).

Der Regisseur wäre gut beraten gewesen, sich strikt an die biblischen Vorgaben zu halten und eine Art Evangelien-Harmonie vorzunehmen   –  also das Wesentliche darzustellen, das sich aus den vier Evangelien ergibt.

Die Zeit, die durch den Verzicht auf ausgewalzte Grausamkeiten eingespart worden wäre, hätte Gibson sinnvoll einsetzen können, indem er die Auferstehung am Schluß nicht auf wenige Sekunden beschränkt, wie dies im Passionsfilm leider geschah. Nicht durch seinen Kreuzestod hat Christus sich als Gott erwiesen, sondern durch seine Auferstehung.

An einem Kreuz gestorben sind damals tausende von Opfern, aber auferstanden ist nur einer.

Was die Kritik betrifft, die von jüdischer Seite gegen den Film laut wurde, so ist diese teils berechtigt, teils überzogen. „Die Passion Christi“ ist durchaus nicht anti-semitisch, zumal durchaus ein differenziertes Bild der damaligen Juden    –  auch des Hohen Rates –  gezeigt wird.

Pilatus zu freundlich dargestellt

Gleichwohl können sowohl Juden wie Christen mit Recht daran Anstoß nehmen, daß der Film die Person des römischen Statthalters zu freundlich zeichnet.  Überspitzt gesagt erscheint nicht so sehr der Schmerzensmann Jesus, sondern eher Pilatus als der heimliche und eigentliche Held des Films. israeltag2

Christus wird als das bedauernswerte Opfer, als „Leidensknecht“ dargestellt, Pilatus hingegen fast als edler Philosoph, der sich tiefsinnig mit der „Wahrheitsfrage“ befaßt. In Wirklichkeit war er ein eiskalter, gewalttätiger Machtpolitiker  –  und seine Frage „Was ist Wahrheit?“ nicht philosophisch, sondern sarkastisch motiviert.

Auch die Gestalt der Gottesmutter erscheint in Gibsons Film nicht ganz gelungen: Positiv ist zweifellos, daß Maria in ihrem Mitleid mit dem göttlichen Sohn hervorgehoben wird, daß sie durch ihre Mütterlichkeit die Grausamkeit des Geschehens etwas ausgleicht. Doch ihre geheimnisvolle Bemerkung „Es geschehe also“ zu Beginn der Passion erweckt den Eindruck, als wisse sie über den Heilsplan Gottes zu diesem Zeitpunkt bereits bestens Bescheid.

Zudem ist es Christus selbst, der im Garten Gethsemane sein FIAT spricht: „Vater, nicht mein, sondern Dein Wille geschehe!“  – Diese einzigartige Hingabe des Gottessohnes an den Vater bedarf keiner „Bestätigung“ durch die Madonna. Unbiblisch ist auch jene Szene, in welcher Maria dem Apostel Petrus seine Verleugnung Jesu vergibt und ihm versöhnend die Hand reicht. In Wirklichkeit war es der Auferstandene selbst, der seinem sündigen Jünger verzeiht.

Auch die Persönlichkeit des Johannes wirkt nicht besonders überzeugend; der Apostel erscheint als bleicher Jüngling ohne Format.

Göttliche Erhabenheit Christi wenig erkennbar

Abschließend stellt sich die Frage, ob der Film geeignet ist, im Zuschauer die Liebe zu Christus zu wecken. Dies darf bezweifelt werden. Bestenfalls mag eine Mischung aus Mitleid und „Betroffenheit“ hervorgerufen werden.

Die göttliche Erhabenheit und Würde Christi kommt in dem blutgetränkten Streifen nicht genügend zum Vorschein. Es wird auch nicht ausreichend deutlich, daß der Kreuzestod Jesu vor allem die Konsequenz seiner völligen Hingabe an den himmlischen Vater darstellt – und zugleich eine heilsmächtige Liebe zur verlorenen Menschheit ausdrückt.

Die Liebe des HERRN  – und nicht der Schmerz des Gekreuzigten – ist die Mitte des Christentums. Der christliche Glaube beruht nicht auf einem düsteren Dolorismus (Schmerzensfixiertheit), er basiert auf dem allgemeinen Heilswillen Gottes für alle Menschen. Christus hat der Menschheit das Tor zum Himmel geöffnet –  aber nicht erzwungen: eintreten in der Nachfolge Christi muß jeder selber.

Keine Frage: gefühlsbedingte Schnell-„Bekehrungen“ mögen durch diese Filmvorführung durchaus vorgekommen sein, diese besagen jedoch wenig. Unser christlicher Glaube beruht jedenfalls nicht auf Angst und Schrecken, auch nicht auf Schwärmerei und Gefühlsüberschwang, sondern auf den Heilslehren, die uns Bibel und Kirche verkünden  – dazu gehört zweifellos auch die klare  und nüchterne Warnung vor der Hölle, aber keine dramatisierende Panikmache.

Es mutet zudem etwas merkwürdig an, daß Gibsons Film auch in einigen muslimischen Staaten erlaubt war, dort sogar die Massen anzog. Was mag die rabiaten Christenhasser, die in jenen Ländern das Sagen haben, dazu bewogen haben, ihren Untertanen ausgerechnet „Die Passion Christi“ vorzuführen?  Schließlich bestreitet der Koran schlichtweg, daß Christus überhaupt am Kreuz gestorben ist.

Hat man dort diesen Film vielleicht in seiner „Ambivalenz“, in seiner Zwiespältigkeit und Problematik besser erkannt als so mancher schnell begeisterte Christ?

Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.
 
Kontakt-Mail: felizitas.kueble@web.de
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Gedicht zur OSTERZEIT von Friedrich Spee

Zur Osterzeit

Die ganze Welt, Herr Jesus Christ,
zur Osterzeit jetzt fröhlich ist.

Jetzt grünet, was nur grünen kann,
die Bäum` zu blühen fangen an.

So singen jetzt die Vögel all.
Jetzt singt und klingt die Nachtigall.

Der Sonnenschein jetzt kommt herein
und gibt der Welt ein` neuen Schein.

Die ganze Welt, Herr Jesus Christ,
zur Osterzeit jetzt fröhlich ist.

Von Pater Friedrich Spee SJ 


„Hinabgestiegen in das Reich der Toten“

Heutige liturgische Lesung der kath. Kirche: 1 Petr 3,18-22:

Liebe Brüder! Christus ist der Sünden wegen ein einziges Mal gestorben, ER, der Gerechte, für die Ungerechten, um euch zu Gott hinzuführen; dem Fleisch nach wurde ER getötet, dem Geist nach aber lebendig gemacht.

So ist ER auch zu den Geistern gegangen, die im Gefängnis waren, und hat ihnen gepredigt.

Diese waren einst ungehorsam, als Gott in den Tagen Noahs geduldig wartete, während die Arche gebaut wurde; in ihr wurden nur wenige, nämlich acht Menschen, durch das Wasser gerettet.

Dem entspricht die Taufe, die jetzt euch rettet. Sie dient nicht dazu, den Körper von Schmutz zu reinigen, sondern sie ist eine Bitte an Gott um ein reines Gewissen aufgrund der Auferstehung Jesu Christi, der in den Himmel gegangen ist; dort sitzt ER zur Rechten Gottes, und Engel, Gewalten und Mächte sind ihm unterworfen.

 


Hundertjähriger Evangelist Billy Graham vertraut auch in schweren Zeiten auf Gott

GOTT schenkt uns in Christus „Hoffnung für immer“

Er befindet sich in seinem 100. Lebensjahr: Billy Graham. Sein persönliches Jahr 2017 bezeichnet der weltbekannte amerikanische Evangelist nicht als besonders erfreulich: „Ein Problem folgte dem nächsten.“ 

Es gab Krankheiten in der Familie, mehrere Todesfälle, finanzielle Schwierigkeiten und anderes: „Ich bat Gott darum, diese zu lösen, doch nichts geschah…Gott erlaubt schwierige Zeiten, doch er versorgt uns mit ewiger Hoffnung durch seinen Sohn.“

Graham erinnert daran: „Mitten in der schwierigen Zeit des Volkes Gottes konnte der Prophet Jeremia immer noch sagen: ‚Die Güte des HERRN hat kein Ende, sein Erbarmen hört niemals auf’», zitiert er aus dem Buch der Klagelieder (3,22). 

Der evangelikale Pastor sagt, dass er gerne wüßte, warum Gott schwierige Zeiten zulasse – er verstehe es selbst nicht völlig: „Aber Gott weiss alles über das Böse und das Leiden. Sein eigener Sohn ertrug Leiden und Tod am Kreuz. Doch danach gab es das leere Grab, weil Christus auferstanden ist. Das schenkt uns Hoffnung für immer.“

Wenn schwere Zeiten kommen, müsse sich unser Gottvertrauen bewähren: „Wir können bitter werden und uns von Gott abwenden  –  oder wir können uns im Glauben an ihn wenden und in ihm die Hoffnung und Stärke finden, die wir brauchen.“

Quelle (Text/Foto) und vollständiger Artikel hier: http://www.jesus.ch/themen/glaube/glaube/322146-gott_versorgt_uns_mit_ewiger_hoffnung.html


„Es ist ein heilsamer und frommer Gedanke, für die Verstorbenen zu beten“

Heutige liturgische Lesung der kath. Kirche: 2 Makk 12,43-45:

In jenen Tagen veranstaltete Judas, der Makkabäer, eine Sammlung, an der sich alle beteiligten, und schickte etwa zweitausend Silberdrachmen nach Jerusalem, damit man dort ein Sündopfer darbringe.

Damit handelte er sehr schön und edel; denn er dachte an die Auferstehung. Hätte er nicht erwartet, dass die Gefallenen auferstehen werden, wäre es nämlich überflüssig und sinnlos gewesen, für die Toten zu beten.

Auch hielt er sich den herrlichen Lohn vor Augen, der für die hinterlegt ist, die in Frömmigkeit sterben. Ein heilsamer und frommer Gedanke! Darum ließ er die Toten entsühnen, damit sie vom Sündenmakel befreit werden.

 


Der TOD ist das TOR zum LEBEN

Mit freundlicher Genehmigung des katholischen Priesters und Dogmatikers Prof. Dr. Joseph Schumacher aus Freiburg (siehe Foto) dokumentieren wir seine Traueransprache anläßlich der Beerdigung von Ingeborg Zech am 5. Juli 2017 in Bad Oeynhausen.

Die katholische Apothekerin, Bioethik-Expertin und Vortragsrednerin gehörte zu unserem Freundeskreis und war eine Leserin dieses CHRISTLICHEN FORUM.  –  Hier folgt die Predigt von Prof. Schumacher im vollen Wortlaut:

Mors porta vitae. Der Tod ist das Tor zum Leben.  –  Das hat die Verstorbene, die wir heute zu Grabe tragen, gelebt, freilich gegen den Zeitgeist.

Der Zeitgeist verweigert das Denken. Da werden Widersprüche aufgehoben und subjektive Meinungen werden da unumstößlich, während man gleichzeitig behauptet: Es gibt nichts Unumstößliches, es gibt nichts Bleibendes.

Wir verzichten auf das logische Denken, wenn wir behaupten, dass es nur diese eine Wirklichkeit gibt, in der wir leben.

Der griechische Philosoph Platon – er lebte im 5. und 4. vorchristlichen Jahrhundert – erklärt: Der Mensch kann Ewiges denken, also muss etwas Ewiges in ihm sein. Das aber ist die unsterbliche Geistseele, die nicht sterben kann.

Die Religionen der Menschheit sind ein lebendiger Beweis dafür, dass der Mensch in der Gestalt seiner Seele den Tod überdauert, ja, dass der Tod des Menschen gar gegen allen äußeren Anschein die Geburt für ein neues Leben ist.

Der Glaube an das Leben jenseits der Todesschwelle ist nicht erst das Ergebnis der alttestamentlichen und der neutestamentlichen Offenbarung. Immer schon hat die Ahnung von einem Leben jenseits der Todesschwelle das Leben der Menschen verklärt.  Das bezeugen nicht nur die  Religionen der Menschheit, davon reden auch nicht wenige Philo-sophen in der Geschichte der Menschheit. Unbewusst hat der Mensch schon immer damit gerechnet, dass der Tod nicht das Ende schlechthin ist.

Der Physiker Albert Einstein († 1955) erklärt nach dem Besuch eines Konzertes von Yehudi Menuhin († 1999): „Jetzt weiß ich, dass es die Transzendenz, dass es einen Gott im Himmel gibt“.

Nicht nur die Philosophie, auch die Kunst, vor allem auch die Musik, führt uns also zu jener Welt, die nicht der Vergänglichkeit unterworfen ist, die aber nichtsde-stoweniger eine Wirklichkeit ist.

Der Biologe  Joachim Illies († 1882) vergleicht das Sterben eines Menschen mit dem Geburtsvorgang und nennt den Tod den schmerzlichen Hinübergang des Menschen in eine neue Daseinsweise.

Er betont dabei, dass der Übergang in eine neue Daseinsweise immer schmerzlich, immer mit Schmerzen verbunden ist. Ihm, dem Biologen,  ist das schon vor mehr als drei Jahrzehnten zu einer existentiellen Erfahrung geworden.

Geboren werden wir in eine Welt der Geheimnisse, die Welt aber, in die wir hineinsterben, sie birgt weit größere Geheimnisse. Denn diese Welt ist sichtbar, jene aber ist un-sichtbar.

„Occido cum sole”, so lautet die Inschrift eines Grabsteins auf einem Friedhof in Genua: „Ich gehe unter gleich wie die Sonne”. Das ist ein schönes Bild für das Sterben. Denn die Sonne, die untergeht, verliert nicht ihre Existenz, sie wird vielmehr nur unsichtbar. So ist es, wenn ein Mensch stirbt.

Die Seele lebt weiter in jener unsichtbaren Welt, welche die Bedingung ist für die Existenz dieser unserer sichtbaren Welt ist, und wartet auf die Auferstehung der Toten, wie wir im Credo bekennen. So weit ist das Bild von der untergehenden Sonne auf den Tod des Menschen anwendbar, aber nur so weit.

Nicht anwendbar ist es auf den Tod des Menschen, wenn wir daran denken, dass jedem Abend und jeder Nacht wieder eine neuer Tag folgt, der in einem neuen Abend und in einer neuen Nacht seine Bestimmung hat. Anders ist das nämlich beim Sterben eines Menschen. Auch ihm folgt ein neuer Tag. Aber dieser unterscheidet sich wesentlich von dem zu En-de gegangenen. Denn dieser Tag kennt keinen Abend mehr. Er mündet in die Ewigkeit. 

Die Auffassung, dass der Tod das absolute Ende ist, diese Auffassung  ist eine zweifelhafte Errungenschaft erst unserer jüngsten Vergangenheit und unserer Gegenwart. Im-merhin gibt es heute für mehr als 50% unserer Zeitgenossen mitnichten ein Weiterleben nach dem Tod. Für so viele ist der Tod das definitive Ende. Von Dreien ist es vielleicht einer, der noch von dem Weiterleben nach dem Tod überzeugt ist.

Die einen sagen: Sterben heißt vergehen, und die anderen: Wir wissen nichts über den Tod und werden nie etwas erfahren über ihn – ignoramus et ignorabimus.

Die Vernunft hingegen sagt, und der christliche Glaube bestätigt es: Es folgt ein neues Leben. Denn nur das Sterbliche stirbt am Menschen. Der Mensch aber ist mehr als seine Leiblichkeit. In dieser seiner Leiblichkeit wohnt der Geist. Der aber kann nicht sterben, weil er immateriell ist. Diese Erkenntnis ist im Grunde die Geburtsstunde der Religion, die eigentlich zum Menschsein des Menschen gehört.

Was die Menschen immer gewusst haben, dass der Tod nicht das definitive Ende ist, dass es weitergeht, dass der Mensch eine unsterbliche Seele hat, das wird heute immer mehr zur Frage, obwohl wir diese Wirklichkeit schon mit unserem Denken erreichen können. Allein, das Vertrauen auf die Vernunft schwindet dahin.

Darüber klagt der Philosoph Jacques Maritain († 1973) mit eindrucksvollen Worten, über das schwindende Vertrauen auf die Vernunft, über die metaphysische Skepsis, die im Wachsen begriffen ist. Die metaphysische Skepsis wächst und breitet sich aus im Schatten unserer Gedankenlosigkeit und Oberflächlichkeit, im Schatten vor allem auch der gigantischen Manipulation der modernen Medien, wodurch wir auf das Vordergründige fixiert werden.

Bedenken wir noch ein Weiteres: Immer stirbt der Mensch allein, ganz allein, in letzter Einsamkeit. „On mourra seul” sagt der fromme Mathematiker und Philosoph Blaise Pascal. Er starb im Jahre 1662.

Den Hinübergang in die Ewigkeit müssen will alle allein vollziehen. Kein Mensch kann uns da begleiten. Nur einer, der Gottmensch, er kann mit uns gehen. Denn er ist schon drüben, und dennoch ist er, gemäß seiner Verheißung, bei uns.

„Nur einer gibt Geleite“, so singen wir in dem Lied „Wir sind nur Gast auf Erden”. Er geht mit uns, und seine heiligen Engel begleiten uns, wenn wir uns ihm und ihnen anvertrauen.

Pilger sind wir und Fremdlinge in dieser Welt, unser Ziel ist die himmlische Heimat. Dass wir sie erreichen möchten, darauf muss unser Mühen und Kämpfen ausgerichtet sein. Der Tod ist die Bilanz des Lebens, dem Tod folgt das Gericht. Auch das wissen die Religionen der Menschheit allgemein.

In der Geheimen Offenbarung, dem letzten Buch des Neuen Testamentes lesen wir: „Selig sind die Toten, die im Herrn sterben“ (Apk 13,14) und im Alten Testament, im Buch des Predigers: „Wie der Baum fällt, so bleibt er liegen (Pred 11,3).

Es gilt, dass wir in Treue und Gewissenhaftigkeit den Willen Gottes erfüllen, ein Leben lang. Gottes Gnade tritt in der Regel nicht an die Stelle unseres Bemühens. Die Gemeinschaft mit Christus muss in einem Leben des Gebetes und in der täglichen Nachfolge Christi geübt und eingeübt werden. In der Gemeinschaft mit Christus gehen wir nicht dem Dunkel, son-dern dem Licht entgegen, und zwar einem unbeschreiblichen Licht.

Wenn wir zu leben verstehen, ist der Tod nicht Ende, sondern Vollendung. Wir tun gut daran, diese Vollendung stets vor Augen zu haben. Gott erweist sich uns als ein treuer Gott, wenn wir ihm die Treue halten. Wenn wir nicht von ihm lassen in den Fährnissen des Lebens, wenn wir auf ihn vertrauen und sein Wort annehmen, dann erweist er sich uns als ein treuer Gott auch über die rätselhafte Schwelle des Todes hinaus.

Gott ist ein Gott der Lebenden, weil er das Leben schlechthin ist, weil alles Leben aus ihm hervorgeht. Er hat nie begonnen, immer ist er gewesen, und immer wird er sein.

Wir brauchen den Tod nicht zu fürchten, wenn wir wachsam sind, wenn wir beharrlich sind in der Treue, wenn wir die Zeit nutzen für die Ewigkeit, die Zeit, die kurz ist.

„Denke immer an das Ende und daran, dass die verlorene Zeit nicht wiederkehrt“, heißt es in der „Nachfolge Christi“ des Thomas von Kempen (1, 25, 11).

Demgemäß erinnert uns Bischof Johann Michael Sailer († 1832) daran, dass Todesgedanken fast immer unsere beste Philosophie und unsere treuesten Freunde sind, deshalb, weil sie uns die unangenehmste Wahrheit sagen. Angenehm wird sie, wenn wir wissen, dass dann dem Karfreitag das Osterfest folgt, wenn wir ihn, den Karfreitag, in der Gemeinschaft mit Christus bestanden haben.

Das Weizenkorn wird gemäß einem zentralen Jesus-Wort in die Erde gelegt, damit es dem Erntetag entgegenreift (Joh 12, 24). Amen.

Weitere Ansprachen, Artikel, Vorträge, Vorlesungen von Prof. Schumacher gibt es hier: http://www.theologie-heute.de/


In CHRISTUS wohnt die Fülle der Gottheit

Heutige liturgische Lesung der kath. Kirche: Kol 2,6-15:

Brüder! Ihr habt Jesus Christus als HERRN angenommen. Darum lebt auch in ihm!

Bleibt in IHM verwurzelt und auf IHN gegründet und haltet an dem Glauben fest, in dem ihr unterrichtet wurdet. Hört nicht auf zu danken!

Gebt acht, dass euch niemand mit seiner Philosophie und falschen Lehre verführt, die sich nur auf menschliche Überlieferung stützen und sich auf die Elementarmächte der Welt, nicht auf Christus berufen.

Denn in IHM allein wohnt die ganze Fülle Gottes wahrhaftig. Durch IHN seid auch ihr davon erfüllt; denn ER ist das Haupt aller Mächte und Gewalten.

Mit Christus wurdet ihr in der Taufe begraben, mit IHM auch auferweckt, durch den Glauben an die Kraft Gottes, der ihn von den Toten auferweckt hat.
Ihr wart tot infolge eurer Sünden, und euer Leib war unbeschnitten; GOTT aber hat euch mit Christus zusammen lebendig gemacht und uns alle Sünden vergeben.

ER hat den Schuldschein, der gegen uns sprach, durchgestrichen und seine Forderungen, die uns anklagten, aufgehoben. ER hat ihn dadurch getilgt, dass er ihn an das Kreuz geheftet hat.

Die Fürsten und Gewalten hat GOTT entwaffnet und öffentlich zur Schau gestellt; durch Christus hat ER über sie triumphiert.